Einem Träumer zum Geburtstag

Vor vielen Jahren wurde ein armer Schuhmacher Vater eines Sohnes. Der Schuhmacher und seine Frau freuten sich sehr über das Kind, aber alle Freude und Liebe bringt noch kein Brot auf den Tisch und kein Holz in den Ofen, und die beiden wußten nicht immer, wie sie den Kleinen erhalten sollten.

Der Schuhmacher las seinem Sohn Geschichten vor, er liebte auch die Bühne, und einmal im Jahr ging die kleine Familie ins Theater. Die Frau war gar nicht gebildet und seufzte manchmal: „Meine beiden Männer sind viel klüger als ich“, aber das stimmte nicht, denn ihre Klugheit wohnte im Herzen.

Bei aller Liebe neigten beide Eltern zur Schwermut. Der Schuhmacher meinte oft, er sei gar kein richtiger Mann (aber das stimmte nicht, er hatte ja einen Sohn, aber in der Schwermut denkt man nicht so weit). Als nun ein Krieg ausbrach, meinte er, jetzt könne er zeigen, daß doch ein richtiger Mann in ihm stecke! Er zog fort als Soldat und ließ seine Frau und seinen Sohn zurück.

Die Frau wusch und flickte die Wäsche der Nachbarn, davon konnte sie sich und ihren Sohn mehr schlecht als recht ernähren. Abends saß sie am Fenster und horchte auf die Straße hinaus, ob nicht endlich die Schritte ihres Mannes zu hören waren. Aber als der Krieg vorbei war und der Mann wiederkam, erkannte sie seine Schritte nicht, denn er war flott und kräftig losmarschiert und kam nun mit schweren, langsamen Schritten zurück. Er wurde auch nie mehr froh, und wenige Jahre später starb er.

Nun war die Frau wieder alleine mit dem Sohn, der mehr Essen brauchte als früher, und Schulbücher auch, und im langen Winter leicht fror. Sie wusch und nähte und putzte bei vielen Leuten und bekam wenig genug dafür, und sie begann zu trinken, um Not und Kälte zu vergessen, denn Schnaps war billiger als Brennholz.

Der Junge aber machte kleine Besorgungen für den Schulmeister, den Pfarrer, den Apotheker, und er bekam dafür kleines Geld. Jede Woche legte er etwas beiseite, und als er vierzehn Jahre alt war, reichte es für eine Fahrkarte in die nächste große Stadt. Da sagte er seiner Mutter: „Liebe Mutter, ich kann hier nicht bleiben. Ich gehe in die Stadt und werde berühmt.“

Das tat er auch. Er ging in die Stadt, und dann in die nächste Stadt, sang ein wenig, tanzte ein wenig, bettelte ein wenig, und dann begann er zu schreiben und zu reisen und hörte nie mehr damit auf. Er schrieb über Leid und Einsamkeit und Fremdheit, über Scheitern und Sterben – und über alles streute er einen goldenen Zauberstaub, den er in den verschiedenen Ländern gesammelt hatte, und da fanden die Menschen seine traurigen Geschichten so schön, daß sie in alle Sprachen übersetzt wurden.

Heute wäre er 216 Jahre alt geworden, aber so alt werden nicht einmal sehr berühmte dänische Märchendichter. Dennoch: Herzlichen Glückwunsch, Hans Christian Andersen!

Hier eine seiner unbekannteren Geschichten – dem Klang nach ein Märchen, dem Inhalt nach eine sehr traurige und nicht nur in seiner Zeit sehr alltägliche Geschichte.

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Karfreitag

Melodie: Herr, Dir ist nichts verborgen (GL 428)

Das Kreuz hast Du getragen
zum Heil der ganzen Welt. 
Ans Kreuz bist Du geschlagen
als unser Lösegeld.
Hast Angst und Hohn und Qual,
den Foltertod erlitten.
Für uns, die so zerstritten,
starbst Du aus freier Wahl.

