Weil Ersticken kein schöner Tod ist

… und nicht bloß weil es ab 1.1.2020 – das ist bälder als man ahnt – gesetzlich vorgeschrieben ist, soll man einen Rauchmelder haben. Ein lieber Freund, der weiß, daß ich einen kaufen wollte, ganz bestimmt bald, hat mir einen mit der Post geschickt. Herzlichen Dank!

Ich bin handwerklich nicht sonderlich geschickt, aber zwei Löcher in die Decke bohren schaffe ich schon… dachte ich. Nun hatte ich aber wieder mal vergessen, daß eine Leiter mit sechs Sprossen für eine Berliner Altbauwohnung eigentlich eine Sprosse zu klein ist. Löcher bohren geht, da ersetzt die Bohrmaschine, was mir an Größe fehlt. Aber für alles Weitere bin ich zu klein.

Wie gut, daß ich eine liebenswürdige Untermieterin habe! Sie ist zwar nicht oder unwesentlich größer als ich, aber jünger und sportlicher – und traut sich noch auf der Leiter den Ballenstand zu. Und nun, mit vereinten Kräften, sitzt das gute Stück an der Decke, blinkt von Zeit zu Zeit mit seinem roten Auge, um zu sagen: „Ich habe alles unter Kontrolle!“ und wird, wenn mal was anbrennt, schrill pfeifen.

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Ein bißchen Süßkram war auch dabei, den wir geschwistlich geteilt haben. Ich werde mit Süßkram dafür belohnt, daß ich zusammen mit meiner Hausgenossin imstande bin, etwas Überfälliges „eigentlich ganz Einfaches“ in weniger als einer halben Stunde geschafft zu haben. Aber hinterher „viribus unitis“ sagen, das kann ich. Bin ich jetzt „typisch Frau“ oder „typisch Gelehrter“?

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Eucharistie: Das ist der Herr!

In jeder Messfeier geschieht durch das Gebet des Priesters die Wandlung von Brot und Wein zu Fleisch und Blut Christi. Das bedeutet keine Veränderung der chemischen Zusammensetzung oder des Aussehens oder des Geschmacks. Es ist ein Mysterium, und es ist Glaubensinhalt der Kirche. Christus ist anwesend, nicht irgendwo in der Hostie oder dem Wein, sondern als gewandelte Hostie, als gewandelter Wein.

Jesus feierte mit den Aposteln den Sederabend. Bei Markus 14,22-24 heißt es:

Während des Mahls nahm Er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach Er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist Mein Leib. Dann nahm Er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und Er sagte zu ihnen: Das ist Mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

Auch Matthäus und Lukas beschreiben diese Szene. Die Kirche lehrt die wesenhafte Wandlung von Brot und Wein zu Fleisch und Blut Jesu durch die Einsetzungsworte im Hochgebet des Priesters. Deshalb kann man nicht zu viel (und kaum genug) Ehrfurcht gegenüber der Eucharistie haben.

Das II. Vatikanische Konzil hat den Empfang der Kommunion auf der Hand erlaubt. Ich habe die Eucharistie fast immer so empfangen. Tatsächlich habe ich mit dem Empfang auf der Zunge meine Probleme, die sind aber nicht unüberwindlich. Einige Erlebnisse der letzten Zeit lassen mich überlegen, vermehrt zur Mundkommunion überzugehen – nicht weil ich sie „richtiger“ finde, sondern weil sie gegenüber anderen Gläubigen „unmissverständlich“ ist.

Freitags gibt es in meiner Heimatgemeinde die Kommunion unter beiderlei Gestalt. Man steht erst für die Hostie an und dann für einen Schluck aus dem Kelch. Ich finde, das ist ein schönes Zeichen, es macht die Kommunion zwar nicht wertvoller. (Jeder Krümel und jeder Tropfen ist der ganze Herr, der sich hier einverleiben lässt, sich uns ausliefert als Nahrung.) Aber wir können die Eucharistie besser als ein himmlisches Fest begreifen, wenn wir auch das Blut Christi bekommen. (Es sieht aus und schmeckt wie Wein. Aber es ist nicht Wein.) Deshalb bin ich froh, wenn die Kommunion unter beiderlei Gestalt gereicht wird. Aber da gibt es einen Haken.

