Massenhaft und MEHR!

Von Donnerstag bis Sonntag war ich auf der MEHR in Augsburg – einer von Johannes Hartl organisierten Konferenz, an der über 10.000 Menschen teilnahmen.

Ich bin ein Mensch mit Angst vor Menschenmengen – nicht so, daß ich in Panik ausbreche, aber doch so, daß ich mich bei einer Party mit fünfzig Leuten schon extrem unwohl fühle. (Marsch für das Leben und gut besuchte Gottesdienste sind Ausnahmen, weil es da einen klaren Ablauf gibt und ich weiß, wo ich hingehöre.) Als ich mich im Dezember endlich durchgerungen hatte, mich zur MEHR anzumelden, dachte ich eine Weile: „Claudia, du spinnst.“ Und nun bin ich zurück von einer Veranstaltung, bei der meine Gedanken bezüglich der Massen waren: „Wow, ist das klasse, so viele, alle sind wegen Jesus hier! Ist das großartig – aber ein paar mehr dürften es ruhig sein!“

Meine späte Anmeldung hatte zur Folge, daß ich nur noch ein Hotel sehr weit draußen fand. Das Euro Hotel Friedberg ist zwar äußerst preisgünstig und sehr angenehm, sauber, äußerst freundlich, mit phänomenalem Frühstück… aber man sollte dort schon ein Auto haben. Allerdings bekam ich morgens regelmäßig eine Mitfahrgelegenheit, nur die Rückkehr abends gestaltete sich etwas aufwendiger. Der Bus fährt stündlich, und Sonn- und Feiertags fährt er nicht mehr alle Stationen an. Deshalb habe ich das Abendprogramm an keinem Tag mitgemacht, sonst wäre es mir zu spät geworden.

Am Donnerstag fuhr ich mit der Bahn nach Augsburg, verpasste dort den nur stündlich fahrenden Bus zum Hotel. Der nächste Bus brachte mich bis kurz vor das Hotel, und beim Versuch, eine Abkürzung über eine regennasse Wiese zu nehmen, rutschte ich aus und lag kurz der Länge lang im Matsch. Die Frau an der Rezeption zeigte sich aber völlig gelassen, als ich etwas geniert sagte, normalerweise sehe ich besser aus. Meine Sachen wurden im Hotel sogar kostenlos gewaschen!

Bei der MEHR checkte ich ein und erlebte ein erstes Einatmen der fröhlichen und friedvollen Atmosphäre. Leider war heute keine Messfeier in der MEHR; ich ging abends nach St. Georg zu Anbetung und Messe und kam rechtzeitig zurück zur MEHR, um den ersten ruhigen Lobpreis mitzusingen. Für die Musik auf der MEHR war [edit: unter anderen] die Band Könige und Priester zuständig mit eingängiger, aber niemals schnulziger Musik und biblischen sowie an der Schrift orientierten Texten sowie „Schönster Herr Jesu“ von Friedrich von Spee (dafür mein besonderes Lob). All das ist fern von dem unerträglichen Genre „Neues Geistliches Lied“ und einfach gute Musik zur Ehre Gottes!

Ich hatte eine Karte für MEHRspace, das ist ruhiger als MEHRauditorium und ohne Laserlicht. Die Vorträge von Johannes Hartl und der Lobpreis wurden dort auf Leinwand übertragen. Nur wenige Vorträge gab es ausschließlich in der MEHRspace, während im Auditorium andere gehalten wurden.
Das gemeinsame Singen war sehr schön. Den anschließenden Vortrag von Johannes Hartl „Jubeln für Anfänger“, den ich schon des humorvollen Titels wegen gerne gehört hätte, verpasste ich, denn die umständliche und lange Fahrt zum Hotel wollte ich nicht noch später machen. Die folgenden Tage zeigten mir, daß es auf der MEHR wahrlich genug zu sehen, zu erleben, zu lernen gibt, auch wenn man nicht alles „mitnimmt“.
Ich kam gleichzeitig mit einer anderen, mir bisher unbekannten MEHR-Teilnehmerin am Hotel an. Sie hatte für morgen eine Mitfahrgelegenheit nach Augsburg und bot mir an, mitzufahren. Für die nächsten Tage sollte mir und ihr ein anderer MEHR-Teilnehmer Chauffeurdienste anbieten. Damit war das morgendliche Fahrproblem gelöst, nur abends blieb es bei den Öffentlichen.

