Seid heilig!

„Fang selber an“, wird mancher Leser denken, und ich kann darauf nur verlegen sagen: Ich versuchs ja, aber besonders gut bin ich nicht im Heilig-Sein. Nur aufgeben mag ich nicht.

Nun stammt der Aufruf aber nicht von mir, sondern von Gott. „Erweist euch als heilig und seid heilig, weil ich heilig bin“ heißt es in Levitikus 11,44 – da ist allerdings die Rede von Speisevorschriften. Petrus aber zitiert diesen Satz in seinem Brief an die Heidenchristen in der Diaspora – und daß die den differenzierten Speisevorschriften der Juden nicht folgen müssen, haben die Apostel längst entschieden. Auch die Vision des Petrus kann als Befreiung von Speisevorschriften gedeutet werden, obwohl Petrus selbst sie zunächst metaphorisch deutet – die eine Deutung schließt die andere nicht aus, gerade weil ausdrücklich gesagt wird, daß er hungrig war und Essen machte, als diese Vision ihn überkam. (Das in Lev. 11,23 genannte Verbot, Fledermäuse zu essen, ist allerdings auch heute für alle sinnvoll.)

Über Heilige, was sie verbindet und was nicht, habe ich hier schon mal geschrieben. Das Wichtigste ist, Gott zu lieben. Ihn so lieben, daß man Ihm einfach nur gehorchen will, ist eine Gabe, die man erbeten kann. Der Empfang der Sakramente ist ein Ausdruck dieser Liebe.

„Man wird kein Heiliger in vier Tagen.“ (Philipp Neri) Man wird auf dem Weg nicht besser als andere – aber besser als man vorher war.

Veröffentlicht unter HIMMLISCHES, KATHOLONIEN | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Novene in Sicht!

Die Initiative Neuer Anfang – ins Leben gerufen vom Arbeitskreis Christliche Anthropologie – ruft hier zu einer Novene auf.

Die Initiative bezeichnet sich als „klar. katholisch. unterwegs“ – und zeigt ein lebendiges, lebensfrohes Menschenbild in Lehramtstreue und Liebe zur Kirche. Hier steht Gottes Wort im Zentrum (statt dem für den Synodalen Irrweg typischen kleinkarierten Bestehen auf Gendersternchen und den synodalen Diskussionen, ob man überhaupt Priester braucht und wann es bittschön Priesterinnen gibt). Und in gut katholischer Art ruft die Initiative Neuer Anfang zu einer Novene auf, die vom 28. Januar bis zum 5. Februar dauern wird – also bis zu Abschlußtag der dritten Synodalversammlung. (Natürlich kann man diese wie jede Novene auch zu anderen Zeiten beten. Aber ein solcher gleichzeitiger Gebetssturm gilt als besonders segensreich.)

Die Initiative Neuer Anfang ist dabei keine „Gegenbewegung“ zu irgendwelchen synodalen oder anderen Bewegungen. Sie ist eine Bewegung für geistliche Erneuerung, für immer neue Umkehr, für Reformen, für Abkehr von modernen Ideologien und Irrtümern, für Lehramtstreue. Die Novene steht unter dem Motto „Neun Tage beten für die Erneuerung der Kirche„. Menschenfischer sein, sich mutig zu Gott bekennen, Evangelisation betreiben, das gehört zu Selbstverständnis der Initiative, und das scheint in den meditativen Texten der Novene durch.

Die Novene werde ich mitbeten. Gut möglich, daß ich mich auch in weiterer Hinsicht an diesem Neuen Anfang beteiligen werde.

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Vor 111 Jahren veröffentlicht

… und zwar in der Berliner Zeitschrift „Der Demokrat“:

Jakob van Hoddis
Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Keine Sorge, ich will das Weltende (das sicher irgendwann kommt, vielleicht heute und vielleicht sehr viel später) weder datieren noch analysieren oder gar interpretieren. Alle Interpretationen des berühmten Gedichtes sind irrsinnig komisch, obwohl sie es nicht sein wollen.

Aber ich widme dies Blogpost all den spitz-, rund-, platt- und quadratköpfigen Bürgern, die mir in letzter Zeit so schrecklich auf die Nerven fallen. Alle anderen dürfen sich natürlich auch darüber freuen, ärgern, empören oder amüsieren, ganz nach Belieben.

