Programmhinweis: Musik für die Ukraine

Bei einem Benefizkonzert für die Ukraine habe ich die Ehre, mit zweien meiner Gedichte mitzuwirken.

Ukraine Benefizkonzert
Palmsonntag, 10. April um 17.00 Uhr in Heilig Kreuz
Hildegardstraße 3a, 10715 Berlin 

Mitwirkende:
Dirk Elsemann, Orgel | Markus Groh, Klavier
Michael Hoffmann, Bariton| Yoonji Kim, Klavier
Christian Miebach, Tenor| Ulf-Dieter Schaaff, Flöte
Claudia Sperlich, Rezitation

Werke von Beethoven, Liszt, Bizet, Fauré, Franck, Saint-Saëns,Brahms, Tchaikovsky
Phantasie über die Ukrainische Nationalhymne (Elsemann)
Zwei Gedichte (Sperlich)
 

Dann gibt es noch – ohne meine Beteiligung, aber mit meiner dringenden Empfehlung, denn die Zusammenstellung Kim-Miebach-Elsemann ist höchst bewährt:

Musikalische Ostervesper
Ostersonntag, 17. April um 17.00 Uhr in Heilig Kreuz
Hildegardstraße 3a, 10715 Berlin

Yoonji Kim, Klavier | Christian Miebach, Tenor| Dirk Elsemann, Orgel

u.a. Werke von Telemann und Loewe

Eintritt frei, Spenden erbeten
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Ich will Herrn Habeck gar nicht ärgern, aber…

… ich habe nun zum ersten Mal eine Online-Petition verfasst.

Menschen in Deutschland sind von russischem Gas und Öl abhängig. Ohne diese Rohstoffe gibt es für die meisten weder Heizung noch warmes Wasser und Kochmöglichkeit.

Damit finanzieren wir, ohne es zu wollen, den Krieg gegen die Ukraine, samt Massakern an Zivilisten.

Robert Habeck ist verantwortlich für das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und damit auch dafür, ob Deutschland weiter russisches Gas und Öl bezieht oder nicht. Bis jetzt gibt es keine Abkehr von russischen Energiequellen; nur Katar wird als Ersatzlieferant in Erwägung gezogen. Katar ist allerdings hinsichtlich der Menschenrechte auch nicht besser. Die dortige Rechtsprechung orientiert sich an der Scharia, es gibt extreme Körperstrafen, und vergewaltigte Frauen werden wegen Ehebruch eingesperrt.

Bestürmen wir Herrn Habeck. Wir wollen Gas und Öl – aber nicht um den Preis von Menschenleben und Frauenrechten!

Sehr geehrter Herr Habeck,

ich bin auf Gas und/oder Öl für Herd und Heizung angewiesen und muss nehmen, was ich bekomme. Mit Gewissensbissen, Schmerz und Trauer nehme ich wahr, dass ich seit fünf Wochen ein mörderisches Unrechtsregime unterstütze, wenn ich mir bloß einen Kaffee koche oder warmes Wasser nutze.

Sie haben die Möglichkeit, das zu ändern. Sie wissen, wie und wo Deutschland zu Gas kommen kann, ohne Massenmorde an Zivilisten zu unterstützen. (Katar ist übrigens keine besonders gute Option. Ich möchte auch nicht unterstützen, daß vergewaltigte Frauen wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs ins Gefängnis kommen und was sonst noch in der Justiz von Katar üblich ist.)

Ich gehe davon aus, dass Sie bei der Ausübung Ihres Amtes die Menschenrechte nicht ganz ausblenden wollen – auch nicht, wenn es um die Rechte von Bürgern anderer Länder als Deutschland geht.

Bitte sorgen Sie dafür, dass Deutschland nicht durch den Kauf von Gas und Öl zur Mitschuldigen an einem verbrecherischen Krieg wird.

Mit besten Grüßen

Claudia Sperlich

Wer sich anschließen möchte, kann hier unterschreiben. Ich habe keine Ahnung, ob das etwas bringt. Aber es nicht einmal versuchen bringt bestimmt nichts.

