Fronleichnam

In Berlin ist es kein Feiertag, deshalb finden Messe und Prozession erst abends statt, und in vielen Kirchen wird Sonntag nachgefeiert.

Was wir dort überhaupt feiern, erklären z.B. Josef Bordat und Allotria catholica.

Im vergangenen Jahr habe ich mich über die Fronleichnamsfeier auf dem Gendarmenmarkt und die Prozession zur Hedwigskathedrale schwer geärgert (ich berichtete hier). Dennoch werde ich heute abend wieder zum Gendarmenmarkt pilgern und hoffe einfach, daß der vielstimmige Protest, der dieser unfeierlichen Feier folgte, Wirkung hat. Im Übrigen werde ich mich heuer von keinem Ordner und im Zweifelsfall auch von keinem Bischof daran hindern lassen, den Eucharistischen Herrn kniend zu verehren. Sollte mich jemand wegtragen wollen, nur zu, ich bin fett.

Übrigens bin ich voll Vorfreude und hoffe einfach, daß es diesmal eine schöne und würdige Feier ist, daß wir es in jedem Fall dazu machen. Vorab einige ältere Fronleichnamsgedichte von mir als Hoffnungszeichen:

Fronleichnam am Gendarmenmarkt

I

Mein Herz fasst die Freude nicht,
die Gott mir schenkt –
mein ganzer Leib ist erfüllt
bis in Finger- und Zehenspitzen
von goldener, quellender, leuchtender
Freude aus Gott, meinem Herrn:
Er hat meine Sünden vergeben,
ich darf Seinen Leib empfangen,
ich darf Ihn kniend verehren,
mit Ihm durch die Straßen ziehen.

II

Selbst die Amseln singen heute lauter –
zwar nur weil sie festlichen Gesang
konkurrierend überbrücken wollen,
aber immerhin: Sie sind in Schwung,
wenn bei Wandlung und vor der Monstranz
alle Menschen schweigen vor dem Herrn,
modulieren ungebremst die Amseln,
und mein Ohr hört Gotteslob darin.

© Claudia Sperlich

Fronleichnam

Der Herr zieht vorbei
im strömenden Regen.
Ich knie vor Ihm
auf nasser Straße.
Als Katholikin
bin ich erkennbar
am Fleck auf der Hose
und pfeif auf dem Heimweg
voll heiliger Speise
das Tantum ergo.

© Claudia Sperlich

Herr Jesus, Du läßt Dich von mir verzehren.
Du selbst wirst mir, mein Gott, was Du mir gibst,
Du läßt Dich von mir essen, weil Du liebst,
Du läßt es zu, Du willst Dich nicht verwehren.

Daß Du verdunstest nicht und nicht verstiebst!
Ist Brot und Wein, geschaffen Dir zur Ehre,
Nicht Schöpfer, nur Geschöpf, ist Erdenschwere,
Wie ich, wie was Du kelterst, was Du siebst.

So seh ich Dich, mein Gott, den Überreichen:
Du gibst Dich selbst in den geschaffnen Zeichen.
Du teilst das Brot, schenkst vielen reichlich ein.

Du bist der Gastfreund und bist Trank und Speise.
Ich nehme, esse, trinke – und ich preise.
Du lieferst Dich mir aus in Brot und Wein.

aus: Eucharistie. Sonettenkranz. in Zyklische Sonette, tredition 2016

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Mehr als ein Liederbuch

Pater Adrian Kunert SJ, Songwriter und Jesuit, hat mit Xpraise – Das Liederbuch ein Lobpreisliederbuch herausgebracht, das sich für unterschiedliche Gottesdienstformen ebenso eignet wie für das spontane Singen in Kleingruppen. Es ist eine Sammlung verschiedener, großenteils moderner christlicher Lieder zu jedem Anlass des Kirchenjahrs und des Lebens. Die Liedtexte sind teils alt (auch die Pfingstsequenz in einer schmissigen Melodie von Johannes Hartl ist dabei sowie liturgische Texte), teil neu; neben deutschen Texten finden sich auch englische, französische, lateinische und ein hebräischer Text. Die meisten Lieder sind einstimmig, etwa ein Viertel (meist Kanons und Taizé-Gesänge) in leicht erlernbarer Mehrstimmigkeit. Bei vielen stehen Griffbilder für die Gitarre; eine Grifftabelle ist am Ende des Buches zu finden. Allen fremdsprachigen Texten ist eine Übersetzung beigefügt. Der Satz ist gut lesbar und übersichtlich. Der in Rot- und Orangetönen gehaltene Einband ist ansprechend gestaltet.

