Fastenzeit: Zeit der Buße

Bußzeit – müssen wir uns jetzt schlecht fühlen?

Das ist die falsche Frage. Buße bedeutet zunächst, etwas in Ordnung zu bringen, was man selbst verbockt hat, und zwar aus einer Haltung der Umkehr. Im Sakrament der Versöhnung ist die Buße etwas, was der Priester dem Pönitenten aufgibt – in der Regel ein Gebet oder ein gutes Werk. Die innere Haltung der Bußfertigkeit ist aber nicht nur nach einer erkannten Sünde sinnvoll, sondern grundsätzlich. Wir sollen – wie Soldaten im Krieg oder wie Forscher in einem unbekannten Gebiet – immer bereit sein, umzukehren, d.h. einen besseren als den eingeschlagenen Weg zu suchen.

Orientierungshilfen bieten uns zunächst das eigene Gewissen, dann Jesus Christus, die Bibel, die Kirche mit Lehre und Sakramenten. Die Bußzeit gibt uns auch Gelegenheit, in Gebet und Anbetung des Allerheiligsten um Führung zu bitten. Nicht nur, wenn wir uns einer Sünde ganz bewußt sind oder nicht ganz sicher sind, ob unsere Lebensrichtung stimmt, sondern auch dann, wenn alles in und um uns gut und richtig aussieht oder wenn etwas ohne unser Verschulden schiefgeht, ist es sinnvoll, anbetend hinzuhören, was Gott gerade jetzt von uns will. Möglicherweise rät Er zu einer kleinen Kurskorrektur, noch ehe wir uns völlig verirren. Oder zur radikalen Umkehr, weil unser gutes Gefühl trügerisch ist. Oder dazu, uns nicht so viele Sorgen zu machen. In jedem Fall ist Zeit gut aufgewendet, die man nutzt, Ihm zu sagen: Ich liebe Dich und ich vertraue Dir.

Das Fasten gehört zur Bußzeit, nicht um uns zu quälen und auch nicht, um uns in Bikiniform zu bringen. Wer in der Fastenzeit ein wenig abnimmt, darf sich über diesen angenehmen Nebeneffekt freuen – aber Abnehmen ist nicht Ziel und Sinn des Fastens.
Wer aber beim Fasten merkt, wie beschwerlich es ist, abends hungrig zu Bett zu gehen, der darf diese Erfahrung als Akt der Solidarität mit den Armen verstehen. Das ersparte Geld ist für die Armen, nicht dazu, es nach der Fastenzeit auf den Kopf zu hauen!

Almosen geben ist deshalb ebenfalls eine Säule der Fastenzeit. Dabei soll „die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut”, sehr wohl aber darf der Bettler zum Geld auch noch ein freundliches Wort hören, ein liebevolles Gesicht sehen.

Die Zeit, die wir am Essen sparen, gewinnen wir fürs Beten – auch das ist ein wichtiger Sinn des Fastens. Nichts soll uns ablenken von Dank, Bitte und Anbetung. Sehr oft wird durch das Fasten auch der Kopf frei dafür, können wir das Denken stärker auf Gott fokussieren, je weniger es auf die nächste Mahlzeit gerichtet ist.

Fasten schenkt uns innere Freiheit. Ja, es kann auch beschwerlich sein, es kann große Überwindung kosten, an einem duftenden Bäckerladen vorbeizugehen. Aber die Disziplin, die wir damit einüben, hilft uns zur Freiheit. (Oder wollen wir von den Teilchen in der Auslage abhängig sein?)

Und wenn ich nicht durchhalte – dann bedeutet das nicht, daß nun alles vorbei ist. Ich kann am nächsten Tag neu anfangen. Für den Neuanfang eignet sich die Beichte, auch sie ein Gnadenmittel, und darüber können Sie morgen, am Freitag, lesen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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