Mariä Heimsuchung

… also die in Lk. 1,39-55 beschriebene Begegnung zwischen der seit wenigen Tagen schwangeren Maria und der im 6. Monat schwangeren Elisabeth, wird in der deutschsprachigen katholischen Kirche heute gefeiert, ebenso bei Altkatholiken und Lutheranern, im übrigen katholischen Erdkreis aber am 31. Mai. Von mir gibt es nun auch einen Choral dazu.

Mariä Heimsuchung
Melodie: Send Deinen Geist, Herr Jesu Christ (GL Berlin: GL 773)

Da, noch den Menschen unsichtbar
von deinem keuschen Leibe war
der Herr der Welt umgeben,
da gingst du fort aus Nazareth
ins Bergland, zu Elisabeth,
in ihr auch wuchs ein Leben.

Du grüßtest sie, und da gewahrt
ihr Kind das Deine, noch so zart,
und hüpft in frohem Ahnen.
Der Wegbereiter und Prophet
erkennt den Herrn, eh er versteht,
dass er den Weg soll bahnen.

Elisabeth, voll Gottes Geist,
erkennt, dass Gott dich selig preist,
und staunt, wer ihr begegnet.
Da stimmst du an ein neues Lied
vom Herrn, der Seine Magd ansieht
und der die Armen segnet.

Ein Ungeborner kannte schon
den ungebornen Gottessohn
in dir, du Himmelsschöne.
Ihr beiden Mütter, alt und jung,
bleibt ewig in Erinnerung
durch eure beiden Söhne.

Maria, du warst Jesu Hort,
da Gottes Geist hat Gottes Wort
in deinem Schoß gewoben.
In des Johannes Jüngerschar
Elisabeth die erste war,
den, der da kommt, zu loben.

© Claudia Sperlich

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Kingdom prefilled

In der katholischen Kirche ist einiges verboten, was andere Konfessionen gestatten. Dazu gehört auch, die Eucharistie in Einwegbehältern zu verpacken. In zahlreichen freikirchlichen Gemeinden ist das Brauch; das Evangelische Kirchenamt Deutschland untersagt es nicht, fördert es aber auch nicht, wie hier in einem informativen Artikel beschrieben. Es gibt sie übrigens unter dem grandiosen Handelsnamen „Kingdom prefilled Communion Cups“, man kann danach googeln, es ist kein Witz. Übrigens enthalten diese Cups keinen Wein, nur beinah. Angepriesen werden sie so: „Save time and money! Prefilled Communion Cups have communion wafer and grape juice in a sanitary, disposable, single serving container!“ – zu Deutsch: „Sparen Sie Zeit und Geld! Vorab befüllte Kommunionbecher mit Kommunion-Oblate und Traubensaft in einem hygienischen Einwegbecher zum einmaligen Gebrauch!“ Fünfhundert Stück kosten 87,97 $, also 77,24 €. Die Preise für Kelche sind sehr verschieden; nehmen wir einen halbwegs preisgünstigen, schlicht und edel, für 300,00 €. Der hält dann aber auch Jahrzehnte, eigentlich sogar Jahrhunderte, und langt für abertausende von Gläubigen. Geld sparen geht sogar mit dem aufwendig gearbeiteten, lapislazulibesetzten und ziselierten Kelch (1800,00 €) oder gar mit dem mit Amethysten (Preis auf Anfrage) weit besser als mit Einweg-Plastik.

In einer katholischen Messe sind diese barbarischen Plastikpöttchen aus verschiedenen Gründen gar nicht möglich. Zunächst nimmt ja der Priester die Wandlung vor, indem er über Brot und Wein die Wandlungsworte spricht – dabei liegt das Brot vor ihm auf einem besonderen Teller, der Patene, und den Wein hat er kurz vorher in einen Kelch gegossen. All dies wird mit bestimmen Gebeten begleitet.
Außerdem glauben Katholiken, daß nach der Wandlung tatsächlich Fleisch und Blut des lebendigen Christus vor ihnen liegt. Man darf deshalb keinen Krümel und keinen Tropfen vergeuden. Der Priester purifiziert (reinigt) Patene und Kelch nach der Eucharistie sorgfältig und achtet darauf, daß wirklich nichts verschüttet oder auf den Boden gekrümelt wird. Wenn man nun annähme, daß durch die Wandlungsworte der Wein in diesen „Kaffeesahnebechern“ zu Christi Blut wird, könnte nicht gewährleistet werden, daß jeder Gläubige sein Becherchen mit der gebotenen Sorgfalt ausleckt oder purifiziert.

