Adé, lieber Lieblingsladen!

Ich habe immer gern bei Sirplus eingekauft – vor allem Obst und Gemüse. Vor dem Wegwerfen gerettete Lebensmittel, die oft nur deshalb im normalen Handel als „Müll“ gelten, weil sie nicht die Form oder Größe haben, die sie standardmäßig haben sollten.

Nun sind die Filialen von Sirplus leider Corona zum Opfer gefallen. Ich verstehe es nicht! Ich hätte gedacht, gerade in Zeiten des knappen Geldes gehen mehr Leute dort einkaufen. Aber noch mehr wurde der Online-Handel in Anspruch genommen.

Den macht Sirplus auch, und man kann sich beliefern lassen. Aber frisches Obst und Gemüse können sie auf diese Weise nicht verkaufen, weil das ihre logistischen Möglichkeiten übersteigt.

Sehr, sehr schade! Dennoch bleibt Sirplus eine bedenkenswerte Adresse zum Einkaufen – mit und ohne Abo, vielleicht auch für einen größeren Vorratseinkauf. Ich hoffe sehr, daß sie die logistischen Schwierigenkeiten für Obst- und Gemüseversand lösen können. Und daß noch andere Wege gefunden werden, gute frische Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu retten. (Es gibt ja schon eine Menge, aber immer noch kommt viel zu viel gutes Essen um, weil es eine Macke hat, nicht durch die Schablone passt oder nur noch bis übermorgen hält.)

Auch gibt es für gerettetes Obst und Gemüse die Möglichkeit, bei etepetete zu bestellen – da bekommt man Bioqualität, die unsortiert vom Feld in die Verpackungshalle geliefert wird, wobei etepetete krummes, zu kleines oder zu großes, irgendwie nicht normgerechtes Obst und Gemüse eben nicht aussortiert. Der Nachteil von Online-Einkäufen ist, daß ich damit auf Lieferung angewiesen bin und nicht mehr äußerst umweltschonend mit dem Fahrrad einkaufen fahre. Die Vorteile sind kurze Lieferketten und fristlos kündbare Abos. Wiederum ein Nachteil ist die Beschränkung auf Bioware, was das Vergnügen eben doch etwas teurer macht als Sirplus, wo es auch konventionelle Ware gibt. Immer noch viel günstiger als vergleichbare Ware im normalen Handel!

Auch gibt es über foodsharing die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und Essen vor Ort vor der Vernichtung zu schützen. Leider ist es den Bahnhofsmissionen und ähnlichen Hilfestellen mittlerweile verboten, unverpackte Lebensmittel (Brot, belegte Brötchen etc.) anzunehmen, aber mit verpackter Ware, die man selbst nicht braucht, kann man immer noch nach einer Rettungsaktion dorthin fahren. Obdachlose freuen sich meist über eine Tüte belegte Brötchen oder dergleichen. Und natürlich darf man alles behalten, was man selbst brauchen kann. Das alles ist aber für mich einfach nicht mehr zu schaffen. Vielleicht komme ich mal wieder in einen Modus, wo das geht, aber derzeit ist es mir zu zeit- und kraftaufwendig.

Schließlich gibt es Ausgabestellen von Essensrettern, an denen man sich anstellen kann. Man kann dort sehr gute Sachen bekommen, Brot en masse, Obst und Gemüse (nicht mehr ganz taufrisch, aber noch gut – Ihr habt ja selbst schon Sachen mehr als einen Tag aufbewahrt und dann mit Genuss verzehrt!), Milchprodukte, zuweilen auch Wurst und Käse. Man bekommt hier nicht unbegrenzte Mengen, die Verteiler achten sehr auf Gerechtigkeit, und manchmal muss man lange anstehen – aber dafür kostet es keinen Cent.

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Allmacht und Güte

Kürzlich hörte ich die Bemerkung, die Kirche sei nur dann glaubwürdig, wenn sie erklären könne, warum Gott die Überschwemmung des Ahrtals zugelassen habe. Und also müssen wir das erklären. Meine Antwort, die Theodizeefrage sei eben nicht lösbar, wurde zu meinem Erstaunen mit „Doch!“ quittiert. Die vorgeschlagene Lösung war, Gott sei eben nicht allmächtig.