Bei den Liedtexten fällt eine große Bibeltreue angenehm auf. Man muss bei einem modernen christlichen Liederbuch leider wirklich sagen: es fällt auf! Einige kirchliche Gassenhauer mit 60er-Jahre-Spiritualität sind zwar auch enthalten. Den ins Wasser gefallenen Stein hätte ich nicht gebraucht. Aber bei einem 496 Seiten starken Buch kann man kaum erwarten, daß alles jedem gefällt.

Die Lieder des Herausgebers lehnen sich an die Bildsprache biblischer Texte an, haben dabei einen eigenen, unverwechselbaren Stil.

Der Aufbau des Buches orientiert sich an der Messe; zum Eingang und zum Kyrie geeignete Lieder bilden den Anfang. In einem bemerkenswerten Liedtext beschreibt Pater Kunert das Gefühl der Einsamkeit, das sich durch Trägheit im Gebet einstellt:

Tausend Jahre sind es scheinbar her.
Ich spür‘ Deine Nähe längst nicht mehr.
Doch es ist kaum ein Tag her und mir wird’s jetzt schon zu schwer
so ohne Dich. Oh, Herr, ich seh‘ die Schuld.
Komm, hab‘ mit mir Geduld; denn ohne Dich ist’s ewig Nacht!
Christ, erbarme Dich!

Den Abschluss des Buches bildet die „Gebetsecke“ – weit mehr als eine „Ecke“, vielmehr eine kleine Schule des Gebets. Pater Kunert stellt hier zunächst die Grundgebete der Kirche vor, dann die Zehn Gebote und die Fünf Kirchengebote. Darauf folgen alte und neue Gebete und Spruchweisheiten verschiedener alter und neuer Autoren, darunter ein sehr schönes um Umkehr und täglichen Neubeginn vom Herausgeber.

Gebete in der Tradition der Gesellschaft Jesu sind durchaus nicht nur für Jesuiten oder nur für Ordensleute geeignet; wer sich auf die teilweise recht langen Gebetstexte einläßt, kann hier gute Gebetsworte finden, wenn ihm selbst die Worte fehlen, und betend auch selbst erkennen, worum er bitten soll.

In seinen Ausführungen zur Unterscheidung der Geister gibt Pater Kunert eine wichtige Hilfe zum Gebet und zur Selbsterkenntnis mit dem Hinweis, daß Gott uns nicht fertigmachen will, daß ein nebulöses Gefühl der eigenen unrettbaren Schlechtigkeit niemals von Ihm kommen kann.

Das betrachtende Gebet ist wichtig. Das Immerwährende Jesusgebet der Ostkirche und der Rosenkranz der Westkirche werden hier genau erklärt; mehrere kleine Meditationen und Gewissensforschungen wechseln mit Gebeten. Ganz am Schluß steht ein kleiner praktischer Hinweis, wie eine stille Zeit mit Gott strukturiert werden kann, ohne den Beter zu überfordern oder abzulenken.

Bereits der große Liedteil ist eine Schule des Gebetes und trotz der Anwendbarkeit des Buches in ganz verschiedenen Formen von Gottesdienst auch eine Art Hinführung zur Heiligen Messe, einfach weil die passenden Lieder in der richtigen Reihenfolge kommen. Die „Gebetsecke“ am Ende umfasst nur 28 Seiten, ist aber substantiell eher ein Dom als eine Ecke.

Ich empfehle das Buch wärmstens christlichen Gebetskreisen aller Art sowie allen, die Freude an frischer Lobpreismusik und das Bedürfnis nach einer immerwährenden Schulung im Gebet haben. Es sollte in keiner Gemeindebibliothek fehlen.

Pater Adrian Kunert SJ (Herausgeber):
Xpraise – Das Liederbuch. 496 S, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2019
ISBN 978-3-460-32163-2, Best.Nr. 32163 (Paperback)
ISBN 978-3-460-32165-6, Best.Nr. 32165 (Ringheftung)
EAN 40-32382-32166-0, Best.Nr. 32166 (CD)

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Tierschutz und Antisemitismus

Heute bekam ich Mail über mein Kontaktformular. Normalerweise freut mich so etwas. Manchmal ärgert es mich auch, wie jetzt gerade.

