Weil das Schwache kostet

Das Parlament des Kleinstaates Pavoralia hat seinen jüngsten Beschluss in beispielloser Einigkeit gefasst. Der Vorsitzende der Regierungspartei SIPP (Sozialistische Internationale Partei Pavoralia), Timor Injust, die Ministerin für Soziales, Sozija L’Arbète, Gesundheitsminister Odiose sowie der Minister für Finanzen, Avidus Penunz, stimmten einhellig für den Gesetzesentwurf, nach dem die Untersuchung von Embryonen auf das Down-Syndrom standardmäßig Teil der Vorsorgeuntersuchungen sein soll. Auch der Minister für Kulturelle Angelegenheiten, Plumbëus, stimmte dafür, was insofern einen historischen Moment bedeutet, als Plumbëus sich bislang bei jeder Abstimmung der Stimme enthielt. [Anmerkung: In Pavoralia kursiert der Witz: „Wie wird man eigentlich Kultusminister? – Das darf einen nicht interessieren!“]

Minister Avidus Penunz sagte in einem Kurzinterview: „Die Gesellschaft darf sich nicht durch Sentimentalitäten dazu nötigen lassen, leidende und unproduktive Menschen über viele Jahrzehnte hin zu finanzieren.“ Er hatte dabei übersehen, daß die Interviewerin Martha Jukunda, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin, selbst vom Down-Syndrom betroffen ist. Auf ihre anschließende Frage „Bis zu welcher Höhe sind Kosten für einen Menschen vertretbar?“ brach er das Interview ab.

Bischof Beat Agnellus sagte am heutigen Sonntag in einer ungewöhnlich scharfzüngigen Predigt, der Konsens im Parlament selbst mit dem Kultusminister sei geradezu eine Bestätigung seiner früheren ständigen Stimmenthaltungen: „Wer alles in Geldwert misst, der wird Behinderte nur als Kostenfaktor wahrnehmen. Wer alles egal findet, dem ist am Ende das Leben der Schwachen auch egal.“ Anschließend rief er für kommenden Samstag zu einer Sühnenacht in der pavoralianischen Kathedrale Ss. Marinus und Arianus auf. Dem Aufruf schloss sich Clemens Fortis an, der Vorsitzende der Lebensrechtsbewegung „Vivat Vita“.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Weil das Schwache kostet

  1. akinom schreibt:

    Politik, Wirtschaft und Theologie ohne Beachtung der 10 Gebote begehen in ihrem Hochmut die Sünde wider den Heiligen Geist und werden keine Zukunft haben.

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