Fastenzeit: Zeit der Buße

Bußzeit – müssen wir uns jetzt schlecht fühlen?

Das ist die falsche Frage. Buße bedeutet zunächst, etwas in Ordnung zu bringen, was man selbst verbockt hat, und zwar aus einer Haltung der Umkehr. Im Sakrament der Versöhnung ist die Buße etwas, was der Priester dem Pönitenten aufgibt – in der Regel ein Gebet oder ein gutes Werk. Die innere Haltung der Bußfertigkeit ist aber nicht nur nach einer erkannten Sünde sinnvoll, sondern grundsätzlich. Wir sollen – wie Soldaten im Krieg oder wie Forscher in einem unbekannten Gebiet – immer bereit sein, umzukehren, d.h. einen besseren als den eingeschlagenen Weg zu suchen.

Orientierungshilfen bieten uns zunächst das eigene Gewissen, dann Jesus Christus, die Bibel, die Kirche mit Lehre und Sakramenten. Die Bußzeit gibt uns auch Gelegenheit, in Gebet und Anbetung des Allerheiligsten um Führung zu bitten. Nicht nur, wenn wir uns einer Sünde ganz bewußt sind oder nicht ganz sicher sind, ob unsere Lebensrichtung stimmt, sondern auch dann, wenn alles in und um uns gut und richtig aussieht oder wenn etwas ohne unser Verschulden schiefgeht, ist es sinnvoll, anbetend hinzuhören, was Gott gerade jetzt von uns will. Möglicherweise rät Er zu einer kleinen Kurskorrektur, noch ehe wir uns völlig verirren. Oder zur radikalen Umkehr, weil unser gutes Gefühl trügerisch ist. Oder dazu, uns nicht so viele Sorgen zu machen. In jedem Fall ist Zeit gut aufgewendet, die man nutzt, Ihm zu sagen: Ich liebe Dich und ich vertraue Dir.

Das Fasten gehört zur Bußzeit, nicht um uns zu quälen und auch nicht, um uns in Bikiniform zu bringen. Wer in der Fastenzeit ein wenig abnimmt, darf sich über diesen angenehmen Nebeneffekt freuen – aber Abnehmen ist nicht Ziel und Sinn des Fastens.
Wer aber beim Fasten merkt, wie beschwerlich es ist, abends hungrig zu Bett zu gehen, der darf diese Erfahrung als Akt der Solidarität mit den Armen verstehen. Das ersparte Geld ist für die Armen, nicht dazu, es nach der Fastenzeit auf den Kopf zu hauen!

Almosen geben ist deshalb ebenfalls eine Säule der Fastenzeit. Dabei soll „die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut”, sehr wohl aber darf der Bettler zum Geld auch noch ein freundliches Wort hören, ein liebevolles Gesicht sehen.

Die Zeit, die wir am Essen sparen, gewinnen wir fürs Beten – auch das ist ein wichtiger Sinn des Fastens. Nichts soll uns ablenken von Dank, Bitte und Anbetung. Sehr oft wird durch das Fasten auch der Kopf frei dafür, können wir das Denken stärker auf Gott fokussieren, je weniger es auf die nächste Mahlzeit gerichtet ist.

Fasten schenkt uns innere Freiheit. Ja, es kann auch beschwerlich sein, es kann große Überwindung kosten, an einem duftenden Bäckerladen vorbeizugehen. Aber die Disziplin, die wir damit einüben, hilft uns zur Freiheit. (Oder wollen wir von den Teilchen in der Auslage abhängig sein?)

Und wenn ich nicht durchhalte – dann bedeutet das nicht, daß nun alles vorbei ist. Ich kann am nächsten Tag neu anfangen. Für den Neuanfang eignet sich die Beichte, auch sie ein Gnadenmittel, und darüber können Sie morgen, am Freitag, lesen.

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Zu meinem 58. Geburtstag

Achtundfünfzig Jahre Leben
Hat mir unser Herr gegeben,
Und es sieht ganz danach aus,
Daß es noch soll weitergehen –
Gerne will ich das bestehen
Als den Weg zum Vaterhaus.