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Milchmädchenrechnung

In Berlin, im Pleasureground des Schlosses Glienicke, ganz nahe bei Potsdam, steht der Abguss einer Skulptur des russischen Künstlers Pawel Petrowitsch Sokolow. Die originale Bronzeplastik schuf er 1810 für den Katharinenpark in Zarskoje Selo (das heutige Puschkin nahe Sankt Petersburg). Ein Abguss wurde 1827 in Glienicke aufgestellt. Er ist laut Wikipedia „im Krieg verschollen“, leider vermutlich „eingeschmolzen, weil man beim Militär Metall brauchte“.

Wikipedia

Ein neuer Abguss wurde 1989 – im Sommer vor dem Mauerfall – aufgestellt. Möglich war das durch eine deutsch-russische Initiative. Ich weiß noch, was für ein bürokratisches Hickhack das war! Erst war es schwierig, sowjetische Bürokraten zu überzeugen, Kunst außer Landes zu führen (und sei es ein Abguss). Dann war es noch schwieriger, Westberliner Bürokraten zu überzeugen, daß etwas, was „aus dem Osten“ kam, gut und ungefährlich sein könnte. Mein Vater gebrauchte mehrmals Ausdrücke wie „diese bürrrokrrratischen Würrrstchen“ – zum Glück, soweit ich weiß, nicht vor den Betreffenden.

Das Milchmädchen kam an und wurde eingeweiht. Dazu wurde die Fabel des Dichters Jean de la Fontaine vorgelesen, von der auch unser Ausdruck „Milchmädchenrechnung“ stammt. Kurz gefasst: Ein junges Mädchen trägt einen großen Krug mit Milch zum Markt und malt sich im Kopf aus, was sie dafür einhandelt. Hundert Eier! Die lässt sie ausbrüten, die Küken verkauft sie, für das Geld bekommt sie ein junges Schweinchen, wenn das groß ist, bekommt sie dafür eine Kuh mit einem Kalb, und das Kalb wird fröhlich herumspringen… Hier macht sie selbst einen kleinen Luftsprung vor Freude, der Milchkrug fällt herunter und zerbricht.

Sokolovs Plastik zeigt das weinende Mädchen neben dem zerbrochenen Krug, aus dem Wasser fließt – eine Brunnenplastik. Mein Vater hatte vor der Einweihung in einem Laubbaum einen Weinschlauch verborgen, durch einen langen, mit Laub getarnten Schlauch (soweit ich weiß, hatte ein befreundeter Chirurg das geeignete Material beschafft) mit dem Milchmädchenkrug verbunden. Ich hatte die Aufgabe, auf sein Signal zum Anstellen des Brunnens einen heilen Krug unter den zerbrochenen zu halten. Eine gelungene Überraschung für die Gäste! (Als der Schlauch leer war, wurde dann doch das Wasser angestellt. Das Glienicker Weinwunder hat sich leider nie wiederholt.)

Putin und Kirill täten gut daran, mal gemeinsam den Katharinenpark zu besuchen und über diese schöne Plastik und die Fabel zu meditieren. Die Fabel findet man hier im Original und hier auf Deutsch. Ins Russische ist sie sicher auch übertragen. (Nachtrag: Ja, natürlich – ein Leser machte mich darauf aufmerksam. Hier.) Und von mir gibt es nun eine modernisierte Fassung der Fabel vom Milchmädchen.

Putin hat im Kopf sehr große Ideen
Von Reichtum und Macht. Er will sich schon sehen
Als Herrscher der Welt - zumindest der halben!
Kirill soll zum göttlichen Kaiser ihn salben!
Er greift nach dem Nachbarn, er schickt seine Meute:
"Erobert dies Land! Und möglichst noch heute!"
Die Kornkammer ist es, die Ukraine.
"Hab ich die erst", denkt er mit listiger Miene,
"Verkauf ich das Korn und erhalte zum Lohn
Weißrussland - nein halt, das hab ich ja schon -
Also Polen und Ungarn und Slowakei,
Rumänien, Moldawien so nebenbei,
Die Mittelmeerländer haben auch Reiz,
Mazedonien und Serbien! Nur keinen Geiz!
Und dann gehts nach Deutschland und Dänemark.
Europa gehört mir schon jetzt! Ich bin stark!"
Und wie er so denkt, da tut man ihm kund:
"Deine Männer sind tot, und dein Land geht zugrund!"

