Zum Josephstag

Melodie: Alles meinem Gott zu Ehren, GL 455

Wort, das in die Welt gekommen
durch des Geistes Kraft und Tat,
Dich hat Joseph aufgenommen
väterlich nach Gottes Rat,
sah auf Deine ersten Schritte,
lehrte Lobpreis Dich und Bitte,
lehrte Handwerk Dich und Fleiß
väterlich zu Gottes Preis.

Joseph hört auf Gottes Worte,
bringt in jener Schreckenszeit
aus gewohntem Heimatorte
Frau und Kind in Sicherheit,
hütet aller Welten Hüter,
nährt den Geber aller Güter,
dient dem jungen Gottesknecht
treu und liebend und gerecht.

Joseph, bitt, daß Gottes Segen
auch auf unsrer Arbeit ruht.
Hilf, daß wir für Den uns regen,
Der die Wahrheit ist und tut.
Zeig uns, wie wir in Gefahren
Ruhe und Vertrauen wahren.
Du hast Gottes Sohn bewacht –
Steh uns bei in Not und Nacht.

© Claudia Sperlich
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Flieg, Odessa, auf blau-goldnen Flügeln!

Am 13. März 2022 gaben Chor und Orchesterder Oper von Odessa ein Freiluftkonzert, das seitdem durchs Internet geht. Hier der Gefangenenchor „Va pensiero“ aus Verdis Nabucco.


Das Libretto schrieb Temistocle Solera. Ich weiß nicht mehr, warum ich mich gerade im Oktober 2007 mit genau diesem Lied so beschäftigte – jedenfalls habe ich es damals mit Hilfe meiner Lateinkenntnisse, eines italienisch-deutschen Wörterbuches und der englischen wörtlichen Übersetzung auf einem Forum in eine singbare (mithin nicht ganz wörtliche) Übersetzung gebracht. Heute widme ich diese Übersetzung den Ukrainern – insbesondere jenen, die jetzt in Deutschland ankommen und sich mit unserer schwierigen Sprache auseinandersetzen müssen.

Flieg, mein Sinnen, auf goldenen Flügeln,
laß dich nieder auf Hügeln, auf Bergen,
süße Lüfte der heimischen Erde
geben warmen und lieblichen Duft!

Grüß des Jordans verlassene Ufer,
und auch Zions zerschlagene Türme.
Oh mein Heimatland, schön und verloren,
oh Gedenken so elend und so wert!

Goldne Harfe prophetischer Sänger,
warum hängst du so stumm an der Weide?
In die Herzen ruf uns die Erinnrung,
daß sie spricht von vergangener Zeit!

Oh wie Salomo einst sein Geschick sang,
gib ein Tönen von dir rauher Klage.
Es erwecke der Herr deinen Wohlklang,
der durchdringe voll Liebe unser Leid!

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

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Frieden der Ukraine!

Gib Deinen Frieden, Herr, der Ukraine,
Gib Deinen Frieden auch der ganzen Welt!
Daß unter blauem Himmel reifes Feld
Zu Brot und Hostie allen Menschen diene!

Durch angemaßte Macht, durch Stolz und Geld
Rotiert von neuem Satans Kriegsmaschine:
Gewehr, Rakete, Panzer, Bomber, Mine
Und Menschen sind in seinen Dienst gestellt.

Um Abwehr und Verteidigung zu schaffen,
Sind wieder nötig Waffen über Waffen,
Solang Gespräche keinen Frieden bringen.

Herr Jesus, Du nur kannst den Krieg beenden,
Nur Du kannst diese Zeit zum Guten wenden.
Herr Christus, lass den Frieden doch gelingen!

© Claudia Sperlich

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Fastenprojekt: keine Lebensmittel kaufen

… und auch sonst möglichst wenig.

Wie sollte das klappen? Klar, ich könnte „an das Eingemachte“ gehen. Das geschieht in sehr geringem Maß – in dem geplanten. Sauer eingelegte Zwiebeln und dito Eier sind dafür gemeint, an Sonn- und Feiertagen nach und nach vernascht zu werden. Ich habe zudem einen Vorrat an Linsen, Haferflocken, Nudeln usw., der eine Weile reicht. Hafermilch (die ich als leichte Alternative zu Milch sehr gerne mag) habe ich nur noch zwei Liter; Nudeln und passierte Tomaten waren bereits in der ersten Fastenwoche an ein Ende gelangt – nachgekauft wird nicht.

