In memoriam Père Jacques Hamel

Vor fünf Jahren wurde der französische Priester Jacques Hamel von zwei Islamisten ermordet, während er die Messe zelebrierte. Er betete bis zum letzten Atemzug.

Père Jacques Hamel wurde 1930 geboren und empfing die Priesterweihe 1958. Er war als gütiger und humorvoller Mann bekannt, der sich für den Frieden zwischen den Religionen einsetzte. Er arbeitete weit über sein 75. Lebensjahr hinaus.

Jacques Hamel starb als Märtyrer. Das Seligsprechungsverfahren wurde drei Monate später eingeleitet und wird hoffentlich bald abgeschlossen.

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Kirchliche Bejublung eines Superspreader-Events

Gestern zogen durch Berlin zwischen 65.000 und 70.000 Menschen dicht an dicht vor die Siegessäule. Veranstalter und Polizei mussten immer wieder auf die Maskenpflicht und das Abstandhalten aufmerksam machen. Photos der Kundgebung zeigen eine abstandslose Menschenmenge, keineswegs alle mit Maske.

Diese Aktion sollte dazu dienen, daß in Deutschland die unglaubliche Knechtung Homosexueller, die bislang immer noch nicht mehr als Bürgermeister von Berlin (2001-2014) oder hochrangiges Mitglied der AfD (derzeit zum zweiten Mal Spitzenkandidatin) werden konnten. Außerdem sollen endlich die Kirchen anerkennen, daß Schwule und Lesben Kinder kriegen und Papst werden können müssen, am besten beides gleichzeitig. Und natürlich ist es ganz schlimm, wenn nicht jeder einzelne Mensch aus vollem Herzen gleichgeschlechtlichen Sex beklatscht.

Nun könnte mir diese Veranstaltung von Herzen egal sein, hätten wir da nicht einerseits eine Pandemie, was solche Massenaufläufe zu gänzlich unsolidarischen Taten, ja zur Bedrohung macht, und wäre sie nicht andererseits in einem ökumenischen Gottesdienst in einer katholischen Kirche ausdrücklich gefeiert worden.

Seit Jahrzehnten feiert die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) am Christopher-Street-Day einen besonderen Gottesdienst. Das ist ihr gutes Recht, man kann das blöd finden, aber sie dürfen. Heuer fand dieser zum ersten Mal in einer katholischen Kirche statt. Und das ist nicht ihr gutes Recht. In den Räumen einer Organisation etwas abfeiern, was genau diese Organisation ihren Statuten nach völlig falsch findet, ist unabhängig von der Natur der Sache unlogisch. Anlässlich des CSD kann man in einer katholischen Kirche natürlich einen Sühnegottesdienst feiern mit Allgemeinem Gebet um Bekehrung der Teilnehmer am CSD – nicht aber, wie aus Photos ersichtlich, mit Regenbogenfahne vor dem Altar und am Ambo. Ein Priester, der so etwas zulässt, entfernt sich von der Kirche, gleich wie groß seine Verdienste um Mission und Bildung sonst sein mögen.

Mich schmerzt das nicht nur, weil es wieder ein Keil in der Kirche ist. Ich habe große Sympathie für die Gesellschaft Jesu und befürchte, daß derartige Aktionen den Jesuiten in schlimmerer Weise schaden als der Gesamtkirche. Zu meinem Trost lese ich „About Chastity“, einen fünfseitigen Text des derzeitigen Pater Provinzial Gianfranco Matarazzo SJ der euro-mediterranen Ordensprovinz. Hier der Link.

Ja, doch, die Jesuiten sind katholisch. Für alle, die es nicht mehr im Vollsinn sind – gleich ob Jesuiten oder keine – bitte ich um ihre Fürsprache die Heiligen St. Ignatius von Loyola, Robert Bellarmin, Petrus Canisius, Paul Miki, sowie Friedrich von Spee (vom Erzbistum Köln als heiligmäßig anerkannt).