Auf so guten, frohen Wegen
Führt Er mich mit Seinem Segen,
Und selbst harte Jahre sind
In der Rückschau gute Strecken:
Er schleift rund die harten Ecken,
Bis Er ganz mein Herz gewinnt.

Keine Not soll mich nun kränken!
Er woll mir das Leben schenken
Hier und in der Ewigkeit.
Geisteslicht den Weg bescheine!
Das gewähre der Dreieine,
Der mich führt durch diese Zeit.

© Claudia Sperlich

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Ich halte mich nicht an Fastnachtsbräuche, aber

… soweit ich weiß, darf man da auch mal beißen. Nicht nur in Berliner.

Kirchenzwist

Wie sollen wir der Kirche Einheit finden,
Wenn schon die Katholiken unter sich
Um nichts und alles zanken fürchterlich,
Die Wunden größer reißen statt verbinden?

Die Tradis hier, die Modernisten dort,
Die Fundis fetzen sich mit Liberalen,
Die einen drohen uns mit Höllenqualen,
Die andern wischen alles Ernste fort.

Verhaspelt sich der Priester im Gebet,
Erhebt den Kelch er nicht ganz hoch genug,
So ruft der Tradi: Das ist alles Trug,
Ein Frevler, wer zur Kommunion hier geht!

Und lässt der Lektor Paulus unverbessert,
Nach dem die Frau sich unterordnen soll,
Gebärden Modernisten sich wie toll
Und wollen, daß man Bibelwort verwässert.

Zwar holt der Priester Luft und betet richtig,
Erhebt den Kelch, so gut sein Arm es kann.
Zwar Paulus ruft zur Ordnung auch den Mann –
Zur Unterordnung! – doch das scheint nicht wichtig.

Die einen wollen, um dem Herrn zu dienen,
Nur das Perfekte – und das gibt es nicht.
Sie meinen, dann nur scheint das Glaubenslicht,
Wenn Priester funktionieren wie Maschinen.

Die andern stellen sich am liebsten vor,
Daß irgendwas Spirituelles waltet,
Und wenn das Herz beim Priesterwort erkaltet,
Dann wärmt an fremder Lehre man das Ohr.

Und ich? Ich stehe weinend in der Mitte
Und will doch einfach nur katholisch bleiben
Und mir den Menschgewordnen einverleiben
Nach Lehre, Tradition und guter Sitte.

© Claudia Sperlich

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Ein neues Buch

Ein Büchlein von ca. 112 Seiten – meine Fassung eines griechischen Sagenstoffs – geht demnächst in den Druck.

Der Text liegt seit langem auf meiner Festplatte, und nun hat eine Bekannte lange genug freundlich gedrängt, ich möge doch bitte endlich veröffentlichen.

Die Argonauten. Orpheus.

ist der Doppeltitel, und ich freue mich sehr darauf.

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Ökumene in Friedenau

Heuer war die katholische Marienkirche in Berlin-Friedenau Gastgeberin des jährlich stattfindenden ökumenischen Gottesdienstes innerhalb der Gebetswoche für die Einheit der Christen.
Die anwesenden Geistlichen waren

Katholiken: ein Pfarrvikar, ein Dekan, ein Kaplan (Salvatorianer), ein Pfarrer (Franziskaner),
Orthodoxe: ein griechisch-orthodoxer Archimandrit, ein dito Priestermönch, ein syrisch-orthodoxer Priester,
ein altkatholischer Dekan,
ein baptistischer Pastor,
zwei evangelische Pfarrer, ein dito Prädikant,
eine Frau von der Neuapostolischen Kirche,
eine evangelisch-methodistische Pastorin.

Die Neuapostolische Kirche stellte den hervorragenden A-Capella-Chor – ich bin wirklich der Bewunderung voll. Die gemischte Gemeinde sang aus de katholischen Gotteslob, und unser Organist Dr. Knappe gab sein Bestes.

Ich war etwas skeptisch gekommen, mein Sinn für Ökumene ist nicht so ausgeprägt. Aber hier wurde schnell klar: Es gibt weit mehr Verbindendes als Trennendes. Mir als Katholikin stehen von „den anderen“ sicher die Orthodoxen mit ihren Gewändern und ihrer zugleich fröhlichen und feierlichen Art näher als die anderen Konfessionen. Aber es war schön, feierlich und anrührend und ganz und gar vom Geist christlicher Liebe getragen, daß jede Konfession zu Wort kam und das gemeinsame Ziel offenkundig war, Gott zu preisen, Ihm und einander zu dienen.

