Rosenkranz-Workshop

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Der Rosenkranz ist das bekannteste meditative Gebet der katholischen Kirche – zugleich aber herrschen über ihn sonderbare Vorurteile. Er scheint zu einer Sache weniger Frauen in der zweiten Lebenshälfte geworden zu sein. Entwickelt wurde er aber von jungen Priestern – und auch Männer ohne priesterliche Berufung können ihn mit Gewinn beten! Das ungerechte Image „brabbelnder simpler Weiber“ bekam er durch den Kulturkampf, und wir haben keinen Grund, als Katholiken des 21. Jahrhunderts den säkularen Schmäh des 19. Jahrhunderts fortzusetzen.

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Fernöstliche Meditationsformen haben Hochkonjunktur. Katholiken brauchen das nicht! Wir haben eine „nahöstliche“ Meditationsform, dies schöne, ruhige Gebet, in dem wir Jesus Christus durch die Augen Seiner Mutter betrachten.

Am 8., 15. und 22. Oktober 2019, jeweils um 18.30 Uhr, biete ich einen Rosenkranz-Workshop an. Wir werden nach einer kurzen Einführung unsere eigenen Rosenkränze knüpfen und gemeinsam beten.

Rosenkranzherz

Eingeladen sind alle, die mit dem Rosenkranz fremdeln,
alle, die nach einer Meditationsform suchen,
alle, die den Rosenkranz endlich mal kennenlernen wollen,
sowie alle, die ihn gern beten, aber noch keinen selbstgemachten haben.
Besonderes handwerkliches Geschick ist nicht erforderlich; die Technik ist einfach, und ich helfe gern. Material wird gegen eine Gebühr von 5,00 € gestellt.

Dienstag, 8., 15. und 22. Oktober 2019, jeweils um 18.30 Uhr
(bitte möglichst zu allen Terminen kommen)
St. Marien
Bergheimer Platz 1, 14197 Berlin
Pfarrhaus hinter der Kirche, 1. Stock

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Brutaler Stil!

Liebe Zeitungsschreiber, bitte verzichtet doch einfach mal auf das Adjektiv „brutal“. Von brutalen Vergewaltigungen habe ich schon oft gelesen und immer noch keine Antwort auf meine Frage: Geht Vergewaltigung auch anders als brutal? Jetzt sehe ich gerade einen Artikel über eine brutale Messerattacke und frage: Wie hat man sich eine sanfte Messerattacke vorzustellen?

Liebe Zeitungsschreiber, ich finde es brutal gegenüber der Sprache, pro Absatz mindestens eine Redundanz oder Tautologie zu haben. Alles, was immer (x) ist – wobei (x) ein beliebiges Adjektiv ist – braucht niemals (x) genannt zu werden. Bitte kürzt eure Texte vor dem Abdrucken. Bitte kürzt brutal.

Es ist brutal nervig, neben dem Grauen der Welt immer auch noch schlechten Stil verarbeiten zu müssen. Aber ganz ohne Scherz: Wenn wir bei allem Üblen, was geschieht, noch durch Adjektive betonen, daß es so übel ist, wie diese Art Übel eben naturgemäß ist, dann verlieren wir das Gefühl für die Wortbedeutung. Dann ist ein kurz und schmerzlos vor sich gehender Mord (das gibt es ja) am Ende nicht mehr brutal.

Und wo ich schon beim Meckern bin: Humanitär heißt so viel wie menschenfreundlich. Katastrophen sind nie humanitär. Und alles, was nie (x) ist, darf niemals (x) genannt werden.

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Priester, Schriftgelehrte und Samaritaner

Der Priester kommt nach Hause. Er wirkt angespannt. Seine Frau kommt ihm entgegen.

