Mahsa – eine iranische Christin

Das iranische Rechtssystem (ich nenne es jetzt einfachheitshalber mal so, obwohl es diesen Namen meiner Ansicht nach nicht verdient) sieht vor, Menschen, die den Islam verlassen (gleich ob sie sich zu einer anderen oder gar keiner Religion bekennen), hinzurichten.

Mahsa (Name geändert) ist Iranerin. Sie entstammt einem sehr strenggläubigen islamischen Elternhaus. Als sie sich zu Jesus Christus bekehrte und ihrem Verlobten davon erzählte, denunzierte der sie. Sie konnte fliehen.

Ein deutsches Gericht glaubte nicht, daß sie es tatsächlich ernst meint mit dem Christentum. Glaubte ihr nicht, obwohl erwiesen ist, daß sie im Iran getauft wurde – was bereits lebensgefährlich ist! Man glaubt ihr den religiösen Ernst nicht, obwohl sie im Iran leicht hätte sagen können, daß sie bereut und zum Islam zurückkehrt – dann wäre sie dort „sicher“. Man glaubt ihr nicht, obwohl das iranische Strafrecht ganz klar darüber ist, daß Apostaten mit dem Tode bestraft werden, und obwohl sie einen Freundeskreis in christlichen Gemeinden hat. Ein deutsches Gericht beschloss, Mahsa solle abgeschoben werden.

Noch ist sie hier, und ich hoffe, es gelingt, die verantwortungslosen Betonköpfe in deutschen Amtsstuben zum Umdenken zu bewegen. Sonst werden sie sich eines Tages dafür rechtfertigen müssen, Mahsa ihren Mördern ausgeliefert zu haben.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte schreibt:

Auch wenn Apostasie aus dem iranischen Strafrecht gestrichen würde, wäre die iranische Justiz nach wie vor verpflichtet, in gleicher Weise weiter zu urteilen. Die Grundlage dafür ist eine Anweisung der iranischen Verfassung, die in Art. 167 festhält: “Sind solche Gesetze nicht vorhanden, so muss er [der Richter] seinen Urteilsspruch auf der Grundlage der authentischen islamischen Quellen oder der gültigen Fatwas fällen. Er ist nicht befugt, die Eröffnung des Verfahrens oder den Urteilsspruch unter dem Vorwand fehlender, unzureichender, zu allgemein formulierter oder sich widersprechender gesetzlicher Regelungen zu verweigern.” Die iranische Strafprozessordnung enthält diese Anweisung in § 214 ebenso und fast wortgleich. In den Jahren nach der Gründung der Revolutionsgerichte 1979 und noch vor der Kodifizierung des allerersten Teils des iranischen Strafrechtes 1982 sind, soweit bekannt, wahrscheinlich mehrere tausend Menschen “auf der Grundlage der authentischen islamischen Quellen oder der gültigen Fatwas” hingerichtet worden.

Darüber hinaus weist die iranische Verfassung in Art. 170 alle Richter an, Regelungen der Regierung dort zu missachten, wo sie “im Widerspruch zu islamischen Gesetzen und Bestimmungen” stehen. Die mit Apostasie befassten Richter der iranischen Revolutionsgerichte sind alle auch islamische Geistliche und daher mit den “islamischen Gesetzen und Bestimmungen” zur Apostasie vertraut.

Apostaten “dürfen” nach Art. 226 des iranischen Strafrechtes ohne Anklage und Gerichtsverfahren – de facto also in Selbstjustiz – getötet werden, ohne dass dem Täter eine Sanktion droht. Wenn der Mörder “irrtümlich” annahm, er töte einen Apostaten, dann entfällt nach Art. 295 des iranischen Strafrechts die sonst vorgesehene Strafe. Der Täter wird nicht hingerichtet, sondern muss lediglich ein “Blutgeld” zahlen. Mordfälle, in denen sich die Täter auf diese Regelung beriefen, sind im Iran mehrfach vorgekommen, sie sind allerdings nicht häufig.
Quelle

Mahsas Familienangehörigen pflegen enge Beziehungen zu den obersten Regierungsvertretern, ein Bruder ist bei der Islamischen Religionspolizei. Sie wird keine Unterstützung von ihren Verwandten erhalten.

Mahsa ist gut integriert und unbescholten. Sie möchte einen Pflegeberuf ausüben.

Ich bin nicht zum ersten Mal entsetzt über diesen Staat (ich meine Deutschland, nicht Iran) und über Richter, die sich ganz offensichtlich nicht an Art. 16a des Grundgesetzes halten.

Hier geht es zu einer Petition an Härtefallkommission & Petitionsausschuss des Landtags in Hessen.

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Wieso gibt es eigentlich Exkommunikation?

Kürzlich wurde ich gefragt:

Wo kann man in der Bibel eigentlich eine Berechtigung zur Exkommunikation finden?
Was bedeutet es, wenn Jesus diese Möglichkeit nie angesprochen hat?

Der Fragesteller ist nicht berechtigt, hier zu kommentieren, weil er mehrfach versucht hat, beleidigendes und unwahres Zeug zu spammen. (Ich lasse seine Kommentare auch nicht zu, wenn er sie fünfmal schickt.) Damit haben wir schon einen Erklärungsansatz, warum es Exkommunikation überhaupt geben kann: Wenn man sich von der Kirche trennt, dann trennt man die Kirche von sich.

