Marsch für das Leben: eine kleine Änderung

Natürlich findet morgen der Marsch für das Leben in Berlin statt.
Die Uhrzeit stimmt auch noch: Um 13.00 Uhr geht es los.

Ort der Anfangskundgebung ist nicht vor dem Reichstag, sondern auf dem Washingtonplatz direkt vor dem Berliner Hauptbahnhof!

Am Reichstag werden Helfer zugegen sein, um die, die das nicht wissen, zum Washingtonplatz zu lotsen. Aber es wäre schon fein, wenn die Helfer damit nicht zu viel zu tun haben.

Also bis morgen, auf dem Washingtonplatz!

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Aber dann gibt es wieder Engelmacherinnen!

Das Argument scheint so plausibel. Ich habe es auch lange Zeit geglaubt. Wenn es keine Möglichkeit der legalen oder (wie in Deutschland) zwar illegalen, aber in der Regel straffreien Abtreibung gibt, dann wird es im Hinterzimmer gemacht, heimlich und unter hohem Risiko für die Frauen.

Das Argument ist aus mehreren Gründen unsinnig.

1. Die Tötung eines Menschen zulassen, weil sie sonst für die Auftraggeber mit höherem Risiko behaftet wäre, ist erkennbar schlecht. Das Alter des zu Tötenden spielt dabei keine Rolle. Die meisten Menschen werden einsehen, daß es ungut ist, den Mord an der schrulligen und unbequemen alten Tante zu legalisieren mit der Begründung, Killer seien so unsicher, und es könnte sich zudem auch nicht jeder einen Killer leisten und müsse es am Ende selber machen. Ist das potentielle Opfer ein Mensch vor der Geburt, wird das weniger leicht verstanden. Ein prinzipieller Unterschied besteht aber nicht.

2. Der Aufwand, Kinder am Leben zu erhalten und ihren Müttern und Vätern nach Kräften zu helfen, mag größer sein als der Aufwand der Abtreibung. Aber abgesehen davon, daß es unanständig ist, einen Menschen auf die durch ihn entstehenden Kosten zu reduzieren, haben Abtreibungen in der Regel einen negativen Einfluß auf die betroffenen Mütter (und auch auf die Väter) sowie auf die durchführenden Ärzte. Niemand steckt ohne weiteres weg, ein Menschenleben vernichtet zu haben. Zwar glaube ich, die meisten Abtreibungsärzte sind ehrlich überzeugt, den Frauen zu helfen, und viele Frauen glauben wirklich, die Abtreibung ihres Kindes sei eine gute Entscheidung. Dazu müssen sie aber vor sich selbst so tun, als hätten sie nicht einen unschuldigen Menschen beseitigt. Man nennt das Selbstbetrug; die Folgen davon sind verheerend.
Realismus kann schmerzhaft sein, Selbstbetrug ist zerstörerisch.

3. Menschen, die nach einem abgetriebenen Geschwisterkind geboren werden, werden sich irgendwann fragen: „Wieso lebe ich, und wieso lebt mein älteres Geschwisterkind nicht?“ Sie werden sich zumindest zeitweise selbst antworten: „Ich bin nur ein Ersatz.“ Dies Gefühl, so unberechtigt es ist, kann sehr hartnäckig und sehr quälend sein, auch wenn man von seinem abgetriebenen Geschwisterkind erst im Erwachsenenalter erfährt. Es kann Depressionen erzeugen oder fördern.

4. Gerne wird so getan, als gebe es überhaupt keine Möglichkeit außer „Abtreiben, so oder so“. Das ist erkennbar Unfug. Die Alternative zur Abtreibung heißt Austragen. Das ist zweifellos beschwerlich, aber es ist die einzige Alternative zur Tötung eines Unschuldigen. Es gibt Möglichkeiten, das Kind dann in Pflege zu geben oder zur Adoption freizugeben; es gibt Wege, Hilfe zu bekommen, wenn man das Kind behalten möchte und sich doch überfordert sieht. Verbesserungswürdig sind die bestehenden Möglichkeiten sicher; es gilt hier, reichlich bürokratische Hürden abzubauen und auch von staatlicher Seite eine kinderfreundliche Atmosphäre zu schaffen. Auch ist es notwendig, sich auf die gar nicht staatliche Pflicht zur Nächstenliebe zu besinnen und Müttern und Kindern in Not zu helfen, so gut es geht – aber auch, sich helfen zu lassen. Zahlreiche Lebensschutzorganisationen bieten praktische Hilfe. Kinderausstattungen werden oft sehr günstig oder auch kostenlos angeboten. Mehrmals habe ich erlebt, daß durch einen Aufruf in einer Facebook-Gruppe innerhalb weniger Stunden alles beisammen war, was Mutter und Kind in den ersten Wochen brauchen.
Die Möglichkeit, das Kind nicht zu töten, besteht immer.

