Blick auf die Marienkirche

St Marien in Friedenau ist eine der schönsten Kirchen Berlins. Dort kann man auch sehr gut auf einer Bank sitzen und ein Rosenbeet betrachten. Oder photographieren.

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aureo atro: the year that was not – Musik zu Coronazeiten

Der Priester, Blogger, Lyriker und Komponist Alipius Müller hat in ein eindrucksvolles Stück komponiert: the year that was not – „das Jahr, das nicht stattfand“. Es gehört, wie bei ihm üblich, in die unscharf umrissene Kategorie Indie, und beschreibt Einsamkeit, Schrecken und Hoffnung mit den Mitteln des Independent Rock.

Der Anfang klingt wie Wind in leeren Straßen; ich habe dabei die schauerliche Schlußszene des Films On The Beach / Das letzte Ufer vor Augen, wo fromme Flugblätter durch die menschenleeren Straßen wehen und das Transparent „There is still Time Brother“ sich über einen verödeten Platz spannt. (Die Szene gewinnt übrigens sehr, wenn man die Filmmusik aus- und Alipius Müllers neues Stück anschaltet.)

Es folgen vollere Klänge, eine kleine Melodie, die sich in Abwandlungen wiederholt und wächst, und die musikalische Beschreibung einer noch hilf- und ratlosen Aktivität, aber doch mit satteren und hoffnungsvolleren Klängen unterlegt. Der Wind weht dabei weiter. Nach einer Art qualvollem Stöhnen beginnt der letzte Abschnitt des gut fünfminütigen Stückes mit Klängen, die zum Titel des Albums passen: aureo atro – dunkelgolden. Ich höre eine in allem Chaos dieser Welt unverwüstliche Hoffnung und Tatkraft, vor allem aber das Vertrauen: Gott wird am Ende alles gut machen. In der Hinwendung zu Gott wird das Leben mitten in Unsicherheit, Schrecken und Leiden schön, golden und ruhig.

Hier ist das Stück.
Über die Kompositionen des Herrn Alipius habe ich schon hier und hier geschrieben, und ich merke wieder mit wachsendem Staunen: diese Musik geht mich an, berührt und bewegt mich.

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Dreifaltiger Gott und Blumengeschöpfe

Gott Vater hat die Rosen geschaffen (und Fingerhut, Campanula, Geranium und noch viel mehr).
Der Sohn hat uns lieben gelehrt – fand Blumen schöner als Salomos Prachtgewänder und wurde einst für einen Gärtner gehalten.
Der Heilige Geist beflügelt Gärtner und Rosenzüchter (und Blogger und Hobbyphotographen usw.).

Dem Dreieinen Gott danke ich für diese frühsommerliche Pracht!

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Zum Sonntag Trinitatis

Mit dem Dreieinen gehen
Melodie: Herr, ich bin Dein Eigentum (GL 435/EG 621)

Wohin führt mich Deine Hand,
Ob auf grüne Wiesen,
Ob durch heißen Wüstensand,
Vater, sei gepriesen!
Gleich wie steil,
Mir zum Heil
Sind all Deine Pfade.
Vater, Du bist Gnade.

Wenn ich in die Irre geh,
Bleib an meiner Seite.
Wenn ich ratlos stille steh,
Führe mich ins Weite.
Wo Du bist,
Jesus Christ,
Dahin will ich gehen.
Lehr den Weg mich sehen.

Gib mir Kraft, zu überstehn
Wasserlose Zeiten,
Muss ich über Dornen gehn,
Lass mich nicht verleiten.
Heilger Geist,
Der mich weist,
Lasse mich erspüren,
Wohin Du willst führen.

© Claudia Sperlich

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Sommerblumen

Ich habe mir endlich einen neuen Photoapparat geleistet. Den Rosenmond kann ich nicht einfach nur mit dem Tablet photographieren!

