Warum ich nicht demonstrieren gehe

Es ist wunderbar, den Ukrainern Solidarität zu zeigen. Und trotz meiner maroden Knie könnte ich doch wenigstens ein Stündchen teilnehmen an einer der zahlreichen Demonstrationen für den Frieden – oder?

Ja, könnte ich. Tu ich aber nicht. Nicht obwohl, sondern weil ich den Ukrainern nur Gutes wünsche.

Wir haben immer noch eine Pandemie. Derzeit grassiert eine hoch ansteckende Variante. Die Ukrainer, die jetzt als Flüchtlinge zu uns kommen, sind zunächst gestresst und geschwächt. Und die wollen wir empfangen, indem wir die Inzidenzen hochfahren und ihnen erstmal eine Ladung Covid-19-Viren ins Gesicht pusten?

Bitte nicht.

Betet, schreibt, nehmt Leute auf, wenn Ihr könnt (nur bitte nicht mehr als unter diesen Umständen in die Wohnung passen). Unterstützt Hilfsgütertransporte. Zwackt Euch in der Fastenzeit was ab, um denen zu helfen, deren Heimat gerade zerstört wird. (Nicht alles auf einmal, sondern das, was Ihr könnt!)

Aber bitte, haltet Abstand. Meidet Massenansammlungen. Covid 19 wird nicht besser davon, daß es auch noch Krieg gibt – sondern die Not wird größer, wenn es beides gibt. Ist ja nicht so schwer zu begreifen.

Heute will ich besonders daran denken, daß mein Leben endlich ist, daß ich wie Staub bin und Staub werde. Das bedeutet nicht, mein Leben und das Leben anderer Menschen gleichermaßen sinnlos zu gefährden. Aus Erfahrung kann ich sagen: ein milder Verlauf von Covid 19 unter guten Lebensumständen ist ekelhaft genug. Ein schwerer muss wirklich nicht auch noch sein. Für niemanden.

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Geburtstagsblumen

Ein treuer Leser schickte mir diese!

Herzlichen Dank!

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Mir selbst zum 60. Geburtstag

Kein Unheil überwältigt heut mein Denken:
Ich schau voll Dank und Liebe auf die Jahre,
Gott kennt mich ganz, Er zählt auch meine Haare.
Der mir das Leben gibt, der wirds auch lenken.

Die harte Zeit und auch die wunderbare,
Mit Not und Freude, Schulden und Geschenken,
Ist so voll Gnade! Heut kann nichts mich kränken,
Auch wenn ich keine Freunde um mich schare.

Der Herr kennt jede Not, hört jedes Flehen,
Er ist ganz Liebe und ist ganz Erbarmen.
Er lässt uns sicher bessre Tage sehen.
  
Die Zeit ist, wie sie ist. Er wird sie wenden.
Wir werden wieder lachend uns umarmen,
Und werden füreinander Zeit verschwenden.

© Claudia Sperlich
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Hilflos

Ich fühle mich oft hilflos. Wenn ich einem Bettler etwas gebe und denke „Wenn ich könnte, würde ich deine Situation ändern“. Wenn ich vor einem Berg Papier sitze und denke „Wenn ich damit durch bin, kommt der nächste Berg“. Wenn ein Freund verschwindet und ich keine Möglichkeit habe, ihn zu erreichen.

Zur Zeit ist das alles Kleinkram vor einem Krieg in Europa, dem ich hilflos von ferne zuschaue und dabei fürchte, er könnte näher kommen. Ich habe Angst, daß ich mit Gasheizung und Gasherd (mir bis vor kurzem so lieb) Putins Kriegskasse fülle – aber frieren ist ja keine Lösung. Ich kann das einzige, was ich aus Russland bekomme – das Gas – nicht boykottieren. Es liegt an anderen, mir Gas von anderswo in die Heizungsrohre und den Herd zu schicken.

Putin kommt mir vor wie ein kleines Kind, das etwas haben will und, wenn Papa sagt „Nein, das ist nichts für dich“, das Objekt der Begierde kaputtmacht. Nur daß ein Kind im Regelfall keine Möglichkeit hat, Raketen auf Atommülldeponien oder in Wohnhäuser zu schießen. Auch ist Putin nicht niedlich oder „eigentlich ein guter Junge“. Er ist, so ungern ich das über andere Menschen sage, böse.

Was ich tun kann, ist beten. Für die Ukraine, ihre Nachbarstaaten und ganz Europa um Frieden, für die ukrainischen Flüchtlinge um gute Aufnahme, für die Soldaten um Sicherheit, für die Gefallenen um das ewige Leben, für die Trauernden um Trost – und für Putin um Vernunft und Bekehrung.

