Leiden, Ertragen, Sühne

Drei sperrige Wörter, die mich beschäftigen – und die ich als Aufgabe der Kirche und auch meiner selbst als Teil der Kirche wahrnehme.

LEIDEN

Die Kirche leidet, wie alle Menschen, unter den Folgen von Sünde und Schuld – von außen und in den eigenen Reihen. Widrigkeiten aller Art wären nicht ohne die Ursünde, ohne die daraus folgende prinzipielle Sündhaftigkeit des Menschen. Die gefallene Menschheit in einer gefallenen Welt muss sich mit den Folgen des Falls arrangieren oder daran zugrunde gehen. Das Arrangieren gelingt meiner Erfahrung nach am besten mit dem Blick auf den Erlöser Jesus Christus, der genau hierfür gekreuzigt, gestorben und auferstanden ist, sowie in und mit der Kirche, die genau hierfür von Ihm selbst eingesetzt worden ist. Durch Ihn können wir auf mehr als bloßes Arrangierenmüssen hoffen und aus dieser Hoffnung schon jetzt mehr als „irgendwie durchkommen“.

Nicht nur dort, wo man hinterher sagt „Das hätte ich vermeiden können“, muss man das selbst- oder fremdverschuldete Leiden schultern, „sein Kreuz tragen“. Sehr viel Leiden ist unvermeidlich, wird einem angetan, widerfährt, ist Begleitdissonanz des Lebens. Zu den Aufgaben der Christen gehört es, beim Tragen zu helfen, Leid zu mindern oder, wenn es geht, zu beheben, zu trösten und Wege durch das Leid zu zeigen, wenn Abhilfe nicht möglich ist.

Eigenes Leiden (zu dem neben selbst- und fremdverschuldetem Leid und solchem, bei dem eine Schuld nicht zu erkennen ist, auch der Kirche zugefügtes Leid gehört sowie Leiden an unguten Vorgängen und Entwicklungen in der Kirche) kann ich als Christin auch als Aufgabe verstehen. Es hat auf meine Entwicklung und mein Verhältnis zu Gott, Mensch und Welt einen Einfluss, wie ich mit existenziellen Schwierigkeiten, mit Krankheit, mit Bedrohung usw. umgehe.
Ich kann in Selbstmitleid baden; dann werde ich blind für die Not anderer Menschen und für das Gute, das mir auch widerfährt, ohne daß ich es „verdient“ hätte.
Ich kann das Leiden als tapfer ertragenes Martyrium zelebrieren und zu einer unerträglich frömmlerischen alten Schachtel¹ werden, indem ich jedem demonstriere, wie vorbildlich ich mit Leiden umgehe. (Herr, bewahre mich davor, so zu werden!)
Ich kann die Zähne zusammenbeißen und das Leiden ignorieren; das birgt allerdings die Gefahr, heilbares Leiden bestehen zu lassen und einen möglichen Lernprozess zu verhindern.
Mit Gottes Gnade kann ich Leiden als Prüfung und Schule verstehen und daran reifen. Das kann dauern, aber es lohnt. „Zähne zusammenbeißen“ mag da auch eine Rolle spielen – aber besser, man bringt sie auseinander, um zu beten. Und sei es anfangs ein hilfloses „Herr, was soll das schon wieder?“

Es ist möglich, Leiden aufzuopfern, es Gott zu Füßen zu legen als das, was man eben hat – eine mir selbst noch teilweise rätselhafte Form des Umgangs mit Leiden, aber durch die Jahrhunderte bewährt.

Die Christenheit auf Erden wird als „ecclesia militans“, kämpfende Kirche, bezeichnet, die im Purgatorium als „ecclesia patiens“, leidende Kirche, die in der himmlischen Herrlichkeit angelangte als „ecclesia triumphans“, triumphierende Kirche. Aber der Kampf der Kirche auf Erden (ein geistiger und geistlicher Kampf gegen das Böse, gegen die Versuchungen) hat sehr viel mit Leiden zu tun. Das zeigen uns die unzähligen christlichen Märtyrer unserer Tage, aber auch die Christen, die inmitten kirchlicher Zwistigkeiten und kirchenferner Umwelt – und mit eigenen Leiden reichlich bedacht – christlich und kirchlich bleiben wollen. Christliches Leben ist immer ein Leben aus der Gnade Gottes; auf der Erde und im Purgatorium ist es außerdem ein Zustand der Hoffnung (die in Gottes Herrlichkeit endlich erfüllt sein wird).

Wir durchleben nun zweifellos eine besondere Leidenszeit. Traurig, wenn wir diese Zeit damit verplempern, Schuldige zu suchen (aber beileibe nicht uns selbst), unsere Nächsten durch horrenden Leichtsinn zu gefährden oder wie trotzige Kinder darauf bestehen, daß Einschränkungen jetzt sofort aufgehoben werden müssen sowie jede ganz leichte Milderung als Freibrief zur Unvernunft mißverstehen. (Ein Blick auf die Statistiken des Robert-Koch-Instituts zeigt, wohin das führt.)
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1. Ich finde kein männliches Äquivalent zu „alte Schachtel“; meine männlichen Leser mögen sich dennoch angesprochen fühlen.