Veröffentlicht unter LITERATUR, WELTLICHES | Verschlagwortet mit , , | 5 Kommentare

Man trägt wieder grün.

Die weihnachtliche Festzeit ist vorbei (auch im alten Ritus, obwohl oft behauptet wird, da sei es ganz anders). Die weißen Gewänder hängen im Schrank der Sakristei (oder sind in der Reinigung). Die liturigsche Farbe Grün herrscht vor: Farbe der Hoffnung und des Lebens. Die ersten Krokusblätter spitzen aus der Erde.

Die Kirche bekennt Farbe. Farbsymbolik hat mit Eigenschaften, Gefühlen und Erfahrungen zu tun. Die Bedeutung von Farben ist dabei kontext- und kulturabhängig; Grün dürfte allerdings in allen Kulturen eine überwiegend positiv konnotierte Farbe sein. Chlorophyll mögen schließlich alle. In der weltumspannenden Kirche ist die Farbsymbolik jedoch festgelegt. Wie genau, steht hier.

Der Wechsel der liturgischen Farben ist nicht nur ein ästhetisches Vergnügen. Er ist ein Hinweis, was jetzt „dran“ ist. Daß Gott als Mensch unter Menschen gelebt hat, Licht in der Finsternis, haben wir uns wieder einmal eindringlich klar gemacht. Jetzt heißt es, dies Bewußtsein zu bewahren und wachsen zu lassen. Hildegard von Bingen hat den Begriff Viriditas geprägt, meist wird das mit Grünkraft übersetzt. Sie meint damit eine positive Energie, die allem Sein innewohnt. Auch dieser Gedanke passt zu Hoffnung und neuem Wachstum.

Wir haben Jesu Christi Kommen in die Welt in aller Ausschweifigkeit gefeiert; ich bin am Ende immer recht froh, daß die „Normalzeit“ wieder einkehrt. Zugleich ist Christentum natürlich alles andere als „normal“: Wir leben auf Christus hin, in der Hoffnung, aus dem Glauben und liebevoll – zumindest idealiter, ich weiß ganz gut, daß realiter da noch einiges fehlt. Diese Haltung möchte ich im gemeinen Alltag mit Papierkram, Unordnung und einem Haufen Problemen bewahren, so gut ich kann.

Jesus vergleicht sich und uns mit einer grünen Pflanze: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh. 15,5) Ihm grün sein über die Festzeiten hinaus, Ihn lieben sein an ganz normalen und grauen Tagen (Grau ist keine liturgische Farbe!), das ist christliche Alltagsaufgabe.

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN | Verschlagwortet mit , , , , | 9 Kommentare

Frederick Fleet – der Mann, der den Eisberg sah

Zunächst hatten er und seine Kollegen mehrmals um Ferngläser gebeten. Nur leider waren die irgendwie verkramt, sie bekamen sie nie. Als er den Eisberg sah, dreimal die Notglocke läutete und schrie „Eisberg direkt voraus!“ – da war es schon zu spät. Die Titanic kollidierte Sekunden später mit dem Eisberg.

Frederick Fleets Mutter – der Vater war unbekannt – hatte ihr Baby in Liverpool ausgesetzt und war nach Amerika gegangen. Frederick landete in einem für damalige Verhältnisse durchaus guten Findelhaus, in dem die Kinder sorgfältig registriert wurden, nach anglikanischem Ritus getauft und in den ersten fünf Jahren zu Pfegefamilien protestantischen Glaubens kamen. Dabei wurde darauf geachtet, daß Mädchen nicht an unverheiratete Männer vermittelt wurden. Danach wurden sie in dem Findelhaus erzogen. Mädchen und Jungen waren dabei getrennt. Beide Geschlechter lernten Lesen und Schreiben sowie Religion; die Mädchen lernten haushälterische Arbeiten, die Jungen lernten Nähen (sie fertigten auch ihre eigene Kleidung an). Ein sorgfältiger Stundenplan sah Ausbildung, Spiel und Erholung vor. Der Speiseplan war eintönig und für unsere Begriffe fehlten Obst und Gemüse, aber niemand musste hungern. Man kümmerte sich auch darum, daß die Jugendlichen, die das Heim verließen, eine ordentliche Arbeit bekamen. (Auch hier wurde besonders darauf geachtet, daß die Mädchen nicht in der Prostitution landeten.) Wie allerdings die Stimmung in dieser Einrichtung war, ob die Kinder auch mal geherzt wurden, ob sie zu Weihnachten hübsches Spielzeug bekamen – das konnte ich nicht herausfinden.

