Den Adventskranz wollte ich heuer ganz wundervoll machen, hatte mich zu einem Workshop angemeldet – und der fiel coronabedingt ins Wasser. Nun hatte ich noch einen bereits mehrfach benutzten Rohling und einen Kasten voll Adventsschmuck. Ich habe den Rohling zunächst dicht mit blauer Wolle umwickelt und dann geschmückt. Grüne Zweige habe ich zuletzt auch angesteckt, unkonventionell und lieblich duftend: Rosmarin und Lavendel vom Balkon, außerdem, duftlos aber hübsch, zwei Strohblumen von ebendort.
Die Kerzen stehen außen vor. Es sind Kerzen, die ich im Lauf des letzten Kirchenjahres bekam, und sie sind schon benutzt: eine vom letzten Adventsbasar, zwei Osterkerzen und eine weitere, von lieber Hand geschmückt. Die größte brennt heute wieder. Daß der Herr auferstanden ist, stimmt ja auch im Advent – sonst hätte das alles keinen Sinn!
Wer ihn trotzdem hören möchte, wird dazu am Freitag, 27. November um 18.00 Uhr auf Skype Gelegenheit haben. Ich werde den erforderlichen Link kurz vorher bekanntgeben.
Im Frühjahr war ich wegen schwerem Husten zwei Wochen in Quarantäne. Damals kamen keine anderen Symptome dazu, daher wurde ich nicht getestet und weiß bis heute nicht, ob ich einen leichten Verlauf von Covid19 oder eine schwere Erkältung hatte.
Nun bin ich nach einem ausführlichen Telephonat mit dem Gesundheitsamt wieder in Quarantäne, weil ich Kontakt zu einem Infizierten hatte (dem ich schnelle und völlige Heilung wünsche). Bis einschließlich nächsten Montag darf ich die Wohnung nicht verlassen. Da ich mich vollkommen gesund fühle, werde ich nicht getestet, habe aber die strikte Anweisung, das eventuelle Auftreten von Symptomen unbedingt zu melden – und sollte ich mich richtig schlimm krank fühlen, sofort den Notarzt zu rufen. Nun denn, hoffentlich bleibt das hypothetisch!
Mein Arbeitgeber nimmt es mit größtmöglicher Gelassenheit hin. Ich selbst auch. Auf den Balkon darf ich ja, wenn ich raus will. Essen ist im Haus, und ich habe wundervolle Freunde für alle Fälle. Ich verfahre im übrigen wie damals und tue so, als sei ich Nonne in einem kontemplativen Orden. Das Internet ist sehr segensreich, ich kann gemeinsam mit anderen das Stundengebet pflegen, kann die Messe zwar nicht besuchen, aber in Echtzeit mitbeten und habe mehr Bücher zur Verfügung, als ich bis zum 30. November (egal welchen Jahres) lesen kann. Der Rosenkranz kommt zum Einsatz statt der täglichen Anbetung (die mir allerdings sehr fehlt).
Ich komme dazu, die Wohnung aufzuräumen. Und ich habe zwei Aufträge – Lektorat und Übersetzung. Ich kann also sogar arbeiten und Geld verdienen! Unter diesen Umständen ist die Quarantäne nicht so schlimm.
Im Zusammenhang mit der Aufhebung der Strafbarkeit vom Beischlaf zwischen Geschwistern durch die Sozialistische Internationale Partei Pavoralia (SIPP) wird argumentiert, Moral habe in der Gesetzgebung nichts zu suchen. Als Argument hebt die Ministerin für Soziales, Sozija L’Arbète, hervor: „Wo Moral und Religion in die Gesetzgebung einfließen, entstehen regelmäßig Diktaturen, wie man an Staaten wie Saudi-Arabien und Iran sieht.“ Gesundheitsminister Odiose pflichtet ihr mit einem deutlichem „Bravo!“ bei.
Der katholische Bischof von Pavoralia, Beat Agnellus, hielt am heutigen Sonntag nach der 10-Uhr-Messe in der Kathedrale Ss. Marinus und Arianus eine kurze Ansprache, im Wortlaut wie folgt:
Brüder und Schwestern im Herrn!
Wir begehen heute das Patrozinium unserer Kathedrale. Überschattet wird dieser Freudentag durch eine Gesetzesnovelle, wenn man die Aufhebung eines sinnvollen Gesetzes so bezeichnen darf. Die Regierung ist der Ansicht, der Beischlaf unter Geschwistern müsse erlaubt sein, und setzt das Schutzalter auf vierzehn Jahre herab. In der Argumentation wird behauptet, Moral und Religion haben einen schädlichen Einfluss auf die Gesetzgebung, und daher müssten moralisch und religiös begründete Gesetze abgeschafft werden.
Der Mord an Ungeborenen und Alten wurde schon vor längerer Zeit von unserer Regierung (und leider auch zahlreichen anderen Regierungen) durchgewunken; auch hier wurden Gegenstimmen als „religiös fanatisiert“ diffamiert. Nun fällt ein weiteres Tabu und wird ersetzt durch die Untermauerung eines anderen: Man darf nicht moralisch und religiös argumentieren!