Das MEHR-Forum ist eine riesige Halle mit Ständen. Hier stellen sich Organisationen und Initiativen vor, man kann über Christenverfolgung ebenso etwas lernen wie über verschiedene Orden, christliche Schulen, Hilfsangebote bei verschiedenen Lebensproblemen und Situationen, auch Radio Horeb und der katholische Fernsehsender EWTN haben Stände, und man kann überall interessante und freundliche Gespräche haben. Gefährlich für mich war, daß man an fast jedem Stand irgendeine Art von Süßigkeit bekommen konnte! Aber man fährt ja nicht zum Abnehmen auf die MEHR.
Besonders erfreulich fand ich das Gespräch mit den Immakulataschwestern aus dem Kloster Brandenburg (leider nicht das Brandenburg in meiner Nähe, sondern Brandenburg an der Iller). Sehr fröhliche und sehr geradlinige Christinnen sind das! Die Geradlinigkeit zeigte sich auch, als eine junge Frau mit Kreuz und Traumfänger um den Hals diesen Stand in Augenschein nahm. Eine Schwester wies sie höflich, aber bestimmt darauf hin, daß der Traumfänger ein esoterisches Symbol sei und sie ihn bitte abnehmen möge. Dies sah die Frau nicht ein, die sich als Katholikin bezeichnete und argumentierte, alle Religionen hätten doch irgendwie recht. Sie wurde daraufhin gebeten, den Traumfänger von diesem Stand zu entfernen – was sie tat, indem sie mitsamt ihrem esoterischen Quatsch wegging.
Dies war allerdings meine einzige Begegnung mit relativistischem oder esoterischem Kram während der MEHR. Nach meinem Eindruck gab es dergleichen dort wirklich wenig. Ökumenisch orientiert ist die MEHR trotz ihres deutlich katholischen Profils; im Forum finden sich verschiedene evangelische Stände, und es wird allgemein großer Wert darauf gelegt, auf das Verbindende zu sehen und einander zu respektieren.

Im Raum der Stille war ständig Eucharistische Anbetung und im hinteren Teil meistens Beichtmöglichkeit. Dort waren zu Spitzenzeiten etwa fünfzehn Priester, und man musste Schlange stehen! Auch zwei bis drei evangelische Pfarrerinnen waren dort bereit zu Beichtgesprächen. (Die evangelische Kirche sieht die Beichte zwar nicht als Sakrament an und gibt keine Absolution, kennt aber das Beichtgespräch mit anschließendem Gebet um Versöhnung und Segensbitte.) Sie saßen aber meist allein da. Ich war hierüber erst etwas süffisant, aber ein katholischer Freund wies mich zurecht darauf hin, daß sie dort ausharrten und nicht weggingen – und auch das ist Gottesdienst.

Sehr viele Kinder waren dabei, und die ausgezeichnete Organisation der Konferenz hatte dafür Sorge getragen, es gab passende Nebenprogramme für alle Altersstufen. Der Saal der MEHRspace hat zudem eine unbestuhlte Fläche an der Seite, wo immer irgendwelche Kinder spielten. (Ein etwa fünfjähriges Mädchen verbrachte mindestens eine halbe Stunde damit, immer wieder nach zwei perfekten Radschlägen in den Spagat zu fallen, wieder aufzuspringen, ein paar Schritte zu laufen und dann das Ganze von vorn. Lachend, die kleine Artistin!) Überhaupt waren die Kinder größtenteils sehr locker und fröhlich, und auf gelegentliche Quengeleien wurde grundsätzlich freundlich und liebevoll reagiert. Ich habe kein einziges Mal erlebt, daß auf der MEHR ein Kind angeschrien oder irgendwo weggezerrt wurde. Mein künftiges Patenkind schlief jedesmal, wenn ich sie sah, unbeeindruckt von der lauten Umgebung.