Nun, zumindest hatte Frederick eine Grundausbildung, als er mit zwölf Jahren die Ausbildung auf einem Schulschiff begann. 1903, sechzehnjährig, ging er als Schiffsjunge zur See. Er verdiente sein Geld als Ausguckjunge, später auch als Vollmatrose, auf verschiedenen Dampfern. Im April 1912 heuerte er auf einem hochmodernen Luxusdampfer an. Er und die anderen Ausguckjungen baten wiederholt, aber vergeblich, um Ferngläser. Am 14. April um 22.00 Uhr begann er gemeinsam mit Reginald Lee die Nachtwache im Krähennest. Die Nacht war windstill und mondlos. Um 23.40 hörte man sein „Eisberg direkt voraus!“ Zweieinhalb Stunden später war die Titanic verschwunden.

Vielleicht hätte bei der schlechten Sicht (weil es keine Wellen gab, wurde der Eisberg auch kaum reflektiert) nicht einmal ein Fernglas genützt – das wird man nun nie genau wissen. Fleet selbst war überzeugt, mit einem Fernglas hätte das Schlimmste verhindert werden können, wie er in mehreren Verhören sagte; er meinte auch, gerade in der mondlosen Nacht seien blaue Eisberge wie dieser eigentlich gut erkennbar.

Überlebende der Titanic – auch Frederick Fleet – wurden von anderen Schiffen unfreundlich aufgenommen, wohl aus einer Art Aberglauben. Dennoch arbeitete er noch bis 1936 auf See, dann als Schiffbauer und noch später als Bootsmann an Land.

Fleet diente in beiden Weltkriegen. Später heiratete er und zog mit seiner Frau in ein Haus, das seinem Schwager gehörte. Mit ihm gab es kein harmonisches Verhältnis. Fleet hielt sich mit schlecht bezahlten Arbeiten über Wasser. Kurz nach Weihnachten 1964 starb seine Frau, und der Schwager warf Fleet sofort hinaus. Am 9.1.1965 fand man den 77jährigen Frederick Fleet auf dem Grundstück des Schwagers erhängt auf. Er bekam ein Armengrab auf dem Hollybrook Cemetery.

1993 errichtete die American Titanic Historical Society ihm ein würdiges Grabmal.

Vielleicht hätte ein Fernglas die Titanic und über 1500 Menschen retten können. Vielleicht hätte es genügt, nur einmal auf einen jungen Mann zu hören, der nicht viel Glück im Leben gehabt hatte. Vielleicht wäre sein späteres Leben besser verlaufen.

Veröffentlicht unter WELTLICHES | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Corona und Klima – ein Buch über den Umgang mit Krisenzeiten

Zwei große Krisen haben uns im Griff, ein „katastrophisches Paar“, wie Josef Bordat es nennt – wobei die Klimakrise derzeit von Corona überschattet ist, aber aller Voraussicht nach sehr viel länger dauern wird. Beide Krisen sind global und betreffen nicht nur einzelne Biographien, sondern alle sozialen Gefüge der Menschheit. Es geht in dem Buch um Bewältigungsstrategien und Deutungsmuster; in der Einführung werden die damit zusammenhängenden Grundprobleme kurz vorgestellt.

