Eliten bilden, Kultur prägen, Werte bestimmen

Am 6. Februar 2019 erschien in der Tagespost ein Verriss von Rod Drehers Benedikt-Option, die ich bereits im Mai vergangenen Jahres hier rezensiert hatte.

Martin und Gudrun Kugler werfen Dreher vor, den vollständigen Rückzug der Christen aus Politik und Gesellschaft zu fordern, ein Einigeln im christlichen Dorf. Tatsächlich will Dreher nichts weniger als das – die Umsetzung seiner Ideen kann man als christliche Graswurzel-Revolution bezeichnen. Er will den Rückzug aus den Teilen der Gesellschaft, die mit dem Christentum nicht vereinbar sind – und er sieht sehr deutlich, daß das ziemlich viele sind. Die von ihm vorgeschlagenen christlichen Dörfer sind aber Keimzellen, nicht Endstationen. Zudem sieht er die überragende Wichtigkeit von Gebet, Anbetung und Eucharistie. Auf diesen ist eine erhaltenswerte Kultur erbaut, nicht umgekehrt, und allein die Rückbesinnung darauf kann das, was von ihr übrig ist, retten und heilen, aufbauen und wachsen lassen.

Rod Dreher will auch nicht, wie Kuglers ihm vorwerfen, „Geheimuniversitäten gründen und dort die christliche Lehre im Verborgenen weitergeben“, sondern er will, daß Christen christliche Schulen und Universitäten gründen, aber keinesfalls „geheim“, sondern öffentlich, doch ohne dem Zeitgeist Konzessionen zu machen. Das ist ein großartiges missionarisches Vorhaben. Überhaupt liest sich die Benedikt-Option wie ein Aufruf zur Mission im Großen wie im Kleinen, auch wenn Dreher die Mission gar nicht besonders herausstellt. Aber wo die Benedikt-Option gelebt wird, wird sie über kurz oder lang auch gesehen, und wo sie gesehen wird, wird sie auch mancher Hinsicht neugierig machen. Die Benedikt-Option ist kein endgültiger Rückzug aus der bösen Welt. Sie ist eine kluge Strategie, dem Christentum wieder Raum zu verschaffen, indem man das eigene Leben und das der Familie in allen Aspekten mit benediktinischer Frömmigkeit und Glaubensfreude tränkt – und durch benediktinische Gastfreundschaft andere mit dieser Lebensart ansteckt.

Ich stolperte erst jetzt über diesen Artikel im Zusammenhang mit einem Folgeartikel der Kuglers, der wiederum eine Erwiderung auf die irritierte Antwort des Rod-Dreher-Übersetzers Tobias Klein ist.

In der Tagespost rufen Martin und Gudrun Kugler zur Elitenbildung auf mit dem Ziel, eine christlichere und damit menschenfreundlichere Gesellschaft zu schaffen. Meine auf facebook gestellte Frage, was Elite (dieser schwammige Begriff) denn eigentlich sei, wurde beantwortet: „Alle, die Kultur prägen und Werte bestimmen, vom Lehrer bis zur Journalistin.“ Ich versuchte daraufhin, mir eine Kultur vorzustellen, die nur von Intellektuellen bestimmt wird und in der Handwerker, Künstler, Landwirte und Bauarbeiter nicht vorkommen. Ich vermute, eine solche Kultur würde sehr schnell im Wortsinn verfallen. Hungernde Lehrer und Journalisten in zerbröckelnden Häusern werden ihre Arbeit nicht mehr tun können.

Vielleicht war es ja auch anders gemeint, nämlich – es solle selbstverständlich die niederen Chargen weiterhin geben, aber falls die überhaupt so etwas wie Kultur und Werte haben, gilt es die weitgehend zu ignorieren. Das wäre allerdings ein wirklich böser Gedanke; ich hoffe, die Kuglers haben das nicht gemeint. Denn selbstverständlich haben und tradieren alle oder doch die meisten Menschen „Werte“, und selbstverständlich sind die Arbeiten der Handwerker und Künstler, Landwirte und Bauarbeiter nicht nette Gimmicks, sondern prägende Teile der Kultur.

Zudem sind „Kultur“ und „Werte“ auch solche Kulturen und solche Werte, mit denen die Kuglers nicht glücklich wären (und ich auch nicht). Es mag ein beschissen schlechter Wert sein, die Ermordung Andersgläubiger oder Behinderter zu empfehlen, aber die eine oder andere Kultur ist davon geprägt. Wenn man die Wörter „Kultur“ und „Werte“ benutzt, muss man sich darüber im Klaren sein, daß es kranke Kulturen und Werte des Bösen gibt.

So weit meine Gedanken zu Herrn Kuglers Erläuterung des Wortes „Elite“. Der Artikel, der so darauf drängt, in nur als intellektuell gedachten „Eliten“ als Christ politischen Einfluss zu nehmen, sieht keine Eliten irgendwelcher Art außerhalb politisch einflussreicher Kreise. Das ist falsch. Selbstverständlich ist es elitär, christliche Dörfer zu bilden, christliche Schulen und Universitäten zu gründen. Selbstverständlich kann man in Handwerk und Kunst von Eliten sprechen, ohne daß diese besonders „intellektuell“ sein müssen. (Thomas Chippendale war ja auch einfach Tischler.) Ferner sind die Autoren der Ansicht, Dreher wolle sämtlicher politischer Einflussnahme absagen. Das ist doppelt falsch. Einerseits ist das Gründen christlicher Dörfer, Schulen und Universitäten höchst politisch, sobald eine relevante Menge merkt, daß man dort einfach besser lebt, lernt und arbeitet als anderswo. Andererseits schließt Dreher politische Arbeit nicht aus, wenn (und genau so lange) sie mit dem Christentum ohne Verbiegung vereinbar ist. Das ist nur leider recht selten der Fall. Nicht Drehers Schuld.

Als Titelbild haben die Autoren eine Hammelherde gewählt; darunter steht „Keine Lust auf Politik?“ Es geht Dreher nicht um Lust oder Unlust, es geht um Möglichkeit und Unmöglichkeit. Christen, die sich um nichts in der Welt von der Welt verbiegen lassen wollen, sind nicht Mitglieder einer dusseligen Hammelherde, sondern Nachfolger des Lammes.

Hof Iben Kapelle09.JPG
Von Chris06Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

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Joseph

Er wurde nie von seinem Herrn gefragt,
ob er den sonderbaren Ziehsohn wollte.
Er lernte träumend, wie er handeln sollte –
und blieb bei ihr und hat sich nicht beklagt.

Schon möglich, daß er trauerte und schmollte,
vielleicht von Zorn und Zweifel angenagt.
Doch hat das Ungewohnte er gewagt,
als das verheißne Wort ihn überrollte.

Er richtete, so gut es ging, die Hütte
und legte seinen Mantel auf die Schütte,
damit Maria weich lag und der Knabe.

Er brachte beide durch als Gastarbeiter.
Die Träume blieben seine Wegbereiter.
Vielleicht sah er den Sohn als Gottesgabe.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte, tredition 2015

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Abends in der Kapelle

Die nahe Krankenhauskapelle bietet mir die Möglichkeit zur stillen Anbetung auch abends, wenn die anderen Kirchen der näheren Umgebung geschlossen sind. Vorhin war ich dort. Sie war dunkel bis auf das Ewiglicht und eine schwache Notbeleuchtung, aber sie war nicht leer – der Organist probte. Denn morgen ist St. Joseph.

Ein längeres Stück fand ich besonders schön – ich habe aber keine Ahnung, von wem es ist. Es klingt, als ob es in einem dichten sommerlichen Laubwald weiße Glockenblumenblüten regnet.

So vorm Tabernakel, im Gespräch mit Jesus, und dazu schöne Musik wie Blumen: Besser kann ein Tag nicht ausklingen.

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Treppen putzen und meditieren

Seit kurzem habe ich einen Minijob. Denn der professionelle Reinigungsdienst, der einmal wöchentlich für die Sauberkeit der Treppenhäuser zuständig war, ist erheblich teurer geworden, und da hat die Hausverwaltung nicht mitgemacht.

Ich habe mich spontan angeboten und habe gestern zum dritten Mal drei Treppenhäuser auf vier Stockwerken geputzt. Hof fegen gehört auch dazu. Ideal an dem Job ist einiges schon auf den ersten Blick:

– Ich wohne hier und habe keinen Weg zur Arbeit.
– Die Nachbarn freuen sich, daß ich das mache.
– Ich kann meine Zeit einteilen; sollte ich mal zwei oder drei Tage brauchen, ist das auch nicht schlimm. (Gestern hatte ich vormittags anderes zu tun, fing erst um Mittag an und fegte deshalb den Hof erst heute morgen.)
– Ich habe ein Interesse daran, diese Arbeit gut zu machen – ich wohne hier!

Jede Treppe wird erst gefegt, dann gewischt. Im Vorderhaus, Erdgeschoss, kommt ein breiter Flur dazu. Die Treppengeländer werden reihum geputzt, mehr als eines schaffe ich nicht – jetzt sind sie alle ansehnlich; die Profis hatten sie total verstauben lassen. Nächste Woche nehme ich mir als Extra die Marmorstufen zum Hochparterre im Vorderhaus vor.

Gemerkt habe ich beim ersten Mal, daß die Profis nie die Wandwangen geputzt haben (sondern immer nur das Putzwasser dagegengeschoben). Beim Entfernen eines Flecks auf dem Steinfußboden unten habe ich festgestellt, daß die Steinplatten eigentlich nicht rotbraun, sondern rot sind – auch das werde ich nach und nach wieder sichtbar machen.

Das abgenutzte Linoleum auf den Treppen und die Risse in der alten Farbe (gibt es eigentlich ein Extraabteil im Fegefeuer für den Menschen, der Ochsenblutrot für eine Modefarbe auf Berliner Dielenböden und Treppen gemacht hat?) kann ich nicht ändern. Aber der über Jahrzehnte eingetretene Schmutz ist mit Geduld, Bürste und Muskelkraft sicher zu mindern. Ich habe den Ehrgeiz, daß in einem halben Jahr die drei Treppen in Vorderhaus und Seitenflügeln so wirken, als sei da schon immer eine sorgfältige Putzfrau am Werk gewesen.

Die Arbeit hat einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil für eine dicke Stubenhockerin. Andere Leute zahlen Geld an Sportstudios, ich putze einfach die Treppen und bekomme Geld dafür! Drei Treppen, vier Stockwerke, erst mit dem Besen, dann mit dem Wischer, und dabei jeden Absatz noch einmal, weil ich den Putzeimer erst ganz nach oben und dann absatzweise nach unten trage. Macht insgesamt: Vier Stockwerke dreimal rauf und runter, davon zweimal mit einem schweren Eimer. Gutes Konditionstraining! Bei meinem nächsten Termin beim Hausarzt, wenn er wieder fragt, ob ich jetzt Sport mache, kann ich ihm sagen: Ich mache jeden Montag fünf Stunden Ausdauertraining.

Aber nicht nur für Geld und Gesundheit ist das Treppenputzen gut. Ich bin in dieser Zeit unabgelenkt von allem anderen. Ich höre zu den vollen Stunden die Kirchenglocke – und sonst nicht viel. Das bedeutet: Ich kann meine Gewohnheit beibehalten, zur vollen Stunde ein Gebet zu sprechen, zu Mittag den Angelus zu beten. Und Saubermachen hat insgesamt etwas durchaus Meditatives.

Wenn dann alles schön ist, ich selbst frisch geduscht und sauber angezogen (man ahnt nicht, wie viel Dreck auf einem Menschen kleben kann nach so einer Arbeit!), mache eine Pause – und dann mache ich noch einen Weg, nämlich zur Krankenhauskapelle, die bis spätabends offen ist. Dort kann ich noch eine halbe Stunde anbeten, ganz allein. Das ist die Krönung des Tages.

Zwar möchte ich diese Arbeit wirklich nicht mehr als einmal wöchentlich tun – denn ich bin ja, so ganz nebenbei, Dichterin und möchte das auch bleiben. Aber abgesehen davon, daß ich alt bin und das Geld brauche, ist dieser Job auf ganzer Linie ein Gewinn, ein Gegengewicht zu meiner Schreibtischarbeit und sogar in geistlicher Hinsicht von Vorteil. Ich gehe soweit, zu raten: In Zeiten geistlicher Dürre putze man einfach eine Treppe, oder zwei, oder drei.

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Zum Frauentag

… mal etwas über die beste aller Frauen:

Die Bewahrte

Allmacht hätte Christus, den Herrn,
Gott den Gott in Person des Sohnes,
unversehrt können wachsen lassen
in einer Frau mit verwüsteter Seele.

Er tat es nicht. Er bewahrte Maria
vielleicht nicht so sehr um des Sohnes willen
als um der Mutter des Heiligen willen.

Welche in noch so geringe Schuld
verstrickte Frau hätte tragen können
dies Kind, das von aller Sünde blieb frei,
göttlich und menschlich, verheißner Messias?

Welche Mutter, mit Erbschuld belastet,
hätte den Gruß des Engels ertragen,
hätte das Kind ohne Grauen gesehen,
Grauen vor ihrer eigenen Seele?

Nur die Bewahrte konnte bewahren
in ihrem Herzen, unter dem Herzen,
an ihrem Herzen, dem schon durchbohrten,
diesen göttlichen Sohn und Heiland.

© Claudia Sperlich

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Frauenpriesterum und so

Mich öden diese ewigen Diskussionen um Frauenpriestertum an. Aber sie befeuern mich auch ein wenig, mal was ganz und gar Halbernstes zu schreiben.

Männer können nicht Geweihte Jungfrau werden. Auch nicht Geweihter Jungmann – das gibts in der katholischen Kirche ganz einfach nicht. Ist nicht vorgesehen!

Männer, ehe Ihr mir in wahrlich ermüdender Weise immer wieder sagt, es sei ganz, ganz schlimm, daß ich nicht Priesterin werden können will, regt Euch doch abwechslungsweise mal darüber auf. Nur um ein bißchen Frische in die sinnlosen Diskussionen zu bringen, gelle. Ihr könnt und dürft niemals „Geweihte Jungmänner“ werden, geht nicht, gibts nicht! Wir Frauen aber haben diese Möglichkeit seit der Frühzeit der Kirche.

Frauen vom Schlage einer Jacqueline Straub sind ebenfalls dringend aufgerufen, um der Geschlechtergerechtigkeit willen endlich für eine Jungmännerweihe zu kämpfen. Erst wenn die erste katholische Bischöfin den ersten Jungmann geweiht hat, wird das Schisma vollkommen sein.

Und da sei Gott vor. (Ist Er.)

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Anna selbdritt

… heißt ein Bildtypus, der im 13. Jh. modern wurde: die alte Anna, die junge Maria und das Jesuskind, Großmutter, Mutter und Kind.

Diese Figur aus Olivenholz hat mir eine Freundin geschenkt. Hergestellt ist sie in einer Werkstatt nahe Bethlehem, und in der Geburtskirche ist sie gesegnet worden. Was für ein schönes, kostbares Geschenk!

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Wunderbare Überraschung

Eine Leserin meines Blogs hat mir, einfach so, weil sie mein Blog gut findet (und offenbar ein sehr lieber Mensch ist), ein gewichtiges Geburtstagspäckchen geschickt. Edle Leckereien, Lesestoff und eine schöne große Kerze!

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Heiligstes Herz Jesu,
von einer Dornenkrone umgeben und vom Kreuz überragt,
helleuchtend mitten in Flammen,
erbarme dich unser, heile die Kranken, beschütze unser Heim,
segne unsere Familien, heilige die Priester, rette die Gottgeweihten,
bekehre die Sünder, bewahre uns vor Sünde, Unglück, Angst und Not!
Amen.

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Ich bin ja in letzter Zeit etwas blogfaul gewesen – dies schöne, unverhoffte Geschenk soll mir ein Ansporn sein.

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An meinem 57. Geburtstag

Mein Herr und Gott, ich danke für das Leben,
für all die Zeit, die Du mir hast gegeben,
für jeden Tag in dem vergangnen Jahr.
Viel Zeit ließ ich zwar ungenutzt verstreichen.
Vielleicht auch stellte ich verkehrt die Weichen.
Doch Du machst alles gut. Denn Du bist wahr.

Mir bleibt trotz allen Fehlern, allen Sünden,
Gehör und auch Verstand, wenn von Dir künden
die Bibel und die Kirche, Deine Braut.
Mir bleiben Freunde, die mit mir Dich preisen
in Wort und Tat, auf viele gute Weisen,
mir bleibt Dein Wort, das All und Kirche baut.

Im neuen Jahr will ich Dir besser dienen,
will folgen den von Dir gelegten Schienen
und mich nicht beugen meiner Lebensangst,
will Dich in Liedern und Geschichten loben.
Mein Herr und Gott, sei immer hoch erhoben!
Und ich will tun, was immer Du verlangst.

© Claudia Sperlich

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Wunschzettel

Bald habe ich Geburtstag, und da mache ich auf meinen Wunschzettel aufmerksam, der heuer auch etwas in eigener Sache enthält.

Herzlichen Dank schon jetzt!

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