Erwachsen sein, katholisch werden

Im echter Verlag, in der Reihe Ignatianische Impulse, ist ein Büchlein mit Aussagen katholischer Neugetaufter und Konvertierter erschienen. Was das Eintreten (so der nüchterne Titel) veranlasst hat, welche Schwierigkeiten geblieben sind und welche Schätze gehoben wurden, beschreiben 31 Menschen, von denen der älteste mit 77 Jahren konvertierte, der jüngste mit dreißig Jahren getauft wurde, alle in St. Canisius in Berlin.

Das Buch ist in fünf Abschnitte aufgeteilt: Staunen, Sehen, Seufzen, Sprechen, Üben. Das Staunen der Neuankömmlinge im Katholizismus über die Schönheit und Tiefe dieser Konfession, über die sich in so vielen Facetten und auf so vielfältige Arten erschließende Wahrheit. Das Sehen als Wahrnehmen der eigenen Bedürftigkeit und der katholischen Kirche, als Offenbarung. Das Seufzen über die tatsächlichen und vermeintlichen Unzulänglichkeiten der eigenen Person und der Kirche. Das Sprechen als Apologie, als Zuspruch, als Weg zur Selbsterkenntnis. Das Üben als Einüben des Glaubens in Kirche und Alltag.

Die Lebensläufe und Beweggründe sind ganz verschieden. Da ist der in der DDR aufgewachsene und atheistisch erzogene Mann, der nicht versteht, wie gescheite und freundliche Menschen so etwas glauben können – und dem die Erkenntnis dann unvermittelt an einem nächtlich stillen See geschenkt wird. Da ist der Freimaurer, der auf der Suche nach dem Wahren, Schönen und Guten bis in den höchsten Rang seiner Loge gelangt – und in der Kirche ohne die Theatralik der freimaurerischen Riten das findet, was er so lange suchte. Da ist die fromme Protestantin, die über zehn Jahre lang mit den Heiligen und Märtyrern liebäugelt, ehe sie den Schritt zur Konversion wagt.

Einige Aussagen lassen mich zunächst genervt einatmen. Neukatholiken, die ihre Homosexualität völlig in Ordnung finden (und, wie ich finde, in diesem Buch mit 3 von 31 überrepräsentiert sind). Oder an der Kirche bemängeln, daß sie Frauen nicht alle Ämter offenhält. Oder Yogaübungen und Buddhismus teilweise anerkennen (immerhin nicht als religiöse Übung und Religion). Beim Ausatmen denke ich dann: Wie war ich denn als Neugetaufte und noch eine ganze Weile danach? Und werde sanftmütig. Zumal ich weiß, daß ich meine Genervtheit über diese Passagen mit mindestens einer der Autorinnen teile.

Sehr verschiedene Zugänge zum katholischen Glauben werden vorgestellt, einige eher emotional, andere ganz verstandesgemäß. Jedoch sehen die emotionalen Typen die Religion nicht als Gefühl, die Verstandestypen Ihn nicht als dem Verstand vollkommen fassbar an, sondern beiden Grundtypen ist klar, daß beide, Gefühl und Verstand, im Katholizismus zu ihrem Recht kommen, daß der Glaube andererseits kein Gefühl ist und Gott dem Verstand nicht fassbar ist.

Ein Konvertit schreibt:

Ich hatte selbst als Kind und Jugendlicher meinen Teil an Geringschätzung und Zurücksetzung abbekommen, den die sogenannten gebildeten oder auch nur bessergestellten Klassen für die Unteren übrighatten. Und auch wenn ich nun selbst zu den Akademikern gehöre, möchte ich die Orientierung an denen, die im Wesentlichen die Lebensgrundlagen für die anderen schaffen und gleichzeitig kulturell und spirituell die am meisten Benachteiligten sind, auch heute nicht aus den Augen verlieren. Sie fehlen mir auch in unserem Kirchenleben, das mir zu sehr von der gebildeten Mittelschicht und deren Bedürfnissen dominiert zu sein scheint.

Das passt zu meiner Empfindung bei der Lektüre: Wir sind doch keine Kirche der gebildeten Mittfünfziger! (Zu denen ich zähle, schon gut…) – Ich weiß nicht, ob der Herausgeber des Büchleins, Pater Christoph Soyer, Leiter der „Katholischen Glaubensinformation Berlin“, nur die gebildete Mittelschicht auf dem Weg zu Taufe oder Konversion begleitet, aber dies Buch erweckt den Anschein. Das ist schade. Denn auch wenn die katholische Kirche nicht ohne Bildung bestehen kann (Theologie, Kunst und Literatur gehören ja dazu, wie übrigens aus den Aussagen hervorgeht), ist sie für alle Menschen da und darf nicht zu einem elitären Zirkel verkommen.

