EU steht für Eigentlich Unlogisch.

Alle Mitgliedstaaten der EU haben die Europäische Menschenrechtskonvention unterschrieben. Drei Artikel seien hier zitiert:

Artikel 1 – Verpflichtung zur Achtung der Menschenrechte

Die Hohen Vertragsparteien sichern allen ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Personen die in Abschnitt I bestimmten Rechte und Freiheiten zu.

Artikel 2 – Recht auf Leben

(1) Das Recht jedes Menschen auf Leben wird gesetzlich geschützt. Niemand darf absichtlich getötet werden, außer durch Vollstreckung eines Todesurteils, das ein Gericht wegen eines Verbrechens verhängt hat, für das die Todesstrafe gesetzlich vorgesehen ist.

(2) Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um

a) jemanden gegen rechtswidrige Gewalt zu verteidigen;

b) jemanden rechtmäßig festzunehmen oder jemanden, dem die Freiheit rechtmäßig entzogen ist, an der Flucht zu hindern;

c) einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen.

Artikel 53 – Wahrung anerkannter Menschenrechte

Diese Konvention ist nicht so auszulegen, als beschränke oder beeinträchtige sie Menschenrechte und Grundfreiheiten, die in den Gesetzen einer Hohen Vertragspartei oder in einer anderen Übereinkunft, deren Vertragspartei sie ist, anerkannt werden.

Zunächst fällt auf, daß erst von der Geltung der Konvention für Personen die Rede ist, dann aber von Menschenrechten. Das kann man – auch wenn es so im Jahr der Unterzeichnung wohl nicht beabsichtigt war – als miesen Trick benutzen. Denn entgegen naturrechtlicher Erwägungen gilt der Embryo nicht als Person, außer in bestimmten Fällen des Erbrechts oder des Versicherungsrechts (vgl. rechtliche Fiktion). Aber er gilt für das deutsche Recht (und vermutlich für die meisten Rechtssysteme nicht nur in Europa) von der Nidation an als Mensch. (Für die Biologie und für die meisten christlichen Denominationen sowie für zahlreiche andere Menschen gilt der Embryo von der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an als Mensch. Leser meines Blogs wissen, daß ich diese Auffassung teile.)

Wenn wir bei der Logik bleiben und Menschenrechte für alle Menschen gelten lassen (das müssen wir wohl, wenn wir Art. 53 der Europäischen Menschenrechtskonvention ernst nehmen), können wir nicht anders, als einem Menschen vor der Geburt das volle Recht auf Leben zuzugestehen. Denn kein Mensch kann vor der Geburt rechtswidrig handeln (auch nach der Geburt kann er einige Jahre lang zwar gefährliche und falsche Dinge tun, aber nicht straffällig werden). Die in Art. 2,2 Damit kann ein Mensch selbst in Ländern, in denen es die Todesstrafe gibt (in der EU: Null), nicht gleichzeitig die grundlegenden Menschenrechte bejahen und Abtreibung für ein solches (oder für irgendein Recht) halten, wenn er nicht zugleich der Logik Adé sagen will.

Ganz kurz: Entweder das Recht auf Leben ist das allen anderen Rechten übergeordnete Menschenrecht, oder man darf abtreiben. Beides geht nicht.

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Aber es wird ja doch getan!

Alle Frauen, die abtreiben wollen, tun das auch! Und wenn es verboten ist, auf gefährliche Weise! Oder im Ausland! – Das ist das ultimative Argument derer, die sich für ein „Recht auf Abtreibung“ einsetzen oder es gleich postulieren. Ich habe dagegen in satirischer Weise schon einige Male geschrieben, z.B. hier, hier und hier. Leider wird Satire nicht unbedingt von denen verstanden, die sie eigentlich angeht, daher hier noch einmal unsatirisch.