Denn dies war die Mail:

Name: Veritas
E-Mail: estersings [so fängt die Mailadresse tatsächlich an]
Webseite: boycottisrahell. wordpress. com [um den Link funktionsfähig zu machen, Leerzeichen entfernen – ich will auf meinem Blog solche Scheiße nicht verlinken. C.S.]

Kommentar: Betreff Artikel zum jugen Eichelhäher: Eichelhäher stehen unter Naturschutz. Hilfebedürftige oder verletzte Wildtiere-Jungvögel, dazu gehört dieser auch, sind GRUDSÄTZLICH ins Tierheim zu bringen oder zur einer Wildvogel Auffangstation!
Sonst macht man sich strafbar! Einfach wo hinlegen und sterben lassen ist nicht ok, aber Du wusstest es ja nicht besser, dieser hätte ausser er war verletzt auf jeden Fall gerettet werde können wenn er im Tierheim versorgt-gefüttert worden wäre. Das wichtigste ist das diese Vögel nicht auskühlen und Wasser und Nahrung erhalten. Deshalb bei Fund in ein Karton mit Handtuch ausgekleidet setzen und was weiches wie eine Wollsocke oder Schal als Nestchen benutzen. Und ins Tierheim fahren, kostet nix. Hier eine Website mit Vogelstationen in BRD, sollte keine in der Nähe sein oder im Zweifel bitte immer Tierheim, die nehmen auch immmer an, auch ausserhalb der regulären Öffnungszeiten. [zwei Links zur Wildvogelhilfe]

Ich habe geantwortet:

Hallo „Veritas“,

schade, daß Du offensichtlich nicht sinnerfassend lesen kannst. Hast wohl zu lange in vino verbracht! Sonst hättest Du das Datum und den Inhalt des vor elf Jahren veröffentlichten Postings begriffen. 
Meine Mutter (kein Tier, also nicht unter Tierschutz stehend – aber von mir geliebt und gepflegt) lebte damals noch, und die Sorge für sie war mir gerade wichtiger als die für ein Tier, obwohl ich – genau wie die Spaziergänger, die mir den Eichelhäher brachten – das tat, was ich konnte. 

Es ist übrigens nicht strafbewehrt, der Natur im Falle eines sterbenden Eichelhähers ihren Lauf zu lassen. Da hast Du entweder gelogen oder in Jura nicht aufgepasst. Oder beides.

Antisemiten stehen bei mir nicht unter Naturschutz, und zu dieser Bagage gehörst Du ja offensichtlich, wie die verlogene Hetzseite zum Israelboycott zeigt, mit der Du gleich Reklame machst. Tierlieb und israelfeindlich, ganz wie Blondis Herrchen – das ist eine besonders ekelerregende Mischung.

Das von Dir verlinkte Blog „boycottisrahell“ ist in ganzer Fülle widerwärtig. Wie Du es wagen kannst, eine Mailadresse mit dem Namensteil „estersings“ zu benutzen, ist mir schleierhaft. Ester war eine Jüdin, die ihr Volk vor solchen Leuten wie Dir gerettet hat. Ich verzichte allerdings auf jegliche Erklärung von Dir.

Jede Äußerung von Dir, die ich zu Gesicht bekomme, wird auf die Möglichkeit überprüft, sie der Staatsanwaltschaft zukommen zu lassen.

Beste Grüße
Claudia Sperlich (die für ein Impressum und Klarnamen nicht zu feige ist)

Juda wird für immer bewohnt sein und Jerusalem von Geschlecht zu Geschlecht. (Joel 4,20)

*

Ja, dieser Post ist „Public Shaming“ – wobei ich selbstverständlich nicht die volle Mailadresse von „Veritas“ nenne. Ich stehe dazu, Fallacitas.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Eindeutigkeit der Geschlechter!