***

Am kommenden Samstag, dem 22. September 2018, ab 13.00 Uhr, findet der Marsch für das Leben in Berlin statt.

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Wochenkommentar vor dem Marsch für das Leben

Auf Radio Horeb ist mein Wochenkommentar zu hören – wie immer auch als Podcast.
Es geht um Abtreibung, Selektion, Euthanasie und ähnlich scheußlichen Umgang mit Menschen.

Wer mag, ist vorher herzlich eingeladen, an einem Seelenamt für die Ungeborenen teilzunehmen: 22. September, 10.00 Uhr in St. Marien am Behnitz, Berlin-Spandau, Behnitz / Ecke Am Juliusturm. Von dort brauchen Sie mit den Öffentlichen eine Dreiviertelstunde zum Reichstag, haben also bequem Zeit.

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An meinen Cappuccino

O milchgeschäumtes Herz im Kaffeehafen!
O schwärzlichbrauner Wachtrunk meiner Seele!
Du gibst, daß ich den Schreibtisch nicht verfehle,
Du lässt mich schreiben und nicht etwa schlafen!

Du rinnst so sanft durch die geschundne Kehle,
Du milderst harter Arbeit lange Strafen,
Und wo dich eines Kekses Krümel trafen,
Wächst mir ein Jubel, den ich nicht verhehle.

Den Cappuccino achtet nicht gering,
Er kann im Frieden Schwarz und Weiß vermählen
Will vom Geschmack der Liebe uns erzählen.

Zwar ist auch er vergänglichs Menschending,
Und einst vergehen selbst die Kaffeebohnen,
Doch in der Zeit soll ihn mein Lied belohnen!

© Claudia Sperlich

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Heilige Hildegard

Melodie: Mein schönste Zier und Kleinod (GL 361)

Ein grüner Zweig an Gottes Baum,
die Augen voll von Himmelstraum,
war Hildegard von Bingen,
von Gott gestellt in diese Welt,
zu lehren und zu singen.

Sie war nicht scheu vorm Kaiserhaus
und sprach die Wahrheit frei heraus:
Gott sollst du nie verschmähen!
Du Fürst und Knecht, gib Gott das Recht!
Auf Ihn nur sollst du sehen.

O Kraft der Weisheit, die die Welt
umschließt, behütet und erhält
mit ihren goldnen Schwingen,
so Erdenlast wie Himmelsrast
wird durch sie wohl gelingen.

Ein helles Licht voll Heiterkeit
wird strahlen in der Ewigkeit
von Gott für all die Seinen.
Die Seele hat in Gottes Stadt
ein Haus von Edelsteinen.

Von ungemessner Tiefe an
bis über aller Sterne Bahn
gehn Liebe und Erbarmen.
Die Liebe hält die ganze Welt
in ihren schönen Armen.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte. Gedichte, tredition 2015

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Gebet

Mein Gott, bitte hilf uns.

Deine Kirche zerfällt. Deine Kinder werden heimatlos. Streit überschwemmt alle Gespräche.
Schuld sind abgrundböse Menschen, die Deine Diener sein sollen und stattdessen dem Satan dienen. Hirten, die ihnen anvertraute Schafe schlachten und fressen.
Jesus Christus, Deine Braut ist ein Flittchen geworden, das sich fremden Göttern an den Hals wirft, und dies ist die Konsequenz.

Mein Gott, alle Gläubigen leiden. Gespräche werden zu Zank, Zweifel zu Zorn, Freunde verstehen einander nicht mehr, Trauer und Angst überschatten alles. Christi Stellvertreter redet, wo er schweigen sollte, und schweigt, wo er reden sollte, und Deine Kinder zerstreiten sich über ihn. Die einen nehmen seine Fehler und Schuld zum Anlaß, ihn vollends abzulehnen und sein Amt mit ihm; die anderen wollen alles entschuldigen und übertünchen. Wer versucht, maßvoll zu bleiben, und vielleicht gar zugibt, nicht alles beurteilen zu können, wird von beiden Seiten niedergemacht.