Ich geriet ein wenig außer Fassung, weil mich im Rahmen eines Treffens theologisch interessierter Menschen diese Bemerkung schockierte. (Bei einem Esoterikertreffen hätte ich diese Bemerkung erwartet, aber ich geh nicht zu Esoterikertreffen.) Hier nun meine Antwort nach wiedergewonnener Fassung – im Bewußtsein, daß ich nicht die erste bin, die sich mit der Theodizeefrage auseinandersetzt, und meine Antwort nichts revolutionär Neues ist.

Zunächst fällt auf, daß die Theodizeefrage nach dem jüngsten Unglück in der Nähe gestellt wird. Ich wurde nicht gefragt, warum Gott den Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 zugelassen hat oder den Dreißigjährigen Krieg oder den Terrorakt vom 11. September 2001, auch nicht den letzten Überfall der Taliban auf Afghanistan, sondern die Überschwemmung des Ahrtals. Ich habe den Verdacht, Grund hierfür ist, daß das nahe Unglück uns eben wichtiger ist als das zeitlich und räumlich ferne. Aber besonders logisch ist das nicht.

Keine Lösung des Problems, aber Teil einer Antwort sind übrigens Worte und Taten zweier Ahrtaler: Der Baggerführer Helmut Schille, der sich vor seinem höchst gefährlichen Einsatz bekreuzigte und sich so in Gottes Hand gab, und ein Mann, der beim Aufräumen im Schlamm vor seinem Haus seinen Ehering wiederfand und dies zum Anlass nahm, vor laufender Kamera Gott zu danken für seine wunderbare Frau und hinzuzufügen: „Wir werden nicht im Schlamm bleiben.“ Zwei fromme Menschen, deren Antwort auf die Theodizeefrage vermutlich wäre: „Weiß nicht. Gott vertrauen, anpacken, saubermachen.“

Gott gibt uns Freiheit. Das bedeutet, wir können nicht nur tun, was Er will, sondern auch, was wir wollen. Kommt es uns in den Sinn, am Fuß eines aktiven Vulkans zu siedeln, weil die Gegend so fruchtbar ist, oder unter dem Vorwand der Religion einen Krieg zu führen, zum Massenmörder werden oder ein Land zu besetzen, oder sämtliche Ufergebiete zu asphaltieren und auf das verbleibende Feuchtgebiet nach Trockenlegung ein Einkaufzentrum zu setzen, so können wir das tun. Da Er uns auch Verstand gegeben hat, könnten wir einsehen, daß all dies zu nichts Gutem führt. Aber oft sind Stolz und Habsucht uns wichtiger sind als vernünftige Überlegung. Blöd, daß die Folgen unvernünftiger Aktionen, denen keine ehrlichen Bitten um Gottes Führung vorausgegangen sind, auch von Menschen getragen werden, die gar nichts dafür können. Freiheit ist eine wunderbare, aber auch eine gefährliche Sache; wo Freiheit mißbraucht wird, führt sie notwendig zur Not Unbeteiligter. Und doch will Gott unsere Freiheit so sehr, daß Er auch dann nicht eingreift.

Vor vielem Schrecklichen stehe ich fassungslos und finde nicht die mindeste Erklärung, auch nicht mit Blick auf die Freiheit. Eine Frau mit zwei schwerbehinderten Kindern, deren geliebter Mann plötzlich und ohne Eigen- oder Fremdverschulden stirbt – da kann ich nichts erklären, nur weinen und beten. Und Gott anklagen, Ihn fragen, warum das denn nun sein musste, ob Er diese Frau und ihre Kinder nicht einfach mal schonen konnte… und ertragen, daß ich keine Antwort bekomme. Denn „Er ist entweder allmächtig oder gütig, aber nicht beides“ ist mir zu dumm.

Ein allmächtiger, aber böser Gott ist nicht vorstellbar, weil es dann nichts Gutes gäbe. Warum sollte uns ein böser Gott die Fähigkeit zum Guten, zur Freude, zur Liebe geben – und vor allem, wie wollte er das tun? Er müsste ja wissen, daß es Liebe gibt oder geben kann, um sie uns zu ermöglichen. Aber wenn er doch böse wäre? Ferner, wenn er allmächtig und böse wäre, müsste er das Konzept Liebe selbst erdacht haben, aber schlecht finden – müsste also gegen sich selbst sein. Dann könnte er wiederum nicht ewig sein, aber Allmacht ohne Ewigkeit, eine vergängliche Allmacht, ist absurd.