Ein wunderhübscher tiefvioletter Korbblütler blüht auf meinem Balkon – eine besondere Freude, nachdem die Hörnchen und Vögelein in gemeinschaftlicher Arbeit die kaum aufgegangene Saat bienenfreundlicher Blumen als Vorspeise zu sich genommen haben. Dies violette Blümchen hatte ich im vorigen Jahr gepflanzt und über den Winter völlig vergessen.

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Die erste Rose eines seit Jahren treu blühenden Strauches macht sich gut neben den Margeriten.
Rose_und_Margeriten

Und diese zwei Rosen lassen eine der unzähligen Geranien erblassen.
Rosen_und_Geranie

Den Umgang mit dem neuen Apparat muss ich noch lernen, aber ich bin sicher, in Zukunft wieder öfter Bilder zu zeigen. Der schöne Rotfuchs, den ich heute früh sah, stand genau so lange vollkommen still und guckte mich an, bis ich die Kamera in der Hand hatte – so sind sie eben, die Füchse, Eichhörnchen, Vögel usw. Aber es gibt ja noch Blumen, Bäume und Häuser.

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Dichterisches Zufallsprodukt

Da finde ich zufällig einen interessanten Zeitungsartikel über Zikaden, verlinke ihn auf facebook, ein Freund setzt einen wortspielerischen Vierzeiler darunter, und was passiert? Ich erinnere mich an eine Wanderung von vor etwa vierzig Jahren und schreib ein Gedicht.

Zikaden

Einstmals, in Italiens Auen
Kunst und auch Natur zu schauen,
wanderte ich froh allein.
Abends fand ich keinen Hafen,
legte mich im Grase schlafen,
und ich schlief auch wirklich ein.

Als ich in der Nacht erwachte
von dem Krach, den etwas machte,
nur aus Büchern mir bekannt,
fand ich’s vorerst recht erfreulich,
aber bald schon ganz abscheulich,
phantasielos und genant.

Da beschloss ich, aufzustehen
und woanders hinzugehen,
und so wandert‘ ich bei Nacht,
vom Gezirp mich zu entfernen,
hochromantisch unter Sternen,
und hab still bei mir gedacht:

All das neunzehnte Jahrhundert
hat den lieben Mond bewundert
nur, weil die Zikaden schrein.
Wär’n sie wie der Mond so stille,
aller deutschen Dichter Wille
ließe Nacht und Mond allein.

Hoch solln die Zikaden leben!
Durch sie wurde uns gegeben
manches schöne Lied vom Mond.
Ohne dies entnervend‘ Pfeifen
durch Italien tags zu streifen
hätte schließlich kaum gelohnt.

© Claudia Sperlich

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Komm, Heilger Geist

Melodie: Du lässt den Tag, o Gott, nun enden (GL 96)

Komm, Heilger Geist, mit Sabbatfrieden
erfüll mich, wenn ich zornig bin,
und hab ich mich von Dir geschieden,
dann leuchte mir zu klarem Sinn.

Wenn ich in meinem Groll verharre,
dann hilf mir auf der Sanftmut Steg,
wenn ich auf alte Sünden starre,
dann zeig mir Jesu neuen Weg.

Sei Du das Licht in meinem Leben,
wenn Irrlicht mich verleiten will.
Dann wird mein Zweifelherz sich geben
in Vaters Hand und wird dort still.

© Claudia Sperlich

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Wie ich ein Bett verschenkte

Das alte Bett war in aller Schlichtheit noch gut, aber der neue rückenfreundliche Federholzrahmen passte nicht hinein. Deshalb musste ein neues her.

Nun werfe ich heile Dinge nicht gerne weg. Ich versuchte, das Bett an Sozialkaufhäuser und andere soziale Projekte loszuwerden. Das ging nicht, denn überall sind die Lager voll. Sie nähmen es gerne, können es aber nicht unterstellen. Also inserierte ich auf einer Verschenke-Seite auf Facebook:

Bettgestell 90 x 200 cm, 30 cm hoch.
Gebraucht, sauber, heile.
Gern mit Ökoflex Federholzrahmen, der ist aber defekt – zwei Latten rutschen immer wieder aus. Vielleicht was für Bastler.