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Darf man Bösen Böses wünschen?

Für Christen ist die Antwort klar: Nein, darf man nicht. Nicht einmal dann, wenn man von der Bosheit direkt betroffen ist. „Bittet für die, die euch beleidigen; tut wohl denen, die euch übelwollen.“ Nicht nur Christen werden mir grundsätzlich zustimmen, daß Rache zerstörerisch ist und angerichtetes Unglück davon nicht behoben wird.

Aber jetzt herrscht gerade in Teilen Deutschlands große Not. Das ist der Augenblick, wo gute Regeln sich bewähren müssen. In der Tat bewähren sich gerade so Regeln wie Menschen – Nachbarn helfen einander, ohne zu fragen, wie speziell dieser Nachbar so ist. Verwüstete Orte werden aufgeräumt, und dabei ist dem Vernehmen nach keine Rede davon, ob man diese Leute in dieser Straße eigentlich mag. Da wird nicht gesagt „Aber vor dem Haus des Nachbarn XY mach ich nichts, den mag ich nicht“ – da wird geholfen und gerettet und geräumt und geputzt ohne Ansehen der Person. So soll es sein, und so ist es nach Katastrophen oft (man erinnere sich an die Hochwasser in Europa 2002 und an das Elbhochwasser 2006).

Leider gibt es auch die anderen, nicht hilfreichen Zeitgenossen nach jeder Katastrophe: Gaffer, Plünderer und Unruhestifter. Menschen, die im Internet und vor Ort Schreckensmeldungen verbreiten, manche offensichtlich mit dem Ziel, Menschen aus ihren Häusern zu scheuchen und dann in Ruhe zu plündern. Ich hoffe sehr, daß diese Menschen sich vor Gericht verantworten müssen, und auch, daß sie spätestens dann ihr Gewissen benutzen.

Im Internet lese ich unter Meldungen über solche Zeitgenossen zahlreiche Kommentare, die ausdrücklich gewalttätige Selbstjustiz herbeiwünschen. „An den Staudamm anketten“ und „Handgranate auf ihn werfen“ gehören zu den empfohlenen Maßnahmen, widerspruchslos und mit Beifallsbekundungen.

Die Menschen in den Katastrophengebieten, die Opfer solcher Gestalten werden oder auch nur von ihnen entnervt sind, schreiben solche Kommentare nicht. Sie haben keine Zeit und teilweise auch keinen Strom. Sie schippen gerade Dreck weg, versuchen, ihre Heimat wieder bewohnbar zu machen, schauen, wo sie Wäsche waschen und essen können, oder schlafen völlig erschöpft ein. Vielleicht trauern sie auch um einen Toten. Die Rachekommentare kommen von Menschen, die vielleicht wie ich mit dem Gefühl der Hilflosigkeit im Trockenen vor dem Computer sitzen und helfen würden, wenn sie es könnten (aber nicht hinfahren können, arbeiten müssen, körperlich nicht geeignet sind, kein Geld übrig haben usw.). Ich glaube, die meisten Rachekommentare kommen tatsächlich nicht von Menschen, die allen Ernstes einen Mitmenschen ermorden wollten. Aber der Gedanke „Tut wohl denen, die euch übel wollen“ ist so unfassbar, so exotisch, lächerlich für viele, daß er nicht einmal erwogen wird.

Niemand kann sich freisprechen von unguten Gedanken gegenüber unguten Nächsten. Aber man muss nicht einmal Christ sein, um einzusehen, daß man mit solchen Gedanken der eigenen Seele schadet und Unfrieden verbreitet. Menschen, die die Einsatzkräfte behindern, andere Menschen in Angst und Schrecken versetzen und plündern, gehören vors Gericht, und ich bin nicht für übergroße Milde. Aber Gewaltexzesse und Selbstjustiz machen alles nur schlimmer – auch dann, wenn sie nur auf facebook herbeigewünscht werden.

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Jesus ja, Religion nein?