ERTRAGEN

Es ist möglich (wenn auch unpopulär), Leid zu ertragen, um Gott zu dienen.
Lasse ich mich darauf ein, Leiden zu ertragen, bedeutet das nicht, daß ich flugs eine tröstende göttliche Antwort bekomme. Das novellistische Buch Hiob ist ein gutes Beispiel dafür (nebenbei wohl das am häufigsten in der Literatur rezipierte).

Ertragen heißt nun, wie bereits gesagt, keinesfalls „ärztliche und organisatorische Hilfe ablehnen“. Wir müssen nicht ertragen, an einer Krankheit qualvoll zu sterben, wenn es sich vermeiden lässt. Es ist richtig, in fairer und vernünftiger Weise auf die verordneten Maßnahmen zu schauen – und es ist grundfalsch, alles Unbequeme und Traurige abzulehnen, weil es „von den deutschen Bischöfen“, „vom Nannystaat“ oder auch „von Bill Gates und den Juden“ kommt, um nur einige der abstrusen Zuschreibungen anzuführen.

Dem in letzter Zeit so oft zitierten Pauluswort „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (gesagt als Ermutigung zur Verkündung des Evangeliums in schwieriger Zeit) stelle ich ein anderes Pauluswort gegenüber, damals situationsbedingt und nicht mit Blick auf spätere Obrigkeiten gesprochen, aber dennoch zuweilen sehr passend: „Jeder ordne sich den Trägern der staatlichen Gewalt unter.“ Wer die Bibel kennt, weiß, daß Paulus hier keineswegs das Weihrauchkorn für den Kaiser oder die Befolgung des Predigtverbots durch religiöse Führer gemeint hat. Ertragen hat auch mit Gehorsam zu tun. Nebenbei sagt das auch der Papst.

Übrigens ist das Verkünden des Evangeliums zumindest in Westeuropa keineswegs untersagt. Wer diesen Text lesen kann, hat Internet, vermutlich auch Telephon und noch ältere kulturschaffende Mittel, wie Schreibzeug und Bücher. Also komme mir keiner mit Verbot der Verkündung – setze er sich einfach hin und überlege, wie jetzt, in genau dieser Situation, Verkündung der Frohen Botschaft möglich ist. Vielleicht landet er dann bei einer gestreamten Messe oder beim Bloggen, vielleicht bei (Pfarr-)Briefen und Büchern. Oder er versuchts mit „passiver Verkündung“ und liest mal wieder ein religiöses Buch. Oder er hilft seinem Nachbarn, der gebrechlich oder in Quarantäne ist.

Aber die Eucharistie! Quelle und Gipfel! Und die Beichte! Und alle anderen Sakramente!

Ja Sakra… kein Zweifel, daß es für einen praktizierenden Katholiken sehr schwer erträglich ist, darauf eine Zeitlang zu verzichten. (Was glaubt der geneigte Leser eigentlich, wie es mir geht, wenn ich mein Gelübde nicht im Vollsinn erfüllen kann? Wenn ich zwar weiß, daß nun ein gerechter Grund vorliegt – „platterdings unmöglich“ ist ein gerechter Grund! – mich aber wie amputiert und verbannt fühle?) Nun gibt es Lockerungen, nun dürfen bald wieder öffentliche Messen stattfinden, aber mit hohen Auflagen, um eine weitere Ausbreitung eines mordsmäßig gefährlichen Virus zu verhindern. Und was tun viele? Jammern herum, daß das nicht genug ist, und das so eine Messe dann doch nicht das Richtige ist. Ach nee? Wird da vielleicht nicht Brot und Wein zu Leib und Blut Jesu Christi gewandelt?

Ertragen heißt auch: in Liebe zu Gott und dem Nächsten (selbst wenn er ein Politiker oder ein Bischof ist, was manch einem besonders fatal scheint) ausharren. Auch wenn die Lockerungen vermutlich bald wieder zurückgenommen werden, so hanebüchen wie viele Zeitgenossen sich jetzt wieder benehmen (Coronaparties, eng beieinander stehende Menschen in den Schlangen vor Kaufhäusern, öffentliche Gottesdienste verschiedener Religionen, ehe das erlaubt ist – ja, auch katholische, und die entnervenden Rufe nach „würdiger“ Messe, wobei „würdig“ vor allem „brechend voll, mit Mundkommunion und ohne Mundschutz“ zu bedeuten scheint). Auch diese Unverantwortlichen muss ich ertragen, erstens weil mir nichts anderes übrig bleibt und zweitens weil das zum Christentum gehört. Ich hoffe, die Reihenfolge irgendwann innerlich umkehren zu können – im Moment denke ich ziemlich oft: Sie sind aber unerträglich!
Nun, am Kreuz hängen ist auch unerträglich. Und wer hat es ertragen, obwohl Er nicht musste? Obwohl Er tatsächlich kraft göttlicher Macht hätte herabsteigen können, wie Ihm einige Zyniker anempfahlen? Er hat unendliche Geduld, auch mit mir, und ich kann wenigstens versuchen, Ihm auch darin nachzufolgen.