Das Strafrecht existiert aus einem einzigen Grund: Dinge, die verboten sind, werden eben doch getan. Wenn man sagen könnte „Diebstahl, Raub, Betrug sowie Mord und Totschlag sind verboten – haltet euch dran“, und dann hätte das zur Folge, daß alle sagen „Ja OK, das leuchtet ein, wir machen das nicht“, und all diese Dinge blieben künftig aus – dann brauchte man kein StGB, sondern nur eine Liste von dem, was verboten ist. Man müsste nur einfach in der Grundschule lehren, daß diese Dinge eben verboten sind, und alles wäre gut.

Leider verhält es sich anders. Menschen haben eine starke Neigung, Dinge zu tun, die man nicht tun darf. Das Argument „Abtreibung verbieten ist schlecht, weil die Menschen ja doch abtreiben und dann in die Illegalität getrieben werden“ ist unsinnig. Wie unsinnig, merkt man, wenn man statt „Abtreibung“ eine beliebige andere Tat in obigen Satz einsetzt.

Man kann Abtreibung ohne logische Verrenkungen nur dann aus dem StGB streichen, wenn man sie nicht schlecht findet. Dann muss man allerdings erklären können, warum das Beseitigen eines neugeborenen Sechsmonatskindes schlecht ist, das Vergiften und Ausschaben eines sechs Monate alten Kindes im Mutterleib aber nicht. Oder warum man am Ende doch eine Fristenlösung behalten möchte, und wie die Frist sich logisch erklären lässt. Oder warum man zu Recht empört ist über die Mißhandlung eines erwachsenen Schwerbehinderten, die Beseitigung eines ungeborenen Schwerbehinderten aber geradezu empfiehlt.

„Es ist noch kein Mensch“ lasse ich ein für alle Mal nicht gelten. Warum wäre dann der Jubelruf „Wir haben ein Baby!“ als Reaktion auf den lange sehnlich erwarteten positiven Teststreifen in Ordnung, wenn gleichzeitig bei einer unerwünschten Schwangerschaft im gleichen Stadium „Es ist bloß erst ein Zellhaufen!“ genau so in Ordnung ist? (Mal abgesehen davon ist etwas so klar Strukturiertes wie eine Morula oder ein Fötus wirklich nicht haufenförmig. Mich könnte man in meinem jetzigen Zustand mit weit mehr Recht als Zellhaufen bezeichnen.)

Wenn Abtreibung nicht mehr als Straftat gesehen wird, dann kann es keinen Grund geben, irgendwelche anderen Taten im StGB zu belassen. Denn alle Rechte sind dem Recht auf Leben untergeordnet.

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Gebet um Worte

Gib mir den Geist, Dich liebend zu besingen.
Du, mir so nah – und ich Dir oft so fern...
Lass Deine Spur mich finden in den Dingen,
Und doch Geschaffnes nie als Dich verkennen.
Mein Bräutigam, mein Retter und mein Stern,
Ich kann Dich nur mit Menschenwort benennen.

Zwar kann kein Wort Dich mindern oder mehren – 
Doch gib mir Worte, die Dir nahe kommen
Und die verständlich sind nicht nur den Frommen.
Denn ich will schreiben, Herr, um dich zu ehren.

© Claudia Sperlich
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Angst

Werte Hundebesitzer, dieser Artikel gilt besonders Euch. Ich weiß, daß Ihr Eure Lieblinge gut erzogen habt, daß die nur spielen wollen und daß sie noch nie, nie, nie jemanden gebissen haben und total lieb sind. Ich kenne sogar einige von Euch, bei denen das nachweislich genau so stimmt. Aber das ist für den Inhalt dieses Artikels Wurst.

Heute, auf dem Fahrrad, auf dem Heimweg, sah ich ein kleines Mädchen – vielleicht neun oder zehn Jahre alt – unschlüssig-langsam auf dem Bürgersteig gehen und weinen. Ich gehöre zu den Leuten, die weinende Kinder ohne dazugehörige Erwachsene in der Nähe fragen, was los ist. Hielt also an, stieg ab und fragte: „Was ist los?“ Das Mädchen deutete nach vorne, etwa fünf Meter weiter. „Der Hund ist vorhin auf mich zugerannt, und ich habe solche Angst vor Hunden.“ Sie weinte wieder heftig. Ich sagte, daß ich auch Angst vor Hunden habe und sie gut verstehe. Das stimmt, allerdings fängt meine Angst erst bei Hunden an, die mir bis zum Knie reichen.