Als erste Lesung hörten wir die Schilderung vom Schiffbruch auf Malta (Apostelgeschichte 27,18-28,10) – und der Satz „Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich“ stand als Motto über dem Gottesdienst. Es folgte das Evangelium nach Markus 16,14-20 – erst in neugriechischer, dann in italienischer und dann in deutscher Sprache.

Die Predigt zur Apostelgeschichte fand ich eine Spur zu lang, aber nicht schlecht – es ging um den Begriff der Gastfreundschaft, und gut fand ich, daß dabei auch das freudige Staunen über den noch fremden Gastfreund Thema war.

Wir sprachen gemeinsam das Glaubensbekenntnis von Nizäa und Konstantinopel. Es folgte eine Zeichenhandlung. Im Altarraum war ein veritables kleines Segelschiff aufgebaut, auf den Stufen lagen Rettungswesten mit großen Beschriftungen. Die Rede war davon, daß die verschiedenen Konfessionen in einem Boot sitzen – und daß es im Falle eines Sturmes auch Rettungswesten gibt, nämlich Versöhnung, Einsicht, Hoffnung, Vertrauen, Kraft, Gastfreundlichkeit, Umkehr und Großzügigkeit. Um diese den Frieden rettenden Eigenschaften beteten wir.

Das Vaterunser wurde erst von dem Syrisch-Orthodoxen in aramäischer Sprache gesungen – das klang sehr schön und feierlich. Dann beteten wir es gemeinsam auf Deutsch.

Nach Friedensgruß, Sendungswort, Segensbitte und Schlußchoral war noch Gelegenheit zum Plaudern im Pfarrsaal. Ich ging aber gleich nach Hause, hatte nicht mehr solche Lust auf Plauderei.

Zu den Erkenntnissen des Abends gehört:
– Ökumene geht sicher nicht immer reibungslos, aber gute, erfüllende und frohe ökumenische Gottesdienste sind möglich.
– Dazu ist sehr förderlich, wenn weit mehr zu Gott als von irgendetwas anderem gesprochen wird. Sollte man eh öfter so halten.
– Die Neuapostolische Kirche wird sicher nicht meine – aber die Gemeinsamkeiten mit der Katholischen Kirche sind weitaus größer als ich dachte.
– Die beiden geistlichen Frauen waren in Zivil, und ich finde Ornat oder Talar einfach besser. Ich könnte mal darüber bloggen, warum.
– Auch wenn jeder einzelne heimlich und voll besorgter Liebe gebetet hat „Lass sie alle zu meiner Glaubensrichtung konvertieren“, tut das dem ökumenischen Gedanken keinen Abbruch. Wir waren in Christi Namen und damit um Christus versammelt.

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Hörnchen posiert

Ich habe zwar leider gerade keine gute Kamera, sondern nur das Tablet, und außerdem photographiere ich durch das geschlossene und nicht eben saubere Fenster. Aber Hörnchen posiert so schön, da musste ich die Gelegenheit nutzen! Es will mir wohl zeigen, wie schön seine Ohrpuschel gewachsen sind. Das ist ein Zeichen von Frühlingsgefühlen.

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Geheimnisvoller Rosenkranz

So heißt eine Sendung von mir vom 30. Januar auf Radio Horeb, und nun denke ich endlich auch mal hier an den Podcast.

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Fad und düster

… wird die Welt dort, wo keine überzeugten Christen mehr sind.

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Mt. 5,13-16

Ungesalzener Einheitsbrei, trübe Aussichten – das ist das Menschenlos einer Welt, die auf das Christentum verzichten will (und eines säkularisierten Christentums, das sich nur noch als soziales Gimmick versteht).

Seien wir Salz in der Suppe der Gesellschaft, und stecken wir der Welt ein Licht auf!
Seien wir als Christen kraft- und phantasievoll, bringen wir Freude am Gebet und eine Kultur des Lebens.
Seien wir als Christen hilfsbereit, nicht um selbst zu leuchten, sondern damit unsere Taten die Welt zum Leuchten bringen und auf die Stadt auf dem Berge, das Himmlische Jerusalem, weisen.

