Mittwoch der ersten Adventswoche

Nikolaos zerstört den Artemiskult

Der Trug der alten Götter war
Aus Myra noch nicht ganz geschwunden.
Zwar hatte Gott der Herr schon längst
Kybeles Tempel abgebrochen,
Schon eh die erste Kirche stand:
Das Beben ließ nur Trümmer übrig
Als Mahnung vor dem Gotteszorn.

Doch hielt sich alte Bauernsitte,
Sie flehten unter einem Baum
Um Fruchtbarkeit zur Heidengöttin
Und brachten Milch und Wein und Korn,
Um die Kybele sanft zu stimmen.
Und selbst Getaufte machten mit!
Wie soll ein Bischof das ertragen?

Schon viele Male hatte ich
Gepredigt die gesunde Lehre
Von Vater, Sohn und Heilgem Geist,
Dem einen Gott in drei Personen,
Und viele nahmen auf die Saat –
Doch manche nur wie Sand und Dornen.

Und immer wieder fand ich dann
An jenem Baum die trüben Spuren
Der Heidenopfer, dargebracht
Von Menschen, die ich selbst belehrte!
Und immer wieder liefen sie
Zu diesem Baum mit Wein und Blumen
Und brachten dort ihr Opfer dar
Dem Dämon Artemis-Kybele.

Ein junges Mädchen, neugetauft,
Sah ich zu diesem Greuel gehen,
Beschwingt, wie sonst zum Gottesdienst.
Ich folgte ihr und hörte noch,
Wie sie um gute Ehe flehte!
Ich schrie sie an, da lief sie fort,
Und ich zertrat ihr Blumenopfer.

In bittrer Trauer, voller Angst
Um all die anvertrauten Seelen,
Lief ich nach Haus und nahm die Axt,
Kam wieder, diesen Baum zu fällen,
Und hieb fast eine Stunde lang
Mit frommem Zorn auf dieses Unheil,
Bei jeder Kerbe ein Gebet:
Beende, Herr, den Aberglauben!

Der Baum fiel nieder, Dank sei Gott!
Nun lehr mich, Herr, geduldig lehren,
Wie Du gelitten uns zum Heil!
Der meinem Arm die Kraft gegeben,
Zu fällen den Dämonenbaum,
Gib Kraft auch meinem schwachen Glauben,
Gib meiner Rede Kraft und Licht,
Mach weiter Deiner Diener Herzen,
Daß um sie stark der Glaube blüht.

© Claudia Sperlich

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Dienstag der ersten Adventswoche

Advent – Sonettenkranz
III

 
Bedürftig, hungrig, süß – wie Kinder sind,
Das Händchen, das schon nach dem Leben greift,
Der Blick, der noch in Himmelsfernen schweift,
Neun Monde alt – ein neugebornes Kind,
 
Von Zellen bis zur Lebenskraft gereift,
Bis aus dem Mutterleib es drängt und rinnt.
Durchs Dach der kargen Bleibe pfeift der Wind,
Ein Sternenstrahl das nasse Köpfchen streift.
 
Der große Gott, der uns durch alle Zeiten
In Allmacht und in Liebe will geleiten,
Ist klein und niedlich, arm und schwach geworden.
 
Die Macht erfüllt mit Ehrfurcht und mit Schrecken,
Die Ohnmacht lässt die Zärtlichkeit entdecken.
So rührt Er uns, lässt Liebe überborden.

aus: Zyklische Sonette, tredition 2016

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Montag der ersten Adventswoche

Advent – Sonettenkranz
II

 
Er fordert unsre Liebe als ein Kind,
Im Mutterleib und an der Mutterbrust
Geborgen und genährt, noch unbewusst,
Das noch auf nichts als warme Nähe sinnt.
 
Noch unbekannt mit Trauer und Verlust,
Denn Muttertrost ist stark und kommt geschwind,
Noch schützen andre Ihn vor kaltem Wind,
Noch kein „Du darfst nicht“ und noch kein „Du musst“.
 