Abzuholen im 1. Stock; ich kann tragen helfen.

Nichts geschah.

Nun inserierte ich bei den ebay-Kleinanzeigen. Sehr bald bekam ich Antwort von einer Frau A. Wir machten die Abholung für den folgenden Tag aus. Ich gab meine Anschrift und den Hinweis, man möge mit Mundschutz erscheinen. Und am folgenden Tag bekam ich die Nachricht: Tut mir leid, mein Mann hat sich umentschieden. Danke für deine Geduld. A.

Bald hatten sich mehrere Interessenten gemeldet, darunter auch zwei, die das Bett gegen eine Gebühr abholen wollten. Eine Frau B. hatte ich zunächst um Geduld gebeten, falls das Bett nicht geholt würde; sie informierte ich nun, das Bett sei noch zu haben – und bekam die Antwort, sie habe sich ein anderes gekauft.

Kurz darauf fragte ein Herr C., ob der Artikel noch zu haben sei. Ich bejahte und sagte, er könne das Bett Dienstag, Donnerstag oder Samstag abholen. Wir einigten uns auf Dienstag. Ich gab meine Anschrift und den Hinweis, man möge mit Mundschutz erscheinen. Am Dienstag bekam ich eine neue Nachricht, er könne doch erst Donnerstag. Am Donnerstag schrieb er, es tue ihm Leid, heute gehe es gar nicht, ob er doch am Samstag kommen könne.

Ich antwortete leicht genervt: Ja, das sei in Ordnung, bitte zwischen 12.00 und 16.00 Uhr. Statt einer Antwort bekam ich eine weitere Anfrage, diesmal von Frau D. in der Verschenke-Gruppe, sie sei an dem Bett interessiert und ich möge ihr den Preis nennen. Ich antwortete ihr, man sei hier in einer Verschenke-Gruppe, das Bett koste nichts, sie müsse es nur selbst abholen. Darauf antwortete sie nicht mehr.

Am folgenden Tag löschte ich mein Inserat in der Verschenke-Gruppe und sagte Herrn E., das Bett sei noch zu haben, er könne es am Samstag holen. Ich gab meine Anschrift und den Hinweis, man möge mit Mundschutz erscheinen. Er bat um meine Telephonnummer, damit er mich anrufen könne, bevor er komme.

Kurz darauf meldete sich Herr C. doch wieder, er wolle am Samstag um 15.00 Uhr kommen. Ich schrieb Herrn E., es tue mir sehr leid, das Bett gehe nun doch an den vorigen Bewerber. Anschließend fragte ich Herrn C.: Kann ich mich denn darauf verlassen, daß Sie das Bett holen? – und bekam zur Antwort ein lapidares: Nein. Ich fragte noch einmal nach: Wie jetzt – wollen Sie das Bett nun haben oder nicht? Die Antwort: Besser sie geben es einem anderen.

Also sandte ich eine Berichtigung meiner Absage an Herrn E., das Bett sei doch noch zu haben. Ich bekam keine Antwort. Stattdessen fragte am späteren Vormittag ein Herr F., ob er zwischen 13.30 und 14.30 kommen könne. Ich bejahte, und er schob nach, daß er zwischen 14.30 und 15.00 Uhr komme. Nun bekam auch er meine Anschrift sowie den Hinweis, er möge bitte nicht später kommen. Hiernach fragte er, ob ich das Bettgestell abbauen konnte, blieb aber trotz meinem Nein bei seinem Entschluss, es abzuholen. E. bekam einen kurzen genervten Hinweis, es gebe nun einen weiteren Interessenten.

