Montag der ersten Adventswoche

Advent – Sonettenkranz
II

 
Er fordert unsre Liebe als ein Kind,
Im Mutterleib und an der Mutterbrust
Geborgen und genährt, noch unbewusst,
Das noch auf nichts als warme Nähe sinnt.
 
Noch unbekannt mit Trauer und Verlust,
Denn Muttertrost ist stark und kommt geschwind,
Noch schützen andre Ihn vor kaltem Wind,
Noch kein „Du darfst nicht“ und noch kein „Du musst“.
 
Im Vaterhaus erzogen und belehrt,
Um irgendwann zum Zimmermann zu taugen,
Doch vorerst Kind, zur Mutter hingekehrt –
 
Dies ist der Gott, der Herzen leicht gewinnt:
So klein, zerbrechlich und mit großen Augen,
Bedürftig, hungrig, süß – wie Kinder sind.

aus: Zyklische Sonette, tredition 2016

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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