Man trägt wieder grün.

Die weihnachtliche Festzeit ist vorbei (auch im alten Ritus, obwohl oft behauptet wird, da sei es ganz anders). Die weißen Gewänder hängen im Schrank der Sakristei (oder sind in der Reinigung). Die liturigsche Farbe Grün herrscht vor: Farbe der Hoffnung und des Lebens. Die ersten Krokusblätter spitzen aus der Erde.

Die Kirche bekennt Farbe. Farbsymbolik hat mit Eigenschaften, Gefühlen und Erfahrungen zu tun. Die Bedeutung von Farben ist dabei kontext- und kulturabhängig; Grün dürfte allerdings in allen Kulturen eine überwiegend positiv konnotierte Farbe sein. Chlorophyll mögen schließlich alle. In der weltumspannenden Kirche ist die Farbsymbolik jedoch festgelegt. Wie genau, steht hier.

Der Wechsel der liturgischen Farben ist nicht nur ein ästhetisches Vergnügen. Er ist ein Hinweis, was jetzt „dran“ ist. Daß Gott als Mensch unter Menschen gelebt hat, Licht in der Finsternis, haben wir uns wieder einmal eindringlich klar gemacht. Jetzt heißt es, dies Bewußtsein zu bewahren und wachsen zu lassen. Hildegard von Bingen hat den Begriff Viriditas geprägt, meist wird das mit Grünkraft übersetzt. Sie meint damit eine positive Energie, die allem Sein innewohnt. Auch dieser Gedanke passt zu Hoffnung und neuem Wachstum.

Wir haben Jesu Christi Kommen in die Welt in aller Ausschweifigkeit gefeiert; ich bin am Ende immer recht froh, daß die „Normalzeit“ wieder einkehrt. Zugleich ist Christentum natürlich alles andere als „normal“: Wir leben auf Christus hin, in der Hoffnung, aus dem Glauben und liebevoll – zumindest idealiter, ich weiß ganz gut, daß realiter da noch einiges fehlt. Diese Haltung möchte ich im gemeinen Alltag mit Papierkram, Unordnung und einem Haufen Problemen bewahren, so gut ich kann.

Jesus vergleicht sich und uns mit einer grünen Pflanze: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh. 15,5) Ihm grün sein über die Festzeiten hinaus, Ihn lieben sein an ganz normalen und grauen Tagen (Grau ist keine liturgische Farbe!), das ist christliche Alltagsaufgabe.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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9 Antworten zu Man trägt wieder grün.

  1. akinom schreibt:

    Wer denkt schon an ein Messgewand bei der Farbe Grün und nicht an eine politische Partei mit diesem Namen und an fridays for future? Ich denke auch an den biblischen Regenbogen, dessen Farben ein Synonym sind für die gewiss nicht katholische Genderreligion. „Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde!“ lautet mein tägliches Sturmgebet. Geben wir die biblische Botschaft der Hoffnung nicht auf!

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  2. Nepomuk schreibt:

    „Auch im alten Ritus, auch wenn oft behauptet wird, da sei es ganz anders.“ – Doch, im Alten Ritus ist noch *mindestens* bis diesen Donnerstag, 13.1., der alten Epiphaniasoktav, Weihnachtszeit, was in diesem Fall sogar „offiziell“ ganz klar ist: „An den Wochentagen vom 7.-12. Januar, die vor den Sonntag fallen, wird die Messe vom Fest Epiphanie genommen. Nach diesem Sonntag nimmt man das Messformular vom 1. Sonntag nach Epiphanie […] mit Gloria und Präfation von Epiphanie, aber ohne Credo. – Messformular vom 1. Sonntag nach Epiphanie [das an diesem Sonntag selber nie drankommt, Anm.]: Bis zum 12. Januar wird diese Messe in Weiß gefeiert, danach in grün. […] Bis zum 12. Januar wird das Gloria gebetet“ (letzteres ist bei der „normalen“ Verwendung des Sonntagsmeßformulars unter der Woche nicht so).

