Was habe ich eigentlich gegen Interkommunion?

Also dagegen, daß Protestanten in einer katholischen Messe auch die Eucharistie empfangen können?

Vorab: Protestanten (und Muslime, Jesiden, Atheisten etc.) sind in der katholischen Kirche herzlich willkommen, solange sie sich an die Hausregeln halten (wovon man bei den meisten ausgehen kann). Also: wer – aus purer Neugier oder mit echtem Interesse am katholischen Glauben und Ritus oder weil er gerade irgendeinen Ort des Trostes und der Ruhe sucht – eine katholische Messe oder einen Wortgottesdienst mit Kommunionausteilung besucht, ist grundsätzlich willkommen!

Aber der Empfang der Eucharistie ist an bestimmte Regeln gebunden. Katholiken glauben, daß hier wirklich Jesus Christus leiblich anwesend ist, in der Gestalt von Wein und Brot, aber ganz Er. Darauf geht der ganze Ritus der Messe hin. Wenn der Priester oder Kommunionhelfer die Kommunion spendet, spricht er: „Der Leib Christi.” Darauf antwortet der Empfänger: „Amen.” (Das läßt sich übertragen mit „So ist es, so soll es sein”.)

Das heißt: Wenn jemand die Eucharistie empfängt, ohne den zentralen Glauben der katholischen Kirche zu bejahen, dann schwindelt er. Er macht sich selbst und anderen etwas vor. (Das gilt übrigens auch für Katholiken, die diese Glaubensinhalte nicht teilen wollen!)

Ich habe großen Respekt vor den meisten Menschen, gleich was sie glauben (und wo ich ihn nicht habe, ist das eher mein Mangel als der eines anderen). Ich kann keinem Menschen, ob ich ihn respektiere oder nicht, anraten oder zumuten wollen, sich und anderen etwas vorzumachen. Ich kann nicht wollen, daß jemand lügt, noch dazu in einer so großen Sache. Deshalb halte ich es für richtig, daß die katholische Kirche keine Interkommunion vorsieht.

Kürzlich wurde mir mit vielen Bibelzitaten und großer Gesprächigkeit erklärt, daß Jesus ja niemanden ausgeschlossen hat. Ich möchte nun nicht geradezu Ausdrücke wie Schlangenbrut, Heuchler, übertünchte Gräber u.ä. benutzen, geschweige denn von Mühlsteinen reden. Aber wer die Evangelien kennt, muss auch wissen, daß der Herr hin und wieder recht exklusive Dinge gesagt hat. Ich gehe davon aus, daß Er damit genau so recht hatte wie mit allem anderen auch.

Meist kommt übrigens die Forderung nach „Interkommunion jetzt” von Seiten, die die katholische Kirche gar nicht mögen. Und da frage ich irritiert: Würden Sie sich bei einem Ihrer Ansicht nach absolut gräßlichen, chauvinistischen Nachbarn mit Gewalt zum Essen einladen, wenn der ausdrücklich sagt, Sie dürfen den Garten angucken, aber von Buffet und Grill lassen Sie bitte die Finger?

Es gibt Fälle, in denen ich Interkommunion in Ordnung finde. Die SELK (Selbständig evangelisch-luterische Kirche) hat ein so ähnliches Eucharistieverständnis wie die katholische Kirche, daß ich da keinen Grund gegen die Interkommunion sehe. Auch wenn jemand auf dem Weg zur Konversion zum katholischen Glauben ist, ein ganz katholisches Eucharistieverständnis hat und sich sehr nach der Eucharistie sehnt, könnte man das vielleicht gewähren. Aber das ist meine persönliche Meinung – und die ist im Zweifelsfall immer erheblich unter der katholischen Lehre angesiedelt.

„Darf ich?” ist übrigens immer der bessere Anfang als „Ich will aber!”

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Jesus und Bartimaios, von einem Straßenhändler beobachtet

Der Fremde war in Jericho gewesen.
Mein Laden ist am Stadtrand. Als Er ging,
wollt ich ihn sehen, vielleicht gar noch hören.
Nicht ich allein. Ihm folgten viele Menschen,
und viele strömten zu Ihm, teils aus Neugier
und teils weil sie auf Seine Hilfe hofften,
und manche nur, um Ihm ein Bein zu stellen.

Schräg gegenüber meinem Laden sitzt
ein blinder Bettler, immer dort, schon lange,
die Mutter Jüdin und der Vater Grieche,
Timaios oder so. Des Bettlers Namen
hab ich noch nie gehört, ist auch nicht wichtig.
Er sitzt halt dort und bettelt jeden Tag.

„Der Rabbi Jeschua!” „Der Meister!” „Ein Betrüger!”
„Man muss Ihn hören!” „Sollte ihn verhaften!”
Von vielen Jubel, und von manchen Flüche.
Und plötzlich laut: „Sohn Davids! Hab Erbarmen!”
Das kam von Bartimaios an der Ecke. 
Sohn Davids, dachte ich, der traut sich was,
der blinde Bettler, wie ein Schriftgelehrter,
will er denn den Messias selbst erkennen?

Schon zischte man ihm zu: „Sei still, du Bettler!”
Da schrie er überlaut: „Sohn Davids! Jeschua!
Erbarme Dich! Sieh meine Not, Sohn Davids!”

Und dieser Jeschua blieb einfach stehen,
zehn Schritte vor dem Bettler, sagte etwas
zu Seinen Jüngern, und die riefen
laut durcheinander: „Komm, hab keine Angst,
der Meister will dich sehen, Mut, komm her!”

Und dieser Blinde, der sonst immer stillsitzt,
nur vorsichtig und tastend kommt und geht,
der springt jetzt auf, verheddert sich im Mantel, 
wirft ihn beiseite, stolpert durch die Menge,
erreicht den Meister, steht vor Ihm und tastet,
und der lässt von dem Bettler sich berühren
und fragt ganz ruhig: „Was willst du, daß ich tue?”