Dennoch – und trotz einiger bedenklicher Sätze über das Wesen der Kirche und das Kirchenrecht in Einführung und Schlußwort des Herausgebers – empfehle ich das Buch. Denn es stellt uns den Reichtum, die Größe und Schönheit der Kirche vor durch Menschen, die sich bewußt für sie entschieden haben.

Christoph Soyer (Hg.): Eintreten. Wege in die Kirche. 104 S. Reihe: Ignatianische Impulse, echter Verlag Würzburg, 2018
ISBN 978-3-429-04461-9
8,90 € (D); 9,20 € (A)

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Freunde

Jesus sagt lt. Joh. 15,9-17:

Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.

Gott liebt die Menschen so sehr, wie Er sich selbst liebt – unendlich und vollkommen. Er selbst will, daß wir uns in dieser Liebe geborgen wissen und danach handeln. Jesus will unser Freund sein – Gott trägt uns die Freundschaft an!

„Tu, was ich sage, dann bist du mein Freund“ – wenn mir irgenein anderer als Jesus so käme, würde ich ihm vermutlich einen Vogel zeigen, und das mit vollem Recht. Wenn er dann auch noch impliziert, er könne mich ja auch zu seiner Magd machen, aber das will er gerade nicht – dann würde ich andere vor ihm warnen.

Nun sagt das aber nicht irgendeiner, sondern Gott selbst, der irrtumsfreie Gott, der die reine Liebe ist. Und Er präzisiert: „Der Auftrag lautet: Liebe!“

Lieben soll ich also. Dann ergibt sich das mit der Gottesfreundschaft von selbst. Ich denke, darauf kann man sich einlassen.

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Mein Datenschutz

Ich blogge, und ich schreibe Bücher. Nicht nur, weil und solange ich Selbstverleger bin, sondern auch weil manche Kunden gerne ein von mir signiertes Buch wollen, habe ich eine Kundenkartei mit Anschriften. Weil Menschen auf meinem Blog Kommentare hinterlassen, habe ich auch die Mailadressen der Kommentierer.

Die neue Datenschutzverordnung schreibt vor, daß ich ohne Einwilligung niemandes Daten speichern darf. Nun sind die Daten, die ich speichere, ja für meine relevant. Wer auf einem meiner Blogs kommentiert, weiß, daß er dazu eine Mailadresse haben muss, und entscheidet sich beim Kommentieren dafür, sie mir zu geben. Natürlich könnte er auch entweder nicht kommentieren oder eine Wegwerf-Mailadresse benutzen.

Wer möchte, daß ich ihm ein Buch schicke, muss logischerweise die physische Anschrift angeben, an die das Buch kommen soll. Wer meine Bücher kaufen möchte, mir aber seine Adresse nicht verraten will, kann sie direkt über tredition.de beziehen oder über Amazon oder über einen ganz normalen Buchhändler.

Folgende Daten meiner Leser speichere ich niemals: Geburtsdaten (außer bei meinen Freunden), Kontostände, Anzahl der pro Tag gebeteten Rosenkränze, Häufigkeit und Grund der Arztbesuche, Verkehrsvergehen und kriminellen Aktivitäten.

Wer mir irgendwann seine Anschrift oder Mailadresse mitgeteilt hat, jetzt aber möchte, daß ich diese Daten lösche, möge mir das mitteilen – erraten kann ich es nicht.

Was meine Photos angeht, so veröffentliche ich Bilder lebender Personen nur mit deren ausdrücklicher Zustimmung. Da ich in der Regel zu bequem bin, die einzuholen, findet man auf meinen Blogs keine oder wenige solcher Bilder. Eichhörnchen haben keine Personenrechte und werden weiterhin gezeigt.

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Grüß Gott, du schöner Maien!

Heute: St. Joseph der Arbeiter. Maria Patrona Bavariæ. Nach der Heiligen Messe Brunch auf dem Balkon. Und nun noch das ein oder andere schreiben.

Ein wundervoller Tag, an dem mich die Tausendschönchen und Hornveilchen auf dem Balkon besonders lieb angucken.

Tausendschönchen
Hornveilchen
HornveilchenHornveilchen
HornveilchenHornveilchen
Hornveilchen

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Hörnchen wird kahl!

An mir kann es nicht liegen, ich füttere es auf den Rat einer eichhörnchenkundigen Biologin mit Hasel- und Walnüssen. Vielleicht ist es ganz einfach alt oder hat Stress. (Auf Hilfeseiten finde ich nur, daß es für solche Stellen ganz verschiedene Gründe geben kann.) Aber es bewegt sich normal und frisst.