Dieser Hund war von einem Format, das ich übersehen hätte. Ein Taschenkläffer. Der dazugehörige Mann hatte etwa mein sehr beträchtliches Format, nur mehr bauchlastig verteilt. Eine Hundleine war zwischen den beiden nicht erkennbar. Der Hund rannte nun wieder schrill kläffend auf das Mädchen zu.

Das Mädchen schrie panisch auf. Ich legte einen Arm um sie und schob mit dem anderen das Fahrrad zwischen den Kläffer und uns. Der Mann tat nichts, sagte nichts und verzog keine Miene. Der Kläffer rannte um das Fahrrad herum, ich ließ das Mädchen los und sorgte dafür, daß mein Fahrrad immer zwischen uns und dem Hund stand. (Leute, ich bin eine fette, unsportliche 59Jährige! Stellt es euch einfach vor.)

Endlich kam der Mann nah genug, daß ich annehmen konnte, er wolle sich kümmern. Ich rief ihm zu: „Nehmen Sie Ihren Hund da weg, Sie sehen doch, daß das Kind Angst hat!“ Er sagte leise irgendetwas zu dem Hund, der ging bei Fuß und beide verschwanden in einem Haus. Er schloss die Tür. Etwas auch nur Ähnliches wie eine Bitte um Entschuldigung oder ein freundlicher Blick blieb aus.

Das Mädchen war immer noch schreckensstarr und weinte. „Dir kann nichts passieren“, sagte ich. „Die sind weg.“ Sie schniefte. „Ich hab solche Angst vor Hunden“, sagte sie noch einmal. „Ich bin mal Fahrrad gefahren, und da hat ein Hund mich umgerannt.“ Ich versicherte ihr nochmals, daß ich das verstehe. Dann sagte ich (etwas tantenhaft, aber ich bin ja auch Tante): „Nu geh nach Hause und trink ein Glas Wasser.“ Fügte noch hinzu: „Das mein ich Ernst, wenn man Angst hat, schwitzt man ja, und dann braucht man Wasser.“ Sie nickte ernst. „Dankeschön“, sagte sie. „Und schönen Sonntag!“

Liebe Hundehalter, auch wenn Ihr selbstverständlich besser erzogen seid als besagter Herr mit Hund, und Eure Hunde dadurch natürlich auch ganz vorbildlich sind:

Erstens gilt in Berlin seit dem 1. Januar 2016 Leinenpflicht für Hunde (leider nicht für unbotmäßige Halter). Zweitens ist Angst ein ganz und gar ernstzunehmender, sehr schrecklicher Seelenzustand. Drittens ist eine Phobie bei einem Kind noch ein paarmal so schlimm. Und viertens kann ich nicht dafür garantieren, daß ich bei dem nächsten derartigen Ereignis so überaus zivilisiert bleibe. Für heute bin ich dankbar, daß das Mädchen von mir keine schlimmen Ausdrücke gelernt hat und nicht Zeugin einer Prügelei wurde.

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Ich hisse keine Regenbogenfahne.

Was der Regenbogen in jüdischer und christlicher Geschichte und Gegenwart bedeutet, habe ich hier bereits bedichtet. Ich habe also keineswegs grundsätzliche Vorbehalte gegen die Darstellung des Regenbogens. Das Bild, daß Gott nach der großen Flut Seinen Kriegsbogen ablegt und der Regenbogen damit zum ewigen Versöhnungszeichen zwischen Gott und Mensch wird, gefällt mir. Ich weiß, daß der Regenbogen durch Lichtbrechung in zahlreichen Wassertropfen entsteht, also ganz natürlich – aber sowohl die Natur als auch mein ästhetisches Empfinden und die religiöse Deutung sind von Gott gegeben. Ich habe kein Problem damit, den Regenbogen als erklärbare Naturerscheinung zu verstehen und zugleich bei seinem Anblick an Gottes Barmherzigkeit und Liebe zu denken – und an den Bund zwischen Gott und Mensch, dessen Zeichen er ebenfalls ist.