Was ist das für ein Mensch? Er lässt den Blinden
allein und hilflos durch die Menge stolpern
und fragt ihn dann noch, was er von Ihm will?

Doch Bartimaios scheint das nicht zu stören.
Er sprudelt: „Meister, ich will sehen können!”
Und dieser Jeschua tut einfach nichts,
und sagt nur: „Geh! Dein Glaube rettet dich!”

Ganz ohne Handauflegen, ohne Formel,
„dein Glaube rettet dich” - und Bartimaios
reißt plötzlich weit die Augen auf, und dann
schlägt er entsetzt die Hände vor die Augen,
zieht sie dann langsam weg und blinzelt scheu
und öffnet wieder Mund und Augen, lacht,
sieht um sich auf die Straße und die Menschen,
die Buden und die Waren und die Bäume,
auf eine Katze, die sich von ihm streicheln ließ,
und wieder auf den Meister und die Jünger.

„Sohn Davids! Bitte – lass mich mit Dir gehen!”
Der nickt und legt den Arm und seine Schulter, 
gemeinsam gehen sie aus Jericho.

Vielleicht ist Er ja wirklich der Messias.

© Claudia Sperlich
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Lessingbrücke

Die Bilder sind schon einige Tage alt, vermutlich hat der Sturm heute ziemlich viel von der Herbstpracht weggeputzt. Diesen Blick von der Lessingbrücke genieße ich fast jeden Samstag, wenn ich zu Freunden nach Tegel radle.

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Manchmal schreibe ich Satire.

Weil aber dies das Internet ist und manche Leute gerne hier lesen, aber durchweg alles ernst nehmen, was ich schreibe (was mir wiederum irgendwo auch schmeichelt), gibt es dann ein tag (Stichwort unter dem Text) „Satire“.

Liebe Leser, wenn Ihr hier etwas lest, was Ihr absolut hanebüchen und erschreckend findet, ohne daß ich dazuschreibe, daß ich es auch hanebüchen und erschreckend finde, guckt unter dem Text, ob da „Satire“ steht.

Steht da nicht „Satire“, könnte es sich um Ironie handeln – ist aber eher selten so. Oder ich hab den tag vergessen. Oder ich meine es tatsächlich ernst.

Dieser kurze Text ist keine Satire, sondern ein Hinweis. Todernst. Den Unterschied merkt man beim Vergleich. Hier sind Satiren.

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Technische Errungenschaft aus Pavoralia

Der Nationale Technikpreis wird im Kleinstaat Parovalia jährlich im Oktober vergeben. Diesmal bekam ihn der 24jährige Student der Ingenieurswissenschaften Bastian Eller für das Wifüsti.

Hier Herrn Ellers Beschreibung:

Das Wifüsti ist ein an jedes Baby individuell anpassbares Gerät, das vermittels Geruchs- und Lärmsensoren „weiß“, wann das Kind eine frische Windel braucht, gefüttert oder gestillt werden muss. Er besteht aus drei Teilen. Der Wifüsti-Gurt, ein ultraleichter, hautfreundlicher und atmungsaktiver Sensorengürtel, wird dem Kind angelegt. Mit diesem wird es ins Kinderbett gelegt. An das Kinderbett wird mit einer Clipvorrichtung die Wifüsti-Muschel angebracht, eine Schale mit ausfahrbaren absolut kindersicheren und berührungsfreundlichen Armen. Die Arme sind mit einem Kunststoff überzogen, der sie Frauenarmen hinsichtlich Berührung und Geruch sehr ähnlich macht. Sie sind in verschiedenen Hautfarben erhältlich. Unter dem Bett steht der Wifüsti-Eimer mit automatisch auf- und zugehendem blick- und geruchsdichten Schiebedeckel. In die Schale integriert sind Abteilungen mit Windeln, Feuchttüchern, Babynahrung und Fläschchen.

Der Prototyp ist leider noch nicht fähig, dem Kind einen Strampler anzuziehen; er kann aber zudecken. Hierfür gibt es je nach Raumtemperatur verschieden stark wärmende, ultraleichte und atmungsaktive Decken.

Das Wifüsti wurde an hundert Versuchspersonen vier Wochen lang täglich zwischen sechs und zehn Stunden getestet. Fünfzig davon waren Kinder alleinerziehender Mütter, bei den anderen fünfzig arbeiteten beide Eltern. Alle Eltern gaben an, das Kind sei vollkommen ruhig gewesen, als sie nach Hause kamen. Ärztliche Untersuchungen ergaben keine Auffälligkeiten an den getesteten Kindern.

Aus der Laudatio der Ministerin für Familie, Jugend und Sprot, Frau Mimosa Streng:

Endlich eine praktikable Möglichkeit, Arbeit und Kinder vollkommen zu vereinen! Besonders für Frauen ist dies ein wichtiger Schritt zur Freiheit. Ich werde mich dafür einsetzen, für Alleinerziehende und Eltern in prekären Situationen Finanzierungshilfen für das Wifüsti bereitzustellen.

Aus einer Glosse der katholischen Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Martha Jukunda:

Na toll. Nachdem es sich nicht als praktikabel erwiesen hat, einfach alle Kinder von Leuten, die keine reichen Erben sind, vorgeburtlich zu beseitigen, hat man jetzt einen Weg gefunden, daß die armen, armen Arbeitgeber dennoch nicht auf ihre Lohnknechte verzichten müssen.

Clemens Fortis, Vorsitzender der Lebensrechtsbewegung „Vivat Vita”, rief auf „Maria TV“ sowohl Eltern als auch Babysitting-Willige eindringlich dazu auf, sich in der spendenbasierten Babysitter-Agentur dieser Bewegung zu melden. Er brach den Appell abrupt ab mit den Worten „Und jetzt entschuldigen Sie mich, die Kleine weint und meine Frau ist einkaufen. Die Nummer ist eingeblendet. Schsch, Engelchen, Papa kommt ja.“

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Seid Personenschützer!