Bilden wir christliche Dörfer, nicht um uns abzuschotten, sondern um der Welt unsere aromatischen Speisen und das helle Licht zu zeigen.
Seien wir laut gegen Unrecht.
Versalzen wir den Machthungrigen die Suppe.

Das alles können wir, wenn wir darum beten. Ohne Gebet sind wir bloß das oben erwähnte säkularisierte Christentum und dann bald nicht mal mehr das. Ohne Gebet wird aus Salz und Licht über kurz oder lang etwas Giftiges und Grelles. Wenn wir uns aber immer wieder betend klarmachen, daß Gott unser einziger Herr ist, daß am Ende Er das Sagen hat und sonst keiner, dann können wir in aller Demut tun, was gut ist. Dann kommen durch Salz und Licht Geschmack und Farbe der Welt zur Geltung.

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Mein ganz naiver Glaube

Die Kirche durchlebt eine schwere Krise, eine Krise des Glaubens, des Vertrauens, verursacht durch alles Mögliche, von schlampiger Katechese bis zu körperlichem und seelischem Mißbrauch Schutzbefohlener. Spaltungen und Häresien gehören zu den Folgen. Statt mit einer demütigen Aufarbeitung haben wir es nun in Deutschland mit dem Synodalen Irrweg zu tun, bei dem Verkündung und Mission keine Themen sind, dafür aber Struktur, Struktur, Struktur. Das ist schauerlich.

Ich frage mich allerdings: Glaubt denn irgendjemand, es habe nie ähnlich schwere Krisen in der Geschichte der Kirche gegeben? Sie ist aus mindestens ebenso schweren Krisen nicht nur siegreich, sondern gestärkt hervorgegangen!

Zur Zeit erlebe ich, daß die Kirche, in die ich als junge Frau begeistert eingetreten bin und der ich als nicht mehr junge Frau mit noch größerer Begeisterung angehöre, Erschütterungen erlebt – teils von einigen sogar hochrangigen Mitgliedern verschuldet, zum größeren Teil als üble Frucht jahrzehntelanger Mängel in der Katechese. Allerdings denke ich bei letzterem Punkt: Wir sind doch alphabetisiert. Wer sich für die Kirche interessiert, kann auch herausfinden, was ihre Lehre ist und bedeutet. Zumal in Internetzeiten, wo man die Schriften sämtlicher Kirchenväter und -mütter, alle päpstlichen Verlautbarungen, Biographien von Heiligen und anderen bedeutenden Katholiken lesen kann, ist „Das hat mir niemand beigebracht“ nah an der faulen Ausrede.

Verbrecher in den eigenen Reihen, ein trotziges Abwenden der Welt aufgrund von mangelnder Katechese und mangelnder Strahlkraft der Kirche;
innerkirchliche Grabenkämpfe zwischen „Tradis“ und „Modernisten“ („Alte Messe und sonst nichts“ gegen „Nächstenliebe und Ökumene retten die Welt“);
eingezwängt in der Mitte eine kleine Schar ganz naiver Gläubiger, die einfach glaubt, wenn Jesus das und das gelehrt hat und für uns gestorben und auferstanden ist, dann ist das einfach so, das glauben wir und Punkt –
so stellt sich die Kirche (nicht nur) in Deutschland derzeit dar, und das sieht nicht schön aus.

Aber sie ist die Braut Christi, auch wenn man das gerade nicht so leicht erkennen kann, auch wenn man dazu meinen möchte „Der Bräutigam hat einen komischen Geschmack“. Er ist mein und ihr Herr und Bräutigam, sie ist meine Mutter und Heimat. Je mehr ich mich lesend, hörend und betend mit ihr beschäftige, desto mehr erkenne ich ihre wunderbare Größe und Güte. Sie ist nicht eine prinzipiell gute Organisation, in deren Reihen leider viele Unfähige und Böse sind, sondern sie ist die gottgegebene Mutter, die auch Böse und Unfähige in ihren Armen hält.

