Bauklötze

für Bernadette

Das kleine Mädchen baut einen Turm
aus bunten Klötzen.
Sie klascht in die Hände, tanzt durch den Raum
und singt ein Liedchen
aus Wörtern, die sie sich ausgedacht,
und alten Versen.
Der Turm stürzt um, sie lacht und sie ruft:
Ich bau einen neuen!
Sie baut den Turm, und sie tanzt und singt,
die Klötze beben,
der Turm stürzt um, sie lacht und baut neu
und immer wieder.
Sie findet den Turm von Mal zu Mal
so schön wie keinen.

© Claudia Sperlich
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John Ogilvie – ein Mann, der der Folter widerstand

Der Heilige John Ogilvie (1579-1615) stammte aus einer calvinistischen Familie in Schottland. Als Jugendlicher bereiste er Europa und lernte dort den Katholizismus kennen und lieben. Mit 17 Jahren konvertierte er in der schottischen Hochschule in Belgien, an der er studierte. Die Schule schloss wegen finanzieller Schwierigkeiten, und er wechselte erst zu einer von Benediktinern betriebenen Hochschule, dann an das Kolleg der Jesuiten in Olmütz. Er trat 1599 den Jesuiten bei und studierte Philosophie und Theologie in Graz, Wien und wiederum Olmütz. 1610 wurde er in Paris zum Priester geweiht.

John Ogilvie wollte in seiner schottischen Heimat missionieren. Dort war der Katholizismus illegal und wurde streng verfolgt. Drei Jahre lang wirkte er in Rouen, Frankreich, bevor er – als „Pferdehändler John Watson“ – nach Schottland gelangte. In Edinburgh war seine Missionsarbeit sehr erfolgreich; er versöhnte viele Menschen mit der katholischen Kirche. In Glasgow gelang ihm das bei vier Menschen; ein fünfter verriet ihn an den protestantischen Erzbischof und half, Ogilvie gefangenzunehmen.

Der wesentliche Vorwurf hatte mit der Missionstätigkeit wenig zu tun: Ogilvie weigerte sich, die Oberhoheit des Königs über die Kirche anzuerkennen. Das galt als Hochverrat. Er erlitt schwere Folter, auch langen Schlafentzug, ließ sich aber nicht dazu bewegen, seinem Glauben abzuschwören, das königliche Supremat anzuerkennen oder irgendeinen Gläubigen zu verraten. Das Urteil lautete auf Erhängen und anschließendes Vierteilen.

Über seine Gefangenschaft samt Verhören und Folterungen schrieb er detailliert in lateinischer Sprache. Mitleidige Besucher schmuggelten den Bericht Blatt für Blatt aus der Zelle. Unter dem Titel „Relatio incarcerationis“ (Bericht über die Gefangenschaft) ist er erhalten. (Hier geht es zu einem 1616 erschienenen digitalisierten Druck.) Hungrig, krank, gefoltert schaffte Ogilvie es noch, klar Rede und Antwort zu stehen – und nicht ohne bissigen Witz:

Iam vigesima sexta hora erat cum nihil gustaveram et febri laborabam, et licet clamore disputationis incalescerem, paroxismus tamen superveniens me algere fecit, et sic ad ignem iussus sum recedere; ibique a Boreali Scoto et paene concivi, nequam compellor et periurus mendax, qui honestum mentitus cognomen, scelestam professionem palliassem, se effecturum brevi ut nobile nomen Ogilbeorum infami Iesuitica labe non diu foedaretur. Et si tot circumstantium Nobilium et Aulae Episcopalis ratione non haberet, se ait, se statim me in lucentem caminum missurum. Respondeo, si in ignem me mittere decrevisset, numquam commodius id accidere posse quam nunc cum valde frigeam, sed illi cavendum ne cineres et carbones per domum spargerem, et sic ipsum coactum iri ut domum verreret quam foedari fecisset.

Seit 26 Stunden hatte ich nichts gegessen und litt unter Fieber, es mag auch sein, daß mir durch den Lärm der Diskussion heiß geworden war; da überkam mich ein Fieberschub, und mir wurde kalt. So war ich gezwungen, wieder ans Feuer zu gehen. Kaum habe ich mich aufgemacht, weg vom schottischen Nordwind, werde ich als Taugenichts beschimpft und als verlogener Meineidiger, der einen ehrlichen Nachnamen erschwindelt hat, um eine verbrecherische Tätigkeit zu verbergen, und der schnell machen solle, daß der edle Name der Ogilvies nicht länger durch einen schmachvollen jesuitischen Schmutzfleck besudelt werde. Und einer fragt, ob so viele Anwesende des Adels und des bischöflichen Hofes nicht das Recht hätten, mich sofort ins Kaminfeuer zu werfen. Ich antworte, hätten sie beschlossen, mich ins Feuer zu werfen, so könne mir das nie gelegener kommen als jetzt, da ich sehr friere, aber er müsse achtgeben, daß ich nicht Asche und Kohlen im Haus verstreue und so er selbst gezwungen werde, das Haus zu fegen, das er hatte verschmutzen lassen.