Zwei andre Kreuze tragen
zwei Räuber, die voll Hohn
Dir noch im Sterben sagen:
„Nun hilf uns, Gottessohn!”
Da sieht der eine Dich
als Weg zu neuem Leben:
„Wird Dir das Reich gegeben,
Herr Jesus, denk an mich!”

Ihm sagst Du zu: „Noch heute
wirst du mit Mir dort sein!”
Wer seine Schuld bereute,
geht in das Leben ein.
Vor Deinem Kreuz will ich
die Sünden eingestehen,
zu Dir um Heilung flehen
und ganz vertrau'n auf Dich.

© Claudia Sperlich
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April, April!

Nein, auch im zehnten Jahrhundert gab es keine Päpstin. Auch nicht kurz.

Es ist zwar nicht unvorstellbar, daß eine Frau den Stuhl Petri erklimmen will – getan hat es aber keine. Nicht Johanna (weil sie fiktiv ist), und nicht Marozia (weil sie dies gefahrvolle Amt lieber ihren männlichen Verwandten überließ).

Das lateinische Zitat ist von vorn bis hinten meine Erfindung.

Allerdings bleibe ich dabei, daß Marozia ein passender Name für eine Päpstin wäre.

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Möglicher Nachweis für die Frauenweihe?

Im Geheimarchiv des Vatikan wurde bei Restaurierungsarbeiten ein Dokument gefunden, das die schillernde Kirchengeschichte noch etwas bunter macht. Es handelt sich um eine Urkunde, die seit etwa 1200 zusammengefaltet als Verstärkung des Buchrückens eines Stundenbuches diente – kein ungewöhnliches Schicksal für mittelalterliche Dokumente, aber meist sind solche Funde nicht so spannend.

Das bis auf die Knicke hervorragend erhaltene Dokument spricht von einer Päpstin, und zwar diesmal nicht von der als hanebüchene Legende einzustufenden Johanna, sondern von einer gewissen Marozia, die angeblich am 16. oder 17. Mai 964 – sehr kurz nach dem Tod des Papstes Johannes XII. – von dessen Parteigängern auf den Papstthron erhoben wurde, aber bereits am 21. Mai unter ungeklärten Umständen starb. Tags darauf wurde Benedikt V. Papst, auch er nur kurz, aber das ist eine andere und bekanntere Geschichte.

Hier der Text:

fut mulier ñ marozie ·q· papafactrix pas 
morte nepte ioanni adultero sbto seipsā coronauit papessā
uitā relinq~ prid bnd elections n' pro eterna uita

Nach Auflösung der Abbreviaturen:

fuit mulier nomine marozie quasi papafactrix per annos 
morte nepote ioanni adultero subito seipsam coronauit papessam 
uitam relinquit pridie benedicti electionis nec pro eterna vita

In meiner Übertragung:

Es war eine Frau namens Marozia, jahrelang gewissermaßen eine Papstmacherin. Nach dem Tod ihres Enkels, des ehebrecherischen Johannes, krönte sie sich sofort selbst zur Päpstin. Sie ließ das Leben am Tag vor der Wahl des Benedikt, aber nicht zum ewigen Leben.

Hat es tatsächlich eine Päpstin Marozia gegeben, wenn auch nur wenige Tage lang?

Es ist noch unklar, ob es sich bei dem Fund um eine Satire oder einen Tatsachenbericht handelt. Gegen Satire spricht allerdings der sachlich-knappe Stil. Das Dokument konnte auf die zweite Hälfte des 10. Jhs. datiert werden, es könnte also eine unmittelbare Reaktion auf Marozias Pontifikat sein. Die Möglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, daß jene Frau, die von 914 bis „nach 932” (so der bisherige Stand der Wissenschaft) lebte und in dieser Zeit einen nach dem anderen ihrer Verwandten auf den Stuhl Petri bugsierte, es nach dem Fiasko mit Johannes XII. auch mal selber versuchte. Ob sie zu einer neuen Namenswahl keine Zeit mehr fand oder das gar nicht vorgehabt hatte – oder ob der Autor aus was für Gründen immer den Papstnamen verschweigt – lässt sich wohl nicht klären.

