Brauchen wir Corona?

Blöde Frage?
Wenn ich mich auf der heute sehr belebten Schlosstraße umschaue – was ich notgedrungen tue, wenn ich mit dem Fahrrad von der Arbeit komme – dann sehe ich im Vorbeifahren zwar nichts, was in gewöhnlichen Zeiten ungewöhnlich wäre. Aber in ungewöhnlichen Zeiten wie diesen ist dies gewöhnliche Herumwuseln, dicht an dicht auf Bänken sitzen und einkaufen, was man nicht zum Überleben braucht, einfach nur krasse Torheit.

Übertroffen wird das von einer Demonstration in Tennessee, die sich rühmen darf, die drei dümmsten Plakate der Demonstrationsgeschichte in einer kleinen Schar von einigen Dutzend dicht beieinander stehenden Demonstranten zu präsentieren.

Sieger ist ein Plakat, das ich nur deshalb dumm nenne, weil ich Bosheit für genuin dumm halte. Tatsächlich ist es reine, unverfälschte, widerliche Bosheit:

SACRIFICE THE WEAK
REOPEN TN

zu Deutsch: Opfert die Schwachen, macht Tennessee wieder auf.

Mit einigem Abstand Zweiter ist:

Trust God for Safety,
NOT MAN

Deutsch: Vertraut Gott für die Sicherheit, nicht dem Menschen

– das ist nur dumm, nicht böse, daher der Abstand.
Dumm ist es, weil es so tut, als hätte Gott uns keinen Verstand gegeben, als dürften wir nicht dankbar anerkennen, daß menschliche Planung und Forschung die Seuche durchaus in ihre Schranken weisen könnten, wenn es keine wildgewordenen Saboteure gäbe. Als hätte Gott unsere Dummheit gewollt.

Dicht darauf folgt der dritte Sieger:

Natural Immunity
OVER
Manmade Poison

Deutsch: Natürliche Immunität statt menschengemachtes Gift

Da haben wir in Biologie aber mal ganz fest geschlafen, was? Mit „Manmade Poison“ ist wohl der noch nicht fertig entwickelte Impfstoff gemeint, oder vielleicht auch jegliches Medikament, das es hoffentlich bald gegen Covid19 gibt. Natürliche Immunität oder zumindest geringe Empfindlichkeit gegen das Coronavirus scheinen Kinder und Jugendliche weit häufiger zu haben als Erwachsene, und besonders empfindlich sind Alte; im Prinzip landen wir also wieder bei der Sieger-Aussage mit dem Opfer, aber hier wird das nicht so explizit boshaft gesagt – vermutlich, weil die Person, die das Schild hält, nicht so sehr ein böses wie ein schlichtes Gemüt ist und nicht kapiert, was sie da von sich gibt.

Zurück nach Berlin. Das Getümmel auf einer Einkaufstraße ist wirklich beängstigend. Und ich frage mich: Haben alle mahnenden Worte von Virologen, vom Robert-Koch-Institut, von Ärzten und Schwestern und Pflegern auf Intensivstationen rein gar nichts genützt?

Vielleicht ein bißchen. Einige Leute, darunter ich, passen ja weiter auf. Ich werde vor Ablauf der Pandemie nicht zum Frisör gehen, nicht mehr als einmal pro Woche einkaufen und auch dann nicht Dinge, die ich vielleicht gerade nicht brauche. Kann sein, daß ich mich auf so nützliche Sachen wie „Flicken statt wegwerfen“ besinne. Jedenfalls werde ich vorerst nicht durch belebte Straßen bummeln.

Aber ich befürchte, die kurze Zeit, in der die Mehrheit vernünftig war, geht gerade zu Ende. Und das nützt dem Virus – sonst niemandem. Ich bete für die Irren, die den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen haben, und noch mehr bete ich für ihre Großeltern und immungeschwächten Nachbarn. Denn die trifft es als nächstes.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Brauchen wir Corona?

  1. gerd schreibt:

    „Haben alle mahnenden Worte von Virologen, vom Robert-Koch-Institut, von Ärzten und Schwestern und Pflegern auf Intensivstationen rein gar nichts genützt?“

    Noch vor ein paar Wochen hat z. B. das RKI Schutzmasken als wirkungslos bezeichnet. Heute kosten diese Masken zwischen 2 und 10 Euro, pro Stück versteht sich. Die Dummheit und Boshaftigkeit der Menschen wird sich noch vervielfachen. Allein die Tatsache, dass Centartikel nun für horrende Preise angeboten werden, macht den Menschen nicht vernünftiger. Da stehen wir und ich gebe Ihnen Recht, erst am Anfang einer sehr, sehr schwierigen Zeit, die alles in den Schatten stellen kann, was wir bisher erlebt haben.

  2. Xeniana schreibt:

    Die Demonstrationen in den USA finde ich heftig. Da wird natürliche Auslese propagiert. Ich erlebe das hier mit der Corona Nähe Distanz sehr unterschiedlich. Insgesamt habe ich aber auch den Eindruck, dass viele unvorsichtiger werden.

  3. Monika Hüssena schreibt:

    Brauchen wir Corona? Jede Krise birgt immer auch eine Chance. Ich hatte gehofft, dass Abtreibungskliniken geschlossen werden und das dortige Personal dort eingesetzt wird, wo es jetzt dringend gebraucht wird. Das Gegenteil ist der Fall, wie mich heute eine Mail der Initiative Familienschutz belehrte in der es heißt:

    „Jede einzelne Woche werden rund 2000 ungeborene Kinder in Deutschland getötet. Die SPD sorgt dafür, dass diese fürchterliche hohe Quote während der Corona-Krise keinesfalls sinkt. Um an den Abtreibungsschein zu kommen, hat die Familienministerin das persönliche Beratungsgespräch abgeschafft. Es genügt ein Telefonanruf in der Beratungsstelle. Einige Tage später liegt die Tötungserlaubnis im Briefkasten der Schwangeren.“

    Eine Waffe dagegen ist der Rosenkranz, betrachtet auch mit den Rosenkranzsonetten der Bloggerin. Ich bete ihn mit dem „Rosenkranz der Ungeborenen“ mit den Tränen der Gottesmutter, die jeweils einen Embryo enthalten.

    Bezüglich Abstandsregeln und Mundschutz sind wir bevorzugt. Wir können unsere 4 Enkel und ihre Eltern in ihrem Garten besuchen und mit dem nötigen Abstand von Ferne umarmen. Am 3. Januar hatten sie uns eine barrierefreie Neubauwohnung in ihrem Wohnort gezeigt in den wir dann kurz entschlossen mit ihrer Hilfe eingezogen sind. Das war wirklich Timing! Der Blick vom Laptop aus dem Fenster zeigt mir die Turmuhr der neuen Pfarrkirche was die Stunde geschlagen hat und lässt mich die Nähe des Tabernakels spüren. Deo gratias.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das ist grauenvoll – aber leider nicht besonders überraschend. Wo Abtreibung als Gesundheitsfürsorge verstanden wird, ist klar, daß der Schein dafür nicht schwerer zu bekommen sein „darf“ als eine Krankschreibung.

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