Übersetzung: Claudia Sperlich

Die letzten drei Stunden seines Lebens verbrachte John Ogilvie im Gebet. Er betete noch auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte den Rosenkranz, bis ihm die Hände gebunden wurden. Vielleicht machte das doch einen gewissen Eindruck auf seine Richter – zumindest das Vierteilen unterblieb (so jedenfalls der Artikel auf der Seite jesuits.global, der mir sehr genau scheint).

Auch heute versuchen weltliche Machthaber und Machtwoller, der Kirche dreinzureden. In China, Nordkorea, sämtlichen sozialistisch oder muslimisch geprägten Ländern, und in geringerem, aber bereits beunruhigendem Umfang auch in „eigentlich“ christlich geprägten Ländern wird die Kirche drangsaliert. Ob Folter zulässig ist, wird (wenn auch in anderen Zusammenhängen) in Deutschland gänzlich schamlos diskutiert. Sollte sie je wieder gestattet werden, ist die Diffamierung Unschuldiger durch arme Menschen, die nicht die Stärke eines John Ogilvie besitzen, nur eine Frage der Zeit.

Heiliger John Ogilvie, bitte für uns.

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Frauentag

Heute feiert man in Deutschland, daß Frauen frei wählen dürfen. Sofern sie frei wählen, der katholischen Lehre zu folgen, versucht man ihnen das auszutreiben.
Frauenwahlrecht ist OK, solange sie sich dabei nach dem Mainstream richten. Sonst isses baba.
Ja klar, das ist übertrieben. Ich darf sehr vieles, was bei meinen Großmüttern – übrigens tüchtige Frauen, eine Altphilologin und eine Hotelchefin – vor, während und nach der Nazizeit nicht selbstverständlich war. Aber ich nehme durchaus wahr, daß ich als Frau, Dichterin und Katholikin eine ganze Menge frauenfeindlichen Schrott zu hören bekomme, und zwar im Wesentlichen von säkularer Seite, links wie rechts.

In den Anfängen ging es um die Gleichberechtigung, vor allem um das Wahlrecht für Frauen. Aber bereits zwischen den Weltkriegen kam zu diesen guten Forderungen die nach einem „Recht“ auf Abtreibung als besonders wichtiges Anliegen der Initiatoren des Frauentages.

Ein Plakat von 1924 zeigt mir die ganze Fatalität der Entwicklung des Frauentages: Oben im Hintergrund, transparent und von einem Strahlenkranz umgeben, Lenin. Darunter sehr groß eine blonde Arbeiterin, heroisch-misslaunig blickend, ein Kind auf dem Arm. Im unteren Drittel kleinfigurig die sich ihr feindselig entgegenstellende Masse: Rechts ein brüllender und gestikulierender Mann mit Maschinengewehr und Hakenkreuz auf dem Stahlhelm, links zwei Männer mit Frack und Zylinder, der größere eindeutig eine antisemitische Karikatur mit übergroßer Nase und Wulstlippen, erklärend dazu die Aufschrift „Internationales Kapital“. Darunter der Aufruf: HERAUS ZUM INTERNATIONALEN FRAUENTAG! MÄRZ 1924.

Sozialismus und Kommunismus haben in der Geschichte trotz durchaus aufrechter Menschen in ihren Reihen (denn die gibt es fast überall) und trotz ihrer Feindschaft gegen den Nationalsozialismus immer wieder gegen Judentum und katholisches Christentum gleichermaßen gepestet, genau wie jener. Das Recht auf freie Religionsausübung wird von Kommunisten und Sozialisten immer wieder bestritten, ebenso das Recht auf Leben, da von dieser Seite immer wieder behauptet wird, ein ungeborener Mensch habe keine unantastbare Würde, und oft wird auch von eben dieser Seite für Euthanasie plädiert.

Ich wünsche nicht, daß Antisemiten und Kirchenfeinde meine Rechte verteidigen. Ich kann diesbezüglich allerdings ganz unbesorgt sein.