Essenrettung ist eine Möglichkeit, gute Nahrungsmittel vor dem Wegwerfen zu retten. Jeden Samstagabend stehen Freiwillige in Berlin und geben gerettete Lebensmittel aus. Das ist für mich der „Wocheneinkauf“ – für den ich keinen Cent ausgebe. Nun ist diese Ausgabestelle 17 Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Andere Ausgabestellen sind nicht für jedermann, sondern für besonders Bedürftige, also muss dieser Weg schon sein. Allerdings wohnen ganz nahe der Ausgabestelle liebe Freunde, die ich ohnehin jeden Samstag besuche. Die Arbeit ist also nur, zwei Packtaschen und einen Rucksack voll Essen (Brot, Brötchen, Obst, Gemüse, ein paar Milchprodukte und manchmal Wurst) nach Hause zu transportieren.

Auf halben Weg liegt die Bahnhofsmission. Da ich oft große Mengen an Mandarinen bekomme, fahre ich dort noch kurz vorbei und gebe etwas ab. (Mandarinen kommen dort immer sehr gut an. Obdachlose brauchen dringend Vitamine – und Mandarinen kann man auch bei sehr schlechtem Zahnstatus essen.) Dann geht es nach Hause, die Sachen einräumen und Abendbrot machen.

Die Essenrettung mache ich so fast jede Woche, unabhängig von der Zeit im Kirchenjahr. Aber außerhalb der Fastenzeit kaufe ich trotzdem auch Essen ein. Brot backe ich in der Regel selber. Nun aber das Fastenprojekt: Nichts Essbares kaufen!

Ganz hat es nicht geklappt. In der ersten Fastenwoche war das Olivenöl leer. Ich überlegte eine Weile, ob ich auch darauf verzichten und nur noch das Rapsöl nehmen sollte, das ich zum Braten nehme. Aber da sträubte ich mich. Also Olivenöl! Und am Gründonnerstag ist der Einkauf für Ostern dran – eindeutig nur für Ostern, davon wird vorher nichts angebrochen.

Ich versuche auch, nicht an die eingemachten Suppen zu gehen. (Ich habe im Februar massenweis gute Suppen gekocht und eingemacht, eingedenk der Mahnung von Katastrophenschutz und klugen alten Frauen, man brauche im Katastrophenfall einen Vorrat für zehn Tage, den man notfalls kalt Strom essen kann. Rohe Linsen und Nudeln sind da ungeeignet.)

Wenn das Brot schon am Donnerstag aufgegessen ist, kann man Freitag und Samstag Porridge zum Frühstück essen. Schmeckt gut und macht satt und warm.

Montags bis Samstags gibt es in der Regel nichts Tierisches und keinen Süßkram. Das möchte ich gerne so beibehalten – war schon mal dabei und hatte dann die Disziplin verloren. Sonn- und feiertags ist alles möglich. Falls es bei der Abholung mal weder Wurst noch Käse gibt, kann ich darauf in der Fastenzeit entweder einfach mal verzichten oder auf eine der Thunfischdosen zurückgreifen (davon habe ich mehr als es Fastensonntage gibt). Eingelegte Eier sind mir sicher (und sehr, sehr lecker). Und wenn ich sonntags Lust auf Süßkram habe? Süßes Joghurt oder selbstgemachtes Popcorn mit Zucker ist lecker.

Beim Essen von der Abholung muss man schauen, was möglichst schnell verarbeitet werden muss. Da kann es durchaus sein, daß ich einen großen Topf Gemüsesuppe mache und davon mehrere Tage esse (oder, außerhalb der Fastenzeit, einen Teil einwecke). Falls Brötchen hart werden, kann man sie zu Auflauf oder Brotsuppe (herzhaft oder süß) oder zu Semmelbröseln verarbeiten. Immer aber ist es möglich, sich auf diese Weise gut und gesund zu ernähren. Auch ein durchaus festliches Mahl am Sonntag ist möglich (heute: Salat, Kartoffel-Pilz-Pfanne, Joghurt mit Banane – bis auf Öl, Essig und Salz alle Zutaten aus der Essenrettung).

Klar, nach Ostern werde ich einiges an Grundnahrungsmitteln wieder kaufen müssen. Aber bis dahin sollte es langen, zumal ich bei der Essenrettung eine Menge Kartoffeln bekomme.

Gewinn: Essen vor dem Verderb retten, Haushalten und Disziplin lernen, Obdachlosen zu Obst verhelfen, Geld sparen (nicht nur in der Fastenzeit: um es wenigstens teilweise zu spenden), dankbarer werden.