Nun las ich einen Blogartikel von einer Frau, die all dies eigentlich wissen sollte, denn sie ist Ordensschwester, nicht erst seit gestern. Die Schwester schreibt hier einen halb launigen, halb süffisanten Artikel über… ja worüber eigentlich? Messe to go heißt der Artikel, und es geht darin um die Messe und die Priester und der Schwester Gedanken dazu. Nur kann sie auf diese Plastikpöttchen eben nicht im Rahmen einer Messe gestoßen sein.

In dem Artikel heißt es:

Ich vermute, dass dieses Set unverzichtbarer Bestandteil der Reiseausrüstung jedes Missionars in der Wüste, im Urwald oder in der Arktis ist – vorzugsweise, wenn er gerne mal alleine die Messe feiert. Insofern will ich da jetzt auch nicht drüber lästern oder spotten oder so.

Ja dann lass es doch, Schwester. Ein katholischer Missionar hat bei sich ein Köfferchen mit Kelch, Patene, Hostien und Wein (kein Traubensaft). Außerdem würde er sich schämen, Urwald oder Arktis mit Plastik zu vermüllen.

Allerdings fällt es mir schon schwer nachvollziehen, wieso ein Priester alleine die Messe feiern will. Es widerspricht einfach vollständig meinem Verständnis der Eucharistiefeier.

Wenn ein Priester die Messe alleine feiert, bekommt sie mehr den Charakter eines Opfers, das der Priester stellvertretend für die in diesem Fall abwesende Gemeinde vollzieht. Kann man machen. Aber damit habe ich nichts zu tun. Das ist nicht mein Bild von Messe, vom Priester, von Gemeinde.

Wenn irgendetwas irgendjemandes Verständnis widerspricht, kann das immer auch an der Qualität seines Verständnisses liegen. Der Priester feiert die Messe, um den Herrn zu ehren, indem er Seinen Befehl „Tut dies zu Meinem Gedächtnis“ aus Liebe und im Geist der Dankbarkeit ausführt. Er vergegenwärtigt Jesu Selbstopfer. Das ist kein Reenactement des Letzten Abendmahles, sondern eben eine Vergegenwärtigung. Christus kommt so nach katholischem Glauben nicht nur geistlich, sondern körperlich zu den Gläubigen. Wenn außer dem Priester kein anderer Gläubiger da ist, ist der Priester dennoch gehalten, die Messe zu feiern. Denn jede Messe wird auch für die gefeiert, die nicht dabeisein können oder wollen. Das „kann man“ nicht einfach so machen oder auch seinlassen, das „muss er“. Ob das irgendeinem individuellen Bild von Messe, Priester und Gemeinde entspricht oder nicht, ist unerheblich. Allenfalls könnte man sagen: Solange nicht jedes individuelle Bild von Messe, Priester und Gemeinde von Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers handelt, muss noch viel Mission und Katechese geleistet werden.

Ein Priester/eine Kirche mit einem solchen Eucharistieverständnis braucht mich nicht. Wozu sollte ich sie brauchen?

Wenn ich nur hätte, was ich vollständig verstehe, dann wäre ich in materieller wie spiritueller Hinsicht sehr, sehr arm. Strom und Gas hätte ich schon mal nicht, denn ich verstehe nicht, wie das funktioniert, daß beide ungehindert zu mir kommen. Und an Gott glauben könnte ich dann auch nicht. Denn den verstehe ich noch weniger als Strom- und Gasleitungen.

Während ich dies schreibe, knabbere ich die kleine Oblate und frage mich, was es bewirkt, wenn irgendwo irgendein Priester allein in seinem Kämmerlein die magischen Worte über ein solches Stückchen Brot spricht. Der Geist weht, wo er will. Wir können Gott nicht vorschreiben, wie er zu wirken hat. Versprochen hat er uns aber: Wenn zwei oder drei in Jesu Namen beisammen sind, dann ist er unter ihnen. Und das, das brauche ich.

Dieser letzte Absatz macht es mir schwer, beleidigungsfrei zu schreiben. Ich will versuchen, ihn ganz sachlich zu analysieren.

Während die Schwester dies schreibt, knabbert sie die Oblate.