Ja, Putin, vor dir habens andre gedacht:
Ich habe die Macht, mir gebührt auch die Macht!
Ich habe schon viel und ich will noch viel mehr!
Gebt her, ihr Völker - ich schicke mein Heer!
Des Milchmädchens Krug und des Mächtigen Zügel -
Sie sind verloren. Am Ende gibts Prügel.

© Claudia Sperlich
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Kunst zum Lächeln

Sonett auf die Marchande d'Amours des Joseph-Marie Vien
für Alipius Müller

Kauft Putten! Putten, rosig, frisch und prall,
Mit bunten Flügeln und mit zarter Haut!
Sie sind stets munter, aber niemals laut
Und werden zahm und brauchen keinen Stall.

Sie sind gesellig, drollig, nie gereizt,
Sie mausern nicht und machen keinen Schmutz.
Sie sind der Zimmerdecke liebster Putz – 
Schaut her, wie niedlich der die Flügel spreizt!

Seid ihr verärgert, hebt nur eure Augen
Und seht die Kleinen flattern ihre Kreise – 
Das wird die trübste Stimmung sicher heben!

Nur Luft und Duft zu ihrer Nahrung taugen.
Wir Menschen aber brauchen andre Speise...
Drei Taler für das Stück. Ich muss ja leben.

© Claudia Sperlich

Hier das pompeianische Vorbild aus dem 1. Jahrhundert:

In der Kunst des Rokoko und bis in die Rokoko-Aufgüsse der Romantik war die Puttenhändlerin ein eigenes Genre.

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Weihe an Marien Herz – was bedeutet das?

Anlässlich der Weihe des Erzbistums Berlin an die Herzen Jesu und Mariä habe ich hier schon vor knapp zwei Jahren über den Sinn einer solchen Weihe gebloggt. Es sind die einzigen Herzen, die nie, unter keinen Umständen, „arglistig ohnegleichen und unverbesserlich“ (Jer. 17,9) sind.

Sich oder eine Gruppe oder ein Land (oder mehrere) in einem feierlichen Versprechen einem vollkommen liebevollen Herz anvertrauen ist sinnvoll. Zum „Herz“ – also zur mütterlich-fürsorglichen Liebe – der Gottesmutter können wir Zuflucht nehmen.

Heute wird der Heilige Vater und werden zahlreiche Bischöfe die Ukraine und Russland dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen. Zum Weiheakt gehört dies betrachtende Gebet.

Für jeden, der mag, steuere ich einen Choral (mit drei Melodien zur Auswahl) und eine Andacht bei.

Unbeflecktes Herz Mariä
Melodie: GL 395 - Den Herren will ich loben 
418 – Befiehl Du Deine Wege
465 – Das Jahr steht auf der Höhe

Maria voller Gnaden, dein Herz in Gottes Licht
ist ohne jeden Schaden, die Sünde trübt es nicht.
Dein Herz ist voller Güte und ohne Dunkelheit,
wie eine Rosenblüte bewahrt in Ewigkeit.

Du hast dem Herrn gesungen als herzenstreue Magd.
Vom Leidensschwert durchdrungen blieb dein Herz unverzagt.
Als du den Sohn gefunden, hat dich Sein Wort berührt.
Sein Leid und Seine Wunden hat dein Herz auch gespürt.

Dein Herz voll Gottesliebe schlägt für die Christenheit.
Du bist wie Blütentriebe in kalter, dunkler Zeit,
du führst auf Blumenwegen uns ins gelobte Land:
Du Mutter voller Segen, zeig uns des Sohnes Hand.

* * *

V Das Herz Mariä ist von Anfang an Gott in besonderer Weise zugedacht und zugewandt. Der Ewige hat es von Ewigkeit her als das Herz gewollt, unter dem Er Mensch wurde.

L Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

V Maria fragt nach, vertraut und gehorcht. In diesem klugen Gehorsam wollen auch wir uns üben und beten:
Maria, vertrauensvoll, demütig und gehorsam,
A bitte für uns.