Und weil nach den Rezepten sicher gefragt wird:

Saure Zwiebeln
Im Prinzip wie die teuren Borettane-Zwiebeln, nur billig. Nicht zu große Zwiebeln (ich mache das mit ganz gewöhnlichen Zwiebeln, wie man sie normalerweise in der Küche hat) schälen, aber nicht schneiden, in einen Topf legen, knapp mit Wasser bedecken und etwa 15-20 Minuten lang kochen.
Inzwischen eine Lake machen aus 1 Teil Balsamico-Essig, 1 Teil Wasser, etwas Salz, etwas mehr Zucker, evtl. Pimentkörnern oder was einem sonst einfällt. Aufkochen.
Zwiebeln abgießen und in Schraubgläser oder Weckgläser legen. Gläser mit kochendem Sud füllen, verschließen, einige Minuten umgedreht stehen lassen. Dann mindestens zwei Wochen lang ungeöffnet stehenlassen. 

Saure Eier
Eier hartkochen. Inzwischen reichlich Gemüse (Paprika oder Pilze oder eine Mischung daraus sind gut geeignet, frische Kräuter ebenfalls) in Streifen schneiden (bzw. Kräuter möglichst erkennbar lassen). Sud aus 1/2 Liter Essig (Sorte nach Wahl, hier darf man experimentierfreudig sein), 1/2 Liter Wasser, 1 Esslöffel Salz, 3 Esslöffel Zucker, Gewürze nach Belieben (Vorschläge: Piment oder Koriander oder Pfeffer). Eier pellen. In die Gläser erst eine Schicht Gemüse, dann 2-3 Eier, dann wieder Gemüse, wieder Eier usw.; mit Gemüse abschließen. Kochenden Sud drüber und weiter wie bei den Zwiebeln. Eier vertragen gut, noch länger zu ziehen.

Mit sauberem Löffel entnehmen. Was drinbleibt, hält sich weiter, solange es von Sud bedeckt ist. Der Sud aus beiden Rezepten hält lange und eignet sich hervorragend als Suppengewürz. (Ganz simpel: 1 Kästchen passierte Tomaten, ebensoviel Wasser, knapp so viel Sud - dafür gehe ich dann auch von dem Prinzip "unter der Woche kein Zucker" mal ab.)
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Jesus und die Lebenswirklichkeit

Ich wurde aufgefordert, weitere Argumente gegen die Weihe von katholischen Priesterinnen und möglichst auch für die Gültigkeit der katholischen Sexualmoral zu nennen. Man habe, hieß es, meinen Vortrag gehört, mein Blog gelesen, kenne Bibel und Katechismus und die bestehenden Argumente, aber, so hieß es weiter, die langten nicht und ich möge weitere Argumente bringen.

Das werde ich nicht tun. Es bringt niemanden etwas, wenn ich Menschen, die die katholische Lehre unbedingt ablehnen wollen, wieder und wieder Argumente für dieselbe nenne. Ich verlinke hier auch nichts dergleichen; wer meine Argumente (genauer: die Sammlung und Erläuterung der längst bestehenden Argumente) finden will, findet sie.

Immer wieder lese ich in diesem Zusammenhang das Argument, Jesus sei „auf die Lebenswirklichkeit der Menschen zugegangen“ (natürlich, worauf denn sonst?) und deshalb müsse die kirchliche Lehre der Lebenswirklichkeit, die gerade im Schwange ist, angepasst werden.

Bitte? Jesus (Herr und Bräutigam der Kirche) als angepasster Typ, der alles abnickt? Mir fällt gerade keine größere Blasphemie ein. Jesus ging und geht auf die Lebenswirklichkeit der Menschen zu (einfacher: auf die Menschen, so wie sie sind), um sie aus dieser verkehrten, verkorksten, sündhaften Schein-Wirklichkeit zu befreien und ihnen Wege zum Leben in Gott zu zeigen. Wo es nötig ist, wirft er dazu auch Tische um.

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John Ogilvie

Hier berichtete ich vor einem Jahr über einen Heiligen, dessen die Kirche heute gedenkt – vor allem in Schottland, während er in Deutschland recht unbekannt geblieben ist. Inzwischen habe ich ihm auch einen Choral geschrieben.