Die Motive des Synodalen Irrwegs kenne ich nicht; ich möchte nicht annehmen, daß sie von Grund auf böse sind. Wahrscheinlich halten die meisten Teilnehmer es für wirklich gut, wenn Liturgie und kirchliche Lehre trivialisiert und beliebig gemacht werden. Aber um die Kirche in ihren Grundfesten zu ändern, muss man davon ausgehen, daß ihre Grundfesten nichts mit Gott zu tun haben. Da frage ich mich aber schon: Warum sollte man sich dann die Mühe machen, die Kirche zu ändern? Wenn sie nicht von Gott kommt, kann man doch auch was anderes machen, was einem leichter fällt und mehr Freude bringt – oder?

Ich glaube, sie kommt von Gott, und ich freue mich darüber. Deshalb bleibe ich in meinem ganz naiven Glauben in der Kirche, bei Jesus Christus, so gut ich es kann.

Die Kirche
Melodie: Wenn ich, o Schöpfer, Deine Macht (GL 463)

Die Kirche steht auf festem Grund,
der Herr hat sie errichtet.
Sie ist des Glaubens treuer Bund,
den keine Macht vernichtet.
Sie ist des Herren liebe Braut,
von Ewigkeit Ihm angetraut,
sie atmet Seine Liebe.

Die Kirche preist zu aller Zeit
den Herrn in allen Sprachen.
Sie öffnet ihre Arme weit,
wo Traum und Bilder brachen.
Sie lehrt die Wahrheit, zeigt den Weg,
sie ist in Weltenflut der Steg
zu Gottes Wort und Liebe.

Die Kirche reicht die Helferhand
den Schwachen und den Kleinen.
Wer zu ihr seinen Heimweg fand,
kann sich mit Gott vereinen.
In ihr ist Christi Leib und Blut,
Versöhnungsdienst und Glaubensgut,
in ihr ist Christi Liebe.

Die Kirche bleibt in Ewigkeit
des Paradieses Pforte.
Sie kämpft und leidet in der Zeit,
bringt Licht an alle Orte.
Sie kommt, wie Gott verheißen hat,
sie ist die goldne Gottesstadt,
erbaut aus lauter Liebe.

Die Kirche hält in ihrem Schoß
mich liebevoll geborgen.
Sie ist im Sturm mein Halt und Floß
und Linderung der Sorgen.
Ich bin getauft, hab an ihr teil,
sie weist allein den Weg zum Heil,
sie weist den Weg zur Liebe.

© Claudia Sperlich

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Ästhetik der Macht!

Den Ausdruck habe ich aus einem Dokument des Synodalen Irrweges; dort heißt es: „Die Ästhetik der Macht zeigt sich in der Liturgie, aber weit darüber hinaus im Erscheinungsbild der katholischen Kirche.“ Und natürlich findet man diese Ästhetik ganz schlimm; kurz darauf ist von Klerikalismus die Rede.

Ich hingegen bin froh, daß die Liturgie von einer Ästhetik der Macht geprägt ist. Denn es ist die Allmacht Gottes, die hier mit den kleinen menschlichen Möglichkeiten „gezeigt“ wird. Natürlich kann man Gott und Seine Allmacht nicht zeigen – aber Er gab uns Phantasie, Anteil an Seiner Schöpferkraft – und deshalb können wir im heiligen liturgischen Spiel auf Gottes Macht (und Seine Güte und Liebe) hinweisen. Die Liturgie ist der Rahmen des unbegreiflichen, heiligen Geschehens, daß Jesus Christus Brot und Wein zu sich selbst wandelt, sich selbst uns ausliefert. „Der Glaube soll den Mangel der Sinne ergänzen“, heißt es bei Thomas von Aquin.

Verliebte können einander nicht hoch genug preisen. Gott ist so verliebt in uns Menschen, daß Er nach unserem Totalversagen Mensch geworden ist, um uns zu erlösen. Menschen, die ihrerseits so verliebt sind in Gott, daß sie Ihm alle Ehre erweisen – und das auf die schönste ihnen mögliche Weise – machen es richtig.

Aber der Klerikalismus! Jesus hat auch nicht prächtige Gewänder getragen!