Personenschutz ist die Gewährleistung der persönlichen Sicherheit einer schutzwürdigen Person (Schutzperson) vor Angriffen (Entführung, Attentat etc.) durch Dritte. … Personenschützer werden auch Leibwächter oder anglizistisch als Bodyguard bezeichnet. Aufgrund der hohen Personalkosten kommen Personenschützer in der Regel nur für wohlhabende, bedeutende oder unmittelbar bedrohte Personen (Politiker, Wirtschaftsführer, Stars, Kronzeugen, Mafiabosse) zum Einsatz.

Wikipedia

Der Begriff Person wird in unterschiedlichen Bereichen verschieden interpretiert. In der Umgangssprache ist Person jeder Mensch durch seine spezifischen Eigenschaften, besonders die charakterlichen Merkmale. Im Christentum bezeichnet Person 1. die drei Wesenheiten des einen Gottes, also Vater, Sohn, Geist; 2. die unsterbliche Seele des Menschen, 3. jeden Menschen, unabhängig von Entwicklungsstand und anderen Parametern.

Es gibt Versuche, das Personsein abhängig zu machen von der Fähigkeit, eigenständig zu denken und zu handeln. Das Problem dabei ist, daß das zum Personsein notwendige Maß an Eigenständigkeit nicht verbindlich festgelegt werden kann. Damit wäre strittig, ob ein genialer Mathematiker, dessen Überleben von ständiger maschineller und menschlicher Hilfe abhängt, noch Person ist oder nicht mehr – zweifellos eine absurde Fragestellung.

Das Christentum sieht als Person bereits die befruchtete Zelle an, als kleiner Organismus mit allen Anlagen ausgestattet, die sich nach Möglichkeit zur Persönlichkeit entfalten sollen. (Allerdings steht das Person-Sein über der Persönlichkeit; ein Mensch ist immer Person, auch wenn er zu früh stirbt, um Persönlichkeit auszubilden und zu werden, oder wenn ihm die geistigen Anlagen dazu fehlen.) Diese Person gilt es in allen Stadien der Entwicklung zu schützen! Denn bedroht ist sie von unbarmherzigen Personen, die das Menschenleben in den ersten neun Monaten zur Disposition stellen wollen. Weicht die kleine Person von der Norm ab oder passt sie gerade nicht recht, soll ihre Beseitigung nach Ansicht vieler Personen zum Recht werden.

Personenschützer für diese sehr jungen Personen können weder auf Lohn noch auf Gefahrenzulage hoffen. Die Arbeit ist dafür sehr vielfältig – geduldige Beratung, Zuhören und materielle Hilfe für Mütter in Not und die Schaffung einer kinderfreundlichen Umgebung gehören dazu ebenso wie ständige Aufklärung über die eigentlich bekannte Tatsache, daß eine befruchtete menschliche Eizelle nichts anderes sein kann als ein Mensch im frühen Entwicklungsstadium.

Ein besonderer Vorteil dieser Abteilung des Personenschutzes ist, daß man nicht nur schwarze Anzüge und schußsichere Westen tragen kann; beides ist in den Sommermonaten sehr unangenehm. Auch auf Schießtraining kann man verzichten. Beten sollte man aber können, und wer mit Kindern spielen, Tee kochen und Kuchen backen kann, ebenso wer Schwangeren in Not geduldig zuhören kann und zur Organisation und Beschaffung von echter Hilfe für Mutter und Kind bereit ist, erhöht seine Chancen als Personenschützer.

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Andacht, Messe, Diskussionsrunde. Oder: Reporterin in Feindesland.

Am Samstag, 9. Oktober 2021, fand in meiner Heimatgemeinde St. Marien vor der Vorabendmesse die erste Rosenkranzandacht des Monats statt. Eine schöne Tradition! Allerdings war diese Andacht von der Sondergruppe Maria 2.0 organisiert. Ich ging hin, weil ich berichten wollte. Ich kam früh genug, um mich in der Anbetung vorbereiten zu können. Am Eingang lagen zwei Stapel Zettel – ein Faltblatt mit dem Ablauf der Andacht mit Gebeten und einem Lied, daneben die „Sieben Thesen“ der „Maria 2.0“, eine deutliche kirchenpolitische Forderung, über die ich hier bereits berichtete. Das brachte mich dazu, inniger als sonst das Jesusgebet zu sprechen (Herr Jesus Christus, erbarme Dich). Diesen Zugang zum Herzensgebet verbuche ich als durchaus positiven Effekt der Veranstaltung.

Ich versuche, möglichst sachlich zu berichten, allerdings werde ich durchaus auch meine Meinung sagen. Ich zitiere das Faltblatt abschnittweise und vollständig; wo innerhalb des Gottesdienstes die Thesen vorkommen, setze ich das in [Klammern] dazu.

Von Maria 2.0 kamen neun Frauen. Mit ihnen kam ein Priesterseminarist im Praktikum. Der Altarraum war schön und konventionell geschmückt mit einer holzgeschnitzten Madonna und einem darum drapierten blauen Tuch, beides aus Gemeindebesitz.

Faltblatt

"Was er euch sagt, das tut!"
Rosenkranzandacht zur Erneuerung der Kirche
Maria 2.0

"Was er euch sagt, das tut!" (Joh. 2,5)
Mit diesen Worten leitet Maria auf der Hochzeit zu Kana die entscheidende Wendung ein, als mit dem Wein auch die Freude ausging.
Angesichts der zahlreichen Missstände in der Kirche haben viele den Geschmack an ihr verloren. Daher beten wir für Geschwisterlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit in der Kirche, um die Freude am Glauben wieder aufleben zu lassen!
Gedächtnisprotokoll

Der Seminarist sprach einleitende Worte über den Rosenkranz als Vergegenwärtigung der Begegnung zwischen Gott und Menschen. Wir beten wie Maria, daß Gott auch in unserem Leben Gestalt annehme. Wir können unser ganzes Leben in den Rosenkranz hineinnehmen.