Im Vaterhaus erzogen und belehrt,
Um irgendwann zum Zimmermann zu taugen,
Doch vorerst Kind, zur Mutter hingekehrt –
 
Dies ist der Gott, der Herzen leicht gewinnt:
So klein, zerbrechlich und mit großen Augen,
Bedürftig, hungrig, süß – wie Kinder sind.

aus: Zyklische Sonette, tredition 2016

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Adventssonntagabend

Ich hatte spontan Lust, mir einen netten kleinen Kuchen zu backen. Das geht, auch wenn eigentlich nur wenig Kuchengeeignetes im Haus ist:

Mehl, Grieß, Backpulver, Zimt, Ingwer, Zucker, Butter, Hafermilch. Und eine Prise Salz, natürlich.

Ganz unaufwendig – und, noch warm genossen, sehr lecker!

Kuchen

Auch das ist ein Grund zum Dank: Genug im Haus haben und die Fähigkeit haben, daraus etwas zu machen.

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1. Adventssonntag – Ad Te levavi

Mein Adventskalender beginnt nicht mit dem Dezember, sondern mit dem 1. Adventssonntag. Also heute.
Allen Lesern wünsche ich eine gnadenreiche und stressarme Adventszeit!

Erster Advent

Advent – Sonettenkranz
I

 
Der Herr ist Menschenohnmacht selbst geworden!
Wer kann sich über Schwäche noch erheben?
Da sterblich wurde allen Lebens Leben,
Sind sonnenhell und warm auch Nacht und Norden.
 
So kleinlich und so eigennützig streben
Wir allzuoft nach Dingen, die uns schaden,
Und Jesus weiß, wie wir mit Schuld beladen –
Als Mensch und Gott hat Er die Schuld vergeben.
 
Der göttlich ist und sich zum Menschen macht,
Der menschlich ist und Göttliches verkündet,
Der hat die Liebe in uns angefacht,
 
Der stürmt in uns wie Flammengeist und Wind,
Hat sich aus freiem Willen uns verbündet –
Er fordert unsre Liebe als ein Kind.

aus: Zyklische Sonette, tredition 2016

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Der Advent kann kommen!

Zwar ist die Wohnung nicht aufgeräumt – aber der Adventskranz ist fertig.

Adventskranz

Am Sonntag geht es los: Drei Wochen lang – so kurz ist der Advent heuer – möglichst gründlich innerlich auf das herzliebe Hochfest der Christgeburt vorbereiten. Licht werden, ruhig mit norddeutscher Doppelbedeutung, denn der Advent ist ursprünglich eine Fastenzeit. Ballast abwerfen.

Ich will mich im Advent auf gar keinen Fall in irgendwelche vorweihnachtlichen Konsumräusche stürzen, will versuchen, mehr zu beten und weniger dummes Zeug zu reden, und ich will Guardini lesen. Mal schauen, ob ich es schaffe.

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Ein Adventskalender kommt noch.

Es wird heuer wieder einen Blog-Adventskalender geben – allerdings fange ich erst im Advent damit an, also mit dem kommenden Sonntag. Geduld!

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Sankt Andreas

Allen, die Andreas, Andrea, Andrew, André, Anders, Andrzej oder so ähnlich heißen, Gottes Segen zum Namenstag!

Andreas
Melodie: Wer nur den lieben Gott läßt walten

Andreas kam zum Jordanufer
Voll Sehnsucht nach der Gotteszeit.
Er ließ sich mahnen von dem Rufer:
„Macht unserm Herrn den Weg bereit!“
Dort stand, von heilgem Geist umweht,
Der Nazarener im Gebet.

Andreas hört‘ den Täufer sagen:
„Seht, Gottes Lamm trägt unsre Schuld!“
Er ging zu Jesus, Ihn zu fragen,
Erfuhr von Liebe und Geduld.
„Komm mit und sieh“, der Meister sprach,
Da folgte Ihm Andreas nach.