Man hört es ja oft genug: der Glaube an Jesus Christus komme nicht nur ohne Religion aus, er sei ohne Religion besser, authentischer, wahrer. Gern wird man dann auch darüber belehrt, daß es viele Religionen gibt (was man niemals geahnt hätte) und daß sie alle falsch sind, während das Christentum wahr ist und daher keine Religion sein kann. – Ach?

Religio, von religo, anbinden, bedeutet „gewissenhafte Sorgfalt“. Ohne eine Bindung, die den Menschen an Gott festmacht, kann es gar keinen Glauben geben. Ohne Sorgfalt schläft der Glaube ein (wie jede andere Beziehung auch). Festgelegte Gebete, wie das Vaterunser oder die Formel „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ als verbindendes Element von Menschen, die einen Glauben teilen, sind bereits religiös.

Jesus war Seiner Menschennatur nach Jude, Seine Mutter und Sein Pflegevater folgten der jüdischen Religion. Er wuchs auf, eingebunden in die Religion, Seinen Eltern gehorsam, und nahm an religiösen Vollzügen gern teil. Seine Eltern gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem (Lk. 2,41); Er erlebte also Pilgern, Pascha feiern und das Gebet im Tempel als familiäre Tradition. Als Zwölfjähriger war Er tagelang auf eigene Faust im Tempel, „saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die Ihn hörten, waren erstaunt über Sein Verständnis und über Seine Antworten.“ (Lk. 2,46f.) Er bestand also Seine Bar Mitzwa vorzeitig und mit Bravour.

Jesu Cousin Johannes vollzog einen reinigenden Ritus zur Umkehr an vielen seiner Zuhörer. Die Taufe des Johannes war ein religiöser Akt, vergleichbar mit anderen Reinigungs- und Bußriten, auch wenn er in dieser Form wohl neu war. (Ob irgendein Ritus religiös ist oder nicht, hängt nicht von seinem Alter ab.) Jesus ließ sich taufen. Joh. 4,1-2 berichtet, daß auch im Kreis um Jesus getauft wurde, vermutlich zumindest mit Seinem Einverständnis, eher noch auf Seinen Befehl: „Jesus erfuhr, dass die Pharisäer gehört hatten, er gewinne und taufe mehr Jünger als Johannes – allerdings taufte nicht Jesus selbst, sondern seine Jünger.“ Der Auferstandene befahl den Jüngern Mission und Taufe (Mt. 28,18-20). Daher ist die Taufe bis heute ein religiöser Vollzug, übrigens ein anderer als die Taufe des Johannes, sie ist der Initiationsritus des Christentums und bedeutet, daß der Täufling, der „alte Mensch“, mit Jesus stirbt und frei von Sünde aus dem Taufwasser „aufersteht“. Die Beichte, das Sakrament der Sündenvergebung, ist eine Art Tauferneuerung; die Taufe selbst ist und bleibt einmalig. (Nicht sakramentale Formen der Beichte sind der evangelischen Kirche bekannt.) Zu Beginn der Entscheidung zum Christentum steht also ein Ritus der Aufnahme bzw. der Wiederversöhnung. Auch Menschen, die behaupten, ihr Christentum sei nicht religiös, sondern eine enge Beziehung zu Jesus (was in Wahrheit gar kein Unterschied zu sein hat), legen Wert auf die Taufe.

„So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge.“ (Lk. 4,16) Jesus hatte die Gewohnheit, am Sabbatgottesdienst teilzunehmen. Und offenbar fiel es zunächst gar nicht auf, daß Er den Lektorendienst übernahm – das spricht dafür, daß Er das nicht zum ersten Mal tat. (Im Judentum kann diesen Dienst prinzipiell jeder religionsmündige Mann übernehmen, der über die nötigen Kenntnisse verfügt.) Es war den Betern in der Synagoge von Nazaret offenbar bekannt, daß Jesus als Vorleser der Thora geeignet war. (Dagegen spricht nicht, daß man an diesem Tag mit Seiner Interpretation des Textes sehr unzufrieden war.)