Wenn jemand sagt „Ich liebe dich nicht mehr und will mit dir nichts mehr zu tun haben“, dann hat man ihn ernstzunehmen. Wenn jemand sagt „Ich liebe dich, aber ich will, daß du dich in den Dingen, die dich eigentlich ausmachen, komplett änderst“, dann kann man ihn nicht ernstnehmen – und auch dann ist die Beziehung damit beendet.

Wenn jemand seinen Kirchenaustritt erklärt, wird er automatisch exkommuniziert. Das ist eigentlich klar, oder? Jemand sagt „Ich will nicht mehr Mitglied der Kirche sein“, und die Kirche sagt „Schade, aber dann kann die Kirche dich auch nicht mehr wie ein Mitglied behandeln“.

Wer Dinge tut, die nach Kirchenrecht zur Exkommunikation führen, wird auch dann exkommuniziert, wenn er das nicht will. Auch das sollte mit bloßer Logik einsehbar sein. Wenn ich in einem Verein bin, der sich bestimmten Zielen verschrieben hat, und diese Ziele sabotiere, dann wird der Verein mich rauswerfen, und zwar zu Recht. Ich kann nicht Mitglied des Veganerbundes sein und zum Spanferkelessen einladen. Ich kann nicht Mitglied der Katholischen Kirche sein und die Priesterinnenweihe propagieren (oder nach einer Scheidung neu heiraten, oder mich an Abtreibung beteiligen, oder den Papst ermorden, oder Dinge öffentlich lehren, die der katholischen Lehre widersprechen – insgesamt gibt es nicht allzuviele Handlungen, die zur Exkommunikation führen, aber doch einige).

Biblische Begründungen für den Ausschluss aus der christlichen Gemeinschaft gibt es auch. Jesus selbst spricht von der Binde- und Lösegewalt:

Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Mt. 18,15-18

„Wie ein Heide oder ein Zöllner“ bedeutet, wenn man Jesu Umgang mit Heiden und Zöllnern anschaut: Er ist nicht in der Christengemeinde, also musst du für ihn beten, ihm freundlich entgegenkommen und ihm nach Möglichkeit das Evangelium verkünden, ihn zurückzugewinnen suchen.

In 1 Kor. 5 fordert Paulus den Ausschluss eines Menschen, der ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Mutter pflegt:

Allgemein hört man von Unzucht unter euch, und zwar von Unzucht, wie sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt, dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt. Und da macht ihr euch noch wichtig, statt traurig zu werden und den aus eurer Mitte zu stoßen, der so etwas getan hat. Was mich angeht, so habe ich – leiblich zwar abwesend, geistig aber anwesend – mein Urteil über den, der sich so vergangen hat, schon jetzt gefällt, als ob ich persönlich anwesend wäre: Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn, diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird. Zu Unrecht rühmt ihr euch. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid! Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit! Ich habe euch in meinem Brief geschrieben, dass ihr nichts mit Unzüchtigen zu schaffen haben sollt. Gemeint waren damit nicht alle Unzüchtigen dieser Welt oder alle Habgierigen und Räuber und Götzendiener; sonst müsstet ihr ja aus der Welt auswandern. Nun aber habe ich euch geschrieben: Habt nichts zu schaffen mit einem, der sich Bruder nennt und dennoch Unzucht treibt, habgierig ist, Götzen verehrt, lästert, trinkt oder raubt; mit einem solchen Menschen sollt ihr auch keine Tischgemeinschaft haben. Was geht es mich denn an, die Außenstehenden zu richten? Habt ihr nicht die zu richten, die zu euch gehören? Die Außenstehenden wird Gott richten. Schafft den Übeltäter weg aus eurer Mitte!

Paulus benutzt das starke Wort „ihn dem Satan übergeben“ – [edit] das heißt, dass er außerhalb der Gemeinde leben muss, ohne den Schutz, den Gott der Gemeinde gewährt, aber weiter in der Reichweite Gottes leben muss. [/edit] Aber überraschend fügt Paulus hinzu: „… damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird“. Ein Mensch, der sich von der Gemeinde entfernt hat, muss ohne den Schutz der Gemeinde leben. Paulus hofft auf Umkehr durch die Beugestrafe der Exkommunikation. Zugleich erklärt er, daß der Ausschluß aus der Gemeinde kein Gerichtsurteil ist – das Richten kommt nur Gott zu. Paulus weiß aber, daß Schlechtigkeit und Unsittlichkeit ansteckend wirken, und mahnt deshalb zu Recht, „den Sauerteig wegzuschaffen“.