Frau: Hallo, Liebling!
Priester: Tach.
Frau: Du siehst erschöpft aus. Komm, setz dich her, Essen ist gleich fertig.
Priester: Hmm.
Frau: Was ist denn los?
Priester: Die Banditen im Wadi Qelt werden immer dreister.
Frau: Himmel, dir ist doch hoffentlich nichts passiert?
Priester: Nein, mir nicht. Aber einen armen Kerl haben sie übel zugerichtet. Lag da wie tot, also, atmen tat er noch, das sah man.
Frau: Er hatte Glück, daß so ein guter Mensch kam. Wie geht es ihm jetzt?
Priester: Hmm. Ich, hmm… weiß nicht. Öh, hoffentlich gut.
Frau: Du hast sicher alles getan, was du konntest.
Priester: Äh… ja, hmm… vielleicht.

***

Der Schriftgelehrte kommt nach Hause. Er wirkt angespannt. Seine Frau kommt ihm entgegen.

Frau: Grüß dich, Liebling.
Schriftgelehrter: Nabend.
Frau: Du wirkst gestresst. Harten Tag gehabt?
Schriftgelehrter: Jo.
Frau: Essen ist so gut wie fertig. Magst erzählen?
Schriftgelehrter: Hmpf.
Frau: Ach sag schon. Was ist passiert?
Schriftgelehrter: Im Wadi Qelt haben sie wieder einen überfallen. Sah übel aus.
Frau: Himmel! Hast du diese Banditen gesehen?
Schriftgelehrter: Nein… nur diesen armen Kerl. Lebte noch, aber nur so geradeeben.
Frau: Gut für ihn, daß du noch rechtzeitig gekommen bist!
Schriftgelehrter: Öh… weiß nicht recht…
Frau: Du hast doch bestimmt alles getan, was man halt tun kann in so einem Fall.
Schriftgelehrter: Naja… hmmm… vielleicht.

***

Der Samaritaner kommt nach Hause. Es ist spät in der Nacht. Seine Tunika ist blutbefleckt und verstaubt. Er wirkt überdreht fröhlich.

Samaritaner: Grüß dich, Schatz! Ist noch was zu essen da?
Frau: Endlich kommst du! Wo warst du bloß die ganze Zeit? Ich hab mir Sorgen gemacht! Und wie siehst du aus… was ist denn passiert?
Samaritaner: Ich musste jemandem helfen. Keine Sorge, der wird schon wieder.
Frau: Helfen? Du siehst aus, als ob du dich geprügelt hättest! Und redest, als ob du getrunken hast!
Samaritaner: Hör mal! Der ist verprügelt worden, und ich kam nur drüber zu, als die Täter schon weg waren.
Frau: Ich hab Angst, wenn du dich immer einmischst. Irgendwann geht das schief.
Samaritaner: Kann sein. Ändert aber nichts. Man muss helfen.
Frau: Und diese Flecken gehen auch nie mehr raus.
Samaritaner: Tut mir leid. Aber ging halt nicht anders.

***

Moral der heutigen Perikope:
Was immer ihr tut oder unterlasst, irgendjemand versteht es völlig falsch.

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Woher die Sonette kommen

Sonette fallen einfach von den Bäumen,
Zumindest, wenn ich geh, wo Bäume stehen,
Sie fallen mir ins Hirn in den Alleen,
Und manche sammle ich an Weges Säumen.

Man kann sie auch in manchen Gärten sehen
Als Busch, als Hecke und in Blütenschäumen.
Ganz selten kann ich in Sonetten träumen,
Die aber gegen Morgen meist verwehen.

Sie fallen von Kastanien und Platanen,
Und manchmal sind sie härter als wir ahnen
Und bohren sich durch meine Schädeldecke.

Noch andre wachsen in den Feinkostläden
Und hinterlassen auf den Hüften Schäden.
So ein Sonett ist fast wie eine Zecke.

© Claudia Sperlich

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Auf ein Video, das ich lieber nicht gesehen hätte

… und das ich mir nicht hätte ausdenken können.
[edit: Das ist die von Tobias Klein mit anderer Musik unterlegte Version; das Originalvideo ist nicht mehr zugänglich – da hat’s wohl zu viel Spott geregnet.]