Ich habe auch kein großes Problem damit, daß andere Menschen die Regenbogenfarben (z.T. um das Hellblau reduziert) auf Fahnen und Ansteckern tragen als Zeichen von allem Möglichen Guten (Frieden, Liebe, Toleranz usw.). Wenig Probleme habe ich damit, daß sie sich mit der abgewandelten Regenbogenfahne als homosexuell outen und zugleich dies als gut darstellen. (Das finde ich zwar falsch, sehe es aber nicht als meine Aufgabe, alle Menschen ungefragt auf alle Fehler hinzuweisen, die sie machen oder glauben.) Ich kaufe auch dann im Supermarkt ein, wenn er mit Regenbogen beflaggt ist. Tatsächlich fände ich es weit eher grenzwertig, wäre der Supermarkt in den Farben des Vatikan, also Gelb/Weiß, beflaggt – das sähe nach Kommerzialisierung der Religion aus. (Schwul sein zu kommerzialisieren finde ich zwar auch falsch, ist aber nicht meine Angelegenheit.)

Ich habe ein großes Problem damit, daß Menschen, die keine Regenbogen-Anstecker oder -Fahnen oder -Beleuchtungen zeigen, als intolerant und homophob verschrien werden. Ich habe ein Problem mit Regenbogenfahnen vor Gebäuden und Einrichtungen, die zu politischer und religiöser Neutralität verpflichtet sind (z.B. Rathäusern). Auch vor Gebäuden, in denen die Pflege der katholischen Lehre Pflicht ist (katholischen Kirchen und zur katholischen Kirche gehörenden Gebäuden) sind Regenbogenflaggen fehl am Platz wegen der allgemein akzeptierten Deutung der Regenbogenfarben als „Toleranz gegenüber allem, außer der katholischen Lehre“. Wozu entsprechende Kreidezeichnungen führen, habe ich hier beschrieben – einen Lappen habe ich immer dabei.

Übrigens wird das Wort Toleranz meist falsch benutzt. Toleranz heißt Duldung, Gewährenlassen. Die Regenbogenfahne wird sehr oft unter dem Deckmantel der Toleranz als Zeichen für und Forderung nach Akzeptanz angebracht. Akzeptanz ist aber etwas grundsätzlich Anderes als Toleranz. Ich kann nicht moralisch verpflichtet werden, etwas zu akzeptieren (also richtig zu finden), was ich falsch finde. Versucht’s, und Ihr habt ein Problem mit der Logik.

Die derzeitige Flut an Regenbogenbeflaggung wird nach meiner Einschätzung niemanden auf der Welt toleranter werden lassen. Sollte sie doch dazu führen, daß wesentlich mehr Menschen (Drag Queens ebenso wie katholische Priester und alle anderen auch) gerecht und so freundlich wie möglich behandelt werden und daß wesentlich weniger Menschen alles übelnehmen, was ihrer Meinung widerspricht, dann nehme ich alles zurück und kauf mir einen Regenbogenanstecker. (Ich bin sicher, diese Investition bleibt mir erspart.)

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Johannes der Täufer

Melodie: Hoch sei gepriesen unser Gott (GL 384)

Du hast den Heiland schon erkannt
als ihr noch beide ungeboren.
Du bist dem Herrn vorausgesandt,
zum Wegbereiter auserkoren.
Du Rufer voller Leidenschaft,
du mahnst zur Umkehr alle Sünder;
Elia gleich, voll Geist und Kraft,
bist du der größte aller Künder.