Gott, Technik und Mensch stehen jeder für sich auf dem Prüfstand; Josef Bordat geht es darum, sie zusammenzudenken und so die Krisen unserer Zeit zu bewältigen. Hierzu stellt er historische Deutungsmuster vor. Er beginnt mit der von Leibniz ausgearbeiteten Theodizeefrage (der Frage nach der Rechtfertigung Gottes), die er in gewohnter Gründlichkeit erklärt. Das Erdbeben von Lissabon ließ die Theodizeefrage neu stellen. Immanuel Kant setzte sich als erster nicht in moraltheologischer, sondern in naturwissenschaftlicher Weise damit auseinander und versuchte, die geologischen Ursachen für Beben zu erklären – obwohl seine Erklärungen fehlerhaft waren, begründete er die Erdbebenforschung. Dabei sieht er die Beobachtung natürlicher Zusammenhänge auch als Preisung Gottes an und ruft auf, angesichts unvermeidbarer Übel wenigstens die vermeidbaren zu verringern.

Einen neuen Begriff bildete der 1937 geborene Philosoph Hans Poser: Die Technodizee, die Rechtfertigung der Technik, beschäftigt sich mit Nutzen und Schaden durch technische Errungenschaften, bringt Wissenschaft, Technik und Moral zusammen. Zunächst außermoralische Probleme wie die Notwendigkeit der Energieversorgung haben moralisch relevante Folgen, da sie einen Eingriff in die Natur darstellen und immer in irgendeiner Hinsicht auch zerstörerisch wirken. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels muss Technik gerechtfertigt sein. Der Mensch muss sich vor dem Menschen für die Technik verantworten – und zwar nicht nur ein Mensch, sondern Erfinder, Bauherr, Geldgeber und Verbraucher gleichermaßen, und keiner davon hat allumfassendes Wissen.

Kurz geht Bordat auf zwei moralische Probleme im Zusammenhang mit Corona und Klimawandel ein. Zunächst die Impfung, die er mit Poser als „Ermöglichungsgrund einer besseren Welt“ sieht (was man ein halbes Jahr nach Erscheinen des Buches mit vorsichtigem Optimismus bestätigen kann). Auf das Problem möglicher Nebenwirkungen geht er ebenso ein wie auf das moralisch brisante Problem der Verwendung embryonaler Zellinien, das er mit den Argumenten löst, denen auch die Kirche folgt: Abtreibungen wurden niemals mit dem Zweck der Herstellung von Impfstoffen vorgenommen. Wenn aber etwas in sich Böses eine unbeabsichtigte gute Folge hat, darf man diese unter Umständen nutzen.

Beim Problem des anthropogenen Klimawandels sieht er mit Sorge eine Renaissance der „klimafreundlichen“ Atomkraft und zählt in unsentimentalster wissenschaftlicher Trockenheit ihre Nachteile auf. Es sind deren übergenug. Bordat zitiert Robert Spaemann, der darlegt, daß auch ein geringes Risiko, das Leben folgender Generationen auszulöschen, nicht gerechtfertigt werden kann.

Bordat sieht eine Gesamtberohung durch Natur-Übel und Technik-Übel, die sich nicht mehr trennen lassen. Die Verantwortung des Menschen für Umweltfragen wurde auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 festgehalten. Damit wurde zugleich die „Anthropodizee“, die Rechtfertigung des Menschen, eingeläutet. Leid aufgrund menschlichen Fehlverhaltens und Leid aufgrund von Naturkatastrophen betreffen gleichermaßen unser moralisches Handeln, unsere Verantwortung. Die allerdings ist abhängig von der Freiheit.

Willensfreiheit besteht auf jeden Fall, auch wenn neurologische Experimente scheinbar dagegen sprechen – und auch, wenn wir auf vielfältige Weise vorgeprägt sind. Damit besteht auch immer Verantwortung. Die trägt jeder einzelne und die Gemeinschaft aller, die tragen Individuen und Institutionen auf je eigene, nicht leicht zu bestimmende Art. Individuelle Entscheidungen haben unter Umständen weitreichende Konsequenzen, auch wenn die von dem Individuum noch gar nicht gesehen werden können. In diesem Zusammenhang erläutert Bordat Hans Jonas‘ Verantwortungsethik.

Im vierten Teil geht es um die Bewältigung der Krise durch Glauben und Wissen gemeinsam. Hier räumt der Autor (nicht zum ersten Mal, aber es ist ja immer wieder nötig) mit dem Vorurteil auf, das Christentum sei wissenschaftsfeindlich.

