Und wenn es Strafe ist?

Der so unpopuläre Gedanke einer Strafe Gottes ist nicht ganz von der Hand zu weisen; ich sehe allerdings weniger „Strafe“ als „Konsequenz unseres Handelns“ und Zulassung.

Mit falschem – unüberlegtem oder bösem – Handeln können wir leider nicht nur uns selbst, sondern auch andere gefährden. Wenn man mit 90 km/h durch die Innenstadt fährt, kann man dadurch Menschen zu Tode bringen. Wenn man Tiere auf tierquälerische Weise hält, so dass sie krank werden, und dann zum Verzehr feilbietet, ebenso – nicht erst seit Corona: Der Auslöser für BSE war die Fütterung von Pflanzenfressern mit Fleischabfällen; im Falle von Corona ist wohl ausschlaggebend, daß in Wuhan durch tierquälerische Haltung krankgemachte Tiere zum Verzehr feilgeboten wurden. Und wenn es, wie kolportiert wird, im Labor generierte Viren wären (glaub ich nicht, aber könnte ja sein), kann man sagen: Wenn man in der Natur herumpfuscht, gefährliche Viren produziert und dann nicht aufpasst, passiert ein Unglück.

Wir sind frei in unserem Handeln und denken – so frei, daß wir damit die Freiheit selbst beschneiden können bis hin zum Tod (und keinesfalls nur die eigene). Wo Diktatoren ihren freien Willen über die Freiheit ihrer Mitmenschen stellen, zeigt sich das in eindrucksvoll schrecklicher Weise.
Ein Tier hat diese Freiheit nicht. Es kann – auch ohne menschliches Zutun – krank oder gestört sein und dadurch zur Gefahr für sich und andere werden, aber nicht, weil es selbst oder ein anderes Tier von der Freiheit falschen Gebrauch gemacht hätte, sondern weil es Krankheit und üble Umstände eben gibt in dieser gefallenen Welt. (Hier darf man sich erinnern, warum diese Welt gefallen ist. Am Ende läuft es immer auf den falschen Gebrauch menschlicher Freiheit hinaus.) Zu Ende komme ich mit diesen Gedanken nicht, denn sie streifen die unlösbare Theodizeefrage.

Wir sind aber auch frei, Gutes zu tun. Frei, den angerichteten Schaden so gut wie möglich zu bekämpfen und zu begrenzen. Frei, Kranken zu helfen, Sterbenden beizustehen, Rücksicht zu nehmen, Abstand zu halten. (Und hier gilt leider wieder: Auch diese Freiheit kann durch die mißbrauchte Freiheit anderer beschnitten werden, z.B. wenn Menschen in überfüllten Flüchtlingsheimen oder Slums ausreichende Möglichkeiten zu Abstand und Hygiene vorenthalten werden.)

In vielen Teilen der Welt, auch in Deutschland, sind wir frei, zu beten. (Natürlich kann man prinzipiell auch in Ländern wie Nordkorea oder Saudi-Arabien beten, aber wo außer den Gedanken nichts frei ist und ein dem Nachbarn hörbares „Gelobt sei Jesus Christus“ lebensgefährlich ist, mag ich nicht von Freiheit sprechen.) Selbst wenn diese Freiheit jetzt aus Gründen der Vernunft und Nächstenliebe teilweise eingeschränkt ist (ja, es hat mit Nächstenliebe zu tun, die Verteilung von Corona-Viren zu vermeiden!), können wir in in allen europäischen (und noch viel mehr) Ländern beten. In Deutschland sind viele Kirchen (leider nicht in allen Diözesen, was ich schlimm finde) offen und laden zu stillem Gebet ein. Man kann dank der modernen Medien sogar Gebetsgruppen organisieren und z.B. via TrueConf gemeinsam beten, obwohl jeder bei sich zu Hause bleibt. Auch Absprachen wie „jeder Teilnehmer dieser Gruppe betet zu der und der Uhrzeit ein bestimmtes Gebet“ sind möglich.

Wir können kraft unserer Freiheit im Gebet bitten, preisen, danken, büßen und sühnen. Die letzten beiden Verben sind ziemlich unpopulär – vielleicht gerade ein Grund, sich ganz nonkonformistisch darauf einzulassen! Jesus Christus hat für die Sünden aller Menschen gesühnt. Das können wir nicht und müssen wir nicht. Aber wir sind aufgerufen, Ihm nachzufolgen in Liebe, Tat und Gebet. Auch im Sühnegebet. Jesus hat es am Kreuz vorgemacht.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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7 Antworten zu Und wenn es Strafe ist?

  1. Wolfram schreibt:

    Wenn es eine Gottesstrafe wäre, hätte es vorher ein prophetisches Wort gegeben. Bei Konsequenz unseres Handelns stimme ich zu. Wobei das noch weiter geht, wenn man die ökologische Schieflage so ansieht.

  2. gerd schreibt:

    Die heutige Situation erinnert mich immer mehr an den Turmbau zu Babel. Da steigt Gott vom Himmel herunter und begutachtet diesen Bau. Er kommt zu dem Schluss, dass die Menschen ihrer Hochmut keine Grenzen mehr setzen und verwirrt mal eben ihre Sprache, worauf das ganze Wolkenkuckucksheim in sich zusammenbricht. Wenn der Priester nach dem Vater-Unser Gott bittet, er möge uns vor Verwirrung und Sünde bewahren, dann ist dieses Gebet nie so wertvoll und richtig gewesen wie heute. Die Verwirrung kann man erkennen als Beispiel, dass im Namen der „Nächstenliebe“ ganze Völker „eingeschlossen“ werden, die Abtreibungsindustrie ungehemmt weiter tötet, als ob es kein Morgen geben würde. Eine Zahl, die ich selbst nicht recherchiert habe sondern Ignaz Steinwender auf kath.net, vom 18.4.

    Am Coronavirus starben vom 1.1. – 25.3.20, weltweit 21 297 Menschen, im gleichen Zeitraum wurden 9.913.702 ungeborene Kinder im Mutterleib getötet. Was zeigt deutlicher die Verwirrung als die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, im Gegensatz zur Ermordung des ungebornenen Lebens und dem vollkommenen Schweigen der Kirchen und Politiker zum Skandal der getöteten Kinder?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich bitte dringend, jegliche Relativierung zu unterlassen. Diese Denkungsart führt nämlich am Ende dahin, jedem – auch mich -, der vernünftigerweise sich und andere zu schützen sucht, eine Gleichgültigkeit gegenüber jedem anderen Schrecknis (z.B. Abtreibung) vorzuwerfen. Das hilft niemandem – auch keinem Ungeborenen.

  3. gerd schreibt:

    Ich bitte dringend, meinen Kommentar nicht als Relativierung zu verstehen. Es ging mir um die Verwirrung und um die Sünde, die daraus entsteht. Eine Gesellschaft die mir vorschreibt was ich aus Nächstenliebe zu tun habe, und dabei ihre eigenen Kinder ohne mit der Wimper zu zucken im Mutterleib massenhaft tötet, hat jede(!) Glaubwürdigkeit verloren. Sie ist die verdorbene Generation die ein Zeichen erwartet, aber kein Zeichen bekommt, nur das des Propheten Jona.

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