Leider wird auch von den Gegnern dieser neuen Gesetzgebung oder vielmehr Gesetzaufgebung gern mit der Gefahr von mißgebildeten Kindern aus solchen Verbindungen argumentiert. Das Argument ist aber das schlechteste, was sich auftreiben lässt. Kranke und Behinderte haben ja haargenau dasselbe Recht auf Leben, auf Liebe und Fürsorge, wie Gesunde! Auch ist nicht anzunehmen, daß mit der Aufgabe des Verbots geschwisterlichen Inzestes die Zahl behindert Geborener sprunghaft ansteigt. Selbst wenn sie es täte: Diese Kinder haben nicht weniger Rechte als jedes andere!
Die Gefahr ist eine ganz andere. Die SIPP spricht gerne von freier Entfaltung der Persönlichkeit. Was aber ist frei an einer Persönlichkeit, die sich zu etwas verführen lässt, was jeder Kultur, jedem sittlichen Empfinden widerspricht? Wer will behaupten, daß vollkommene Freiheit der Entscheidung besteht, wenn der 18jährige Bruder seine 14jährige Schwester verführt oder sie vergewaltigt und zur öffentlichen Zustimmung zwingt? Ach, das käme ja gar niemals vor? Soso, Frau L’Arète. Wenn Sie es sagen.
Liebe Geschwister im Herrn, liebe Gäste, wenn Sie alles, was mit Moral und Religion zu tun hat, aus dem Gesetzbuch tilgen wollen, dann müssen Sie sämtliche Verstöße gegen die göttlichen Gebote erlauben – auch Mord, Diebstahl, üble Nachrede. Alle anderen Gebote sind seit der kompletten Säkularisierung unseres Landes ja ohnehin hinfällig – allerdings nicht für Gott und nicht für Seine Getreuen.
Die Diakone Marinus und Arianus haben sich im 7. Jh. lieber ermorden lassen als Gott untreu zu werden. Auf ihre Fürsprache gewähre Gott uns Mut und Klugheit.
Beichtgelegenheiten gibt es in Ss. Marinus und Arianus täglich, in allen anderen katholischen Kirchen mindestens einmal wöchentlich und immer auch nach Absprache mit dem Pfarrer. Ungetaufte, die in Gewissensfragen Rat suchen, können zwar nicht die Absolution empfangen, sind aber herzlich eingeladen zu Gespräch und Gebet. Ihre Anliegen werden selbstverständlich ebenso wie die Beichte mit äußerster Diskretion behandelt.
Vor 261 Jahren wurde Friedrich Schiller geboren. Seine Ballade über das charakterlose Edelfräulein Kunigunde und den tapferen Ritter Delorges hat mich schon in Kindertagen begeistert. Nun habe ich mir erlaubt, den königlichen Löwengarten mit einer anderen Art wilder Tiere zu füllen.
Der Handschuh
Vor seinem Löwengarten, Das Kampfspiel zu erwarten, Saß König Franz,
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Und um ihn die Großen der Krone,
Und rings auf hohem Balkone Die Damen in schönem Kranz.
Und wie er winkt mit dem Finger, Auf tut sich der weite Zwinger, Und hinein mit bedächtigem Schritt Ein Löwe tritt,
Und sieht sich stumm Rings um, Mit langem Gähnen, Und schüttelt die Mähnen, Und streckt die Glieder, Und legt sich nieder.
Und der König winkt wieder, Da öffnet sich behend Ein zweites Tor, Daraus rennt Mit wildem Sprunge Ein Tiger hervor,
Wie der den Löwen erschaut, Brüllt er laut, Schlägt mit dem Schweif Einen furchtbaren Reif,
Und recket die Zunge, Und im Kreise scheu Umgeht er den Leu Grimmig schnurrend;
Drauf streckt er sich murrend Zur Seite nieder.
Und der König winkt wieder, Da speit das doppelt geöffnete Haus Zwei Leoparden auf einmal aus,
Die stürzen mit mutiger Kampfbegier Auf das Tigertier, Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Und der Leu mit Gebrüll Richtet sich auf, da wird’s still,
Und herum im Kreis, Von Mordsucht heiß, Lagern die gräulichen Katzen.
Da fällt von des Altans Rand Ein Handschuh von schöner Hand Zwischen den Tiger und den Leu’n Mitten hinein.
Und zu Ritter Delorges spottenderweis Wendet sich Fräulein Kunigund: »Herr Ritter, ist Eure Liebe so heiß, Wie Ihr mir’s schwört zu jeder Stund, Ei, so hebt mir den Handschuh auf.«
Und der Ritter in schnellem Lauf
Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger Mit festem Schritte,
Und aus der Ungeheuer Mitte Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.
Und mit Erstaunen und mit Grauen Sehen’s die Ritter und Edelfrauen, Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde, Aber mit zärtlichem Liebesblick – Er verheißt ihm sein nahes Glück – Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht: »Den Dank, Dame, begehr ich nicht«,
Ich werde es in diesem Jahr leider vermutlich nicht mehr schaffen, mein geplantes Gedichtbändchen herauszubringen – stattdessen habe ich nur Wünsche, Wünsche… ja, ich bettle heuer ein wenig, und nicht nur für andere. Geht gerade nicht anders. Aber das neue Büchlein wird es auch geben – so bald es eben geht.
Meinen Wunschzettel kann man hier oder über die Kopfzeile finden.