Der KfD tanzt

Zehn Frauen tänzeln um den Volksaltar,
In schwarz, auf linken Schultern rote Stolen,
Von grauen Scheiteln bis zu ihren Sohlen
Ganz überzeugt von sich als Gottes Schar.

Zwar wird auch euch wohl kaum der Teufel holen;
Ihr haltet euer Tun für gut und wahr,
Und Gott sieht auch die wirre Liebe klar –
Doch bleibt im Erdenleben mir gestohlen!

Wie mach ich ungesehen, was ich sah?
Der Priester schreite um den Tisch des Herrn!
Wo ihr seid, tut er das gerade nicht.

Für Freundschaft seid ihr Hüpfer mir zu fern,
Für Anerkennung seid ihr mir zu schlicht,
Und für die Feindesliebe doch zu nah.

© Claudia Sperlich

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Ein Sonett auf die Dummheit

Entstanden ist es neulich als Scherz nebenher, inzwischen habe ich es etwas verbessert. Nun bin ich in diesem Internet so viel von diesem Thema begegnet, daß ich mich zur Veröffentlichung entschlossen habe, auch als Selbstermahnung.

Beklage dich nur über Dummheit nicht!
Auch sie, die Dummheit, wurde zugelassen.
Du kannst ihr innres Wesen nicht erfassen,
Erfasst wird sie von keiner Weisheit Licht.

Wer vor dir hat im Schrank nicht alle Tassen,
Wen du erkennst als einen trüben Wicht,
Auf wessen Nähe nimmer du erpicht,
Mit wem du weder fasten willst noch prassen,

Der ist ja doch, auch wenn er es nicht ahnt,
Ein Gotteskind, zur Heiligkeit berufen.
Bitt du für ihn, daß er erklimmt die Stufen!

Der Herr, der allen Wesen Wege bahnt,
Ist auch dem Deppen nah, dem grausig Dummen.
(Ach Herr, und dennoch – lass den Kerl verstummen.)

© Claudia Sperlich

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Mariä Heimsuchung

… also die in Lk. 1,39-55 beschriebene Begegnung zwischen der seit wenigen Tagen schwangeren Maria und der im 6. Monat schwangeren Elisabeth, wird in der deutschsprachigen katholischen Kirche heute gefeiert, ebenso bei Altkatholiken und Lutheranern, im übrigen katholischen Erdkreis aber am 31. Mai. Von mir gibt es nun auch einen Choral dazu.

Mariä Heimsuchung
Melodie: Send Deinen Geist, Herr Jesu Christ (GL Berlin: GL 773)

Da, noch den Menschen unsichtbar
von deinem keuschen Leibe war
der Herr der Welt umgeben,
da gingst du fort aus Nazareth
ins Bergland, zu Elisabeth,
in ihr auch wuchs ein Leben.

Du grüßtest sie, und da gewahrt
ihr Kind das Deine, noch so zart,
und hüpft in frohem Ahnen.
Der Wegbereiter und Prophet
erkennt den Herrn, eh er versteht,
dass er den Weg soll bahnen.

Elisabeth, voll Gottes Geist,
erkennt, dass Gott dich selig preist,
und staunt, wer ihr begegnet.
Da stimmst du an ein neues Lied
vom Herrn, der Seine Magd ansieht
und der die Armen segnet.

Ein Ungeborner kannte schon
den ungebornen Gottessohn
in dir, du Himmelsschöne.
Ihr beiden Mütter, alt und jung,
bleibt ewig in Erinnerung
durch eure beiden Söhne.

Maria, du warst Jesu Hort,
da Gottes Geist hat Gottes Wort
in deinem Schoß gewoben.
In des Johannes Jüngerschar
Elisabeth die erste war,
den, der da kommt, zu loben.

