Dunkelgoldene Messe

Der Augustinerchorherr Alipius Müller ist schon seit einigen Jahren einem kleinen Kreis auch als Komponist von Independent Rock bekannt und hat mit der Playlist Zwischen dir und dem Schlaf schon eine Reihe anspruchsvoller Stücke vorgelegt.

Alipius Müllers wachsende Playlist aureo atro (etwa: „aus schwarzem Gold“ oder „dunkelgolden“) gehört ins gleiche Genre, ist aber noch tiefgründiger. Sein neuestes Werk ist ein Kyrie – der Beginn der Missa pro cunctabundis, also der Messe für die Zauderer.

Es fängt mit einer Folge von drei tiefen Gong- oder Hammerschlägen (oder Herzschlägen?) an, die als erstes Thema im Hintergrund bleiben. Darüber erklingt etwas wie eine vielstimmige wirre Klage, dann wird über dieser ganz leise das gregorianisch wirkende Thema des Kyrie angedeutet, so als wäre einem der vielen Unglücklichen die heilsame Idee gekommen, sich an Gott zu wenden. Das Kyrie erklingt einstimmig in ruhigen Melodiebögen (hier nur instrumental) über dem klagenden Chaos und den Gongschlägen und übertönt diese. Dabei verändert sich die Klagemelodie, wird „zuversichtlicher“. Die Gongschläge werden heller. Das Stück endet mit einem optimistischen, anschwellenden Akkord, etwa wie ein vielstimmiges, freudig erstauntes „Aaah“: Der Ruf zu Gott wird erhört. Auch wenn es erst einmal Zauderer sind, die Ihn anrufen: Der Ruf geht nicht ins Leere!

Ich hoffe sehr, diese Messe wird weiter geschrieben. Die einstweilen nur instrumentale Singstimme ist alles andere als trivial und doch gut singbar, auch für einen Laienchor. Anspruchsvolle und zugleich von einem durchschnittlichen Laienchor zu bewältigende moderne Kirchenmusik ist nicht eben häufig – umso mehr Grund, auf diesen Augustinerchorherrn aufmerksam zu werden. Ohne Zaudern!

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Dunkelgoldene Messe

  1. Alipius schreibt:

    Tausend Dank für diese Rezension! Du hast da wirklich so ziemlich alles erkannt, was ich rüberbringen wollte.

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