Fast ein Wunder – aber in Wahrheit wohl einfach eiserne Disziplin und unglaublicher Fleiß der Putzfrauen – war die Sauberkeit der Toiletten. Ich hatte mich da auf einiges gefasst gemacht, bei über zehntausend Menschen, aber es gab auch in dieser Hinsicht keine Probleme. Kurz kam mir der Gedanke: Die meisten Putzfrauen hier sind offensichtlich nichtdeutsche Muslimas. Ob jemand denken mag, die nehmen ihm den Arbeitsplatz weg, indem sie für zehntausend Menschen die Klos putzen? Auf der MEHR vermute ich solche Leute nicht, aber es gibt sie da draußen, ich weiß es.

Ich habe am letzten Tag immer wieder dem ein oder anderen an Garderobe, beim Catering, beim Reinigungsdienst und zuletzt beim Sicherheitsdienst gedankt für die gute Arbeit – denn das fand ich sehr nötig. So viele Menschen haben gearbeitet für die MEHR, und von einer Frau vom Catering erfuhr ich, daß diese Arbeit auch mal über zehn Stunden dauert und die Kräfte einer über 60jährigen eigentlich übersteigt.

Freitag fand die Messe im Raum der Stille statt, und ich dachte, so gut besucht möchte ich eine Sonntagsmesse in meiner Heimatgemeinde auch immer haben.

Die Messe an Epiphanias fand in der riesigen Halle des MEHRauditorium statt – und die war brechend voll. Zelebrant war Marian Eleganti, der Weihbischof von Chur, und die Predigt hielt Father James Mallon aus Kanada. Die Könige und Priester mit ihrer frischen Musik waren ein wunderbarer Teil des Gottesdienstes, der Psalmengesang war wirklich herzbewegend.
Die Sonntagsmesse wurde für die MEHRspace-Besucher live übertragen, wir feierten sie also gültig mit, und es kamen auch Priester und reichten uns die Eucharistie. Ich hätte es aber schon edel gefunden, wenn man auch diesmal alle ins Auditorium gelassen hätte. Es ist seltsam, eine Messe in Echtzeit zu sehen, geistlich teilzunehmen, aber nicht körperlich dabeizusein. Weihrauch aufsteigen sehen, ohne daß es duftet, ist vollends sonderbar – auch wenn ich weiß, daß er für Gott ist und nicht für mich.

***

Was ich aus Johannes Hartls Vorträgen, soweit ich sie mitgehört habe, mitnahm:

Über Schuld, Verleugnung und Schönreden und echte Versöhnung
So schlimm das Schönreden von Schuld und Sünde ist (es ist eine glatte Lüge und kann zu Selbstmord führen!), gibt es noch Schlimmeres: seine Schuld einzusehen, aber auf den Ankläger zu hören, auf Satan, der uns sagt, daß wir schlecht sind (was stimmt) und daß es deshalb keine Rettung gibt (was Blödsinn ist).
Echte Versöhnung braucht dreierlei: Ehrliche Anerkenntnis der Schuld, echte, fühlbare Reue und echten Ausgleich der Schuld. Das kann niemand von sich aus vollkommen leisten. Die Lösung des Problems – die einzige Lösung! – ist Jesu Kreuzesopfer als Täter-Opfer-Ausgleich. Hartl: „Gott ist Mensch geworden und hat an unserer Stelle etwas getan, was kein Mensch kann. Er war der komplette Büßer.“
Das Kreuz zeigt uns, was Sünde macht. Sie durchbohrt den besten aller Menschen. Das zeigt: So verloren wie Jesus am Kreuz ist jeder Sünder. Dort hat der Ankläger, der Zerstörer sein Werk getan – und dort wurde er besiegt. Satan kann nichts mehr ausrichten.
So verloren wie Jesus am Kreuz wäre ich – so geliebt bin ich.
Das Christentum sagt: Ja, wir sind Sünder – aber Erben Gottes. Wir sind keine guten Menschen – aber von Jesus gerettet.
„So wie Jesus zwischen zwei Menschen gekreuzigt wurde, wird jede Wahrheit zwischen zwei Häresien gekreuzigt.“ (Tertullian) Das Kreuz steht zwischen Moralismus und Relativismus. Hartl: „Es gibt keine guten Menschen, es gibt nur normale Sünder, die viel mehr Schlimmes täten, wenn sie Gelegenheit dazu hätten.“
Jesus ist die Sabbatruhe.

