Mahsa – eine iranische Christin

Das iranische Rechtssystem (ich nenne es jetzt einfachheitshalber mal so, obwohl es diesen Namen meiner Ansicht nach nicht verdient) sieht vor, Menschen, die den Islam verlassen (gleich ob sie sich zu einer anderen oder gar keiner Religion bekennen), hinzurichten.

Mahsa (Name geändert) ist Iranerin. Sie entstammt einem sehr strenggläubigen islamischen Elternhaus. Als sie sich zu Jesus Christus bekehrte und ihrem Verlobten davon erzählte, denunzierte der sie. Sie konnte fliehen.

Ein deutsches Gericht glaubte nicht, daß sie es tatsächlich ernst meint mit dem Christentum. Glaubte ihr nicht, obwohl erwiesen ist, daß sie im Iran getauft wurde – was bereits lebensgefährlich ist! Man glaubt ihr den religiösen Ernst nicht, obwohl sie im Iran leicht hätte sagen können, daß sie bereut und zum Islam zurückkehrt – dann wäre sie dort „sicher“. Man glaubt ihr nicht, obwohl das iranische Strafrecht ganz klar darüber ist, daß Apostaten mit dem Tode bestraft werden, und obwohl sie einen Freundeskreis in christlichen Gemeinden hat. Ein deutsches Gericht beschloss, Mahsa solle abgeschoben werden.

Noch ist sie hier, und ich hoffe, es gelingt, die verantwortungslosen Betonköpfe in deutschen Amtsstuben zum Umdenken zu bewegen. Sonst werden sie sich eines Tages dafür rechtfertigen müssen, Mahsa ihren Mördern ausgeliefert zu haben.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte schreibt:

Auch wenn Apostasie aus dem iranischen Strafrecht gestrichen würde, wäre die iranische Justiz nach wie vor verpflichtet, in gleicher Weise weiter zu urteilen. Die Grundlage dafür ist eine Anweisung der iranischen Verfassung, die in Art. 167 festhält: “Sind solche Gesetze nicht vorhanden, so muss er [der Richter] seinen Urteilsspruch auf der Grundlage der authentischen islamischen Quellen oder der gültigen Fatwas fällen. Er ist nicht befugt, die Eröffnung des Verfahrens oder den Urteilsspruch unter dem Vorwand fehlender, unzureichender, zu allgemein formulierter oder sich widersprechender gesetzlicher Regelungen zu verweigern.” Die iranische Strafprozessordnung enthält diese Anweisung in § 214 ebenso und fast wortgleich. In den Jahren nach der Gründung der Revolutionsgerichte 1979 und noch vor der Kodifizierung des allerersten Teils des iranischen Strafrechtes 1982 sind, soweit bekannt, wahrscheinlich mehrere tausend Menschen “auf der Grundlage der authentischen islamischen Quellen oder der gültigen Fatwas” hingerichtet worden.

Darüber hinaus weist die iranische Verfassung in Art. 170 alle Richter an, Regelungen der Regierung dort zu missachten, wo sie “im Widerspruch zu islamischen Gesetzen und Bestimmungen” stehen. Die mit Apostasie befassten Richter der iranischen Revolutionsgerichte sind alle auch islamische Geistliche und daher mit den “islamischen Gesetzen und Bestimmungen” zur Apostasie vertraut.

Apostaten “dürfen” nach Art. 226 des iranischen Strafrechtes ohne Anklage und Gerichtsverfahren – de facto also in Selbstjustiz – getötet werden, ohne dass dem Täter eine Sanktion droht. Wenn der Mörder “irrtümlich” annahm, er töte einen Apostaten, dann entfällt nach Art. 295 des iranischen Strafrechts die sonst vorgesehene Strafe. Der Täter wird nicht hingerichtet, sondern muss lediglich ein “Blutgeld” zahlen. Mordfälle, in denen sich die Täter auf diese Regelung beriefen, sind im Iran mehrfach vorgekommen, sie sind allerdings nicht häufig.
Quelle

Mahsas Familienangehörigen pflegen enge Beziehungen zu den obersten Regierungsvertretern, ein Bruder ist bei der Islamischen Religionspolizei. Sie wird keine Unterstützung von ihren Verwandten erhalten.

Mahsa ist gut integriert und unbescholten. Sie möchte einen Pflegeberuf ausüben.

Ich bin nicht zum ersten Mal entsetzt über diesen Staat (ich meine Deutschland, nicht Iran) und über Richter, die sich ganz offensichtlich nicht an Art. 16a des Grundgesetzes halten.

Hier geht es zu einer Petition an Härtefallkommission & Petitionsausschuss des Landtags in Hessen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Mahsa – eine iranische Christin

  1. katholischeprophetie schreibt:

    Ich hoffe, dass viele für sie beten, wie sie für unsere Schwester Asia Bibi gebetet haben.
    Interessant festzustellen, wie vielen muslimische Migranten, die nicht verfolgt wurden, hier Asyl gewährt wird, während nun eine Christin abgelehnt wird. Das hat auch hier in Deutschland etwas mit dem sich steigernden Christenhass zu tun, in dem man keine Christen, dafür aber Muslime will. Wäre „Mahsa“ Muslimin, wäre sie Willkommen!

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