Seid heilig!

„Fang selber an“, wird mancher Leser denken, und ich kann darauf nur verlegen sagen: Ich versuchs ja, aber besonders gut bin ich nicht im Heilig-Sein. Nur aufgeben mag ich nicht.

Nun stammt der Aufruf aber nicht von mir, sondern von Gott. „Erweist euch als heilig und seid heilig, weil ich heilig bin“ heißt es in Levitikus 11,44 – da ist allerdings die Rede von Speisevorschriften. Petrus aber zitiert diesen Satz in seinem Brief an die Heidenchristen in der Diaspora – und daß die den differenzierten Speisevorschriften der Juden nicht folgen müssen, haben die Apostel längst entschieden. Auch die Vision des Petrus kann als Befreiung von Speisevorschriften gedeutet werden, obwohl Petrus selbst sie zunächst metaphorisch deutet – die eine Deutung schließt die andere nicht aus, gerade weil ausdrücklich gesagt wird, daß er hungrig war und Essen machte, als diese Vision ihn überkam. (Das in Lev. 11,23 genannte Verbot, Fledermäuse zu essen, ist allerdings auch heute für alle sinnvoll.)

Über Heilige, was sie verbindet und was nicht, habe ich hier schon mal geschrieben. Das Wichtigste ist, Gott zu lieben. Ihn so lieben, daß man Ihm einfach nur gehorchen will, ist eine Gabe, die man erbeten kann. Der Empfang der Sakramente ist ein Ausdruck dieser Liebe.

Man wird kein Heiliger in vier Tagen.“ (Philipp Neri) Man wird auf dem Weg nicht besser als andere – aber besser als man vorher war.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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3 Antworten zu Seid heilig!

  1. akinom schreibt:

    Ist die Wahrheit nicht schrecklich, dass im Himmel nur Heiliges Platz hat? Trösten kann da nur das göttliche Geschenk schmerzlichster Sehnsucht, das Fegefeuer. Welcher Priester wagt noch darüber zu sprechen, wenn zum Beispiel in den Fürbitten für die Verstorbenen gebetet wird? Wer betet noch für „die armen Seelen“?“ S.O.S“ flehen sie uns an und werden sich im Himmel bei den Betern revanchieren. Werden wir nicht alle evangelisch! Die auf den Felsen Petrus gegründete Kirche ist mehr als nur „sola scriptura“.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Es ist doch eine tröstliche Wahrheit. Denn was hier so unheilig ausgesehen haben mag, sieht Gott vielleicht ganz anders, gütiger und mit Verständnis. Er weiß, wenn ein im Leben einfach schrecklicher Mensch ganz am Ende, vielleicht ohne daß ein Mensch es merkt, bereut und um Vergebung bittet. Wir werden uns schön wundern, wen wir einst alles im Himmel treffen – im Zustand der Verklärung, ohne irgendetwas Böses und Falsches.

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  2. Hans-Jürgen Caspar schreibt:

    Der Artikel vom 1. November 2017 erklärt sehr schön, was Heilige sind. Danke!

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