Melodie: Deinem Heiland, deinem Lehrer 

Schottland lag in schweren Zeiten,
in der Konfessionen Streiten
wich der Glaube kalter Macht,
und die Kirche war zerrissen
und verfälscht das alte Wissen,
und geschwunden alte Pracht.

John Ogilvie auf der Reise
traf auf Männer, treu und weise,
die den Glauben ihn gelehrt.
Der Gesellschaft Jesu Lehrer
als Bekenner und Bekehrer
haben wahrhaft ihn bekehrt.

Alten Glauben zu erneuen
als ein Priester für die Treuen
fuhr er heim trotz der Gefahr.
Bald schon wurde er gefangen
und blieb, als sie in ihn drangen,
ungebeugt und herzensklar. 

„Besser für die Wahrheit sterben,
als des Königs Gunst erwerben!
Wahr bleibt wahr für alle Zeit!
Besser Gott die Ehre geben,
als in Trug und Irrtum leben!”
John Ogilvie war bereit.

„Eine Kirche, die ich ehre,
gibt uns eine wahre Lehre,
über sie verfügt ihr nicht!
Wollt ihr Herren mich zerbrechen,
kann ich auch nicht anders sprechen:
Christus nimmt mich ja in Pflicht.”

Unterm Galgen, auf der Leiter,
betete er segnend weiter
und verzieh dem Henker gern.
Sind wir untreu oder feige,
heilger John Ogilvie, zeige
uns den Weg zu Gott dem Herrn!

© Claudia Sperlich
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Wenn Erklärungen nicht fruchten

Ich werde auch weiterhin über den katholischen Glauben schreiben, auch erklären, was es damit auf sich hat. Allerdings wende ich mich damit nicht mehr an DBK und Synodalen Weg. Denn denen ist es – wie mir kürzlich die Reaktionen von DBK und anderen Synodalen auf meinen Artikel zum Gehorsam zeigte – vollständig wurst.

Zumindest wesentliche Teile der DBK sowie Laien, die intellektuell und praktisch (Bildung, Bücher, Computer, freier Zugang zu Unis und Bibliotheken) JEDE Möglichkeit haben, es selber zu lernen – und behaupten, das hätten sie schon getan, und den Synodalen Wech hochjubeln – haben an der Glaubenswelt lehramtstreuer Katholiken kein Interesse. Erklären hilft da nicht mehr, das kommt nicht an. Aber…

Mir fällt da eine Legende ein, ich glaube, ein literarisches Ding aus dem 19. Jh., aber dennoch gut.

Ein Ritter steht vor Gottes Richterstuhl, und es sieht wirklich schlimm aus für ihn. Eine Waagschale enthält seine Gewalttaten, Ehebruch, Suff, Lüge, Prahlerei, Kirchenferne. In der anderen liegt ein Schmetterling, den er als Knabe mal gefangen und dann wieder freigelassen hatte, weil er ihm leid tat.

In dieser Not wendet sich der Ritter an Maria.

Maria guckt sich die Sache an – und setzt sich in die Waagschale mit dem Schmetterling, worauf die mit den bösen Taten bei weitem überwogen ist.

(Nota bene: Das geht natürlich nur, wenn man sich ein hochbarockes Bildnis der Allerseligsten vorstellt. Mit El Greco klappt es nicht.)

Das nur so als Tip an die Synodalen, wenn es einst ans Eingemachte geht. Allerdings ist es ratsam, dann nicht nach der „Schwester auf Augenhöhe“ zu rufen, sondern nach der wunderbaren Mutter des Herrn. Es gibt auch einen sichereren, wenn auch nicht einfacheren Weg, aber den sage ich den Synodalen nun nicht ungefragt zum drölfzigsten Mal. Der DBK – zu deren Aufgaben es gehört, diesen Weg zu erklären – schon gar nicht.

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Zum Frauentag

einfach eine Linkliste mit meinen dichterischen Beiträgen zu besonderen Frauen.

Maria natürlich gleich mehrfach: Mariä Geburt, Immaculata, Maria Heil der Kranken, Maria Bundeslade, Verkündigung des Herrn, Maria Königin, Unbeflecktes Herz Mariä, Warum Maria immer ein blaues Tuch trägt.

Und dann noch sieben Heilige und eine Selige: Bernadette, Hildegard, Monica, Maria Magdalena, Regina Protmann, Christiana von Lucca, Gertraud von Nivelles, Jeanne d’Arc, Edith Stein.

Viel Freude beim Stöbern!