Ferner gibt es verschiedene Mahnungen an die Gemeinde, den Kontakt mit Gemeindemitgliedern zu meiden, wenn diese die Lehre der Kirche mißachten. Paulus schreibt:

Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, auf die Acht zu geben, die im Widerspruch zu der Lehre, die ihr gelernt habt, Spaltung und Verwirrung verursachen: Haltet euch von ihnen fern! Denn diese Leute dienen nicht Christus, unserem Herrn, sondern ihrem Bauch und sie verführen durch ihre schönen und gewandten Reden das Herz der Arglosen.
Röm. 16,17-18

Wenn jemand auf unsere Mahnung in diesem Brief nicht hört, dann merkt ihn euch und meidet den Umgang mit ihm, damit er sich schämt; doch seht ihn nicht als Feind an, sondern weist ihn als euren Bruder zurecht!
2 Thess. 3,14-15

Wenn du einen, der falsche Lehren vertritt, einmal und ein zweites Mal ermahnt hast, so meide ihn! Du weißt, ein solcher Mensch ist auf dem verkehrten Weg; er sündigt und spricht sich selbst das Urteil.
Tit 3,1-11

In 2 Joh. 1,7-11 schreibt Johannes an eine Christin und ihre Familie:

Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht den im Fleisch gekommenen Jesus Christus bekennen. Das ist der Verführer und der Antichrist. Achtet auf euch, damit ihr nicht preisgebt, was wir erarbeitet haben, sondern damit ihr den vollen Lohn empfangt! Jeder, der darüber hinausgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat Gott nicht. Wer aber in der Lehre bleibt, hat den Vater und den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und nicht diese Lehre mitbringt, dann nehmt ihn nicht in euer Haus auf, sondern verweigert ihm den Gruß! Denn wer ihm den Gruß bietet, macht sich mitschuldig an seinen bösen Taten.

Bei diesen Mahnungen wird zwar keine Exkommunikation ausgesprochen, aber doch der Gemeinde (oder einzelnen) ans Herz gelegt, mit solchen Mitgliedern keinen Kontakt mehr zu pflegen, die sich von der Lehre entfernt haben und trotz Ermahnung hartnäckig bleiben. Das lässt darauf schließen, daß Paulus und Johannes kein Interesse daran hatten, gleich mit der Keule der Exkommunikation zu drohen. Hier wird eher versucht, die Verirrten durch die klare Ansage „So darfst du hier nicht sein“ zur Umkehr zu bewegen. Das ist etwa zwischen der zweiten und dritten Stufe des von Jesus empfohlenen Umgangs mit Abtrünnigen.

Das bedeutet nun meiner Ansicht nach nicht, daß wir gehalten sind, Häretiker zu „schneiden“. Sehr wohl aber heißt es, daß eine rituelle Mahlgemeinschaft – also Eucharistiegemeinschaft – mit Menschen, die sich nicht voll und ganz zur katholischen Lehre bekennen, ausgeschlossen ist. Voll und ganz, nicht bloß in dem, was mir gefällt! Ich kann ja auch nicht im Veganerbund die Mitgliedschaft beantragen mit dem Argument, ich esse nur sehr wenig Fleisch.

Im Gegensatz zu Vereinen bleibt die Kirche jedoch auch den Abtrünnigen verbunden. Sie betet für sie, sie bietet ihnen die ausgestreckte Hand, lehrt und liebt, und sie nimmt jeden wieder auf, der bereut, umkehrt und um Wiederaufnahme bittet.

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Zwei gute Arten Heimkehr und ein rauschendes Fest

Heute nachmittag wurde ich spontan gebeten, einen Wiedereintritt in die katholische Kirche zu bezeugen. Es war eine ganz kleine schlichte Zeremonie in der Kirche, in der ich gerade zur stillen Anbetung war; der Pfarrer sah mich und bat mich, als Zeugin dabeizusein. Ein sehr bewegender Moment! Jemand war aus der Kirche ausgetreten und hatte irgendwann eingesehen, daß das falsch war.

Ein Kirchenaustritt hat logischerweise automatisch die Exkommunikation zur Folge. Die kann in diesem Fall nicht nur vom Bischof, sondern auch von einem hierzu durch den Bischof ermächtigten Priester aufgehoben werden. Der Mensch, der wieder ganz zur Kirche gehören will, spricht das Glaubensbekenntnis und ein Versprechen, daß er die Lehre der Kirche befolgen will. Der Priester hebt die Exkommunikation auf. Gemeinsam beten sie das Vaterunser.

Diesem sehr schlichten Ritus geht natürlich mindestens ein gründliches Gespräch voran, aber das geht außer Gott, dem Rückkehrwilligen und dem Priester niemanden etwas an. Ich wurde hier nur als Zeugin gebraucht, habe unterschrieben, daß jemand zur Kirche heimgekehrt ist, und darf mich einfach mitfreuen. Und was für ein schöner Termin für eine Rückkehr zur Kirche!

Hiernach radelte ich zum Gendarmenmarkt. Die für heute angesagten Gewitter blieben aus, es war warm und angenehm, und ich freute mich wirklich auf die Fronleichnamsfeier. Von den Hedwigsschwestern erfuhr ich leider, daß ein mir sehr lieber Mensch gestorben ist – lebenssatt und in hohem Alter, und wir dürfen sicher sein, daß sie im Himmel ist. Traurig bin ich, daß ich sie nicht noch einmal gesehen habe, und daß ich versäumt habe, ihr zu schreiben.

Die Freude bekam einen weiteren Dämpfer, als zum Auftakt ein Priester ansagte, an der ersten Statio solle man bitte nicht niederknien, höchstens eine ganz kurze Verneigung, und dies noch mehrmals eindringlich wiederholte. So war das ja auch letztes Jahr, als das Volk an der Monstranz mit dem Herrn förmlich vorbeigescheucht war. Nun hatte ich mir aber vorgenommen, auf derartige Weisungen nicht zu achten. Ich habe Gott und der Kirche Gehorsam gelobt, und wenn es hierbei einen Interessenkonflikt gibt, gehorche ich eben Gott.