Eine Frau sagte etwas über den Rosenkranz und Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie zählte Frauen generell dazu. 

Mir ist wichtig, daß trotz aller sinnvollen Mühe um positiv verstandene Geschwisterlichkeit zwischen den Brüdern und Schwestern im Glauben nicht die Geschwisterlichkeit den Mittelpunkt unseres Glaubens bildet, sondern der Herr. Zudem habe ich den Verdacht, daß „geschwisterlich“ im Kontext dieser Bewegung so einen Klang von „Friede Freude Eierkuchen“ hat. Das ist seit Kain und Abel unbiblisch und entspricht auch weder meiner familiären noch meiner kirchlichen Erfahrung. Auch Paulus musste die junge Gemeinde der Glaubensgeschwister ermahnen: „Ertragt einander in Liebe.“ (Eph. 4,2) – im Zusammenhang mit der Aufforderung zur Demut.

Faltblatt

Ohr, das den Ruf vernahm... (Gotteslob Nr. 858)

Ein Lied, in dem Maria auf durchaus rechtgläubige Weise gepriesen wird. Den Refrain „Frau, sei uns Menschen nah, hilf, Maria“ kann ich aus vollem Herzen mitsingen. Hier das vollständige Lied, gesungen von einem Priester ganz und gar ohne Berühungspunkte mit den Zwonullerinnen.

Faltblatt

Wir glauben an Gott,
den Ursprung von allem, was geschaffen ist,
die Quelle des Lebens, aus der alles fließt,
das Ziel der Schöpfung, die auf Erlösung hofft.
Wir glauben an Jesus Christus, 
den Gesandten der Liebe Gottes, von Maria geboren.
Ein Mensch, der Kinder segnete, Frauen und Männer bewegte, 
Leben heilte und Grenzen überwand.
Er wurde gekreuzigt.
In seinem Tod hat Gott die Macht des Bösen gebrochen und uns zur Liebe befreit.
Mitten unter uns ist er gegenwärtig und ruft aus auf seinen Weg.
Wir glauben an Gottes Geist,
Weisheit Gottes, die wirkt, wo sie will.
Sie gibt Kraft zur Versöhnung und schenkt Hoffnung,
die auch der Tod nicht zerstört.
In der Gemeinschaft der Glaubenden werden wir zu Schwestern und Brüdern,
die nach Gerechtigkeit suchen.
Wir erwarten Gottes Reich.
Amen.

Daß Jesus Christus nicht nur Mensch, sondern auch Gott ist, bleibt in dieser Neufassung des Credo undeutlich. Daß Er als Richter wiederkommen wird, wird verschwiegen.

Hierauf beteten wir den Eingang des Rosenkranzes (also Ehre sei dem Vater… Vater unser… drei Ave Maria mit den Einschüben „Jesus, der unsern Glauben vermehre / der unsere Hoffnung stärke / der unsere Liebe entzünde“, ganz wie üblich. Das Fatima-Gebet „O mein Jesus…“, das von vielen hinzugefügt wird (üblicherweise auch in unserer Gemeinde) wurde ausgelassen. Das ist prinzipiell kein Fehler, ein Rosenkranz ist auch ohne das Fatima-Gebet vollständig – aber daß diese eindrückliche Bitte um Verschonung vor der Hölle und baldige Erlösung der Armen Seelen in dieser Gemeinschaft ausblieb, schien mir hier doch symptomatisch.

Nun folgten die Gesätze des Rosenkranzes, die, wie bei Rosenkranzandachten üblich, weniger Avemarias umfassten als die üblichen zehn. Wenn ich richtig mitgezählt habe, umfasste das erste Gesätz zwei, das zweite drei, das dritte vier usw. Das finde ich problematisch, weil dadurch der Eindruck entsteht, als seien die Zusätze von verschiedener, steigender Wichtigkeit. Andererseits mag es einen mir verborgenen Sinn haben, ich will nicht mit Fleiß alles falsch finden an dieser Andacht.

Jedem Gesätz ging ein kurzer Text aus den Evangelien und eine kurze Betrachtung voran. Ich gebe den Inhalt der Betrachtungen aus dem Gedächtnis nach meinen Notizen wieder.

Faltblatt

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus...
... der uns annimmt, wie wir sind.
... der Unrecht und Machtmissbrauch verurteilt.
... der den Schrei nach Gerechtigkeit hört.
... der die Kleinen und Machtlosen in den Mittelpunkt stellt.
... der mit uns eine geschwisterliche Kirche ersehnt.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Grundsätzlich kann ich jeden dieser Einschübe überzeugt mitbeten, den ersten und den fünften allerdings mit einem „ja aber“ im Hinterkopf. Jesus nimmt uns an, wie wir sind – als Sünder -, aber Er sagt auch: Geh und sündige nicht mehr. Jesus will, daß wir geschwisterlich leben im besten Sinne, aber das Haupt der Kirche ist Er. Ursprung und Ziel der Kirche ist nicht ein liebevoller Familienkreis, sondern Gott.

Lektorin: Mt. 1,18-25 
Sprecherin: Jesus wird Mensch, und gleich steht fest, daß sein Leben außerhalt der üblichen Familienstrukturen stattfindet.  Wir beten für eine Kirche, die eine wertschätzende Haltung und Anerkennung zeigt gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. [These 4] Wir beten um eine Kirche, die eine wertschätzende Haltung und Anerkenung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft zeigt.

Gesätz:... der uns annimmt, wie wir sind.

Das ist eine unverschleierte Absage an die Sexuallehre der Kirche, derzufolge Sex in die Ehe gehört (und nirgend anders hin) und eine Ehe ausschließlich zwischen genau einem Mann und genau einer Frau möglich ist. Jesu wunderbare Zeugung und Geburt wird heruntergebrochen auf „war ebenfalls in keiner konventionellen Partnerschaft gezeugt“. Die Bedeutung des Wunders wird nicht angesprochen, Jesu Göttlichkeit ist nicht mehr so wichtig.