Auffällig ist, daß wir keinen anderen Hinweis auf dies kurze Pontifikat haben. Das könnte man erklären einerseits durch seine enorme Kürze, andererseits durch die Wirren der Zeit – und dadurch, daß leider die meisten mittelalterlichen Dokumente nicht überlebt haben. Feuer, Wasser, Schimmel, Mäuse und andere Schädlinge haben nur wenig verschont. Andererseits sind Päpste und Gegenpäpste schon lange vor dem 10. Jh. lückenlos dokumentiert. Mein Gewährsmann gibt als möglichen Grund zu bedenken: „Bißchen peinlich ist die Dame ja schon, oder?”

Ob es Maria 2.0 et al. zum Ruhme gereicht, daß Marozia am Ende auch selbst (wenngleich illegitim) Päpstin war, will ich nicht beurteilen. Persönlich meine ich, nach dem Pontifikat Johannes XII. kam es für knappe fünf Tage nicht so sehr darauf an, wie gut, schlecht, mittelmäßig oder unmöglich jemand auf dem Papstthron war.

Ich finde ja Marozia einen schönen Namen für eine Gegenpäpstin, falls das mal kommen sollte. Angesichts der unsicheren Quellenlage ist es allerdings zweifelhaft, ob sie dann einfach Marozia oder Marozia II. hieße.

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Gründonnerstag

Melodie: Wohin soll ich mich wenden (GL 145)

Beim letzten Paschamahle saß Jesus mit den Seinen,
und Seine Worte scheinen in unsre Welt als Licht,

Vermächtnis, Trost und Mahnung: So ist der Herr zugegen
auf allen Erdenwegen, das Wort verlässt uns nicht.

Er mahnte Seine Jünger: Wohl besser nie geboren,
als ganz und gar verloren und niemals mehr Ihm nah!
Doch wer bei Ihm will bleiben, wer Ihn noch liebt im Sterben,
der wird Sein Reich auch erben, dem sagt Er: Ich bin da.

Er machte sich zum Diener, daß wir einander dienen,
Er ist als Licht erschienen, daß jeder leuchten kann.
Er gab uns Seine Weisung als Prüfstein für das Handeln.
Wer so sich lässt verwandeln, wird frei von finstrem Bann.

Dann sprach Er Seinen Segen, den Dank für Gottes Güte,
für dieser Erde Blüte, und Dank für Brot und Wein.
„Mein Leib, für euch gegeben! Mein Blut, für euch vergossen!”
Wer dieses Mahl genossen, den lädt Er zu sich ein.

In Ihm ist Gott verherrlicht! Wir singen Seine Ehre,
doch wären wir wie Meere voll stetem Jubelklang,
und leuchteten wie Sonnen, und wie die Adler flögen,
genug wär kein Vermögen zu würdigem Gesang.

© Claudia Sperlich
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Verkündigung des Herrn

Melodie: Dank sei Dir, Vater, für das ewge Leben (GL 484)

Gott ist in einer Jungfrau Mensch geworden,
in dieser Welt voll Lüge, Hass und Morden,
um unsern Blick und Schritt auf Ihn zu lenken
und unser Denken.

Maria hat das Wort des Herrn empfangen,
zu allen Menschen will durch sie gelangen,
der durch Sein Blut uns einzig kann erlösen
von allem Bösen.

Er, den Propheten lange schon verkünden,
kommt in die Welt, zu tragen unsre Sünden.
Ihn trägt, die Er im Voraus schon befreite,
die sich Ihm weihte.

Unsichtbar klein der unermesslich Große,
der alles trägt, getragen in dem Schoße!
Vor diesem Wunder will ich mich verneigen,
beten und schweigen.

© Claudia Sperlich
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Josephitag

Melodie: Alles meinem Gott zu Ehren, GL 455

Wort, das in die Welt gekommen
durch des Geistes Kraft und Tat,
Dich hat Josef aufgenommen
väterlich nach Gottes Rat,
sah auf Deine ersten Schritte,
lehrte Lobpreis Dich und Bitte,
lehrte Handwerk Dich und Fleiß
väterlich zu Gottes Preis.

