Fronleichnam geht anders, Berliner!

Gestern nahm ich an der zentralen Feier Fronleichnam in Berlin teil.
Danach war ich wütend und traurig.

Tobias Klein hat darüber ausführlich gebloggt; ich mache es nur kurz und zitiere die Mail, die ich am späten Abend noch ans Erzbischöfliche Ordinariat geschickt habe.

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte erklären Sie mir, wie es zu diesem Ablauf der Prozession kommen konnte.

Der Eucharistische Herr stand auf einem schmucklosen Altar an einer Straßenecke, und das Volk wurde dort regelrecht vorbeigetrieben mit Worten wie „Schnell, schnell, weitergehen“ und „Weitergehen, keine Verehrung!“.

Ich war leider zu feige, trotzdem niederzuknien. Ich blieb dennoch kurz stehen, um mich wenigstens zu bekreuzigen – und ungelogen, mir wurde kaum dafür genug Zeit gewährt. Alles musste „schnell, schnell“ gehen. Nur vor der Kathedrale durfte man dann wieder lange, lange völlig sinnfrei herumstehen, die Lieder singen, die zur Anbetung gehört hätten, und sich dröge Sprüche anhören, bis endlich der Herr auch hierher getragen wurde. (Kleiner Hinweis: Der Satz „Wir glauben, daß der Herr in diesem Brot ist“ wird nicht wahrer davon, daß er häufig gesagt wird. Der Herr ist nicht irgendwo in der Hostie; die Hostie ist der Herr, jeder einzelne Krümel davon. Ist Thomas von Aquin dem Kirchenvolk etwa nicht mehr zuzumuten?)

Falls Derartiges nächstes Jahr wieder passiert, werde ich hoffentlich vor dem Herrn niederknien, gleich wie laut es verboten wird. Das hätte ich schon heute tun sollen. Es ist natürlich ein bizarres Dilemma, wenn man, wie ich, der Kirche gegenüber Gehorsam gelobt hat und die Kirche in Gestalt ihrer Diener einem dann die Verehrung des Eucharistischen Herrn verbietet!

Ich erwarte Ihre Antwort.

Mit bestmöglichen Grüßen
Claudia Sperlich

Ich bin froh, daß bei der äußeren Feier am Sonntag in St. Ludwig (gemeinsam mit der Großgemeinde Maria unter dem Kreuz) Würdigeres zu erwarten ist. Dennoch sagte ich vorsichtshalber schon jetzt: Ich habe bei Meditationstexten eine höhere Platitüdentoleranz als Bloggerkollege Tobias, aber wer mich vom Herrn vertreiben will, muß künftig mit Widerstand rechnen. Ich werde knien – und wer mich aus dem Weg haben will, muß mich wegheben. Zu irgendwas muß mein starkes Übergewicht ja mal gut sein!

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Fronleichnam geht anders, Berliner!

  1. Gerd schreibt:

    „Ich werde knien – und wer mich aus dem Weg haben will, muß mich wegheben.“

    „Wenn man Gott auf Augenhöhe begegnen will, muss man sich niederknien.“ (Kardinal Meisner) Vielleicht noch der Hinweis, dass Briefe und E-Mails an das bischöfliche Ordinariat, zumindest hier in Münster, genauso viel Wirkung haben, wie ein Tropfen Wasser auf einen sehr großen und sehr heißen Stein. Das war für mich mal tägliches Brot. Aber vielleicht ist es in Berlin ja ganz anders.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ganz anders ist es nicht – aber ich gebe nicht auf. Außerdem mußte ich diese Mail schreiben, weil ich sonst noch heute aus den Ohren rauchen würde, und wie sieht denn das aus.

      • Gerd schreibt:

        Natürlich, aufgeben gilt nicht. Aber ich wäre gerne dabei, wenn sie von Verehrung- Verweigerern vom Platz getragen werden….;-)

  2. Gerd schreibt:

    Dicke Frauen kenne ich persönlich nicht, nur schlecht gekleidete…..;-)

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