Und dann klingelte das Telephon, und E. stand schon vor der Tür. Er kam mit einem Freund, beides sehr nette und höfliche junge Männer, sie fanden den Schaden an dem Federholzrahmen überhaupt kein Problem, das könnten sie leicht reparieren… und dann waren sie sehr schnell und fröhlich und ohne irgendwo anzustoßen mit Bettrahmen und Federholzrahmen weg. Mir blieb noch übrig, den anderen Interessenten um Entschuldigung zu bitten… und bekam die entzückend-charmant-ironische Antwort: Ich werde einer so schönen Frau immer vergeben. Ich wünsche dir einen schönen Tag.

Fazit: Verschenken kann sehr nervenaufreibend sein! Und ich dachte wirklich schon, am Ende kommt das gute Stück doch zur Müllabfuhr. Aber froh bin ich, daß es nun doch in gute Hände gekommen ist. Froh bin ich auch, daß meine Genervtheit über dies „viel zu verwöhnte viel zu reiche Land“ doch nicht ganz so berechtigt war. Daß Menschen sich über ein simples, gebrauchtes, reparaturbedürftiges Möbel wirklich freuen. Und daß in meiner Wohnung kein überflüssiges Bett mehr herumsteht.

Pfingsten kann kommen.

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Fasten und Beten

Angesichts der seltsamen Zeiten, die wir jetzt durchleben, habe ich die österliche Festzeit in kulinarischer Hinsicht nur acht Tage dauern lassen (von Ostersonntag bis zum Weißen Sonntag). Ich faste – genau wie in der Zeit von Aschermittwoch bis Karsamstag. Die Idee dazu kam mir schon in der Fastenzeit.

In der Gemeinde von Antiochia gab es Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, Lucius von Kyrene, Manaën, ein Jugendgefährte des Tetrarchen Herodes, und Saulus. Als sie zu Ehren des Herrn Gottesdienst feierten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe! Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.
Apg. 13,1-3

Fasten ist nicht ein Mittel, Gott zu etwas zu bringen. Vielmehr ist es ein Mittel, sich selbst auf Gott zu konzentrieren. Hier, auf einer evangelischen Seite, ist sehr gut erklärt, was es mit dem Fasten aus biblischer Sicht auf sich hat. Ich habe hier ein wenig zum Thema Fasten geschrieben, außerdem verweise ich auf meine kleine Fastenzeit-Serie hier. Fasten, Beten, Almosen geben ist eine bewährte Dreiheit.

Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen. 23 Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.
Apg. 14,22-23

Fasten dient der Orientierung, dem Freiwerden von unnützem Krempel, für Gott – und auch der Solidarität mit den Armen. Jesus fastete, und die junge Kirche fastete vor wichtigen Beschlüssen. Die Kirche kennt nicht nur die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern, sondern auch der Advent ist ursprünglich eine Fastenzeit. Zudem gibt es das Quatemberfasten, ein viertägiges Fasten nach dem 1. Fastensonntag, nach Pfingsten, nach Kreuzerhöhung und nach dem Fest der Heiligen Lucia von Syrakus – daher der Merkvers „Nach Asche, Pfingsten, Kreuz, Luzei, gedenke, daß Quatember sei“. Es mag etwas seltsam anmuten, ein viertägiges Fasten in die Fastenzeit zu legen – das bedeutet einfach, daß die Quatembertage sehr strikte Fastentage waren, an denen es wirklich außer Wasser und Brot nichts gab. 1972 wurden die Quatember-Termine von der Deutschen Bischofskonferenz neu festgelegt: in der ersten Fastenwoche (Frühlingsquatember), der Woche vor Pfingsten (Sommerquatember), der ersten Oktoberwoche (Herbstquatember) und der ersten Adventswoche (Winterquatember); sie gelten nicht mehr als strikte Fastentage, sondern sollen der geistlichen Erneuerung dienen. Und möglicherweise gerade deshalb werden sie kaum noch beachtet! Geistliche Erneuerung ohne körperliche Bescheidung wäre den ersten Christen nicht in den Sinn gekommen und dem mittelalterlichen Christentum auch nicht.

Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
Lk. 2,36-37

Es gibt bei mir von Montag bis Samstag fettfreies, frugales Essen in simpler Zubereitung, und mir geht es gut damit. Daß ich dabei zudem mein Doppelkinn verliere, ist ein schöner Nebeneffekt, aber nicht der eigentliche Sinn der Sache. Daß ich ganz auf „Einkaufen aus Spaß an der Freude“ verzichte und nur noch einmal in der Woche einkaufe, war zunächst nur dem vernünftigen Verhalten in Coronazeiten geschuldet. Nun hat sich diese Methode aber bewährt, und Bewährtes möchte ich beibehalten – auch wenn ich hoffe, irgendwann das Ende von Corona mit meinen Freunden zu feiern.

Ich freue mich auf Pfingsten auch in kulinarischer Hinsicht. Aber mir ist klar, daß wir Pfingsten nicht die Herabkunft des gedeckten Tisches, sondern die Herabkunft des Heiligen Geistes feiern. Darauf freue ich mich noch mehr.

Und dann weiterfasten? So ist der Plan. Wie lange, weiß ich nicht – jedenfalls nicht länger als gut und richtig. Zur Zeit fühlt es sich gut und richtig an.

Weiterbeten werde ich auf alle Fälle.

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Messe – anders und gleich, seltsam und heilig

Ich darf wieder täglich die Heilige Messe mitfeiern – nicht nur das Streaming am PC. Ich bin glücklich darüber trotz allen Einschränkungen.

Um wirklich täglich zur Messe zu kommen, muss ich ein wenig mehr radfahren als vor Corona. Kein Problem für mich (vielmehr gut für meine Gesundheit). Für Gebrechliche, die auch gerne täglich zur Messe wollen, ist es eines. Für mich ist es nur etwas schwierig, nicht zu verschusseln, in welcher Kirche wann Messe gefeiert ist – es kam bereits vor, daß ich vor der „falschen“ Kirche stand, die gerade geschlossen war, während die Messe einige Kilometer weiter weg gefeiert wurde. Aber aus Fehlern lernt man ja in der Regel.

Problematischer ist die gleichzeitig notwendige Organisation meiner Arbeit; das muss eben irgendwie klappen. „Ora et labora“ ist eine besondere Anforderung, wenn man beides ernst nimmt. Die Zeiten der Messfeier richten sich nicht nach mir, die Arbeitszeiten (sowohl zum Putzen der Treppen als auch zum Schreiben) lassen sich irgendwie anpassen – aber dazu gehört viel Disziplin. Gleitende Arbeitszeit bei meinem Putzjob auf dem Friedhof könnte ich haben, will ich aber nicht, weil das mit ziemlicher Sicherheit zu größeren Disziplinproblemen führen würde. „Es muss irgendwie klappen“ ist mein Wahlspruch in Krisenzeiten, und damit resigniere ich nicht, sondern versuche einfach mein Bestes.

Sonntagsmessen gibt es nicht weniger, sondern mehr als früher. Leider sind sie nicht alle besonders gut besucht. Ich diene ein- bis zweimal wöchentlich bei der Einlasskontrolle und habe hier sehr gute Erfahrungen gemacht – die meisten Kirchgänger sind freundlich, denken von selber an ihren Mund-Nasen-Schutz und desinfizieren sich die Hände. Die baulichen Gegebenheiten, Akustik und Sitzmöglichkeit, sind in den beiden Kirchen, in denen ich diene, verschieden – in Heilig Kreuz kann ich im Vorraum problemlos die Messe mitfeiern, in St. Marien gelingt mir das nicht.

Der Psalm wird zur Zeit nicht von der Gemeinde respondiert, Choräle werden nicht gesungen – aber summen darf man (dabei produziert man weniger Aerosole als beim Sprechen), wenn der Organist einen Choral spielt. (Ein Tip zum Summen: wenn man dabei die Zähne so weit auseinanderbringt, wie das bei geschlossenen Lippen krampflos möglich ist, klingt es besser.)

