„Sie wären doch eine hervorragende Priesterin!“

Im Ernst: das sagte mir heute eine Frau. Sie sagte auch, warum sie nicht in die Kirche (genau: in die gleiche Gemeinde wie ich) geht (wegen Corona, und dann wegen der Mißbräuche) und daß der Vatikan zu viel Macht hat.

Nicht mitbekommen hat sie:

  1. meinen schon öfter, auch in unserer Gemeinde, gehaltenen Vortrag „Warum gibt es keine katholischen Priesterinnen?“, aus dem deutlich genug hervorgeht, daß ich auch keine will. Hören kann man ihn seit Jahren hier auf der Mediathek von Radio Horeb.
  2. die Aufarbeitung der Mißbräuche und die seit Jahren bestehende Anlaufstelle in unserer Gemeinde.
  3. die Tatsache, daß die Coronaregeln gelockert wurden und zugleich weiterhin ein gutes Schutzkonzept in unserer Gemeinde existiert.
  4. die Tatsache, daß die große Macht des Vatikan seit einigen Jahrhunderten Geschichte ist.

Ja, das war ihr alles unbekannt. (Punkt 1 bis 3 sicher, da von mir angesprochen und von ihr dahingehend beantwortet, daß sie noch nie davon gehört oder gelesen hat; Punkt 4 hab ich nicht weiter thematisiert.)

Liebe Christen, wenn Ihr nicht mehr in die Kirche geht, lasst es bleiben. Aber erfindet keine Gründe. Es ist einfach nicht wahr, daß Ihr wegen Corona, Skandalen, Macht des Vatikan oder was auch immer nicht kommt. Ihr hab ganz einfach keinen Bock. Seid ehrlich und sagt das.

Sollte ich jemals per Akklamation zur Priesterin gekürt werden, werde ich höflich ablehnen und zur Begründung den Vortrag halten, den Ihr Nicht-Kirchgänger seit Jahren ignoriert.

Meine Fresse… Ja, heute bin ich knurrig. Nun danket alle Gott, daß ich keine Priesterin bin.

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Vortrag: Behinderte im Mittelalter

Mein neuester Vortrag auf Radio Horeb ist zwar schon ein paar Tage her, aber es gibt ja den Podcast. Hier kann man mich hören.

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EU steht für Eigentlich Unlogisch.

Alle Mitgliedstaaten der EU haben die Europäische Menschenrechtskonvention unterschrieben. Drei Artikel seien hier zitiert:

Artikel 1 – Verpflichtung zur Achtung der Menschenrechte

Die Hohen Vertragsparteien sichern allen ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Personen die in Abschnitt I bestimmten Rechte und Freiheiten zu.

Artikel 2 – Recht auf Leben

(1) Das Recht jedes Menschen auf Leben wird gesetzlich geschützt. Niemand darf absichtlich getötet werden, außer durch Vollstreckung eines Todesurteils, das ein Gericht wegen eines Verbrechens verhängt hat, für das die Todesstrafe gesetzlich vorgesehen ist.

(2) Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um

a) jemanden gegen rechtswidrige Gewalt zu verteidigen;

b) jemanden rechtmäßig festzunehmen oder jemanden, dem die Freiheit rechtmäßig entzogen ist, an der Flucht zu hindern;

c) einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen.

Artikel 53 – Wahrung anerkannter Menschenrechte

Diese Konvention ist nicht so auszulegen, als beschränke oder beeinträchtige sie Menschenrechte und Grundfreiheiten, die in den Gesetzen einer Hohen Vertragspartei oder in einer anderen Übereinkunft, deren Vertragspartei sie ist, anerkannt werden.