Der katholischen Kirche wird mehr übelgenommen, als in einen Blogartikel passt. Am schrecklichsten findet heute eine Reihe von Leuten, daß sie zu behaupten wagt, es gebe bei Menschen zwei Geschlechter (männlich und weiblich), die aufeinander hingeordnet und angewiesen sind, gleich an Wert und Würde, vielfältig in ihren Begabungen und Neigungen, verschieden in der Art ihrer Aufgaben und Möglichkeiten. Kurz, daß Gott in genau zwei Geschlechtern eine ganze Welt von Möglichkeiten geschaffen hat und zugleich eine ganz klare, nicht chaotische, nicht unbestimmte geschlechtliche und geistige Ergänzung, und daß Er dazu die Beachtung weniger, leicht einsehbarer Regeln gegeben hat.

Wie die kleinen Kinder gemacht werden, muss ich hier wohl nicht erklären, obwohl mir bei manchen Äußerungen über Sexualität und Fortpflanzung, Labors und Retorten schon danach ist, das mit der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle, vor allem im Zusammenhang mit Sex, nochmal ganz genau zu erklären. Wie die Kirche bin ich nämlich der Ansicht, daß die Entkoppelung von erotischer Liebe, Sexualität und Fortpflanzung ein Übel ist. Einander lieben, Glauben, Interessen und Begehren teilen, durch den Bund der Ehe gegenseitige Treue und Fürsorge besiegeln, ausschließlich miteinander (und mit keinem anderen) Sex haben, keinen der beteiligten Körper blockieren (Spirale, Kondom, Diaphragma) oder vergiften (Hormongabe), Kinder dankbar annehmen, so wie sie sind, gemeinsam in guten und in schlechten Tagen leben: das ist, ganz kurz gefasst, eine christliche Ehe.

Das finden viele einfallslose Menschen spießig. Aber was ist bitteschön spießig daran, seinen Partner nicht nur ein Weilchen zu begehren, sondern bis zum Tod zu lieben, zu achten und zu ehren? Was ist spießig daran, Sexualität als etwas Heiliges und Exklusives zu betrachten, das man nur für diesen einen Menschen reserviert? Spießig sind doch vielmehr Menschen, die Stammtischwitze über das andere Geschlecht reißen und die Sexualität banalisieren als etwas, was man an jeder Ecke haben kann und was mit Liebe nicht notwendig zu tun haben muss.

Zu den manisch bequasselten Themen unserer Zeit gehören Geschlechtervielfalt, Wahlfreiheit bezüglich des Geschlechts, verschiedene Formen von Sexualität (alles mögliche, außer monogamer und gewaltfreier menschlicher Heterosexualität, die gerne wie etwas im Grunde Unnatürliches schamhaft verschwiegen wird).

Leute, ganz ehrlich: Zweigeschlechtlichkeit ist beim Menschen der Normalfall. Menschen mit Vagina sind weiblich, Menschen mit Penis sind männlich. Tatsächlich produzieren Männer und Frauen sowohl männliche als auch weibliche Hormone, aber die jeweils „entgegengesetzten“ im Normalfall nur in geringem Maße. Wo es anders ist, ist der Körper nicht gesund. Männer, die zuviel Östrogen, oder Frauen, die zuviel Testosteron produzieren, haben ein gesundheitliches Problem. Heutzutage kann man das behandeln.

Ob man Menschen, die mir weismachen wollen, die Kirche sei böse, weil sie sagt, daß Männer Männer sind und Frauen Frauen, erfolgreich behandeln kann, weiß ich nicht. Sie brauchen sich aber in keinem Fall schlecht behandelt zu fühlen, wenn man einfach ein bißchen besser in Biologie aufgepasst hat als Opa Hoppenstedt.

Spätestens hier wird jemand schon unruhig und will antworten, aber es gebe doch, wie ich gerade selbst angedeutet habe, Männliches und Weibliches in jedem Menschen. Wenn derjenige ungefähr mein Alter hat, wird ihm noch einfallen, daß ja gerade Künstler irgendwie beides sind, und Goethe hat ja auch schon gesagt mit Gingko blabla…

Ja, Ihr Guten, ich weiß, daß es Menschen gibt, deren Denkungsart und Handlungsweise so ausgeprägt ist, wie man es eigentlich traditionell beim anderen Geschlecht vermutet. Das ändert aber nichts. Das kommt einerseits davon, daß die als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ konnotierten Denkungsarten und Handlungsweisen zum Teil kulturell und sozial bedingt sind, und da passt jetzt endlich Euer Lieblingswort „Gender“ mal wirklich. Zum andern kommt es davon, daß Menschen in ihrem Wesen sehr verschieden sind. Bei keinem Tier gibt es eine so große Spannbreite von charakterlichen Unterschieden wie beim Menschen. Und ja, es gibt Frauen mit burschikosem Auftreten und Männer von sanfter und hochsensibler Gemütsart. Na und? Deswegen sind Frauen immer noch Frauen und Männer immer noch Männer.