Die Messe war schön! Erstens, weil es eine Messe war und weil das Wetter und der Gendarmenmarkt und die Sänger und die vielen Gläubigen alle mitwirkten, daß es schön wurde. Zweitens, weil ich die etwas chaotisch verlaufende Eucharistie (irgendwie hatten die Priester sich nicht deutlich genug abgesprochen, wer wohin sollte zur Kommunionspendung, und der Gendarmenmarkt ist groß) und ein paar andere Pannen eher charmant als ärgerlich fand. Übersehen wurde, soweit ich weiß, niemand.

Dann die Prozession – ich ging wild entschlossen mit. Die Meditationstexte zwischen den Liedern fand ich zwar genauso blöd wie letztes Jahr auch, aber sei’s drum, die meisten Lieder waren wirklich gut. Und dann die erste Statio…

Glücklicherweise war es diesmal nicht so schrecklich. Einerseits war der Altar wirklich feierlich geschmückt und stand unter den Linden und nicht wie letztes Jahr an einer Straßenecke. Andererseits waren außer mir noch recht viele Gläubige auf die Idee gekommen, das „Niederknie-Verbot“ zu mißachten – und keiner regte sich künstlich auf deswegen. Dennoch, liebes Erzbischöfliches Ordinariat: Gläubigen das Niederknien vor dem Eucharistischen Herrn untersagen ist allerschlechtester Stil. Vielleicht habt Ihr es diesmal eingesehen, daß niederkniende Gläubige nicht das ganze Konzept durcheinanderbringen oder zum Aufruhr führen.

Und dann – Eucharistischer Segen, Tantum ergo und Großer Gott, wir loben Dich. Danach bin ich versöhnt mit allem.

Was für ein Tag. Eine Heimkehr in die Kirche bezeugt, von einer Heimkehr zum Vater erfahren, mit dem Herrn auf der Straße gewesen. Ein guter, großer, wunderbarer Tag.

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Fronleichnam

In Berlin ist es kein Feiertag, deshalb finden Messe und Prozession erst abends statt, und in vielen Kirchen wird Sonntag nachgefeiert.

Was wir dort überhaupt feiern, erklären z.B. Josef Bordat und Allotria catholica.

Im vergangenen Jahr habe ich mich über die Fronleichnamsfeier auf dem Gendarmenmarkt und die Prozession zur Hedwigskathedrale schwer geärgert (ich berichtete hier). Dennoch werde ich heute abend wieder zum Gendarmenmarkt pilgern und hoffe einfach, daß der vielstimmige Protest, der dieser unfeierlichen Feier folgte, Wirkung hat. Im Übrigen werde ich mich heuer von keinem Ordner und im Zweifelsfall auch von keinem Bischof daran hindern lassen, den Eucharistischen Herrn kniend zu verehren. Sollte mich jemand wegtragen wollen, nur zu, ich bin fett.

Übrigens bin ich voll Vorfreude und hoffe einfach, daß es diesmal eine schöne und würdige Feier ist, daß wir es in jedem Fall dazu machen. Vorab einige ältere Fronleichnamsgedichte von mir als Hoffnungszeichen:

Fronleichnam am Gendarmenmarkt

I

Mein Herz fasst die Freude nicht,
die Gott mir schenkt –
mein ganzer Leib ist erfüllt
bis in Finger- und Zehenspitzen
von goldener, quellender, leuchtender
Freude aus Gott, meinem Herrn:
Er hat meine Sünden vergeben,
ich darf Seinen Leib empfangen,
ich darf Ihn kniend verehren,
mit Ihm durch die Straßen ziehen.

II

Selbst die Amseln singen heute lauter –
zwar nur weil sie festlichen Gesang
konkurrierend überbrücken wollen,
aber immerhin: Sie sind in Schwung,
wenn bei Wandlung und vor der Monstranz
alle Menschen schweigen vor dem Herrn,
modulieren ungebremst die Amseln,
und mein Ohr hört Gotteslob darin.

© Claudia Sperlich

Fronleichnam

Der Herr zieht vorbei
im strömenden Regen.
Ich knie vor Ihm
auf nasser Straße.
Als Katholikin
bin ich erkennbar
am Fleck auf der Hose
und pfeif auf dem Heimweg
voll heiliger Speise
das Tantum ergo.

© Claudia Sperlich

Herr Jesus, Du läßt Dich von mir verzehren.
Du selbst wirst mir, mein Gott, was Du mir gibst,
Du läßt Dich von mir essen, weil Du liebst,
Du läßt es zu, Du willst Dich nicht verwehren.

Daß Du verdunstest nicht und nicht verstiebst!
Ist Brot und Wein, geschaffen Dir zur Ehre,
Nicht Schöpfer, nur Geschöpf, ist Erdenschwere,
Wie ich, wie was Du kelterst, was Du siebst.

So seh ich Dich, mein Gott, den Überreichen:
Du gibst Dich selbst in den geschaffnen Zeichen.
Du teilst das Brot, schenkst vielen reichlich ein.