„Den Christus haben wir gefunden!“
Sein Bruder Simon folgte gleich,
Und beide gingen, zu bekunden
In Wort und Tat das Gottesreich.
Wer Jesu Liebeswort erzählt,
Gibt mehr als jedes Reich der Welt.

Herr, laß mich Deinen Weg bereiten
Und allen sagen, wer Du bist:
Der Welten trägt durch alle Zeiten,
Der Menschen Retter, Jesus Christ,
Der auch die schwerste Schuld vergibt,
Der ewig lebt und ewig liebt.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte, tredition 2015

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Ave Maria – Devotionalien in Berlin

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Ave Maria heißt nicht nur eines der bekanntesten Gebete, sondern auch ein viel zu unbekannter Devotionalienladen in Berlin-Tiergarten.

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Man wird in Berlin vermutlich selbst unter Katholiken wenig Menschen treffen, die überhaupt etwas mit dem Wort „Devotionalien“ anfangen können. Umso froher bin ich, daß die Autorin Bettina Klix mich auf dies Geschäft aufmerksam machte. In ihrem kürzlich erschienenen und sehr lesenswerten Buch „Berliner Suchbilder“ hat sie dem Laden ein anrührendes Denkmal gesetzt:

Devotionalien, Berlin-Schöneberg

Als ich das erste Mal das Geschäft besuche, braucht ein verzweifelt aussehender Mann im Arbeitsoverall sofort! eine neue Krippe. Denn diejenige, die sein Betrieb immer zum ersten Advent ins Schaufenster stellt, ging heute zu Bruch. „Ich sag’ noch zu den Lehrlingen: Seid bloß vorsichtig! Und dann fällt mir der Karton aus der Hand. Dem Josef ist der Arm abgebrochen und dem Jesuskind Arme und Kopf.“ Schnell hat er sich eine Krippe aus dem Schaufenster ausgesucht, ein Stall wird für noch ihn angefertigt werden. Der Kunde ist glücklich. Er hatte den Laden bisher nur von außen gesehen, aber nie daran gezweifelt, dass er hier findet, was er sucht. „Die kaputten Tiere kann ich ja noch selbst kleben.“ Aber nicht die heilige Familie, lautet der nicht ausgesprochene Nachsatz.
Zwei gepflegte junge Männer fragen nach Rosenkränzen. Ihnen wird eine Quittung für Requisiten ausgestellt. Denn hier werden die Devotionalien nicht nur von Gläubigen gekauft, sondern auch von Theater – und Filmleuten, die sie für Ausstattungszwecke benötigen. Die Nachfrage hat zugenommen, da das Fernsehen das klerikale Milieu entdeckt hat.
Eine Nonne kommt auf dem Fahrrad vorgefahren und sucht ein sonst schwer erhältliches Stehkreuz. Die Schwester braucht ein mobiles Kruzifix für ihre Besuche an Krankenbetten.
…
Weil der Standort dieses Ladens namens „Ave Maria“ an der Potsdamer Straße so unwahrscheinlich war, dachten manche, das Ganze könne nur ironisch gemeint sein. Doch mag da anfangs noch Spielraum für Understatement gewesen sein oder ein mehr ästhetischer Umgang mit bestimmten Produkten, so fand dies spätestens mit dem Regiment von Rachele Cutolo ein Ende, einer tief gläubigen Katholikin, die den Laden jetzt führt.
Am Samstag, wenn sie das Geschäft geschlossen hat, verlässt sie die Räume erst, nachdem sie ein Gesätz des Rosenkranzes gebetet hat.

© Bettina Klix

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Zur Feier des Tages war ich nun endlich selbst dort – am neuen, nicht weit von der Potsdamer Straße entfernten Standort des Ladens:

AVE MARIA
Lützowstraße 23
10785 Berlin

U-Bahn: Linie U1 Kurfürstenstraße)
Bus: Linie M48, M85 (Lützowstr./Potsdamer Str.)

