Atheistisches Kommando

Warum glauben eigentlich viele Menschen – meiner Erfahrung nach in der Überzahl Männer -, durch Kommandos andere Menschen in ihre (aus ihrer Sicht also in die einzig wahre) Spur zu bringen? Und warum neigen aggressive Atheisten so zum Missionieren?

Unvergesslich sind mir die Männer, die mir auf dem Marsch für das Leben den Weg versperrten und mich zum Schweigen aufforderten, in der ausdrücklichen Absicht, die Freiheit der Frau zu verteidigen. Ein anderer stand am Rand und rief den Teilnehmern geradezu flehentlich zu: „Verlasst die Kirche!“ Ich bin rückblickend ziemlich sicher, daß sie von dem Wunsch getrieben waren, mich armes, von Papisten geknechtetes Weiblein in die Freiheit ihres strahlenden Atheismus zu führen. Danke, lieb gemeint!

Kürzlich auf Facebook dann diese auf den Titel meines Blogs bezogene Ansage, selbstverständlich von einem Manne: „Eine Frechheit, das Wort „logisch“ zu benutzen! Religionen sind das Unlogischste überhaupt! Es sind Lügen, denn es gab nie Götter! Austreten jetzt!“ Hier wird mir also erst Frechheit (also die mutwillige falsche Verwendung des Wortes „logisch“) vorgeworfen, dann der strenge Befehl zum Kirchenaustritt ausgesprochen (weil ich armes, gehirngewaschenes Weiblein es ja nicht anders verstehe).

Es gäbe noch unzählige Beispiele. Religion ist für viele Menschen etwas Unbekanntes, das man zu hassen und zu fürchten hat und vor dem man die Welt befreien muss. Religion – und insbesondere das Christentum – hat für zahlreiche Atheisten den Platz des Teufels eingenommen, exorziert wird durch stimmgewaltige Befehle. „Austreten jetzt!“ ist die atheistische Übersetzung von „Apage Satanas!“ Der Unterschied ist nur, daß der katholische Exorzist sehr genau weiß, wofür und wogegen er ist.

Liebe Religionsfeinde (ich nenne Euch nicht „Religionskritiker“, denn Kritik setzt sich mit der Sache auseinander), Ihr seid naiv, wenn Ihr glaubt, durch Befehle den Glauben anderer erschüttern zu können. Ihr seid größenwahnsinnig, wenn Ihr andere nach Eurem Bilde formen wollt. Ihr seid chauvinistisch, wenn Ihr anderen die Freiheit des Glaubens und der Rede entziehen wollt.

Ihr seid die, für die ich nach dem Wort Jesu beten soll. Das tu ich gerne. Da könnt Ihr nix gegen machen, Ihr Nervensägen.

Disclaimer: Es ist mir klar, daß es aggressive Kommandierer nicht nur unter Atheisten gibt. Ebenso, daß es wundervolle, sanftmütige Männer gibt – ich kenne deren mehrere. Ebenso, daß Religionen auch mißbraucht werden. Aber das ist nicht das Thema dieses Artikels.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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9 Antworten zu Atheistisches Kommando

  1. Daniel Schröder schreibt:

    Ich entschuldige mich im Name aller vernünftigen Atheisten für die dämlichen Kommentare und die übertriebenen Aussagen, die genau wie diejenigen auf der Seite religiöser Eiferer jeden Diskurs und Progress zwischen den Lagern behindern. Man sollte immer zivilisiert miteinander reden können, und wenige faule Eier machen oft den meisten Stunk und verhindern das so. Schade.

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  2. Muriel schreibt:

    Kritik haben die atheistischen Bewegungen zu einem großen Teil sehr verdient. Aber hast du denn nicht zumindest den Anspruch, es dann selbst auch besser zu machen?
    Halbwegs treffend, ohne Ableismus, und so, wären meine Vorschläge dazu.
    Es gibt so viel, was man Atheist*innen vorwerfen kann, gerade auch ihren bekannten Vertreter*innen. Wollen wirs anpacken?

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Den Anspruch habe ich – und meiner Ansicht nach habe ich ihn in diesem Artikel erfüllt. Ich werfe niemanden vor, etwas nicht zu können (das wäre absurd), sondern ich sage, was meiner Ansicht nach schuldhaft (nämlich in Form ganz und gar vermeidbarer Pöbelei und Verachtung) von jener Seite kommt.
      Ich möchte allerdings, trotz dieses Postings, nicht allzuviel Energie verwenden, irgendwem irgendetwas vorzuwerfen. Lieber versuche ich, eine bessere Christin zu werden als ich jetzt bin – und damit habe ich schon eine ganze Menge zu tun.