Ich habe das Glück, in Berlin zu leben, Lektorin zu sein, legale Möglichkeiten zu Beichte und Eucharistie zu haben und eine systemrelevante Arbeit zu tun (Friedhöfe waren in meinem Leben noch nie so systemrelevant wie jetzt). Dafür bin ich dankbar. Dennoch bin ich stark eingeschränkt, wie alle anderen auch. Ich kann nicht so, wie ich gern würde. Ich versuche es zu ertragen, so gut ich kann. Dabei liegen auch meine Nerven oft blank. Aber ich habe einen Herrn, für den ich ertragen kann. Er hilft, das weiß ich.

SÜHNE

Der folgende Absatz zitiert aus zwei meiner Blogartikel hier und hier.

Sühne heißt, heilen, wenn andere verletzt haben, trösten, wenn andere die Hoffnung zerstört haben, helfen, wo andere geschadet haben. Lieben, wo andere benutzt haben! Bei der Sühne im religiösen Sinn geht es ganz wesentlich um die Unterstützung des schuldig Gewordenen, der aus irgendwelchen Gründen – sei es mangelnde Einsicht in seine Schuld, sei es mangelnde Fähigkeit zur Wiedergutmachung – die Schuld unbeglichen lässt. Für ihn zu beten ist eine gute Tat. Dabei geht es nicht darum, Schuld kleinzureden. Wir könnten ja auch gar nicht Gott überzeugen, daß alles nicht so schlimm ist – Er weiß, wie schlimm oder wie gut es steht! Es geht darum, Ihn für den Schuldigen um Einsicht und Vergebung und für den Geschädigten um Heilung und Versöhnung zu bitten. Im Sühnegebet sagen wir, was der Schuldige nicht sagen kann oder will.

Wir können diese Zeit als Zeit der Sühne begreifen. Sühne ist nicht Strafe – eher genau das Gegenteil davon, das Einspringen für jemanden, der seine Strafe nicht bezahlen kann. Ich meine dabei nicht nur die Verantwortungslosen, die kranke Tiere zum Verzehr feilbieten (oder was immer die derzeitige Pandemie ausgelöst hat). Ich meine die vielfältigen Formen von Unrecht unserer Tage, den unverantwortlichen Umgang mit dieser wundervollen Erde, die massenhafte Tötung Ungeborener, die schamlosen Forderungen nach Beseitigung nicht des Leides, sondern der Leidenden, die für Krieg und Not ursächlichen Haltungen und Taten, die befremdlichen innerkirchlichen Entwicklungen und Streitigkeiten – die Liste ist offen.

Sühne ist keine masochistische Haltung, sondern ein Akt der Solidarität sowie der Nächsten- und auch der Feindesliebe. Gebete für Schuldige und Geschädigte (zuweilen fallen diese Gruppen zusammen) und gute Werke gehören dazu. Das Christentum kennt die Dreiheit „Fasten – Beten – Almosen geben“, das ist nicht nur ein Weg der Buße, sondern auch als Weg der Sühne möglich – meiner Erfahrung nach auch in dieser sonderbaren österlichen Zeit. Ich möchte das nicht als populistischen Aufruf nach Art südamerikanischer Volksbeglücker verstanden wissen, sondern als Hinweis auf eine bewährte Form der Sühne. In der eher wohlhabenden Gegend, in der ich erstaunlicherweise leben darf, gibt es genug Möglichkeiten, Obdachlosen das Geld für eine Notunterkunft zu geben; abgesehen davon bestehen mehr Hilfsmöglichkeiten für sinnvolle Projekte, als ich hier aufzählen kann. Die derzeitige Krise hat überall auch zu Einbrüchen der Spenden geführt.

Tatsächlich bleibt aber der wichtigste Punkt in der genannten Dreiheit immer das Gebet – und es ist der Punkt, der möglich ist, auch wenn man aus eigener Krankheit und Not weder fasten noch Almosen geben kann. Tatsächlich scheint mir, daß in meiner Gemeinde zur Zeit erheblich mehr Menschen zum stillen Gebet in die Kirche gehen als sonst. Üblicherweise war ich bei meiner stillen Anbetung oft alleine in der geräumigen Kirche; das ist mir seit Februar nicht passiert. (Wir sind weit entfernt von abstandslosen Massen, aber ich bin eben auch nie alleine in der Kirche.) Das ist ein guter Effekt der schlimmen Zeit. Vielen wird schmerzlich klar, was fehlt, wenn die Messe fehlt, und wie wichtig das Gebet und die Kirche sind. Vielleicht auch manchem, der sich innerlich schon von ihr entfernt hatte.