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Gehorsam

Bischof Bätzing gab kürzlich ein Interview, in dem er Dinge vorbrachte, die ich für nicht vereinbar halte mit seinem Amt und dem christlichen Glauben (insbesondere katholischer Prägung). Er hat deshalb auch schon von Klügeren als mir auf den Deckel bekommen, dennoch möchte ich ihm und allen sagen, warum mich (Laie ohne übergroße Verdienste) dies Interview entsetzt.

Bischof Bätzing sagt: „Ich bin 60 Jahre alt. Die Zeit der Ängstlichkeit ist vorbei. Das war mal anders. Es gab durchaus Zeiten, da war ich ängstlicher, zurückhaltender. Es geht aber um so viel in unserer Zeit, da ist es wichtig zu sagen, was wir denken.“ Diesen einen Absatz kann ich, einschließlich der Altersangabe, Wort für Wort selbst sagen. Ich habe keine Scheu, auch einem Bischof die Leviten zu lesen, wenn es sein muss.

Als Herr Georg Bätzing am 1. Juli 2016 zum Bischof geweiht wurde, stellte ihm der Zelebrant neun rituelle Fragen, und Bätzing antwortete auf jede „Ich bin bereit“ – auf die letzte sogar „Mit Gottes Hilfe bin ich bereit“. Schauen wir mal, was übrigblieb.

  • Bist du bereit, in dem Amt, das von den Aposteln auf uns gekommen ist und das wir dir heute durch Handauflegung übertragen, mit der Gnade des Heiligen Geistes bis zum Tod zu dienen?
  • Bist du bereit, das Evangelium Christi treu und unermüdlich zu verkünden?
  • Bist du bereit, das von den Aposteln überlieferte Gut, das immer und überall in der Kirche bewahrt wurde, rein und unverkürzt weiterzugeben?
  • Bist du bereit, am Aufbau der Kirche, des Leibes Christi, mitzuwirken und zusammen mit dem Bischofskollegium unter dem Nachfolger des heiligen Petrus stets ihre Einheit zu wahren?
  • Bist du bereit, dem Nachfolger des Apostels Petrus treuen Gehorsam zu erweisen?
  • Bist du bereit, zusammen mit deinen Mitarbeitern, den Presbytern und Diakonen, für das Volk Gottes wie ein guter Vater zu sorgen und es auf dem Weg des Heiles zu führen?
  • Bist du bereit, um des Herrn willen den Armen und den Heimatlosen und allen Notleidenden gütig zu begegnen und zu ihnen barmherzig zu sein?
  • Bist du bereit, den Verirrten als guter Hirte nachzugehen und sie zur Herde Christi zurückzuführen?
  • Bist du bereit, für das Heil des Volkes unablässig zum allmächtigen Gott zu beten und das hohepriesterliche Amt untadelig auszuüben?

Bischof Bätzing trennt sich in dem Interview von biblischer und kirchlicher Lehre und Tradition – und damit von dem „überlieferten Gut“ – in einem Maße, das ich mit Aufbau und Einheit nicht mehr zusammenbringen kann.

Priesterinnen will er haben. – Der Heilige Vater hat – ebenso wie seine Vorgänger – betont, daß es keine katholischen Priesterinnen geben kann. Und „wir brauchen die Kraft der Frauen“, wie der Bischof sich ausdrückt? Bitte sehr, ich stelle meine Kraft zur Verfügung. Wenn Bischof Bätzing wissen möchte, warum ich auch dann nicht Priesterin werden könnte, wenn ich das ganz, ganz dringend wollte, kann ich Ihm das gerne mit Argumenten aus Bibel und Tradition erklären, z.B. in diesem Vortrag. Wenn er wissen möchte, was ich sonst noch zu sagen habe zum großen Thema Kirche und zum Gehorsam, kann er auf meinem Blog herumstöbern oder mich einladen – adsum.

Der priesterliche Zölibat soll freigestellt werden. Damit auch gar nichts mehr stört, was? Ich sehe darin den Willen, alles, was irgendwie schwierig, eigen, anachronistisch erscheint, wegzuputzen – statt sich damit auseinanderzusetzen.

Die katholische Sexuallehre soll fallen (jeder soll mit jedem dürfen, sofern es „aus Liebe“ geschieht). Bislang ist nach katholischer Lehre Sexualität so heilig, daß sie nur in dem geschützten Raum der Ehe zwischen genau einem Mann und genau einer Frau Platz hat. Die Verweltlichung und Banalisierung der Sexualität kann ich nicht als etwas Erstrebenswertes erkennen – auch aufgrund eigener leidvoller Erfahrungen.