Josef hört auf Gottes Worte,
bringt in jener Schreckenszeit
aus gewohntem Heimatorte
Frau und Kind in Sicherheit,
hütet aller Welten Hüter,
nährt den Geber aller Güter,
dient dem jungen Gottesknecht
treu und liebend und gerecht.

Josef, bitt, daß Gottes Segen
auch auf unsrer Arbeit ruht.
Hilf, daß wir für Den uns regen,
Der die Wahrheit ist und tut.
Zeig uns, wie wir in Gefahren
Ruhe und Vertrauen wahren.
Du hast Gottes Sohn bewacht –
Steh uns bei in Not und Nacht.

© Claudia Sperlich
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Fastenzeit ohne Gehorsam ist Kosmetik.

Fasten, beten, Almosen geben – das sind die klassischen Aufgaben in der Fastenzeit (und eigentlich auch sonst, nur in dieser Zeit eben besonders großzügig und bewußt).

Das alles kann man auch ohne Kirche, ja ohne Christentum und sogar ohne Religion. Fasten findet seit Jahrzehnten ohnehin eine Mehrheit in Deutschland wirklich gut, man wollte ja schon immer abnehmen, es ist so gesund, und dann macht es einen so bewußt (wovon auch immer). Mal wieder vermehrt beten ist ein Rat, den Angehörige aller Religionen sinnvoll finden. Wenn man „meditieren“ sagt, sogar religiös nicht gebundene, und ersetzt man Gebet durch Meditation, trifft man damit auch ganz Ungläubige. Den Armen was abgeben von seinem Überfluss, selbst wenn der so groß nicht ist – das finden auch die meisten Menschen gut, und manch einer lässt sich dazu auch motivieren.

Sicher sind Fasten, Gebet (oder wenigstens ein innerer Rückzug in die Stille) und Großherzigkeit generell gute Handlungen, wenn sie von Herzen gewollt sind. Aber wenn der Adressat am Ende nur das eigene Gefühl ist, das einfach besser wird, wenn man unbeschwerter, ausgeruhter und sozialer ist als sonst meistens, dann ist es eine „Fastenzeit light“.

Die Fastenzeit soll dazu dienen, Gott inniger lieben zu lernen. Und dabei kommt der Gehorsam ins Spiel. Liebe hat mit Gehorsam zu tun. „Ich liebe dich, aber ich möchte nicht tun, was du von mir willst“ ist ein befremdlicher Satz. Er kann einem Menschen gegenüber im gar nicht so seltenen Einzelfall sinnvoll sein – weil Menschen zuweilen schädliche oder unsinnige Dinge wollen. Aber Gott will nur das absolut Gute. Ihn lieben und zugleich bewußt nicht tun, was Er will, ist absurd.

Das gilt auch, wenn Gott durch Schriftwort und – mittels Seiner Kirche – durch Sakrament die Ehe definiert als unauflöslichen Bund zwischen genau einem Mann und genau einer Frau. Falls einem das nicht passt, kann man das als Zeichen sehen, daß Gehorsam eben nicht immer federleicht ist.

Eigentlich sollte das sogar ein deutscher Bischof im Regelfall verstehen.

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Gertraud von Nivelles

Gertraud saß und Gertraud spann
schon seit Winters Kommen,
spann und betete und sann
voll Gedanken, frommen.

Gertraud hört die Engel schon,
hört das Wort des Herren,
aber nicht der Amsel Ton,
nicht Jungvogels Sperren.

Plötzlich aus des Rockens Flausch
hört sie etwas pfeifen!
Gertraud fühlt sich wie im Rausch,
spürt die Lüfte streifen

sanft ihr liebes Angesicht,
lächelt fast verwegen:
Herr, mein Leben und mein Licht,
laß mich niederlegen

nun den Rocken, und die Maus
mag ihr Nest drin bauen!
Frühling schickst Du mir ins Haus,
nun will ich ihn schauen!