Du hast versprochen: Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.
Und ich denke: Wie hältst Du es aus in dieser Kirche, Deiner Braut? Ekelst Du Dich nicht, wenn Du im Tabernakel ausharren musst?

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Autogenes Training im Wettkampfmodus – Josef Bordats Satiren

Fleißige Leser von Josef Bordats Blog werden viele der Satiren wiedererkennen. Aber zum einen schadet es nichts, wirklich gute Satiren mehrmals zu lesen, zum anderen gibt es ja auch immer noch Menschen, die keine Blogs lesen, und schließlich ist es äußerst cool, ein Buch mit dem Konterfei eines Philosophen in der Hand zu halten und beim Lesen still zu lächeln und manchmal zurückhaltend aufzulachen. Glauben Sie mir: In den Öffentlichen zieht man damit die Blicke auf sich, auch wenn man sonst optisch nicht viel hermacht. Ich weiß es.

Autogenes Training im Wettkampfmodus. Satiren heißt ein hochkomisches Buch mit ernstem Unterton des katholischen Philosophen und Bloggers Josef Bordat, erschienen im schweizerischen Alverna-Verlag. Wegen des titelgebenden Textes empfehle ich Therapeuten, dies Buch nur zu kaufen, wenn sie wirklich Humor haben, also auch dann, wenn es um sie selbst geht.

In vierzehn Kapiteln über Wissenschaft, Terror, Fußball, Religion, das Finanzamt und andere belachens- und beweinenswerte Dinge schreibt Josef Bordat in prosaischer, dramatischer und zuweilen lyrischer Form, manchmal auch in aphoristischer Kürze und immer mit Geist und Witz. Das Fußball-Kapitel werden Fußballfans vermutlich mit mehr Sachverstand lesen als ich, aber zwei Abschnitte daraus sind auch Menschen wie mir (Wissensstand: Es geht darum, einen Ball in ein Tor zu bringen, und zwar ohne die Hände zu benutzen) völlig zugänglich, nämlich des Autoren verzweifelter Versuch, seiner Frau zu erklären, wie beim Europapokal die Tore berechnet werden und warum („Europapokalarithmetik“), und welche Mittel notwendig sind, um an ein seltenes Sammelbild für den kleinen Verwandten zu kommen („Träsch, Christian“).

Die innig geliebte Nichte auf der anderen Seite der Erde kann nicht einsehen, daß da, wo ihr Onkel ist, gerade Nacht ist, daß das ziemlich weit weg ist und daß es nicht zu ändern ist. Wie der Onkel vollkommen scheitert, ihr dies auf pädagogisch wertvolle Art beizubringen und möglichst bald schlafen zu gehen, liest sich hochkomisch – und zugleich nicht ohne Tiefe. Ein kleines Kind im Gespräch mit einem Philosophen: Man ahnt, das ist ein großes Thema.

Ein harter Kontrast zu diesem freundlichen Einstieg in das Kapitel „Blut und Bande. Über familiäre Angelegenheiten“ folgt unmittelbar mit zwei Abschnitten über Leihmutterschaft und in-vitro-Fertilisation – dem Monolog eines Leihmuttervermittlers und der Rezension zweier fiktiver Kinderbücher (oder sagen wir mal, ich hoffe irgendwie immer noch, daß sie fiktiv sind). Diese beiden Texte sind die härtesten im ganzen Buch – die Normalisierung der Menschenmacherei ist ganz und gar nicht komisch, aber, wie Bordat beweist, dennoch satirefähig.

Und was für ein Computerspiel schenkt der Philosoph seinem Neffen zu Weihnachten? Ganz ehrlich – so gut wie das, was Bordat da erdacht hat, sind Computerspiele eigentlich meistens nicht. „Da musst Du gucken, dass Du bei einer Gemeinschaftsarbeit als Autor genannt wirst. Je mehr Kollegen Du erschießt, desto weiter rückst Du nach oben!“ Ich würde es mir sofort kaufen.