Zunächst fällt auf, daß erst von der Geltung der Konvention für Personen die Rede ist, dann aber von Menschenrechten. Das kann man – auch wenn es so im Jahr der Unterzeichnung wohl nicht beabsichtigt war – als miesen Trick benutzen. Denn entgegen naturrechtlicher Erwägungen gilt der Embryo nicht als Person, außer in bestimmten Fällen des Erbrechts oder des Versicherungsrechts (vgl. rechtliche Fiktion). Aber er gilt für das deutsche Recht (und vermutlich für die meisten Rechtssysteme nicht nur in Europa) von der Nidation an als Mensch. (Für die Biologie und für die meisten christlichen Denominationen sowie für zahlreiche andere Menschen gilt der Embryo von der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an als Mensch. Leser meines Blogs wissen, daß ich diese Auffassung teile.)

Wenn wir bei der Logik bleiben und Menschenrechte für alle Menschen gelten lassen (das müssen wir wohl, wenn wir Art. 53 der Europäischen Menschenrechtskonvention ernst nehmen), können wir nicht anders, als einem Menschen vor der Geburt das volle Recht auf Leben zuzugestehen. Denn kein Mensch kann vor der Geburt rechtswidrig handeln (auch nach der Geburt kann er einige Jahre lang zwar gefährliche und falsche Dinge tun, aber nicht straffällig werden). Die in Art. 2,2 Damit kann ein Mensch selbst in Ländern, in denen es die Todesstrafe gibt (in der EU: Null), nicht gleichzeitig die grundlegenden Menschenrechte bejahen und Abtreibung für ein solches (oder für irgendein Recht) halten, wenn er nicht zugleich der Logik Adé sagen will.

Ganz kurz: Entweder das Recht auf Leben ist das allen anderen Rechten übergeordnete Menschenrecht, oder man darf abtreiben. Beides geht nicht.

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Aber es wird ja doch getan!

Alle Frauen, die abtreiben wollen, tun das auch! Und wenn es verboten ist, auf gefährliche Weise! Oder im Ausland! – Das ist das ultimative Argument derer, die sich für ein „Recht auf Abtreibung“ einsetzen oder es gleich postulieren. Ich habe dagegen in satirischer Weise schon einige Male geschrieben, z.B. hier, hier und hier. Leider wird Satire nicht unbedingt von denen verstanden, die sie eigentlich angeht, daher hier noch einmal unsatirisch.

Das Strafrecht existiert aus einem einzigen Grund: Dinge, die verboten sind, werden eben doch getan. Wenn man sagen könnte „Diebstahl, Raub, Betrug sowie Mord und Totschlag sind verboten – haltet euch dran“, und dann hätte das zur Folge, daß alle sagen „Ja OK, das leuchtet ein, wir machen das nicht“, und all diese Dinge blieben künftig aus – dann brauchte man kein StGB, sondern nur eine Liste von dem, was verboten ist. Man müsste nur einfach in der Grundschule lehren, daß diese Dinge eben verboten sind, und alles wäre gut.

Leider verhält es sich anders. Menschen haben eine starke Neigung, Dinge zu tun, die man nicht tun darf. Das Argument „Abtreibung verbieten ist schlecht, weil die Menschen ja doch abtreiben und dann in die Illegalität getrieben werden“ ist unsinnig. Wie unsinnig, merkt man, wenn man statt „Abtreibung“ eine beliebige andere Tat in obigen Satz einsetzt.

Man kann Abtreibung ohne logische Verrenkungen nur dann aus dem StGB streichen, wenn man sie nicht schlecht findet. Dann muss man allerdings erklären können, warum das Beseitigen eines neugeborenen Sechsmonatskindes schlecht ist, das Vergiften und Ausschaben eines sechs Monate alten Kindes im Mutterleib aber nicht. Oder warum man am Ende doch eine Fristenlösung behalten möchte, und wie die Frist sich logisch erklären lässt. Oder warum man zu Recht empört ist über die Mißhandlung eines erwachsenen Schwerbehinderten, die Beseitigung eines ungeborenen Schwerbehinderten aber geradezu empfiehlt.