Heute ist, wie jeden ersten Freitag im Monat, Herz-Jesu-Freitag. Die katholische Kirche führte ihn ein, um Gottes liebevolle Barmherzigkeit, die bis zum Kreuzestod gehende Liebe zu allen Menschen, besonders in den Blick zu rücken. Im Vertrauen auf dies allen Menschen offenstehende Herz können wir Leiden ertragen und Unrecht sühnen.

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Ein ängstlicher kleiner Ganove

Als ich die Futterstation für die Hörnchen öffnete, sah ich einen sehr niedlichen kleinen Eindringling, angstvoll in die Ecke gedrückt.

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Ich versuchte vergeblich, die Maus zu beschwichtigen. Sie fand mich – verständlicherweise – beängstigend riesig. Und sie kann ja nicht wissen, daß ich keine Mäuse verzehre. Trotzdem knabberte sie an den Haselnüssen – Mäuse fressen halt auch mit dem Tod vor Augen.

Maus_2
Maus_3

Sie muss in nächtelanger Arbeit das Plexiglas angeknabbert haben, um bei geschlossenem Deckel (den sie nicht heben kann) an die Nüsse zu kommen. Pech für die Hörnchen? Ach was. Es langt ja doch für alle.

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Eigentlich wollte ich noch weiter photographieren, aber das Tierlein war so verschreckt. Da habe ich sie lieber in Ruhe gelassen.

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Glauben und Dichten in Zeiten der Seuche

Coronazeit

Jesus, mein Heiland,

ich sehne mich so nach Dir.
Mein Herz ist wie ausgehöhlt.

Vernunft und Glauben erklären:
Dies ist die Zeit des Ertragens,
bestehe gehorsam die Zeit.

Mein Herz tut weh in der Prüfung.
Ich sehne mich, Heiland, nach Dir
und bete um Heilung der Welt.

© Claudia Sperlich

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Mein neuestes Büchlein!

Es ist nun da!

Created with GIMP

Der Rosenkranz, das alte meditative Gebet, wird hier in Form von 33 Sonetten besungen, geschildert, erläutert. (Der Symbolgehalt der Zahl ist mir übrigens erst aufgefallen, als das Buch fertig war.)

Mit Bildern aus dem Rosenkranz-Atelier von Maryse Fritzsch-Thillens.

Paperback 10,00 € / Gebunden 16,00 € / e-book 3,99 €


Bestellen kann man es hier oder bei mir (über Kontaktformular) oder in einem beliebigen Buchladen. Wegen der Corona-Krise kann es mit der Lieferung etwas dauern – aber sicher nicht lange. Und mit Glück kann es auch schnell gehen. Geduld – ich warte ja auch geduldig (naja… einigermaßen geduldig) auf meine Autorenexemplare.

Vorab schon mal ein Sonett und ein Bild!

Jesus, der von den Toten auferstanden ist

Sie kamen voller Trauer, und sie fanden
Das Grab geöffnet, Jesu Leichnam fort.
Ein Bote saß dort, sprach das frohe Wort:
„Er ist nicht hier, denn Er ist auferstanden!“

Voll Schrecken flohen sie von jenem Ort,
Da noch die Ängste ihre Sinne banden.
Sie schwiegen erst. Doch eine hat verstanden –
Sie ging zurück – sah Ihn lebendig dort.

„Sagt Seinen Jüngern: Er geht euch voraus!“
So hatte sie’s gehört und richtet’s aus,
Aus Magdala die siebenfach Befreite.

Maria, wenn wir stumm vor Schrecken sind,
Wenn Angst uns schweigen lässt von Deinem Kind,
Dann mach uns Mut und gibt uns dein Geleite.

glorreich

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Brauchen wir Corona?

Blöde Frage?
Wenn ich mich auf der heute sehr belebten Schlosstraße umschaue – was ich notgedrungen tue, wenn ich mit dem Fahrrad von der Arbeit komme – dann sehe ich im Vorbeifahren zwar nichts, was in gewöhnlichen Zeiten ungewöhnlich wäre. Aber in ungewöhnlichen Zeiten wie diesen ist dies gewöhnliche Herumwuseln, dicht an dicht auf Bänken sitzen und einkaufen, was man nicht zum Überleben braucht, einfach nur krasse Torheit.

Übertroffen wird das von einer Demonstration in Tennessee, die sich rühmen darf, die drei dümmsten Plakate der Demonstrationsgeschichte in einer kleinen Schar von einigen Dutzend dicht beieinander stehenden Demonstranten zu präsentieren.

Sieger ist ein Plakat, das ich nur deshalb dumm nenne, weil ich Bosheit für genuin dumm halte. Tatsächlich ist es reine, unverfälschte, widerliche Bosheit:

SACRIFICE THE WEAK
REOPEN TN

zu Deutsch: Opfert die Schwachen, macht Tennessee wieder auf.