V Maria muss unter widrigen Umständen gebären und später mit Mann und Kind fliehen. In allen Schwierigkeiten dürfen wir uns an sie als mütterlich mitfühlende Freundin wenden und beten:
Maria, dein Herz ist voll Ruhe im Sturm, 	
A bitte für uns.

V „Was Er euch sagt, das tut“, sagt sie, als die Weinkrüge der Festgesellschaft in Kana leer sind. Ohne zu wissen, was Jesus tun wird, ist sie sicher: es wird das Richtige sein. Auch wir wollen Ihm so vertrauen lernen und beten:
Maria, dein Herz ist vertrauensvoll,	
A bitte für uns.

V „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und möchten dich sehen. Er erwiderte ihnen: Meine Mutter und Meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und tun.“ – Jesus hat sich von der Familie getrennt – nicht im Zorn, aber Seine Aufgaben liegen woanders. Aber Maria verlor Ihn nie ganz aus den Augen. Auch wir wollen Ihn nie aus den Augen verlieren und beten:
Maria, dein Herz hat nie aufgegeben, 	
A bitte für uns.

V Sie sah mit an, wie man ihren Sohn zu Tode folterte.
Wenn wir selbst leiden müssen, wenn wir unsere Lieben leiden sehen, dürfen wir beten:
Maria, dein Herz ertrug furchtbares Leiden.  	
A bitte für uns.

V Maria traf sich nach der Auferstehung ihres Sohnes mit den Jüngern regelmäßig zum Gebet. Sie empfing hier mit den anderen, und selbst zum zweiten Mal, den Heiligen Geist. Wir gehören zur Kirche, die damals entstand, und beten:
Maria, dein Herz schlägt für die Kirche,  	
bitte für uns.

V Herz Mariä, bewahrt vor aller Sünde,	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, demütig und gehorsam, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, voll Jubel über den Heiland, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, nach Jesus suchend, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, voll Vertrauen in Jesu Macht, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, verwundet vom Kreuzestod deines Sohnes 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, Mutterherz der Kirche, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, stärker als jeder Drache, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, voll Liebe für alle Menschen, 	
A wir verehren dich.

V Vater im Himmel, Du hast Marias Herz vor der Sünde bewahrt.
Herr Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, Du hast unter Marias Herz gewohnt.
Heiliger Geist, Du hast Marias Herz mit Jubel erfüllt.
Dreieiniger Gott, wir danken Dir. Sei gepriesen in Ewigkeit.

A Amen.

© Claudia Sperlich
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Friedensbitte

Herr Gott, willst Du nicht endlich Frieden bringen?
Und hast Du Frieden uns nicht längst gebracht?
Wir können nie und niemals ihn erringen,
Wir scheitern immer. Du nur hast die Macht.
Die kleine Macht, die uns verliehen ist,
Ist schnell missbraucht und dient des Feindes List.

Wir habens oft versucht. Ist nie gelungen,
Zu wahren ihn aus unsrer kleinen Kraft.
Bald ist er angelockt und bald erzwungen,
Der kurze Friede, den die Welt noch schafft.
Noch weiß kein Mensch, wie dieses Wagnis geht:
Ein Friede, der die Zeiten übersteht.

Man hilft wohl gern und kann sich auch vertragen,
Im Notfall handeln viele gut und klug.
Vor bösen Mächten müssen wir versagen,
Die eigne Macht ist lang nicht gut genug.
Nur Stückwerk ist, was wir an Gutem tun.
In Deinem Frieden kann die Welt nicht ruh'n.

Und doch will ich vertraun: Du bist der Friede,
Bist Wahrheit, Leben, Wort in Ewigkeit.
Schau auf die Welt, Herr, auf die Waffenschmiede,
Für Dich, den Friedensfürst, mach uns bereit,
Und schleife unsrer Herzen Diamant,
Bis jeder Dich vollkommen hat erkannt.

© Claudia Sperlich
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Friedenslied

Melodie: Zeige uns, Herr, Deine Allmacht und Güte (GL 272)

Herr, es ist Krieg! Mach ein Ende, gib Frieden!
Herr, brich der Mächtigen Starrsinn und Gier!
Und wo die Frommen von Dir sind geschieden,
schenke Bekehrung und führ sie zu Dir!
Zeige uns Wege, Dir neu zu vertrauen,
Wunden zu heilen und Brücken zu bauen.