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Weil das Schwache kostet

Das Parlament des Kleinstaates Pavoralia hat seinen jüngsten Beschluss in beispielloser Einigkeit gefasst. Der Vorsitzende der Regierungspartei SIPP (Sozialistische Internationale Partei Pavoralia), Timor Injust, die Ministerin für Soziales, Sozija L’Arbète, Gesundheitsminister Odiose sowie der Minister für Finanzen, Avidus Penunz, stimmten einhellig für den Gesetzesentwurf, nach dem die Untersuchung von Embryonen auf das Down-Syndrom standardmäßig Teil der Vorsorgeuntersuchungen sein soll. Auch der Minister für Kulturelle Angelegenheiten, Plumbëus, stimmte dafür, was insofern einen historischen Moment bedeutet, als Plumbëus sich bislang bei jeder Abstimmung der Stimme enthielt. [Anmerkung: In Pavoralia kursiert der Witz: „Wie wird man eigentlich Kultusminister? – Das darf einen nicht interessieren!“]

Minister Avidus Penunz sagte in einem Kurzinterview: „Die Gesellschaft darf sich nicht durch Sentimentalitäten dazu nötigen lassen, leidende und unproduktive Menschen über viele Jahrzehnte hin zu finanzieren.“ Er hatte dabei übersehen, daß die Interviewerin Martha Jukunda, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin, selbst vom Down-Syndrom betroffen ist. Auf ihre anschließende Frage „Bis zu welcher Höhe sind Kosten für einen Menschen vertretbar?“ brach er das Interview ab.

Bischof Beat Agnellus sagte am heutigen Sonntag in einer ungewöhnlich scharfzüngigen Predigt, der Konsens im Parlament selbst mit dem Kultusminister sei geradezu eine Bestätigung seiner früheren ständigen Stimmenthaltungen: „Wer alles in Geldwert misst, der wird Behinderte nur als Kostenfaktor wahrnehmen. Wer alles egal findet, dem ist am Ende das Leben der Schwachen auch egal.“ Anschließend rief er für kommenden Samstag zu einer Sühnenacht in der pavoralianischen Kathedrale Ss. Marinus und Arianus auf. Dem Aufruf schloss sich Clemens Fortis an, der Vorsitzende der Lebensrechtsbewegung „Vivat Vita“.

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An mein Zimmer

Räum dich auf, du schöner Raum!
Sei geordnet! Werde licht!
Blitzblank sei dein Angesicht,
Krempel schwinde wie ein Schaum!

Häng die Bilder alle grad,
Wirf hinweg, was mir nicht nützt!
Staube ab den Bücherstaat,
Sorge, daß er bleib geschützt!

Putz die Fenster, wasch die Tür,
Schrubb die Dielen und den Tisch,
Spinnenweben auch erspür
Mit dem flinken Flederwisch!

Ich auch wasch mich jeden Morgen,
Sorg für Zähne, Haare, Haut.
Zimmer, du musst für dich sorgen,
Daß vor dir dem Gast nicht graut.

Wie, du schweigst? Du weigerst dich,
Willst den Besen nicht benutzen?
Zimmer, du bist liederlich! 
Nun, dann muss ich selber putzen.


© Claudia Sperlich
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Kirche, Frauen, Weiheamt, Papst – und eine Richtigstellung zum drölfzigsten Male.

Die RKK hat Priestermangel und da sind mir Frauen am Altar lieber als kein Pfarrer mehr in der Gemeinde. Papst Franziskus sagte, ohne Frauen gibt es keine Weiterentwicklung in der Kirche und sie bleibt krank. Konservative sind enttäuscht, aber den Kindern Gottes ist das egal. Hauptsache der Heilige Geist ist in ihr zu erkennen.

So schreibt ein Facebook-Nutzer und fasst damit recht gut zusammen, was immer wieder zu diesem Thema behauptet wird. Schauen wir mal.

Hat die Römisch-Katholische Kirche einen Mangel an Priestern?

Ja, hat sie – weltweit, aber in Europa ist der Mangel am geringsten. Eine gute Übersicht verschafft Wikipedia mit dem Artikel „Priestermangel„. In Deutschland ist die Zahl der Katholiken gestiegen, die der katholischen Priester gesunken – was zu einer seelsorgerischen Unterversorgung einerseits, zu Überlastung andererseits führt. Schaut man sich aber den internationalen Vergleich an, die Schwierigkeiten, mit denen afrikanische, indische und südamerikanische Priester und Laien konfrontiert sind, können die deutschen Katholiken mal kurz innehalten mit dem Jammern.

Die Gründe für den Priestermangel sind vielfältig. Eine allgemeine Säkularisierung und spirituelle Beliebigkeit ist sicher ein wichtiger Grund. Aber zwei immer wieder angebrachte Punkte sind eben keine Gründe für den Priestermangel: Zölibat und Beschränkung auf Männer. Denn die evangelische Kirche, in der es keinen Zölibat, aber Pfarrerinnen gibt, verzeichnet noch größere Verluste hinsichtlich der Anwärter fürs Pfarramt. Es hätte gar keinen Sinn, die katholische Kirche zu „protestantisieren“ mit dem Ziel, mehr Priester zu bekommen. Näheres zum Thema „Priesterinnen“ hier.

Und was hat der Papst gesagt?