Lektorin: Mt. l8,1-6
Sprecherin: Schon unter seinen ersten Jüngern muss Jesus ein Mißverständnis klären...
[These 3] Wir beten für eine Kirche, in der Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden.

Gesätz: ... der Unrecht und Machtmissbrauch verurteilt.

Keine Frage, die Übeltaten böser Priester müssen aufgeklärt werden, ebenso wie die Übeltaten böser Väter, Sportlehrer, Trainer, Nachbarn usw. Ebenfalls keine Frage: Hier gab und gibt es Versäumnisse. Auch keine Frage: Insgesamt gelingt die Aufklärung in der Kirche derzeit weit besser als z.B. in Sportvereinen und Familien, und insgesamt ist die Täterzahl in der Kirche weit geringer als in Familien, Sportvereinen, Sportschulen usw. Damit will ich keinen Priester, der Täter wurde, entschuldigen. Aber der Satz mit dem Mühlstein und der Gedanke an notwendigen Schutz der Schwachen wird hier sehr verengt gesehen. Einem Kind absurd falsche Ideen über den dreieinen Gott und die Kirche in den Kopf pflanzen, es zu neurotischer Angst oder ihm selbst und anderen schädlichen Laissez-Faire erziehen, Ausbeutung jeder Art, Nötigung oder Überredung zu in sich bösem Tun jeder Art ist nicht weniger verabscheuenswürdig und geht weit eher in die Richtung, die der Herr vermutlich meinte.

Lektorin: Mk. 10,35-45
Sprecherin: Kurze Ausführung darüber, daß es ungerecht ist, wenn Frauen nicht zu Priesterinnen geweiht werden können.
[These 1] Wir beten um eine Kirche, in der alle Menschen Zugang zu allen Ämtern haben.

Gesätz: ... der den Schrei nach Gerechtigkeit hört.

Der Einfachheit halber verlinke ich hier mal wieder auf meinen Vortrag zum Thema, warum es keine römisch-katholischen Priesterinnen gibt. Und weil jetzt sicher jemand von „alten weißen Männern“ räsonniert, verweise ich auf Josephine Bakhita (nicht weiß) und Thérèse von Lisieux (nicht alt) – lehramtstreue Frauen, an denen man sich ein Beispiel nehmen kann.

Lektorin: Mk. 10,17-27
Sprecherin: Ausführung über (wenn ich mich recht erinnere) finanzielle Unredlichkeit und (jedenfalls) zu viel Prunk in der Kirche.
[These 6] Wir beten um eine Kirche, die nach christlichen Prinzipien wirtschaftet. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens, es gehört ihr nicht.

Gesätz: ... der die Kleinen und Machtlosen in den Mittelpunkt stellt.

Ich bin ganz dafür, finanzielle Unredlichkeit zu bekämpfen, und gerade in der Kirche ist sie ein besonderer Schandfleck. Allerdings halte ich sie nicht für besonders häufig. Jedenfalls wird in der Kirche weit häufiger nach christlichen Prinzipien gewirtschaftet als anderswo. Was den Prunk angeht, so hat er in Liturgie und Ausstattung der Kirchen einen Sinn. Er ist zu Gottes Ehre da und auch, weil Menschen Schönheit lieben und von ihr angelockt und erfreut werden. Gerade die „Kleinen und Machtlosen“, die daheim nicht viel Schönes ihr Eigen nennen, freuen sich an der Schönheit und Pracht von Liturgie und Kirche.

Lektorin: Lk. 24,1-12
Sprecherin: Leitete aus der Perikope um die Frauen am Grab und die ungläubigen Jünger ab, daß Frauen der Weg zum Priesteramt offenstehen müsse. 
[These 2] Wir beten um eine Kirche, in der alle teilhaben am Sendungsauftrag und in der Macht geteilt wird.

Gesätz: ... der mit uns eine geschwisterliche Kirche ersehnt.

Das Laienapostolat geht alle Getauften an. Darum braucht man nicht erst zu beten. Es gibt damit ein Laienpriesterum! Der priesterliche Dienst, das Amtspriestertum, ist hingegen hierzu berufenen Männern vorbehalten. Nochmals: Hier wird das in aller Ausführlichkeit erklärt.

Und Macht teilen? Ich dachte, es geht um Geschwisterlichkeit? Glaube, Liebe, Hoffnung, das möchte ich gerne mit allen Christen teilen. Aber Macht? Was soll ich damit – ausüben?

Faltblatt
Refr.: Mit dir, Maria, singen wir von Gottes Heil in unsrer Zeit;
uns trägt die Hoffnung, die du trugst: Es kommt der Tag, der uns befreit.
Hell strahlt dein Lied durch jede Nacht: „Ich preise Gott, Magnifikat.
Himmel und Erd' hat Er gemacht, mein Gott, der mich erhoben hat.

Du weißt um Tränen, Kreuz und Leid, du weißt, was Menschen beugt und biegt. 
Doch du besingst den, der befreit, weißt, dass das Leben letztlich siegt.

Dein Jubel steckt auch heute an, österlich klingt er, Ton um Ton:
Großes hat Gott an dir getan, Großes wirkt unter uns dein Sohn.

Hell strahlt dein Lied durch jede Nacht, pflanzt fort die Lebensmelodie:
Es kommt, der satt und fröhlich macht, der deinem Lied den Glanz verlieh.

Auch dieses Lied mag ich gerne, bis auf wenige stilistische Meckereien meinerseits, aber die sind wirklich kein Argument. Hier kann man es anhören.

Faltblatt

Gottes Segen komme zu uns,
dass wir stark sind in unserer schöpferischen Kraft,
dass wir mutig sind in unserem Recht. 
Gottes Segen komme zu uns, 
dass wir Nein sagen, wo es nötig ist,
dass wir Ja sagen, wo es gut ist.
Gottes Segen komme zu uns,
dass wir Weisheit suchen und finden, 
dass wir Klugheit zeigen und geben.
Gottes Segen komme zu uns,
dass wir die Wirklichkeit verändern,
dass wir das Lebendige fördern.
Dass wir Gottes Mitstreiter:innen sind auf Erden.

