Der katholischen Kirche wird mehr übelgenommen, als in einen Blogartikel passt. Am schrecklichsten findet heute eine Reihe von Leuten, daß sie zu behaupten wagt, es gebe bei Menschen zwei Geschlechter (männlich und weiblich), die aufeinander hingeordnet und angewiesen sind, gleich an Wert und Würde, vielfältig in ihren Begabungen und Neigungen, verschieden in der Art ihrer Aufgaben und Möglichkeiten. Kurz, daß Gott in genau zwei Geschlechtern eine ganze Welt von Möglichkeiten geschaffen hat und zugleich eine ganz klare, nicht chaotische, nicht unbestimmte geschlechtliche und geistige Ergänzung, und daß Er dazu die Beachtung weniger, leicht einsehbarer Regeln gegeben hat.
Wie die kleinen Kinder gemacht werden, muss ich hier wohl nicht erklären, obwohl mir bei manchen Äußerungen über Sexualität und Fortpflanzung, Labors und Retorten schon danach ist, das mit der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle, vor allem im Zusammenhang mit Sex, nochmal ganz genau zu erklären. Wie die Kirche bin ich nämlich der Ansicht, daß die Entkoppelung von erotischer Liebe, Sexualität und Fortpflanzung ein Übel ist. Einander lieben, Glauben, Interessen und Begehren teilen, durch den Bund der Ehe gegenseitige Treue und Fürsorge besiegeln, ausschließlich miteinander (und mit keinem anderen) Sex haben, keinen der beteiligten Körper blockieren (Spirale, Kondom, Diaphragma) oder vergiften (Hormongabe), Kinder dankbar annehmen, so wie sie sind, gemeinsam in guten und in schlechten Tagen leben: das ist, ganz kurz gefasst, eine christliche Ehe.
Das finden viele einfallslose Menschen spießig. Aber was ist bitteschön spießig daran, seinen Partner nicht nur ein Weilchen zu begehren, sondern bis zum Tod zu lieben, zu achten und zu ehren? Was ist spießig daran, Sexualität als etwas Heiliges und Exklusives zu betrachten, das man nur für diesen einen Menschen reserviert? Spießig sind doch vielmehr Menschen, die Stammtischwitze über das andere Geschlecht reißen und die Sexualität banalisieren als etwas, was man an jeder Ecke haben kann und was mit Liebe nicht notwendig zu tun haben muss.
Zu den manisch bequasselten Themen unserer Zeit gehören Geschlechtervielfalt, Wahlfreiheit bezüglich des Geschlechts, verschiedene Formen von Sexualität (alles mögliche, außer monogamer und gewaltfreier menschlicher Heterosexualität, die gerne wie etwas im Grunde Unnatürliches schamhaft verschwiegen wird).
Leute, ganz ehrlich: Zweigeschlechtlichkeit ist beim Menschen der Normalfall. Menschen mit Vagina sind weiblich, Menschen mit Penis sind männlich. Tatsächlich produzieren Männer und Frauen sowohl männliche als auch weibliche Hormone, aber die jeweils „entgegengesetzten“ im Normalfall nur in geringem Maße. Wo es anders ist, ist der Körper nicht gesund. Männer, die zuviel Östrogen, oder Frauen, die zuviel Testosteron produzieren, haben ein gesundheitliches Problem. Heutzutage kann man das behandeln.
Ob man Menschen, die mir weismachen wollen, die Kirche sei böse, weil sie sagt, daß Männer Männer sind und Frauen Frauen, erfolgreich behandeln kann, weiß ich nicht. Sie brauchen sich aber in keinem Fall schlecht behandelt zu fühlen, wenn man einfach ein bißchen besser in Biologie aufgepasst hat als Opa Hoppenstedt.
Spätestens hier wird jemand schon unruhig und will antworten, aber es gebe doch, wie ich gerade selbst angedeutet habe, Männliches und Weibliches in jedem Menschen. Wenn derjenige ungefähr mein Alter hat, wird ihm noch einfallen, daß ja gerade Künstler irgendwie beides sind, und Goethe hat ja auch schon gesagt mit Gingko blabla…
Ja, Ihr Guten, ich weiß, daß es Menschen gibt, deren Denkungsart und Handlungsweise so ausgeprägt ist, wie man es eigentlich traditionell beim anderen Geschlecht vermutet. Das ändert aber nichts. Das kommt einerseits davon, daß die als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ konnotierten Denkungsarten und Handlungsweisen zum Teil kulturell und sozial bedingt sind, und da passt jetzt endlich Euer Lieblingswort „Gender“ mal wirklich. Zum andern kommt es davon, daß Menschen in ihrem Wesen sehr verschieden sind. Bei keinem Tier gibt es eine so große Spannbreite von charakterlichen Unterschieden wie beim Menschen. Und ja, es gibt Frauen mit burschikosem Auftreten und Männer von sanfter und hochsensibler Gemütsart. Na und? Deswegen sind Frauen immer noch Frauen und Männer immer noch Männer.
Ich hätte in meiner agnostischen Jugend nicht geahnt, daß man irgendwann mal die Kirche notwendig braucht, um das zu sagen. Damals hatte ich bloß ein Biobuch und dachte, damit ist doch alles klar. Heute sehe ich: Die Biologie beschreibt, wie alle Wissenschaften, einen Teil der Welt. Die Gesellschaft findet ein Aber und eine Reihe von Fehlinterpretationen. Die Kirche sagt „Isso“ und erklärt, daß es Männer und Frauen gibt, weil Gott wollte, daß Männer und Frauen seien. Und daß die Fortpflanzung durch Verschmelzung von männlicher Samenzelle und weiblicher Eizelle stattfindet, und daß der hierzu führende Vorgang gleichzeitig mit Lust und Liebe zu tun haben soll – und nicht mit Beliebigkeit.
Die Kirche gesteht mir zu, daß ich eine Frau bin, abstammend von zwei Eltern (einem männlichen Mann und einer weiblichen Frau), und daß ich als solche eines von zwei existierenden Geschlechtern habe, daß ich nicht nur primär und sekundär als Frau ausgestattet bin, sondern einige spezifisch weibliche Eigenschaften habe und andere vermutlich sozial geprägte weibliche Eigenarten, was völlig in Ordnung ist, und daß ich niemals nötig haben werde, darüber nachzudenken, ob ich wirklich eine Frau bin. Nicht einmal dann, wenn mir danach ist, ganz unweiblich derbe Ausdrücke auf meine Gegner zu schleudern oder die Hände in die Hosentaschen zu stecken.
Ich danke Gott, daß ich eine Frau bin. Und ich danke Seiner Kirche, daß sie das anerkennt und wo nötig verteidigt.
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