Papst Franziskus betont immer wieder die Wichtigkeit von Frauen in der und für die Kirche. Die Kirche ist ihrem Wesen nach weiblich, ist Braut Christi. Man kann sich aber nicht auf den Papst berufen, wenn man nach Priesterinnen schreit – denn auch Franziskus hat überdeutlich gesagt, daß diese Frage längst entschieden ist: es gibt keine katholischen Priesterinnen und kann sie nicht geben. Der Priester repräsentiert Christus, den Bräutigam.

Sonst noch was?

„Konservative sind enttäuscht, aber den Kindern Gottes ist das egal.“ Das ist so eine richtig typische Modernisten-Frechheit: Konservative (also solche, die die Kirche bewahren wollen) werden hier explizit als etwas anderes denn die „Kinder Gottes“ dargestellt. Das heißt so viel wie: „Ich mit meinem Glauben gehöre zu den Kindern Gottes, Du mit deinem Glauben gehörst nicht dazu.“ Und das, liebe modernistische Reformer, ist sektiererisch.

Aber brauchen wir denn keine Reformen?

Doch, sicher. Wir brauchen eine Abwendung vom Säkularismus, Begeisterung für Schrift und Tradition, Wiederentdeckung der geistigen Schätze der Kirche und des Glaubens. Wir brauchen mehr als vier Kirchenlehrerinnen, kluge und fromme Katechetinnen, Theologinnen, Mütter, Nonnen, Frauen in Drittorden, Frauen, die Privatgelübde ablegen, Frauen, die durch die Künste Gott verherrlichen, Frauen, die den katholischen Glauben kennen und lieben, die einfach einen fröhlichen, bodenständigen, treuen Katholizismus leben, wo immer sie sind. Dann werden sich auch wieder mehr Männer finden, die auf den Ruf zum Priesteramt hören.

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Mir zum 59. Geburtstag

 Ein neues Jahr – ich kann nicht einmal ahnen,
 Was es mir bringen, was es fordern wird.
 Ich lebe, das ist viel. Mein Guter Hirt
 Wird, wie schon immer, einen Weg mir bahnen.
 
 Er wird nicht jeden Stein beiseite räumen
 Und nicht die Disteln und die Nesseln mähen.
 Doch wird Er Bäume pflanzen, Blumen säen,
 Und Beeren werden manches Wegstück säumen.
  
 Ich hab von meiner Zukunft keine Ahnung.
 Doch hoff ich, auf die Disteln nicht zu treten,
 Und will mich über ihre Blüten freuen.
  
 Was Gott mir schickt, ob Segen oder Mahnung,
 Ich will voll Dank und Liebe zu Ihm beten.
 Mit Ihm muss ich vor nichts und niemand scheuen.

© Claudia Sperlich
 
 
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Atheistisches Kommando

Warum glauben eigentlich viele Menschen – meiner Erfahrung nach in der Überzahl Männer -, durch Kommandos andere Menschen in ihre (aus ihrer Sicht also in die einzig wahre) Spur zu bringen? Und warum neigen aggressive Atheisten so zum Missionieren?

Unvergesslich sind mir die Männer, die mir auf dem Marsch für das Leben den Weg versperrten und mich zum Schweigen aufforderten, in der ausdrücklichen Absicht, die Freiheit der Frau zu verteidigen. Ein anderer stand am Rand und rief den Teilnehmern geradezu flehentlich zu: „Verlasst die Kirche!“ Ich bin rückblickend ziemlich sicher, daß sie von dem Wunsch getrieben waren, mich armes, von Papisten geknechtetes Weiblein in die Freiheit ihres strahlenden Atheismus zu führen. Danke, lieb gemeint!

Kürzlich auf Facebook dann diese auf den Titel meines Blogs bezogene Ansage, selbstverständlich von einem Manne: „Eine Frechheit, das Wort „logisch“ zu benutzen! Religionen sind das Unlogischste überhaupt! Es sind Lügen, denn es gab nie Götter! Austreten jetzt!“ Hier wird mir also erst Frechheit (also die mutwillige falsche Verwendung des Wortes „logisch“) vorgeworfen, dann der strenge Befehl zum Kirchenaustritt ausgesprochen (weil ich armes, gehirngewaschenes Weiblein es ja nicht anders verstehe).

Es gäbe noch unzählige Beispiele. Religion ist für viele Menschen etwas Unbekanntes, das man zu hassen und zu fürchten hat und vor dem man die Welt befreien muss. Religion – und insbesondere das Christentum – hat für zahlreiche Atheisten den Platz des Teufels eingenommen, exorziert wird durch stimmgewaltige Befehle. „Austreten jetzt!“ ist die atheistische Übersetzung von „Apage Satanas!“ Der Unterschied ist nur, daß der katholische Exorzist sehr genau weiß, wofür und wogegen er ist.