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Kunst im Wedding

Der Wedding (mit bestimmtem Artikel, im Gegensatz zu allen anderen Bezirken) hat schon lange nicht mehr das besondere Gepräge des alten Arbeiterbezirks. Hier zeigt er sich – zumindest an einem Laternenpfahl – auch als Künstlerviertel – was andererseits durchaus kein Gegensatz sein muss!

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Hier spricht Matthias Claudius

Kriegslied
1778

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!

Es ist nicht das erste Mal, daß dies Gedicht mir aus aktuellem Anlass durch den Kopf geht. Möge es das letzte Mal sein.

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Der Frühling naht!

Hier die Beweisphotos aus dem Vorgarten: Krokus, Märzbecher, Schneeglöckchen, Szilla.

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Henri de Lubac SJ

Vor 126 Jahren wurde Henri de Lubac in Nordfrankreich geboren. 17jährig trat er der Gesellschaft Jesu bei. Im Ersten Weltkrieg wurde er eingezogen und erlitt eine schwere Kopfverletzung, die ihm lebenslang zu schaffen machte. Das hinderte ihn nicht daran, ein umfangreiches theologisches Werk zu hinterlassen.

Unter dem Verdacht des Modernismus wurde ihm von seinem Orden eine Zeitlang die Lehrtätigkeit untersagt. Das hinderte ihn nicht am Schreiben – und hinderte Johannes XXIII nicht daran, ihn 1960 zum Berater der theologischen Kommission des Zweiten Vatikanischen Konzils zu ernennen. Eine glanzvollere Rehabilitation war kaum möglich – kam aber doch: 1983 machte Johannes Paul II. ihn zum Kardinaldiakon.

In einer Meditation über die Kirche schrieb er:

„Die Kirche, die ganze Kirche, die einzige Kirche, die von heute ebenso wie von gestern und morgen, ist das Sakrament Jesu Christi. Sie ist tatsächlich nichts anderes, oder was darüber hinausgeht, ist nur Zusatz.

Die einzige Mission der Kirche ist, den Menschen Jesus Christus zu vergegenwärtigen. Sie muss Ihn künden, Ihn zeigen, Ihn allen geben. Nochmals, was darüber hinausgeht, ist nur Zusatz. Wir alle wissen, daß sie in dieser Mission nicht versagen kann. Sie ist in Wahrheit de Kirche Christi und wird es immer bleiben: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt. 28,20). Aber was sie in sich ist, das muss sie auch in ihren Gliedern sein. Was sie für uns ist, das muss sie auch durch uns sein. Jesus Christus muss von uns weiter verkündet werden, nur durch uns bleibt Er sichtbar. Das ist mehr als eine Verpflichtung, man kann sagen, es ist eine natürliche Notwendigkeit.“

Méditation sur l’Église, 1954 (Übersetzung von mir)

Kardinal de Lubac starb 1991 in Paris.

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Nikolaus Kopernikus: Katholik, Astronom, Arzt und Ökonom

Niklas Koppernigk wurde vor 549 Jahren in einem wohlhabenden, frommen Elternhaus geboren. Die ganze Familie wurde in den Dritten Orden der Dominikaner aufgenommen. Der Vater starb, als Niklas erst zehn Jahre alt war; sein Onkel mütterlicherseits, Domherr und ab 1489 Fürstbischof von Ermland, sorgte für ihn und seine drei Geschwister.

Sehr ausführlich und aufschlussreich ist der Artikel bei Wikipedia. Hier nur in aller Kürze, was ich besonders bemerkenswert finde:

Nikolaus Kopernikus – wie er sich als Gelehrter nannte – studierte an verschiedenen Universitäten und fing mit seiner bedeutenden Forschungsarbeit wohl bereits an, ehe er irgendeinen Abschluss hatte. Als 22Jähriger wurde er zum Kanoniker ernannt. Er wurde Arzt, obwohl er nie einen Abschluss in Medizin gemacht hatte (das war zu seiner Zeit noch nicht juristisch geregelt). Als Wirtschaftswissenschaftler leistete er Herausragendes zur Geldtheorie und organisierte die Neubesiedlung brachliegender Bauernhöfe. Astronomie trieb er mit Mitteln, die auch zu seiner Zeit recht primitiv waren, und bei dem oft diesigen Wetter in Weichselnähe, was Beobachtungen erschwerte. Dennoch stellte er eine bahnbrechende Theorie auf, die er mehr durch aristotelische Logik als durch Messungen und Beobachtungen untermauerte – die Erde dreht sich um die Sonne, überhaupt drehen sich die Gestirne ganz anders als das mittelalterliche Weltbild annahm.