Du bist der Gastfreund und bist Trank und Speise.
Ich nehme, esse, trinke – und ich preise.
Du lieferst Dich mir aus in Brot und Wein.

aus: Eucharistie. Sonettenkranz. in Zyklische Sonette, tredition 2016

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Mehr als ein Liederbuch

Pater Adrian Kunert SJ, Songwriter und Jesuit, hat mit Xpraise – Das Liederbuch ein Lobpreisliederbuch herausgebracht, das sich für unterschiedliche Gottesdienstformen ebenso eignet wie für das spontane Singen in Kleingruppen. Es ist eine Sammlung verschiedener, großenteils moderner christlicher Lieder zu jedem Anlass des Kirchenjahrs und des Lebens. Die Liedtexte sind teils alt (auch die Pfingstsequenz in einer schmissigen Melodie von Johannes Hartl ist dabei sowie liturgische Texte), teil neu; neben deutschen Texten finden sich auch englische, französische, lateinische und ein hebräischer Text. Die meisten Lieder sind einstimmig, etwa ein Viertel (meist Kanons und Taizé-Gesänge) in leicht erlernbarer Mehrstimmigkeit. Bei vielen stehen Griffbilder für die Gitarre; eine Grifftabelle ist am Ende des Buches zu finden. Allen fremdsprachigen Texten ist eine Übersetzung beigefügt. Der Satz ist gut lesbar und übersichtlich. Der in Rot- und Orangetönen gehaltene Einband ist ansprechend gestaltet.

Bei den Liedtexten fällt eine große Bibeltreue angenehm auf. Man muss bei einem modernen christlichen Liederbuch leider wirklich sagen: es fällt auf! Einige kirchliche Gassenhauer mit 60er-Jahre-Spiritualität sind zwar auch enthalten. Den ins Wasser gefallenen Stein hätte ich nicht gebraucht. Aber bei einem 496 Seiten starken Buch kann man kaum erwarten, daß alles jedem gefällt.

Die Lieder des Herausgebers lehnen sich an die Bildsprache biblischer Texte an, haben dabei einen eigenen, unverwechselbaren Stil.

Der Aufbau des Buches orientiert sich an der Messe; zum Eingang und zum Kyrie geeignete Lieder bilden den Anfang. In einem bemerkenswerten Liedtext beschreibt Pater Kunert das Gefühl der Einsamkeit, das sich durch Trägheit im Gebet einstellt:

Tausend Jahre sind es scheinbar her.
Ich spür‘ Deine Nähe längst nicht mehr.
Doch es ist kaum ein Tag her und mir wird’s jetzt schon zu schwer
so ohne Dich. Oh, Herr, ich seh‘ die Schuld.
Komm, hab‘ mit mir Geduld; denn ohne Dich ist’s ewig Nacht!
Christ, erbarme Dich!

Den Abschluss des Buches bildet die „Gebetsecke“ – weit mehr als eine „Ecke“, vielmehr eine kleine Schule des Gebets. Pater Kunert stellt hier zunächst die Grundgebete der Kirche vor, dann die Zehn Gebote und die Fünf Kirchengebote. Darauf folgen alte und neue Gebete und Spruchweisheiten verschiedener alter und neuer Autoren, darunter ein sehr schönes um Umkehr und täglichen Neubeginn vom Herausgeber.

Gebete in der Tradition der Gesellschaft Jesu sind durchaus nicht nur für Jesuiten oder nur für Ordensleute geeignet; wer sich auf die teilweise recht langen Gebetstexte einläßt, kann hier gute Gebetsworte finden, wenn ihm selbst die Worte fehlen, und betend auch selbst erkennen, worum er bitten soll.

In seinen Ausführungen zur Unterscheidung der Geister gibt Pater Kunert eine wichtige Hilfe zum Gebet und zur Selbsterkenntnis mit dem Hinweis, daß Gott uns nicht fertigmachen will, daß ein nebulöses Gefühl der eigenen unrettbaren Schlechtigkeit niemals von Ihm kommen kann.

Das betrachtende Gebet ist wichtig. Das Immerwährende Jesusgebet der Ostkirche und der Rosenkranz der Westkirche werden hier genau erklärt; mehrere kleine Meditationen und Gewissensforschungen wechseln mit Gebeten. Ganz am Schluß steht ein kleiner praktischer Hinweis, wie eine stille Zeit mit Gott strukturiert werden kann, ohne den Beter zu überfordern oder abzulenken.

Bereits der große Liedteil ist eine Schule des Gebetes und trotz der Anwendbarkeit des Buches in ganz verschiedenen Formen von Gottesdienst auch eine Art Hinführung zur Heiligen Messe, einfach weil die passenden Lieder in der richtigen Reihenfolge kommen. Die „Gebetsecke“ am Ende umfasst nur 28 Seiten, ist aber substantiell eher ein Dom als eine Ecke.

Ich empfehle das Buch wärmstens christlichen Gebetskreisen aller Art sowie allen, die Freude an frischer Lobpreismusik und das Bedürfnis nach einer immerwährenden Schulung im Gebet haben. Es sollte in keiner Gemeindebibliothek fehlen.

Pater Adrian Kunert SJ (Herausgeber):
Xpraise – Das Liederbuch. 496 S, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2019
ISBN 978-3-460-32163-2, Best.Nr. 32163 (Paperback)
ISBN 978-3-460-32165-6, Best.Nr. 32165 (Ringheftung)
EAN 40-32382-32166-0, Best.Nr. 32166 (CD)

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Tierschutz und Antisemitismus

Heute bekam ich Mail über mein Kontaktformular. Normalerweise freut mich so etwas. Manchmal ärgert es mich auch, wie jetzt gerade.