Über Wertschätzung und Freiheit
Sie sind der Schlüssel, der überall passt; man kann mit ihnen Herzen öffnen. Niemand hat diesen Schlüssel so vollkommen benutzt wie Jesus.
Nathanael fragt skeptisch, was denn aus Nazareth Gutes kommen könne – und Jesus nennt ihn einen echten Israeliten, an dem kein Falsch ist (Joh. 1,46-47). Jesus hört Nathanaels Einwand nicht als Nörgelei, sondern als sehnsüchtige Frage eines Schriftkundigen.
Mit dem verachteten Steuerpächter Zachäus (Lk. 19,1-10) isst Jesus – nur einfach dies. Er sagt ihm nicht, was er tun soll, darauf kommt Zachäus von selbst, nachdem Jesus mit ihm gegessen, also: ihn wertgeschätzt hat.
Jesus hat niemals jemanden beschämt oder kontrolliert. Authentische Liebe ist das Siegel und Zeichen, an dem man Jünger Jesu erkennt.
Wer alles kontrolliert, kann vielleicht einen Judas unter seinen Freunden vermeiden – aber die anderen elf, die heiligen Apostel, vermeidet er auch.
Simon der Pharisäer wird von Jesus gefragt: „Siehst du diese Frau?“ (Lk. 7,36-50) Was für eine Frage! Eine stadtbekannte Prostituierte drängt sich in einen intellektuellen Gesprächskreis frommer Männer und salbt dem prominenten Gast die Füße – und Jesus fragt den Gastgeber, ob er diese Frau sieht!
Simon sieht die Nutte. Jesus sieht die Frau.

Es ist Gottes Eigenschaft, gefallenen Menschen kostbare Gewänder anzuziehen (Ez. 16,4-8).
„Er hat die Riegel deiner Tore festgemacht… Er verschafft deinen Grenzen Frieden…“ (Ps. 147,13-14) Das kann auch die Grenzen bedeuten, die in jeder menschlichen Beziehung nötig sind, gleich ob es eine Partnerschaft, eine freundschaftliche, eine kollegiale oder irgendeine andere Beziehung ist.
Zur Kultur des Reiches Gottes gehört die Regel: Du bist in königliche Roben gehüllt, deshalb musst du andere nicht beugen. Die anderen sind auch Könige – das nimmt dir nichts!

Asche
Der Prophet Elia erlebte Burnout und Depression (1 Kön. 19).
Gott lässt zu, daß Elia seine Erfolge (1 Kön. 18)vergisst und alles sinnlos findet. Elia will sterben; sein Feuer ist gewissermaßen zu Asche geworden – und lernt in der Wüste, daß er auf Hilfe angewiesen ist: Ein Engel versorgt ihn mit in Asche gebackenem Brot und Wasser.
Dann aber geht er nicht etwa gestärkt wieder in die Stadt, sondern tiefer in die Wüste hinein, bis zum Berg Horeb (dessen Name sich mit „Verwüstung“ oder „Ödnis“ übersetzen läßt).
Gott hatte das in 1 Kön. 18 beschriebene Töten der Baalspriester übrigens nicht befohlen. Sonst steht bei allem, was Elia tut, daß er auf Gottes Weisung handelt oder nach einer Anrufung Gottes, nur hier handelt Elia eigenmächtig. Möglich ist die Interpretation, daß die von Gott nicht befohlene Tötung der Baalspriester ihn belastet, daß hier der Kern von Elias Problem liegt: Elia hat für Gott geeifert, aber die Tötung von Menschen war seine eigene Entscheidung. Elia hat sich über die 450 Baalspriester ereifert, Gott aber sieht die siebentausend, die Ihm treu geblieben sind (1 Kön. 19,18).
Am Horeb ist Gott nicht im Erdbeben oder im Sturm, sondern im sanften Säuseln – Elia, nach Jesus Sirach 48,1 „ein Prophet wie Feuer“, kommt dort zu Ruhe, wo einst Moses die Gebote empfing.
Elia lernt in der Wüste, daß er, der Starke, nichts aus eigener Kraft kann. Tests sind notwendig, um das zu begreifen – nicht nur bei ihm.
Manchmal muß etwas verbrennen, um zu klären, daß hier nicht Gottes Plan, sondern menschlicher Traum erfüllt werden sollte. Elias Flucht vor Isebel war ein Rückzug aus Angst – das ist gefährlich. Elia musste durch die Wüste, um wieder vor Gott stehen zu können, um wieder sagen zu können: Ich bin Elia, der vor Gott steht (1 Kön. 17,1).