Liebe Religionsfeinde (ich nenne Euch nicht „Religionskritiker“, denn Kritik setzt sich mit der Sache auseinander), Ihr seid naiv, wenn Ihr glaubt, durch Befehle den Glauben anderer erschüttern zu können. Ihr seid größenwahnsinnig, wenn Ihr andere nach Eurem Bilde formen wollt. Ihr seid chauvinistisch, wenn Ihr anderen die Freiheit des Glaubens und der Rede entziehen wollt.

Ihr seid die, für die ich nach dem Wort Jesu beten soll. Das tu ich gerne. Da könnt Ihr nix gegen machen, Ihr Nervensägen.

Disclaimer: Es ist mir klar, daß es aggressive Kommandierer nicht nur unter Atheisten gibt. Ebenso, daß es wundervolle, sanftmütige Männer gibt – ich kenne deren mehrere. Ebenso, daß Religionen auch mißbraucht werden. Aber das ist nicht das Thema dieses Artikels.

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Sieben Thesen und warum ich sie ablehne.

Die neueste Aktion von Maria 2.0 bestand in einem „Thesenanschlag“. Die Initiative schreibt dazu:

Neuer Thesenanschlag nach 500 Jahren

Wir hängen unsere Thesen für eine lebendige Kirche an Dom- und Kirchentüren. Mit diesem Thesenanschlag im gesamten Bundesgebiet weisen wir auf die eklatanten Missstände in der katholischen Kirche hin und untermauert damit unsere Forderungen nach Reformen hin zu einer zukunftsfähigen, geschwisterlichen und vielgestaltigen Kirche. … An alle Menschen, die guten Willens sind!

Vorab: Luthers Thesenanschlag an genau einer Kirchentür war zunächst gar nichts Besonderes. Es war üblich, daß theologische Thesenpapiere auf diese Weise veröffentlicht wurden. Damit wurden Thesen zur Diskussion gestellt, nicht mehr und nicht weniger. Heute, in Zeiten der sehr preisgünstigen Produktion von Drucksachen, mehr noch, in Zeiten des Internet, hat man für die Diskussion von Thesen praktischere Mittel, und ein Thesenanschlag dieser Art wirkt antiquiert. Spätestens wenn er dann fleißig photographiert, hochgeladen, geliked und geteilt und besonders revolutionär gefunden wird, wirkt die Aktion auch komisch.

Luthers Thesenanschlag leitete die Kirchenspaltung ein, auch wenn Luther das zunächst nicht wollte. Wer eine solche Aktion fünfhundert Jahre später vollführt und sich auf Luther bezieht, kann nicht ehrlich behaupten, die Einheit der Kirche zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund ist die Adresse „An alle Menschen, die guten Willens sind“ eine Frechheit gegenüber all denen, die guten Willens durch Wort, Gebet und Tat die katholische Kirche unterstützen. An die scheint sich das Papier nämlich nicht zu richten. Aber ich will dennoch gutwillig auf alle sieben Thesen antworten.

1. #gerecht – gleiche Würde – gleiche Rechte

In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Denn Menschenrechte und Grundgesetz garantieren allen Menschen gleiche Rechte – nur die katholische Kirche ignoriert das. Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche.

Mit der Taufe haben alle Christen eine unauslöschliche Würde, die sie allerdings selbst negieren können, wenn sie sich von der Gemeinschaft der Christen abwenden. Das bedeutet: Unabhängig von allen äußeren und inneren Merkmalen, Eigenschaften, Umständen ist ein getaufter Mensch Gottes Kind. In keiner anderen Organisation oder Gruppierung, ob Familie, Staatswesen, Verein oder was auch immer, wird das mit gleicher Absolutheit gesagt wie in der Katholischen Kirche, z.B. im Katechismus, Teil III, Abschn. 1, Kap. 1, Art. 1.

Das allgemeine Priestertum der Getauften ergibt sich bereits aus den Kurztexten zu vorgenanntem Artikel. Lumen Gentium II,10 erläutert den wesentlichen Unterschied zwischen allgemeinem Priestertum und Weiheamt:

Christus der Herr, als Hoherpriester aus den Menschen genommen (vgl. Hebr 5,1-5), hat das neue Volk "zum Königreich und zu Priestern für Gott und seinen Vater gemacht" (vgl. Offb  1,6; 5,9-10). Durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen  Geist werden die Getauften zu einem geistigen Bau und einem heiligen  Priestertum geweiht, damit sie in allen Werken eines christlichen  Menschen geistige Opfer darbringen und die Machttaten dessen verkünden,  der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat (vgl. 1  Petr 2,4-10). So sollen alle Jünger Christi ausharren im Gebet und gemeinsam Gott loben (vgl. Apg 2,42-47) und sich als lebendige, heilige, Gott wohlgefällige Opfergabe darbringen (vgl. Röm  12,1); überall auf Erden sollen sie für Christus Zeugnis geben und  allen, die es fordern, Rechenschaft ablegen von der Hoffnung auf das  ewige Leben, die in ihnen ist (vgl. 1 Petr 3,15). Das  gemeinsame Priestertum der Gläubigen aber und das Priestertum des  Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum, unterscheiden sich  zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander  zugeordnet: das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise  am Priestertum Christi teil. Der Amtspriester nämlich bildet kraft  seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und  leitet es; er vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer  und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar; die Gläubigen  hingegen wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der  eucharistischen Darbringung mit und üben ihr Priestertum aus im Empfang  der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen  Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe.