Denn dies war die Mail:

Name: Veritas
E-Mail: estersings [so fängt die Mailadresse tatsächlich an]
Webseite: boycottisrahell. wordpress. com [um den Link funktionsfähig zu machen, Leerzeichen entfernen – ich will auf meinem Blog solche Scheiße nicht verlinken. C.S.]

Kommentar: Betreff Artikel zum jugen Eichelhäher: Eichelhäher stehen unter Naturschutz. Hilfebedürftige oder verletzte Wildtiere-Jungvögel, dazu gehört dieser auch, sind GRUDSÄTZLICH ins Tierheim zu bringen oder zur einer Wildvogel Auffangstation!
Sonst macht man sich strafbar! Einfach wo hinlegen und sterben lassen ist nicht ok, aber Du wusstest es ja nicht besser, dieser hätte ausser er war verletzt auf jeden Fall gerettet werde können wenn er im Tierheim versorgt-gefüttert worden wäre. Das wichtigste ist das diese Vögel nicht auskühlen und Wasser und Nahrung erhalten. Deshalb bei Fund in ein Karton mit Handtuch ausgekleidet setzen und was weiches wie eine Wollsocke oder Schal als Nestchen benutzen. Und ins Tierheim fahren, kostet nix. Hier eine Website mit Vogelstationen in BRD, sollte keine in der Nähe sein oder im Zweifel bitte immer Tierheim, die nehmen auch immmer an, auch ausserhalb der regulären Öffnungszeiten. [zwei Links zur Wildvogelhilfe]

Ich habe geantwortet:

Hallo „Veritas“,

schade, daß Du offensichtlich nicht sinnerfassend lesen kannst. Hast wohl zu lange in vino verbracht! Sonst hättest Du das Datum und den Inhalt des vor elf Jahren veröffentlichten Postings begriffen. 
Meine Mutter (kein Tier, also nicht unter Tierschutz stehend – aber von mir geliebt und gepflegt) lebte damals noch, und die Sorge für sie war mir gerade wichtiger als die für ein Tier, obwohl ich – genau wie die Spaziergänger, die mir den Eichelhäher brachten – das tat, was ich konnte. 

Es ist übrigens nicht strafbewehrt, der Natur im Falle eines sterbenden Eichelhähers ihren Lauf zu lassen. Da hast Du entweder gelogen oder in Jura nicht aufgepasst. Oder beides.

Antisemiten stehen bei mir nicht unter Naturschutz, und zu dieser Bagage gehörst Du ja offensichtlich, wie die verlogene Hetzseite zum Israelboycott zeigt, mit der Du gleich Reklame machst. Tierlieb und israelfeindlich, ganz wie Blondis Herrchen – das ist eine besonders ekelerregende Mischung.

Das von Dir verlinkte Blog „boycottisrahell“ ist in ganzer Fülle widerwärtig. Wie Du es wagen kannst, eine Mailadresse mit dem Namensteil „estersings“ zu benutzen, ist mir schleierhaft. Ester war eine Jüdin, die ihr Volk vor solchen Leuten wie Dir gerettet hat. Ich verzichte allerdings auf jegliche Erklärung von Dir.

Jede Äußerung von Dir, die ich zu Gesicht bekomme, wird auf die Möglichkeit überprüft, sie der Staatsanwaltschaft zukommen zu lassen.

Beste Grüße
Claudia Sperlich (die für ein Impressum und Klarnamen nicht zu feige ist)

Juda wird für immer bewohnt sein und Jerusalem von Geschlecht zu Geschlecht. (Joel 4,20)

*

Ja, dieser Post ist „Public Shaming“ – wobei ich selbstverständlich nicht die volle Mailadresse von „Veritas“ nenne. Ich stehe dazu, Fallacitas.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Eindeutigkeit der Geschlechter!

Der katholischen Kirche wird mehr übelgenommen, als in einen Blogartikel passt. Am schrecklichsten findet heute eine Reihe von Leuten, daß sie zu behaupten wagt, es gebe bei Menschen zwei Geschlechter (männlich und weiblich), die aufeinander hingeordnet und angewiesen sind, gleich an Wert und Würde, vielfältig in ihren Begabungen und Neigungen, verschieden in der Art ihrer Aufgaben und Möglichkeiten. Kurz, daß Gott in genau zwei Geschlechtern eine ganze Welt von Möglichkeiten geschaffen hat und zugleich eine ganz klare, nicht chaotische, nicht unbestimmte geschlechtliche und geistige Ergänzung, und daß Er dazu die Beachtung weniger, leicht einsehbarer Regeln gegeben hat.