Bätzing: „Keiner muss mehr Angst haben, seinen Job zu verlieren, wenn er seine persönliche Intimität lebt. Die geht mich nichts an.“ Diesem Hirten scheint egal zu sein, wenn seine Schäfchen sich verirren. Das kommt mir nicht besonders liebevoll vor. Ein guter Vater lässt seine Kinder auch nicht blindlings ins Unglück rennen.

Die Bereitschaft zur untadeligen Ausübung beinhaltet nicht, daß man dann auch tatsächlich immer „untadelig“ ist – das ist keiner, das kann keiner. Wäre hier also nur die Tatsache, daß auch ein Bischof ein Sünder ist (wie ich, wie alle), wäre es banal. Aber ich kann die Bereitschaft – also den festen Willen, immer wieder umzukehren und Gottes Willen und Geboten zu folgen, so gut man es vermag – hier nicht mehr erkennen. Wäre ich in Limburg, müsste ich mich fragen, ob ich diesem Hirten noch gehorsam sein darf.

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Männer! Synodale! Zwonullerinnen! Hört auf, meine Freiheit zu verteidigen!

Erstens, weil ich das selber kann. Ich bin sechzig Jahre alt und schon groß.

Zweitens, weil Ihr in aller Regel einen völlig anderen Begriff habt von dem, was „meine Freiheit“ ist, als ich.

Ich bin in Freiheit – gegen den Willen meiner nächsten Verwandten, d.h. Vater, Mutter und zwei Brüder, also gegen den Willen einer männlichen Mehrheit – Christin geworden. Ich lebe in einem Land, in dem das nicht mit Freiheits- oder Körperstrafen geahndet wird, sondern nur mit Befremden und Abneigung einer wachsenden Mehrheit. Seitdem haben immer wieder Männer und immer öfter auch Frauen mir erklärt, wie böse die Kirche (insbesondere die katholische) zu mir als Frau ist, und daß sie meine Freiheit beschneidet. Die Stunden, in denen ich solchen Leuten zugehört habe, weil ich mich dazu durch die Konvention verpflichtet fühlte, bekomme ich nie wieder. Sie sind verlorene Lebenszeit.

In jüngster Zeit sind es vorwiegend Männer, die sich für Katholiken halten, die meine Freiheit auf diese Weise verteidigen wollen und sie in Wirklichkeit beschneiden. (Frauen fühlen sich gelegentlich auch dazu bemüßigt, aber nicht ganz so oft.) Sie salbadern mir etwas vor, daß die Kirche ja nur dann Gottes Willen tut, wenn sie mir erlaubt, Priesterin zu werden, obwohl ich das gar nicht will, und halten mich für gehirngewaschen oder bestenfalls dumm, ein unbewegliches Weibchen, das nicht wagt, sich seines minderen Verstandes zu bedienen und auf ihr männliches / wahrhaft weibliches / diverses Vorwärtspreschen angewiesen ist.

Männer, Frauen, Diverse – ich pfeife auf Eure Versuche, mich zu befreien!

Ich bin so gebunden, wie man als Mensch nun einmal ist – gebunden durch äußere und innere Umstände, die keiner von uns ändern kann, und vor allem durch den Umstand, daß ich ein gefallener Mensch bin wie alle anderen Menschen auch.

Ich bin so frei, wie Menschen nur sein können, wenn sie sich ganz in Gottes Hand geben – oder das wenigstens versuchen. In der Freiheit der Kinder Gottes und als treue Tochter der Kirche darf ich Euch sagen: Unter Euch gibt es ganz wenige, die tatsächlich zu meiner Befreiung beitragen können und gelegentlich tun, und die sind Beichtväter.

Zuguterletzt etwas zur Ästhetik verschiedener Bewegungen.

„Wir sind zusammen stark, wir sind zusammen laut“ beginnt ein Lied der Initiative Maria 2.0 (wird von mir nicht verlinkt; wer mag, kann es auf Youtube finden). Zusammen stark und laut sind auch betrunkene Hooligans. „Unsere Kirche der Zukunft wird von allen gebaut“ – die Zeile erinnert melodisch und inhaltlich stark an „Für eine bessere Zukunft richten wir die Heimat auf“ – an das FDJ-Lied „Bau auf, bau auf“ (auch auf Youtube zu finden). Na, dann baut mal schön. Texte und Melodien beider Lieder sind übrigens von Männern verfasst.

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