Katholikenfresser und Frauenfeinde

Kürzlich beteiligte ich mich an einer sehr kontroversen Internet-Diskussion zum Thema „Maria 2.0“ und Frauenordination. Ich schrieb:

Ich liebe die katholische Kirche, habe mich als junge Frau zu einer katholischen Taufe entschieden und das nie bereut. Die ganzen Komiker, die mir hier und anderswo erzählen wollen, ich „wolle“ unterdrückt werden oder so was, haben schlicht keine Ahnung. Die katholische Kirche ist die einzige Organisation, die mich in meinem Menschsein, Frausein, Unbequem-Sein, Sünder-Sein, und mit allem, was zu mir gehört, vollständig anerkannt. Das kann keine andere Konfession, keine Familie, kein Verein, NUR DIE KATHOLISCHE KIRCHE. Und zwar die echte, mit allen Regeln.

Eine Antwort darauf, von einem Mann (Hervorhebung von mir):

Also, das mit Akzeptieren von „Menschsein, Frausein, Unbequem-Sein, Sünder-Sein“, das klappt in der Evangelischen Kirche auch ganz gut. Nur wenn Sie zum Seligwerden nach Ihrer Façon die ausschließliche und ausschließende Vorherrschaft von Männern brauchen, die über Sie bestimmen, dann sollten Sie sich auch wirklich besser zur Römischen Kirche halten. Wir haben das inzwischen nicht mehr im Angebot, war auch ein Auslaufmodell, für das der Support eingestellt wurde. Viel Glück für Sie und Gottes Segen, Frau Sperlich.

Das Akzeptieren klappt gut, aber die Katholikin muss irgendwie ein Mängelwesen sein. Man kann ihr floskelhaft Gottes Segen wünschen, aber man weiß ja, daß das arme Weiberl im Grunde geknechtet und gehirngewaschen ist, während man selbst als protestantischer Mann den Durchblick hat.

Ein anderer Mann meinte in der Diskussion (nicht direkt zu mir, sondern in die Runde):

Es wäre eine richtige und nötige Konsequenz, dass die Frauen aus dem Haufen austreten….

Ein Mann, der der katholischen Kirche nicht angehört, will mir vorschreiben, die katholische Kirche zu verlassen, mit der Begründung, daß die katholische Kirche den Frauen immer Vorschriften macht.

Die beiden zitierten Äußerungen stehen exemplarisch für zahllose Äußerungen von Männern gegenüber frommen Katholikinnen über die katholische Kirche.

Hört mal her, Männer:
So unlogisch wie Eure zitierten Geschlechtsgenossen sind Frauen in der Regel nicht einmal, wenn sie unter PMS leiden, schwanger oder in den Wechseljahren sind.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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9 Antworten zu Katholikenfresser und Frauenfeinde

  1. akinom schreibt:

    Durch das „weibliche Angebot“ in der evangelischen Kirche sind die Kirchenaustrittszahlen dort auch nicht geringer geworden. Wir haben aber das „Angebot“ von Kirchenlehrerinnen und unzähligen heilig gesprochenen Frauen und das in der evangelischen Kirche in Vergessenheit geratene „Angebot“ Marias, der größten aller Frauen und Königin der Apostel.

    Die geradezu apokalyptische Kirchenkrise ( – nicht nur abzulesen an Kirchenaustrittszahlen -) sehe ich als Chance auch der Ökumene, deren größter gemeinsamer Schatz die Blutzeugen aller Konfessionen sind. Die Devise darf nicht mehr weiter lauten: „Wir glauben alle nicht mehr, also können wir das auch gemeinsam tun!“

    Beim Gottesdienst anlässlich des 5. Jahrestages seiner Bischofsweihe sagte der Passauer Bischof Stefan Oster, er beobachte substanzielles Wachstum im Glauben deutlich dort, „wo die katholische Profilierung ausdrücklich zunimmt und gewollt ist..“ Dagegen kenne er keinen einzigen Ort, „wo Liberalisierung … fruchtbar wäre“.

    Komm, Heiliger Geist! „Vroe Vinxtn vonne 4ma!“

  2. webistum schreibt:

    Ich kann das Gerede von der Kirchenkrise nicht mehr hören! Wie haben keine Kirchenkrise. Wir haben eine Glaubenskrise. Und das große Problem dieser Glaubenskrise ist vor allem, dass sie auch und gerade einen nicht unwesentlichen Teil unserer Kleriker betrifft. Von dem weitaus überwiegenden Teil der nichtgeweihten Hauptamtlichen mal ganz abgesehen.

