Ich mag keine Chauvinisten!

Erst recht nicht, wenn sie so tun, als setzten sie sich gerade für meine Rechte ein. Nicht vergessen: Ich bin, meinen sie, ein von den Finsterlingen der katholischen Kirche unterjochtes und gehirngewaschenes Weiblein, dem man erklären muss, daß es aus den Fängen jesuitischer Bösewichter befreit werden muss… oder so ähnlich.

Auf Facebook wird erwähnt, daß wieder eine Kirche mit „My body, my choice“ beschmiert wurde. Hierzu kommentiert ein Mann:

Die Frauen wollen Selbstbestimmung und keine Männerwelt, die hiergegen deren Leben diktiert. Es gibt genug Kinder auf der Welt, um die sich die Kirche kümmern könnte, statt Ungeborenen nachzuheulen.

Ich antworte:

Ich als Frau will nicht ständig von Männern erklärt bekommen, daß ich in den ersten neun Monaten meines Lebens keinen Wert hatte, daß es OK ist, wehrlose Menschen umzubringen, solange sie noch nicht geboren sind, daß Frauen in der höchst verletzlichen Situation der Schwangerschaft zur Abtreibung gedrängt werden dürfen und daß Kinder mit dem Argument „eh zu viele da“ keinen absoluten Schutz genießen. In der Abtreibungsdebatte werden Frauen, die sich für den unbedingten Schutz des Lebens einsetzen, regelmäßig von paternalistischen Männern behindert, die ihnen weismachen wollen, nur zum Besten der Frau so herumzunerven. Diese Form von als Einsatz für Frauenrechte verkleidetem Chauvinismus kotzt mich nur noch an.

Nun gibt es diese Art von Chauvinisten auch in den Reihen der katholischen Kirche – überall, wo Katholiken sich anmaßen, die Lehre verändern zu wollen, genau wie der Zitierte. Sie unterscheiden sich weder in der Wortwahl noch in der Billigung krimineller Mittel der Äußerung (hier: Kirchenwände beschmieren) von der kampfatheistischen Front, mit der ich u.a. als Ordnerin beim Marsch für das Leben schon öfter zu tun hatte. Mir kommt das vor wie die Befolgung des Aufrufes „Chauvis aller Länder, vereinigt euch!“

Überall dort, wo die Kirche sich an Jesu Wort und ihre darauf aufbauende Lehre hält, und zwar in allen Einzelheiten, kann ich als Frau aufatmen. Ich bin frei, wo mein Körper und mein Geist von Anfang an als Gottes Eigentum betrachtet werden. Denn nur dort steht fest, daß über meinen Körper und meinen Geist außer Gott nur ich zu bestimmen habe. In der Welt ist das nicht der Fall, in der lehramtstreuen katholischen Kirche doch. „My body, my choice“ – ja gerne, solange beachtet wird, daß der Körper eines Kindes zu keinem Zeitpunkt mit dem Körper seiner Mutter identisch ist. „My body, my choice“ – ja, auf jeden Fall, und wenn ich wähle, daß mein Körper samt Geist und Seele auf dem Marsch für das Leben mitgeht, dann hat mir kein anderer in den Weg zu trampeln.

Wer von einem Recht auf Abtreibung spricht, sagt mir im Grunde: „Man hätte dich auch wegmachen dürfen.“ Damit werden meine Freiheit, meine Würde und mein Lebensrecht relativiert. In der Regel am lautesten und brutalsten von Männern. Und da gebe ich dem Kommentator recht: Ich will keine Männerwelt, die mein Leben diktiert (oder das meiner Mutter, als sie noch jung war). Ich will nicht, daß das Menschenleben zur Disposition steht – auch nicht in den ersten neun Monaten.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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7 Antworten zu Ich mag keine Chauvinisten!