© Claudia Sperlich

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Kingdom prefilled

In der katholischen Kirche ist einiges verboten, was andere Konfessionen gestatten. Dazu gehört auch, die Eucharistie in Einwegbehältern zu verpacken. In zahlreichen freikirchlichen Gemeinden ist das Brauch; das Evangelische Kirchenamt Deutschland untersagt es nicht, fördert es aber auch nicht, wie hier in einem informativen Artikel beschrieben. Es gibt sie übrigens unter dem grandiosen Handelsnamen „Kingdom prefilled Communion Cups“, man kann danach googeln, es ist kein Witz. Übrigens enthalten diese Cups keinen Wein, nur beinah. Angepriesen werden sie so: „Save time and money! Prefilled Communion Cups have communion wafer and grape juice in a sanitary, disposable, single serving container!“ – zu Deutsch: „Sparen Sie Zeit und Geld! Vorab befüllte Kommunionbecher mit Kommunion-Oblate und Traubensaft in einem hygienischen Einwegbecher zum einmaligen Gebrauch!“ Fünfhundert Stück kosten 87,97 $, also 77,24 €. Die Preise für Kelche sind sehr verschieden; nehmen wir einen halbwegs preisgünstigen, schlicht und edel, für 300,00 €. Der hält dann aber auch Jahrzehnte, eigentlich sogar Jahrhunderte, und langt für abertausende von Gläubigen. Geld sparen geht sogar mit dem aufwendig gearbeiteten, lapislazulibesetzten und ziselierten Kelch (1800,00 €) oder gar mit dem mit Amethysten (Preis auf Anfrage) weit besser als mit Einweg-Plastik.

In einer katholischen Messe sind diese barbarischen Plastikpöttchen aus verschiedenen Gründen gar nicht möglich. Zunächst nimmt ja der Priester die Wandlung vor, indem er über Brot und Wein die Wandlungsworte spricht – dabei liegt das Brot vor ihm auf einem besonderen Teller, der Patene, und den Wein hat er kurz vorher in einen Kelch gegossen. All dies wird mit bestimmen Gebeten begleitet.
Außerdem glauben Katholiken, daß nach der Wandlung tatsächlich Fleisch und Blut des lebendigen Christus vor ihnen liegt. Man darf deshalb keinen Krümel und keinen Tropfen vergeuden. Der Priester purifiziert (reinigt) Patene und Kelch nach der Eucharistie sorgfältig und achtet darauf, daß wirklich nichts verschüttet oder auf den Boden gekrümelt wird. Wenn man nun annähme, daß durch die Wandlungsworte der Wein in diesen „Kaffeesahnebechern“ zu Christi Blut wird, könnte nicht gewährleistet werden, daß jeder Gläubige sein Becherchen mit der gebotenen Sorgfalt ausleckt oder purifiziert.

Nun las ich einen Blogartikel von einer Frau, die all dies eigentlich wissen sollte, denn sie ist Ordensschwester, nicht erst seit gestern. Die Schwester schreibt hier einen halb launigen, halb süffisanten Artikel über… ja worüber eigentlich? Messe to go heißt der Artikel, und es geht darin um die Messe und die Priester und der Schwester Gedanken dazu. Nur kann sie auf diese Plastikpöttchen eben nicht im Rahmen einer Messe gestoßen sein.

In dem Artikel heißt es:

Ich vermute, dass dieses Set unverzichtbarer Bestandteil der Reiseausrüstung jedes Missionars in der Wüste, im Urwald oder in der Arktis ist – vorzugsweise, wenn er gerne mal alleine die Messe feiert. Insofern will ich da jetzt auch nicht drüber lästern oder spotten oder so.

Ja dann lass es doch, Schwester. Ein katholischer Missionar hat bei sich ein Köfferchen mit Kelch, Patene, Hostien und Wein (kein Traubensaft). Außerdem würde er sich schämen, Urwald oder Arktis mit Plastik zu vermüllen.