Warum genau es weder falsch noch ungerecht ist, daß es keine katholischen Priesterinnen gibt, erläutere ich hier auf Radio Horeb. Ich habe keine Lust, das hier noch einmal in anderen Worten auszuführen – in meinem Vortrag gebe ich Quellen an.

Männer und Frauen haben die gleiche Würde. Sie haben Aufgaben, die sehr oft gleich oder ähnlich sind und in einigen Punkten verschieden.

2. #partizipativ – gemeinsame Verantwortung

In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt. Denn der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten.

Christen haben, sobald sie eigenverantwortlich handeln können, auch die Pflicht, ihren gottgewollten Platz zu finden und auszufüllen. Christen sind dazu aufgerufen, zu dienen. Mit einem Dienst gehen immer auch bestimmte Befugnisse einher. Klerikalismus bedeutet, der Geistlichkeit einen Einfluss zu verschaffen, der ihr nicht zukommt. Die Geistlichen das tun zu lassen, was sie zu tun haben, ist kein Klerikalismus, sondern eine Selbstverständlichkeit. Amtsmißbrauch in der Kirche und anderswo hat seine Wurzeln in angemaßter Macht, nicht in tatsächlicher Befugnis. Daß z.B. die Arbeit der Putzfrau oder der Hymnendichterin als niedriger denn die Arbeit eines Geistlichen angesehen wird, ist in der Tat klerikalistisch, und darin ist seltsamerweise die Welt größer als die Kirche, und innerhalb der Kirche erfahre ich von der Geistlichkeit meist weit höheren Respekt für meine Arbeit als von Frauen vom Schlage Maria 2.0. (Gerechterweise muss ich hinzufügen: hochnäsiges Abwatschen kenne ich auch von männlichen Laien, sowohl aus dem Tradilager als auch von expliziten Kirchenfeinden. Standesdünkel gibt es leider häufig, nur gerade bei Priestern erlebe ich ihn so gut wie nie.)

Es geht im Priestertum genau wie im Christentum überhaupt um Dienst, nicht um Macht. Natürlich kann man sagen: finanziell stehen Priester in Deutschland recht gut da, und Geld gibt eine gewisse Macht. Allerdings sehe ich auch die liebevolle Großzügigkeit vieler Priester, und dann ist Deutschland ja nur ein sehr kleiner Teil der Welt. Die allermeisten katholischen Priester leben finanziell in sehr bescheidenen Verhältnissen. Die Macht von Priestern in Pakistan, Nigeria, China oder Saudi-Arabien ist marginal, der Dienst oft heldenhaft – und das Verständnis für diese sieben Thesen düfte dort gegen Null tendieren. Jede Frau, ob bei Maria 2.0 oder woanders in Deutschland, hat durch ihr Einkommen (selbst wenn es ALG II ist) mehr Macht als jene.

3. #glaubwürdig – respektvoller Umgang und Transparenz

In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft. Denn viel zu lange schon ist die katholische Kirche ein Tatort sexueller Gewalt. Kirchliche Machthaber halten immer noch Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.

Umfassende Aufklärung und Ahndung von Straftaten (ganz besonders, wo Menschen mißbraucht werden), Ursachenbekämpfung und Opferschutz sind zweifellos wichtig, und vieles liegt im Argen. Zu behaupten, die Kirche sei „ein Tatort sexueller Gewalt“, ist dennoch Unfug. Selbst angesichts der himmelschreienden Taten, die in jüngster Zeit aufgedeckt wurden, ist nicht „die Kirche“ als Ganzes Tatort (und am besten noch Täterin dazu), sondern es sind einzelnde Geistliche und einzelne Orte. Umfassende Aufklärung gibt es in meiner Heimat Berlin durchaus. Mir ist klar, daß hier noch viel zu tun ist. Aber zu behaupten, die ganze Kirche sei „viel zu lange schon Tatort“, ist unredlich. Mit dem gleichen Unrecht könnte man alle Familien und alle Sportvereine als „Tatorte“ bezeichnen.

4. #bunt – leben in gelingenden Beziehungen

Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. Denn die offiziell gelehrte Sexualmoral ist lebensfremd und diskriminierend. Sie orientiert sich nicht am christlichen Menschenbild und wird von der Mehrheit der Gläubigen nicht mehr ernst genommen.

