Quarantäne

Im Frühjahr war ich wegen schwerem Husten zwei Wochen in Quarantäne. Damals kamen keine anderen Symptome dazu, daher wurde ich nicht getestet und weiß bis heute nicht, ob ich einen leichten Verlauf von Covid19 oder eine schwere Erkältung hatte.

Nun bin ich nach einem ausführlichen Telephonat mit dem Gesundheitsamt wieder in Quarantäne, weil ich Kontakt zu einem Infizierten hatte (dem ich schnelle und völlige Heilung wünsche). Bis einschließlich nächsten Montag darf ich die Wohnung nicht verlassen. Da ich mich vollkommen gesund fühle, werde ich nicht getestet, habe aber die strikte Anweisung, das eventuelle Auftreten von Symptomen unbedingt zu melden – und sollte ich mich richtig schlimm krank fühlen, sofort den Notarzt zu rufen. Nun denn, hoffentlich bleibt das hypothetisch!

Mein Arbeitgeber nimmt es mit größtmöglicher Gelassenheit hin. Ich selbst auch. Auf den Balkon darf ich ja, wenn ich raus will. Essen ist im Haus, und ich habe wundervolle Freunde für alle Fälle. Ich verfahre im übrigen wie damals und tue so, als sei ich Nonne in einem kontemplativen Orden. Das Internet ist sehr segensreich, ich kann gemeinsam mit anderen das Stundengebet pflegen, kann die Messe zwar nicht besuchen, aber in Echtzeit mitbeten und habe mehr Bücher zur Verfügung, als ich bis zum 30. November (egal welchen Jahres) lesen kann. Der Rosenkranz kommt zum Einsatz statt der täglichen Anbetung (die mir allerdings sehr fehlt).

Ich komme dazu, die Wohnung aufzuräumen. Und ich habe zwei Aufträge – Lektorat und Übersetzung. Ich kann also sogar arbeiten und Geld verdienen! Unter diesen Umständen ist die Quarantäne nicht so schlimm.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Quarantäne

  1. gerd schreibt:

    Ich bewundere Ihre Gelassenheit, die ich persönlich nicht aufbringen könnte. Was ich nicht verstehe ist, dass das Testen davon abhängig gemacht wird, wie der Patient sich fühlt. Ich z.B. bin Diabetiker und fühle mich vollkommen gesund, muss allerdings vier mal im Jahr zur Kontrolluntersuchung, dabei wurden des öfteren festgestellt, dass sich mein Langzeitzuckerwert im Laufe eines Quartals um einiges verschlechtert hatte, obwohl ich mich vollkommen gesund gefühlt habe.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich verstehe das auch nicht. Ändern kann ich es aber nicht. Immerhin ist die Wahrscheinlichkeit, daß ich „positiv“ bin, um einiges geringer, wenn ich mich gesund fühle. Und natürlich ist das Gesundheitsamt derzeit ziemlich ausgelastet. Dennoch wäre es mir auch lieber, wenn ich getestet würde.

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