Entweder sie ist während des evangelischen Abendmahlsgottesdienst, den sie als Messe bezeichnet, und während des Abendmahls selbst mit Bloggen beschäftigt. Oder sie hat das „Abendmahlsset“ mitgenommen und nimmt es nun während des Bloggens an ihrem Schreibtisch zu sich. Beides lässt keine besondere Ehrfurcht merken. Aber wenn man glaubt, vom Priester konsekrierten Wein und vom Priester konsekriertes Brot – also Leib und Blut Christi – zu sich zu nehmen, weil man glaubt, einer Messe beizuwohnen, kann man doch nicht gleichzeitig bloggen! Wenn man aber als Katholik bewusst einer evangelischen Abendmahlsfeier beiwohnt und (verbotenerweise) auch kommuniziert, dann sollte man doch auch vor dem Ritus der anderen Konfession so viel Respekt haben, daß man nicht gleichzeitig mit dem Smartphone herumfuhrwerkt.

Als „Knabbern“ bezeichnet man den Verzehr von etwas Festem wie Chips oder Nüssen in kleinen Bissen. Beim Menschen bedeutet Knabbern im allgemeinen Sprachgebrauch etwas Genußvolles, aber nicht wirklich Notwendiges. Dies Verb in Verbindung mit „Oblate“ (edit: eine Oblate ist eine ungeweihte Hostie; nehmen wir zu ihren Gunsten an, daß sie ein ungeweihtes Set genommen hat – was die Sache nur wenig besser macht) ist schlichtweg unschicklich. Sie hat ja auch (vermutlich) nicht ihr Gelübde geträllert.

Der Priester spricht nicht „magische Worte“. Übrigens der evangelische Pfarrer auch nicht. Der Priester bittet im Gebet Gott darum, Brot und Wein in Sein eigenes Fleisch und Blut zu wandeln. Das klingt krass und ist krass. Aber es ist keine Magie. Katholiken vertrauen darauf (oder sollten es zumindest), daß Gott dieses Gebet immer sofort erhört, wenn es von einem geweihten Priester in der Messe gesprochen wird. Nur ist das genauso wenig Magie, wie es Magie ist, wenn beim Frühstück ein kleines Kind seine Mutter bittet, ihm eine Scheibe Brot abzuschneiden, und die Mutter das tut. Hier ist die Bitte des Menschen, der etwas möchte und nicht selber kann (im ersten Fall: Brot und Wein zu Fleisch und Blut Christi wandeln; im zweiten Fall: ein Brotmesser sachkundig und unfallfrei benutzen), und da ist die liebende Antwort. Die Mutter schneidet Brot. Gott wandelt. – Wie alle Vergleiche, hinkt natürlich auch dieser, denn das Kind wird im Regelfall irgendwann groß genug sein, das Brot selber zu schneiden, und außerdem könnte es sein, daß die Mutter der Bitte aus irgendeinem Grund nicht nachkommt (z.B. weil das Kind kein Brot verträgt oder weil sie sich die Hand verletzt hat). Gott kommt dieser in der Messe gesprochenen Bitte des Priesters immer nach, trotz verletzter Hände.
Magie wäre, wenn der Priester Gott zwingen könnte. Magie wäre, wenn Brot und Wein nicht nur die Substanz änderten, sondern die Akzidentien – wenn wir also sicht-, riech- und schmeckbar Menschenfleisch und Menschenblut vor uns hätten.
Magie wäre auch, wenn die Wandlung stattfände, weil ich die Wandlungsworte spreche. (Tut sie nicht, seien Sie sicher. Auch wenn ich im schlimmsten Fall fähig wäre, dem Priester zu soufflieren: Wenn er die Wandlungsworte nicht spricht, wandelt sich da gar nichts.)

Die Eucharistie ist Quelle und Gipfel des Glaubens.
Und das ist noch eine ganz schwache Metapher.
Die Eucharistie ist der Herr.

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Rosenkranz-Workshop

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Wochenkommentar über Kirchenärger und -hoffnung

Hier mein Wochenkommentar vom 29. Juni 2019. Viel Freude beim Hören!

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Berlin katholisch

Berlin, Berlin, ick liebe Dir.
Tu morjens lang ick poofen,
Is abends ooch ne Messe hier,
Und nichma‘ weit zu loofen.

Die haben jottlos Dir jenannt,
Du Stadt an Spree und Havel!
Der Heiljen Hedwich is bekannt:
Sowat is nur Jeschwafel.