„Es ist noch kein Mensch“ lasse ich ein für alle Mal nicht gelten. Warum wäre dann der Jubelruf „Wir haben ein Baby!“ als Reaktion auf den lange sehnlich erwarteten positiven Teststreifen in Ordnung, wenn gleichzeitig bei einer unerwünschten Schwangerschaft im gleichen Stadium „Es ist bloß erst ein Zellhaufen!“ genau so in Ordnung ist? (Mal abgesehen davon ist etwas so klar Strukturiertes wie eine Morula oder ein Fötus wirklich nicht haufenförmig. Mich könnte man in meinem jetzigen Zustand mit weit mehr Recht als Zellhaufen bezeichnen.)

Wenn Abtreibung nicht mehr als Straftat gesehen wird, dann kann es keinen Grund geben, irgendwelche anderen Taten im StGB zu belassen. Denn alle Rechte sind dem Recht auf Leben untergeordnet.

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Gebet um Worte

Gib mir den Geist, Dich liebend zu besingen.
Du, mir so nah – und ich Dir oft so fern...
Lass Deine Spur mich finden in den Dingen,
Und doch Geschaffnes nie als Dich verkennen.
Mein Bräutigam, mein Retter und mein Stern,
Ich kann Dich nur mit Menschenwort benennen.

Zwar kann kein Wort Dich mindern oder mehren – 
Doch gib mir Worte, die Dir nahe kommen
Und die verständlich sind nicht nur den Frommen.
Denn ich will schreiben, Herr, um dich zu ehren.

© Claudia Sperlich
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Angst

Werte Hundebesitzer, dieser Artikel gilt besonders Euch. Ich weiß, daß Ihr Eure Lieblinge gut erzogen habt, daß die nur spielen wollen und daß sie noch nie, nie, nie jemanden gebissen haben und total lieb sind. Ich kenne sogar einige von Euch, bei denen das nachweislich genau so stimmt. Aber das ist für den Inhalt dieses Artikels Wurst.

Heute, auf dem Fahrrad, auf dem Heimweg, sah ich ein kleines Mädchen – vielleicht neun oder zehn Jahre alt – unschlüssig-langsam auf dem Bürgersteig gehen und weinen. Ich gehöre zu den Leuten, die weinende Kinder ohne dazugehörige Erwachsene in der Nähe fragen, was los ist. Hielt also an, stieg ab und fragte: „Was ist los?“ Das Mädchen deutete nach vorne, etwa fünf Meter weiter. „Der Hund ist vorhin auf mich zugerannt, und ich habe solche Angst vor Hunden.“ Sie weinte wieder heftig. Ich sagte, daß ich auch Angst vor Hunden habe und sie gut verstehe. Das stimmt, allerdings fängt meine Angst erst bei Hunden an, die mir bis zum Knie reichen.

Dieser Hund war von einem Format, das ich übersehen hätte. Ein Taschenkläffer. Der dazugehörige Mann hatte etwa mein sehr beträchtliches Format, nur mehr bauchlastig verteilt. Eine Hundleine war zwischen den beiden nicht erkennbar. Der Hund rannte nun wieder schrill kläffend auf das Mädchen zu.

Das Mädchen schrie panisch auf. Ich legte einen Arm um sie und schob mit dem anderen das Fahrrad zwischen den Kläffer und uns. Der Mann tat nichts, sagte nichts und verzog keine Miene. Der Kläffer rannte um das Fahrrad herum, ich ließ das Mädchen los und sorgte dafür, daß mein Fahrrad immer zwischen uns und dem Hund stand. (Leute, ich bin eine fette, unsportliche 59Jährige! Stellt es euch einfach vor.)

Endlich kam der Mann nah genug, daß ich annehmen konnte, er wolle sich kümmern. Ich rief ihm zu: „Nehmen Sie Ihren Hund da weg, Sie sehen doch, daß das Kind Angst hat!“ Er sagte leise irgendetwas zu dem Hund, der ging bei Fuß und beide verschwanden in einem Haus. Er schloss die Tür. Etwas auch nur Ähnliches wie eine Bitte um Entschuldigung oder ein freundlicher Blick blieb aus.