Mit einigem Abstand Zweiter ist:

Trust God for Safety,
NOT MAN

Deutsch: Vertraut Gott für die Sicherheit, nicht dem Menschen

– das ist nur dumm, nicht böse, daher der Abstand.
Dumm ist es, weil es so tut, als hätte Gott uns keinen Verstand gegeben, als dürften wir nicht dankbar anerkennen, daß menschliche Planung und Forschung die Seuche durchaus in ihre Schranken weisen könnten, wenn es keine wildgewordenen Saboteure gäbe. Als hätte Gott unsere Dummheit gewollt.

Dicht darauf folgt der dritte Sieger:

Natural Immunity
OVER
Manmade Poison

Deutsch: Natürliche Immunität statt menschengemachtes Gift

Da haben wir in Biologie aber mal ganz fest geschlafen, was? Mit „Manmade Poison“ ist wohl der noch nicht fertig entwickelte Impfstoff gemeint, oder vielleicht auch jegliches Medikament, das es hoffentlich bald gegen Covid19 gibt. Natürliche Immunität oder zumindest geringe Empfindlichkeit gegen das Coronavirus scheinen Kinder und Jugendliche weit häufiger zu haben als Erwachsene, und besonders empfindlich sind Alte; im Prinzip landen wir also wieder bei der Sieger-Aussage mit dem Opfer, aber hier wird das nicht so explizit boshaft gesagt – vermutlich, weil die Person, die das Schild hält, nicht so sehr ein böses wie ein schlichtes Gemüt ist und nicht kapiert, was sie da von sich gibt.

Zurück nach Berlin. Das Getümmel auf einer Einkaufstraße ist wirklich beängstigend. Und ich frage mich: Haben alle mahnenden Worte von Virologen, vom Robert-Koch-Institut, von Ärzten und Schwestern und Pflegern auf Intensivstationen rein gar nichts genützt?

Vielleicht ein bißchen. Einige Leute, darunter ich, passen ja weiter auf. Ich werde vor Ablauf der Pandemie nicht zum Frisör gehen, nicht mehr als einmal pro Woche einkaufen und auch dann nicht Dinge, die ich vielleicht gerade nicht brauche. Kann sein, daß ich mich auf so nützliche Sachen wie „Flicken statt wegwerfen“ besinne. Jedenfalls werde ich vorerst nicht durch belebte Straßen bummeln.

Aber ich befürchte, die kurze Zeit, in der die Mehrheit vernünftig war, geht gerade zu Ende. Und das nützt dem Virus – sonst niemandem. Ich bete für die Irren, die den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen haben, und noch mehr bete ich für ihre Großeltern und immungeschwächten Nachbarn. Denn die trifft es als nächstes.

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Blaukarierte Dinge

… auf einem gelbkarierten Plaid.
Zwei selbstgenähte Masken, ein Geschirrtuch, ein Porzellanschälchen und ein etwas angekokelter Topfhandschuh. Ich habe erst kürzlich gemerkt, wie viel Blaukariertes sich bei mir ansammelt!

Blaukariert

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Und wenn es Strafe ist?

Der so unpopuläre Gedanke einer Strafe Gottes ist nicht ganz von der Hand zu weisen; ich sehe allerdings weniger „Strafe“ als „Konsequenz unseres Handelns“ und Zulassung.

Mit falschem – unüberlegtem oder bösem – Handeln können wir leider nicht nur uns selbst, sondern auch andere gefährden. Wenn man mit 90 km/h durch die Innenstadt fährt, kann man dadurch Menschen zu Tode bringen. Wenn man Tiere auf tierquälerische Weise hält, so dass sie krank werden, und dann zum Verzehr feilbietet, ebenso – nicht erst seit Corona: Der Auslöser für BSE war die Fütterung von Pflanzenfressern mit Fleischabfällen; im Falle von Corona ist wohl ausschlaggebend, daß in Wuhan durch tierquälerische Haltung krankgemachte Tiere zum Verzehr feilgeboten wurden. Und wenn es, wie kolportiert wird, im Labor generierte Viren wären (glaub ich nicht, aber könnte ja sein), kann man sagen: Wenn man in der Natur herumpfuscht, gefährliche Viren produziert und dann nicht aufpasst, passiert ein Unglück.

Wir sind frei in unserem Handeln und denken – so frei, daß wir damit die Freiheit selbst beschneiden können bis hin zum Tod (und keinesfalls nur die eigene). Wo Diktatoren ihren freien Willen über die Freiheit ihrer Mitmenschen stellen, zeigt sich das in eindrucksvoll schrecklicher Weise.
Ein Tier hat diese Freiheit nicht. Es kann – auch ohne menschliches Zutun – krank oder gestört sein und dadurch zur Gefahr für sich und andere werden, aber nicht, weil es selbst oder ein anderes Tier von der Freiheit falschen Gebrauch gemacht hätte, sondern weil es Krankheit und üble Umstände eben gibt in dieser gefallenen Welt. (Hier darf man sich erinnern, warum diese Welt gefallen ist. Am Ende läuft es immer auf den falschen Gebrauch menschlicher Freiheit hinaus.) Zu Ende komme ich mit diesen Gedanken nicht, denn sie streifen die unlösbare Theodizeefrage.

