Ich halte diese Entscheidung für richtig!

Bund und Länder haben entschieden, die Lockerung der Einschränkungen in der Corona-Krise langsam anzugehen. Bis zum 3. Mai bleibt alles beim Alten (nun ja, so alt ist die Krise auch wieder nicht, aber man versteht mich schon); danach soll es schrittweise – in vorsichtigen Schritten! – wieder in Richtung „Normalität, aber mit Corona“ gehen. Alle zwei Wochen wollen Bund und Länder aufgrund der Informationen des Robert-Koch-Instituts neu beraten. Frau Merkel sprach in einer, wie ich finde, hervorragenden Rede von einem „zerbrechlichen Zwischenerfolg“.

Natürlich bin ich traurig, daß Großveranstaltungen und damit auch öffentliche Gottesdienste vorläufig untersagt bleiben. Aber ich kann es verstehen. Anders als manche andere Gläubige bin ich nämlich nicht der Ansicht, daß zum Prägemal der Taufe gehört, Viren zwischen den Fingern zu zerquetschen. Gott hat uns Großartiges versprochen – Immunität gegen potentiell tödliche Erreger gehört nicht dazu.

Ich weiß, daß aufgrund dieser Aussage zahlreiche Glaubensgeschwister die Aufrichtigkeit meines Glaubens anzweifeln. Ich bitte die Glaubensgeschwister, auf die das zutrifft, mir (nur virtuell, wegen der Wahrung des Abstands) den Buckel herunterzurutschen. Das Gleiche bitte ich alle, die in den Beschränkungen einen generellen Angriff auf die Demokratie, die Freiheit, die Menschenwürde sehen.

Sehr gut finde ich, daß an Schutzmaßnahmen gearbeitet wird, um den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen Besuch zu ermöglichen. Ich weiß, wie elend gerade alte und demente Menschen unter der Einsamkeit leiden, und ich hoffe, daß ausreichende Schutzausrüstung für Besucher bald gestellt wird. (Zugleich habe ich in Verbindung mit dem Wort „ausreichend“ immer meine Zweifel – möge ich mich irren!)

Die meisten Läden dürfen unter Auflagen am 4. Mai wieder öffnen. Auch Frisöre, sofern sie den Hygienevorschriften folgen. Ich selbst werde mich lieber dennoch eine Weile zuwuchern lassen; als fette 58jährige Epileptikerin habe ich genug Vorbedingungen, sehr große Vorsicht walten zu lassen. Und an Zottelhaaren ist noch keiner gestorben.

Ich kann als Putzfrau in den Gebäuden eines Friedhofs (Verwaltung, Arbeiterbuden, Kirche) und auf den Treppen eines privaten Wohnhauses einiges für die Hygiene tun, und ich kann tun, was ohnehin jedem geraten ist: Abstand halten, beim Einkauf Mund-Nasen-Maske tragen, Hände waschen usw. Und ich kann beten.

Was ich nicht kann: 1. in der Medizin forschen, 2. Deutschland regieren, 3. Verschwörungstheoretiker ertragen. Zum Glück muss ich das alles auch gar nicht.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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14 Antworten zu Ich halte diese Entscheidung für richtig!

