Mehr als ein Liederbuch

Pater Adrian Kunert SJ, Songwriter und Jesuit, hat mit Xpraise – Das Liederbuch ein Lobpreisliederbuch herausgebracht, das sich für unterschiedliche Gottesdienstformen ebenso eignet wie für das spontane Singen in Kleingruppen. Es ist eine Sammlung verschiedener, großenteils moderner christlicher Lieder zu jedem Anlass des Kirchenjahrs und des Lebens. Die Liedtexte sind teils alt (auch die Pfingstsequenz in einer schmissigen Melodie von Johannes Hartl ist dabei sowie liturgische Texte), teil neu; neben deutschen Texten finden sich auch englische, französische, lateinische und ein hebräischer Text. Die meisten Lieder sind einstimmig, etwa ein Viertel (meist Kanons und Taizé-Gesänge) in leicht erlernbarer Mehrstimmigkeit. Bei vielen stehen Griffbilder für die Gitarre; eine Grifftabelle ist am Ende des Buches zu finden. Allen fremdsprachigen Texten ist eine Übersetzung beigefügt. Der Satz ist gut lesbar und übersichtlich. Der in Rot- und Orangetönen gehaltene Einband ist ansprechend gestaltet.

Bei den Liedtexten fällt eine große Bibeltreue angenehm auf. Man muss bei einem modernen christlichen Liederbuch leider wirklich sagen: es fällt auf! Einige kirchliche Gassenhauer mit 60er-Jahre-Spiritualität sind zwar auch enthalten. Den ins Wasser gefallenen Stein hätte ich nicht gebraucht. Aber bei einem 496 Seiten starken Buch kann man kaum erwarten, daß alles jedem gefällt.

Die Lieder des Herausgebers lehnen sich an die Bildsprache biblischer Texte an, haben dabei einen eigenen, unverwechselbaren Stil.

Der Aufbau des Buches orientiert sich an der Messe; zum Eingang und zum Kyrie geeignete Lieder bilden den Anfang. In einem bemerkenswerten Liedtext beschreibt Pater Kunert das Gefühl der Einsamkeit, das sich durch Trägheit im Gebet einstellt:

Tausend Jahre sind es scheinbar her.
Ich spür‘ Deine Nähe längst nicht mehr.
Doch es ist kaum ein Tag her und mir wird’s jetzt schon zu schwer
so ohne Dich. Oh, Herr, ich seh‘ die Schuld.
Komm, hab‘ mit mir Geduld; denn ohne Dich ist’s ewig Nacht!
Christ, erbarme Dich!

Den Abschluss des Buches bildet die „Gebetsecke“ – weit mehr als eine „Ecke“, vielmehr eine kleine Schule des Gebets. Pater Kunert stellt hier zunächst die Grundgebete der Kirche vor, dann die Zehn Gebote und die Fünf Kirchengebote. Darauf folgen alte und neue Gebete und Spruchweisheiten verschiedener alter und neuer Autoren, darunter ein sehr schönes um Umkehr und täglichen Neubeginn vom Herausgeber.

Gebete in der Tradition der Gesellschaft Jesu sind durchaus nicht nur für Jesuiten oder nur für Ordensleute geeignet; wer sich auf die teilweise recht langen Gebetstexte einläßt, kann hier gute Gebetsworte finden, wenn ihm selbst die Worte fehlen, und betend auch selbst erkennen, worum er bitten soll.

In seinen Ausführungen zur Unterscheidung der Geister gibt Pater Kunert eine wichtige Hilfe zum Gebet und zur Selbsterkenntnis mit dem Hinweis, daß Gott uns nicht fertigmachen will, daß ein nebulöses Gefühl der eigenen unrettbaren Schlechtigkeit niemals von Ihm kommen kann.

Das betrachtende Gebet ist wichtig. Das Immerwährende Jesusgebet der Ostkirche und der Rosenkranz der Westkirche werden hier genau erklärt; mehrere kleine Meditationen und Gewissensforschungen wechseln mit Gebeten. Ganz am Schluß steht ein kleiner praktischer Hinweis, wie eine stille Zeit mit Gott strukturiert werden kann, ohne den Beter zu überfordern oder abzulenken.

Bereits der große Liedteil ist eine Schule des Gebetes und trotz der Anwendbarkeit des Buches in ganz verschiedenen Formen von Gottesdienst auch eine Art Hinführung zur Heiligen Messe, einfach weil die passenden Lieder in der richtigen Reihenfolge kommen. Die „Gebetsecke“ am Ende umfasst nur 28 Seiten, ist aber substantiell eher ein Dom als eine Ecke.

Ich empfehle das Buch wärmstens christlichen Gebetskreisen aller Art sowie allen, die Freude an frischer Lobpreismusik und das Bedürfnis nach einer immerwährenden Schulung im Gebet haben. Es sollte in keiner Gemeindebibliothek fehlen.

Pater Adrian Kunert SJ (Herausgeber):
Xpraise – Das Liederbuch. 496 S, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2019
ISBN 978-3-460-32163-2, Best.Nr. 32163 (Paperback)
ISBN 978-3-460-32165-6, Best.Nr. 32165 (Ringheftung)
EAN 40-32382-32166-0, Best.Nr. 32166 (CD)

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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