Soziologensprech, Spammails und Neohumanismus bekommen gleichermaßen ihr Fett weg, und das mit Recht und Witz. Die niederrheinische Heimat des Autors (Hömma, wie is dat mit der niederrheinischen Heimat des Autors?) wird in einer absurden Sprachminiatur dargestellt. Die denglische Sprachverhunzung wird knapp und komisch auf die Schippe genommen: „So war ich im Facility Management als Junior Assistant tätig, also, ich hab dem Hausmeister sein Bier gebracht…“

Sehr lustig ist auch „Geheimnisvolles Peru“, wo es um eine Exegese der Sprache geht: „„Ahora“ … heißt eigentlich „jetzt“, „gleich“, „umgehend“, meint aber: „In drei Stunden“. Wenn bis dahin nichts dazwischen kommt. In der Regel kommt etwas dazwischen. Im interpretierten Wörterbuch findet sich hier ein Querverweis auf „planificar“ (eigentlich „planen“, wirklich: „sich nachträglich eine Begründung ausdenken, warum man spontan etwas völlig anderes macht als vorgesehen“).“

Mein Favorit unter Bordats Satiren findet sich im Kapitel „Bildungsmisere. Über lebenslanges Lernen. Und wie man trotzdem zum Arbeiten kommt“, ist viereinhalb Seiten lang und heißt „Wie man Bildungsdefizite ausgleicht“. Hier geht es gleich um mehrere Dinge, die ich mit dem Autor teile: die Überzeugung, von den meisten Leuten für weit gebildeter gehalten zu werden, als ich tatsächlich bin (ich bin es ja kaum), die Peinlichkeit, die es verursacht, arrivierten Altphilologen gegenüberzusitzen, und der stille Triumph, wenn nicht mal diese meinen (oder halt Bordats) Namen richtig aussprechen können. Wie man hier Bildung von der gleichen Art wie die des Gegenübers vortäuschen kann, beschreibt Josef Bordat (ich schreibe seinen Namen richtig!) anschaulich, ich verrate es aber nicht, Sie sollen das Buch ja kaufen. Nur so viel: Der Trick ist ebenso einfach wie genial.

Josef Bordat: Autogenes Training im Wettkampfmodus. Satiren. Alverna Verlag 2018, 252 S.

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Ein Rosenkranz zu Mariä Geburt

Gestern war ich traurig – über die Kirche, über die Welt, über das Leben. Und das wurde bemerkt. Heute bekam ich mit der Post diesen wunderschönen Rosenkranz!

Rosenkranz

Herzlichen Dank der lieben Allgäuerin, die ihn mir sandte. Herzlichen Dank auch Maryse Fritzsch mit ihrem Rosenkranz-Atelier, die ihn herstellte. Beide schließe ich gern in mein Gebet ein.

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Mariä Geburt

Melodie: GL Regionalteil Berlin, 864

Maria, die vor aller Zeit
Zur Gottesmagd erkoren,
Vom Herrn im Voraus schon befreit,
In Heiligkeit geboren,
Du Menschenkind, von Gott erwählt,
Du Braut, dem Heilgen Geist vermählt,
Von Herzen sei willkommen!

Maria, ohne Seelenpein
Und ohne Dunkelheiten
Trittst du ins Erdenleben ein,
Lässt ganz von Gott dich leiten,
Du bist der Kirche hohes Bild,
Der Christen Mutter, Schutz und Schild
Voll Reinheit und voll Liebe.

Maria, in der Not der Zeit
Hör, wie zu dir wir flehen,
Steh du uns bei in allem Leid,
Hilf uns zu Christus gehen.
Maria, in der Zeit der Not
Steh du uns bei zu gutem Tod,
Zu Seligkeit und Leben.

© Claudia Sperlich

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Ich bleibe.

Die Enthüllungen und Verdächtigungen in der katholischen Kirche in den letzten Wochen lassen mich nicht kalt. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht weine über diese Kirche, über die korrupten Priester, die Verbrechen begangen oder vertuscht haben, über die Kinder und die jungen Menschen, die ihre Opfer wurden, deren Vertrauen so übel missbraucht wurde, über die zumindest zweifelhafte Rolle des Papstes, über die unbescholtenen Priester, die tapfer ihren Dienst tun und dabei auf dem Zahnfleisch gehen, über die Seminaristen, die einfach nur Priester werden wollen und nun mit diesem grausigen Chaos konfrontiert sind, über das ganze Volk Gottes, in dem nun auch mehr als sonst Streit und Parteiung herrscht und von dem viele sich entfernen, über die Welt, die mit Ekel und Verachtung auf die Kirche schaut.

