Die Sternsinger werden in einer Twitterdiskussion mit Blackfacing in Verbindung gebracht. Und damit sind sie natürlich Rassisten. Oder?
Von Blackfacing spricht man, wenn weiße Schauspieler sich schwarz schminken, um auf eine sehr spezifische Weise Schwarze als ein wenig tölpelhafte, aber fröhlich singende Menschen darzustellen. Das war eine im 18. und 19. Jh. in den Vereinigten Staaten populäre Form des Rassismus.
Nun wird also als Blackfacing kritisiert, wenn Sternsinger sich schwarz schminken, um den traditionell als Schwarzen gedachten König Balthasar darzustellen. Das heißt: Wenn ein Kind (oder meinethalben auch ein Erwachsener) mit heller Hautfarbe einen von drei gleichrangigen Königen spielen will und sich dafür dunkel schminkt, ist das angeblich ein rassistischer Akt. Dabei wird u.a. argumentiert, man könne doch diese Rolle einem Schwarzen geben. Das wiederum heißt: Eine Gemeinde, in der kein Schwarzer ist, darf den Balthasar nicht spielen. Und wenn einer da ist, dann müssen die Sternsinger auf den zugehen und ihn bitten, den Balthasar zu spielen, weil er so schön schwarz ist. Nicht etwa, weil sie ihn gerne als Sternsinger-Kollegen wollen, oder weil er so eine tolle Stimme hat, oder weil er ein frommes und gescheites Kind ist, dem man zutraut, genau zu verstehen, warum es die Sternsinger gibt – sondern weil er schwarz ist.
Das tut keine Kirche, aber das käme dabei heraus, wenn man der Aufforderung Folge leistete, den Balthasar gefälligst von einem Schwarzen spielen zu lassen oder gar nicht. Und das wäre nun wirklich übelster Salon-Rassismus. Das hieße nämlich: Du bist schwarz, also musst du den Balthasar spielen; ob du das willst und kannst, ist dabei völlig egal, es geht uns nur um deine Farbe. Dank sei Gott, daß auf so eine blöde Idee wirklich nur Kirchenferne kommen!
Die Heiligen drei Könige werden traditionell als Vertreter der drei in der frühen Neuzeit bekannten Kontinente gesehen. Europäer, Asiaten und Afrikaner werden also als gleichrangig, als königlich und weise gesehen. Hinzu kommt, daß der afrikanische König in der bildenden Kunst immer besonders schön dargestellt wird. (Die lächerliche Darstellung Schwarzer als kulleräugige Tölpel kommt im 19. Jh. auf und findet sich in keiner Kirche.)
Wenn hellhäutige Kinder sich zu dunkelhäutigen Königen schminken, nehmt es als das, was es ist: den in der Kirche verwurzelten Hinweis, daß alle Menschen gleichen Wert und gleiche Würde haben, und die kirchliche Tradition, die Weisen zu Königen und die Könige zu Vertretern aller Welt zu erklären.