Ich hätte in meiner agnostischen Jugend nicht geahnt, daß man irgendwann mal die Kirche notwendig braucht, um das zu sagen. Damals hatte ich bloß ein Biobuch und dachte, damit ist doch alles klar. Heute sehe ich: Die Biologie beschreibt, wie alle Wissenschaften, einen Teil der Welt. Die Gesellschaft findet ein Aber und eine Reihe von Fehlinterpretationen. Die Kirche sagt „Isso“ und erklärt, daß es Männer und Frauen gibt, weil Gott wollte, daß Männer und Frauen seien. Und daß die Fortpflanzung durch Verschmelzung von männlicher Samenzelle und weiblicher Eizelle stattfindet, und daß der hierzu führende Vorgang gleichzeitig mit Lust und Liebe zu tun haben soll – und nicht mit Beliebigkeit.

Die Kirche gesteht mir zu, daß ich eine Frau bin, abstammend von zwei Eltern (einem männlichen Mann und einer weiblichen Frau), und daß ich als solche eines von zwei existierenden Geschlechtern habe, daß ich nicht nur primär und sekundär als Frau ausgestattet bin, sondern einige spezifisch weibliche Eigenschaften habe und andere vermutlich sozial geprägte weibliche Eigenarten, was völlig in Ordnung ist, und daß ich niemals nötig haben werde, darüber nachzudenken, ob ich wirklich eine Frau bin. Nicht einmal dann, wenn mir danach ist, ganz unweiblich derbe Ausdrücke auf meine Gegner zu schleudern oder die Hände in die Hosentaschen zu stecken.

Ich danke Gott, daß ich eine Frau bin. Und ich danke Seiner Kirche, daß sie das anerkennt und wo nötig verteidigt.

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Ein Geburtstagsbesuch

Heute war ich bei einer alten Dame zu Besuch. Sie hat nämlich Geburtstag.
Und schön war das! Sie hatte viele, viele Gäste, sogar der Rundfunk war da. Es wurde gesungen und gebetet, ja es waren sogar Profimusiker dabei und gaben ihr Bestes. Einige Gratulanten – auch ich – haben wundervolle alte Texte vorgelesen. Und dann hat das Geburtstagskind uns bewirtet mit dem Kostbarsten, was es überhaupt gibt!

Und obwohl die Dame wirklich alt ist, konnte sie gar nicht genug bekommen vom Feiern. Morgen sollen wir wiederkommen. Und dann sagte sie noch mit einem Lächeln und Augenzwinkern: „Kommt nur immer, sooft ihr könnt. Meinetwegen gerne jeden Tag! Ich freue mich immer über jeden einzelnen von euch.“

Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank, liebe Ekklesia!

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Frohe Pfingsten allen Lesern!

Pfingsten
Melodie: Alles meinem Gott zu Ehren (GL 455)

Geist, der auf der Urflut schwebte,
als die Erde noch war jung,
der sie füllte und belebte,
Schöpfergeist und Lebensschwung,
durch Ihn rufen die Propheten,
in Ihm lehrt der Herr uns beten,
Er gibt Liebe, Mut und Kraft,
Dichtersinn und Wissenschaft.

Wie der Dornbusch lodernd brannte,
doch vom Feuer nicht verzehrt,
war die Schar, die Gott bekannte,
flammengleich vom Geist genährt.
Gottes Geist erfüllte jeden,
ließ in fremden Sprachen reden,
und es hielt sie nicht im Haus,
Jubel trugen sie hinaus.

Petrus, erster unter Gleichen,
wies auf die Verheißung hin,
sprach von Wundern und von Zeichen,
traf der Menschen Herz und Sinn.
Fischer, der die Lämmer weidet
und für Jesus Christus leidet,
ihn hat Gottes Geist gelenkt,
ihm Beredsamkeit geschenkt.