Das Eintauchen der Hostie in den Wein ist nur Priestern und Diakonen erlaubt. Laien dürfen das nicht. Und wenn ich (immer mal wieder) sehe, wie Gläubige die Hostie eintunken und dann ein bißchen abschütteln, verstehe ich gut, warum. Selbst wenn meistens hoffentlich kein Tropfen auf dem Boden landet, sondern jeder Tropfen wieder im Kelch, ist die bloße Gefahr viel zu groß, Christi Blut zu verschütten. Sollte der Gläubige Angst vor Infektion haben, muss er auf das Blut Christi eben verzichten. Er hat ja mit dem Leib Christi die vollgültige Kommunion empfangen.

Kürzlich stand ich zur Kommunion an und eine Frau kam von derselben – mit dem Leib des Herrn in der Hand. Mit der anderen Hand klopfte sie mir auf die Schulter und wollte einen Plausch anfangen, während ich noch mitten in der Kirche stand. Ich war so entsetzt, daß ich leider nicht besonders freundlich reagierte. Ich zeigte auf den Leib des Herrn und zischte „Sumieren! Los!“ – normalerweise nicht mein Tonfall, aber es wirkte, sie steckte sich die Hostie in den Mund und ging auf ihren Platz. Ich wollte sie nach der Messe noch ansprechen und um Entschuldigung für meinen harten Tonfall bitten – und ihr gleichzeitig erklären, warum ich so schockiert war. Aber ich sah sie leider nicht mehr.

Nur etwa eine Woche später sah ich, als ich in die leere Kirche zur stillen Anbetung kam, auf einer der hinteren Bänke eine Hostie liegen. Sie hatte wohl schon auf dem Boden gelegen, jedenfalls war sie nicht völlig sauber. Ich kniete mich dorthin und überlegte betend eine Weile, was zu tun sei. Natürlich konnte ich nicht wissen, ob es eine geweihte Hostie – also der Herr – war, oder eine ungeweihte Oblate, die man leicht hätte entsorgen können. Weil ich es nicht wissen konnte, weil es eben möglich war, daß ich den Herrn vor mir hatte, aß ich die Hostie.

Ich schildere hier, was ich innerhalb der letzten drei Wochen in einer keineswegs durch besondere Frevelhaftigkeit auffallenden Gemeinde erlebt habe. Das lässt mich vermuten, daß solche Dinge in vielen Gemeinden wöchentlich geschehen. Und das lässt mich schaudern.

Ich vermute in keinem Fall bösen Willen. Ich schließe vielmehr darauf, daß viele Menschen zur Kommunion gehen, die nicht wissen, was die Kommunion ist. Sie haben vielleicht mal Latein gelernt und wissen, daß communio Gemeinschaft bedeutet. Sie wissen, daß der gemeinsame Empfang von Brot (und eventuell auch Wein) irgendwie schön und sinnstiftend ist. Aber sie wissen nicht, oder sie wollen nicht wissen, daß sie gar nicht Brot und Wein empfangen, sondern den Herrn. Oder vielleicht wissen sie es sogar und meinen, Er wird das so eng nicht sehen. Das fände ich noch schlimmer.

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Zum Feierabend gedichtet

Bei der Arbeit an einem Sonettzyklus

Ich muss, um diesen Zyklus zu vollenden,
Noch elf Sonette aus den Fingern saugen,
Die müssen klingen, reimen, beten, taugen,
Und sich an fromme Lyrikleser wenden.

Es langt, um Dichterhirne auszulaugen!
Auch ist noch reichlich Schmierpapier zu schänden.
Doch endlich werd ich sie dem Drucker senden,
Und dann erblicken sie auch Eure Augen.

Dann müsst Ihr in die Büchertempel laufen
Und wieder eins von meinen Büchern kaufen,
Auf daß mit neuer Kraft ich weiter dichte.

