Veranstaltungshinweis

Bald halte ich wieder einen Vortrag:

„O Tannenbaum – eine Kulturgeschichte des Weihnachtsbaums“

Dienstag, 3. Dezember, 19.00 Uhr
Hildegardstraße 3a, 1. Stock
Carl-Sonnenschein-Saal
10715 Berlin
(unmittelbar neben der Heilig-Kreuz-Kirche)

Ein Obolus von 5,00 € ist erbeten.

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So alt wie die Mauer

Ich mag keine Menschenmassen.
Und keine sehr lauten Feiern.
Deshalb habe ich heute nicht irgendwo gefeiert – halt, doch: In der Kirche. Morgens früh und dann bei der Vorabendmesse, als Lektorin. Das schönste Fest der Welt! Aber da ging es nicht um den Mauerfall.

Also, speziell den Mauerfall habe ich nicht gefeiert, aus angegebenen Gründen. Aber – ich bin dankbar dafür. Ich bin einfach froh, daß es dies Monster von Trennwand nicht mehr gibt. Daß ich Freunde habe, die in der DDR aufgewachsen sind, und daß ich nach Potsdam fahren kann, ohne ein Visum zu beantragen. Daß der Mauerfall ohne Gewalt vonstatten ging. Daß trotz aller immer noch deutlichen Unterschiede und mancher Animositäten die Mauer Geschichte ist.

Ich bin im Februar 1962 geboren. Die Mauer war vor wenigen Monaten fertiggeworden.

Natürlich bin ich als „Wessi“ nie so davon betroffen gewesen wie die DDR-Bürger. Ich habe den oft gehörten Spruch „West-Berlin sei ja ein riesiges Gefängnis wegen der Mauer“ immer dumm gefunden. Als Kind habe ich Radtouren durch Westberlin gemacht, und wenn man von Berlin-Wannsee nach Lübars fährt und wieder zurück, dann fühlt man sich nicht gefangen. Es war seltsam, ein Visum zu brauchen, wenn man in die Nähe von West-Berlin wollte, und ein Transitvisum, wenn man weiter weg wollte. In die Nähe fahren musste man rechtzeitig beantragen, weiter weg fahren konnte man sofort. Und es war bizarr, im Wald plötzlich an einen Zaun zu kommen, hinter dem der Wald weiterging, aber zur DDR gehörte. (Ich bin da manchmal drübergeklettert. Es gab dort Parasole und Steinpilze. Und Rehe. Und Grenzsoldaten kümmerten sich um diese von Westberliner Seite aus ersten paar hundert Meter nicht.)

Beängstigend fand ich vieles, was mit der Teilung Deutschlands zu tun hatte. Man hörte in Wannsee manchmal nächtliches Geballer vom amerikanischen Truppenübungsplatz, das war unangenehm und einst ein großer Schock für eine alte Dame, die bei uns zu Besuch war und immer noch Angstträume vom Krieg hatte. Manchmal hörte man von etwas weiter weg einzelne Schüsse von Grenzsoldaten. Dann guckte man morgens in die Zeitung und atmete auf, wenn nichts über einen erschossenen Flüchtling dastand.
Zu Silvester ging ich mit meinen Eltern oft in den Düppeler Forst und an den Großen Wannsee. Da spiegelte sich das Feuerwerk der Villenbesitzer im Wasser, und weit weit dahinter sah man Leuchtmunition aufsteigen und langsam niederfallen, und zwar genau um Mitternacht und in einer Menge, die darauf hinwies, daß Grenzer eben auch mal feiern. Das war wie ein friedlicher und fröhlicher Gruß von einer gar nicht friedlichen Seite, als ob schon lange vor dem Mauerfall hier und da ein Grenzsoldat sagen wollte: Eigentlich kann man mit Munition ja auch einfach Silvester feiern.

Ich feiere nicht, aber nun ist mir doch feierlich zumute und gebührend sentimental, und ich denke daran, wie der Potsdamer Kollege meines Vaters plötzlich vor der Tür stand, zu Fuß war er gekommen, und die beiden schon nicht mehr jungen Gelehrten redeten die ganze Nacht über. Und wie der ganze Kurfürstendamm von einer fröhlichen, festlich gestimmten Menschenmenge eingenommen war. Wie traumhaft und froh und spannend die nächsten Tage und Wochen waren.