Vater, Du weißt, daß wir klein sind und beben
vor der Gewalt, die den Nachbarn bedroht.
Du gabst uns allen aus Liebe das Leben,
gib uns auch allen das tägliche Brot.
Wo immer Mächtige Kriege entfachten,
gib, daß wir Deine Gebote beachten.

Jesus, Du kennst unsre Tücken und Schwächen,
gib uns zum Helfen die Kraft und den Mut!
Städte verbrennen und Herzen zerbrechen
vor der verderblichen Habgier und Wut.
Du, voller Sanftmut und Demut und Liebe,
mach uns zum Sand in des Krieges Getriebe!

Heiliger Geist, der uns tröstet und leitet,
Licht sei den Herzen in dunkelster Zeit!
Wenn auch der Wahn um die Vorherrschaft streitet,
mach uns zum klaren Bekenntnis bereit:
Gott ist die Liebe! Das Böse verschwindet
nur durch die Liebe, die alles verbindet.

© Claudia Sperlich
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Gebet und Stille

Gebet ist so vielfältig wie die Beter sind und deren Situationen. Deshalb kann ich nicht gut schreiben, Gebet ist so und so und aus Gebet folgt das und das. Gott ist auch kein Wunschautomat, in den man ein Gebet steckt und dann kommt das Gewünschte heraus. Aber ich kann über meine Erfahrungen mit dem Gebet schreiben.

Kürzlich war ich in einer leeren, halbdunklen Kirche zur stillen Anbetung. Immer wichtiger wird mir das stille Gebet mit wenigen Worten, das Herzensgebet, bei dem ich innerlich nur wenige Worte wiederhole, zum Beispiel „Jesus – Heiland“ oder „Jesus Christus – Friedensfürst“, oder einen kurzen Satz, auf zwei Atemzüge. Nun fiel mir beim Beten plötzlich etwas Anderes und doch Ähnliches ein, ein Gebet, das sich am Rosenkranz orientiert, aber stiller ist.

Beim Einatmen bete ich (innerlich, schon weil es beim Einatmen nicht möglich ist zu sprechen) „Jesus“, beim Ausatmen (je nach Stimmung innerlich oder hörbar) eines der Geheimnisse des Rosenkanzes und „erbarme Dich unser“. Also „Jesus, Du hast für uns Blut geschwitzt – erbarme Dich unser“. Dies zehn mal, und dann zehn mal „Jesus, Du bist für uns gegeißelt worden – erbarme Dich unser“, und so weiter. (Das geht natürlich auch mit anderen Geheimnissen des Rosenkranzes – aber der Krieg in der Ukraine lässt mich gerade an die schmerzhaften Geheimnisse besonders denken.)

Bei dieser Gebetsform lasse ich alles andere, was ursprünglich zum Rosenkranz gehört, aus, es geht mir dabei nur um dies ganz einfache, ganz stille Meditieren über Jesus und um die Bitte um Sein Erbarmen.

Das ruhige, langsame Atmen, das Betrachten des Leidensweges, die Wiederholungen geben mir selbst Ruhe und lassen mich zugleich Gottes Leiden und Erbarmen in besonderer Intensität meditieren.

Wenn das keine andere Folge hätte als daß ich selbst hinterher spürbar friedlicher bin, wäre es schon mehr als nichts. Ich glaube aber nicht, daß Gebet im besten Fall eine psychologische Beruhigungspille ist! Im Gegenteil. Zunächst hat ein friedfertiger und ruhiger Mensch eine weit bessere Ausstrahlung und weit bessere Ideen als ein hektischer und aggressiver Mensch. Ich kann das sehr gut beurteilen, weil ich meine hektischen und aggressiven Zeiten kenne. Vor allem aber vertraue ich darauf, daß Gott Gebete hört.

Damit widerspreche ich mir nicht. Ich glaube immer noch nicht, daß Gott eine Wunscherfüllungsmaschine ist. Aber Er hört. Wann und wie Er eingreift, muss ich Ihm überlassen.