Und einst bestückt man damit Büchereien
Und müssen Germanisten mich entleihen!
Ich bin im Himmel – und für Euch Geschichte.

© Claudia Sperlich

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Die Bibel ist Gottes Wort

… und nicht bloß schöne Literatur, schreibe ich in meiner Monatskolumne auf kath.net.

Veröffentlicht wurde das zwar schon vor drei Tagen, gemerkt habe ich es erst heute – manchmal lässt mich selbst meine Autoreneitelkeit im Stich.

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Mein Vater, die Nashörner und das Schloss

Gestern, am 9. Januar 2019, war der 100. Geburtstag meines Vaters Martin Sperlich. Die Pückler-Gesellschaft, zu deren Gründern er gehörte und deren Vorstand er eine Zeitlang innehatte, lud zu einer Feierstunde in der Eosander-Kapelle im Schloss Charlottenburg und anschließendem Empfang im Theaterbau daselbst.

In der Kapelle wurden Reden gehalten, und ich hatte ein wenig Sorge (ich war in der ersten Reihe plaziert und musste unbedingt wach aussehen). Und dann waren die vier Reden alle hervorragend und keine zu lang, mein Vater wurde in so liebenswürdiger Weise und ganz ohne Banalitäten und Wiederholungen dargestellt als der besondere Mensch, Freund und Wissenschaftler, der er war. Der einzige Minuspunkt war die Temperatur der Eosanderkapelle, die noch empfindlich kalt ist, wenn sie gesteckt voll Menschen in warmen Sachen ist.

Martin Sperlich war fünfzehn Jahre lang Direktor der Berliner Schlösserverwaltung gewesen und hatte mit Energie, Fleiß und immer wachsendem Wissen die Schlösser und Gärten West-Berlins behütet und gepflegt. Mit seinem Kollegen Heinz Schönemann aus Potsdam hatte er in den Zeiten des Kalten Krieges und der Trennung Deutschlands diktatorische Hürden überwunden und ihm bei den wenigen bewilligten Besuchen des Westteils (denn die DDR erlaubte Gelehrten nicht oft den Austausch mit Kollegen und das Ansehen relevanter Werke) mit Wagen und genau ausgeklügeltem Zeitplan geholfen, so viel wie möglich zu sehen. Mir war besonders Schönemanns warmherzige Rede wichtig, nachdem ich nicht zum ersten Mal eine Diskussion im Internet erlebt hatte, in der immer noch „Ossis“ und „Wessis“ einander gegenüberstanden und von „wir“ und „ihr“ sprachen, als seien sie homogene Massen.

Durch Spenden hat die Pückler-Gesellschaft einen Gedenkraum im Theaterbau im Schloss Charlottenburg eingerichtet, in dem Martin Sperlichs legendäre Nashornsammlung ausgestellt ist. Der Raum befindet sich im linken Flügel und ist der Öffentlichkeit zugänglich, allerdings wird um telephonische Anmeldung gebeten, da dort auch wissenschaftliche Veranstaltungen stattfinden. Nach den Reden in der Kapelle ging es hierher. Die von Joachim Dunkel geschaffenen Büsten von Martin Sperlich und seiner Vorgängerin im Amt, Margarete Kühn, sind dort ebenfalls ausgestellt. Margarete Kühn haben wir zu verdanken, daß das im Krieg schwer beschädigte Schloss Charlottenburg nicht abgerissen und durch einen Behördenbau ersetzt wurde.

Die Nashornbilder sind sehr gut gehängt, und ich freue mich, daß sie nun auch der Allgemeinheit zugänglich sind. Das ist auch im Sinne meines Vaters, der immer wollte, daß Kunst allen sichtbar gemacht wird, und dessen Haus auch Interessierten immer wieder offenstand.