Vielleicht hätte man vieles besser machen können bei der Wiedervereinigung. Vielleicht hätte man mehr voneinander lernen können. Aber das Wichtige, Große, Wunderbare ist doch: Die Mauer fiel ohne einen Schuß, ohne Blutvergießen, höchstens vielleicht ein eingerissener Fingernagel bei einem der Mauerspechte. Dafür kann man nicht genug danken.

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Wollte Jesus keine Kirche?

Immer wieder höre ich aus dem freikirchlichen Spektrum harte Kritik an der Kirche, nicht wegen besonderer Ereignisse oder Untaten oder Fehler (das kommt später in der Diskussion), sondern weil sie Kirche ist. Oft kommt diese Kritik in Großbuchstaben, mit zahlreichen Ausrufungszeichen und in phantasievoller Rechtschreibung und Grammatik. (Letzteres finde ich generell nicht allzu schlimm, aber die Mischung macht’s. Zudem bin ich der Ansicht, wenn man in Deutschland aufgewachsen und sozialisiert ist, kann man sich mit der Landessprache ruhig so viel Mühe geben wie die koreanischen und senegalischen Mitglieder meiner Gemeinde, deren Deutsch perfekt ist. Das nur nebenbei.)

Was ist nun die Kritik?

1. Jesus hat gar keine Kirche gewollt!

Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.
Mt. 16,18-19

Im Original: σὺ εἶ Πέτρος, καὶ ἐπὶ ταύτῃ τῇ πέτρᾳ οἰκοδομήσω μου τὴν ἐκκλησίαν καὶ πύλαι ᾅδου οὐ κατισχύσουσιν αὐτῆς. δώσω σοι τὰς κλεῖδας τῆς βασιλείας τῶν οὐρανῶν, καὶ ὃ ἐὰν δήσῃς ἐπὶ τῆς γῆς ἔσται δεδεμένον ἐν τοῖς οὐρανοῖς, καὶ ὃ ἐὰν λύσῃς ἐπὶ τῆς γῆς ἔσται λελυμένον ἐν τοῖς οὐρανοῖς.

ἐκκλησία, Ekklesia, ist wörtlich „die Herausgerufene“. Nicht „die Herausgerufenen“, obwohl sie aus denen natürlich gebildet ist, sondern ein weibliches Singularwort, das die Gemeinschaft der Gläubigen – der aus der ungläubigen Welt „herausgerufenen“ Menschen – bezeichnet. (Deshalb ist die Übersetzung „Gemeinde“ möglich, aber etwas unscharf.) Die Kirche ist die Gemeinde der Gläubigen – und zwar eine strukturierte Gemeinde mit einer bestimmten Art des Gottesdienstes, dem „Brotbrechen“. Daß der Ritus des Brotbrechens – von Jesus beim letzten Abendmahl eingesetzt und am Kreuz im Selbstopfer bestätigt – in der jungen Kirche große Bedeutung hatte, geht aus Apg. 2,41-42 hervor. Nach dem Pfingstwunder und der Predigt des Petrus bekehren sich zahlreiche Menschen, und über sie heißt es:

Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt. Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.

In Apg. 20,7-11 ist die Rede davon, daß die Gemeinde sich am ersten Tag der Woche (also am Sonntag) zum Brotbrechen versammelt. Das Brotbrechen ist offenbar so wichtig, daß die ausufernde Predigt des Paulus sowie Unfalltod und Wiedererweckung des Eutychus davon nur „eingerahmt“ werden: Man trifft sich zum Brotbrechen, Paulus predigt, etwas Spektakuläres geschieht, man bricht das Brot. Die Eucharistiefeier, in der Jesu Selbstopfer unblutig vergegenwärtigt wird, in der Jesus leiblich gegenwärtig ist, war damals, ist heute, bleibt immer Quelle und Gipfel unseres Glaubens und Zentrum der Kirche.

2. Religion ist falsch, ist bloßer Ritus, es kommt nur auf den Glauben an!

Jesus war in Seiner Menschennatur, in Seinem Erdenleben religiös von Anfang an. Er wurde mit acht Tagen beschnitten (Lk. 2,21) wie jeder jüdische Knabe und mit vierzig Tagen im Tempel dargestellt – d.h. die im Judentum übliche Erstgeburtsweihe wurde vollzogen (Lk. 2,22-24). Als Zwölfjähriger (also aus eigenem Antrieb ein Jahr früher als es üblich ist) brillierte Er bei Seiner Bar Mitzwa im Tempel (Lk. 2,41-52).