  1. Wolfram schreibt:

    Ich habe einige Artikel gelesen – in französischer Sprache -, in denen sich orthodoxe Theologen gegenseitig der Häresie zeihen, weil die einen der Ansicht sind, das Virus sei Ausgeburt des Bösen und könne deshalb nicht dem heiligen Leib Christi anhaften, und die anderen meinen, es gehöre zur geschaffenen und gefallenen Welt, der die menschliche Natur Christi ebenso unterworfen sei wie wir alle, und deshalb könne auch der Leib Christi, dessen Naturen nicht trennbar sind, Träger des Virus sein.
    Rein innertheologisch halten beide Ansichten stand. Und ich bin beeindruckt von der Überzeugung, mit theologischen Mitteln auch zu ganz anderen Fragen eine Antwort zu geben. Aber ob sich das Virus davon beeindrucken läßt?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Da die Welt nun einmal durch die Sünde gefallen ist, gibt es Krankheit und Tod. Wenn ein Krankheitserreger sich um die Heiligkeit von irgendetwas oder irgendjemandem scherte, müssten Neugeborene ebenso wie heiligmäßig lebende Erwachsene signifikant gesünder sein als andere (natürlich nicht völlig frei von Anfälligkeiten, eben wegen der Erbschuld). Das ist nachweislich nicht der Fall. Heilige erlagen bei der Krankenpflege der Pest, den Pocken und anderen Seuchen.
      Der Leib Christi, das Heiligste, was es in der stofflichen Welt geben kann, ist in sich niemals schädlich. Aber wenn jemand Gift daraufschüttet, sollte man Ihn dennoch nicht sumieren – denn dann ist der Leib des Herrn immer noch unschädlich, das Gift aber immer noch schädlich. Und zwar gerade deshalb, weil sich beides nicht „verbinden“ kann, sondern nebenher besteht – hier der Heiligste, der nur gut ist, dort das Gift, das in sich schädlich ist.
      Auch ein Virus verbindet sich nicht (im chemischen Sinn) mit dem Leib des Herrn (oder, wiederum im chemischen Sinn, mit Brot), sondern es ist in der Spucke der infizierten Gläubigen. Auch in der Spucke eines infizierten Archimandriten!

      Trotz dieser Überzeugung würde ich einen orthodoxen Theologen, der sich via Kommunion für gefeit hält, nicht der Häresie bezichtigen. Vielleicht aber der Doofheit.

  2. ester schreibt:

    Viren kann man prinzipiell nicht zerquetschen, weil sie keine Lebewesen sind. Im übrigen schreibst du es ja selber, in früheren Zeiten erlagen die Heiligen bei der Pflege der Kranken den Krankheiten, heute haben wir sowas ja nicht mehr nötig, weil wir warten bis man uns wieder erlaubt uns unserem Nächsten zuzuwenden, der uns im übrigen ja nicht mehr bracht, weil es ja gut ist dass wir uns alle isolieren lassen?! Weiter ergibt sich, dein Argument weiter gedacht, dass die Heiligen früher ja schon irgendwie blöd waren, weil sie, anstatt sich unterm Bett zu verstecken nach draussen gegangen sind und ihr Leben für Christus riskiert haben?

  3. gerd schreibt:

    Deutschland
    83.020.000 Bevölkerung 2019 = 100%
    127.548 Corona Fälle = ca. 0,15%
    3254 Todesfälle = ca. 0,004%

    USA
    328.200.000 Bevölkerung 2019 = 100%
    609.449 Corona Fälle = ca. 0,19%
    26.060 Todesfälle = ca. 0,08%

    Schweden hat ohne strikte Maßnahmen zu treffen, bei einer Bevölkerung von 10.200.000 Menschen derzeit 12 540 getestete Corona-Fälle, davon sind mit oder an dem Virus 1333 Patienten gestorben. (Stand 16.4.) Wie sich die Zahlen doch gleichen. Die Schweden dürfen weiter in Restaurants und Cafés gehen, auch Schulen und Kindergärten sind nach wie vor offen. Öffentliche Versammlungen sind erst ab mehr als 50 Personen untersagt.

    Vorweg: Jeder Tod ist ein Schicksal welches für die Hinterbliebenen Leid verursacht, das allerdings auch ohne einen Virus.
    Bei den o.g. Todesfällen wird nicht registriert, ob der Patient an oder mit Corona gestorben ist. Für mich sind die Maßnahmen die Kanone, mit der auf Spatzen geschossen wird. Das finde ich nicht richtig (ohne Verschwörungstheorie, die Zahlen kann man googlen), denn bei der nächsten Epidemie, die so sicher kommt wie das Amen in der Kirche, wird jeder Tote unsere Regierungen in Erklärungsnot bringen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Die Infektionszahlen gehen in Deutschland zurück. Das finde ich ein gutes Argument für die Maßnahmen, die diesem Rückgang vorausgingen.