Gertraud mit der Heilgenkron
hilft, so will die Sage,
gegen Dummheit, Stumpfsinn, Fron,
gegen Rattenplage.

© Claudia Sperlich
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Ich mag keine Chauvinisten!

Erst recht nicht, wenn sie so tun, als setzten sie sich gerade für meine Rechte ein. Nicht vergessen: Ich bin, meinen sie, ein von den Finsterlingen der katholischen Kirche unterjochtes und gehirngewaschenes Weiblein, dem man erklären muss, daß es aus den Fängen jesuitischer Bösewichter befreit werden muss… oder so ähnlich.

Auf Facebook wird erwähnt, daß wieder eine Kirche mit „My body, my choice“ beschmiert wurde. Hierzu kommentiert ein Mann:

Die Frauen wollen Selbstbestimmung und keine Männerwelt, die hiergegen deren Leben diktiert. Es gibt genug Kinder auf der Welt, um die sich die Kirche kümmern könnte, statt Ungeborenen nachzuheulen.

Ich antworte:

Ich als Frau will nicht ständig von Männern erklärt bekommen, daß ich in den ersten neun Monaten meines Lebens keinen Wert hatte, daß es OK ist, wehrlose Menschen umzubringen, solange sie noch nicht geboren sind, daß Frauen in der höchst verletzlichen Situation der Schwangerschaft zur Abtreibung gedrängt werden dürfen und daß Kinder mit dem Argument „eh zu viele da“ keinen absoluten Schutz genießen. In der Abtreibungsdebatte werden Frauen, die sich für den unbedingten Schutz des Lebens einsetzen, regelmäßig von paternalistischen Männern behindert, die ihnen weismachen wollen, nur zum Besten der Frau so herumzunerven. Diese Form von als Einsatz für Frauenrechte verkleidetem Chauvinismus kotzt mich nur noch an.

Nun gibt es diese Art von Chauvinisten auch in den Reihen der katholischen Kirche – überall, wo Katholiken sich anmaßen, die Lehre verändern zu wollen, genau wie der Zitierte. Sie unterscheiden sich weder in der Wortwahl noch in der Billigung krimineller Mittel der Äußerung (hier: Kirchenwände beschmieren) von der kampfatheistischen Front, mit der ich u.a. als Ordnerin beim Marsch für das Leben schon öfter zu tun hatte. Mir kommt das vor wie die Befolgung des Aufrufes „Chauvis aller Länder, vereinigt euch!“

Überall dort, wo die Kirche sich an Jesu Wort und ihre darauf aufbauende Lehre hält, und zwar in allen Einzelheiten, kann ich als Frau aufatmen. Ich bin frei, wo mein Körper und mein Geist von Anfang an als Gottes Eigentum betrachtet werden. Denn nur dort steht fest, daß über meinen Körper und meinen Geist außer Gott nur ich zu bestimmen habe. In der Welt ist das nicht der Fall, in der lehramtstreuen katholischen Kirche doch. „My body, my choice“ – ja gerne, solange beachtet wird, daß der Körper eines Kindes zu keinem Zeitpunkt mit dem Körper seiner Mutter identisch ist. „My body, my choice“ – ja, auf jeden Fall, und wenn ich wähle, daß mein Körper samt Geist und Seele auf dem Marsch für das Leben mitgeht, dann hat mir kein anderer in den Weg zu trampeln.

Wer von einem Recht auf Abtreibung spricht, sagt mir im Grunde: „Man hätte dich auch wegmachen dürfen.“ Damit werden meine Freiheit, meine Würde und mein Lebensrecht relativiert. In der Regel am lautesten und brutalsten von Männern. Und da gebe ich dem Kommentator recht: Ich will keine Männerwelt, die mein Leben diktiert (oder das meiner Mutter, als sie noch jung war). Ich will nicht, daß das Menschenleben zur Disposition steht – auch nicht in den ersten neun Monaten.

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