Jesus ging gewohnheitsmäßig am Sabbat in die Synagoge (Lk. 4,16).
Er hatte die Gewohnheit zu lehren, und Er suchte gewohnheitsmäßig den Ölberg auf, um dort zu beten – bis kurz vor Seinem Tod (Lk. 21,37-38; Joh. 8,1-2; Mk. 10,1; Lk. 22,39).
Er heilte immer wieder Kranke, trieb immer wieder Dämonen aus und ließ sich auch von spätabendlichem Heilungsdienst nicht von seiner frühmorgendlichen Gebetspraxis abbringen (Mk. 1,33-35).

Das gewohnheitsmäßige, regelmäßige Gebet ist gute religiöse Praxis im Juden- wie im Christentum. Jesus wusste, wann Er diese Praxis zu durchbrechen hatte, übte die Religion nicht zwanghaft aus, sondern als Gottes Sohn in der „Freiheit der Kinder Gottes“. Aber Er war selbstverständlich religiös, d.h. an Gott gebunden. (Und das heißt, angesichts Seiner göttlichen Natur, mit Sich selbst im Reinen.)

3. Aber die Pharisäer waren die Religiösen, und die waren allesamt Heuchler.

Es ging den Pharisäern um die Befolgung der Gebote, und sie waren darin äußerst pingelig. Wo Jesus Kritik an an Pharisäern übte, ging es Ihm um den Sinn der Gebote, nämlich die Gottes- und Menschenliebe. Er beobachtete, daß viele Pharisäer die Gebote nicht mehr aus Liebe befolgten, daß ihre Treue zu einer Form der Selbstbespiegelung geworden war. Das tadelt Er hart im Gleichnis von Zöllner und Pharisäer (Lk. 18,9-14).
Ebenso Jesu Zornrede gegen die Pharisäer (Mt. 23), in der Er sie als Heuchler, blinde Führer, Schlangenbrut und übertünchte Gräber bezeichnet, richtet sich weder gegen Treue zum Gesetz noch gegen Religion oder Tempel, sondern gegen eine unmenschliche, pedantische Auslegung, eine Exegese, die sekundäre Regelungen (Waschungen, Abgaben usw.) im Blick hat und nicht das primäre Gebot, Gott und den Menschen zu lieben.

Joseph aus Arimathäa war „ein vornehmes Mitglied des hohen Rats“ (Mk. 15,43). Diesem gehörten hauptsächlich Sadduzäer an, aber auch einige Pharisäer. Anzunehmen ist, daß Joseph aus Arimathäa zu den Pharisäern gehörte, wegen seiner offenkundigen Sympathie für Jesus, der ja mehrmals von der Auferstehung der Toten sprach. (Denn die Pharisäer glaubten an eine Auferstehung der Toten, die Sadduzäer aber nicht, vgl. Mk. 12,18; Apg. 23,8. In diesem Zusammenhang merke ich an, daß für einen Christen „Du Sadduzäer“ ein weit schlimmerer Vorwurf wäre als „Du Pharisäer“.) Bekannt ist, daß er ein heimlicher Jünger Jesu war und daß er von Pilatus wegen des Rüsttages (also wegen der religiösen Bestimmung, Tote zu bestatten und auch Hingerichtete nicht am Sabbat über der Erde zu lassen) die Erlaubnis zur sofortigen Kreuzabnahme erwirkte und durchführte (Joh. 19,38). Auch sorgte er dafür, daß Jesus in einem ordentlichen Grab bestattet wurde – dem Felsengrab, daß Joseph eigentlich für sich selbst gekauft hatte (Mt. 27,57-60; Lk. 23,50-54; Mk. 15,43-46; Joh. 19,38) – und lieferte auch das Grabtuch. Daß er reich war, wird ausdrücklich genannt.

Nikodemus war ein Pharisäer, der Jesus aufsuchte, Ihm Fragen zu Seiner Lehre stellte und Ihm eine Nacht lang zuhörte (Joh. 3,1-21). Er mahnte seine gegen Jesus aufgebrachten Standesgenossen zur rechtmäßigen Beurteilung (Joh. 7,50-51). Bei Jesu Begräbnis stiftete Nikodemus eine große Menge Myrrhe und Aloe zur Balsamierung des Leichnams (Joh. 19,39). Er war Jesus also zumindest sehr wohlgesonnen und bestand aus religiöser Motivation auf Gerechtigkeit.