Die Messe ist kein Reenactment. Der Priester trägt prächtige Gewänder, weil er darunter als Person verschwinden soll – die Pracht gilt dem Herrn, nicht Seinem Diener. (Diese simple Wahrheit wurde zwar schon sehr oft gesagt, aber die Redebeiträge beim Synodalen Irrweg zeigen, daß es noch nicht oft genug war.)

Die Schönheit der priesterlichen Gewänder, der liturgischen Geräte, der Kirchengebäude, einfach aller Dinge, die zur Ehre Gottes dienen, soll ins Auge fallen (und in Ohr und Nase dringen, wie Gesang und Weihrauch). Sie ist aber nicht Teil eines Events zum Amüsement des Menschen, sondern Dienst und Preisung, zu Gottes Ehre zuerst, und dann zur Freude der Menschen, weil es Freude machen soll, Gott zu ehren. Die Ästhetik der Macht ist im katholischen Sinne das, was Menschen tun können, um den unbegreiflich großen Gott doch ansatzweise begreifbar zu machen und zu begreifen.

Unser Verstand ist auf die Sinne angewiesen – was wir nicht mit den Sinnen wahrnehmen können, entzieht sich dem Verstehen. Wir zeichnen Punkte und Linien (die beide keine Ausdehnung haben und also eigentlich nicht darstellbar sind), um mathematische Vorgänge zu erfassen. Wir machen Skizzen, wenn uns die Worte fehlen, illustrieren unsere Gefühle mit Bildern und Klängen. Umgekehrt können wir unsere Gefühle durch sinnliche Wahrnehmung beeinflussen. Musik und bildende Kunst können uns in frohe oder traurige, ausgelassene oder wehmütige Stimmung versetzen. Die Bauweise und Ausstattung einer Kirche ist im Idealfall dazu angetan, ehrfürchtiges Staunen zu erwecken – und zwar nicht zuerst über die künstlerische Fertigkeit, sondern über den, dem das alles gilt, über Gott.

Die Liturgie ist von dieser Ästhetik der Macht geprägt. Der helle Glockenklang zum Einzug, das feierliche Schreiten, die prächtigen Gewänder, die Ministranten (je mehr, desto feierlicher), die Verneigung vor dem Altar und damit vor Jesus Christus (spätestens hier wird klar, daß der Priester sich als Diener versteht) – schon der Beginn einer Messe ist ein ästhetischer Hinweis auf den Allmächtigen. Wir bekennen unsere Kleinheit vor Ihm, hören staunend Sein Wort, feiern Seine Gegenwart. Das Erheben von Hostie und Kelch, Fleisch und Blut des Herrn, ist der feierlichste Augenblick. Daß überhaupt der Herr hier physisch erhoben wird, der Priester niederkniet, ist Zeichen der Ehrfurcht vor Ihm. Zeichen sind wahrnehmbar, sind und haben eine Ästhetik.

Wenn das nun alles wegfiele oder auf alltägliche Schlichtheit verkürzt würde, wenn der Priester in Alltagskleidung aufträte wie eine Mutter, die ihren Kindern die Schulbrote streicht, wäre die Messe vielleicht noch irgendwie freundlich und rührend, aber nicht mehr. Die Wandlung geschähe, aber das Gespür dafür ginge verloren. Das Sumieren der Hostie wäre eine Abfütterung.
Diesen Eindruck der Abfütterung kann man zuweilen durchaus haben. Das ist traurig und lässt auf Mängel schließen – ob in der Katechese, dem Glaubensverständnis oder der Liturgie, ist von Fall zu Fall verschieden. Solche Mängel zeigen erst recht, wie wichtig die Ästhetik zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen ist. Die Liturgie soll uns ja ergreifen, soll uns vor Augen führen, wie Gott ist: unfassbar groß, allmächtig, liebevoll, menschenfreundlich und in der Eucharistie klein und zerbrechlich und zugleich Leib und Seele nährend. Wir sind in der Messe Zeugen und Nutznießer eines unbegreiflich großen, geheimnisvollen, heilsamen, schönen Geschehens. Die Ästhetik der Macht Gottes, so gut Menschen sie eben abbilden können, ehrt Ihn und hilft uns, das wenigstens ansatzweise zu begreifen.

Die Ästhetik der Macht zeigt auf den Allmächtigen – sie zu verkürzen, heißt Ihn mißachten.

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