Und gütig, aber nicht allmächtig? Das wäre so eine Art Schutzgeist – zwar vielleicht ungeschaffen (obwohl mir das nicht plausibel erscheint), aber aus obengenanntem Grund auch nicht ewig. Vielleicht gäbe es ihn schon längst nicht mehr, vielleicht morgen nicht mehr. Das wäre ein „Gott“, über den man bestenfalls sagen könnte „Naja, besser als gar keiner – vielleicht“.

Und gar kein Gott? Da bliebe die Frage nach dem Woher allen Seins. In einem milliardenjährigen Regelmaß umeinander tanzende Klumpen aus Materie in allen Aggregatzuständen und auf einem der winzigsten Klümpchen die Entwicklung hochkomplexer Lebensformen, von denen eine schöpferisch tätig ist – alles vernunftlos von selbst entstanden? So weit reicht mein Glaube nicht.

Sogar ohne Liebe sollte man einsehen, daß das logischste Konzept von allen ein konkurrenztloser, allmächtiger und gütiger, ewiger Gott ist.

Während ich das schreibe, höre ich fröhlichen Lärm aus dem nahen Kindergarten. In solchen Augenblicken fällt es mir leicht zu sagen: „Was immer Schreckliches geschieht, dies geschieht auch, und ich will mir nicht anmaßen zu sagen, daß irgendetwas oder irgendjemand in diesem Leben unrettbar verloren oder völlig außerhalb von Gottes Machtbereich ist.“ Die Theodizeefrage löse ich damit nicht. Aber ich danke Gott, dem Ewigen, Allmächtigen, Liebenden, Fürsorgenden, einfach so, weil Dank mir angebracht scheint.

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Gottesliebe

GL 325 (Bleibe bei uns / Abide with me)

Ich lieb Dich, Herr! Mach meine Liebe groß,
Weil Du die Liebe bist und selbst Dich gibst.
Du bist das Weltenlicht, des Lebens Schoß,
Erlöst und lehrst mich, nur weil Du mich liebst.

Nichts treibt Dich an, Du selbst willst Antrieb sein.
Wir lassen oft uns treiben von dem Feind.
Worte und Werke werden klar und rein
Nur wo das Herz sich ganz mit Dir vereint.

Glaube und Hoffnung tragen uns zu Dir,
Doch nur die Liebe schließt die Tür uns auf.
Was meinem Herzen fehlt, ergänze mir,
Du Ziel und Ruhe nach des Lebens Lauf.

© Claudia Sperlich
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Wenn Wissenschaftlern nicht geglaubt wird

Ignaz Semmelweis erkannte, daß das so oft für Mutter und Kind tödliche Kindbettfieber seine Ursache in der mangelnden Hygiene damaliger Krankenhäuser hatte. Er wurde von seinen Kollegen für geisteskrank erklärt und beseitigt (ja, genau so kann man es sagen).

Schores Alexandrowitsch Medwedew war Biochemiker und Historiker. Zornig über ein pseudowissenschaftliches Großexperiment der Sowjetunion, das zu Getreidemangel und Hunger führte, veröffentlichte er 1969 in den USA das Buch „The Rise and Fall of T. D. Lysenko, worauf er seine hohe Position als Leiter eines Labors verlor. 1973 wurde er aus der Sowjetunion ausgebürgert und lebte bis zu seinem Lebensende in London. Er fand durch eigene Recherche heraus, daß es 1957 nahe Kyschtym eine nukleare Katastrophe gegeben haben musste, und veröffentlichte 1976 einen Bericht im New Scientist und 1979 in seinem Buch „Nuclear Disaster in the Urals“. Man hielt ihn nicht für glaubwürdig – es war zu unangenehm, die großen Gefahren der Kernkraft so überdeutlich zu sehen. Erst viel später stellten auch andere Wissenschaftler fest, daß Schores‘ Angaben in Einzelheiten stimmten. In der Sowjetunion wurde der Kyschtym-Unfall mit allen Folgen erst 1989 offziell anerkannt.

