Tierschutz und Antisemitismus

Heute bekam ich Mail über mein Kontaktformular. Normalerweise freut mich so etwas. Manchmal ärgert es mich auch, wie jetzt gerade.

Denn dies war die Mail:

Name: Veritas
E-Mail: estersings [so fängt die Mailadresse tatsächlich an]
Webseite: boycottisrahell. wordpress. com [um den Link funktionsfähig zu machen, Leerzeichen entfernen – ich will auf meinem Blog solche Scheiße nicht verlinken. C.S.]

Kommentar: Betreff Artikel zum jugen Eichelhäher: Eichelhäher stehen unter Naturschutz. Hilfebedürftige oder verletzte Wildtiere-Jungvögel, dazu gehört dieser auch, sind GRUDSÄTZLICH ins Tierheim zu bringen oder zur einer Wildvogel Auffangstation!
Sonst macht man sich strafbar! Einfach wo hinlegen und sterben lassen ist nicht ok, aber Du wusstest es ja nicht besser, dieser hätte ausser er war verletzt auf jeden Fall gerettet werde können wenn er im Tierheim versorgt-gefüttert worden wäre. Das wichtigste ist das diese Vögel nicht auskühlen und Wasser und Nahrung erhalten. Deshalb bei Fund in ein Karton mit Handtuch ausgekleidet setzen und was weiches wie eine Wollsocke oder Schal als Nestchen benutzen. Und ins Tierheim fahren, kostet nix. Hier eine Website mit Vogelstationen in BRD, sollte keine in der Nähe sein oder im Zweifel bitte immer Tierheim, die nehmen auch immmer an, auch ausserhalb der regulären Öffnungszeiten. [zwei Links zur Wildvogelhilfe]

Ich habe geantwortet:

Hallo „Veritas“,

schade, daß Du offensichtlich nicht sinnerfassend lesen kannst. Hast wohl zu lange in vino verbracht! Sonst hättest Du das Datum und den Inhalt des vor elf Jahren veröffentlichten Postings begriffen. 
Meine Mutter (kein Tier, also nicht unter Tierschutz stehend – aber von mir geliebt und gepflegt) lebte damals noch, und die Sorge für sie war mir gerade wichtiger als die für ein Tier, obwohl ich – genau wie die Spaziergänger, die mir den Eichelhäher brachten – das tat, was ich konnte. 

Es ist übrigens nicht strafbewehrt, der Natur im Falle eines sterbenden Eichelhähers ihren Lauf zu lassen. Da hast Du entweder gelogen oder in Jura nicht aufgepasst. Oder beides.

Antisemiten stehen bei mir nicht unter Naturschutz, und zu dieser Bagage gehörst Du ja offensichtlich, wie die verlogene Hetzseite zum Israelboycott zeigt, mit der Du gleich Reklame machst. Tierlieb und israelfeindlich, ganz wie Blondis Herrchen – das ist eine besonders ekelerregende Mischung.

Das von Dir verlinkte Blog „boycottisrahell“ ist in ganzer Fülle widerwärtig. Wie Du es wagen kannst, eine Mailadresse mit dem Namensteil „estersings“ zu benutzen, ist mir schleierhaft. Ester war eine Jüdin, die ihr Volk vor solchen Leuten wie Dir gerettet hat. Ich verzichte allerdings auf jegliche Erklärung von Dir.

Jede Äußerung von Dir, die ich zu Gesicht bekomme, wird auf die Möglichkeit überprüft, sie der Staatsanwaltschaft zukommen zu lassen.

Beste Grüße
Claudia Sperlich (die für ein Impressum und Klarnamen nicht zu feige ist)

Juda wird für immer bewohnt sein und Jerusalem von Geschlecht zu Geschlecht. (Joel 4,20)

*

Ja, dieser Post ist „Public Shaming“ – wobei ich selbstverständlich nicht die volle Mailadresse von „Veritas“ nenne. Ich stehe dazu, Fallacitas.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Tierschutz und Antisemitismus

  1. gerd schreibt:

    Realsatire!
    Eins wissen wir sicher: Der Eichelhäher ist nach 11 Jahren mit Sicherheit tot.

  2. akinom schreibt:

    Mich wundert, dass das aktuelle Thema: Töten männlicher Küken bei der antisemitischen „Tierschützerin“ nicht zur Sprache gekommen ist. Glücklicher Weise ist der Bloggerin Claudia Sprerlich die Verhinderung grausamer und schmerzhafter Vernichtungspraktiken menschlicher Embryonen im Mutterleib wichtiger als Küken und die Rettung sterbender Eichelhäher.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich finde einen behutsamen Umgang mit der Natur durchaus wünschenswert, und ich glaube, es schadet der menschlichen Seele, Küken zu schreddern. Das ändert aber rein gar nichts daran, daß dies törichte Schreiben mit der boshaften Verlinkung weder Tier noch Mensch irgendwie weiterhilft. Denn tatsächlich ist es in der Natur so, daß Tiere auch mal vorzeitig sterben. Tatsächlich ist Natur nicht romantisch und niedlich, und es gibt gar keinen Grund außer unserer Sentimentalität, ein niedliches Vögelchen mehr zu bemitleiden als z.B. die fürsorgliche Füchsin, die es ihren Jungen bringt. Oder die Fliege, die es für ihre Eiablage nutzt.
      Natürlich sind wir so gestrickt, daß wir zwischen „niedlich“ und „gemein“ und „eklig“ auch bei Tieren unterscheiden, das ist für uns auch arterhaltend. Ich würde ein verletztes Eichhörnchen oder Vögelchen auch vermutlich zur Tierärztin oder in eine Auffangstation bringen – wenn die Situation es erlaubt und wenn ich es für sinnvoll halte. In dem geschilderten Fall erlaubte die Situation es nicht, und ich hielt es nicht für sinnvoll.

      Bei hilfsbedürftigen Menschen sieht es eben anders aus – da fragt man nicht nach Situation und Sinn, sondern hilft. Diesen Unterschied halte ich für vernünftig.

  3. emhaeu schreibt:

    Es gab schon im 19. Jahrhundert einen erstaunlichen Zusammenhang zwischen Tierschützern und Antisemitismus. Kann man z. B. hier nachlesen: http://repositorium.uni-muenster.de/document/miami/719902bc-d1ca-4121-b40e-57e4d69367e6/juette.pdf

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