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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7 Antworten zu Massenhaft und MEHR!

  1. confidentcatholic schreibt:

    Super schön, dass du über deinen „Schatten“ gesprungen bist und die MEHR so toll erlebt hast. Trotz Hotel weit draußen etc, scheint es sich gelohnt zu haben! Danke für deinen eindrücklichen Bericht. Und dass du die Putzfrauen erwähnt hast!! Ich glaube uns wäre oft gar nicht bewusst wie schnell solche Veranstaltungen sonst ins Chaos rutschen würden.
    Was du über Video-Messen sagst kann ich nachvollziehen. Dabei denke ich dann immer an Menschen die Sonntags im Fernsehen die TV-Messen schauen müssen, weil die nächste Kirche zu weit weg ist oder sie bettlägirig sind oder dergleichen. Aber der Geist wirkt, ganz bestimmt ❤ LG

  2. DieTheologin schreibt:

    Sehr schöner mutmachender Bericht. Anmerkung: Die Beichte in der ev. Kirche kennt sehr wohl die Absolution, da sie aber kein Sakrament ist, wird sie in der Regel weniger wahrgenommen als in der rk. Kirche. Ich habe während 12 Dienstjahren keine einzige Beichte gehört, weil einfach keiner kam. Aber selber öfter gebeichtet.

  3. Gerd schreibt:

    >>und ich dachte, so gut besucht möchte ich eine Sonntagsmesse in meiner Heimatgemeinde auch immer haben.<<
    Ja, es gibt Momente in denen ich dem Herrn auch vorschlage drei Hütten für ihn und die Propheten zu bauen. Es muss schon einen Grund haben, warum Jesus erst gar nicht auf dieses Anliegen eingeht. Etwas später wird er seine Jünger fragen: "Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?" Er wird den Petrus mit Satan anreden und ihn, den Möchtegern-Hüttenbauer, unsanft auf den Boden der Realität zurück holen, die da lautet: Den Kelch trinken, das Martyrium annehmen und durchhalten bis zum Schluss. Ich war nicht in Augsburg und bin so auf die Homepage von MEHR angewiesen und auf Artikel wie sie hier und anderswo zu lesen sind. Das Resumé-Video von 2018 schreckt mich dann doch ab. So ein Video wird ja ins Netz gestellt um den Appetit anzuregen, mal selber an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Da sind, in schneller Schnittfolge und untermalt von Rock- und Coldplay-Sound, nur glückliche Menschen zu sehen. Grelle Farben, hippe Jugend und Arme in den Himmel. Laut muss es sein, dieses Video. Das kommt mir alles irgendwie zu zeitgemäß rüber. In einem anderen Video konnte ich sehen, wie eine evangelikale Vorbeterin explizit den Segen über die anwesenden Katholiken sprach. Sie wurde von Herrn Hartl dazu aufgefordert und alle machten mit, Bischöfe, Priester und Laien, teilweise verzückt, in Andacht vereint. Wir wissen wohl nicht mehr, dass der Segen, so wie ihn die Kirche versteht, nur dem geweihten katholischem Priester vorbehalten ist. Natürlich fühlten sich alle geeint und als Geschwister bestätigt, alles Trennende fällt endlich von uns ab und es gibt keine Unterschiede mehr. Die Grenzen verwischen das Trennende eint. Schön und gut? Steigen wir auch wieder vom Berg hinab und begleiten wir den Herrn auf den Ölberg? Denken wir dann wie Gott will und nicht wie die Menschen wollen?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Tja. In meiner Berliner Gemeinde sollte das bei rund 5000 offiziellen Gemeindemitgliedern eigentlich kein Problem sein, aber … nun ja… sie kommen nicht alle.

  4. Suse schreibt:

    Kleine Korrektur: die Band „Könige und Priester war nicht für die Musik auf der MEHR verantwortlich sondern gab nur am ersten Abend ein Konzert.
    Alle anderen Lobpreis Zeiten und die musikalische Gestaltung der Messen oblag den Bands des Gebetshauses Augsburg welches ja auch Veranstalter der MEHR ist.

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