Hörnchen mit kahler Stelle
Hörnchen mit kahler StelleHörnchen mit kahler Stelle
Hörnchen mit kahler StelleHörnchen mit kahler Stelle
Hörnchen mit kahler StelleHörnchen mit kahler Stelle
Hörnchen mit kahler StelleHörnchen mit kahler Stelle
Hörnchen mit kahler StelleHörnchen mit kahler Stelle

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Fromm, fröhlich, liebevoll, weise

Anna lernt schnell lesen und schreiben, ist eine talentierte Sängerin, handwerklich geschickt, klar denkend und phantasievoll und dabei ein liebes, folgsames Kind. Sie lebt zurückgezogen; man kann sagen, sie interessiert sich für Gott und sonst für nichts, aber dies Interesse erfüllt sie vollkommen, sie tut alles um Seinetwillen. Vom Vater lernt sie das Weben, von der Mutter die Krankenpflege. Zu Armen und Kranken empfindet sie eine besondere Liebe und hilft mit wahrer Begeisterung.

Mehr über die spätere Ordensschwester Crescentia Höß ist in meiner Kolumne auf kath.net zu lesen.

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Mirjam aus Magdala

Ob sie halbblind mit dick geweinten Lidern
und müde nach zwei halb durchwachten Nächten
schwankenden Schrittes auf den Friedhof ging,
mit einem Alabastron in den Händen
voll teurem Salböl, wie für Fürstengräber,
ob sie so ging, vielleicht mit bloßen Füßen –
zitternde Finger schnürten nicht Sandalen -,
ob sie den Fragenden – „Was weinst du?“ – nicht
an seiner Stimme, an der Art erkannte,
ob sie vor Bangigkeit und vor Erschöpfung
nur wahrnahm, was wahrscheinlich schien –
Gärtner sind friedlich, und sie hüten Blumen,
man konnte ihn für einen Gärtner halten -,
und ob er wirklich sie mit Namen ansprach –
„Mirjam“ – und sie – „Rabbuni“ – vor ihm kniete –
ich weiß es nicht, und niemand kanns beweisen.

Doch glauben will ich lieber dies als jenes,
daß er, gefoltert und erstickt, begraben,
und mit ihm alle Hoffnung auf das Leben.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte, tredition 2015

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Halleluja! Jesus lebt!

Osterkerze 2018

Allen Lesern wünsche ich gesegnete Ostern, voll unfassbarer, jubelnder Freude, ohne Ängste und Zweifel, ohne Schmerz und Krankheit und Trauer…

Ich weiß: So ist es für viele nicht. Da ist noch immer Tod und Not und Krankheit und Behinderung und Angst und Trauer – und was uns noch so zu schaffen macht. Aber der Auferstandene ist stärker. Und Er wird wiederkommen!

Die Osternacht war wundervoll. Ein Erwachsener wurde getauft, sechs Erwachsene wurden gefirmt. Mein Taufversprechen habe ich selten so froh und überzeugt wiederholt.

Halleluja!

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Grabesruhe und Speisensegnung

Die feierlichen Liturgien von Gründonnerstag und Karfreitag, Leidensankündigung und Einsetzung der Eucharistie, Verrat und Tod, sind vorbei. Heute gedenkt die Kirche der Grabesruhe Jesu, des Tages, an dem eigentlich gar nichts mehr geschieht. Aber noch heute Nacht wird es laut und hell und fröhlich, und ein kleiner froher Vorgeschmack war heute mittag die feierliche Segnung der Osterspeisen. Ein Osterzopf (formal nicht ganz gelungen) und fünf Ostereier von mir wurden auch gesegnet.

Gesegnete Osterspeisen

Heute Nacht darf ich Lektorendienst tun in der großartigsten Feier, die die Welt kennt – und diese Feier findet jedes Jahr auf dem ganzen Erdkreis statt! Noch ist Grabesstille – aber ich freue mich schon jetzt.

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Palmarum

Palmzweige

Ich habe Dir nichts vor die Füße zu breiten
als meine Sünden und Schwächen,
meine Gebrechen,

und wenn die Gedanken in Schrift sich verdichten,
Worte, die manchmal gelingen,
dann noch mein Singen.

Das Schlimme, das ich aus mir selber geschaffen,
Gutes, das Du mir gegeben –
das ist mein Leben.

Dies schillernde Leben aus Gift und aus Freude
leg ich, mein Herr, den ich grüße,
vor Deine Füße.

© Claudia Sperlich

Palmarum 2018Palmarum 2018
Palmarum 2018Palmarum 2018
Palmarum 2018

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