Die Pückler-Gesellschaft hatte mich gebeten, aus den Gedichten meines Vaters zu lesen. Das tat ich gern und schloss mit einem eigenen Gedicht ab; hier das erste und das letzte Gedicht der Lesung:

Königsberg-Ponarth 1930

Im Treppendunst von Küchen und Aborten
ging unser kleines Leben halberwacht
mit frühem Aufstehn und der Niedertracht
der Nachbarinnen mit den spitzen Worten;

doch sind das auch Genossen und Konsorten,
der Kranken wird in ihre Fiebernacht
das Hausgemachte an das Bett gebracht,
als die Geranien ihr fast verdorrten.

Wir hatten unsern Stolz und Mut und Glauben,
der Leiermann dankte zum dritten Stock,
und einer züchtete im Dachstuhl Tauben.

Am Straßenacker zerrt ein Ziegenbock
und einer brummt ein Lied in seinen Bart
vom roten Stadtteil Königsberg-Ponarth.

Martin Sperlich

***

Vater

Wir gingen abends oft zum Automaten.
Laternen warfen ihre gelben Scheiben
aufs Pflaster, und mein Schatten wollt nicht bleiben –
ich staunte, daß wir niemals auf ihn traten.

In deiner Hand war sehr viel Raum für meine.
Im Wechsel schwer und leicht erklang dein Gehen,
und wenn ich rannte, bliebst du manchmal stehen –
dein Hinken wartete auf kurze Beine.

Du gabst mir Antwort auf die schwersten Fragen
und zeigtest mir den Großen Himmelswagen,
und manchmal rezitiertest du Gedichte.

Dann stecktest du die Schachtel Filterlose
bedächtig in die Tasche deiner Hose –
dann gings nach Haus zur Gutenachtgeschichte.

© Claudia Sperlich

Ich bin sehr dankbar für diesen schönen Abend, diese gute Art des Gedenkens und dafür, daß jeder, der mag, die Nashornsammlung sehen kann. (Nochmals: Bitte anmelden! Hier die Kontaktdaten des Schlosses Charlottenburg.)

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Wasser im Badezimmer

Der Klempner ist abgezogen. Waschbecken und Dusche in meinem Badezimmer dürfen wieder benutzt werden. Nach zweieinhalb Wochen!

Passiert war, daß am 20. Dezember ein von mir unbemerkter Rohrbruch die frisch renovierte Wohnung unter mir unter Wasser setzte. Diagnostiziert wurde der Schaden gleich am nächsten Tag von einem Klempner, und ich durfte einerseits aufatmen (Versicherungsschaden) und musste andererseit für eine Weile mit der Spüle in der Küche vorlieb nehmen.

Man verdreckt nicht, wenn man keine Dusche hat. Man kann sich behelfen mit der Spüle. Viele mir bekannte Menschen haben lange Zeit ihres Lebens gar nichts anderes gehabt und waren auch immer reinlich.

Sehr viele Menschen können sich nicht so einfach behelfen, sondern haben keinen Zugang zu sauberem Wasser oder müssen weite Wege zum Brunnen auf sich nehmen. Das ist mir alles bekannt – ich weiß, daß „zweieinhalb Wochen keine Dusche haben“ ein Luxusproblem ist. Aber ich merke auch, daß dies Luxusproblem für mich wirklich, wirklich unangenehm war. Ich bin es gewohnt, in meiner Wohnung fließendes Wasser zu haben, und zwar genau da und genau dann, wo und wann ich es will.

Nun war diese luxuriöse Gewohnheit zweieinhalb Wochen gestört, und rückblickend bin ich dankbar dafür. Natürlich bin ich überhaupt nicht dankbar dafür, daß eine umständliche Renovierung auf meine Nachbarin zukommt! Das tut mir wirklich Leid, auch wenn es nicht meine Schuld ist. Aber daß ich einfach mal erleben durfte, wie es ist, sich eine Weile in einer hierzulande „normalen“ Sache einschränken zu müssen – das ist gut.

Dennoch, lieber Gott – nochmal muss das nicht sein.

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Darf man sich schwarz schminken?

Die Sternsinger werden in einer Twitterdiskussion mit Blackfacing in Verbindung gebracht. Und damit sind sie natürlich Rassisten. Oder?