Paulus, der Völkerapostel, war Pharisäer und sah nach seiner Bekehrung im Christentum keinen Widerspruch, sondern vielmehr Bestätigung der pharisäischen Lehre von der Auferstehung der Toten (vgl. Apg. 23,6).

4. Jesus braucht keine steinernen Kirchengebäude!

Jesus „braucht“ auch keine Menschen und keine Welt. Aber Er hat, wie oben erklärt, die Kirche gestiftet.
Die Christen trafen sich zunächst reihum in den Häusern der Wohlhabenden der Gemeinde. Aber die Gemeinde wuchs, und auch sehr reiche Gemeindeglieder haben kein Zimmer, in den hunderte Gläubige feiern können. Als die Kirche legalisiert wurde, begann man, Tempel zu Kirchen umzuwidmen und auch selbständig Kirchen zu bauen, um der stetig wachsenden Gemeinde Raum für den Gottesdienst zu geben. Hierbei achtete man auf Schönheit, besondere Bauformen entwickelten sich. Denn Menschen sind Sinneswesen und brauchen sinnlich erfahrbare Hilfen, um Gott zu preisen. Gesang haben alle Konfessionen; daß Lieder Gott preisen können, leuchtet ein. Kirchenarchitekturen treffen besondere Aussagen: die einladenden Portale romanischer Kirchen, die Lichtführung gotischer Kirchen, barocke Pracht und schließlich die reine, klare Schlichtheit moderner Kirchen wie Notre-Dame-du-Haut von Corbusier machen Aussagen über Gott, über Seine Schöpfung und Seinen Himmel: Er lädt uns ein, ist unser Licht, beschenkt uns verschwenderisch, ist selbst ganz einfach. Der Weihrauch erinnert an das Psalmwort „Wie Weihrauch steige mein Gebet vor Dir auf„, ist zugleich wohlriechend und heilsam. Die Kerzen erinnern daran, daß Christus unser Licht ist – und auch, daß wir uns für Ihn verzehren sollen wie eine brennende Kerze. Die Schönheit der Kirchen hilft unserem oft schwachen Glauben, und zugleich wird Gott durch sie gepriesen. Architekten, Künstler, Organisten, Sänger, ja alle, die nach Kräften beim Gottesdienst mittun, preisen Gott. Katholiken sitzen aufmerksam wie Schüler während der Lesungen aus AT und Episteln, stehen aufrecht und gespannt, um das Evangelium zu hören, knien beim Sanctus vor dem Heiligen Gott nieder – alle Körperhaltungen während der Messe haben ihren Sinn und sind biblisch begründbar.

Evangelische und freikirchliche Gemeinschaften lieben biblische Begründungen. Frage ich aber nach biblischen Begründungen gegen die katholische Kirche, so kommen die Genannten – und die lassen sich biblisch widerlegen.

Nur gegen einen Vorwurf bin ich machtlos:

5. Die Katholiken beten Maria an!

Nein, Katholiken beten Maria nicht an, oder vielmehr, jeder Katholik, der das doch tut, sollte schnellstmöglich beichten – denn das wäre eine schwere Sünde. Verehrung ist etwas grundsätzlich anderes als Anbetung. (Man ehrt ja im günstigen Falle auch seine Eltern – sie anzubeten, wäre allerdings höchst neurotisch.) Genaueres habe ich hier geschrieben.

Aber nachdem ich gefühlte hundertvierundvierzigtausend Mal den Unterschied zwischen Anbetung und Verehrung, zwischen „jemanden um etwas bitten“ und „jemanden anbeten“ erklärt habe und von freikirchlicher Seite immer als einzige Antwort kam „Doch, du betest Maria an!“, bin ich in diesem Punkt eher pessimistisch, was das gegenseitige Verständnis betrifft. Dennoch kann ich es nicht lassen, es noch einmal ganz kurz und knapp und einfach zu sagen:

Wir Katholiken finden die Mutter Jesu großartig. Wir reden auch mit ihr.

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Eine Fernsehsendung und ein Vortrag

Heute, 3. November 2019, 20.00 Uhr, bin ich auf EWTN in der Sendereihe „Alle unsere Heiligen“ mit einem Beitrag über Jeanne d’Arc. Im Lauf der Woche wird die Sendung wiederholt:

Mo 01.30 Uhr
Di 12.30 Uhr
Mi 20.30 Uhr
Do 02.30 Uhr
Fr 17.30 Uhr.

