Tradition in Pavoralia

Im Kleinstaat Pavoralia fand gestern der traditionelle Umzug der Wahlfreiheit statt. Es handelt sich dabei um eine Veranstaltung, bei der eine bunt gekleidete Menschenmenge jubelnd durch die Straßen hüpft, um der Regierung für die Aufhebung des unbedingten Lebensrechtes zu danken. In früheren Jahren bezog sich diese Dankprozession nur auf die Legalität der vorgeburtlichen Tötung; heuer wurde bei der Kundgebung zum ersten Mal auch ein inniger Dank für die Erlaubnis, alte Menschen zu töten, ausgesprochen.

Wie immer standen am Rand des Umzuges Christen mit weißen Kreuzen, die singend und betend um Vergebung für die ihrer Ansicht nach irregeleiteten Demonstranten flehten. Auch wenn das Bespucken und Beschimpfen von Christen sich gesetzlich noch in einer Grauzone befindet, wurde es fleißig praktiziert und geduldet, da es ebenfalls traditionell verankert ist.

Beat Agnellus, der Bischof von Pavoralia, äußerte gegenüber einem Interviewer: „Wir werden weiter gegen diesen Irrsinn gewaltlos auf die Straße gehen, und wir werden weiterhin Schwangeren ebenso wie Alten unsere Hilfe anbieten. Unser Schutzhaus ist zwar nicht besonders groß, aber wir sammeln für Verbesserung und Anbau, und wir helfen rund um die Uhr.“

Das Interview wurde dann abgebrochen, weil einer der Demonstranten auf einen älteren Rollstuhlfahrer spuckte und Beat Angnellus dem Geschädigten mit Papiertaschentüchern und tröstenden Worten zur Seite stand.

Auf der abschließenden Kundgebung sprach der Vorsitzende der Sozialistischen Internationalen Partei Pavoralia (SIPP), Herr Timor Injust. Unter anderem sagte er: „Das Recht auf Freiheit vom Leben, auch vom Leben des anderen, wird nur in Pavoralia in vernünftiger Weise gewährt und geregelt. Dafür haben wir allen Grund zum Dank und zum Jubel! Allerdings ist auch das pavoralianische Recht noch ausbaufähig hinsichtlich schweres Leid verursachender, unheilbar Kranker. Wir bleiben dran!“

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Tradition in Pavoralia

  1. akinom schreibt:

    Die Religion des „lebensunwerten Lebens“ hat eine Tradition, die schaudern lässt. Heute findet sie sich in „Patiententestamenten“ wieder….

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