„Ich taufe euch mit Wasser nur,
doch nach mir wird ein Größrer kommen,
Er war vor mir, auf Seiner Spur
wird jeder Weg zum Heil genommen.
Er tauft mit Feuer – Er ist Licht,
Er tauft mit Geist – Er will euch führen!
Ich bin gering und tauge nicht,
Ihm die Sandalen aufzuschnüren.“

Als Jesus an den Jordan kam,
hast du in Ihm das Lamm gesehen,
das alle Sünden auf sich nahm,
umgeben von des Geistes Wehen.
Ihn, der sich nie mit Gott entzweit,
hast du getauft auf Seine Bitte,
erfülltest die Gerechtigkeit
an dem, der aller Welten Mitte.

Du scheutest vor Herodes nicht:
„Des Bruders Frau darfst du nicht nehmen!“
Du drohtest ihm mit dem Gericht -
da ließ er dich gefangen nehmen.
Du fragtest aus der Kerkerhaft:
„Ist Jesus der, auf den wir hoffen?“
„Die Blinden sehn durch Seine Kraft,
den Toten steht das Leben offen!“

Du warst geschlachtet wie im Spiel:
Ein Fest, ein Tanz und ein Versprechen,
ein Kind, benutzt zu bösem Ziel -
so ließ Herodias sich rächen.
Doch der, dem du den Weg gebahnt,
der dir Prophetenmut gegeben
und dessen Reich du vorgeahnt,
Er gab dir ewig frohes Leben.

© Claudia Sperlich
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Junibalkon

Anfang des Jahres bekam ich eine Samentüte für bienenfreundliche Blumen. Und dann war noch einiges andere auf dem Balkon. Insekten-, nasen-, augen- und teilweise auch gaumenfreundlich!

Die Art, wie der gelbe Mohn sein spitzes grünes Hütchen nach oben wegschiebt, finde ich allerliebst. Die Hornveilchen sind über die größte Pracht schon hinüber und samen fleißig aus. Salbei und Rosmarin duften und würzen, übrigens kann man daraus auch schöne Duftsträuße machen. Der rote Klee ist von einer der unzähligen Kleearten, die ich noch nicht kenne. Neben dem Rosmarin sieht man noch ein paar Kornblumen, die meisten sind schon hinüber (und ich hoffe, auch sie verbreiten sich gut). Dann gibt es noch einiges Hübsche, was ich nicht kenne, und etwas knospt verheißungsvoll. Den Hummeln gefällt es auch!

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Erster Impftermin: Ein Hoch auf die Organisation!

Erste Impfung. Das wirklich Anstrengende daran war, mit dem Fahrrad von Friedenau zu den Messehallen zu fahren, bei 30° durch die Stadt.

Ansonsten: Doch, Organisation ist möglich! Ich hatte das ja in der letzten Zeit im Zusammenhang mit der Pandemie manchmal angezweifelt. Aber hier, siehe:

Eingang – ich zücke schon die Papiere, freundlicher Mensch in Ordnerweste (im Folgenden fMiO) winkt mich durch, „Die braucht erst die Kollegin weiter vorn“. Ein Sicherheitsmann möchte in meine ziemlich große Tasche gucken, ist mit dem Anblick zufrieden.

Gang, Vorhalle: Überall stehen fMiO, lotsen die Impfwilligen weiter.

Schleuse: Hier sitzen freundliche Menschen hinter Plexiglas, ich werde zu einer gelotst. Sie stellt fest, daß bei meinen Ausdrucken der QR-Code veraltet ist (der einzige Punkt, über den ich mich ärgern könnte, wenn ich wollte), sieht aber, daß ich angemeldet bin, überträgt die Daten, fragt mich, ob ich die ungültigen Blätter wiederhaben will oder ob sie sie vernichten soll (ich bitte um letzteres). Dann stellt sie ein paar Fragen, die mir ein bißchen vorkommen wie „Frau Sperlich, ich frage Sie: Sind Sie hierhergekommen, um nach reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluß gegen Covid19 geimpft zu werden?“ Ich bejahe das, bekomme die gültigen Papiere und noch eines dazu, werde weitergelotst.