Sexualität ist der katholischen Kirche so heilig, daß sie ihr ein eigenes Sakrament gibt. Der Katechismus Teil II, Abschn. 2, Kap. 3, Art. 7 erläutert anhand der Bibel die Bedeutung der Ehe. Ich weiß aus Erfahrung und Beobachtung, daß es viel Herzeleid erspart, wenn man sich schlicht an die katholische Sexuallehre hält. Jesus hat das Verbot des Ehebruchs bestätigt und zugleich deutlich gemacht, daß Er Barmherzigkeit will (Joh. 8,2-11). Aber Barmherzigkeit heißt eben nicht „mach weiter so“ – sondern gibt eine Chance, besser, also richtiger, zu leben als vorher.

Wenn die Mehrheit der Gläubigen das nicht mehr ernst nimmt, liegt das an mangelnder Katechese – nicht etwa an Mängeln in der Heiligen Schrift. „Bunt“ steht hier für „beliebig“ – und das kann die Kirche nicht sein, wenn sie von irgendjemandem noch ernst genommen werden will. Sie kann es nach ihrem Selbstverständnis nicht sein, weil Gottes Wort nicht beliebig ist.

5. #lebensnah – ohne Pflichtzölibat

In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes. Denn die Zölibatsverpflichtung hindert Menschen daran, ihrer Berufung zu folgen. Wer diese Pflicht nicht einhalten kann, lebt oft hinter Scheinfassaden und wird in existentielle Krisen gestürzt.

Die Berufung zum Priesteramt geht an Menschen, die zum Priesteramt fähig sind. Das sind in den meisten Fällen unverheiratete Männer; es hat allerdings seit der verbindlichen Einführung des priesterlichen Zölibats schon Ausnahmen gegeben – spätberufene Witwer und in jüngerer Zeit zur katholischen Kirche konvertierte ehemals evangelische Pfarrer mit Familie. Warum man von einem „Pflichtzölibat“ gar nicht sprechen kann und warum der Zölibat sinnvoll ist, habe ich hier erklärt.

6. #verantwortungsvoll – nachhaltiges Wirtschaften

Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht. Denn Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger haben das Vertrauen in die Kirche tiefgreifend erschüttert und schwinden lassen.

Teilweise Zustimmung. Prunk und Pracht sind für Gott – und zur Freude des Gottesvolkes. Ich möchte den Petersdom nicht schlichter haben, und ich möchte auch weiterhin, daß die Kirche Künstler zu Gottes Ehre beschäftigt, aber nicht nur für Gotteslohn. Dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung sind übel und müssen aufgeklärt, geahndet und künftig möglichst verhindert werden. Allerdings ist hier wieder ein unschöner Unterton, als seien diese Dinge ganz typisch für die Kirche. Tatsächlich sind sie typisch für die gefallene Menschheit, wie Sünde halt überhaupt. Es bedarf vieler Gebete und großer Wachsamkeit, mit Geld verantwortlich umzugehen – aber die Kirche, die an so vielen Orten in so vielen Situationen auch mit Geld hilft, verdient im Ganzen dennoch Vertrauen.

7. #relevant – für Menschen, Gesellschaft und Umwelt.

Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs. Denn die Kirchenleitung hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Sie schafft es nicht, sich überzeugend Gehör zu verschaffen und sich im Sinne des Evangeliums für eine gerechte Welt einzusetzen.

Ihr glaubt der Kirche nicht mehr. Ihr sagt in sechs Punkten, daß „unsere Kirche“ (also Eure) alles endlich mal richtig machen wird, und sprecht der Katholischen Kirche deshalb die Glaubwürdigkeit ab, weil Ihr nicht mehr an sie glaubt. Aber die Kirche, die Ihr ablehnt, ist von Jesus Christus gegründet auf das Fundament der Apostel, und weder die Mächte der Unterwelt noch ein Heer von Frauen, die die Allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria updaten wollen, werden die Kirche überwältigen.

Ich als Christin und Sünderin liebe die Katholische Kirche, die ich „meine“ nenne, obwohl sie nicht mir gehört (sondern ich ihr). Ich bin traurig über ihre Verfehlungen, freue mich an ihrer Wahrheit und Ewigkeit und bleibe ihr treu. Maria verehre ich in der ursprünglichen Version, ohne Update.

Am Fest St. Matthias, anno Domini 2021

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Eucharistie!

Über Quelle und Gipfel unseres Glaubens habe ich schon öfter geschrieben, z.B hier und hier. Das Eucharistie- bzw. Abendmahlsverständnis verschiedener Konfessionen unterscheidet sich teilweise gravierend, teils nur wenig – dennoch ist eine interkonfessionelle Mahlgemeinschaft nicht möglich, schon weil man damit die Überzeugung der je anderen Konfession nicht ernst nehmen dürfte. Dies vorausgeschickt, schreibe ich über die Eucharistie aus katholischer Sicht; der geneigte Leser wird mir zugestehen, daß ich diese Sicht für die beste halte.