Wie die kleinen Kinder gemacht werden, muss ich hier wohl nicht erklären, obwohl mir bei manchen Äußerungen über Sexualität und Fortpflanzung, Labors und Retorten schon danach ist, das mit der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle, vor allem im Zusammenhang mit Sex, nochmal ganz genau zu erklären. Wie die Kirche bin ich nämlich der Ansicht, daß die Entkoppelung von erotischer Liebe, Sexualität und Fortpflanzung ein Übel ist. Einander lieben, Glauben, Interessen und Begehren teilen, durch den Bund der Ehe gegenseitige Treue und Fürsorge besiegeln, ausschließlich miteinander (und mit keinem anderen) Sex haben, keinen der beteiligten Körper blockieren (Spirale, Kondom, Diaphragma) oder vergiften (Hormongabe), Kinder dankbar annehmen, so wie sie sind, gemeinsam in guten und in schlechten Tagen leben: das ist, ganz kurz gefasst, eine christliche Ehe.

Das finden viele einfallslose Menschen spießig. Aber was ist bitteschön spießig daran, seinen Partner nicht nur ein Weilchen zu begehren, sondern bis zum Tod zu lieben, zu achten und zu ehren? Was ist spießig daran, Sexualität als etwas Heiliges und Exklusives zu betrachten, das man nur für diesen einen Menschen reserviert? Spießig sind doch vielmehr Menschen, die Stammtischwitze über das andere Geschlecht reißen und die Sexualität banalisieren als etwas, was man an jeder Ecke haben kann und was mit Liebe nicht notwendig zu tun haben muss.

Zu den manisch bequasselten Themen unserer Zeit gehören Geschlechtervielfalt, Wahlfreiheit bezüglich des Geschlechts, verschiedene Formen von Sexualität (alles mögliche, außer monogamer und gewaltfreier menschlicher Heterosexualität, die gerne wie etwas im Grunde Unnatürliches schamhaft verschwiegen wird).

Leute, ganz ehrlich: Zweigeschlechtlichkeit ist beim Menschen der Normalfall. Menschen mit Vagina sind weiblich, Menschen mit Penis sind männlich. Tatsächlich produzieren Männer und Frauen sowohl männliche als auch weibliche Hormone, aber die jeweils „entgegengesetzten“ im Normalfall nur in geringem Maße. Wo es anders ist, ist der Körper nicht gesund. Männer, die zuviel Östrogen, oder Frauen, die zuviel Testosteron produzieren, haben ein gesundheitliches Problem. Heutzutage kann man das behandeln.

Ob man Menschen, die mir weismachen wollen, die Kirche sei böse, weil sie sagt, daß Männer Männer sind und Frauen Frauen, erfolgreich behandeln kann, weiß ich nicht. Sie brauchen sich aber in keinem Fall schlecht behandelt zu fühlen, wenn man einfach ein bißchen besser in Biologie aufgepasst hat als Opa Hoppenstedt.

Spätestens hier wird jemand schon unruhig und will antworten, aber es gebe doch, wie ich gerade selbst angedeutet habe, Männliches und Weibliches in jedem Menschen. Wenn derjenige ungefähr mein Alter hat, wird ihm noch einfallen, daß ja gerade Künstler irgendwie beides sind, und Goethe hat ja auch schon gesagt mit Gingko blabla…

Ja, Ihr Guten, ich weiß, daß es Menschen gibt, deren Denkungsart und Handlungsweise so ausgeprägt ist, wie man es eigentlich traditionell beim anderen Geschlecht vermutet. Das ändert aber nichts. Das kommt einerseits davon, daß die als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ konnotierten Denkungsarten und Handlungsweisen zum Teil kulturell und sozial bedingt sind, und da passt jetzt endlich Euer Lieblingswort „Gender“ mal wirklich. Zum andern kommt es davon, daß Menschen in ihrem Wesen sehr verschieden sind. Bei keinem Tier gibt es eine so große Spannbreite von charakterlichen Unterschieden wie beim Menschen. Und ja, es gibt Frauen mit burschikosem Auftreten und Männer von sanfter und hochsensibler Gemütsart. Na und? Deswegen sind Frauen immer noch Frauen und Männer immer noch Männer.

Ich hätte in meiner agnostischen Jugend nicht geahnt, daß man irgendwann mal die Kirche notwendig braucht, um das zu sagen. Damals hatte ich bloß ein Biobuch und dachte, damit ist doch alles klar. Heute sehe ich: Die Biologie beschreibt, wie alle Wissenschaften, einen Teil der Welt. Die Gesellschaft findet ein Aber und eine Reihe von Fehlinterpretationen. Die Kirche sagt „Isso“ und erklärt, daß es Männer und Frauen gibt, weil Gott wollte, daß Männer und Frauen seien. Und daß die Fortpflanzung durch Verschmelzung von männlicher Samenzelle und weiblicher Eizelle stattfindet, und daß der hierzu führende Vorgang gleichzeitig mit Lust und Liebe zu tun haben soll – und nicht mit Beliebigkeit.

Die Kirche gesteht mir zu, daß ich eine Frau bin, abstammend von zwei Eltern (einem männlichen Mann und einer weiblichen Frau), und daß ich als solche eines von zwei existierenden Geschlechtern habe, daß ich nicht nur primär und sekundär als Frau ausgestattet bin, sondern einige spezifisch weibliche Eigenschaften habe und andere vermutlich sozial geprägte weibliche Eigenarten, was völlig in Ordnung ist, und daß ich niemals nötig haben werde, darüber nachzudenken, ob ich wirklich eine Frau bin. Nicht einmal dann, wenn mir danach ist, ganz unweiblich derbe Ausdrücke auf meine Gegner zu schleudern oder die Hände in die Hosentaschen zu stecken.