Wir sind aber auch frei, Gutes zu tun. Frei, den angerichteten Schaden so gut wie möglich zu bekämpfen und zu begrenzen. Frei, Kranken zu helfen, Sterbenden beizustehen, Rücksicht zu nehmen, Abstand zu halten. (Und hier gilt leider wieder: Auch diese Freiheit kann durch die mißbrauchte Freiheit anderer beschnitten werden, z.B. wenn Menschen in überfüllten Flüchtlingsheimen oder Slums ausreichende Möglichkeiten zu Abstand und Hygiene vorenthalten werden.)

In vielen Teilen der Welt, auch in Deutschland, sind wir frei, zu beten. (Natürlich kann man prinzipiell auch in Ländern wie Nordkorea oder Saudi-Arabien beten, aber wo außer den Gedanken nichts frei ist und ein dem Nachbarn hörbares „Gelobt sei Jesus Christus“ lebensgefährlich ist, mag ich nicht von Freiheit sprechen.) Selbst wenn diese Freiheit jetzt aus Gründen der Vernunft und Nächstenliebe teilweise eingeschränkt ist (ja, es hat mit Nächstenliebe zu tun, die Verteilung von Corona-Viren zu vermeiden!), können wir in in allen europäischen (und noch viel mehr) Ländern beten. In Deutschland sind viele Kirchen (leider nicht in allen Diözesen, was ich schlimm finde) offen und laden zu stillem Gebet ein. Man kann dank der modernen Medien sogar Gebetsgruppen organisieren und z.B. via TrueConf gemeinsam beten, obwohl jeder bei sich zu Hause bleibt. Auch Absprachen wie „jeder Teilnehmer dieser Gruppe betet zu der und der Uhrzeit ein bestimmtes Gebet“ sind möglich.

Wir können kraft unserer Freiheit im Gebet bitten, preisen, danken, büßen und sühnen. Die letzten beiden Verben sind ziemlich unpopulär – vielleicht gerade ein Grund, sich ganz nonkonformistisch darauf einzulassen! Jesus Christus hat für die Sünden aller Menschen gesühnt. Das können wir nicht und müssen wir nicht. Aber wir sind aufgerufen, Ihm nachzufolgen in Liebe, Tat und Gebet. Auch im Sühnegebet. Jesus hat es am Kreuz vorgemacht.

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Marienaltar in St. Fidelis

Allerseligste,

der Steinboden hier unter Deinem Altar,
das ist Travertin und ist sehr porös
und hat jahrzehntelang Dreck gezogen.

Ich mache das schon, du himmlische Mutter!
(Wie sieht das denn aus. Und dein bloßer Fuß
im Begriff zu schreiten vom Mond auf die Erde!)

Maria, als du noch auf Erden lebtest,
hast du wahrscheinlich besser geputzt
als ich es kann. Ich gebe mir Mühe!

Mit heißem Putzwasser und einer Bürste
bearbeite ich die schwärzlichen Platten,
und dann wisch ich nach und schau: sie sind hell.

Dann Bodenwachs drüber verteilen, polieren.
(Das macht schön glänzende Fingernägel.)
Und dann noch die welken Blumen entsorgen.

Hier wird zwar in diesen Zeiten der Seuche
nicht Messe gefeiert, doch einzelne Beter
besuchen die Kirche und opfern dir Kerzen.

Die spiegeln nun wider. – Freu dich, Maria!

© Claudia Sperlich

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Ich halte diese Entscheidung für richtig!

Bund und Länder haben entschieden, die Lockerung der Einschränkungen in der Corona-Krise langsam anzugehen. Bis zum 3. Mai bleibt alles beim Alten (nun ja, so alt ist die Krise auch wieder nicht, aber man versteht mich schon); danach soll es schrittweise – in vorsichtigen Schritten! – wieder in Richtung „Normalität, aber mit Corona“ gehen. Alle zwei Wochen wollen Bund und Länder aufgrund der Informationen des Robert-Koch-Instituts neu beraten. Frau Merkel sprach in einer, wie ich finde, hervorragenden Rede von einem „zerbrechlichen Zwischenerfolg“.

Natürlich bin ich traurig, daß Großveranstaltungen und damit auch öffentliche Gottesdienste vorläufig untersagt bleiben. Aber ich kann es verstehen. Anders als manche andere Gläubige bin ich nämlich nicht der Ansicht, daß zum Prägemal der Taufe gehört, Viren zwischen den Fingern zu zerquetschen. Gott hat uns Großartiges versprochen – Immunität gegen potentiell tödliche Erreger gehört nicht dazu.