#betenwirgemeinsam

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Essen retten und tanzen

Am Samstagabend ist in Berlin-Tegel eine Abholstelle für vor dem Wegwerfen gerettetes Essen. Die Menschen, die das organisieren, legen sich sehr ins Zeug dafür – nicht nur holen sie die Lebensmittel in den Läden ab, wo sie sonst weggeworfen würden, weil sie nicht mehr ganz taufrisch sind, bringen sie mit einem Lieferwagen zur Abholstelle, bauen dort Klapptische auf und sortieren die Ware dort ordentlich und appetitlich. Sie machen das unter sehr strenger Einhaltung der Hygienevorschriften, achten darauf, daß die Menschen, die anstehen, erstens die Coronaregeln befolgen und zweitens alle gerecht behandelt werden. Wenn viel da ist, bekommt man viel, wenn wenig, weniger – meist immer noch reichlich.

Heute stand man recht lange an, der Lieferwagen kam erheblich später als sonst – weil auch Flüchtlinge zu versorgen waren, wie ich auf Nachfrage erfuhr. (Ich bin voll ehrlicher Bewunderung. Die Essenrettung macht ja schon genug Mühe. Da investieren Menschen viel Zeit und Kraft, zu bewahren und zu helfen. Und sie sind immer freundlich.)

Aber in der Warteschlange kennt man sich schon ein bißchen. Es wurde geschwatzt. Und dann hatte jemand die Idee, sein kleines Radio hinzustellen, es gab Tanzmusik, und ein junger Mann begann sehr schön zu tanzen. Eine Frau gesellte sich dazu, auch sie eine begabte Tänzerin.

Endlich kam der Wagen und wurde mit Jubel empfangen. Dann dauerte es noch eine Weile, bis alles aufgebaut war. Und nun habe ich eine ganz unglaubliche Ernte, Unmengen an wirklich guten Sachen. Meinem Fastenprojekt „keine Lebensmittel kaufen“ steht einstweilen nichts im Wege.

Essenrettung gibt es mittlerweile in vielen Städten, und immer mehr Läden beteiligen sich. Aber immer noch werden täglich Tonnen von Lebensmitteln weggeworfen, weil sie nicht mehr ganz frisch sind (sind sie nach drei Tagen im Kühlschrank liegen auch nicht, und das kennt nun jeder), weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist (was noch lange nicht heißt, daß sie schlecht sind) und zuweilen auch, weil sie bei der Kundschaft eines Ladens nicht so gut ankommen.

Essen wegwerfen, das noch in Ordnung ist, oder Essen mutwillig vergammeln lassen, ist eine Sauerei (sagte meine agnostische Mutter), eine Sünde (sage ich). Das „tut man einfach nicht“ – und in der Realität tut man es eben doch, tun Läden es täglich. Dagegen ansteuern ist nicht nur gut für den eigenen Geldbeutel, es ist auch ein Akt der Ehrfurcht vor Gottes Gaben.

Essen retten ist nicht nur aus moralischen und wirtschaftlichen Gründen gut. Es ist kommunikativ, es ist spannend (was gibt es diese Woche? Mal sehen…) – und manchmal gibt es eine Tanzeinlage.

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Zum Josephstag

Melodie: Alles meinem Gott zu Ehren, GL 455

Wort, das in die Welt gekommen
durch des Geistes Kraft und Tat,
Dich hat Joseph aufgenommen
väterlich nach Gottes Rat,
sah auf Deine ersten Schritte,
lehrte Lobpreis Dich und Bitte,
lehrte Handwerk Dich und Fleiß
väterlich zu Gottes Preis.

Joseph hört auf Gottes Worte,
bringt in jener Schreckenszeit
aus gewohntem Heimatorte
Frau und Kind in Sicherheit,
hütet aller Welten Hüter,
nährt den Geber aller Güter,
dient dem jungen Gottesknecht
treu und liebend und gerecht.

Joseph, bitt, daß Gottes Segen
auch auf unsrer Arbeit ruht.
Hilf, daß wir für Den uns regen,
Der die Wahrheit ist und tut.
Zeig uns, wie wir in Gefahren
Ruhe und Vertrauen wahren.
Du hast Gottes Sohn bewacht –
Steh uns bei in Not und Nacht.

© Claudia Sperlich
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