Das Mädchen war immer noch schreckensstarr und weinte. „Dir kann nichts passieren“, sagte ich. „Die sind weg.“ Sie schniefte. „Ich hab solche Angst vor Hunden“, sagte sie noch einmal. „Ich bin mal Fahrrad gefahren, und da hat ein Hund mich umgerannt.“ Ich versicherte ihr nochmals, daß ich das verstehe. Dann sagte ich (etwas tantenhaft, aber ich bin ja auch Tante): „Nu geh nach Hause und trink ein Glas Wasser.“ Fügte noch hinzu: „Das mein ich Ernst, wenn man Angst hat, schwitzt man ja, und dann braucht man Wasser.“ Sie nickte ernst. „Dankeschön“, sagte sie. „Und schönen Sonntag!“

Liebe Hundehalter, auch wenn Ihr selbstverständlich besser erzogen seid als besagter Herr mit Hund, und Eure Hunde dadurch natürlich auch ganz vorbildlich sind:

Erstens gilt in Berlin seit dem 1. Januar 2016 Leinenpflicht für Hunde (leider nicht für unbotmäßige Halter). Zweitens ist Angst ein ganz und gar ernstzunehmender, sehr schrecklicher Seelenzustand. Drittens ist eine Phobie bei einem Kind noch ein paarmal so schlimm. Und viertens kann ich nicht dafür garantieren, daß ich bei dem nächsten derartigen Ereignis so überaus zivilisiert bleibe. Für heute bin ich dankbar, daß das Mädchen von mir keine schlimmen Ausdrücke gelernt hat und nicht Zeugin einer Prügelei wurde.

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Ich hisse keine Regenbogenfahne.

Was der Regenbogen in jüdischer und christlicher Geschichte und Gegenwart bedeutet, habe ich hier bereits bedichtet. Ich habe also keineswegs grundsätzliche Vorbehalte gegen die Darstellung des Regenbogens. Das Bild, daß Gott nach der großen Flut Seinen Kriegsbogen ablegt und der Regenbogen damit zum ewigen Versöhnungszeichen zwischen Gott und Mensch wird, gefällt mir. Ich weiß, daß der Regenbogen durch Lichtbrechung in zahlreichen Wassertropfen entsteht, also ganz natürlich – aber sowohl die Natur als auch mein ästhetisches Empfinden und die religiöse Deutung sind von Gott gegeben. Ich habe kein Problem damit, den Regenbogen als erklärbare Naturerscheinung zu verstehen und zugleich bei seinem Anblick an Gottes Barmherzigkeit und Liebe zu denken – und an den Bund zwischen Gott und Mensch, dessen Zeichen er ebenfalls ist.

Ich habe auch kein großes Problem damit, daß andere Menschen die Regenbogenfarben (z.T. um das Hellblau reduziert) auf Fahnen und Ansteckern tragen als Zeichen von allem Möglichen Guten (Frieden, Liebe, Toleranz usw.). Wenig Probleme habe ich damit, daß sie sich mit der abgewandelten Regenbogenfahne als homosexuell outen und zugleich dies als gut darstellen. (Das finde ich zwar falsch, sehe es aber nicht als meine Aufgabe, alle Menschen ungefragt auf alle Fehler hinzuweisen, die sie machen oder glauben.) Ich kaufe auch dann im Supermarkt ein, wenn er mit Regenbogen beflaggt ist. Tatsächlich fände ich es weit eher grenzwertig, wäre der Supermarkt in den Farben des Vatikan, also Gelb/Weiß, beflaggt – das sähe nach Kommerzialisierung der Religion aus. (Schwul sein zu kommerzialisieren finde ich zwar auch falsch, ist aber nicht meine Angelegenheit.)