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 12 – 18 Uhr
Samstag: 12 – 15 Uhr

Rachele Cutolo ist ein liebenswertes Original von mütterlicher Herzlichkeit. Sie sieht den Laden nicht so sehr als Geschäft wie als Missionsauftrag. Die Geschäftsräume sind eigentlich zu klein für das überwältigende Angebot von allem, was das katholische Herz begehrt – Kruzifixe, Madonnen, Heiligenstatuetten verschiedenster Art, kostbare und schlichte Rosenkränze, Altarkerzen, Bilder (auch einige ausgezeichnete Dürerrepliken), Bücher, frommer Oblatenkitsch von Anno Dunnemals und winzige Reproduktionen alter Meister zum Einlegen ins Gesangbuch, Bronze, Silber, Wachs, Holz, Papier und ein ganz bißchen Plastik, Modernes und Altes – und eine eindrucksvolle Kollektion von Weihrauchsorten.

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Wer in Berlin katholisch ist (oder Filmemacher, oder beides), sollte das Ave Maria unbedingt aufsuchen. Wer nicht, auch – denn diese „katholische Gemischtwarenhandlung“ ist ganz einfach ein Erlebnis.

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Ein Jahr unter Gelübde

Am ersten Adventssonntag vorigen Jahres legte ich in St. Lambertus in Spandau ein feierliches Gelübde ab:

Ich gelobe, über die Zeit von drei Jahren – von heute an – keusch zu leben, dem Herrn und der Kirche gehorsam, in evangelischer Armut so besitzend, als besäße ich nicht,
täglich an der Heiligen Messe teilzunehmen,
täglich wenigstens eine halbe Stunde lang in Anbetung zu verharren, entweder vor dem Tabernakel oder bei der Eucharistischen Anbetung,
häufig, das heißt mindestens einmal im Monat, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

So sah es aus:
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Ich habe es keinen Augenblick bereut. Im Gegenteil werde ich jeden Tag durch mein Gelübde beschenkt und erfahre immer mehr, wie schön meine geistliche Heimat, die katholische Kirche, ist – als hätte ich gelobt, jeden Tag ein Kästchen Juwelen anzunehmen.

Ich habe in dieser Zeit das Stundengebet und den Rosenkranz, alte Schätze der Kirche, für mich wiederentdeckt und darin unter anderem einen Weg zu innerer Ruhe gefunden. (Die Betonung liegt auf Weg; falls jemand die Stirn haben sollte, zu behaupten, ich sei gar nicht wirklich immer völlig gelassen…) Besonders ins Stundengebet hoffe ich mit der Zeit immer tiefer „einzusteigen“. Zur Zeit kann ich sagen, daß der Tag mir ohne Laudes und Komplet unvollständig scheint.

Ich hoffe zwar, in zwei Jahren ein ewiges Gelübde abzulegen – hoffe es so sehr, daß ich eine Neigung habe, das schon mal immer zu planen. Aber ich kann und soll jetzt nicht „die frischen Früchte für später einwecken“, wie mir ein kluger Geistlicher sagte. Was später wird, weiß ich nicht – jetzt habe ich die Möglichkeit, staunend und dankbar die Früchte des Gelübdes zu genießen.

DEO GRATIAS!

Warum mir dies so wichtig ist, und warum ich glaube, Gott meint es genau so mit mir, erklärt vielleicht dies Sonett.

Mein Dienst

Dreieiner Gott, ich wollte Dich durch Taten,
Durch unaufhaltsam gutes Tun verehren,
Und wollte Großes tun und Großes lehren –
Und nichts davon ist lange gut geraten.

Du aber wolltest Liebe und Gebete.
Du zeigtest streng mir, daß ich mich nur sonnte
In dem, was ich gern wollte und nicht konnte,
Bis ich um Weisung und Erbarmen flehte.

Mein Herr und Gott, ich liebe Dich. Ich will
Dir dienen, so wie Du es mir gegeben.
Dir geb ich, was ich von Dir hab: Mein Leben.

In Dir allein wird meine Seele still.
Mit Dir zur Seite kann mich nichts gefährden.
Durch Dich allein kann ich wahrhaftig werden.

© Claudia Sperlich

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