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      • Muriel schreibt:

        Mit dem Stichwort Ableismus dachte ich konkret an den „Größenwahnsinn“. Und tatsächlich wundert mich an deinem Blog immer wieder (Feedly spülts mir rein, ich habs nicht mal abonniert, aber es trifft immer mal wieder Begriffe, denen ich folge), wie wütend und daneben es hier oft gegen Atheist*innen geht. Es gibt ja wie gesagt sogar in meinen sehr religions- und insbesondere christentumsfeindlichen Augen echt eine Menge, worüber man am organisierten Atheismus wütend sein kann, aber …
        Ach naja, ich will dich jetzt auch nicht volllabern mit Sachen, die dich nicht interessieren, aber ich wundere mich halt, gerade weil du ja diesen Anspruch öfter mal implizit und explizit erwähnst.

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  3. akinom schreibt:

    Wir leben in apokalyptischen Zeiten:“ Wird der Menschensohn, wenn er kommt Glauben finden auf Erden?“ Leben und bezeugen wir wie die Bloggerin den Glauben an den, der Weg, Wahrheit und Leben ist!

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  4. Herr S. schreibt:

    Ich kann sehr wohl verstehen, dass Sie sich hier auf Ihrem Blog gelegentlich auch mal Luft machen, wenn man Sie, Claudia Sperlich, von gegnerischer Seite (und das sind nicht nur Atheisten sondern auch bestimmte innerkirchliche Gruppierungen und Aktivisten) allzu sehr bedrängt und gar gekränkt hat.

    Es ist Ihr unbestrittenes und gutes Recht, hier in Ihrem ureigenen blog öffentlich darauf zu antworten – es wird ja schließlich niemand dazu gezwungen hier heteinzuschauen wie z. B. Muriel, der es aber natürlich auch nicht verwehrt sei.

    Allerdings ist im Blog „Katholisch. logisch“ nun einmal allein Frau Sperlich die Hausherrin – und nur sie allein bestimmt, was und wie sie hier schreibt und auch, wer hier zu Wort kommen darf und wer nicht.

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  5. Hischam schreibt:

    Atheisten sind häufig auch deshalb so aggressiv, weil sie sich häufig wesentlich weniger als einige religiöse Menschen ihrer subjektiven Denkvoraussetzungen bewusst sind. Sie glauben also, sie vertreten objektives Wissen und klare Fakten. Und der Wahn, diese erkannt zu haben, enthemmt offensichtlich leider viele Menschen. Nur haben sie diese angeblichen oder wirkliche Fakten eben auf subjektive Weise verarbeitet, ohne sich dessen bewusst zu sein. Zumindest bei einigen Religiösen ist das Bewusstsein eigener Subjektivität etwas erhöht.
    Leider nicht bei allen. In der Masse sehe ich das Problem eher bei den Religiösen … auch bei den Katholiken … Übrigens nicht nur ein Problem der Konservativen, sondern auch kirchlicher Pseudo-Liberaler. Aber das Problem ist nicht die Religion oder der Atheismus, sondern die Suggestion, die Pseudo-Fakten auf schwache Gemüter ausüben. Und die gibt es überall .. sowie es auch weise Menschen überall gibt.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Willkomen, Hischam.
      Nun, ob man sagt „Ich bin von dieser Sache aus den und den Gründen überzeugt, auch wenn ich sie nicht in wissenschaftlicher Weise letztgültig begründen kann“ oder ob man sagt „Ich bin von dieser Sache überzeugt und jeder, der das nicht bejaht, ist ein Esel“ sind halt zwei verschiedene Paar Schuhe. Und das zweite Paar ziehen sich meiner Erfahrung (die ich nicht als empirische Erkenntnis bezeichnen will) recht viele Atheisten an.

      Das hat leider zur Folge, daß ich im Gegenzug immer weniger bereit bin, auf atheistischer Seite Klugheit, Sanftmut und Anstand vorauszusetzen. Was natürlich wiederum mein Fehler ist. So hat eine Unart die andere zur Folge.

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