Ich danke Gott, daß ich eine Frau bin. Und ich danke Seiner Kirche, daß sie das anerkennt und wo nötig verteidigt.

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Ein Geburtstagsbesuch

Heute war ich bei einer alten Dame zu Besuch. Sie hat nämlich Geburtstag.
Und schön war das! Sie hatte viele, viele Gäste, sogar der Rundfunk war da. Es wurde gesungen und gebetet, ja es waren sogar Profimusiker dabei und gaben ihr Bestes. Einige Gratulanten – auch ich – haben wundervolle alte Texte vorgelesen. Und dann hat das Geburtstagskind uns bewirtet mit dem Kostbarsten, was es überhaupt gibt!

Und obwohl die Dame wirklich alt ist, konnte sie gar nicht genug bekommen vom Feiern. Morgen sollen wir wiederkommen. Und dann sagte sie noch mit einem Lächeln und Augenzwinkern: „Kommt nur immer, sooft ihr könnt. Meinetwegen gerne jeden Tag! Ich freue mich immer über jeden einzelnen von euch.“

Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank, liebe Ekklesia!

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Frohe Pfingsten allen Lesern!

Pfingsten
Melodie: Alles meinem Gott zu Ehren (GL 455)

Geist, der auf der Urflut schwebte,
als die Erde noch war jung,
der sie füllte und belebte,
Schöpfergeist und Lebensschwung,
durch Ihn rufen die Propheten,
in Ihm lehrt der Herr uns beten,
Er gibt Liebe, Mut und Kraft,
Dichtersinn und Wissenschaft.

Wie der Dornbusch lodernd brannte,
doch vom Feuer nicht verzehrt,
war die Schar, die Gott bekannte,
flammengleich vom Geist genährt.
Gottes Geist erfüllte jeden,
ließ in fremden Sprachen reden,
und es hielt sie nicht im Haus,
Jubel trugen sie hinaus.

Petrus, erster unter Gleichen,
wies auf die Verheißung hin,
sprach von Wundern und von Zeichen,
traf der Menschen Herz und Sinn.
Fischer, der die Lämmer weidet
und für Jesus Christus leidet,
ihn hat Gottes Geist gelenkt,
ihm Beredsamkeit geschenkt.

Komm mit Deines Geistes Klarheit,
Gott, Du Herr der Ewigkeit!
Send uns Deinen Geist der Wahrheit
in die wirr gewordne Zeit.
Gib den Hirten Du aufs Neue
Glaube, Hoffnung, Liebe, Treue,
daß Dein Wort bleibt unvermischt
und die Lehre nie erlischt.

© Claudia Sperlich

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Katholikenfresser und Frauenfeinde

Kürzlich beteiligte ich mich an einer sehr kontroversen Internet-Diskussion zum Thema „Maria 2.0“ und Frauenordination. Ich schrieb:

Ich liebe die katholische Kirche, habe mich als junge Frau zu einer katholischen Taufe entschieden und das nie bereut. Die ganzen Komiker, die mir hier und anderswo erzählen wollen, ich „wolle“ unterdrückt werden oder so was, haben schlicht keine Ahnung. Die katholische Kirche ist die einzige Organisation, die mich in meinem Menschsein, Frausein, Unbequem-Sein, Sünder-Sein, und mit allem, was zu mir gehört, vollständig anerkannt. Das kann keine andere Konfession, keine Familie, kein Verein, NUR DIE KATHOLISCHE KIRCHE. Und zwar die echte, mit allen Regeln.

Eine Antwort darauf, von einem Mann (Hervorhebung von mir):

Also, das mit Akzeptieren von „Menschsein, Frausein, Unbequem-Sein, Sünder-Sein“, das klappt in der Evangelischen Kirche auch ganz gut. Nur wenn Sie zum Seligwerden nach Ihrer Façon die ausschließliche und ausschließende Vorherrschaft von Männern brauchen, die über Sie bestimmen, dann sollten Sie sich auch wirklich besser zur Römischen Kirche halten. Wir haben das inzwischen nicht mehr im Angebot, war auch ein Auslaufmodell, für das der Support eingestellt wurde. Viel Glück für Sie und Gottes Segen, Frau Sperlich.

Das Akzeptieren klappt gut, aber die Katholikin muss irgendwie ein Mängelwesen sein. Man kann ihr floskelhaft Gottes Segen wünschen, aber man weiß ja, daß das arme Weiberl im Grunde geknechtet und gehirngewaschen ist, während man selbst als protestantischer Mann den Durchblick hat.

Ein anderer Mann meinte in der Diskussion (nicht direkt zu mir, sondern in die Runde):

Es wäre eine richtige und nötige Konsequenz, dass die Frauen aus dem Haufen austreten….

Ein Mann, der der katholischen Kirche nicht angehört, will mir vorschreiben, die katholische Kirche zu verlassen, mit der Begründung, daß die katholische Kirche den Frauen immer Vorschriften macht.

Die beiden zitierten Äußerungen stehen exemplarisch für zahllose Äußerungen von Männern gegenüber frommen Katholikinnen über die katholische Kirche.

Hört mal her, Männer:
So unlogisch wie Eure zitierten Geschlechtsgenossen sind Frauen in der Regel nicht einmal, wenn sie unter PMS leiden, schwanger oder in den Wechseljahren sind.

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