Anhand von Kants kritischer Leibniz-Rezeption und dem Gottesbegriff bei Hans Jonas stellt der Autor nochmals mehrere grundsätzliche Deutungsmuster einander gegenüber. Wie nicht anders zu erwarten, geht Bordat am Ende auf den Kreuzestod Jesu ein. Dabei erklärt er den Ausruf Jesu „Warum hast Du mich verlassen?“ philologisch richtig, indem er lemah mit „wozu, wofür“ überträgt. Ein Ziel annehmen im Leid – das kann mit Blick auf Jesus gelingen.

Gegen den Vorwurf, Bestrebungen zum Klimaschutz seien samt und sonders quasi-religiös (und also für Christen nicht ernstzunehmen) wendet Bordat sich in scholastischer Weise: Er nimmt ihn zunächst ernst und zeigt, wo Bestrebungen zum Klimaschutz tatsächlich religiös anmuten. Dann erklärt er, warum das Schlagwort „Klimareligion“ dennoch absurd ist – erklärt es mit einem Exkurs über die Klimaforschung, die im frühen 19. Jh. begann und ständig genauer wird.

Das Buch schließt mit einem Appell, Glauben und Wissen zu vereinen und so die Krise (und Krisen überhaupt) zu bewältigen.

Das Buch erschien im Sommer letzten Jahres; die Opferzahlen durch Corona sind daher überholt. Bordat macht aber genaue Angaben, welche Statistik zu welchem Datum aktuell war. Die grundsätzliche Aktualität des Buches bleibt unberührt. Etwas geschmälert wird meine Lesefreude durch die konsequente Schreibweise „Teodizee“ und „Teologe“ im ersten Kapitel (edit: offenbar nur im e-book; die Paperback-Ausgabe hat diesen Fehler nicht). Ab dem zweiten Kapitel wird aber kein h mehr unterschlagen.

Ein nachdenkliches, zum Nachdenken anregendes Buch, auf erholsame Weise ruhig und sachlich (nur an einer Stelle ist Bordat wirklich grantig, da geht es um Querdenker – und er hat auch da meine Sympathie). Wer sich ein Buch wünscht, nach dessen Lektüre er weiß, wie man Pandemien und Klimawandel besiegt, sollte ein anderes kaufen. Wer aber kluge, auf Philosophie, Religion und Wissenschaft gleichermaßen fußende Bewältigungsstrategien sucht, für den ist dies das Richtige.

Josef Bordat: Corona und Klima. Zur Deutung des Wandels, tredition 2021, 131 S.

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN, LITERATUR, WELTLICHES | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Was am Katholizismus so klasse ist: Die Sakramentalien!

Wesen und Sinn von Sakramentalien sowie den Unterschied zu den Sakramenten erläutert Kathpedia:

Sakramentalien sind Dinge oder heilige Handlungen, deren sich die Kirche in einer gewissen Nachahmung der Sakramente zu bedienen pflegt, um dadurch auf ihre Fürbitte hin vor allem geistliche Wirkungen zu erlangen und den Segen Gottes auf Personen, Orte und Sachen herabzurufen. Sie schützen vor den Nachstellungen des Teufels.

Die sieben Sakramente wurden von Jesus Christus eingesetzt, die Sakramentalien von der Kirche. Im Unterschied zu den Sakramenten, die „kraft ihres Vollzuges“ wirken, beruht der Segen der Sakramentalien auf der Grundlage des Weihegebets der Kirche und dem Glauben und Vertrauen des einzelnen Christen, des Spenders und des Empfängers („ex opere operantis“). Die Kirche hat Sakramentalien eingesetzt, um gewisse Ämter der Kirche, gewisse Lebensstände, vielerlei Umstände des christlichen Lebens sowie den Gebrauch von Gegenständen, die dem Menschen nützlich sind, zu heiligen.

Die Kirche ermutigt die Gläubigen dazu, die Sakramentalien zu schätzen und zu verwenden, da sie ein Tun im Sinne der königlich-priesterlichen Grundberufung jedes Christen sind, aus dem Glauben und in Einheit mit der Kirche das tägliche Leben zu gestalten.