Von Blackfacing spricht man, wenn weiße Schauspieler sich schwarz schminken, um auf eine sehr spezifische Weise Schwarze als ein wenig tölpelhafte, aber fröhlich singende Menschen darzustellen. Das war eine im 18. und 19. Jh. in den Vereinigten Staaten populäre Form des Rassismus.

Nun wird also als Blackfacing kritisiert, wenn Sternsinger sich schwarz schminken, um den traditionell als Schwarzen gedachten König Balthasar darzustellen. Das heißt: Wenn ein Kind (oder meinethalben auch ein Erwachsener) mit heller Hautfarbe einen von drei gleichrangigen Königen spielen will und sich dafür dunkel schminkt, ist das angeblich ein rassistischer Akt. Dabei wird u.a. argumentiert, man könne doch diese Rolle einem Schwarzen geben. Das wiederum heißt: Eine Gemeinde, in der kein Schwarzer ist, darf den Balthasar nicht spielen. Und wenn einer da ist, dann müssen die Sternsinger auf den zugehen und ihn bitten, den Balthasar zu spielen, weil er so schön schwarz ist. Nicht etwa, weil sie ihn gerne als Sternsinger-Kollegen wollen, oder weil er so eine tolle Stimme hat, oder weil er ein frommes und gescheites Kind ist, dem man zutraut, genau zu verstehen, warum es die Sternsinger gibt – sondern weil er schwarz ist.

Das tut keine Kirche, aber das käme dabei heraus, wenn man der Aufforderung Folge leistete, den Balthasar gefälligst von einem Schwarzen spielen zu lassen oder gar nicht. Und das wäre nun wirklich übelster Salon-Rassismus. Das hieße nämlich: Du bist schwarz, also musst du den Balthasar spielen; ob du das willst und kannst, ist dabei völlig egal, es geht uns nur um deine Farbe. Dank sei Gott, daß auf so eine blöde Idee wirklich nur Kirchenferne kommen!

Die Heiligen drei Könige werden traditionell als Vertreter der drei in der frühen Neuzeit bekannten Kontinente gesehen. Europäer, Asiaten und Afrikaner werden also als gleichrangig, als königlich und weise gesehen. Hinzu kommt, daß der afrikanische König in der bildenden Kunst immer besonders schön dargestellt wird. (Die lächerliche Darstellung Schwarzer als kulleräugige Tölpel kommt im 19. Jh. auf und findet sich in keiner Kirche.)

Wenn hellhäutige Kinder sich zu dunkelhäutigen Königen schminken, nehmt es als das, was es ist: den in der Kirche verwurzelten Hinweis, daß alle Menschen gleichen Wert und gleiche Würde haben, und die kirchliche Tradition, die Weisen zu Königen und die Könige zu Vertretern aller Welt zu erklären.

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Was am Katholizismus so Klasse ist: Die Sternsinger!

Heute sind sie wieder unterwegs: Kinder und Jugendliche, die für notleidende Kinder in anderen Ländern Geld sammeln und zugleich die Wohnungen, in die sie kommen, segnen und den Menschen, die dort wohnen, Freude und Segen bringen.

Sie sammeln für sinnvolle Hilfsprojekte, die den Ländern nicht von außen aufgedrückt werden, sondern die vor Ort bestehen und mit finanzieller Hilfe stärker werden. Heuer geht es um eine Einrichtung in Lima, Peru für behinderte Kinder, denen durch Bildung und Hilfsmittel (Rollstühle, Gehhilfen etc.) die Teilhabe am Leben ermöglicht wird.

Den Heischebrauch des Sternsingens oder Dreikönigssingens gibt es nachweislich seit dem 16. Jh.; teils waren es Berufsgruppen, teils arme Kinder, die am Dreikönigsfest (6. Januar) singend um Gaben baten. Obrigkeitlich war dieser Brauch zeitweise verboten oder eingeschränkt. Heute ist er als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Kinder ergreifen die Initiative für andere Kinder, unterstützen sinnvolle Arten der Hilfe für Arme, Kranke, Behinderte, an den Rand Gedrängte – und sind dafür bereit, in dem meist recht unwirtlichen Wetter stundenlang durch die Straßen zu ziehen, viele Treppen zu steigen und vorher gut eingeübte Lieder und Gedichte vorzutragen sowie verständlich zu erklären, was sie tun und für wen. Das allein nötigt mir schon Respekt ab für die kleinen Könige und Königinnen!