Dies Schlussgebet sprach der Seminarist. Den größten Teil davon kann ich mitbeten. Aber die Wirklichkeit will ich nur dort verändern, so gut ich kann, wo sie mit der Wahrheit und Güte im Widerspruch steht. Das ist ja zum Glück nicht überall so. Die Wirklichkeit des römisch-katholischen Kirchenrechts will ich nicht verändern. Im übrigen bin ich nicht Gottes Mitstreiterin, sondern Seine Magd.

Nach der anschließenden Messe (die richtig und schön zelebriert wurde und in der ich mich zu Hause und angenommen wusste) ging es zur Diskussionsrunde in den Pfarrsaal. Und da wurde es so, wie die Überschrift verheißt.

Wir saßen in einem großen Kreis: Zwölf insgesamt, davon neun Katholiken, drei Protestanten, drei Männer, sechs junge und sechs ältere Menschen, und, wie die Vorstellungsrunde zeigte, fünf oder sechs mit einem vollen Studium der katholischen Theologie (einer davon im Priesterseminar).

Die elf Personen, die nicht ich waren, waren sich ununterbrochen einig. Jede Äußerung, die nicht von mir kam, wurde von diesen elf mit Zustimmung bedacht.

Ich war die einzige, die die katholische Lehre vollständig annimmt und verteidigt. Alle anderen fanden Maria 2.0 gut, auch der Mann, der erst auf dieser Veranstaltung lernte, was das überhaupt ist. Die Frau, die ihm das erklärte, ließ es in ihrem Kurzvortrag so erscheinen, als sei es eine riesige Graswurzelbewegung, fast schon weltumspannend.

Der Seminarist äußerte, daß er den Mangel an Priesterinnen sehr ungerecht finde und daher überlege, ob er wirklich Priester werden wolle.

Aus mehreren Äußerungen ging hervor, daß weder Bibel noch katholische Theologie allgemein bekannt waren. Es wurde gefordert, die Kirche solle Schwule und Lesben nicht mehr ausschließen. Meine Bemerkung, aus dem Katechismus gehe hervor, daß sie das nicht tut, wurde mit mildem Spott bedacht, da sie ja nicht katholisch heiraten dürfen. (Ich sagte nicht, daß ich kein Pilot werden dürfe, weil alt, ahnungslos und epileptisch, dies aber keine Mißachtung alter, ahnungsloser und epileptischer Menschen sei.)

Auf die Frage, warum ich denn glaube, daß Frauen nicht Priesterinnen werden können, antwortete ich mit wenigen Argumenten (alle Argumente hätten den Rahmen der Veranstaltung gesprengt). Das für mich wichtigste war, daß der Priester in persona Christi handelt und Christus in Seiner Menschennatur ein Mann ist.

Hier einige Schnipsel der Diskussion.

Junge Frau (im Bemühen, Priesterinnen zu rechtfertigen): In der Bibel steht nichts über Jesu Geschlechtsteil.
ich: Bitte lesen Sie ihre Bibel. Jesu Beschneidung ist erwähnt.
Sie, leise: Jaja, er war ja Jude...

ältere Frau: Wenn Frauen sich berufen fühlen, wird ihre Berufung nicht einmal geprüft!
*empörtes Gemurmel*
ich: Mal angenommen, Sie haben recht und es gibt keinen Grund gegen Priesterinnen. Wäre es dann nicht sinnvoller, erst das Kirchenrecht zu ändern und dann Berufungen von Frauen zu prüfen statt umgekehrt?
junge Frau: Aber das ändern doch nur alte Männer, und die würden das eben nicht machen.
ich: Geben Sie ihnen Argumente. - So scheint es mir, als ob Sie den zweiten Schritt vor dem ersten machen wollen.
*Das wurde allgemein nicht verstanden.*

ältere Frau zu mir: Was machen Sie denn, wenn Sie was ändern wollen?
ich: Ich bete erstmal viel. Dann frage ich weisere Leute als ich es bin um ihre Einschätzung. Dann denke ich darüber nach und schreibe.
junge Frau: Sie können ja gern schreiben, aber was machen Sie?
*Hier wurde ich leider zum ersten Mal unfreundlich. Ich hatte mich als Schriftstellerin vorgestellt. Und ich bin leider nicht gefeit gegen Eitelkeit.*

Im letzten Viertel der Diskussionsrunde brachte eine ältere Frau mich leider wirklich in Rage, ich wurde ziemlich laut. Nicht gut, aber wenn von fünf bis sechs gelernten Theolog:innen (so schreibt man das wohl) nicht eine den Mund aufbekommt bei einem solchen Satz, bin ich derzeit am Ende mit meiner Geduld. Vielleicht gewährt Gott mir irgendwann mehr davon (Geduld, nicht derartige Gesprächspartner – obwohl, wer weiß…).

ältere Frau: Ich frage mich, ob ein Priester nur am Altar in persona Christi handelt oder auch wenn er hinterher in der Sakristei ein Kind mißbraucht.
ich, laut: Wollen Sie etwa eine Antwort?
sie: Ja.
ich, sehr laut: Sie tun gerade so, als ob alle Priester Täter wären. Damit verleumden Sie die meisten Priester.

Ich schaffte es, wieder einigermaßen ruhig zu werden. Aber derartige Insinuationen gehen wirklich sehr an meine Nerven. Nach der Runde sprach ich die Frau noch einmal an und sagte, mir sei es so vorgekommen, als wolle sie alle Priester pauschal beschuldigen, daß sie außer Messe feiern und Kinder mißbrauchen nichts täten. Sie rechtfertigte sich damit, daß sie nur über ihre eigenen Gefühle gesprochen hatte. Meine Frage, ob sie es gut fände, wenn ich behaupte, sie sei außerhalb von Diskussionsrunden immer kriminell, begriff sie nicht.