Sakramentalien umgeben und bereichern meinen Alltag. Einige meiner Rosenkränze sind gesegnet. Kirchengebäude und Weihwasser, aber auch die Segnung des Brotes vor dem Anschnitt, jede Mahlzeit, vor der ich bete und von mir oder einem anderen gesegnet wird, sind Sakramentalien, mit denen ich täglich zu tun habe. Johanneswein, das Öl für die Krankensalbung (die selbst ein Sakrament ist), die Palm- oder vielmehr Buchsbaumzweige vom Palmsonntag und der Kräuterbuschen von Mariä Himmelfahrt (letztere sehe ich von meinem Schreibtisch aus zwischen Bildern von Maria und Jesus) – diese und viele mehr sind die schöne, sinnliche Erinnerung an die Sakramente und an die überschäumende Liebe Gottes.

Sakramentalien sind nicht so nötig wie Sakramente. Sie sind in dem Sinne „überflüssig“, als sie von Gottes Überfluss erzählen. Ich brauche weder Kräuterbuschen noch Johanneswein, um Christ zu sein – aber mit dem Argument könnte ich auch sagen, ich brauche weder Kleidung noch einen Kamm, um Mensch zu sein. Ganz ohne Sakramentalien kämen mir Kirche und Alltag nackt und struppig vor.

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Epiphanias

Melodie: Onward, Christian Soldiers

Königen und Weisen
zeigt den Weg ein Stern.
Durch die Wüste reisen
sie zu ihrem Herrn.
Heiden sind sie, fragen
die Gestirne nur;
Gott kennt ihre Plagen,
legt mit Licht die Spur.
Ihre Zweifel schwinden,
hell wird ihr Gesicht,
da sie Jesus finden
unterm Sternenlicht.

Ihre Gaben legen
sie vor Jesus hin,
und von Gottes Segen
leuchtet Herz und Sinn.
Da das Kind sie preisen,
ahnen sie es schon:
Ziel all ihrer Reisen
ist der Gottessohn.
Ihm dient alles Leben,
Luft und Meer und Land,
Er hat uns gegeben
Liebe und Verstand.

Kind, mach Du uns weise,
sei auch unser Stern.
Auf des Lebens Reise
folgen wir Dir gern.
Was Du uns gegeben,
geben wir zurück:
Du bist ja das Leben,
Seligkeit und Glück.
Steil sind unsre Pfade,
dunkel ist die Welt,
doch Du hast voll Gnade
Dich zu uns gesellt.

© Claudia Sperlich
Veröffentlicht unter HIMMLISCHES, KATHOLONIEN, LITERATUR | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Felix I.

Am 5. Januar 269 wurde der Römer Felix als Amtsnachfolger des zehn Tage vorher verstorbenen Dionysius zum Papst gewählt.

Politisch sah es so aus: Claudius Gothicus war zu Beginn des Pontifikats des Felix als Kaiser militärisch erfolgreich, in seinem Verhältnis zum Christentum wohl zumindest nicht ganz fürchterlich, aber die frühesten Berichte über ihn sind unzuverlässig, da idealisierend. Er starb bereits im Sommer 270, und auf die sehr kurze und heftig umstrittene Regierung des Quintillus folgte im selben Jahr Kaiser Aurelian, der den Kult des Sol Invictus („Unbesiegte Sonne“) förderte, nicht nur aus religionspolitischem Kalkül, sondern aus ehrlichem Glauben. Christen ließ er unterdrücken, und zumindest die Hinrichtung der Heiligen Columba fällt in seine Regierungszeit. Er wurde 275 ermordet, möglicherweise weil sein Vorgehen gegen Korruption nicht allen passte. Außerdem gab es in diesen Jahren noch mehrere Gegenkaiser.

In dieser Zeit gab Papst Felix dem Brauch, an Märtyrergräbern die Messe zu feiern, offizielle Billigung. Der Brauch, Heiligenreliquien in Altären zu bergen, hat hier seinen Ursprung. Auch bestätigte er die Zweinaturenlehre, die wenige Jahrzehnte später von Athanasius von Alexandrien vollständig ausgearbeitet werden sollte. Zudem setzte er sich für verfolgte Christen ein. Felix I. starb nach fast fünfjährigem Pontifikat am 30. Dezember 274.