Allerdings fällt es mir schon schwer nachvollziehen, wieso ein Priester alleine die Messe feiern will. Es widerspricht einfach vollständig meinem Verständnis der Eucharistiefeier.

Wenn ein Priester die Messe alleine feiert, bekommt sie mehr den Charakter eines Opfers, das der Priester stellvertretend für die in diesem Fall abwesende Gemeinde vollzieht. Kann man machen. Aber damit habe ich nichts zu tun. Das ist nicht mein Bild von Messe, vom Priester, von Gemeinde.

Wenn irgendetwas irgendjemandes Verständnis widerspricht, kann das immer auch an der Qualität seines Verständnisses liegen. Der Priester feiert die Messe, um den Herrn zu ehren, indem er Seinen Befehl „Tut dies zu Meinem Gedächtnis“ aus Liebe und im Geist der Dankbarkeit ausführt. Er vergegenwärtigt Jesu Selbstopfer. Das ist kein Reenactement des Letzten Abendmahles, sondern eben eine Vergegenwärtigung. Christus kommt so nach katholischem Glauben nicht nur geistlich, sondern körperlich zu den Gläubigen. Wenn außer dem Priester kein anderer Gläubiger da ist, ist der Priester dennoch gehalten, die Messe zu feiern. Denn jede Messe wird auch für die gefeiert, die nicht dabeisein können oder wollen. Das „kann man“ nicht einfach so machen oder auch seinlassen, das „muss er“. Ob das irgendeinem individuellen Bild von Messe, Priester und Gemeinde entspricht oder nicht, ist unerheblich. Allenfalls könnte man sagen: Solange nicht jedes individuelle Bild von Messe, Priester und Gemeinde von Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers handelt, muss noch viel Mission und Katechese geleistet werden.

Ein Priester/eine Kirche mit einem solchen Eucharistieverständnis braucht mich nicht. Wozu sollte ich sie brauchen?

Wenn ich nur hätte, was ich vollständig verstehe, dann wäre ich in materieller wie spiritueller Hinsicht sehr, sehr arm. Strom und Gas hätte ich schon mal nicht, denn ich verstehe nicht, wie das funktioniert, daß beide ungehindert zu mir kommen. Und an Gott glauben könnte ich dann auch nicht. Denn den verstehe ich noch weniger als Strom- und Gasleitungen.

Während ich dies schreibe, knabbere ich die kleine Oblate und frage mich, was es bewirkt, wenn irgendwo irgendein Priester allein in seinem Kämmerlein die magischen Worte über ein solches Stückchen Brot spricht. Der Geist weht, wo er will. Wir können Gott nicht vorschreiben, wie er zu wirken hat. Versprochen hat er uns aber: Wenn zwei oder drei in Jesu Namen beisammen sind, dann ist er unter ihnen. Und das, das brauche ich.

Dieser letzte Absatz macht es mir schwer, beleidigungsfrei zu schreiben. Ich will versuchen, ihn ganz sachlich zu analysieren.

Während die Schwester dies schreibt, knabbert sie die Oblate.

Entweder sie ist während des evangelischen Abendmahlsgottesdienst, den sie als Messe bezeichnet, und während des Abendmahls selbst mit Bloggen beschäftigt. Oder sie hat das „Abendmahlsset“ mitgenommen und nimmt es nun während des Bloggens an ihrem Schreibtisch zu sich. Beides lässt keine besondere Ehrfurcht merken. Aber wenn man glaubt, vom Priester konsekrierten Wein und vom Priester konsekriertes Brot – also Leib und Blut Christi – zu sich zu nehmen, weil man glaubt, einer Messe beizuwohnen, kann man doch nicht gleichzeitig bloggen! Wenn man aber als Katholik bewusst einer evangelischen Abendmahlsfeier beiwohnt und (verbotenerweise) auch kommuniziert, dann sollte man doch auch vor dem Ritus der anderen Konfession so viel Respekt haben, daß man nicht gleichzeitig mit dem Smartphone herumfuhrwerkt.