Aber vorher schlug der Seminarist noch vor, zum Abschluss solle jede und jeder ein „Samenkorn“ benennen, das sie oder er aus dieser Diskussion mitnehme. Die meisten Samenkörner beinhalteten, daß man hoffe, die Kirche werde sich im Sinne von Maria 2.0 ändern. Der junge Mann, der heute zum ersten Mal von dieser Bewegung gehört hatte, meinte, er habe dafür keine Hoffnung und rate eher, zu den Altkatholiken oder anderen Konfessionen abzuwandern. Das fand ich sehr vernünftig.

Ich sagte, ich habe eigentlich gehofft, ein Samenkorn wie die Akelei zu sein, die ist schön und ein Mariensymbol. Jetzt aber hoffe ich nur noch, ein Giersch-Samenkorn zu sein, hartnäckiges Unkraut mit langen Wurzeln. Keiner verzog eine Miene.

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„Gott macht keine Fehler“ – die falsche Anwendung eines wahren Satzes

Der Satz begegnete mir schon öfter, meist in zweifelhaften Zusammenhängen. Gestern wurde er mir in dem Zusammenhang vor den Latz geballert, daß ich bestimmte Menschen lieber meide. Auch wenn sie Gottes Geschöpfe sind (womit auch argumentiert wurde).

Selbstverständlich macht Gott keine Fehler. Darüber brauche ich nicht zu diskutieren. Seine vernunftbegabten (doch, sicher) Geschöpfe, die Menschen, machen dafür umso mehr Fehler. Die immer wiederkehrende sentimentale Behauptung, man müsse doch alle, alle akzeptieren – weil ja alle, alle Gottes Geschöpfe sind und Gott keine Fehler macht – geht immer einher mit der Forderung, man solle jede Tat akzeptieren, nichts verurteilen, keinem Menschen aus dem Wege gehen. Und vor allem: Es mache einen ja echt traurig, wie hart und angsterfüllt man sei, weil man sagt, man geht bestimmten Leuten aus dem Wege. Ach, ach.

Gott, der in der Tat keine Fehler macht, sagt „Liebt eure Feinde“ – und nicht: „Schmeißt euch euren Feinden an den Hals“. „Tut wohl denen, die euch übelwollen“ – und nicht: „Nennt jede Lüge wahr, um euren Gegnern nur ja nicht weh zu tun.“

Vor allem sagen die ob meiner Intoleranz so „Traurigen“ keineswegs, daß mir gegenüber Toleranz geboten wäre. Wenn ich nach dem Mord an einem Studenten durch einen Maskenverweigerer erkläre, ich werde um Querdenker in Zukunft einen Bogen machen, weil ich ja nicht weiß, ob dieser eine Querdenker heute gerade einen friedlichen Tag hat oder generell gewaltfrei ist, ernte ich Entrüstung, keine Toleranz. Wenn ich sage, daß ich nicht gern erschossen werde, wird mir eine neurotische Todesangst nachgesagt.

Ich halte die Querdenker nicht samt und sonders für so schlimm wie Pol Pot oder Stalin. Aber ich frage mich wirklich, ob die Querdenker-Meinung, man müsse allen gegenüber immerzu nicht nur Toleranz, sondern Akzeptanz walten lassen, außer natürlich denen gegenüber, die ihnen offen widersprechen, ihnen selbst sinnvoll erscheint.

Sofern Ihr Hunde oder freilaufende Katzen habt, bin ich sicher, daß Ihr über kurz oder lang hunderte von Gottes Geschöpfen durch eine chemische Keule vernichten werdet oder das schon getan habt – dann nämlich, wenn Euer Liebling sich ständig kratzt. Niemand wird mit den Flöhen, die das Haustier und ihn selbst piesacken, innige Freundschaft pflegen.

Empörtes Räuspern jener Leser, die zwischen Vergleich und Gleichsetzung nicht unterscheiden wollen. Zur Klarstellung: Ich bin sicher, daß alle Insekten und Viren ihren gottgewollten Platz in der Schöpfungsordnung haben. Aber ich halte Motten und Stechmücken aus meiner Wohnung fern. Und ich schütze mich, so gut ich kann, vor den von Gott geschaffenen Coronaviren verschiedener Art.

Liebe Querdenker, es gibt viele Geschöpfe, denen man vernünftigerweise möglichst aus dem Weg gehen soll. Bachen mit Frischlingen gehören dazu, um mal ein wirklich niedliches Beispiel zu bringen. Hungrige oder verletzte Tiger, sofern man nicht eine dazu passende Ausbildung hat. Schlecht erzogene Pitbulls. Tsetsefliegen. Und Menschen, die der Ansicht sind, ein kleiner Mord an Andersdenkenden sei weniger schlimm als mein Wunsch, solche Leute zu vermeiden.

Falls übrigens ein Querdenker unbedingt mit mir kommunizieren will, so empfehle ich ihm, nicht anzufangen mit „Wir sind doch alle Gottes Geschöpfe“. (Nota bene: das waren Pol Pot und Stalin auch.) Wenn er aber den Ausdruck „Gottes Geschöpfe“ mit „Sünder“ ersetzt, kann es zu einem interessanten Austausch kommen. Allerdings bin ich derzeit aus Sicherheitsgründen nicht gewillt, ein analoges Gespräch mit welchem Querdenker auch immer zu führen. Es tut mir nur in sehr geringen Maßen Leid, daß ich damit die Friedfertigen unter den Querdenkern ausschließe. Aber nachdem noch kein einziger Querdenker wirklich an einem Gespräch mit mir interessiert war, werden sie das wohl auch verschmerzen.