Berlin is voll von Frömmichkeit,
Man musse nur erspähen.
Kiek hin und nimm dir bisken Zeit,
Zur Kirche hinzujehen!

Wat, gloobste nich? Denn kiek doch hin!
Im Internet tuts stehen:
Sind mehr wie siebzich Kirchen drin,
Kannst in die nächste jehen.

© Claudia Sperlich

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Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu

Am dritten Freitag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche dies Fest. Außerdem ist der erste Freitag jedes Monats der Herz-Jesu-Freitag. Jesu grenzenlose Liebe kann man gar nicht genug feiern!

Herz Jesu
Melodie: Ich bete an die Macht der Liebe

Du Herz, zerbrochen und zerschlagen,
Du Herz, durchbohrt vom Lanzenstich,
all unsre Sünden fortzutragen,
gabst Du für alle Menschen Dich.
Zieh an Dich alle Menschenherzen,
lass keinen je sein Heil verscherzen.

Von Dir geht aus der Strom des Lebens,
der Deine Kirche blühen lässt!
Zu Dir kommt niemand je vergebens,
Du bist die Liebe treu und fest.
Du bist des Glaubens Ziel und Mitte,
der Geist lenkt zu Dir unsre Schritte.

Herz Jesu, lass mein Herz gesunden,
steh mir in Seelenängsten bei.
Ich habe mich an Dich gebunden,
Herz Jesu, in Dir bin ich frei.
Befiehl dem Feind, von mir zu weichen!
Herz Jesu, lass mein Herz Dir gleichen.

© Claudia Sperlich

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Die Sieben Schläfer von Ephesos

Wir dienten im Palast. Wir waren sieben.
Wenn andre Diener Götzenopfer brachten,
Sind wir dem Christus Jesus treu geblieben.
Doch Kaiser Decius ließ die Christen schlachten,
Daß Kaisermacht und Götzenkult sich mehre.

„Drei Tage habt ihr, um euch zu bedenken:
Dem Kaiser Weihrauch, allen Göttern Ehre!
Dann wird der Kaiser euch das Leben schenken.“
„Wir ehren einen Gott, der ihn bekehre,
Und brauchen kein Bedenken, Gott zu lieben!“

Wir sammelten drei Tage für die Armen,
Verschenkten alles, wurden frei von Sorgen.
Wir hofften nur auf Gott und Sein Erbarmen
Und glaubten an ein österliches Morgen,
Seit wir den Herrn, die Wahrheit selber, trafen.

Wir konnten uns in einer Höhle bergen.
Doch ließ der Hunger uns dort bald entschlafen.
Wir hatten keine Angst mehr vor den Schergen
Und nicht vor Kaiser Decius‘ harten Strafen.
Doch schliefen wir in Gottes guten Armen.

Wir wachten auf mit einem Hungerschauer.
Ich wollte wieder in die Stadt mich wagen.
Verwittert hob sich vor uns eine Mauer,
In die ein frisches Loch war eingeschlagen –
Ein Rätsel, keine Lösung zu Gebote.

Ich hörte Menschen Jesu Namen nennen,
Und niemand nahm sie fest, und keiner drohte.
Doch meine Münzen wollten sie nicht kennen,
Kein Händler gab für dieses Geld mir Brote.
Auf großen Häusern sah ich Kreuze ragen.

Man hat mich als Betrüger festgenommen,
Dem Bischof und dem Präses vorgestellt.
Dem Bischof, ja! Von beiden dann vernommen,
Erfuhr ich: „Längst schon prägt man andres Geld,
Kaum einer kennt, den solche Münzen ehrten.

Der da hieß Decius, herrschte, als die Heiden
Die junge Christenheit noch arg beschwerten.
Der und noch viele sind, die Tod und Leiden
Und Kronen des Martyriums bescherten,
Vor fast zweihundert Jahren umgekommen!“

© Claudia Sperlich

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Peter Esser zum 57. Geburtstag

Es lebe hoch der Zeichner mit dem Hunde!
Mit seinen Bildern, bissigen und spitzen,
Mit Glaubensernst, der sich nicht scheut vor Witzen,
Bekennt er tapfer Jesu frohe Kunde.

Wenn wir uns ob Häretikern erhitzen
In fromm-empörter Facebookianer-Runde,
Bleibt Peter mit der Sanftmut selbst im Bunde –
Nicht ohne kräftig Farbe zu verspritzen.

Die Zeichenfeder piekt in Feministen
Und prüft den Härtegrad bei den Prälaten
Im Falle modernistisch-lauer Taten.