      • gerd schreibt:

        Liebe Frau Sperlich,
        leider gehen Sie in keinster Weise auf die Zahlen in der Realität ein, sei’s drum:
        In jedem(!) Jahr haben wir Epidemien von Viren verursacht, die unsere Regierungen allerdings nie auf den Plan gerufen haben. Das Robert Koch Institut führt da erhellendes auf ihrer Website, besonders was das Jahr 2017 angeht. Das sollte zumindest aufhorchen lassen. In jedem Jahr gibt es sog. Wellenbewegungen in denen die Kurven wieder abflachen, nachdem sie einen Höchststand erreicht hatten. In jedem Jahr sterben während einer sog. normalen Grippe vermehrt Patienten auch an bisher unbekannten Viren. Auch hier haben wir als Bevölkerung keine Warnhinweise bekommen, die wir ohnehin schon kannten. Bei Fieber im Bett bleiben, keine unnötigen Kontakte usw.usf.
        In Schweden gehen die Infektionszahlen im übrigen auch zurück. Ganz ohne Maßnahmen. Was kommt im Rest von Europa wird ein ziemlicher Zusammenbruch des gesellschaftlichen Lebens darstellen. Daran dürfte selbst bei Anit-Verschwörungstheoretikern kein Zweifel bestehen. Wieviele Todesopfer es dann geben wird und wer die Schwächsten dann schützt, dafür hat unsere Regierung keinen Plan.

    • Bei Statistik sollte man schon wissen, was man tut. Die Zahlen ähneln sich nämlich überhaupt nicht!

      Nur weil die Todesrate überall im oder unter dem Promillebereich liegt, heißt das nicht, dass sie überall vernachlässigbar klein und damit überall gleich wäre. Schon nach den vorgelegten Zahlen haben die USA eine 20x höhere Todesrate als Deutschland, und Schweden liegt nochmal 1,5x über den USA!

      Die Zahlen lassen auch völlig unberücksichtigt, in welchem Stadium sich das jeweilige Land befindet. In den USA ist der Corona-Lockdown noch lange nicht so alt wie bei uns — und zuvor hat sich Corona schon wochenlang ausgebreitet ohne Gegenmaßnahmen. Die USA sind also weit mehr mit Schweden vergleichbar als mit Deutschland.

      Und wenn das alles noch nicht reicht, mal der Vergleich der noch aktiven Fälle in den jeweiligen Ländern (nach der Hopkins-Universität, Daten gerade frisch entnommen):

      GER 47.003 = 0,0566% aktive Fälle in der Bevölkerung
      USA 672.069 = 0,2 % active
      SWE 12.647 = 1,2 % active

      Natürlich kann man nun darüber streiten, wie verlässlich die „recovered“-Zahlen sind, dann sollte man aber auch darüber streiten, wie verlässlich die „cumulative cases“-Zahlen sind. Für die Testfrequenz (wieviel also in den einzelnen Ländern getestet wird) gibt es nicht einmal Daten, geschweigedenn verlässliche.

      Das heißt nicht, dass Schweden nicht vielleicht doch den besseren Weg gewählt haben könnte. Darüber wird man aber erst ein Urteil fällen können, wenn alles vorbei ist und alle Ähnlichkeiten und Unterschiede gebührend berücksichtigt wurden. Es ist nur sehr leicht, Urteile zu fällen, wenn man selbst nicht die Verantwortung für die daraus resultierenden Folgen zu tragen hat.

      • Korrektur: USA nur 2x so viel wie D, in der Ausgangsberechnung von gerd ist ein Kommafehlern: 3254 Todesfälle = ca. 0,04% müsste es heißen. In Schweden habe ich zum einen die Erkranktenquote mit der Todesrate in USA verglichen, ist natürlich auch Blödsinn, und zum zweiten selbst einen Kommafehler, es sind 0,12% active cases.

        Viel interessanter sind aber diese Zahlen — signifikanter und sprunghafter Anstieg der Anzahl der Todesfälle.

  4. gerd schreibt:

    Entschuldigen Sie bitte, das war mein erster (!) Kommentar den ich vorher mit Zahlen recherchiert hatte. Von den anderen drölfen wusste ich nix….;-)

    Vielleicht, wenn Sie erlauben, dann noch eine Geschichte vom Psychologen Paul Watzlawik:
    Ein Mann geht durch die Fußgängerzone einer großen Stadt, bleibt plötzlich stehen und klatscht laut in die Hände. Das macht er alle 10 Meter. Ein Passant fragt ihn, was er denn da so mache. Der Mann antwortet: „Ich vertreibe die Elefanten!“ Darauf der Passant: „Aber hier gibt es doch keine Elefanten!“ Darauf der Mann: „Sehen Sie, es wirkt schon!“

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