„Tag für Tag war ich bei euch im Tempel und lehrte und ihr habt mich nicht verhaftet.“ (Mk. 14,49) Das sagt Jesus bei Seiner Festnahme. Fünf Tage lang, von Seinem triumphalen Einzug bis zum Morgen vor Seiner Festnahme, hatte Er vor aller Augen im Tempel gelehrt (und natürlich war der in der Woche vor Pessach gesteckt voll). Jesus pflegte nicht nur im Geheimen, nicht nur im Kreis Seiner Jünger, sondern ganz öffentlich die Religion. Tatsächlich hatte Er gleich nach Seiner Ankunft in Jerusalem einen Eklat ausgelöst, indem Er die Händler aus dem Tempel vertrieb (Mt. 21,12-13; Mk. 11,15-17; Lk. 19,45-47; Joh. 2,13-16). Das zentrale Heiligtum war Ihm wichtig genug, Sein Leben dafür zu riskieren.

Petrus erkennt und bekennt Jesus als den Messias – und schon hat er das höchste Amt inne: „Da sagte Er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr Mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern Mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde Ich Meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ (Mt. 16,15-19) Jesus verkündet hier etwas, das erst nach Seiner Auferstehung durch die Ausgießung des Heiligen Geistes stattfinden wird. Petrus muss überwältigt gewesen sein von dieser ihm noch unverständlichen Aufgabe!

Der Auferstandene fragt Petrus dreimal, ob er Ihn liebt (Joh. 21,15-17). Ihm dreimal, mit zunehmender Betroffenheit über diese Frage, zu versichern: Ja, ich liebe Dich – das ist die Buße für die dreimalige Verleugnung des Herrn. Und dieser Jünger hört nun ebenfalls dreimal den unmissverständlichen Befehl, der Christengemeinde als Hirt vorzustehen. Der Auferstandene befiehlt eine klare kirchliche Struktur – befiehlt sie dem, von dem Er sehr genau weiß, daß der ohne klare Ansage sein Leben nicht gut ordnen kann. Der impulsive, im Zorn auch mal gewalttätige, kurz darauf vor Menschenfurcht vergehende Jünger weiß sehr genau, wie nötig ihm Gottes Beistand ist, und er liebt Jesus über alles – das genügt dem Herrn als Qualifikation für das höchste Amt der Kirche. Der Auferstandene bestätigt, was Er Petrus in Cäsarea Philippi aufgetragen hat, und präzisiert die Aufgabe: Schlüsselgewalt über die Kirche bedeutet liebende Fürsorge. Zugleich aber bedeutet es, daß die Kirche eine Struktur hat und braucht, weil ein verbindlicher, bleibender Glaube eben nicht ohne Religion bestehen kann.

Wer sagt „Jesus ja, Religion nein“, der sagt zugleich, wohl ohne es zu begreifen: „Daß Jesus ein frommer und religiöser Mensch war, blende ich jetzt mal aus, das hat Er wohl nicht so gemeint.“ Ich gehe davon aus, daß Jesus alles „so gemeint“ hat, all Sein Leben, Handeln und Sprechen. Die Worte an Petrus über Kirche und Schlüsselübergabe sind Sprechakt und Befehl. Ob es uns passt oder nicht: Jesus Christus ist Gründer der Kirche und will, daß wir religiöse Menschen sind.

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Strohmannargument? Scheindebatte? Nein.

Man hört mitunter, es wolle doch gar niemand ernsthaft den § 218 StGB streichen. Das seien doch alles bloß Scheindebatten der Lebensschützer.