Schließlich in einer Kabine mit einer Ärztin und einer Assistentin, die die Papiere an sich nimmt und scannt. Die Ärztin fragt mich, ob es mir gut geht, dann einige sehr genaue Fragen über meine Epilepsie, Medikation und Anfallrisiko. Dann werde ich geimpft. Sie möchte, daß ich noch ganz kurz sitzenbleibe, fragt, wie sich das angefühlt hat, ist zufrieden, daß ich wirklich nicht mehr als einen Piks wahrgenommen habe.

Dann folge ich den Pfeilen nach draußen, es wird mir empfohlen, mich kurz vor dem Ausgang noch ein wenig hinzusetzen. Ich warte eine Viertelstunde auf meinem Stuhl, ob es mir irgendwie komisch wird, und als das nicht eintritt, gehe ich.

Alle, wirklich alle sind freundlich, machen ihre Arbeit, sind aufeinander abgestimmt. Es ist trotz der vielen Leute ruhig, es ist angenehm klimatisiert, und auch die Putzleute machen ihre Arbeit unauffällig und ausgezeichnet (wie man an den Toiletten sieht).

Es gibt an Berlin besonders hinsichtlich behördlicher und organisatorischer Arbeit einiges zu meckern. Umso wichtiger finde ich, wenn mal alles derartig perfekt organisiert ist. Ein ganz großer Dank an alle, die da mit Kompetenz und Freundlichkeit ihre Arbeit tun.

Covid19, wir machen dich alle!

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Weg mit § 242 StGB!

§ 242 StGB

(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

Dieser Paragraph ist unmenschlich und vollkommen veraltet. Übrigens gab es ihn auch unter den Nazis. Hören wir endlich damit auf, die unentgeltliche Aneignung von Dingen zu kriminalisieren!

Wegnahmen geschehen so gut wie nie ohne reifliche vorherige Überlegung. Wer wegnimmt, tut das, weil er in einer existenziellen Notlage ist. Viele Menschen, besonders Frauen – die von Armut regelmäßig stärker betroffen sind als Männer – könnten ohne Wegnahme lebenswichtiger Dinge gar nicht überleben. Die VerteidigerInnen des § 242 StGB sind da durchaus bereit, über Leichen zu gehen – alles im Namen der „Gerechtigkeit“! Gerade von ihren Familien abgelehnte, von ihren Partnern verlassene Frauen – nicht nur, aber besonders wenn sie keine Ausbildung und/oder keine bezahlte Arbeit haben – werden durch das Verbot der Wegnahme zu völlig entwürdigenden Tätigkeiten wie Bettelei oder gar Prostitution gezwungen. Aber auch in weniger krassen Notlagen geschieht eine Wegnahme immer aufgrund der subjektiven Not, ohne eine bestimmte bewegliche Sache nicht menschenwürdig leben zu können.

Menschen können ohne eine Menge an Gütern (Nahrung, Kleidung, Kommunikationsmittel – um nur die wichtigsten zu nennen) schlicht nicht überleben. Solange diese Güter nicht auf andere, im bürgerlichen Denken seit jeher akzeptierte Weise jedem Menschen erhältlich sind, wird es immer wieder zu Wegnahmen kommen. Eine moralisierende, strafende Sicht der Wegnahme bürdet dem Wegnehmer, der Wegnehmerin zusätzliche Lasten zur existenziellen Not auf: ein eingeredetes „schlechtes Gewissen“, das Trauma der Bestrafung (bis zu fünf Jahre Haft!), gesellschaftliche Ächtung. Die Religionen erweisen sich hierfür als Hauptursachen. Sie reden von „stehlen“, „Sünde“, drohen mit der „Hölle“, statt Wegnehmern hilfreich zur Hand zu gehen, z.B. durch Wegnehm-Kurse und eine menschlichere Lehre, die die überholten Vorstellungen von „Besitz“ und „Diebstahl“ hinter sich lässt.

Zudem ist jeder, der den passiven Teil einer Wegnahme erfüllt, dem aktiven Wegnehmer ja gerade durch das „Besitzen“ (schon das Wort zeigt eine oppressive Grundhaltung!) in unguter Weise überlegen. Er muss sich nicht als „Opfer“ fühlen, sondern wird durch die Wegnahme in seiner moralischen Qualität aufgewertet. Sollte es tatsächlich um ein Gut gehen, ohne daß er „nicht auskommen kann“, stünde bei einer Legalisierung der Wegnahme ja nichts im Wege, wenn der passiv Beteiligte nun selbst einem Dritten etwas wegnimmt, idealerweise etwas, das dem vorher ihm entnommenen Gut etwa gleichkommt.