Und heute? Es ist nicht nur Biologen längst allgemein bekannt, wie die Entwicklung von Befruchtung bis zum adulten Lebewesen vor sich geht und daß jedes Lebewesen mit der Befruchtung sämtliche Anlagen seiner selbst in sich trägt und entwickelt. Bei Pflanzen und Tieren bezweifelt das auch niemand. Nur bei Menschen wird standhaft behauptet, daß der ungeborene Mensch erst dann ein Mensch ist, wenn er in das Leben der Mutter passt. (Ganz zu schweigen davon daß es dabei sehr oft viel eher um die Bequemlichkeit des Vaters geht.)

Wenn ein Biologe oder ein Mediziner erklärt, daß Leben mit der Befruchtung anfängt, wird ihm auch noch niemand ernstlich widersprechen, vor allem wenn er das am Beispiel von Blumen und Bienen (oder so) verdeutlicht. Er kann vom Pflanzen- zum Tierreich kommen, und bis zum Gorilla wird man ihm glauben! Aber wenn er dann sagt: „Beim Menschen – biologisch betrachtet ein höheres Tier, nah am Gorilla – ist das genau so: das Leben mit allen Anlagen beginnt mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle“ – dann wird er wütenden Protest ernten. Die Mehrzahl seiner Hörer wird behaupten, daß er bestenfalls irrt, schlimmstenfalls ein Frauenfeind ist (was auch immer das mit der Erläuterung biologischer Tatsachen zu tun haben mag).

Mit anderen Worten: Es hat durchaus Geschichte, daß die säkulare Welt sich Augen und Ohren zuhält, wenn Wissenschaftler etwas beweisen. Gut und lebensfreundlich wird es davon nicht. Die Beispiele zeigen, daß das Lebensrecht selbst mißachtet wird, wo lebensrelevante wissenschaftliche Erkenntnisse politischen oder gesellschaftlichen Interessen (oder, wie im Fall Semmelweis, einfach der Eitelkeit der Kollegen) zum Opfer fallen.

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Warum ich ganz sicher nicht die AfD wähle

Zunächst hier einige Zitate von AfD-Politikern. Es lassen sich leicht noch weitere, noch üblere Zitate finden – alle verifiziert.

Die AfD schafft es spielend, selbst in einem Thema, in dem ich vergleichbare Ansichten habe (Gender und übergriffige Sexualkunde an Schulen) sich so hanebüchen zu benehmen, daß mir die Annahme, es handle sich bei Beatrix von Storch um eine gebildete Frau, doppelt schwer fällt (gebildet? Frau?). „Den großen Knüppel rausholen“ fände Frau von Storch gut. (Nein, das ist keine sexuelle Anspielung – oder?) „Diese Leute dürfen nicht überleben“ ist ein Zwischenruf; der Rufer wurde seinerseits nicht zur Ordnung gerufen.

Menschen entsorgen / erschießen / verbrennen, KZs bauen, SA neu gründen. Das sind alles öffentlich geäußerte Wünsche von AfD-Politikern. Überraschend ehrlich ist da der Rechtsanwalt und AfDler Dubravko Mandic, der auf facebook 2016 kundtat: „Von der NPD unterscheiden wir uns vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützer-Umfeld, nicht so sehr durch Inhalte.“

Besonders widerlich ist ein als „Witz“ deklarierter Tweet des AfDlers Johannes Biesel, der später hierüber empörte Bürger als „Gutmenschen“ titulierte: „Das Problem an #Fasching, ist dass du nicht sagen kannst, ob sie 14 oder 18 ist. Wenn du dann Pech hast, kommste an die 18jährige. #Karneval“ Biesels Parteigenossen gröhlten mit.

Eine Clique von ausländerfeindlichen, frauenverachtenden Pöbeln, in deren Kreisen die jetzige Bundeskanzlerin auch schon mal als „Merkelnutte“ tituliert wurde, johlt Beifall, wenn Flüchtlingsheime in Brand gesetzt werden, und schreit nach Lynchmord, wenn jemand, der nicht zu ihren Leuten gehört, Kindern zu nahe kommt. Und diese Partei behauptet, für Lebensschutz einzutreten!