Komm mit Deines Geistes Klarheit,
Gott, Du Herr der Ewigkeit!
Send uns Deinen Geist der Wahrheit
in die wirr gewordne Zeit.
Gib den Hirten Du aufs Neue
Glaube, Hoffnung, Liebe, Treue,
daß Dein Wort bleibt unvermischt
und die Lehre nie erlischt.

© Claudia Sperlich

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Katholikenfresser und Frauenfeinde

Kürzlich beteiligte ich mich an einer sehr kontroversen Internet-Diskussion zum Thema „Maria 2.0“ und Frauenordination. Ich schrieb:

Ich liebe die katholische Kirche, habe mich als junge Frau zu einer katholischen Taufe entschieden und das nie bereut. Die ganzen Komiker, die mir hier und anderswo erzählen wollen, ich „wolle“ unterdrückt werden oder so was, haben schlicht keine Ahnung. Die katholische Kirche ist die einzige Organisation, die mich in meinem Menschsein, Frausein, Unbequem-Sein, Sünder-Sein, und mit allem, was zu mir gehört, vollständig anerkannt. Das kann keine andere Konfession, keine Familie, kein Verein, NUR DIE KATHOLISCHE KIRCHE. Und zwar die echte, mit allen Regeln.

Eine Antwort darauf, von einem Mann (Hervorhebung von mir):

Also, das mit Akzeptieren von „Menschsein, Frausein, Unbequem-Sein, Sünder-Sein“, das klappt in der Evangelischen Kirche auch ganz gut. Nur wenn Sie zum Seligwerden nach Ihrer Façon die ausschließliche und ausschließende Vorherrschaft von Männern brauchen, die über Sie bestimmen, dann sollten Sie sich auch wirklich besser zur Römischen Kirche halten. Wir haben das inzwischen nicht mehr im Angebot, war auch ein Auslaufmodell, für das der Support eingestellt wurde. Viel Glück für Sie und Gottes Segen, Frau Sperlich.

Das Akzeptieren klappt gut, aber die Katholikin muss irgendwie ein Mängelwesen sein. Man kann ihr floskelhaft Gottes Segen wünschen, aber man weiß ja, daß das arme Weiberl im Grunde geknechtet und gehirngewaschen ist, während man selbst als protestantischer Mann den Durchblick hat.

Ein anderer Mann meinte in der Diskussion (nicht direkt zu mir, sondern in die Runde):

Es wäre eine richtige und nötige Konsequenz, dass die Frauen aus dem Haufen austreten….

Ein Mann, der der katholischen Kirche nicht angehört, will mir vorschreiben, die katholische Kirche zu verlassen, mit der Begründung, daß die katholische Kirche den Frauen immer Vorschriften macht.

Die beiden zitierten Äußerungen stehen exemplarisch für zahllose Äußerungen von Männern gegenüber frommen Katholikinnen über die katholische Kirche.

Hört mal her, Männer:
So unlogisch wie Eure zitierten Geschlechtsgenossen sind Frauen in der Regel nicht einmal, wenn sie unter PMS leiden, schwanger oder in den Wechseljahren sind.

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Ein Chorälchen

Paul Gerhardt hat gedichtet, und ich habe ihn parodiert, statt, wie ich eigentlich wollte, einen anderen und ganz und gar ernsten Choral zu schreiben. Der Geist weht, wo und wie Er will, und nachdem ich vorhin in der Kapelle um den Heiligen Geist gebetet hatte, auf daß Er mir bei der Ausarbeitung eines Chorals helfe, und spontan an Ort und Stelle die Idee zu einer ziemlich finsteren Kurzgeschichte bekam, die rein gar nichts mit Kirchenliedern zu tun hat, fiel mir auf dem Heimweg bei starkem Regen folgendes ein:

Reißt euch zusammen in des Herren Namen!
Er hat voll Güte Leben euch beschieden.
Macht keinen Ärger, haltet endlich Frieden!
Lobet den Herren!

Was Gott verboten, davon lasst die Pfoten!
Was Er euch sagt, ist immer nur das Rechte,
was Er verbietet, ist allein das Schlechte.
Lobet den Herren!