Man merkt, ich bin traurig.

Ich will hier nicht darauf eingehen, welche Schuld der Heilige Vater auf sich geladen hat und wieviel davon. Mir sind von gleichermaßen intelligenten und frommen Katholiken widersprüchliche Erklärungen bekannt, die jede für sich plausibel klingen. Immer wieder versuche ich, mir ein sinnvolles Urteil zu bilden, und immer wieder scheitere ich, weil die Sache so verworren ist.

Jesus Christus hat versprochen, daß auch die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwinden.
Vor knapp vier Jahren drohte der IS, Rom niederzumachen. Es ist ihm – vorhersehbar – nicht gelungen.
Ich bemühe mich zu glauben, daß auch die Pforten der Kirche die Kirche nicht überwinden werden. Meistens gelingt mir das.

Was die katholische Kirche lehrt, ist immer noch richtig. Es ist richtig, an den Dreieinen Gott zu glauben und Jesus Christus als Herrn und Messias zu lieben. Es ist richtig (wie ich in den über dreißig Jahren meines Christseins immer mehr erfahren habe), die göttlichen und die kirchlichen Gebote zu befolgen und die Heiligen zu verehren. Die Kirche mit ihrer Liturgie, mit den Sakramenten, den vielfältigen Gottesdiensten, dem Kirchenjahr von Advent bis Christkönig, mit ihrer reichen Kultur und ihrer sozialen Bedeutung, ist nicht nur mir Mutter und Lehrerin.

Eine pervertierte Kirche, ausgehend von Menschen, die ihr Hirtenamt für ekelhafte Machtspiele mißbrauchten, hat sich über die sichtbare Kirche gestülpt, so daß sie in vielen Teilen verzerrt und schrecklich aussieht. Ich vertraue dennoch weiter den von mir als vertrauenswürdig erlebten Priestern, Ordensleuten und Laien. Ich weiß, daß der Herr im Sakrament der Eucharistie anwesend ist, daß Er in der Absolution durch den Priester spricht, daß Er „in Seiner Kirche lebt und wirkt“, wie wir im Rosenkranzgebet sagen. Ich weiß nicht, warum Er so Schreckliches in Seiner Kirche zulässt.

Aber ich soll den guten Kampf kämpfen. Gott hat uns überwältigende Freude zugesagt – aber erst nach diesem Leben. Er hat gesagt, daß es auch falsche Propheten und schlechte Hirten geben wird. Es muss sie geben, weil alle Menschen – auch Propheten und Hirten – frei sind, sich für oder gegen die Wahrheit zu entscheiden. Es darf sie nicht geben, weil sie Gottes Liebe widersprechen. Mit diesem Widerspruch muss ich leben, so wie ich auch mit meiner eigenen Fehlbarkeit leben muss.

Ich liebe die unsichtbare Kirche, die mystische Braut Christi, und ich liebe in großen Teilen immer noch auch die sichtbare Kirche, Wohnung der Menschen, selbst wenn diese Wohnung verlaust und dreckig ist. Es geht mir dabei, als hätte jemand meinen Vater als Amokschützen, meine Mutter als Giftmischerin überführt. Aber ich bleibe. Zu wem sonst sollte ich gehen? Hier ist die Kirche, hier ist Jesus Christus.

Vielleicht werde ich erleben, daß die Apostolische Sukzession endet und damit erst die Bischöfe und dann die Priester aussterben, daß die Sakramente nicht mehr gespendet werden können (außer dem der Taufe, die im Notfall nicht nur jeder Christ, sondern jeder Mensch guten Willens spenden kann, wenn er nur die Taufformel kennt und Wasser da ist, und dem der Ehe, das sich die Brautleute gegenseitig spenden), daß wir Laien zusehen müssen, wie wir mit Gebetskreisen, Wortgottesdiensten und Andachten dabeibleiben. Ich weiß nicht, ob Gott auch das Seiner sichtbaren Kirche zumuten wird, und inwieweit sie dann noch Kirche wäre. Die unsichtbare, mystische, herrliche Kirche aber wird nicht vergehen. Jesus Christus hält sie an Seinem Herzen. Darauf vertraue ich – so gut es mir gelingt.

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