Ein besonderer Dank an den Küster, der in Heilig Kreuz kurz für mich einspringt, damit ich zur Kommunion gehen kann.

Ich strecke die Arme weit nach vorne, die linke Hand auf der rechten, so platt wie möglich, damit der Priester mit der Hostienzange mein Hände nicht berührt. Das war gewöhnungsbedürftig, aber ich sehe es nun als eine ganz passende Geste. Wie ein Kind, das etwas unbedingt haben will und die Ärmchen danach ausstreckt. Der Herr liegt auf meiner Linken, mit der Rechten lüpfe ich den Mundschutz und nehme Ihn mit den Lippen auf. Meine Ehrfurcht ist nicht geringer als sie ohne Mundschutz war.

Die Zeit ohne Eucharistie ist vorbei – zumindest vorläufig. Eine neue Infektionswelle ist nicht unwahrscheinlich, und dann wird es wohl auch wieder strengere Regeln geben. Aber jetzt darf ich mein Gelübde leben, darf den Herrn empfangen. Das ist so wundervoll, daß die Abstriche nicht besonders ins Gewicht fallen. Übrigens gab es für mich auch in der Zeit ohne Messen die Möglichkeit, nach der Beichte die Eucharistie zu empfangen; das war eine besondere Gnade, Trost und Stärkung in schwieriger Zeit.

Zur Anbetung gehe ich ohne Probleme täglich. Das war nur zwei Wochen lang, während meiner Quarantäne, nicht möglich. Die in dieser Zeit gefassten Vorsätze bezüglich Gebetszeiten kann ich leider nicht so vollständig umsetzen, wie ich wollte. Aber immerhin kann ich mich daran ein wenig orientieren. Mein Gelübde ist mir so wichtig wie vorher. Dadurch, daß ich es nun einige Zeit nicht vollkommen halten konnte und in dieser Zeit tat, was eben ging – gestreamte Messen mitbeten, das Stundengebet pflegen, und zur stillen Anbetung sowie zur Beichte konnte ich ja -, habe ich womöglich noch besser begriffen, welchen unersetzbaren Schatz ich mit diesem Gelübde habe.

In den sozialen Medien beklagen sich viele, die Messe sei so „nicht würdig“. Händedesinfektion stinkt, Mund-Nasen-Schutz ist doof, Mundkommunion ist verboten, singen darf man nicht, da gehe man ja lieber gar nicht zur Messe.
Ehrlich? Man verzichtet auf den Herrn, weil die äußeren Umstände nicht passen? Die Eucharistiefeier ist keine Geschmackssache. Den Herrn um Sein Erbarmen bitten, Ihn preisen, Ihm danken – das geht auch mit Mundschutz und ohne Gesang. Die Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut des Herrn findet statt, auch wenn die Gemeinde Mund-Nasen-Schutz trägt und schweigt. Jesus Christus, Heilige und Engel sind bei jeder Messe anwesend – da sind die äußeren Umstände wirklich zweitrangig. Denken wir an die sehr verschiedenen äußeren Umstände der Priesterweihen und Primizmessen von Karl Leisner und Michael Los und an die unzähligen Christen, die wegen Krankheit oder Diktatur oder Priestermangel gar keine Messe feiern können, und danken wir für den Luxus, der uns in einer Messe auch in Coronazeiten umgibt.

Gebet und Messfeier sind ja auch wichtig für jene vielen, die eben nicht teilnehmen können – auch die in Quarantäne, die auf Intensivstationen. Für sie kann nicht genug gebetet und Messe gefeiert werden. Zur Messe gehen (nicht nur) in Krisenzeiten ist damit auch ein Akt der Solidarität. Vor allem aber ist es die Begegnung mit dem Eucharistischen Herrn, die Feier Seines Todes und Seiner Auferstehung, Trost und Freude. Wer das erlebt, kann Trost und Freude auch leichter weitergeben.

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