Ich bin Christin (daher auch für die Anerkennung jedes Menschen in jedem Alter als Gottes Kind), und ich bin Epileptikerin. Aus beiden Gründen fürchte ich eine Partei, in deren aktivem Vokabular der „gesunde Volkskörper“ vorkommt. Und ja, auch deren Mitglieder sehe ich als Gottes Kinder. In meinen besten Momenten bete ich für ihre Bekehrung. Das ist die einzige Art „Stimme“, die die AfD von mir bekommt.

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Maria hat Geburtstag!

Maria, Heil der Kranken
GL 742 (Das alte Jahr vergangen ist)

Maria, schöne Gottesmagd
Mit Sternenkrone, Sonnenkleid,
Du hilfst in Krankheit, Not und Leid.
Nimm fort, was Leib und Seele plagt.

Du bist geboren frei und heil,
Von Anfang an mit Gott versöhnt.
Er hat im Himmel dich gekrönt,
Du hast an Seiner Herrschaft teil.

Du, selbst Geschöpf in Gottes Plan,
Hast uns das Wort zur Welt gebracht,
Im Stall und unterm Kreuz gewacht,
Hast nie verlassen Seine Bahn.

Dir blieb nicht Schmerz und Angst erspart,
Doch eh du warst, warst du befreit
Und bliebst in deiner Erdenzeit
Von Drachenlist und Schuld bewahrt.

Du gabst dem Herrn dein frohes Ja,
Und wurdest Mutter Seiner Schar.
Du Heil der Kranken, schön und klar,
Sei uns in Schmerz und Leiden nah.

© Claudia Sperlich



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Wahlgedanken

Hinter mir liegt eine kleine Wahl – die zum Pfarrgemeinderat. Meine Vorstellung als Kandidatin wurde sehr wohlwollend begrüßt, aber gereicht hat es doch nicht. Ich werde nun im Grunde tun, was ich vorgeschlagen habe – nämlich versuchen, das gemeinsame Gebet außerhalb der Gottesdienste zu mehren. Es gibt so viele Möglichkeiten: den Rosenkranz, das Stundengebet, soweit man es wieder darf, Taizé-Gesänge, gemeinsame freie Fürbitten, die stille Anbetung, vielleicht mit meditativen Texten, vielleicht auch ganz still, aber nicht allein – es ist ein großer Unterschied, ob man allein oder zu mehreren betet. Und sicher gibt es noch weit mehr Möglichkeiten. Das alles werde ich nun in irgendeiner Form dem PGR vorschlagen und einfach mal sehen, was daraus wird. Daß ich dabei eben nicht Mitglied des PGR geworden bin, ist wahrscheinlich gar nicht so wichtig. Zumal ja gar nicht klar ist, ob es eine Gnade oder eine Zulassung gewesen wäre, hätte man mich gewählt.

Vor mir liegt eine größere säkulare Wahl, genauer gesagt mehrere davon. Ich habe bereits entschieden, was ich wählen werde. Ob ich damit irgendetwas zum Besseren ändern kann, weiß ich nicht. Ich hoffe einfach, den schlimmsten Banden in unserem Bundestag ein wenig Einfluss zu nehmen.

Was ich bestimmt nicht tun werde: Eine mir widerstrebende Partei wählen, nur damit eine mir noch stärker widerstrebende Partei schlechter abschneidet. Das habe ich mehrmals getan und mich jedesmal hinterher geärgert. Um meine Stimme zu bekommen, muss eine Partei mir gefallen, muss ein Programm haben, das mich überzeugt, und Leute, die hinter diesem Programm stehen. Ich weiß, daß Parteien sich ändern können, und gelobe keine Nibelungentreue. Jetzt aber scheint mir die ÖDP eine gute Wahl zu sein: Ökologisch, lebensbejahend, mit christlicher Grundhaltung und gegen ungebremstes Wirtschaftswachstum.

Aber wichtiger als der ganze Bund samt Bundestag und alle Länder ist mir die Kirche. Braut Christi, da kann kein Politiker mithalten.

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Geschmack ist nicht Glaube

Kürzlich gab es eine kleinere Schlacht in diesem Internet, in der es darum ging, ob der Mariendom von Neviges eine Kirche sei.