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Synodaler Quark

Der Synodale Weg hätte alle Chancen gehabt, in katholischer Diskussionsfreude nach Wegen zu suchen, wie die Kirche mit Mitgliederschwund und ständig leeren Kirchen umgeht, welche Formen begeisternder Katechese denkbar sind, wie Laien ihr Auftrag und ihre Würde von neuem leuchtend klar gemacht gersemacht werden kann, wie Priesterseminare sein müssen, um keine Seminarren einzulassen oder zu produzieren, wie die schöne, reine, katholische Lehre wieder Strahlkraft gewinnt, und zwar für alle vom oft zitierten rosenkranzbetenden alten Mütterchen (gesegnet sei sie) über den kirchenfernen Teenager bis zum BWL-Studenten.

Er hat diese Chancen bisher alle versiebt. Neuevangelisierung – eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche – wurde als Thema ausdrücklich abgelehnt.

Stattdessen wurde zum drölfzigtausendsten Male erörtert, daß es unbedingt möglich sein muss, Frauen zu Priesterinnen zu weihen und den Begriff der Ehe zu erweitern. Was Priesterinnen angeht, so habe ich u.a. hier über den Umgang von Priesterinnen-Fans mit kirchentreuen Frauen geschrieben und hier in einem Vortrag erklärt, warum es zwar Priesterinnen gibt, aber – abgesehen vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen – nicht in der katholischen Kirche. Außerdem ist hier meine Antwort auf die Suggestivfragen des Synodalen Weges.

Ich hatte mir abgewöhnt, mich darüber aufzuregen – ich habe nicht mehr hingeguckt. Sollen sie doch synodalisieren, so lange sie wollen! Aber jetzt hätten sie wirklich den Vogel abgeschossen, wenn man das mit der Taube des Heiligen Geistes könnte. Jetzt hat eine hauchdünne Mehrheit beschlossen, man muss unbedingt diskutieren, ob die katholischen Kirche überhaupt Priester braucht.

Erst geweihte Priesterinnen wollen und dann das Priesteramt abschaffen wollen ist ja schon eine interessante Idee. Gewachsen ist sie schon seit den 60er, 70er Jahren, gereift auf dem Mist der hier schon öfter verrissenen „Maria 2.0“-Bewegung, und jetzt will der Synodale Weg dies giftige Zeug ernten. Wohl bekomms.

Als ob ich sagte: Ich (technisch unbegabte 59jährige Epileptikerin) will unbedingt Pilotin werden. Ich fordere Piloten-Schulungen für ältere Menschen mit Epilepsie! Gleichzeitig kämpfe ich um die Abschaffung des Flugverkehrs.

Steuerpflichtige Katholiken bezahlen gemeinsam diesen Irrsinn. Und mich haben die synodalen Fuzzis und Fuzzinen irgendwann so weit, daß ich zu einem Treffen des Synodalen Weges fahre, um dort nach Jesu Beispiel die Tische umzuwerfen und eine Geißel aus Stricken zum Nachteil des Synodalen Weges anzuwenden.

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Isaak

Der Vater war ganz plötzlich aufgebrochen,  
Er schien mir traurig und doch fest entschlossen. 
Ins Land Morija reisten wir zum Opfer, 
Nur er und ich, zwei Knechte und der Esel. 

Er war so klar und stark, wie andre Väter, 
Nur halb so alt, es längst schon nicht mehr waren. 
Er hatte mich gelehrt, den Herrn zu fürchten, 
Den Gott, dem unser Haus allein verpflichtet. 

Zwei Nächte schliefen wir auf bloßer Erde, 
Gehüllt in Decken, unterm Sternenhimmel. 
Drei Tage gingen wir in Sonnenhitze 
Und rasteten nur kurz und aßen hastig. 

Vor uns der Berg, auf dem wir opfern wollen. 
Und hinter uns der Weg, drei lange Tage. 
Drei Tage hab ich mich gefragt im Stillen, 
Warum wir denn kein Lamm mit uns genommen? 

„Ihr bleibt hier unten. Achtet auf den Esel.” 
Die Knechte nickten. Ich ging mit dem Vater. 
Ein steiler Trampelpfad führt uns nach oben 
Auf eine Fläche, von Gestrüpp umstanden. 

Nun fragte ich: „Wir haben Holz und Feuer, 
Und doch kein Tier. Wie sollen wir da opfern?” 
Mein Vater sprach, es klang ein wenig zittrig: 
„Gott wird das Opferlamm sich ausersehen.” 

Ich lud das Holz ab, und gemeinsam bauten 
Wir den Altar aus Steinen, die hier lagen, 
Das Feuerholz darauf. Mein Vater legte 
Den Feuerstein daneben und das Messer. 

Er sah mich an. „Gott hat dich ausersehen.” 
Und mir war klar: Gott will das Opfer haben. 
Er hat bei Vater Gastrecht schon genossen. 
Er ist der Herr. Was Er will, muss geschehen. 

In einem Augenblick ein Widerstreiten 
In mir: Ich kann den Alten überwinden,  
Ich brauche nur zu laufen, mag er selber 
Sich auf Morija Gott zum Opfer bringen! 

Doch Er, der mich dem Vater spät noch schenkte, 
Der mich der Mutter gab, der Unfruchtbaren, 
Von deren Lachen ich bekam den Namen –  
Er ist der Herr. Wenn Er will, muss ich sterben. 

Ich legte mich auf den Altar. Mein Vater 
Band mir die Hände und erhob das Messer. 
Er zielte auf mein Herz. Es sollte schnell gehn. 
Und plötzlich hielt er inne und erstarrte. 

Er stand wie lauschend, schnitt dann los die Fesseln 
Und half mir auf. „Gott will nicht dich zum Opfer. 
Er will Gehorsam, keine Menschenopfer! 
Der Herr hat mich und dich, mein Sohn, gesehen.” 

Ein Widder blökte, im Gestrüpp verfangen –  
Das Opferlamm, das Gott sich ausersehen. 
Ihn brachte Vater dar, und nach drei Tagen 
Gelangten wir vom Opferberg nach Hause. 

© Claudia Sperlich

Angeregt wurde ich hierzu von einem Gemälde des russischen Künstlers Slava Groshev.

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