Ich habe ein großes Problem damit, daß Menschen, die keine Regenbogen-Anstecker oder -Fahnen oder -Beleuchtungen zeigen, als intolerant und homophob verschrien werden. Ich habe ein Problem mit Regenbogenfahnen vor Gebäuden und Einrichtungen, die zu politischer und religiöser Neutralität verpflichtet sind (z.B. Rathäusern). Auch vor Gebäuden, in denen die Pflege der katholischen Lehre Pflicht ist (katholischen Kirchen und zur katholischen Kirche gehörenden Gebäuden) sind Regenbogenflaggen fehl am Platz wegen der allgemein akzeptierten Deutung der Regenbogenfarben als „Toleranz gegenüber allem, außer der katholischen Lehre“. Wozu entsprechende Kreidezeichnungen führen, habe ich hier beschrieben – einen Lappen habe ich immer dabei.

Übrigens wird das Wort Toleranz meist falsch benutzt. Toleranz heißt Duldung, Gewährenlassen. Die Regenbogenfahne wird sehr oft unter dem Deckmantel der Toleranz als Zeichen für und Forderung nach Akzeptanz angebracht. Akzeptanz ist aber etwas grundsätzlich Anderes als Toleranz. Ich kann nicht moralisch verpflichtet werden, etwas zu akzeptieren (also richtig zu finden), was ich falsch finde. Versucht’s, und Ihr habt ein Problem mit der Logik.

Die derzeitige Flut an Regenbogenbeflaggung wird nach meiner Einschätzung niemanden auf der Welt toleranter werden lassen. Sollte sie doch dazu führen, daß wesentlich mehr Menschen (Drag Queens ebenso wie katholische Priester und alle anderen auch) gerecht und so freundlich wie möglich behandelt werden und daß wesentlich weniger Menschen alles übelnehmen, was ihrer Meinung widerspricht, dann nehme ich alles zurück und kauf mir einen Regenbogenanstecker. (Ich bin sicher, diese Investition bleibt mir erspart.)

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Johannes der Täufer

Melodie: Hoch sei gepriesen unser Gott (GL 384)

Du hast den Heiland schon erkannt
als ihr noch beide ungeboren.
Du bist dem Herrn vorausgesandt,
zum Wegbereiter auserkoren.
Du Rufer voller Leidenschaft,
du mahnst zur Umkehr alle Sünder;
Elia gleich, voll Geist und Kraft,
bist du der größte aller Künder.

„Ich taufe euch mit Wasser nur,
doch nach mir wird ein Größrer kommen,
Er war vor mir, auf Seiner Spur
wird jeder Weg zum Heil genommen.
Er tauft mit Feuer – Er ist Licht,
Er tauft mit Geist – Er will euch führen!
Ich bin gering und tauge nicht,
Ihm die Sandalen aufzuschnüren.“

Als Jesus an den Jordan kam,
hast du in Ihm das Lamm gesehen,
das alle Sünden auf sich nahm,
umgeben von des Geistes Wehen.
Ihn, der sich nie mit Gott entzweit,
hast du getauft auf Seine Bitte,
erfülltest die Gerechtigkeit
an dem, der aller Welten Mitte.

Du scheutest vor Herodes nicht:
„Des Bruders Frau darfst du nicht nehmen!“
Du drohtest ihm mit dem Gericht -
da ließ er dich gefangen nehmen.
Du fragtest aus der Kerkerhaft:
„Ist Jesus der, auf den wir hoffen?“
„Die Blinden sehn durch Seine Kraft,
den Toten steht das Leben offen!“

Du warst geschlachtet wie im Spiel:
Ein Fest, ein Tanz und ein Versprechen,
ein Kind, benutzt zu bösem Ziel -
so ließ Herodias sich rächen.
Doch der, dem du den Weg gebahnt,
der dir Prophetenmut gegeben
und dessen Reich du vorgeahnt,
Er gab dir ewig frohes Leben.

© Claudia Sperlich
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Junibalkon

Anfang des Jahres bekam ich eine Samentüte für bienenfreundliche Blumen. Und dann war noch einiges andere auf dem Balkon. Insekten-, nasen-, augen- und teilweise auch gaumenfreundlich!