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN, WELTLICHES | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Christiana von Lucca

Geboren wurde sie um 1237 in Santa Croce sull’Arno in der Toskana. Sie diente als Kind ihren Eltern als Viehhirtin, später einem Bürger in Lucca als Magd. Sie war von bemerkenswerter Frömmigkeit und quittierte obszöne Sprache in einer Weise, die ihre Umwelt zu anständiger Ausdrucksweise erzog: ein unanständiges Wort, und Oringa – so ihr Taufname – erbrach sich heftig.

Als Teenager entzog sie sich einer Zwangsheirat durch Flucht nach Lucca, angeblich indem sie trockenen Fußes einen Fluss überschritt. Sie wollte nur Christus als Bräutigam. Ausgerechnet in einem Pilgerhospiz erfuhr sie eine heftige Versuchung ihrer Reinheit, der sie durch die Hilfe zweier Engel widerstand. (Ob es sich dabei um einen tatsächlichen Angriff durch einen Mann mit mangelnder Selbstkontrolle oder um schwüles Kopfkino des jungen Mädchens handelte, geht aus den Acta Santorum nicht hervor – nur daß sie sich auf nichts Unreines, ob Realität oder Phantasie, einließ.) In Lucca trat sie in Dienst bei einem frommen Mann. Als Lohn verlangte sie nur wenig simples Essen und einen einfachen Umhang. Sie fastete viel; ihr Dienstherr musste sie zuweilen geradezu zum Essen nötigen und hatte dabei mäßigen Erfolg.

Der Heiligen wird ein erstaundliches Händchen mit Tieren nachgesagt: von ihr gehütete Rinder waren außergewöhnlich sanft; ein Hase verlor vor ihr alle Scheu. Sie war sehr hübsch und intelligent, zugleich aber äußerst bescheiden und hatte eine freundliche, fromme und gutherzige Art zu sprechen. Armen gegenüber war sie stets großzügig und verschenkte das bißchen, was sie besaß, mit vollen Händen. Obwohl sie als junge Frau weder lesen noch schreiben konnte, diskutierte sie mit gebildeten Männern in einer Weise, die sie beliebt und bewundert machte; die Männer fühlten sich durch Oringas Erklärungen zu biblischen Texten bereichert.

Auf einer Pilgerreise hatte sie Visionen vom Erzengel Michael, der sie ermutigte, nach Rom zu gehen. Dort lernte sie den Minoriten Frater Rinaldus kennen, der ihre außerordentliche Klugheit und Frömmigkeit erkannte und eine freundliche Witwe namens Margarita bat, sie in ihre Familie aufzunehmen. Sie wurde nun von allen Christiana genannt und behielt diesen Namen.

Margarita und Christiana pilgerten nach Assisi, um das Grab des Heiligen Franziskus zu besuchen. Wieder hatte Christina prächtige Visionen, aufgrund derer sie 1286 in ihrer Heimatstadt das Augustinerinnen-Kloster Santa Maria Novella errichtete (wohl durch Spenden, die sie selbst sammelte) und dem Orden beitrat.

Keine der Ordensschwestern in Santa Maria Novella konnte lesen. Auf wunderbare Weise brachte die Gottesmutter der Christiana in einer Nacht das Lesen bei (und selbst wenn es nicht ganz so schnell ging wie die Legende behauptet: mit über 46 Jahren mal eben Lesen lernen ist wunderbar genug). Nun war Christiana imstande, allen Schwestern dies Wissen weiterzugeben. Auf gleiche Weise lerne Christiana Notenlesen und Singen, und zwar so ausgezeichnet, daß sie nicht nur den Ordensschwestern, sondern auch Männern Gesangsunterricht erteilte.

Ihr wurden bereits zu Lebzeiten zahlreiche Wunder zugeschrieben. Sie hatte viele Visionen, die von einer starken Liebe zum Herrn sprechen. Etwa 70jährig wurde sie gelähmt und verbrachte die folgenden drei Jahre im Bett. 1310 starb sie, dem Vernehmen nach mit einem strahlenden Lächeln.

Quelle: Acta Sanctorum

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare