Heidenrespekt vor der Kirche

Mein Vater Martin Sperlich war bis zu seinem Tode Atheist, und er war mit Leib und Seele Kunsthistoriker. (Wie das zusammenpasst, verstehe ich immer weniger.) Vermutlich durch seine innige Beschäftigung mit Kunst und Kunstgeschichte hatte er vor dem Christentum und der Kirche einen Heidenrespekt. Vieles darin blieb ihm zwar fremd. Aber sein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden, sein Sinn für Schönheit, ließ ihn modernistische Tendenzen in der Kirche (und ganz besonders die Verschandelung des Innenraums so mancher alter Kirchen) sehr argwöhnisch betrachten. Er hatte dabei einen großen Scharfblick für gute moderne Kunst (wer sich mit der Restaurierung des Schlosses Charlottenburg nach dem Krieg befasst, weiß das), und als ich ihm den Dom zu Münster zeigte, war er hell begeistert von Georg Meistermanns Fenstern und wurde geradezu hymnisch vor Bert Gerresheims Kreuzweg.

Aber Kitsch, Plattheit und bloßes Dekor waren ihm zuwider. Von vielen Tischaltären behauptete er, sie wirkten, als sollen darauf Jungfrauen geschlachtet werden – und ich stimme ihm bis heute zu, obwohl ich Novus-Ordo-Messen liebe.

So schüttelreimte er 1972 angesichts der neuen Ausstattung des Würzburger Domes:

Würzburg

Straft uns der HErr mit Wirtschaftswunderplagen,
darf sich selbst in Sein Haus der miese Plunder wagen;

Wie konnte dieser Dom anheim den Laffen fallen?
Weil hier vom „Geist der Zeit“ neumodsche Pfaffen lallen.

Der gerade zu durchleidende Synodale Weg hat zwar nichts mit Kunst zu tun (und das meine ich in jedem Sinne, der einem dabei einfallen mag). Aber mit Zeitgeist. Und genau dies zeitgeistige Geschwätz macht weder vor Dichtkunst noch vor bildender Kunst Halt.

Glauben Sie mir nicht? Sehen Sie selbst, was mir zuflog – eine „Meditation“ zu Beginn der ersten Synodalversammlung.

… nachspüren…
der Kopf gehalten von der Wirbelsäule,
die Augen sind geradeaus gerichtet. Im rechten Winkel zum Leib. Egal ob sie geöffnet oder geschlossen sind,
aufrecht und auf Augenhöhe stehen Sie da.
Die Arme hängen am Rumpf.
Ein paar Minuten dastehen und erwägen, wie Gott, mein Schöpfer und Herr, mich liebevoll anschaut.

„Die Arme hängen am Rumpf“ ist nun zwar preiswürdig, kommt Ringelnatz und seinen Turngedichten nahe – aber ach, das war gar nicht gemeint. Mit ringelnatzschem Humor ausgestattet, hätten ein Synodaler Weggefährte vielleicht gesagt:

Durchhalten!
Kopf hoch! Rückgrat durchdrücken!
Augen geradeaus! Rechtwinklig gucken!
Augen auf oder zu – egal,
Hauptsache aufrecht und auf Augenhöhe!
Die Arme hängen am Rumpf!
Paar Minuten noch! Stehen! Denken!
Gott ist Schöpfer und Herr!
Gott sieht uns, Gott liebt uns!
Wegtreten!

Und dann hätte der Synodale Weg vielleicht eine sicherere und katholischere Gangart. Aber Humor – also die heitere Grundstimmung, die sich erst über sich selbst und dann über die Welt amüsieren kann – scheint dort zu fehlen.

Es geht beim Synodalen Weg bislang wesentlich um die Forderung nach Frauenpriestertum und nach der Aufhebung des priesterlichen Zölibats. Die Frage, ob es katholische Priesterinnen geben darf, ist längst entschieden: Nein, geht nicht. Wer möchte, kann meinen Vortrag hierzu hören. Die Frage nach dem verpflichtenden priesterlichen Zölibat ist etwas schwieriger, da es nicht dogmatisch festgelegt ist und es Fälle von Dispens gibt (in unserer Zeit mehrfach bei verheirateten Pfarrern, die zur Katholischen Kirche konvertieren). Aber in der Debatte geht es gar nicht darum, sondern die Aufhebung des Zölibats wird in einem Atem genannt mit a) Mißbrauch (der ja in Familien, Sportvereinen, Religionsgemeinschaften ohne Zölibat etc. gaaaar niiie vorkommen kann) und b) Frauenpriestertum (das ja sein muss, wegen der Gleichberechtigung und so). Mich nervt das nur noch. Ich versuche dennoch immer wieder, den Leuten mit Logik zu kommen. Aber bei allzu vielen ZdK-affinen Christen renne ich gegen Beton.

Und was hat das jetzt mit Kunst zu tun?

Ich kann keinen Kausalzusammenhang beweisen. Aber ich sehe zuverlässig immer wieder, daß schlechte Literatur, ungelenker Umgang mit Sprache und trivial-hässliche Bildwerke sich bestens mit solchem Gedankengut vertragen und oft aus ihm entspringen. Vielleicht ist es auch umgekehrt und mangelnder Sinn für Schönheit führt zu Logikfehlern und Machtgier.

Mir ist das redliche Bemühen um Wahrheit eines kunstsinnigen alten Atheisten weit lieber als das trotzige Beharren auf vermeintlichem Recht bei sich jugendlich gebenden Christen meines Alters.

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Fünf Vorträge im März

Update: Es kommt noch einer hinzu.
Eigentlich sind es nur vier, aber einen halte ich gleich zweimal.
Zunächst in Heilig Kreuz, Berlin-Wilmersdorf, nach einigem organisatorischen Hin und Her nun wirklich so:

Warum gibt es keine katholischen Priesterinnen?
Vortrag

Dienstag, 3. März
19.30 Uhr
Hildegardstraße 3a, 10715 Berlin-Wilmersdorf
(Pfarrhaus links neben der Heilig-Kreuz-Kirche)

Ein Obolus von 5,00 € ist erbeten.

*

Auch in Potsdam werde ich sprechen.

Arche Potsdam
Erhöhung und Leiden Jesu Christi im Rosenkranz
Betrachtung

Dienstag, 10. März
19.30 Uhr
Am Bassin 2, 14467 Potsdam
schräg gegenüber der Peter-und-Paul-Kirche

Im Rosenkranz betrachten wir glaubenswichtige Stationen im Leben Jesu. In die Fastenzeit passen besonders die schmerzhaften Geheimnisse – und die lichtreichen, die in engem Zusammenhang mit der Leidensgeschichte stehen. Beide Gesätze erläutere ich anschaulich anhand der neutestamentlichen Quellen und des geschichtlichen Umfelds.

*

Sodann gibt es in Spandau (aus Wilmersdorfer Sicht also fast schon „in der Ferne“) drei Vorträge in der Fastenzeit:

Warum gibt es keine katholischen Priesterinnen?
Vortrag

Freitag, 13. März
17.30 Uhr (im Anschluß an die Messe um 17.00 Uhr)
St Marien am Behnitz
Behnitz 9, 13597 Berlin
Nähe U-Bahnhof Altstadt Spandau
Eintritt frei

Wer braucht heute noch Selige und Heilige?
Vortrag
FÄLLT LEIDER AUS – WIRD IRGENDWANN NACHGEHOLT

Freitag, 20. März
17.30 Uhr (im Anschluß an die Messe um 17.00 Uhr)
St Marien am Behnitz
Eintritt frei

„Unbefleckte Empfängnis“ – kann man das glauben?
Vortrag
FÄLLT LEIDER AUS – WIRD IRGENDWANN NACHGEHOLT

Freitag, 27. März
17.30 Uhr (im Anschluß an die Messe um 17.00 Uhr)
St Marien am Behnitz
Eintritt frei

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Geschlechtergerecht sprechen in Paderborn

Das Erzbistum Paderborn macht jetzt auch in geschlechtergerechte Spreche, äh, Sprache. Hier des Generalvikars Alfons Hardts Geleitwort zum Leitfaden, gerichtet an die lieben Mitarbeitenden. (Wenn sie gerade Mitarbeitende sind, haben sie keine Zeit, das zu lesen – wenn sie Zeit haben, das zu lesen, sind sie nicht Mitarbeitende, sondern Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.)

Zum Download liegt dort bereit der „Praxisleitfaden für geschlechtergerechte Kommunikation“ – und im Untertitel wird er schrecklich ausführlich:

in der Liturgie und bei Ansprachen
in Formularen und Mitteilungen
in offiziellen Briefen und Schreiben
in Pfarrbriefen und im Internet
in Berichten und Verträgen
intern wie extern

In der Liturgie! So steht es da.

Vorab: Nicht alles ist schlecht. Zwar finde ich den anfänglichen wortreichen Schmäh über das böse generische Maskulinum schlicht peinlich, aber in der Tat gibt es dann Vorschläge zur Formulierung, von denen einige gut sind.

Doppelnennungen: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ – unter Vorbehalt, da diese Formulierung diversen Menschen nicht gerecht wird

Nicht weil es abscheulich umständlich klingt, sondern weil es Diversen nicht gerecht wird, soll man auf diese Formulierung also verzichten. Diverse, die einen Sinn für sprachliche Schönheit haben, dürften sich davon geohrfeigt fühlen.

Geschlechtsneutrale Begriffe: „Abteilungsleitung“ statt „Abteilungsleiter“

Ja, und Lehrkraft statt Lehrer, Arbeitskraft statt Arbeiter usw.
Das ist monströs. Denn damit wird der Mensch, der seine Arbeit tut, auf seine Funktion in dieser Arbeit reduziert. Das ist eine sprachliche Entfremdung vom Arbeitsplatz, die vorgibt, den Abteilungsleitern, Abteilungsleiterinnen, Lehrern, Lehrerinnen, Arbeitern, Arbeiterinnen usw. gerecht zu werden – in Wirklichkeit werden sie dadurch aber sprachlich entmenschlicht.

Substantivierte Partizipien: „Mitarbeitende“ statt „Mitarbeiter“

Wie eingangs angedeutet, ist das schlichtweg falsch. Eine Mitarbeitende bin ich dann und solange ich mitarbeite, also im Falle eines meiner Jobs Montag, Mittwoch und Freitag vormittags. Eine Mitarbeiterin bin ich aber, solange ich diesen Job überhaupt habe (also hoffentlich bis zur Rente).

Verben oder Adjektive anstelle von Substantiven: „Verfasst von“ statt „Verfasser“

Dies Beispiel ist tatsächlich gut – aber wenn es einen Verfasser oder eine Verfasserin gibt, kann man genauso gut schreiben: Verfasser XY oder Verfasserin YZ. Nur bei mehreren Verfassern verschiedenen Geschlechts wäre „verfasst von“ deutlich genauer.

Verallgemeinernde Relativpronomen: „Zur Teilnahme berechtigt sind“ statt „Mögliche Teilnehmer“

Kann man so machen, wenn man sich am generischen Maskulinum stört.

Alle statt jeder

Nein! Denn das sind verschiedene Bedeutungen.
Versuchen wir es mal (vielleicht mit einem schrägen Blick auf eine britische Komikertruppe) mit dem Satz „Jeder Mensch trägt ein Kreuz.“ Das ist ein eindeutiger Satz. Wenn wir sagen „Alle Menschen tragen ein Kreuz“, so gibt es zwei Lesarten: Allen Menschen ist gemeinsam, daß sie ein Kreuz tragen – oder: Alle Menschen tragen gemeinsam ein einziges Kreuz.
Kurz: „Alle“ meint die Gesamtheit, „jeder“ das Individuum als Teil einer Gesamtheit. Es hat einen Sinn, daß wir da zwei verschiedene Wörter haben und daß das eine den Plural, das andere den Singular nach sich zieht.

Direkte Ansprache: „Füllen Sie den Antrag vollständig aus“ statt „Der Antrag ist vom Antragsteller vollständig auszufüllen“

Einerseits könnte man die Worte „vom Antragsteller“ auch einfach auslassen, da sie jedem, der imstande ist, einen Antrag zu stellen (wofür auch immer), von selbst klar sind. Andererseits ist „dies und jenes ist zu machen“ eine bürokratische Ausdrucksweise besonderer Hässlichkeit.
„Charta postulationis explenda est“ ist gutes Latein, aber die wörtliche Übersetzung „Der Antrag ist auszufüllen“ ist schlechtes Deutsch. Hier ist der Vorschlag des Leitfadens wirklich eine Verbesserung.

Vermeidung zusammengesetzter Substantive mit maskulinem Wortstamm,
also: „Kurse für Küsterinnen und Küster“ statt „Küsterkurse“

Warum einfach, wenn es auch umständlich geht? Wir haben im Deutschen die wundervolle Möglichkeit, Wörter zusammenzusetzen – und in diesem Beispiel wird diese Möglichkeit auch nicht auf die alberne Spitze getrieben. Fünf einzelne Wörter statt einem aus zwei Wörtern zusammengesetztem Wort – das ist umständlich und klingt nicht schön.

Von acht Beispielen sind drei eindeutig falsch und nur eines eindeutig besser als die Alternative. Das ist ziemlich schwach.

Statt „Putzfrau“ besser „Reinigungskraft“ wird weiter unten (wegen des Geschlechterstereotyps) vorgeschlagen. Als Dichterin und Putzfrau (ja, von irgendwas muss der Rubel rollen) wende ich ein: Wie weiter oben gesagt, werde ich mit dem Wort „Reinigungskraft“ auf meine Funktion beschränkt. Ich habe zwar Reinigungskraft – es gehört zu meinen Charismen, Dreck zu erspähen und wegzumachen. Aber ich bin nicht Reinigungskraft, sondern Putzfrau. Ich habe übrigens nichts gegen Putzmänner.

Weitere schlechte Vorschläge des Leitfadens sind:
der Chor statt die Sänger (arme Solisten!),
wenn Sie mit dem Auto fahren statt Autofahrer (umständlich!),
Hilfskräfte statt Helfer (die Helfer sind mehr als ihre Kraft – es sind Menschen. Als Frau fühle ich mich vom generischen Maskulinum „die Helfer“ nicht gekränkt, aber sehr gekränkt von dem entmenschlichenden Ausdruck „Hilfskraft“.)

Und nun zur Liturgie. Der Leitfaden sagt ja, daß man auch die Liturgie geschlechtergerecht fassen soll. Da hätte ich nun allerdings Vorschläge, an die das Bistum noch gar nicht gedacht hat.

Denn die liturgische Sprache der Römisch-Katholischen Kirche ist ja Latein! Wenn wir also die Liturgie geschlechtergerechter machen wollen, nur zu – aber dann auch richtig. Beginnen wir mit dem Kernsatz des Glaubens, dem Credo.

Zunächst einmal ist da das Maskulinum „Deus“ (Gott). Wir wissen ja, das Gott kein Geschlecht hat, daß Er/Sie/Es uns väterlich/mütterlich/irgendwie entgegenkommt. Nun ist es umständlich und auch (wegen der immer noch geschlechtlichen Zuschreibung) ungenau, Ihn/Sie/Es als „Deus/Dea“ zu bezeichnen. Aber wir haben ja das Gerundivum! Was soll man nun mit Gott/Göttin? Verehren, natürlich. Also nehmen wir für „Deus“ die neutrale Form „Colendum“, „Das zu Verehrende“.

Pater und Mater sind ebenfalls geschlechtliche Festschreibungen, da würde auch ein Ausdruck wie „Pater et Mater“, „Pater Materque“, „Pater vel Mater“ nichts ändern. Aber „Creans“ (das Erschaffende“; in der neutralen Form zu deklinieren) ist eine gute Möglichkeit. Da im Neutrum Nominativ und Akkusativ gleichlauten, ist das auch grammatisch einfacher.

Factor ist wieder, wie alle Ausdrücke auf -tor, männlich. Factor et Factrix, Schöpfer und Schöpferin, wieder zu umständlich. Das Präsenspartizip faciens ist die Lösung – mit der zusätzlichen theologisch richtigen Aussage, daß Gott/Göttin/Wasauchimmer die Schöpfung noch nicht vollendet hat, weiter schöpferisch tätig ist.

Dominus geht natürlich gar nicht, Domina auch nicht wirklich. Aber dominans, beherr/frau/schend, wieder in neutraler Deklination, ist möglich.

Schwierig wird es bei Jesus Christus; ich schlage vor, den Eigennamen hier aus Gründen der Tradition zu belassen. Durch die Akkusativform sieht das hier ja wenigstens so aus wie ein Neutrum.
Filius, Sohn, kann man ersetzen durch genitum, das Gezeugte/Geborene (zumal die lateinische Sprache der unseren hier voraushat, daß gignere sowohl zeugen als auch gebären bedeutet – ein ideales Wort). Auch ergibt sich dadurch ein feines Wortspiel: Genitum unigenitum.

homo heißt nicht Mann, sondern Mensch, das kann so bleiben. Zu beachten ist natürlich, daß es dennoch „homo factum est“ heißen muss, da factum sich ja auf dominans (n.) bezieht.

Spiritus Sanctus ist männlich, das hebräische ruach ist weiblich. Ich schlage hier vor, Spiritus durch Spiratum („das Gehauchte“) zu ersetzen.

vivos et mortuos, die Lebenden und die Toten, ist im Lateinischen wieder eine eindeutig männliche Form. Ich empfehle hier „viventia et morientia“, die Lebenden und Sterbenden (beides Neutra), zu sagen. Man könnte zwar auch „viventes et morientes“ nehmen, da diese Formen sowohl Maskulina als auch Feminina sind, aber da wären die lebenden und sterbenden Diversen ausgeschlossen.

Ecclesia, die Kirche, ist nun zwar eindeutig weiblich. Hier halte ich es aber, aus Gründen der Tradition, für sinnvoll, ausnahmsweise die eindeutige Geschlechtszuschreibung zu behalten.

Und dann sieht das geschlechtergerechteste Credo so aus:

Credo in unum Colendum,
Creans omnipotens,
faciens caeli et terrae,
visibilium omnium et invisibilium.

Et in unum dominantem Iesum Christum,
Genitum Colendi unigenitum,
et ex Creante natum ante omnia saecula.
Colendum de Colendo, Lumen de Lumine,
Colendum verum de Colendo vero,
genitum, non factum,
consubstantialem Creanti;
per quem omnia facta sunt.
Qui propter nos homines et propter nostram salutem
descendit de caelis.
Et incarnatum est
de Spirato Sancto ex Maria Virgine,
et homo factum est.

Crucifixum etiam pro nobis sub Pontio Pilato,
passum et sepultum est,
et resurrexit tertia die,
secundum Scripturas,
et ascendit in caelum,
sedet ad dexteram Creantis.
Et iterum venturum est cum gloria,
iudicare viventia et morientia,
cuius regni non erit finis.

Credo in Spiratum Sanctum,
Dominans et vivificans,
quod ex Creante Genitoque procedit.
Qui cum Creante et Genito simul adoratur et conglorificatur:
qui locutum est per prophetas.

Et unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam.
Confiteor unum baptisma in remissionem peccatorum.
Et exspecto resurrectionem mortuorum,
et vitam venturi saeculi.

© Claudia Sperlich

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Die armen Spinnen!

Putzfrau aus Spinnensicht

Das Menschenweib kommt alle sieben Tage.
Ihr hagrer Arm mit dickem Borstenende
Schleift über Boden, Decken, Ecken, Wände –
Sie mordet und singt selbst die Totenklage!

Zwei weitre Arme haben Frosches Hände,
Geschickt und tückisch mehren sie die Plage.
Ein Dämon scheint sie mir aus finstrer Sage!
O daß ein Gott ihr tausend Milben sende!

Sie kann das Tümpelwasser mit sich ziehen,
Und schaudernd sehe ich im trüben Teiche
Zerfetzt, kaum kenntlich, manche Spinnenleiche.

Weh, nur die Schnellsten können ihr entfliehen!
Sie macht zwei Dutzend meiner Leute nieder –
Doch wart nur, Menschenweib! Wir kommen wieder!

© Claudia Sperlich

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Organspende: Biblisch nicht begründbar

In der so pathetisch wie unsachlich geführten Diskussion um Organspenden wurde mir von verschiedenen Seiten mangelnde Hilfsbereitschaft vorgeworfen, weil ich gegen Organspenden bin.

Gründe für meine Einstellung habe ich bereits mehrmals deutlich dargelegt bzw. auf Artikel verwiesen, z.B. hier und hier und hier und hier.

Nun wurde ich allerdings nach einem pikierten „Von dir als Christin und Lebensschützerin hätte ich anderes erwartet“ auch mit neutestamentlichen Zitaten zugeballert, die mich dazu bringen sollten, flugs einen Organspendeausweis auszufüllen. (Die Einleitung „Du als Christin müsstest doch…“ kommt übrigens auch aus atheistischer Ecke – als ob Atheisten, die sich explizit gegen die Kirche wenden, irgendeine mehr als vage Ahnung hätten, was Christen müssen oder nicht müssen.) Ich finde diese Argumentation infam – die Heilige Schrift wird mißbraucht, mich und andere zur Organspendebereitschaft zu animieren, und es wird unterstellt, man sei kein guter Christ, wenn man keine Organe spende. (Ich bin in der Tat keine gute Christin, aber nicht deshalb.)

Vorab: der Katechismus der Katholischen Kirche erlaubt die unentgeltliche Organspende nach dem Tode, fordert aber keine Bereitschaft dazu – keine christliche Konfession kann eine solche Forderung stellen. Ob der Zusatz „nach dem Tode“ impliziert, daß nach heutigem Wissensstand katholischerseits gar keine Organspenden möglich sind, ist noch strittig, wie die gegensätzlichen Meinungen zum „Hirntod“ zeigen.

Im folgenden stelle ich die mir mit besserwisserischer Miene unter die Nase gehaltenen Zitate vor.

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. (Joh. 15,13)

Ein tödlich Verunglückter gibt sein Leben nicht für seine Freunde, sondern verliert es aufgrund eines Unfalls. Stirbt jemand, weil er sich heldenhaft vor einen anderen wirft und selbst von einer Kugel, einem LKW oder was auch immer getroffen wird, so gibt er tatsächlich sein Leben für den anderen. Ist er kein Organspender, so wird seine Tat dadurch nicht weniger hochherzig. Ist er Organspender, wird sie nicht großartiger. Denn er rettet ja das Leben des anderen nicht mit dem ausdrücklichen Ziel, wieder anderen noch seine Organe zu schenken. Unser hypothetischer Held ist Organspender unabhängig davon, ob er sich durch eigene oder fremde Schuld totfährt, eine Kugel abfängt oder einen Selbstmordversuch lang genug überlebt, um Organspender zu werden. Jesu Wort von der Lebenshingabe als Zeichen größter Liebe hat mit der Organspende gar nichts zu tun.

Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.(Mt. 16,25)

Ich beginne mit dem zweiten Satz.
Viele Organspender verlieren ihr Leben um der Geschwindigkeit willen (weil die ihnen oder einem anderen übermäßig wichtig war) oder wegen eines eigenen oder fremden Fahrfehlers. Das ist etwas anderes als „um Christi willen“. Um Jesu willen verlieren viele ihr Leben, und möglich, daß ihre Organe in einigen Fällen explantiert werden (in China wird mit Menschen im Todestrakt angeblich so verfahren). Eine solche Organernte ist ein himmelschreiendes Unrecht und keine Spende (die ja ihrer Natur nach freiwillig geschieht). Gleich auf welche Weise jemand plötzlich als Organspender in Frage kommt, er wird es nicht um Christi willen. Was immer er um Christi willen getan oder erlitten hat, hat vor der Explantation ein Ende, wenn wir davon ausgehen, daß die Explantation nach dem Tode erfolgt. Erfolgt sie aber nicht nach dem Tode, ist sie ein Unrecht, und ein Unrecht kann nicht um Christi Willen geschehen. Wie immer unsere Meinung in der Hirntoddebatte ist, die Explantation erfolgt nicht um Christi Willen.

Nun zum ersten Satz: Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren.
Sehr schön, aber warum sagt man das nicht dem, der auf eine Organspende wartet? Gilt der Satz nur für die anderen?
Aber, kommt die anklagend-weinerliche Antwort, das sind doch Menschen, die sonst sterben würden. Und ich könne mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn man im Sterben liegt und durch eine Organspende gerettet werden könnte, oder wenn man um das Leben eines Kindes ringt.

Zunächst einmal: Wie es ist, nach einem fast tödlichen Unfall langsam wieder ins Leben zu finden (ohne Organspende, die in diesem Falle gar keine Option war), weiß ich aus eigener Erfahrung. Tut weh, ist mühsam, dauert lange.
Wie Eltern sich fühlen, die um das Leben ihres Kindes bangen, weiß ich von meinen Eltern. Tut weh, ist mühsam, dauert lange.
Wie es ist, eine junge, lebenslustige Freundin an den Tod zu verlieren, weiß ich auch. Tut weh.

Der Tod ist nicht schön, nicht süß, ich bin kein Romantiker. Aber es gibt ihn, und wir haben uns damit ganz brottrocken abzufinden. Als Christen haben wir die Hoffnung auf ein überwältigend schönes ewiges Leben in Fülle – also bitte hören wir doch auf, dies unvollkommene Leben auf der Erde um jeden Preis fortführen zu wollen. Es ist schön, hier zu leben, aber es hört halt irgendwann auf. Das Unvollkommene endet, um dem Vollkommenen Platz zu machen.

Aber Jesus hat Sein Leben für uns hingegeben!

Hat Er – nur ist das mit einer Bereitschaft zur Organspende gar nicht vergleichbar. Niemand spendet seine Organe, um andere von Sünden zu erlösen oder ihnen den Zugang zum ewigen Leben zu ermöglichen. Zudem gilt auch hier das weiter oben Gesagte: Man lässt sich nicht aus freiem Willen überfahren, mit dem Ziel, seine Organe zu spenden.

Jesu Selbsthingabe am Kreuz ist nicht bloß ein Upgrade zur Organspende. Es ist etwas kategorisch Anderes. Organspenden verbinden uns mit der Erde – das Kreuz mit dem Himmel.

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Nein, meine Niere spend ich nicht!

Bei aller Gegnerschaft gegenüber den Grünen: Für die von Annalena Baerbock vorgeschlagene vernünftige Regelung zur Organspende herzlichen Dank.

Damit, daß ich bei der nächsten Verlängerung meines Ausweises gefragt werde, ob ich Organe spenden möchte – und dabei in keiner Hinsicht in eine oder die andere Richtung gedrängt werde – kann ich gut leben. Damit kann ich auch gut sterben.

Und bei aller vorsichtigen Zuneigung zur CDU: Das bitter verkniffene Gesicht von Jens Spahn, als die Abstimmung zu seinen Ungunsten entschieden war, erweckt in mir gar kein Mitleid.

Wenn mein Weiterleben nur mittels fremder Organe möglich wäre, verzichte ich lieber. Der letzte Kittel, den ich auf dieser Welt sehe, ist im Idealfall schwarz und nicht weiß. Das letzte Objekt, auf das ich meinen Blick richte, sollte ein Kruzifix sein und kein medizinisches Gerät.

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Die Verstaatlichung der Toten

Jens Spahn hält es für richtig, jeden Menschen, bei dem das praktisch möglich ist, zum Organspender zu machen – auch dann, wenn es hierzu keine Einwilligung gibt. Dagegen hilft nur, rechtzeitig ausdrücklich deutlich zu machen, daß man das nicht will.

Nun sagen viele, das ist doch in Ordnung, man kann ja einfach – zum Beispiel auf einem Organspenderausweis – verfügen, daß man das nicht wünscht. Oder es sonstwie schriftlich niederlegen. Oder seine Verwandten darüber bestimmen lassen. Und wer das alles nicht macht, ist eben selbst schuld, wenn er am Ende Organspender ist, ohne das gewollt zu haben.

Aber das ist Quatsch. Eine Spende gibt man ausschließlich freiwillig – sonst ist es keine Spende, sondern Wegnahme. Organe kann man spenden – aber dann muss man das selbst so bestimmt haben. Was Herr Spahn will, ist Organenteignung.

Ich bestimme, daß meine Organe in mir bleiben und mit mir begraben werden (um es für alle zukünftigen Eventualitäten zweifelsfrei deutlich zu machen: letzteres erst dann, wenn ich eindeutig tot bin). Das gilt auch dann, wenn ich überfahren, erschossen oder erschlagen werde, noch lebend ins Krankenhaus komme und dort festgestellt wird, daß man nichts mehr machen kann. Also: wenn ich eigentlich als Organspender in Frage käme.

Wenn Spahns Gesetzesvorschlag durchkommt und mein schriftlich niedergelegter Wille, am Stück beerdigt zu werden, nicht rechtzeitig gefunden wird (vielleicht ist er bei einem für mich fatalen Unfall unleserlich geworden), dann werde ich noch lebend in den Vorraum eines Operationssaales geschoben, das Herz wird maschinell weiter betrieben, ich werde sediert für den Fall, daß ich doch noch was merke, und dann geht es in den OP zur Ausweidung. Mit den Organen, soweit sie tatsächlich noch brauchbar sind, werden dann andere, eventuell nicht ganz so kaputte Menschen geflickt.

Ich möchte die Zahl der Menschen, die über meinen Tod Freude empfinden, so gering wie möglich halten. Ich möchte auch selbst nicht in die Situation kommen, zu sagen „Hoffentlich fährt sich bald wieder jemand tot“ oder „Gott sei Dank ist wieder jemand tödlich verunglückt“ – und deshalb will ich in keinem Fall eine Organspende annehmen, gleich wie dreckig es mir gehen sollte und gleich wie sehr ein Spenderorgan mein Leben verlängern könnte.

Ich weiß, daß der vorige Absatz schockiert. Zahlreiche Leser werden felsenfest behaupten, niemand, wirklich gar niemand, der auf eine Organtransplantation wartet, denke so. Aber – nun ja, wer auf eine Organtransplantation wartet, wartet darauf, daß ein anderer vorzeitig und plötzlich stirbt. Selbst wenn er es nicht so zynisch ausdrückt und auch, wenn ihm in einer stillen Stunde vor solchen Gedanken graut – er hofft auf ein gesundes Organ, das er nur bekommen kann, wenn jemand schnell, aber nicht zu schnell, stirbt.

Man muss Leben übrigens nicht auf Deubel komm raus verlängern. Es ist schlimm und traurig, wenn ein Mensch früh stirbt, und es ist schrecklich, wenn Eltern ihre Kinder begraben müssen. Medizinische Hilfen, die einem Kranken oder Behinderten das Leben erhalten, so gut es geht, sind grundsätzlich begrüßenswert. Aber einen Menschen ausweiden, um einen anderen vielleicht zu retten – das kann ich nicht gut finden. Wir müssen uns mit dem Tod – dem eigenen und dem geliebter Menschen -, so hart das ist, auch abfinden.

Weitere Links:
Warum ich keine Organe spende
Renate Greinert: Organspende – nie wieder

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Ein Artikel über mich

… und mein Gelübde steht in der Tagespost. Auszug:

Die Auswirkungen des Gelübdes auf ihr persönliches Leben hat sie jedenfalls als durchweg positiv erlebt: Sie hat dadurch Stärkung im Glauben erfahren, hat an Gottvertrauen und Seelenruhe gewonnen, und dadurch haben sich auch ihre Beziehungen zu anderen Menschen verbessert. Nicht zuletzt, resümiert sie, ist sie durch die tagtägliche Erfüllung ihres Gelübdes schlichtweg „ein glücklicherer Mensch geworden“.

Vielen Dank, Tobias Klein! Genau so ist es.

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Beim Putzen gedichtet

Leichenhalle

Hier wird nicht oft gelagert. Heutzutage
ist nicht besonders hoch die Sterberate,
der Sargraum oben fasst auch zwei, drei Särge.
Die Halle hält man frei für alle Fälle.

Nicht frei ist sie von Staub und Spinnen. Kippen
und Stücke ausgeblühten Kalks und welke Blätter
von Rosen – manchmal steht ja doch ein Sarg hier.

Am Lastenaufzug ein Gestell auf Rädern,
verstaubt ein Kruzifix hängt gegenüber.
Im Dämmer unter trüben Kellerfenstern
stehn Kerzenleuchter, und im Nebenraume
Gestelle, weitre Leuchter, eine Kniebank
und eine Abfalltonne („nur organisch” –
womit gemeint ist: nur für Laub und Blüten),
und alles voll mit Staub und Spinnenweben.

Ich fege Boden, Wände, Decken, fülle
mit Staub und Dreck den Eimer und die Nase.
Ich bin gehüllt in eine graue Wolke,
und Spinnen fliehen, Spinnen kehren wieder.

Den Kruzifix befrei ich auch vom Staube,
küss ihm die Füße, bitte Gott um Gnade
für den, der hier als nächster wird gelagert.

