Ein Jahr unter Gelübde

Am ersten Adventssonntag vorigen Jahres legte ich in St. Lambertus in Spandau ein feierliches Gelübde ab:

Ich gelobe, über die Zeit von drei Jahren – von heute an – keusch zu leben, dem Herrn und der Kirche gehorsam, in evangelischer Armut so besitzend, als besäße ich nicht,
täglich an der Heiligen Messe teilzunehmen,
täglich wenigstens eine halbe Stunde lang in Anbetung zu verharren, entweder vor dem Tabernakel oder bei der Eucharistischen Anbetung,
häufig, das heißt mindestens einmal im Monat, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

So sah es aus:
GelübdeGelübde
Gelübde
Gelübde
Gelübde
Gelübde
Gelübde

Ich habe es keinen Augenblick bereut. Im Gegenteil werde ich jeden Tag durch mein Gelübde beschenkt und erfahre immer mehr, wie schön meine geistliche Heimat, die katholische Kirche, ist – als hätte ich gelobt, jeden Tag ein Kästchen Juwelen anzunehmen.

Ich habe in dieser Zeit das Stundengebet und den Rosenkranz, alte Schätze der Kirche, für mich wiederentdeckt und darin unter anderem einen Weg zu innerer Ruhe gefunden. (Die Betonung liegt auf Weg; falls jemand die Stirn haben sollte, zu behaupten, ich sei gar nicht wirklich immer völlig gelassen…) Besonders ins Stundengebet hoffe ich mit der Zeit immer tiefer „einzusteigen“. Zur Zeit kann ich sagen, daß der Tag mir ohne Laudes und Komplet unvollständig scheint.

Ich hoffe zwar, in zwei Jahren ein ewiges Gelübde abzulegen – hoffe es so sehr, daß ich eine Neigung habe, das schon mal immer zu planen. Aber ich kann und soll jetzt nicht „die frischen Früchte für später einwecken“, wie mir ein kluger Geistlicher sagte. Was später wird, weiß ich nicht – jetzt habe ich die Möglichkeit, staunend und dankbar die Früchte des Gelübdes zu genießen.

DEO GRATIAS!

Warum mir dies so wichtig ist, und warum ich glaube, Gott meint es genau so mit mir, erklärt vielleicht dies Sonett.

Mein Dienst

Dreieiner Gott, ich wollte Dich durch Taten,
Durch unaufhaltsam gutes Tun verehren,
Und wollte Großes tun und Großes lehren –
Und nichts davon ist lange gut geraten.

Du aber wolltest Liebe und Gebete.
Du zeigtest streng mir, daß ich mich nur sonnte
In dem, was ich gern wollte und nicht konnte,
Bis ich um Weisung und Erbarmen flehte.

Mein Herr und Gott, ich liebe Dich. Ich will
Dir dienen, so wie Du es mir gegeben.
Dir geb ich, was ich von Dir hab: Mein Leben.

In Dir allein wird meine Seele still.
Mit Dir zur Seite kann mich nichts gefährden.
Durch Dich allein kann ich wahrhaftig werden.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Ein Jahr unter Gelübde

  1. meckiheidi schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum, und meine Bewunderung für solchen Glauben und Treue schicke ich gleich mit!

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