Ich weiß, daß aufgrund dieser Aussage zahlreiche Glaubensgeschwister die Aufrichtigkeit meines Glaubens anzweifeln. Ich bitte die Glaubensgeschwister, auf die das zutrifft, mir (nur virtuell, wegen der Wahrung des Abstands) den Buckel herunterzurutschen. Das Gleiche bitte ich alle, die in den Beschränkungen einen generellen Angriff auf die Demokratie, die Freiheit, die Menschenwürde sehen.

Sehr gut finde ich, daß an Schutzmaßnahmen gearbeitet wird, um den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen Besuch zu ermöglichen. Ich weiß, wie elend gerade alte und demente Menschen unter der Einsamkeit leiden, und ich hoffe, daß ausreichende Schutzausrüstung für Besucher bald gestellt wird. (Zugleich habe ich in Verbindung mit dem Wort „ausreichend“ immer meine Zweifel – möge ich mich irren!)

Die meisten Läden dürfen unter Auflagen am 4. Mai wieder öffnen. Auch Frisöre, sofern sie den Hygienevorschriften folgen. Ich selbst werde mich lieber dennoch eine Weile zuwuchern lassen; als fette 58jährige Epileptikerin habe ich genug Vorbedingungen, sehr große Vorsicht walten zu lassen. Und an Zottelhaaren ist noch keiner gestorben.

Ich kann als Putzfrau in den Gebäuden eines Friedhofs (Verwaltung, Arbeiterbuden, Kirche) und auf den Treppen eines privaten Wohnhauses einiges für die Hygiene tun, und ich kann tun, was ohnehin jedem geraten ist: Abstand halten, beim Einkauf Mund-Nasen-Maske tragen, Hände waschen usw. Und ich kann beten.

Was ich nicht kann: 1. in der Medizin forschen, 2. Deutschland regieren, 3. Verschwörungstheoretiker ertragen. Zum Glück muss ich das alles auch gar nicht.

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Das Beste hoffen, das Bestmögliche tun

Vorab: Schönreden kann und will ich die Coronakrise nicht. Die Beschränkungen sind im besten Fall nervig, im schlimmsten (für selbständige Bühnenkünstler und Musiker, für die Inhaber kleiner Geschäfte) existenzbedrohend. Die Not in Krankenhäusern und Pflegeheimen ist groß, Obdachlose und Flüchtlinge leiden weit mehr als ohnehin schon und sind in größter Gefahr. In ärmeren Ländern ist die Situation unbeschreiblich schlimm. Und auch hierzulande ist das langsame Ersticken an einer doppelseitigen Lungenentzündung in der Einsamkeit einer Isolierstation nicht eben, was man unter einem schönen Tod versteht. Covid19 in stärkster Ausprägung ist grauenhaft – und es kann aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz jeden treffen. Dennoch behalte ich meinen Optimismus – was sollte ich ohne ihn?

Der Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, macht auf mich zumindest in seiner derzeitigen Eigenschaft als Krisenmanager einen erzvernünftigen Eindruck. (Ich bitte, diese Worte zu beachten angesichts meiner Einstellung zur SPD.)
Lockerungen in der nahen Zukunft verspricht er nicht, aber spätestens am 1. Mai wird beratschlagt, ob und wie Lockerungen jetzt überhaupt schon möglich sind. Er hofft, sowohl das Demonstrationsrecht als auch die Feier von Gottesdiensten wieder zulassen zu können – allerdings mit Auflagen (vermutlich Beschränkungen der Teilnehmerzahl). Das wäre schön – aber nur dann, wenn es aus medizinischer Sicht keine großen Bedenken gibt.

Natürlich heißt „Es wird beratschlagt“ auch: Es könnte herauskommen, daß Ausgangssperren verlängert oder sogar verschärft werden – wenn berechtigte Sorge besteht, daß die Pandemie anders nicht eingedämmt werden kann. Ich hoffe einfach das Beste. Was anderes bleibt mir gerade auch nicht übrig.

Ich habe in letzter Zeit oft, sehr oft gelesen, daß die Religionsfreiheit beschnitten wird, daß die Demokratie zerstört wird. Zunächst einmal wird nicht die Religions-, sondern die Versammlungsfreiheit beschnitten (der Besuch eines Bordells ist ebenso verboten wie das Partymachen; es trifft also keinesfalls explizit religiöse Gemeinschaften). Sodann geschieht das nicht willkürlich, sondern auf der Grundlage des Bundesseuchengesetzes. Und schließlich kann man im Moment nicht auf der Grundlage von Erfahrungen und gesicherten Erkenntnissen handeln, weil es weder das eine noch das andere bezüglich Covid19 in großer Zahl gibt. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die man tatsächlich hat, stellen sich für mich als immerhin alphabetisierten medizinischen Laien so dar: Es ist ansteckend, es ist gefährlich, und wenn wir die Alten und die Schwachen nicht sozialdarwinisieren wollen und zudem in Kauf nehmen, daß ein paar nicht Alte und nicht Schwache auch hopps gehen, nachdem sie das Virus kräftig verbreitet haben, dann müssen wir andere Beschränkungen unserer köstlich freien Welt eben hinnehmen. (Wer das nicht versteht, wie z.B. die Berliner Mutter, die ihrer Tochter zum 16. Geburtstag einen Privatraum anmietet, damit sie mit über dreißig Freunden feiern kann, die Tochter selbst und ihre Freunde, oder wie die 51 Münchener Studenten, die unbedingt eine Grillparty veranstalten mussten, wird für dies Maß an gefährlicher Dämlichkeit zu Recht bestraft und kann froh sein, wenn durch ihn niemand zu Tode kommt.)