    Es gibt sie ja noch die Gemeinden, wo der Anteil der Gottesdienstbesucher um ein vielfaches höher ist als in der Durchschnittsgemeinde. Wo es ein wirkliches Gemeindeleben gibt. Wo der Glaube gelebt wird. Und dort funktioniert es, weil der Pfarrer tiefgläubig ist und einfach Freude am Glauben ausstrahlt.

    Wir haben eine Krise, weil so viele nicht mehr glauben. Weil niemand mehr da war, der ihnen den Glauben vermittelt hat. Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umschaue, sind einfach viele in meiner Generation ohne Glaubensvermittlung aufgewachsen, weil schon ihre Elterngeneration ohne aufwuchs und nichts vermitteln konnte, was sie selbst nie kannte. Es ist die Generation meiner Großeltern, die da auf gsnzer Linie versagt hat.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Willkommen und Dank für diesen Kommentar.
      Ja, das Wort „Glaubenskrise“ ist genauer. Allerdings ist „Kirchenkrise“ gerade deshalb auch nicht völlig falsch, weil bereits hochrangige Kleriker (gottlob nicht alle) den Glauben teilweise oder ganz verloren haben. Und weil die Kirche sich eben aus den Getauften zusammensetzt.
      Der Heilige Geist ist aber weiterhin Tröster und Hoffnungsmacher. Ich selbst stamme aus einer atheistischen, kulturprotestantisch geprägten Familie, und was ist dabei herausgekommen?

  3. haimix schreibt:

    Leider hat der Heilige Geist in der katholischen Kirche heute und für alle Zeit Berufsverbot! Durch Dogmen und Unfehlbarkeit ist dort alles für die Ewigkeit geregelt. Es wird keine Bewegung mehr geben – weder zur Frauenordination noch zu Zölibat, Sexualmoral oder Abendmahl.
    Es mag sein, dass einige Kirchenmitglieder mit dem zufrieden sind, was ist.
    Es beeindruckt jedoch, was trotz „Unfehlbarkeit“ durch die Kirche in der Geschichte alles gerechtfertigt und für richtig gehalten wurde: Rollenstarrheit der Geschlechter, Weltbild gegen wissenschaftliche Erkenntnsse, Hexenwahn, Ketzermorde, Inquisition, Kreuzzüge, … .

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Grundgütiger! So ein einfallsloses, tausendfach dagewesenes, brav nachgeplappertes, einseitiges, uninformiertes Geschwafel kann man im Grunde gar nicht öffentlich in der Luft zerreissen, weil der Verfasser ohnehin total schmerzfrei sein dürfte.
      Du kannst deshalb vorerst nicht weiter hier kommentieren, haimix. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Der Heilige Geist kann selbst Dich erleuchten – bis dahin hole ich keinen Deiner Kommentare aus dem Spamordner.

  4. Alipius schreibt:

    Die beiden von Dir zitierten Einwände der Männer sind übrigens totales Mansplaining!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Schon komisch, nicht? Real existierende Typen, die mir vorschreiben wollen, daß ich die Kirche zu verlassen habe, argumentieren mit ausgedachten Typen, die mir angeblich was vorschreiben.
      Die Logik sitzt in der Ecke und flennt.

      • haimix schreibt:

        Schade, aber es fällt mir schwer, Deine Logik nachzufolziehen oder zu erkennen, was Du meinst und worauf du Dich beziehst. Hast Du meinen Kommentar überhaupt gelesen?
        Habe ich Dir etwas vorgeschrieben????
        MfG
        Uli

        • Claudia Sperlich schreibt:

          Nun, nach einigem Überlegen klaube ich das doch noch mal aus dem Müll und antworte Dir, haimix.
          Alipius bemerkt etwas zu den von mir zitierten Männern. Der erste schrieb in extrem übergriffiger Weise etwas, das ich wohlwollend nur als Aufruf zum Verlassen der Kirche deuten kann („Nur wenn Sie zum Seligwerden nach Ihrer Façon die ausschließliche und ausschließende Vorherrschaft von Männern brauchen, die über Sie bestimmen, dann sollten Sie sich auch wirklich besser zur Römischen Kirche halten.“), der zweite ruft direkt Frauen zum Verlassen der Kirche auf (der bemäntelnde Konjunktiv „Es wäre eine richtige und nötige Konsequenz…“ ändert daran nichts.

          Und jetzt kommst Du und fühlst Dich angesprochen. Ich habe Deinen Kommentar gelesen, finde ihn strunzdumm, könnte ihn in Einzelteile zerlegen, habe dazu aber keine Lust. Komm wieder, wenn Du „Toleranz und Gewalt“ (Arnold Angenendt) und „Von Ablasshandel bis Zölibat“ (Josef Bordat) vollständig gelesen hast. Vorher mag ich nicht mit Dir diskutieren.

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