Nun ja. Im Grundsatzprogramm der Grünen heißt es unter Punkt 199 (Hervorhebung von mir):

„Das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Leben muss für alle Menschen, insbesondere auch Frauen, Mädchen, trans*, inter* und nichtbinäre Menschen mit und ohne Behinderung, uneingeschränkt gelten. Dieses Recht zu realisieren ist Teil einer guten öffentlichen Gesundheitsversorgung. Zu ihr zählen auch selbstbestimmte Schwangerschaftsabbrüche, die nichts im Strafgesetz­buch verloren haben und deren Kosten grundsätzlich übernommen werden müssen. …“

Quelle: Homepage der Grünen, Grundsatzprogramm

Die Linke schreibt in ihrem Grundsatzprogramm unter der Überschrift „Gleichheit und Geschlechtergerechtigkeit“ als letzten Satz des Kapitels (Hervorhebung von mir):

„Wir setzen uns für ein selbstbestimmtes solidarisches Leben und für die Streichung des Schwangerschaftsabbruches als Straftatbestand (§ 218) aus dem Strafgesetzbuch ein.“

Quelle: Die Linke, Parteiprogramm

Ich möchte auf die entsprechenden Seiten nicht verlinken; wer mag, kann sie selbst aufrufen.

Mit anderen Worten: Grüne und Linke wollen ganz ausdrücklich den § 218 streichen.

Die Diskussionen in den sozialen Medien sind oft schrill. Der ausdrückliche Wunsch nach Streichung des § 218 wird oft geäußert, und oft ohne jede Ahnung, was die Folgen davon wären – nämlich u.a. die Freigabe zum vorgeburtlichen Abschuss jedes Menschen bis zum Einsetzen der Wehen. Sicher, das wird nicht die Regel werden! Aber die grundsätzliche Möglichkeit wäre mit der Aufhebung des Abtreibungsverbots gegeben. Was nicht verboten ist, ist erlaubt.

Frauen, die nach der Legalisierung der Abtreibung schwanger werden und in irgendwelchen Schwierigkeiten sind, werden sich noch häufiger als jetzt die Frage gefallen lassen müssen „Warum treibst du nicht ab?“ Mütter von Behinderten, alleinerziehende Mütter, Mütter mit ernsten Problemen finanzieller oder gesundheitlicher Art werden noch öfter als jetzt als Kommentar zu ihrem Kind hören müssen: „Das wäre doch nicht nötig gewesen!“

Man kann Schwangere unterstützen und ermutigen – oder dazu überreden, ihre Kinder zu töten. Man kann Kinder, die von irgendwelchen Einschränkungen betroffen sind, unterstützen und ermutigen – oder vorgeburtlich beseitigen. Man kann unverantwortliche Männer zur Verantwortung ziehen – oder unbehelligt davonkommen lassen. Ich bin in jedem Fall für die erste Möglichkeit.

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„Sie wären doch eine hervorragende Priesterin!“

Im Ernst: das sagte mir heute eine Frau. Sie sagte auch, warum sie nicht in die Kirche (genau: in die gleiche Gemeinde wie ich) geht (wegen Corona, und dann wegen der Mißbräuche) und daß der Vatikan zu viel Macht hat.

Nicht mitbekommen hat sie:

  1. meinen schon öfter, auch in unserer Gemeinde, gehaltenen Vortrag „Warum gibt es keine katholischen Priesterinnen?“, aus dem deutlich genug hervorgeht, daß ich auch keine will. Hören kann man ihn seit Jahren hier auf der Mediathek von Radio Horeb.
  2. die Aufarbeitung der Mißbräuche und die seit Jahren bestehende Anlaufstelle in unserer Gemeinde.
  3. die Tatsache, daß die Coronaregeln gelockert wurden und zugleich weiterhin ein gutes Schutzkonzept in unserer Gemeinde existiert.
  4. die Tatsache, daß die große Macht des Vatikan seit einigen Jahrhunderten Geschichte ist.

Ja, das war ihr alles unbekannt. (Punkt 1 bis 3 sicher, da von mir angesprochen und von ihr dahingehend beantwortet, daß sie noch nie davon gehört oder gelesen hat; Punkt 4 hab ich nicht weiter thematisiert.)