Die überfällige Legalisierung der Wegnahme hätte auf lange Sicht die globale gerechte Güterverteilung zur Folge. Kostenfreie Kurse in effektiver Wegnahme müssen jedem Bürger, jeder Bürgerin zustehen (die Finanzierung könnte über das Finanzamt laufen).

Weg mit dem „Diebstahlparagraphen“! Freie Wegnahme für alle!

Keine Kriminalisierung – keine Kriminalisierung!

Wegnahme ist Menschenrecht!

Disclaimer: Bitte beachten Sie alle Tags.

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Liebe Atheisten, hört auf zu langweilen.

Ich weiß nicht zum wievielten Male ich jetzt etwas über „die Christen“ lese von Menschen, die offenkundig keinen blassen Schimmer davon haben, was Christentum eigentlich ist. Es gibt eine Menge solcher Menschen, die viel Zeit in den sozialen Medien verbringen und dort nach Herzenslust über Christen herfallen mit dem alleinigen Ziel, ihnen zu sagen, wie dumm das Christentum ist.

Ich bin diesen Menschen gegenüber im Vorteil. Ich weiß nämlich, was Atheismus ist (war selbst lange Zeit Atheist). Insofern ist es vielleicht unfair, was ich jetzt schreibe. Aber das ist mir egal.

Also, liebe Atheisten – wobei ich mich genau an jene unter Euch wende, die sich immer wieder bemüßigt fühlen, der Welt mitzuteilen, wie dumm, diktatorisch und denkfaul Christen sind: An das, woran Ihr nicht glaubt, glauben Christen auch nicht. Das christliche Gottesbild ist nicht – und war nie – ein rachsüchtiger alter Mann in den Wolken, der auf Regeln pocht. (Auch nicht ein lieber Opa in den Wolken, der alles nur gütig belächelt.) Das christliche Religionsverständnis beinhaltet nicht, daß die lieben Regelbefolger in den Himmel kommen und andere nicht. Es beinhaltet andererseits nicht, daß man machen kann, was immer man gerade will, wenn man nur an Gottes Güte glaubt. Christen katholischer Prägung glauben nicht, daß jedes Wort der Legenda Aurea wörtlich zu nehmen ist (Christen anderer Prägung glauben das eh nicht). Katholiken, die den Katechismus kennen, wissen auch, daß Ihr Atheisten möglicherweise nicht in die Hölle kommt, und hoffen, Euch irgendwann im Himmel zu sehen.

Ich gehöre zu diesen Katholiken, die den Katechismus kennen. Ich glaube, daß unsere Gedanken, Worte und Werke Auswirkungen haben auf uns und andere, daß Sünde alltäglich und Heiligkeit immerhin möglich ist. („Glauben“ steht hier nicht i.S.v. „annehmen“, sondern i.S.v. „darauf vertrauen, dass es so ist“.) Ich bete für Euch, hoffe auf Eure Bekehrung, hoffe, daß Gott jedenfalls Eure Mühe um ein rechtschaffenes Leben (soweit vorhanden) liebevoll ansieht und hoffe, Euch einst im Himmel zu sehen.

Aber bis dahin schwätzt bitte nicht Unfug über Dinge, von denen Ihr rein gar nichts versteht. Wenn Ihr wissen wollt, was das Christentum ist, lest nicht nur die Bibel – lest verschiedene Übersetzungen (wobei ich die neue Einheitsübersetzung besonders empfehle, außerdem Schlachter, fürs AT sollte man auch mal Buber in der Hand gehabt haben, Menge sollte man immerhin zur Kenntnis nehmen und Martinum Lutherum natürlich auch). Lernt, welche Teile der Bibel von welchen Konfessionen nicht voll anerkannt werden und warum.