Spätestens hier werden viele Leser denken: „Was, und das, obwohl er Katholik war? Und dann wurde das doch bestimmt verboten!“ – Kopernikus selbst wollte sein Werk über die Bewegung der Gestirne zunächst gar nicht veröffentlichen, sondern nur einem kleinen Kreis Gebildeter zugänglich machen. Aber gerade die Gebildetsten unter diesen – Johannes Dantiscus, Bischof von Kulm und Ermland, Tiedemann Giese, sein Amtsnachfolger, und Nikolaus Kardinal von Schönberg, der die Finanzierung anbot, drangen auf Veröffentlichung. Auch Papst Clemens VII. zeigte sich äußerst interessiert. Kopernikus ließ sich aber erst nach dem Tod von Nikolaus Kardinal von Schönberg überzeugen; bei der Finanzierung half sein Schüler Georg Joachim Rheticus. Die endgültige Fassung widmete er Papst Paul III.

Wer dem auch nach den katholischen Maßstäben seiner Zeit ganz und gar rechtgläubigen Kopernikus einen Ketzerprozess anhängen will, hat ganz einfach in Kirchengeschichte nicht aufgepasst. Allerdings wurde die astronomische Forschung des Kopernikus von vielen seiner Zeitgenossen – Katholiken wie Protestanten – ignoriert und wenige Jahre nach seinem Tod von dem sonst so klugen reformatorischen Humanisten Philipp Melanchthon aufgrund des heliozentrischen Weltbildes zunächst verworfen, dann immerhin als Denkmodell akzeptiert.

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Ein Mann wie ein Eber

Heute gedenkt die Kirche des Heiligen Evermod von Ratzeburg. Sein Name bedeutet „der Ebergleiche“, vielleicht hatte den Eltern eine Art Kriegsheld vorgeschwebt, als sie ihr Baby um 1100 so nannten. In dieser Hinsicht sollte ihr Sohn sie enttäuschen: 1120 hörte er im nordfranzösischen Cambrai eine Predigt des Norbert von Xanten und war so beeindruckt, daß er ihm folgte, zu seinem engen Mitarbeiter wurde. Norbert gründete im folgenden Jahr den Prämonstratenserorden, dem Evermod beitrat.

Evermod war dabei, als Norbert 1129/30 die Benediktinerabtei in Pöhlde in ein Prämonstratenserstift umwandelte. 1131 war er an der Gründung des Stiftsklosters Gratia Dei beteiligt und war dort Propst, begleitete Norbert aber weiter auf dessen Reisen. 1138, vier Jahre nach Norberts Tod, wurde er Propst des Prämonstratenserklosters in Magdeburg. Weitere Prämonstratenserklöster entstanden, wohl unter seiner Mitwirkung, in Havelberg und Jerichow. 1154 wird er Bischof von Ratzeburg und legt 1160 den Grundstein zum Ratzeburger Dom.

Evermod war eifrig in der Wendenmission, setzte dabei aber eher auf Überzeugung durch Predigt als auf gewaltsame Kolonisation. Jedenfalls lassen das zwei Legenden vermuten, in denen es zwar nicht um Wenden geht, in denen aber Evermod als ebenso energisch wie grundsätzlich friedfertig dargestellt wird.

Heinrich von Badewide, Graf von Ratzeburg, hatte zwei Friesen gefangengenommen, die er grausam behandelte. Bischof Evermod – mit dem er auf sehr gutem Fuß stand – versuchte vergeblich, ihre Freilassung zu erwirken. Immerhin durften sie zu Ostern, gefesselt und unter schwerer Bewachung, am Gottesdienst teilnehmen. Der Bischof besprengte die Gemeinde mit Weihwasser. Als er zu den beiden kam, sagte er: „Der Herr richtet die Gebeugten auf, der Herr löst die Gebundenen“ – und das Weihwasser sprengte ihre Fesseln.

Als Evermod in Diethmarschen zu einer Besprechung mit dem dortigen Erzbischof Hartwig von Hamburg war, wurde dort ein Adliger ermordet. Während der Messe versuchte Evermod, den rachsüchtigen Verwandten des Ermordeten zur Versöhnung zu bewegen. Er erinnerte ihn an die Worte des Vaterunsers: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Der Mann tat so, als hörte er nichts. Evermod stand vom Priestersitz auf und fiel vor dem Mann nieder. Der aber schwur, er werde nie verzeihen. Darauf stand der Bischof auf und gab dem Mann eine schallende Ohrfeige. Das half – der Rachsüchtige versöhnte sich mit dem Mörder.

Eine wunderbare Befreiung und eine Tat, die man überschreiben könnte mit „Vertragt euch, sonst setzt’s was!“ – da zeigt sich durchaus die Stärke und Sturheit eines Ebers. Charaktere wie Sankt Evermod waren für die Mission der kaum weniger starken und sturen Wenden vonnöten – und sind es heute, bei der wieder heidnisch gewordenen Bevölkerung der gleichen Gegenden, sicher auch.

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