Die Art, wie der gelbe Mohn sein spitzes grünes Hütchen nach oben wegschiebt, finde ich allerliebst. Die Hornveilchen sind über die größte Pracht schon hinüber und samen fleißig aus. Salbei und Rosmarin duften und würzen, übrigens kann man daraus auch schöne Duftsträuße machen. Der rote Klee ist von einer der unzähligen Kleearten, die ich noch nicht kenne. Neben dem Rosmarin sieht man noch ein paar Kornblumen, die meisten sind schon hinüber (und ich hoffe, auch sie verbreiten sich gut). Dann gibt es noch einiges Hübsche, was ich nicht kenne, und etwas knospt verheißungsvoll. Den Hummeln gefällt es auch!

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Erster Impftermin: Ein Hoch auf die Organisation!

Erste Impfung. Das wirklich Anstrengende daran war, mit dem Fahrrad von Friedenau zu den Messehallen zu fahren, bei 30° durch die Stadt.

Ansonsten: Doch, Organisation ist möglich! Ich hatte das ja in der letzten Zeit im Zusammenhang mit der Pandemie manchmal angezweifelt. Aber hier, siehe:

Eingang – ich zücke schon die Papiere, freundlicher Mensch in Ordnerweste (im Folgenden fMiO) winkt mich durch, „Die braucht erst die Kollegin weiter vorn“. Ein Sicherheitsmann möchte in meine ziemlich große Tasche gucken, ist mit dem Anblick zufrieden.

Gang, Vorhalle: Überall stehen fMiO, lotsen die Impfwilligen weiter.

Schleuse: Hier sitzen freundliche Menschen hinter Plexiglas, ich werde zu einer gelotst. Sie stellt fest, daß bei meinen Ausdrucken der QR-Code veraltet ist (der einzige Punkt, über den ich mich ärgern könnte, wenn ich wollte), sieht aber, daß ich angemeldet bin, überträgt die Daten, fragt mich, ob ich die ungültigen Blätter wiederhaben will oder ob sie sie vernichten soll (ich bitte um letzteres). Dann stellt sie ein paar Fragen, die mir ein bißchen vorkommen wie „Frau Sperlich, ich frage Sie: Sind Sie hierhergekommen, um nach reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluß gegen Covid19 geimpft zu werden?“ Ich bejahe das, bekomme die gültigen Papiere und noch eines dazu, werde weitergelotst.

Schließlich in einer Kabine mit einer Ärztin und einer Assistentin, die die Papiere an sich nimmt und scannt. Die Ärztin fragt mich, ob es mir gut geht, dann einige sehr genaue Fragen über meine Epilepsie, Medikation und Anfallrisiko. Dann werde ich geimpft. Sie möchte, daß ich noch ganz kurz sitzenbleibe, fragt, wie sich das angefühlt hat, ist zufrieden, daß ich wirklich nicht mehr als einen Piks wahrgenommen habe.

Dann folge ich den Pfeilen nach draußen, es wird mir empfohlen, mich kurz vor dem Ausgang noch ein wenig hinzusetzen. Ich warte eine Viertelstunde auf meinem Stuhl, ob es mir irgendwie komisch wird, und als das nicht eintritt, gehe ich.

Alle, wirklich alle sind freundlich, machen ihre Arbeit, sind aufeinander abgestimmt. Es ist trotz der vielen Leute ruhig, es ist angenehm klimatisiert, und auch die Putzleute machen ihre Arbeit unauffällig und ausgezeichnet (wie man an den Toiletten sieht).

Es gibt an Berlin besonders hinsichtlich behördlicher und organisatorischer Arbeit einiges zu meckern. Umso wichtiger finde ich, wenn mal alles derartig perfekt organisiert ist. Ein ganz großer Dank an alle, die da mit Kompetenz und Freundlichkeit ihre Arbeit tun.

Covid19, wir machen dich alle!

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