Wie gehe ich selbst mit der Krise um?

Zunächst einmal lasse ich den Kopf nicht hängen, oder nur kurz (wenn ich wieder mal die abgrundtiefe Geistestrübheit mancher Zeitgenossen wahrnehme, die Verschwörungstheorien verbreiten und auf ihr Recht pochen, alles um sich her zu infizieren). Und dann versuche ich, das Beste aus der Situation zu machen.

In meiner vierzehntägigen freiwilligen häuslichen Quarantäne habe ich einiges gelernt über Bedürfnisse und Notwendigkeiten, über Gebet und Durchhaltevermögen – und über die mir selbst verwunderliche Fähigkeit zur Freude. Warum soll ich das gelernte nicht weiter anwenden, wenn die Zeiten wieder leichter werden?

Ich brauche nicht mehr als einmal in der Woche einzukaufen. (Klar, das ist für Familien ohne Auto keine Option. Aber jeder kann prüfen, wie oft er tatsächlich einkaufen muss.) Es ist nicht schlimm, wenn es an einem Festtag nicht genau das Essen gibt, das ich mir eigentlich vorgenommen habe. Man kann mit weit weniger auskommen als man ahnt, ohne Not zu leiden. Deshalb will ich auch in Zukunft, auch nach Corona, nicht mehr als einmal in der Woche einkaufen. Ich will meine Zeit besser nutzen.

Ein mit einiger Disziplin durch Gebet strukturierter Tag verläuft besser als ein anderer – viel besser, froher und produktiver. Das ist keine neue Erkenntnis, auch für mich nicht, aber wie viel Gebet in einen Arbeitstag passt, war mir nicht ganz klar. Auch nicht, wie viel Freude aus einem so angefüllten Tag wächst.
Zu meiner Freude ist es in Berlin weiterhin möglich, zu beichten und die Eucharistie zu empfangen – etwas schwieriger als sonst, aber möglich!
Sehr dankbar bin ich, daß ich als Lektorin sonntags die Messe mitfeiern darf. (In Berlin sind derzeit bis zu zehn Personen bei einer nichtöffentlichen Messe gestattet.)

Eine gebrechliche alte Dame, die ohne Hilfe die Kirchenstufen nicht nehmen kann, freut sich, daß ich ihr diese Hilfe dreimal in der Woche anbiete. Ich freue mich, daß ich meine eigene Anbetungszeit mit einer hilfreichen Aktion verbinden kann. Und ich habe in ihr eine liebe Freundin gefunden, zu der ich allerdings keinen meterweiten Abstand halten kann, wenn ich sie am Arm nehme. Das heißt: Ich muss abwägen. Hier ist direkter Kontakt nötig, damit die Dame nicht wochen- und monatelang nur bei sich in der Wohnung bleibt. Ich desinfiziere mir hinterher die Hände. Und ich nehme eine gewisse, nicht sehr hohe Gefahr in Kauf.

Abwägen ist das Gebot der Stunde. Ist diese oder jene Tätigkeit, die in Coronazeiten eine höhere Gefahr birgt, wirklich wert, getan zu werden? Wahrscheinlich wird jeder auf verschiedene Ergebnisse kommen. Aber mit einiger Vernunft wird auch jeder einsehen, daß unter „das Risiko wert“ eine Party eher nicht fällt, eine Hilfeleistung aber schon. Wenn jeder sich umhört, wer in der Nachbarschaft Hilfe braucht, weil er in Quarantäne oder gebrechlich oder behindert, krank oder mit einer Familie und Home Office ausgelastet ist, wäre schon viel getan, auch gegen eventuelle Langeweile und das Gefühl der Nutzlosigkeit.

Als Putzfrau auf dem Friedhof bin ich wohl systemrelevant. Wer will schon während einer Seuche auf Friedhöfe verzichten? Und die dazugehörigen Gebäude müssen ja gerade jetzt besonders sorgfältig geputzt werden. Als Autorin arbeite ich ohnehin im Wesentlichen am heimischen Schreibtisch. Wie weit Corona das Kaufverhalten meiner Leser beeinflusst, werde ich erleben.

TrueConf ist ein kostenloses Werkzeug, um sich mehreren Menschen sicht- und hörbar mitzuteilen, zu plaudern, zu diskutieren, Hausaufgaben zu machen, gemeinsam zu beten oder was auch immer. Ich überlege, meine Vorträge vorerst auf diesem Weg anzubieten. Eine Diskussionsrunde ist danach auch möglich.

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