Wäre es darum gegangen, ob er eine schöne Kirche sei, hätte ich gesagt „Über Geschmack kann man nicht streiten“, und hätte mich zurückgezogen. Es ging aber darum, daß er überhaupt keine Kirche, vielmehr eine Gotteslästerung sei, daß man ihn abreißen solle und daß der Architekt Gottfried Böhm, der ihn und zahlreiche weitere Kirchen erbaute, der Bischof, der ihn weihte und jeder, der gerne dort bete und sich im Schutz dieses gebirgig anmutenden Bauwerks geborgen und andächtig fühle, in Wahrheit ein widerchristliches Monster sei. (Ich übertreibe nicht!)

Es ging also darum, ob der Geschmack eines Gläubigen das gleiche sei wie der rechte Glaube der katholischen Kirche. Derartige Diskussionen gibt es öfter mal.

Daß Gottfried Böhms Stil nicht allen gefällt, ist normal. Die Behauptung, seine Kirchen – insbesondere sein Meisterwerk, die Nevigeser Wallfahrtskirche Maria, Königin des Friedens – seien objektiv hässlich, ist bildungsfern und eitel, denn diese Behauptung erhebt das eigene ästhetische Empfinden zur absoluten Wahrheit.

Ästhetik hat mit dem Ausdruck von Glauben (oder Unglauben) zu tun. Das zeigt die religiöse Kunst der Jahrhunderte, das zeigt auch die Kunst im Sozialismus und im Nationalsozialismus. Es gibt ästhetische Formen, die einen falschen Heroismus propagieren (diktatorische Skulpturen der letzten hundert Jahre zeigen das deutlich, aber auch barocke Darstellungen von Herrschern sind nicht frei davon – auch wenn sie künstlerisch weit gelungener sind). Die christliche Kunst hat zu verschiedenen Zeiten verschiedene Schwerpunkte im Wortsinn „ins Bild gerückt“ (etwa den triumphierenden Christus, den leidenden Christus, die Nächstenliebe u.v.a.m.). Und neuartige Kunstformen eckten oft an. „Gotik“ war zunächst ein Spottwort, so bauen allenfalls Goten, also Heiden und Barbaren. „Barock“ war ebenfalls ein Spottwort – im damaligen Italienisch bedeutete „barocco“ schief, eigenartig.

Ästhetik hat gesellschaftliche, politische, religiöse Aussagen. Eine symmetrische Gründerzeitvilla mit Dienstboteneingang sagt schon mit der Hausfront etwas anderes als Hans Scharouns organisch anmutendes Einfamilienhaus in der Weißenhofsiedlung. Eine romanische Kirche sagt bereits mit ihrem weiten Portal: „Kommt her zu mir“, eine gotische Kirche mit ihren spitzen Türmen und Fenstern sagt etwas strenger: „Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach“, und die Backsteingotik des 19. Jhs. fügt pikiert hinzu: „… und benimm dich“.

Es gibt zweifellos auch mißlungene Architektur und solche, die von vornherein ohne einen Gedanken an Schönheit in die Stadt gesetzt wurde – zahlreiche Behördengebäude der 70er und 80er Jahre geben davon Zeugnis. Auch ist die persönliche Aussage „Ich finde das hässlich“ immer legitim, auch wenn es sich um Gotik oder Barock handelt. Aber eine Kirche abreißen wollen und den Architekten postum mit Hass überschütten, allein weil das Bauwerk einem nicht gefällt, ist nicht nur ein Zeichen mangelnder Frömmigkeit und Liebe. Es ist auch ein Zeichen mangelnder Urteilskraft.

Aber der Erbitterte, der das tat, hat bei mir etwas Gutes bewirkt. Erstens habe ich mich mit dem Architekten Gottfried Böhm beschäftigt, und zweitens möchte ich, sobald ich kann, nach Neviges. Ich hoffe, im nächsten Sommer wird es gelingen. Ich möchte in diesem Mariendom beten und schauen und staunen, möchte dies Gebirge auf mich wirken lassen, mich in diesem riesigen Raum bergen lassen und die Rose auf der Fensterwand bewundern.

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Was wäre, wenn es kein Christentum gäbe?

Also nicht „nicht mehr“, sondern gar nicht? Wenn der Herr es sich anders überlegt hätte, wenn die Jünger aufgegeben hätten, wenn es nicht die geringste Überlieferung jener seltsamen jüdischen Gruppe gäbe?

