Zwei gute Arten Heimkehr und ein rauschendes Fest

Heute nachmittag wurde ich spontan gebeten, einen Wiedereintritt in die katholische Kirche zu bezeugen. Es war eine ganz kleine schlichte Zeremonie in der Kirche, in der ich gerade zur stillen Anbetung war; der Pfarrer sah mich und bat mich, als Zeugin dabeizusein. Ein sehr bewegender Moment! Jemand war aus der Kirche ausgetreten und hatte irgendwann eingesehen, daß das falsch war.

Ein Kirchenaustritt hat logischerweise automatisch die Exkommunikation zur Folge. Die kann in diesem Fall nicht nur vom Bischof, sondern auch von einem hierzu durch den Bischof ermächtigten Priester aufgehoben werden. Der Mensch, der wieder ganz zur Kirche gehören will, spricht das Glaubensbekenntnis und ein Versprechen, daß er die Lehre der Kirche befolgen will. Der Priester hebt die Exkommunikation auf. Gemeinsam beten sie das Vaterunser.

Diesem sehr schlichten Ritus geht natürlich mindestens ein gründliches Gespräch voran, aber das geht außer Gott, dem Rückkehrwilligen und dem Priester niemanden etwas an. Ich wurde hier nur als Zeugin gebraucht, habe unterschrieben, daß jemand zur Kirche heimgekehrt ist, und darf mich einfach mitfreuen. Und was für ein schöner Termin für eine Rückkehr zur Kirche!

Hiernach radelte ich zum Gendarmenmarkt. Die für heute angesagten Gewitter blieben aus, es war warm und angenehm, und ich freute mich wirklich auf die Fronleichnamsfeier. Von den Hedwigsschwestern erfuhr ich leider, daß ein mir sehr lieber Mensch gestorben ist – lebenssatt und in hohem Alter, und wir dürfen sicher sein, daß sie im Himmel ist. Traurig bin ich, daß ich sie nicht noch einmal gesehen habe, und daß ich versäumt habe, ihr zu schreiben.

Die Freude bekam einen weiteren Dämpfer, als zum Auftakt ein Priester ansagte, an der ersten Statio solle man bitte nicht niederknien, höchstens eine ganz kurze Verneigung, und dies noch mehrmals eindringlich wiederholte. So war das ja auch letztes Jahr, als das Volk an der Monstranz mit dem Herrn förmlich vorbeigescheucht war. Nun hatte ich mir aber vorgenommen, auf derartige Weisungen nicht zu achten. Ich habe Gott und der Kirche Gehorsam gelobt, und wenn es hierbei einen Interessenkonflikt gibt, gehorche ich eben Gott.

Die Messe war schön! Erstens, weil es eine Messe war und weil das Wetter und der Gendarmenmarkt und die Sänger und die vielen Gläubigen alle mitwirkten, daß es schön wurde. Zweitens, weil ich die etwas chaotisch verlaufende Eucharistie (irgendwie hatten die Priester sich nicht deutlich genug abgesprochen, wer wohin sollte zur Kommunionspendung, und der Gendarmenmarkt ist groß) und ein paar andere Pannen eher charmant als ärgerlich fand. Übersehen wurde, soweit ich weiß, niemand.

Dann die Prozession – ich ging wild entschlossen mit. Die Meditationstexte zwischen den Liedern fand ich zwar genauso blöd wie letztes Jahr auch, aber sei’s drum, die meisten Lieder waren wirklich gut. Und dann die erste Statio…

Glücklicherweise war es diesmal nicht so schrecklich. Einerseits war der Altar wirklich feierlich geschmückt und stand unter den Linden und nicht wie letztes Jahr an einer Straßenecke. Andererseits waren außer mir noch recht viele Gläubige auf die Idee gekommen, das „Niederknie-Verbot“ zu mißachten – und keiner regte sich künstlich auf deswegen. Dennoch, liebes Erzbischöfliches Ordinariat: Gläubigen das Niederknien vor dem Eucharistischen Herrn untersagen ist allerschlechtester Stil. Vielleicht habt Ihr es diesmal eingesehen, daß niederkniende Gläubige nicht das ganze Konzept durcheinanderbringen oder zum Aufruhr führen.

Und dann – Eucharistischer Segen, Tantum ergo und Großer Gott, wir loben Dich. Danach bin ich versöhnt mit allem.

Was für ein Tag. Eine Heimkehr in die Kirche bezeugt, von einer Heimkehr zum Vater erfahren, mit dem Herrn auf der Straße gewesen. Ein guter, großer, wunderbarer Tag.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Zwei gute Arten Heimkehr und ein rauschendes Fest

  1. akinom schreibt:

    „Heute Nachmittag wurde ich spontan gebeten, einen Wiedereintritt in die katholische Kirche zu bezeugen.“ Ist es nicht wunderbar, wie der Heiland Umwege mitgeht, ob von Jerusalem nach Emmaus oder innerhalb von Berlin?
    Ich werde Sie und ihr neues „Patenkind“ auch weiterhin im Gebet begleiten. Möge das „wiedergefundene Schaf“ Zeugnis geben!

  2. akinom schreibt:

    Zur Fronleichnamsprozession: Ich habe am Wohnzimmerfenster gekniet, als das Allerheiligste durch unsere Straße zog… Ich erinnere mich aber auch noch daran, dass 1968 Jugendliche mit Transparenten mit Aufschriften wie „Seid ihr das Salz der Erde?“ demonstrierten. Darüber berichtete ich im „Fränkischen Volksblatt“.

  3. akinom schreibt:

    Noch eine Erinnerung aus der Familiengeschichte: Weil SA-Leute bei einer Fronleichnamsprozession randaliert hatten, hatte eine mutige Frau Anzeige erstattet. In einer kurzen Meldung berichtete mein Vater darüber in der Borkener Zeitung. Als Schriftleiter wurde er daraufhin mit Berufsverbot bestraft. Seine Kollegen ermöglichten es ihm, in einer anderen Stadt unter Pseudonym Texte zu veröffentlichen.

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