Beschäftigt Euch mit Exegese (das heißt nicht, „nehmt alles wörtlich“, „nehmt nichts wörtlich“, „ignoriert Exegeten und bastelt Eure laienhafte Exegese selbst“, „sucht aus dem Internet irgendwas raus, was wie Exegese aussieht“, sondern: beschäftigt Euch mit Exegese!).

Lest den Katechismus und werft einen Blick in den Codex Iuris Canonici.

Lest Augustinus und Thomas von Aquin (die sind nicht so schrecklich schwer verständlich). Wenn Ihr es schlichter und doch tiefgründig mögt, lest die Gebete von Thérèse de Lisieux. Und wenn Euch das alles zu alt ist, lest Josef Bordat.

Geht in Kirchen. Guckt, hört zu, versucht mal einen Moment lang nicht, Euch ein Urteil zu bilden, sondern lernt, was eine Kirche und was ein Gottesdienst ist. Wenn Ihr das gründlich gelernt habt, könnt Ihr weiter kritisieren, wenn Ihr unbedingt wollt – aber nicht vorher. (Warnung: es kann passieren, daß Ihr danach keine Atheisten mehr sein wollt. Die Gefahr besteht, beklagt Euch hinterher nicht bei mir.)

Bezeichnet die Bibel nicht als Märchenbuch. Sie ist es auch dann nicht, wenn man ihre Inhalte großenteils für unsinnig hält (ich sage „großenteils“, weil ich wohlwollend davon ausgehe, daß die meisten Atheisten mit dem Verbot von Mord und Diebstahl einverstanden sind). In der Bibel stehen religiöse Texte, Gebete, Mythen, Geschichten, Novellen, Berichte, Preislieder, ein in einem Garten spielender Krimi, ein langer erotischer Text in „lyrischer Prosa“, Gesetzestexte, Familienregister, erbauliche und mahnende Briefe… aber keine Märchen. Die literarische Gattung „Märchen“ kommt in der ganzen Bibel nicht vor. Allenfalls könnte man die Geschichte um Jona als Novelle mit märchenhaften Zügen bezeichnen.

Schreibt nicht allen Christen automatisch das genau gleiche, komplett naive Bibelverständnis zu. Christen sind durchaus verschiedener Meinung, welche Texte wie verstanden werden sollten. So gibt es Christen, die von einer Erschaffung der Welt in sechs mal 24 Stunden ausgehen, und andere, die die Schöpfungsberichte (ja, es sind zwei) für bildhafte Rede halten – aber nicht für beliebig, nicht für austauschbar mit den Schöpfungsberichten anderer Religionen. Ebenso ist es mit anderen Bibeltexten, bei denen Ihr Atheisten gern höhnisch sagt: „Das kann doch kein vernünftiger Mensch glauben!“ – und zwar zu vernünftigen Christen. (Wie gesagt, beschäftigt Euch mit Exegese – das dauert.)

Kein Atheist (und kein Christ und kein irgendwie anders Gläubiger) würde einen Menschen ernstnehmen, der von sich behauptet, Automechaniker zu sein, aber nicht weiß, wie ein Motor funktioniert, den Unterschied zwischen Otto- und Dieselmotor nur vom Hörensagen kennt und sich davor scheut, dreckige Hände zu bekommen, oder der behauptet, in einem Auto haben Radio und Zigarettenanzünder ebenso tragende Rollen wie Anlasser und Motor. Also tut einfach so, als sei Christentum sowas wie eine große Autowerkstatt mit massenweis Mitarbeitern, von denen viele gerne über ihre Arbeit reden. Wenn Ihr Euch interessiert und Fragen habt, fragt. Wenn Ihr was davon versteht und konstruktive Beiträge leisten könnt, redet – und sonst redet einfach mal nicht.

Ich sagte, daß ich hoffe, Euch einst im Himmel zu sehen. Bitte benehmt Euch nicht so, daß ich vor diesem seligen Moment auf jede Begegnung mit Euch freudig verzichte.

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