Es gäbe also eine monotheistische Religion, das Judentum, und das hätte sich ohne die Konkurrenten Christentum und Islam vermutlich anders entwickelt. Aber da es keine Mission kennt und seit früher Zeit zahlreiche Feinde hat, hätte es wohl nicht viel mehr Mitglieder als unter den tatsächlichen Umständen.

Die Idee der Feindesliebe gäbe es – sie wohnt dem Judentum inne (aber außerhalb des Judentums, das weniger bekannt wäre als es heute tatsächlich ist, nur schwach ausgeprägt). Der Hinduismus würde, ebenso wie der Buddhismus, zur Nachsicht aufrufen, aber nicht so betont wie Gandhi es tat – denn Gandhi war stark geprägt durch die Lektüre von Tolstois Sachbuch „Das Himmelreich in euch“ und der Korrespondenz mit dem Autor, und ohne Christentum wäre dies Buch nicht geschrieben worden.

Judentum, Hinduisms und Buddhismus geben mindestens Hinweise, daß Rache schlecht und Vergebung gut ist. Aber die Radikalität, mit der Jesus Christus die Fendesliebe zum Gebot erhob, gäbe es ohne das Christentum nicht, und auch nicht besonders starke Missionsbestrebungen.

Europa hätte ein völlig anderes Aussehen ohne das Christentum. Vermutlich wäre es von einer ungeheuren römischen Großmacht in Provinzen aufgeteilt, die mehr oder weniger gut regiert würden. Stammesfehden wären an der Tagesordnung ebenso wie das blutige Eingreifen der römischen Besatzungsmacht. In Europa gäbe es kein Judentum, da außerhalb des Heiligen Landes ein radikaler Monotheismus nicht geduldet würde – Weihrauch für den Kaiser wäre überall Pflicht. Gegen das Verfüttern von Aufständischen an Löwen würde höchstens PETA demonstrieren, weil die Löwen vorher längere Zeit hungern und weil die Fahrt in Containern von Afrika nach Europa nicht artgerecht ist.

Wie die Kunst sich entwickelt hätte, kann man kaum ahnen – nur, daß es in Architektur, Literatur, Musik, Bildender Kunst und Volksbräuchen nichts gäbe, was christlichen Ursprungs ist. Führen Sie sich Ihre liebsten Werke vor Augen oder Ohren – wahrscheinlich gäbe es sie nicht.

Sklaverei wäre normal. Vermutlich gäbe es hie und da Stimmen, die zum menschlichen Umgang mit Sklaven aufrufen – aber strikte Gegner der Sklaverei wären seltene Käuze.

In meiner Heimat Berlin, einem nicht besonders nennenswerten Flecken des Mitteleuropäisch-Römischen Reiches, würden westslawische Stämme ihren kleinen Handel treiben und ihre kleinen Händel austragen. Das sumpfige Umland schüfe ein ungesundes Klima. Ich trüge wahrscheinlich in drei Vierteln des Jahres ein schlichtes Bärenpelzwams gegen die Kälte. Vor den gelegentlichen Menschenopfern meines Stammes würde ich mich ein bißchen ekeln, aber ich sähe ein, daß die Götter das fordern. Der fast vollständig männlich dominierte Götterhimmel der Slawen würde mir übrigens klarmachen, daß ich als Frau eigentlich nichts zu melden habe. Erlösung gäbe es nicht für mich, nur ewige Wiedergeburt.

Ich bin nicht nur deshalb froh, daß es das Christentum gibt.

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Was wäre, wenn es keine Religion mehr gäbe?

Die Idee begegnet mir in den sozialen Medien ständig, im dreidimensionalen Leben gelegentlich: Man kann ja glauben, was man will (zuweilen auch: Man muss natürlich an den Herrn Jesus Christus glauben), aber Religion ist ein überflüssiger Ballast / hat Er nie gewollt. Als Argument wird gerne sämtliche je im Namen der Religion verübte Gewalt zitiert, besonders die der Kirchen und hier besonders die der Katholischen Kirche, dies in der Regel mit Phantasiezahlen und ohne irgendeine Ahnung von Sachverhalten und Zusammenhängen. Josef Bordat widerlegt solche Aussagen mit wissenschaftlicher Genauigkeit und gut lesbar.

