Möglicher Nachweis für die Frauenweihe?

Im Geheimarchiv des Vatikan wurde bei Restaurierungsarbeiten ein Dokument gefunden, das die schillernde Kirchengeschichte noch etwas bunter macht. Es handelt sich um eine Urkunde, die seit etwa 1200 zusammengefaltet als Verstärkung des Buchrückens eines Stundenbuches diente – kein ungewöhnliches Schicksal für mittelalterliche Dokumente, aber meist sind solche Funde nicht so spannend.

Das bis auf die Knicke hervorragend erhaltene Dokument spricht von einer Päpstin, und zwar diesmal nicht von der als hanebüchene Legende einzustufenden Johanna, sondern von einer gewissen Marozia, die angeblich am 16. oder 17. Mai 964 – sehr kurz nach dem Tod des Papstes Johannes XII. – von dessen Parteigängern auf den Papstthron erhoben wurde, aber bereits am 21. Mai unter ungeklärten Umständen starb. Tags darauf wurde Benedikt V. Papst, auch er nur kurz, aber das ist eine andere und bekanntere Geschichte.

Hier der Text:

fut mulier ñ marozie ·q· papafactrix pas 
morte nepte ioanni adultero sbto seipsā coronauit papessā
uitā relinq~ prid bnd elections n' pro eterna uita

Nach Auflösung der Abbreviaturen:

fuit mulier nomine marozie quasi papafactrix per annos 
morte nepote ioanni adultero subito seipsam coronauit papessam 
uitam relinquit pridie benedicti electionis nec pro eterna vita

In meiner Übertragung:

Es war eine Frau namens Marozia, jahrelang gewissermaßen eine Papstmacherin. Nach dem Tod ihres Enkels, des ehebrecherischen Johannes, krönte sie sich sofort selbst zur Päpstin. Sie ließ das Leben am Tag vor der Wahl des Benedikt, aber nicht zum ewigen Leben.

Hat es tatsächlich eine Päpstin Marozia gegeben, wenn auch nur wenige Tage lang?

Es ist noch unklar, ob es sich bei dem Fund um eine Satire oder einen Tatsachenbericht handelt. Gegen Satire spricht allerdings der sachlich-knappe Stil. Das Dokument konnte auf die zweite Hälfte des 10. Jhs. datiert werden, es könnte also eine unmittelbare Reaktion auf Marozias Pontifikat sein. Die Möglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, daß jene Frau, die von 914 bis „nach 932” (so der bisherige Stand der Wissenschaft) lebte und in dieser Zeit einen nach dem anderen ihrer Verwandten auf den Stuhl Petri bugsierte, es nach dem Fiasko mit Johannes XII. auch mal selber versuchte. Ob sie zu einer neuen Namenswahl keine Zeit mehr fand oder das gar nicht vorgehabt hatte – oder ob der Autor aus was für Gründen immer den Papstnamen verschweigt – lässt sich wohl nicht klären.

Auffällig ist, daß wir keinen anderen Hinweis auf dies kurze Pontifikat haben. Das könnte man erklären einerseits durch seine enorme Kürze, andererseits durch die Wirren der Zeit – und dadurch, daß leider die meisten mittelalterlichen Dokumente nicht überlebt haben. Feuer, Wasser, Schimmel, Mäuse und andere Schädlinge haben nur wenig verschont. Andererseits sind Päpste und Gegenpäpste schon lange vor dem 10. Jh. lückenlos dokumentiert. Mein Gewährsmann gibt als möglichen Grund zu bedenken: „Bißchen peinlich ist die Dame ja schon, oder?”

Ob es Maria 2.0 et al. zum Ruhme gereicht, daß Marozia am Ende auch selbst (wenngleich illegitim) Päpstin war, will ich nicht beurteilen. Persönlich meine ich, nach dem Pontifikat Johannes XII. kam es für knappe fünf Tage nicht so sehr darauf an, wie gut, schlecht, mittelmäßig oder unmöglich jemand auf dem Papstthron war.

Ich finde ja Marozia einen schönen Namen für eine Gegenpäpstin, falls das mal kommen sollte. Angesichts der unsicheren Quellenlage ist es allerdings zweifelhaft, ob sie dann einfach Marozia oder Marozia II. hieße.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Möglicher Nachweis für die Frauenweihe?

  1. Andreas Keller schreibt:

    😏April, April!

  2. Pingback: April, April! | Katholisch? Logisch!

  3. Claudia Sperlich schreibt:

    Ja, in der Tat: das ist von vorn bis hinten gelogen… aber Spaß hats gemacht! 🙂

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