Zum Auftakt des Marsches für das Leben wurde heuer zum zehnten Mal in St Marien-Behnitz in Berlin-Spandau eine Messe gefeiert, wie immer mit meinem hierfür gedichteten Lied zum Eingang.
Melodie: Aus tiefer Not schrei ich zu Dir
Die Kinder, die vom Mutterschoß
Aus dieser Welt genommen,
Betrogen um ihr Menschenlos –
Herr, lass sie zu Dir kommen!
Neig ihnen zu Dein Angesicht,
Lass leben sie in Deinem Licht,
Gib ihren Seelen Frieden.
Die Menschenknospen, wehrlos klein,
Zerrissen, ungeboren,
Sie lebten durch Dein Wort allein –
Herr, gib sie nicht verloren!
Wo Menschenschuld den Tod gebracht,
Erweise Deine Lebensmacht,
Führ sie zur ewgen Freude.
Führ auch an Deiner Vaterhand
Auf Deine guten Wege,
Die diesen Kleinen aberkannt
Die Liebe und die Pflege.
Geh nicht an ihrer Not vorbei,
Lass sie bekennen und verzeih,
Gib ihren Seelen Frieden.
© Claudia Sperlich
Wie üblich, hatten die Gegner des MfdL sich wieder eine Störaktion einfallen lassen; diesmal brachten sie in der Kirche einen Störsender an, und während der Predigt tönte in der Kirche eine Art Pop, die ich langweilig fand. Der Priester reagierte sehr gelassen, unterbrach die Predigt kurz, bat die Küsterin, der Polizei Bescheid zu geben, und sehr schnell war der Peilsender gefunden und unschädlich gemacht. Der Gottesdienst verlief im übrigen so froh und würdevoll und erhebend, wie eine katholische Messe eben ist.
Als wir nach der Messe vor der Kirche noch etwas plauderten, sagte der Priester „Das war so 33“ und erklärte, in genau dieser Kirche habe die SA bereits 1933 den Gottesdienst gestört. Interessant, was für Traditionen da hochgehalten werden!
Die Kundgebung begann um 13.00 Uhr vor dem Berliner Hauptbahnhof; nach einer guten Stunde ging es dann los. Da ich nicht mehr so lange stehen oder gehen kann – kurze Strecken sind in Ordnung, lange tun weh -, war ich im Leihrollstuhl da; ein älterer Priester schob mich die ganze Strecke. Passenderweise gingen wir auch die Invalidenstraße entlang.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass unter den Störern am Rand des MfdL Behinderte und Gebrechliche so gut wie nie zu sehen sind, im MfdL jedoch Menschen aller Art mitgehen. Die Polizei löste ein paarmal kurze Blockaden auf, das ging jedesmal sehr schnell. Der ganze MfdL war sehr fröhlich und festlich; schätzungsweise 4200 Menschen waren gekommen.
Menschenleben ist nicht verhandelbar, Menschenwürde ist nicht relativierbar. Lebensrecht hängt nicht von Alter, Gesundheitszustand oder Leistung ab und auch nicht davon, ob dies Leben gerade in den Lebensentwurf eines anderen Menschen passt. Kein Mensch soll sterben, weil er einem anderen gerade nicht gelegen kommt, oder weil jemand annimmt, aus diesem Menschen werde ohnehin nichts Rechtes, oder warum auch immer. Die Würde des Menschen ist unantastbar (der Satz stammt nicht von mir), und jede Abtreibung, jede Tötung auf Verlangen, jede Euthanasie tastet die Würde des Menschen nicht nur an, sondern vernichtet sie völlig.
Auch wenn die gesellschaftliche Entwicklung derzeit in andere Richtungen tendiert, das Lebensrecht negiert, zugleich im Fall von Leihmutterschaft Schwangerschaft als Dienstleistung und Kinder als Handelsobjekte ansieht, kann Unrecht nicht gut werden und Recht nicht falsch.










Nächstes Jahr wieder. Ich hoffe und bete, einst den Marsch zum Dank für das Ende der Abtreibungen und Euthanasien mitgehen zu dürfen.