Als „Knabbern“ bezeichnet man den Verzehr von etwas Festem wie Chips oder Nüssen in kleinen Bissen. Beim Menschen bedeutet Knabbern im allgemeinen Sprachgebrauch etwas Genußvolles, aber nicht wirklich Notwendiges. Dies Verb in Verbindung mit „Oblate“ (edit: eine Oblate ist eine ungeweihte Hostie; nehmen wir zu ihren Gunsten an, daß sie ein ungeweihtes Set genommen hat – was die Sache nur wenig besser macht) ist schlichtweg unschicklich. Sie hat ja auch (vermutlich) nicht ihr Gelübde geträllert.

Der Priester spricht nicht „magische Worte“. Übrigens der evangelische Pfarrer auch nicht. Der Priester bittet im Gebet Gott darum, Brot und Wein in Sein eigenes Fleisch und Blut zu wandeln. Das klingt krass und ist krass. Aber es ist keine Magie. Katholiken vertrauen darauf (oder sollten es zumindest), daß Gott dieses Gebet immer sofort erhört, wenn es von einem geweihten Priester in der Messe gesprochen wird. Nur ist das genauso wenig Magie, wie es Magie ist, wenn beim Frühstück ein kleines Kind seine Mutter bittet, ihm eine Scheibe Brot abzuschneiden, und die Mutter das tut. Hier ist die Bitte des Menschen, der etwas möchte und nicht selber kann (im ersten Fall: Brot und Wein zu Fleisch und Blut Christi wandeln; im zweiten Fall: ein Brotmesser sachkundig und unfallfrei benutzen), und da ist die liebende Antwort. Die Mutter schneidet Brot. Gott wandelt. – Wie alle Vergleiche, hinkt natürlich auch dieser, denn das Kind wird im Regelfall irgendwann groß genug sein, das Brot selber zu schneiden, und außerdem könnte es sein, daß die Mutter der Bitte aus irgendeinem Grund nicht nachkommt (z.B. weil das Kind kein Brot verträgt oder weil sie sich die Hand verletzt hat). Gott kommt dieser in der Messe gesprochenen Bitte des Priesters immer nach, trotz verletzter Hände.
Magie wäre, wenn der Priester Gott zwingen könnte. Magie wäre, wenn Brot und Wein nicht nur die Substanz änderten, sondern die Akzidentien – wenn wir also sicht-, riech- und schmeckbar Menschenfleisch und Menschenblut vor uns hätten.
Magie wäre auch, wenn die Wandlung stattfände, weil ich die Wandlungsworte spreche. (Tut sie nicht, seien Sie sicher. Auch wenn ich im schlimmsten Fall fähig wäre, dem Priester zu soufflieren: Wenn er die Wandlungsworte nicht spricht, wandelt sich da gar nichts.)

Die Eucharistie ist Quelle und Gipfel des Glaubens.
Und das ist noch eine ganz schwache Metapher.
Die Eucharistie ist der Herr.

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Wochenkommentar über Kirchenärger und -hoffnung

Hier mein Wochenkommentar vom 29. Juni 2019. Viel Freude beim Hören!

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Berlin katholisch

Berlin, Berlin, ick liebe Dir.
Tu morjens lang ick poofen,
Is abends ooch ne Messe hier,
Und nichma‘ weit zu loofen.

Die haben jottlos Dir jenannt,
Du Stadt an Spree und Havel!
Der Heiljen Hedwich is bekannt:
Sowat is nur Jeschwafel.

Berlin is voll von Frömmichkeit,
Man musse nur erspähen.
Kiek hin und nimm dir bisken Zeit,
Zur Kirche hinzujehen!

Wat, gloobste nich? Denn kiek doch hin!
Im Internet tuts stehen:
Sind mehr wie siebzich Kirchen drin,
Kannst in die nächste jehen.

© Claudia Sperlich

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