Nie lasse Gott versiegen die Ideen,
Und gütig möge auf den Zeichner sehen
Maria Einsnull, Hilfe aller Christen.

© Claudia Sperlich

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Johannes der Täufer

Melodie: Hoch sei gepriesen unser Gott (GL 384)

Du hast den Heiland schon erkannt
als ihr noch beide ungeboren.
Du bist dem Herrn vorausgesandt,
zum Wegbereiter auserkoren.
Du Rufer voller Leidenschaft,
du mahnst zur Umkehr alle Sünder;
Elia gleich, voll Geist und Kraft,
bist du der größte aller Künder.

„Ich taufe euch mit Wasser nur,
doch nach mir wird ein Größrer kommen,
Er war vor mir, auf Seiner Spur
wird jeder Weg zum Heil genommen.
Er tauft mit Feuer – Er ist Licht,
Er tauft mit Geist – Er will euch führen!
Ich bin gering und tauge nicht,
Ihm die Sandalen aufzuschnüren.“

Als Jesus an den Jordan kam,
hast du in Ihm das Lamm gesehen,
das alle Sünden auf sich nahm,
umgeben von des Geistes Wehen.
Ihn, der sich nie mit Gott entzweit,
hast du getauft auf Seine Bitte,
erfülltest die Gerechtigkeit
an dem, der aller Welten Mitte.

Du scheutest vor Herodes nicht:
„Des Bruders Frau darfst du nicht nehmen!“
Du drohtest ihm mit dem Gericht –
da ließ er dich gefangen nehmen.
Du fragtest aus der Kerkerhaft:
„Ist Jesus der, auf den wir hoffen?“
„Die Blinden sehn durch Seine Kraft,
den Toten steht das Leben offen!“

Du warst geschlachtet wie im Spiel:
Ein Fest, ein Tanz und ein Versprechen,
ein Kind, benutzt zu bösem Ziel –
so ließ Herodias sich rächen.
Doch der, dem du den Weg gebahnt,
der dir Prophetenmut gegeben
und dessen Reich du vorgeahnt,
Er gab dir ewig frohes Leben.

© Claudia Sperlich

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Zur Johannisnacht

… ein Gedicht, das mir vor einigen Jahren zu einem der schönsten Jugendbücher einfiel, „Wunderbare Fahrten und Abenteuer der kleinen Dott“ von Tamara Ramsay. Die Autorin hatte übrigens einen bemerkenswerten Lebenslauf und konvertierte als Enkelin eines orthodoxen Priesters 1932 zum katholischen Glauben. Das Buch über die kleine Dott ist vielschichtig: die märchenhafte Geschichte über eine Verzauberung und die Begegnung mit zahlreichen Sagengestalten; Zeitreisemotive, die zugleich eine Art mythisch überhöhter Geschichtsunterricht sind; die nicht ganz einfache Freundschaft mit den Tieren. Ich habe das Buch als Jugendliche mehrmals verschlungen und kann bis heute einige Stellen auswendig.

Die anderen, heute ganz unbekannten Werke von Tamara Ramsay werde ich mir wohl auch noch beschaffen.

Dorothea

Da der Rainfarn am Johannisfeuer
erste Samen wirft und deren einer
ihr in ihren Schuh geriet – ach tanzen
wollte sie in ihren neuen Schuhen -,
brachte sie ihn nicht vom Fuße mehr.

Unsichtbar ist allen andern Menschen,
wem der Farrensamen bannt den Schuh!

Tiere aber und auch Geister können
sehn das Mädchen – das versteht sie wohl,
hört der Reiher und der Eulen Stimme,
sieht der fernsten Vorzeit Abenteuer,
spricht mit Kobold und mit Wassergeist.

Aber lange, lange muß sie wandern,
ist ein Schrecken allen andern Menschen,
findet Freunde nur in wilden Tieren,
die den Menschen fürchten sonst und hassen –
und in Geistern, die der Mensch sonst fürchtet.

Endlich aber gibt die durchgelaufne
Sohle wieder jenen Samen frei.

Tier ist wieder Tier mit fremder Sprache,
Geist ist wieder unsichtbar, befremdend –
aber Menschen, die lebendgen Menschen
sind ihr endlich wieder nahe – keiner
muß vor körperloser Stimme beben,
sichtbar ist sie und darf hörbar sein.

© Claudia Sperlich

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