2010 gehörten 83,6% der Weltbevölkerung irgendeiner Religion an. Nach einer Prognose, deren Plausibilität ich allerdings nicht beurteilen kann, werden es 2050 86,8% sein, bei etwa gleichbleibendem Prozentsatz der Christen aller Konfessionen und einem etwas höheren Prozentsatz an Muslimen. (Quelle: statista). Diese Zahlen sagen nicht, wie ausgeprägt im Individuum der Glaube ist, wie hoch das Wissen über die eigene Religion, wie tief die Frömmigkeit – und auch nicht, ob die wenigen Konfessionslosen nur keine Religion oder auch keinen Glauben haben. Aber sie zeigen, daß ein religiöses Empfinden für die meisten Menschen normal ist.

Angenommen, der Glaube an Gott oder Götter oder irgendwelche übersinnlichen Mächte würde sich weltweit und konfessionsübergreifend so dramatisch ändern, daß kein religiöses System sich mehr halten könnte. Meiner Ansicht nach wäre die Folge zunächst ein Wildwuchs an verschiedenen religiösen Ideen, von denen keine sich in einer strukturierten Religion manifestieren könnte. Es gäbe unter allen, die früher einer bestimmten Richtung ihrer Religion gefolgt waren, dann schwindendes Wissen um die Grundsätze dieser Religion. Nach vier oder fünf Generationen der weltweiten Religionslosigkeit wüßten vielleicht noch einige Historiker, was die wichtigsten Grundsätze und prägenden Texte der verschiedenen Religionen waren. Kurze Grundgebete würden sich noch eine Weile halten, aber schon bald in verschiedenen, widersprüchlichen Versionen kursieren. Ohne den Rahmen der Religion wäre es ja zulässig, grundlegende religiöse Texte nach Gutdünken zu ändern.

„Es gab da mal einen Jesus, der war gut und war ein Heiler, und irgendwie lebt der auch immer noch, so in uns oder so ähnlich“ würde zu einer respektierten Überzeugung (und Ähnliches geschähe anderen Religionsgründern).

Die Folge davon wäre zunächst ein großer Wissens- und Kulturverlust. Sämtliche religiösen Bauwerke würden umgewidmet oder abgerissen; religiöse Kunst bliebe unverstanden. (Letzteres ist ja bereits vielfach der Fall.) Warum eine Woche sieben und nicht fünf oder zehn Tage hat, warum sehr viele Menschen unabhängig von ihren Überzeugungen im Dezember ein fröhliches Familienfest feiern, daß es überhaupt geprägte Zeiten und besondere Tage im Jahr gab, das würde ebenso vergessen wie die Bedeutung der meisten Literatur. (Auch Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ und Camus‘ „Pest“ lassen sich ohne ein gerüttelt Maß an Wissen über Religion nicht verstehen.) Von Musik ganz zu schweigen: Man könnte das meiste noch hören, aber nicht mehr lauschen. Der „Tatort“ würde eventuell besser, denn er müsste ohne Seitenhiebe auf die Religion auskommen. (Wie will man schlagen, was es gar nicht gibt?)

Aber, bah, Kultur. Gibt es nichts Wichtigeres? Wäre nicht in Afghanistan Frieden? – Nein. Denn eine Räuberbande, die Drogen und Kunstschätze verkauft, um ein Land unter der Fuchtel zu halten, fände auch ohne den Mißbrauch einer Religion Wege, genau das zu tun. Es gäbe auch weiter repressive Erziehung, Unterdrückung von Frauen, unmenschliche Arbeitsbedingungen – das alles gibt und gab es in allen ganz offiziell religionslosen Systemen. Man braucht keine Religion, um schlecht zu sein. Nur gäbe es weniger Organisationen, die sich für die Opfer von Diktaturen einsetzen. Denn solche Organisationen sind mehrheitlich religiös geprägt.

Danton, Robespierre, Mao Zedong, Hitler, Stalin, Pol Pot, Kim Jong Un und viele Vergleichbare standen bzw. stehen den Religionen feindlich gegenüber. Religiös motivierte Herrschaft kann schrecklich werden, muss aber nicht. Religionsfeindliche Herrschaft war und ist immer verheerend. Wenn es keine Religion mehr gäbe, bliebe auf der ganzen Welt nur noch die krasseste Tyrannei. Aber wahrscheinlich fände man das bald normal, denn man hätte ja nichts anderes.

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