Sie kommen als kleine Prozession, vorneweg der Sternträger, dann ein Kind mit Weihrauchfass (Hinweis: Schalten Sie den Rauchmelder stumm!), dann eines mit einer Schatzkiste. Sie singen, was sie tun: Segen bringen sie dem Haus, Segen allen, die darin wohnen. Sie schreiben oder kleben den Haussegen über die Tür: eingerahmt von der Jahreszahl sind die Buchstaben C+B+M+ für Christus benedicat mansionem, Christus segne das Haus. Sie sind lieb und fröhlich, sie bringen mit ihrem königlichen Aufzug auch Leben und Freude in die Wohnungen von Menschen, die einsam oder traurig sind.

Ich lege ihnen immer gerne einen Schein in ihre Schatzkiste. Und ich gebe ihnen auch immer gerne ein bißchen Süßkram in den Rucksack, denn natürlich gehört auch das dazu, das Beutemachen – und sie haben sich das redlich verdient.

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Wenn sie nicht ins Leben passen

In dem Kleinstaat Pavoralia wurde nach langen Diskussionen ein Gesetz verabschiedet, das die Tötung von Elternteilen legalisieren soll. Gesundheitsminister Odiose, der den Entwurf ausgearbeitet hat, äußert sich wie folgt:

„Jährlich werden bis zu zehn Elternteile von ihren in der Regel jugendlichen oder jungen erwachsenen Söhnen, seltener Töchtern, getötet. Wenn man die versuchten, aber nicht vollendeten Tötungen mitrechnet, kommt man ungefähr auf den vierfachen Wert. Auch wenn diese Zahlen innerhalb der Kriminalstatistik verschwindend klein sind, sind sie bedeutend wegen der besonderen Beziehung und der stark emotional besetzten Rezeption in der Gesellschaft.

Die von den Tätern angegebenen Gründe sind in aller Regel durchaus verständlich; das Verhältnis zu dem betroffenen Elternteil war regelmäßig schon seit langem mehr als nur angespannt. Allerdings sind regelmäßig die Tatwerkzeuge ebenso wie ihre Handhabung so beschaffen, daß man von einem langen Todeskampf und dadurch starker psychischer Belastung sowohl der Opfer wie auch der Täter ausgehen muss. Hinzu kommen die Fälle, in denen die Opfer überleben, aber nicht oder nur eingeschränkt arbeitsfähig bleiben – eine hoch belastende Situation nicht nur für sie selbst.

Es wird auch in Zukunft nicht möglich sein, hochbelastende Eltern-Kind-Beziehungen ganz zu vermeiden. Trotz aller Ratgeber und Beratungsstellen gibt es ja immer wieder Eltern, die meinen, darauf nicht angewiesen zu sein. Deshalb kommt es zu solchen unnötig qualvollen Toden, die zudem strafbewehrt sind. Den jungen Menschen, die schon lange genug unter despotischen oder vernachlässigenden Eltern gelitten haben, sowie den nicht mehr ganz jungen, deren Einkommen durch die hinfälligen, dementen Eltern ganz und gar verzehrt wird, wird danach noch ein Prozess und eine oft sehr lange Haftstrafe zugemutet; ihr Leben wird vollständig ruiniert, das Ziel der Tat ganz und gar konterkariert.

Deshalb haben wir nach gründlicher Überlegung und langen, auch kontroversen Debatten beschlossen, die Elternentfernung nach Beratung und mindestens dreitägiger Bedenkzeit gesetzlich zu ermöglichen. Allerdings darf sie in keinem Falle von den Kindern selbst oder von nahen Verwandten ausgeführt werden. Ausführende sind regelmäßig vom Staat besoldete Parenticisöre, die verpflichtet sind, die Betreffenden möglichst schmerzlos, schnell und diskret zu entsorgen.