Nun legt euch nieder! Jesus kommt ja wieder.
Ihr müsst auch nachts nicht zittern und nicht bangen,
es ist noch immer alles gut gegangen.
Lobet den Herren!

© Claudia Sperlich

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Choral zur Himmelfahrt Christi

Melodie: GL 465 „Das Jahr steht auf der Höhe“

Entzogen unserm Sehen, erhoben in das Licht,
Will Er nicht von uns gehen, der Herr verlässt uns nicht.
Wir sollen Seine Zeugen und Seine Freunde sein,
Und will die Welt uns beugen, wird Christus uns befrein.

Er kommt an Seinem Tage zur vorbestimmten Zeit,
Und Satans Zwang und Plage weicht Seiner Herrlichkeit.
Doch eh die Völker beben vor Christi Endgericht,
Sagt allen: Er ist Leben, Er ist der Liebe Licht!

Wir dürfen heut Ihn schauen verhüllt auf dem Altar,
Wir wagen zu vertrauen: Sein Wort ist ewig wahr.
Was unsre Sinne merken, erscheint wie Brot und Wein.
Mit Sich will Er uns stärken, Er lädt zum Glauben ein.

Nun richtet eure Augen nicht in den Himmel nur.
Zum Leben will uns taugen, der vor uns zieht die Spur.
Bringt Liebe und seid Segen, wo immer Er euch weist,
In Worten, Taten, Wegen beschwingt vom Heilgen Geist.

© Claudia Sperlich

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Jeanne d’Arc – la pucelle

Das junge Mädchen, das heute besonders in Frankreich von der katholischen Kirche gefeiert wird, gehört zu meinen liebsten Heiligen. (Ich bin sicher, daß sie trotz des „verdrängenden“ Hochfestes Christi Himmelfahrt auch heuer in Frankreich gefeiert wird, wenn auch nicht offiziell. Ich denke gern an sie, nach der ich einst meinen Taufnamen Johanna wählte.) Es gibt eine hervorragende englischsprachige Internetseite über sie, auf der man auch die Prozessakten (Untersuchung, Strafprozess und Rehabilitierung) vollständig findet – denn die sind wunderbarerweise erhalten. (Sie sind übrigens auch auf Deutsch in Buchform erschienen.)
Und von mir gibt es ein Lied, singbar nach Herr, wir kommen schuldbeladen (GL 753).

Bauernmädchen, fromm erzogen,
Ging zur Messe oft und gern,
War den Heiligen gewogen,
Liebte Jesus, unsern Herrn.
Schon als sie zur Welt gekommen,
War das Land vom Feind besetzt,
Der die Herrschaft übernommen,
Der das Gottesrecht verletzt.

Gott hat sie in Dienst genommen
Durch der heil’gen Frauen Wort:
„Zu dem König sollst du kommen!
Geh vom Elternhause fort.“
So verließ sie Heimatstätten,
War der Weg auch schwer und steil,
Vor dem Untergang zu retten
Frankreichs Krone, Frankreichs Heil.

Bauernmädchen setzt die Krone
Auf des jungen Königs Haupt,
Will nicht, daß er sie belohne,
Will nur, daß er Jesus glaubt.
Königshof und reiches Leben
Haben für sie keinen Wert,
Bittet nur, man mög ihr geben
Eine Rüstung und ein Schwert.

„Und dann gebt mir eine Fahne,
Weiße Lilien seien drauf,
Daß sie uns zur Reinheit mahne
In des Krieges hartem Lauf.
Jesu und Marien Namen
Sollen auf der Fahne stehn,
Daß sie wie ein großes Amen
Über den Soldaten weh’n.“

Als sie wurde Feindes Beute,
Als ihr der Prozeß gemacht,
Hat sie vor der Richter Meute
Noch vertrauend vorgebracht:
„Lieber ist mir meine Fahne,
So viel lieber als mein Schwert!
Jesus einen Weg mir bahne –
Herr, Du bist mir alles wert!“

Endlich, da in Henkers Flammen
Gottes Heilige verbrannt,
Sank wie Asche er zusammen
Und hat weinend laut bekannt:
„Als das Feuer sie berührte,
Schaute sie schon Gottes Licht!
Nie ich solche Reue spürte:
Seht – ihr Herz verbrannte nicht!“

© Claudia Sperlich

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