  1. Das Mariechen schreibt:

    Besonders „nett“ finde ich es immer, wenn mein Denken zur Verfügungsmasse gemacht wird: „Frauen wollen …“ – genau dann, wenn ich genau DAS nicht will. Oder, könnt‘ ja auch sein, man spricht mir damit mein Frau-Sein ab.
    Genauso gut könnte ich sagen: „Männer wollen zwar Sex, aber keine Verantwortung für die daraus entstehenden Kinder. Und für sie Unterhalt zahlen, erst recht nicht. Sie stehen nicht zu ihrer Verantwortungslosigkeit, sondern verstecken sich hinter angeblichen Frauenrechten.“

  2. akinom schreibt:

    Die „Mein-Bauch-gehört-mir-Aktivistinnen“ sind zahlenmäßig gewiss nicht geringer als die zitierten Chauvinisten .„Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde“ Wir leben in apokalyptischen Zeiten! „Wird der Herr, wenn er kommt noch glauben finden?“ Die größten Sünden sind – wie ich meine – Zustimmung und Beteiligung an der Gesetzgebung von Gesetzen die den 10 Geboten widersprechen. Es scheint kaum mehr welche zu geben, die dies nicht tun. Wenn die Gottesmutter „unbefleckt empfangen“ wurde, dann ist der Embryo ein lebendiges gemeinsam mit der Seele von Gott gegebenes Leben!. Unvorstellbar groß ist der Massenmord an Ungeborenen nicht nur durch Abtreibung, sondern auch durch die „Pille danach“ und „wissenschaftliche“ Experimente…Meine Waffe dagegen ist das tägliche Gebet des „Rosenkranzes der Ungeborenen“ mit den Tränen der Gottesmutter, die jeweils einen Embryo enthalten.

  3. gerd schreibt:

    Die ganze Diskussion würde an Klarheit und Schärfe gewinnen, wenn man den Begriff „Abtreibung“ nicht mehr benutzt, sondern diesen durch „gezielte Kindstötung“ ersetzt.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nein, das würde sie nicht. Denn gezielte Kindstötung kommt auch bei bereits geborenen Menschen vor, wenn auch weit weniger häufig.
      Wir müssen zwar immer wieder erklären, daß ein Mensch vor der Geburt ebenso Mensch ist wie danach. Aber es ist nicht sinnvoll, die physiologischen Unterschiede zwischen Ungeborenen und Geborenen zu verwischen.

      • gerd schreibt:

        „Aber es ist nicht sinnvoll, die physiologischen Unterschiede zwischen Ungeborenen und Geborenen zu verwischen.“

        Das verstehe ich nicht. Was genau wird denn dann vermischt? Ein ehemaliger Kollege, mit dem ich vor einiger Zeit ein Gespräch führte, war fest davon überzeugt, dass Abtreibung eine medizinische Behandlung wäre, die die Mutter vor dem Kind rettet. Von der Tötung des Kindes wusste er schlichtweg rein gar nichts oder, das wäre dann noch schlimmer, wollte er nichts wissen.

        • Claudia Sperlich schreibt:

          Das ist grauenhaft, und da müssen wir natürlich klar beweisen, daß es sich um Tötung handelt! (Beispielsweise, indem wir Biologiebücher zitieren… man kann es sich kaum vorstellen, wie ahnungslos mancher ist.)
          Dennoch meine ich: Wenn wir das Wort „Abtreibung“ vermeiden, erreichen wir nicht viel. Zunächst: Vor der Geburt ist das Leben natürlich physisch anders als danach (Stichwort Atmung, Ernährung). Es ist sinnvoll, die nachgeburtlichen Stadien zu unterscheiden – ein Baby ist kein Jugendlicher ist kein Erwachsener, das ist ja klar. Und die Stadien vor der Geburt sind auch verschieden. Und in jedem Stadium gibt es verschiedene Bedürfnisse – und ein absolut gleiches Lebensrecht. Das macht es ja so spannend und wunderbar. Erklären, daß man sehr wohl differenziert, weil man sich nicht für eine Morula hält – und das dennoch bereits die Morula ein ganzer Mensch mit allen Anlagen ist, das ist wichtig in einer Zeit, in der Christentum im Ruf der Wissenschaftsfeindlichkeit steht.
          Differenzierung heißt hier: Nicht jede Kindstötung ist eine Abtreibung – aber jede Abtreibung ist eine Kindstötung. So viel Genauigkeit muss sein.

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