    Mindestens, denn das, was danach kommt, ist zwar jedenfalls grün, in der Frage „Weihnachtszeit oder nicht“ aber schwammig und verwaschen… (die klassische Légèrität des alten Ritus: man sieht gar nicht so die Notwendigkeit, alles klar zu regeln… Selbst der Advent ist irgendwo doch die Fortsetzung der letzten Sonntage nach Pfingsten, die schön langsam das Weltende zum Thema haben… wie ich immer gesagt habe, der Jahreskreis sollte vielleicht besser Jahresmöbiusband heißen.) Am verbreitetsten ist volkstümlich die Zählweise „bis Lichtmeß“ (manchmal mit Überschneidung zur Vorfastenzeit, aber bissel Überschneidung is ja auch was Feines), aber in Jahren, in denen das später fällt (z. B. diesem) könnte auch einer sagen, es ist noch bis Septuagesima irgendwie Weihnachtszeit… das ist gar nicht so wichtig. Der Hauptpunkt ist eh, ob man noch an Weihnachten denkt oder nicht, und ähnliche außerliturgische Dinge; liturgisch ist die Zeit bis Lichtmeß *eigentlich* nur durch eine einzige Rubrik, die der Meßbesucher nicht unbedingt mitbekommt, ausgezeichnet: das Alma Redemptoris Mater als marianische Antiphon im Stundengebet.

    Nur weil Du es angesprochen hast.

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  3. Wolfram schreibt:

    In der Kirche meiner Jugend war das grüne Altar-Antependium mit Ähre und Weinrebe bestickt.

    Den Wechsel der liturgischen Farben haben wir letzten Samstag im Katechumenen-Unterricht besprochen; ich bin noch nicht sicher, daß der Funke übergesprungen ist.

    Kleine Frage am Rande: welche Farbe gilt in der katholischen Kirche für eine Trauerfeier? Bei uns steht im Handbuch, man bleibe bei der Farbe der Zeit; die Küster legen hier violett oder schwarz auf, und ich könnte auch weiß befürworten, weil wir den Auferstandenen verkündigen wie zu Ostern.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ja, das stimmt so.Schwarz ist das Übliche, Violett geht auch, Weiß ist ein bißchen unorthodox, aber nach Absprache mit dem Priester sicher möglich.

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    • Nepomuk schreibt:

      Bei Trauerfeiern ist schwarz normal und violett eine gestattete Alternative. In Deutschland ist nach meinem Eindruck violett mit weitem Abstand am üblichsten (außer natürlich in der alten Messe).

      Weiß ist anscheinend in Amerika per Ausnahme gestattet und üblich. Hier nicht; „ein bißchen unorthodox“ ist mir zwar ein bißchen zu hart gesagt, aber so ganz richtig ist es auch nicht (außer natürlich für getaufte Kleinkinder). Die allgemeine Auferstehung hat noch nicht stattgefunden und es kann zumindest gut sein, daß der Verstorbene noch was abzubüßen hat. (Aber: Weil man durchaus *auch* den Verstorbenen in der Hoffnung auf ein Wiedersehen im Himmel ein bißchen feiern darf, weil die Buße zwar nicht verschwiegen werden darf aber auch nicht *ganz* das einzige ist, um das es geht, finde ich persönlich festlich-schwarz eigentlich liberaler als violett: Violett ist einfach die „Farbe zum Thema Buße“. – Aber das nur am Rande, und nicht wichtiger nehmen als es ist.)

      Die Farbe der liturgischen Jahreszeit schließlich ist für Trauerfeiern *nirgendwo* üblich (mal davon abgesehen, daß die Farbe für die Trauerfeiern im Advent oder der Fastenzeit oder, in Amerika, in der Osterzeit oft *zufällig* mit der der Trauerfeier übereinstimmt). Wäre freilich nicht das erstemal, daß in einem Handbuch etwas steht, was ganz einfach falsch ist.

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