Liebe Christen, wenn Ihr nicht mehr in die Kirche geht, lasst es bleiben. Aber erfindet keine Gründe. Es ist einfach nicht wahr, daß Ihr wegen Corona, Skandalen, Macht des Vatikan oder was auch immer nicht kommt. Ihr hab ganz einfach keinen Bock. Seid ehrlich und sagt das.

Sollte ich jemals per Akklamation zur Priesterin gekürt werden, werde ich höflich ablehnen und zur Begründung den Vortrag halten, den Ihr Nicht-Kirchgänger seit Jahren ignoriert.

Meine Fresse… Ja, heute bin ich knurrig. Nun danket alle Gott, daß ich keine Priesterin bin.

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Vortrag: Behinderte im Mittelalter

Mein neuester Vortrag auf Radio Horeb ist zwar schon ein paar Tage her, aber es gibt ja den Podcast. Hier kann man mich hören.

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EU steht für Eigentlich Unlogisch.

Alle Mitgliedstaaten der EU haben die Europäische Menschenrechtskonvention unterschrieben. Drei Artikel seien hier zitiert:

Artikel 1 – Verpflichtung zur Achtung der Menschenrechte

Die Hohen Vertragsparteien sichern allen ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Personen die in Abschnitt I bestimmten Rechte und Freiheiten zu.

Artikel 2 – Recht auf Leben

(1) Das Recht jedes Menschen auf Leben wird gesetzlich geschützt. Niemand darf absichtlich getötet werden, außer durch Vollstreckung eines Todesurteils, das ein Gericht wegen eines Verbrechens verhängt hat, für das die Todesstrafe gesetzlich vorgesehen ist.

(2) Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um

a) jemanden gegen rechtswidrige Gewalt zu verteidigen;

b) jemanden rechtmäßig festzunehmen oder jemanden, dem die Freiheit rechtmäßig entzogen ist, an der Flucht zu hindern;

c) einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen.

Artikel 53 – Wahrung anerkannter Menschenrechte

Diese Konvention ist nicht so auszulegen, als beschränke oder beeinträchtige sie Menschenrechte und Grundfreiheiten, die in den Gesetzen einer Hohen Vertragspartei oder in einer anderen Übereinkunft, deren Vertragspartei sie ist, anerkannt werden.

Zunächst fällt auf, daß erst von der Geltung der Konvention für Personen die Rede ist, dann aber von Menschenrechten. Das kann man – auch wenn es so im Jahr der Unterzeichnung wohl nicht beabsichtigt war – als miesen Trick benutzen. Denn entgegen naturrechtlicher Erwägungen gilt der Embryo nicht als Person, außer in bestimmten Fällen des Erbrechts oder des Versicherungsrechts (vgl. rechtliche Fiktion). Aber er gilt für das deutsche Recht (und vermutlich für die meisten Rechtssysteme nicht nur in Europa) von der Nidation an als Mensch. (Für die Biologie und für die meisten christlichen Denominationen sowie für zahlreiche andere Menschen gilt der Embryo von der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an als Mensch. Leser meines Blogs wissen, daß ich diese Auffassung teile.)

Wenn wir bei der Logik bleiben und Menschenrechte für alle Menschen gelten lassen (das müssen wir wohl, wenn wir Art. 53 der Europäischen Menschenrechtskonvention ernst nehmen), können wir nicht anders, als einem Menschen vor der Geburt das volle Recht auf Leben zuzugestehen. Denn kein Mensch kann vor der Geburt rechtswidrig handeln (auch nach der Geburt kann er einige Jahre lang zwar gefährliche und falsche Dinge tun, aber nicht straffällig werden). Die in Art. 2,2 Damit kann ein Mensch selbst in Ländern, in denen es die Todesstrafe gibt (in der EU: Null), nicht gleichzeitig die grundlegenden Menschenrechte bejahen und Abtreibung für ein solches (oder für irgendein Recht) halten, wenn er nicht zugleich der Logik Adé sagen will.