In Joh. 6,32-59 kündigt der Herr in der Synagoge von Kafarnaum bereits an, daß Er sich im Wortsinn verzehren lassen wird. Dem Unverständnis einiger Jünger begegnet Er mit einer Ankündigung Seiner Himmelfahrt – und daraufhin haben einige endgültig genug von der Jüngerschaft. Petrus spricht aber für den Kreis der Zwölf – es gibt für sie gar keine andere Möglichkeit, als Jesus, dem Messias, zu folgen.

Die Einsetzungsberichte finden wir bei den Synoptikern und im Brief an die Korinther. Jesus Christus sagt eindeutig: Das Eucharistische Brot ist Sein Leib, der Eucharistische Wein ist Sein Blut. Paulus hat die Eucharistie als regelmäßigen Ritus kennengelernt und betont Bedeutung und Würde der Eucharistie in einer kleinen Katechese (1 Kor. 11,26-34). Wenn wir Jesus Christus und dem Neuen Testament vollkommenen Glauben schenken, können wir gar nicht anders als die Eucharistie als Christi Fleisch und Blut verstehen – als den lebendigen Gott in Gestalt von Brot und Wein.

Johannes schweigt über das Paschamahl (von der erwähnten Ankündigung abgesehen). Dafür beschreibt er (Joh. 13,1-20) als einziger die anschließende Fußwaschung, bei der der Herr sich zum Knecht der Apostel macht. Er belehrt Petrus über die Notwendigkeit dieser Zeichenhandlung und darüber, daß sie in genau dieser Form vollständig ist, und Er macht deutlich: In dieser Weise sollen alle Jünger ihren Nächsten dienen.

Wir werden von Gott mit Gott gestärkt, um dann unseren Mitmenschen (und Ihm, den wir im leidenden Nächsten erkennen sollen) dienen zu können. Aber die Eucharistie ist nicht bloß Stärkung zum Dienst, Mahlzeit für die Arbeiter. Wir haben in ihr innigste Gemeinschaft mit Gott. Gott kehrt die Verhältnisse um, Er liefert sich uns aus, macht sich zerbrechlich, riskiert, daß Sein Leib und Blut zerstört und verschüttet wird (und genau das ist ja am Kreuz geschehen). Er bleibt über Tod, Auferstehung und Himmelfahrt hinaus sinnlich wahrnehmbar, greifbar und doch unbegreiflich.

Der unendliche Gott wird nicht vermehrt (obwohl seit Beginn der Christenheit tonnenweis Hostien und Wein konsekriert wurden) und nicht vermindert (obwohl die Hostien gegessen werden, der Wein getrunken wird), Er wird auch nicht verändert (obwohl leider neben Fehlern aus Ungeschick oder Unwissen auch Hostienfrevel vorkommen). Er ist und bleibt Gott.

Man kann dennoch nicht sagen, daß es Gott „nichts ausmacht“, wenn die Eucharistie ohne Ehrfurcht oder unvorsichtig behandelt wird. Er will ja unser Heil, dazu ist über allem die Eucharistie da. Es macht Ihm sehr wohl etwas aus, wenn Seine Kinder sich gegen das Heil wehren. Väter und Mütter schauen ja auch nicht achselzuckend zu, wenn das Kind etwas zugleich Dummes und Gefährliches tut.

Gott wandelt durch die Worte des Priesters Brot und Wein in sich selbst und liefert sich uns aus. Vor diesem Wunder, dieser Hingabe kann ich nur staunen und beten. Gott nährt mich mit sich selbst! Im Tabernakel lässt Er, der immer und überall da ist, sich in Brotgestalt aufbewahren, ist leiblich anwesend. In der Monstranz lässt Er sich betrachten. Die Anbetung vor dem Tabernakel, die noch intensivere Anbetung vor dem sichtbaren Herrn in der Monstranz, ist meine tägliche Kraftquelle, meine seelische Stärkung, oft auch körperlich spürbar. Selbst wenn ich fahrig und innerlich mit hundert anderen Dingen beschäftigt bin und mir echte Anbetung nicht gelingen will, werde ich durch das bloße Verharren vor dem Tabernakel ruhiger und froher.

Die Wahrheit der Wandlung wird manchmal wunderbar bestätigt. Der erst 15jährig an Leukämie verstorbene Selige Carlo Acutis hat bereits mit elf Jahren eine Internetseite über Eucharistische Wunder erstellt. Noch wichtiger, er konnte anderen Jugendlichen das Eucharistieverständnis vermitteln, war selbst voll Liebe und Begeisterung für den Herrn. Er nannte die Eucharistie seine „Autobahn zum Himmel“.

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