Dann geh ich hoch mit einem Eimer Staub.

© Claudia Sperlich

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Was ist ein Mordversuch?

Naja, der Versuch, jemanden umzubringen. Klar, oder?

Es gibt widersprüchliche Angaben über die Schwere der Verletzungen eines Polizisten, dessen Einsatz in der Silvesternacht in Connewitz mit einem Krankenhausaufenthalt endete. Zuerst hieß es, er sei bewußtlos geworden und es habe eine Notoperation gegeben. Dann hieß es, er sei bei Bewußtsein ins Krankenhaus eingeliefert worden, und es habe nur einen Eingriff an der Ohrmuschel gegeben.

Natürlich bin ich erleichtert, wenn es tatsächlich noch recht glimpflich für ihn ablief. Daran, daß versucht wurde, Polizisten zu ermorden, ändert das gar nichts. Wenn ein Mensch mit zur Tötung geeigneten Mitteln (Feuer, Pyrotechnik) und in mörderischer Absicht angegriffen wird, liegt ein Mordversuch vor. Selbst wenn er vollkommen unversehrt bliebe (was hier nicht der Fall ist). Gezielte Gewalteinwirkung auf jemandes Kopf mit Pyrotechnik kann nicht ein netter Ulk sein oder ein Versehen oder der Versuch, ihn ein bißchen zu erschrecken. Wer so etwas tut, will, daß der andere stirbt.

Zudem gibt es ein (mittlerweile für die Öffentlichkeit gesperrtes) Bekennerschreiben auf indymedia, das von Aggressivität ebenso trieft wie von Kitsch. Kostproben:

„Die staatlichen Institutionen sind durseucht vom braunen Abschaum, sei es in Polizei und Bundeswehr, in den Landtagen und dem Bundestag, sei es in der Verwaltung oder der Juristerei, sei es innnerhalb der Geheimdienste oder den Gremien der Konzerne, den religiösen Vereinigungen, den Schulen und Universitäten.

Dies ist ein Aufruf zur Gewalt, zur Gewalt gegen Nazideutschland, welches niemals aufgehört hat zu existieren!
Bewaffnet euch, nein nicht mit Zwillen und Molotovcocktails, sondern mit Schusswafen, scharfer Munition und Sprengstoff, denn uns steht ein Krieg bevor, ja er hat bereits begonnen!
Erwartet keinen Widerstand gegen den Naziterror aus der sogenannten Zivilbevölkerung, denn er wird nicht kommen, es wird sein wie damals, denn Faschismus ist immer gleich.
Dieser Krieg bedeutet Verlust, eventuell Verlust geliebter Menschen oder gar des eigenen Wohles oder Lebens…“

Religiöse Vereinigungen sind natürlich Teil des Feindbildes. Insgesamt alles Nazis, gelle? Gleich ob Bekennende Kirche, die im Priesterblock ermordeten Katholiken oder die Christen verschiedener Denominationen, die sich heute für das Lebensrecht aller Menschen von Anfang bis Ende stark machen – alle Nazis… indymedia, so viel Blödheit muss man erstmal erarbeiten! Da wart Ihr echt fleißig!

Der Bekennerbrief wird nun auf indymedia flugs als „false flag“ bezeichnet – oder vielleicht auch „mit leider nicht auszuschließender geringer Wahrscheinlichkeit von jungen, unreflekierten Genoss*innen verfasst“. (Bei dieser Formulierung habe ich endlich mal wieder von Herzen lachen können. Indymedia parodiert sich selbst.) False flag? „Mit hoher Wahrscheinlichkeit von Rechten“ verfasst? Nun denn – stilistisch habe ich nie einen wesentlichen Unterschied zwischen den Verlautbarungen von Nazis (Indysprech: „Rechte“) und gewaltbereiten Linksextremen gefunden. Übrigens auch nicht zwischen gewaltbereiten Linksextremen und irgendwelchen anderen Extremisten. Mir ist vor mehreren Jahrzehnten mal eine auf Deutsch verfasste Schrift einer tamilischen Terrororganisation in die Hände gefallen: stilistisch genau so. Dies „Waaaah! Alles Feinde! Wir sind umzingelt – bewaffnet Euch und macht alles kaputt!“ in pathetischer Sprache, ohne einen Hauch Ironie oder Selbstreflexion, mit tränenschwerem „Und kostet es das eig’ne Leben“, ist Extremistensprache überall auf der Welt. Jede Wette, die Äußerungen auf Flugblättern von IS, Boko Haram oder von weiland Khomeini-Jüngern klingen auch nicht viel anders.

Im übrigen empfehle ich wärmstens die Lektüre dieses Blogs hier von Hadmut Danisch, den ich leider erst heute entdeckt habe. Guter Mann, das – zumindest soweit ich nach erster Lektüre beurteilen kann.

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