Für eine Elternentfernung ist Antragstellung zwingend notwendig. Anträge kann man im Familienministerium, im Gesundheitsministerium sowie als pdf auf den Internetseiten dieser Ministerien bekommen. Bei Einreichung fällt eine Bearbeitungsgebühr von 50,– Penunzen an. Eine Befreiung von dieser Bearbeitungsgebühr kann aufgrund des Armenrechts beantragt werden; diese Möglichkeit ist aus praktischen Gründen im „Antragsformular Parenticid“ als Unterpunkt d) gegeben.

Zur Antragstellung berechtigt sind alle Einwohner Pavoralias, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, sofern auch der betroffene Elternteil seinen Hauptwohnsitz in Pavoralia hat.

Der Antragsannahme folgt eine verpflichtende Beratung durch psychologisch geschulte Mitarbeiter entweder des Ministeriums oder des ortsansässigen Parenticisörs und soll das Leben der Eltern im Blick haben, aber sachlich und ergebnisoffen bleiben. Nach mindestens drei, höchstens 21 Tagen hat der Antragssteller ggf. durch persönliches Erscheinen beim ausstellenden Ministerium und eigenhändige Unterschrift seinen Entschluss zu bestätigen, oder der Antrag verfällt. Wird eine Frist versäumt, ohne daß der Antragsteller von seinem Wunsch nach Elternbeseitigung zurücktreten will, muss der Antrag neu gestellt werden. Bei Versäumnis infolge Krankheit kann ein Attest eingereicht werden; die Krankheitstage werden dann angerechnet.

Wir haben lange überlegt, ob wir die Erlaubnis zur Elternbeseitigung noch unbürokratischer geben können. Wir glauben aber, dies Mindestmaß an Bürokratie schulden wir den konservativen Kräften unseres Landes, deren Bedürfnis nach Sicherheit wir berücksichtigen müssen.

Mit der jetzigen Gesetzeslage ist es leichter und schonender möglich, sich seiner Eltern oder Elternteile zu entledigen, wenn es gar nicht mehr anders geht. Ein überfälliger Schritt in die richtige Richtung!“

Deutsche Politiker aller Fraktionen äußerten sich bestürzt über das neue pavoralianische Gesetz. Auf Nachfragen konnten sie ihre Bestürzung allerdings nicht völlig stringent begründen.

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Lebensschutz – auch 2019 bitter nötig

Insgesamt sank die Zahl der Abtreibungen von 2010 bis 2016 stetig; 2017 stieg sie wieder.
Gleichzeitig gibt es eine tendenziell steigende Zahl von Abtreibungen in der 22. Woche oder später.
Quelle

Für das Jahr 2018 liegen noch keine abschließenden Zahlen vor. Aus den Zahlen für die ersten drei Quartale ergibt sich eine Hochrechnung auf 101.793 Abtreibungen im ganzen Jahr, also wieder ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Quelle

Das bedeutet: Die Zahl der Abtreibungen steigt seit zwei Jahren wieder. Spätabtreibungen wurden mindestens von 2010 bis 2017 sowohl prozentual als auch absolut häufiger.

Einerseits ist es für die Tatsache, daß bei einer Abtreibung ein Mensch umgebracht wird, nicht einmal relevant, ob das in der ersten oder der letzten Schwangerschaftswoche geschieht oder irgendwo dazwischen. Andererseits gehört zum Töten eines Menschen, der mit modernen medizinischen Mitteln durchgebracht werden kann und der auf den ersten Blick als Mensch erkennbar ist, eine erheblich größere Kaltherzigkeit als zum Töten eines Menschen in den ersten Wochen der Schwangerschaft.

Die immer wieder gehörte Behauptung, Spätabtreibungen seien ja so gut wie kein Thema, wird durch diese Statistik widerlegt.

Auch in diesem Jahr werde ich, so Gott will und ich lebe, am 21. September am Marsch für das Leben in Berlin teilnehmen.

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