Ganz kurz: Entweder das Recht auf Leben ist das allen anderen Rechten übergeordnete Menschenrecht, oder man darf abtreiben. Beides geht nicht.

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Aber es wird ja doch getan!

Alle Frauen, die abtreiben wollen, tun das auch! Und wenn es verboten ist, auf gefährliche Weise! Oder im Ausland! – Das ist das ultimative Argument derer, die sich für ein „Recht auf Abtreibung“ einsetzen oder es gleich postulieren. Ich habe dagegen in satirischer Weise schon einige Male geschrieben, z.B. hier, hier und hier. Leider wird Satire nicht unbedingt von denen verstanden, die sie eigentlich angeht, daher hier noch einmal unsatirisch.

Das Strafrecht existiert aus einem einzigen Grund: Dinge, die verboten sind, werden eben doch getan. Wenn man sagen könnte „Diebstahl, Raub, Betrug sowie Mord und Totschlag sind verboten – haltet euch dran“, und dann hätte das zur Folge, daß alle sagen „Ja OK, das leuchtet ein, wir machen das nicht“, und all diese Dinge blieben künftig aus – dann brauchte man kein StGB, sondern nur eine Liste von dem, was verboten ist. Man müsste nur einfach in der Grundschule lehren, daß diese Dinge eben verboten sind, und alles wäre gut.

Leider verhält es sich anders. Menschen haben eine starke Neigung, Dinge zu tun, die man nicht tun darf. Das Argument „Abtreibung verbieten ist schlecht, weil die Menschen ja doch abtreiben und dann in die Illegalität getrieben werden“ ist unsinnig. Wie unsinnig, merkt man, wenn man statt „Abtreibung“ eine beliebige andere Tat in obigen Satz einsetzt.

Man kann Abtreibung ohne logische Verrenkungen nur dann aus dem StGB streichen, wenn man sie nicht schlecht findet. Dann muss man allerdings erklären können, warum das Beseitigen eines neugeborenen Sechsmonatskindes schlecht ist, das Vergiften und Ausschaben eines sechs Monate alten Kindes im Mutterleib aber nicht. Oder warum man am Ende doch eine Fristenlösung behalten möchte, und wie die Frist sich logisch erklären lässt. Oder warum man zu Recht empört ist über die Mißhandlung eines erwachsenen Schwerbehinderten, die Beseitigung eines ungeborenen Schwerbehinderten aber geradezu empfiehlt.

„Es ist noch kein Mensch“ lasse ich ein für alle Mal nicht gelten. Warum wäre dann der Jubelruf „Wir haben ein Baby!“ als Reaktion auf den lange sehnlich erwarteten positiven Teststreifen in Ordnung, wenn gleichzeitig bei einer unerwünschten Schwangerschaft im gleichen Stadium „Es ist bloß erst ein Zellhaufen!“ genau so in Ordnung ist? (Mal abgesehen davon ist etwas so klar Strukturiertes wie eine Morula oder ein Fötus wirklich nicht haufenförmig. Mich könnte man in meinem jetzigen Zustand mit weit mehr Recht als Zellhaufen bezeichnen.)

Wenn Abtreibung nicht mehr als Straftat gesehen wird, dann kann es keinen Grund geben, irgendwelche anderen Taten im StGB zu belassen. Denn alle Rechte sind dem Recht auf Leben untergeordnet.

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Gebet um Worte

Gib mir den Geist, Dich liebend zu besingen.
Du, mir so nah – und ich Dir oft so fern...
Lass Deine Spur mich finden in den Dingen,
Und doch Geschaffnes nie als Dich verkennen.
Mein Bräutigam, mein Retter und mein Stern,
Ich kann Dich nur mit Menschenwort benennen.

Zwar kann kein Wort Dich mindern oder mehren – 
Doch gib mir Worte, die Dir nahe kommen
Und die verständlich sind nicht nur den Frommen.
Denn ich will schreiben, Herr, um dich zu ehren.

© Claudia Sperlich
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