Auch an den folgenden fünf Sonntagen gibt es Sendungen über Heilige (nicht mit mir, aber auch sehenswert).

Einen Vortrag zum Thema „Seligkeit, Heiligkeit – nicht dasselbe, beides wünschenswert“ halte ich am 5. November um 19.00 Uhr im Carl-Sonnenschein-Saal, Hildegardstraße 3a, 1. Stock, 10715 Berlin, unmittelbar neben der Heilig-Kreuz-Kirche. Ein Obolus von 5,00 € ist erbeten.

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Wer oder was ist „selig“ und „heilig“?

Darüber sage ich etwas auf Radio Horeb, hier in der Mediathek hörbar.

Viel Freude beim Hören!

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Programtip

Am 1. November 2019, Allerheiligen, bin ich um 20.30 auf Radio Horeb zu hören in der Sendereihe „Credo“ mit dem Beitrag: Wer oder was ist „selig“ und „heilig?“

Wie immer gibt es die Sendung hinterher auch als Podcast.

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SPD ./. Lebensrecht

Hier schrieb ich kürzlich: Teile der SPD versuchen, das Grundrecht auf Leben vollständig abzuschaffen, dazu das Recht auf freie Entscheidung und das Recht auf freie Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild.

Ich muss mich berichtigen: Zumindest in Berlin versucht das die ganze SPD unisono. Denn der oben genannte Antrag auf Verbot der Beratungsstelle Pro Femina wurde auf dem Landesparteitag der SPD Berlin am 26. Oktober diskussionslos und einstimmig angenommen.

Das heißt: Die Landesregierung von Berlin will eine Beratung, die nicht vom Staat finanziert und gelenkt ist, verbieten. Pro Femina lebt von Spenden und stellt auf der Homepage und bei Erstgesprächen klar, daß der Beratungsschein hier nicht ausgegeben wird – und das ist für die SPD der Grund, Pro Femina als „unseriös“ verbieten zu wollen. „Vom Staat unabhängig“ und „unbedingt lebensbejahend“ gleich „unseriös und verbotswürdig“ – das ist die Ansicht der Regierungspartei SPD. Von den anderen Regierungsparteien ist leider kein Gegenwind zu erwarten, sondern Beifall.

Ich habe mehrere Tage mit diesem Artikel gewartet. Einerseits, weil ich auch mal was Anderes tun möchte als bloggen, andererseits, weil ich nicht im frischen Zorn schreiben wollte. Nun schreib ich in nicht mehr ganz frischem Zorn:

Die Regierung von Berlin ist zwar auf legale Weise an die Macht gekommen, hat aber spätestens am 26.10.2019 aufgehört, ausschließlich legal zu handeln. Ich kann nun nicht sagen „Nicht meine Regierung“, denn ich wohne hier und gedenke hier noch ein paar Jahrzehnte zu bleiben, wenn Gott mir das gewährt. Es ist also leider „meine“ Regierung, auch wenn ich sie nicht gewählt habe. Aber ich muss sie nicht mögen und darf ihr sagen:

Hör gut zu, Regierung! Du willst illegale Sachen. Du willst das Recht brechen. Du willst die Tötung Ungeborener erleichtern.
Es ist nur eine Frage der Zeit, wann du auch die Tötung Geborener erleichterst. Wann Frauen sich fürs Gebären rechtfertigen müssen. Und wann kein Mann mehr zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn er ein Kind gezeugt hat und davon nichts wissen will.

Es gibt immer wieder Dinge, die wir nicht wählen und doch haben. Bei mir ist das Epilepsie, Arthrose und die derzeitige Berliner Regierung. All das ist nicht heilbar, aber mit den ersten beiden kann ich ganz gut leben. Diese Regierung ist das einzige der drei genannten Übel, mit dem ich mich nicht abfinden mag – und das, obwohl in sich unheilbar und heillos, womöglich schon bei der nächsten Wahl verschwindet. Leider habe ich große Zweifel, ob danach was Gescheiteres und Menschlicheres kommt (um Mißverständnisse zu vermeiden: die Partei mit dem A halte ich nicht für besser).

Natürlich ist die Annahme eines Antrags noch nicht seine Durchsetzung. Allerdings halte ich auch von deutschen Gerichten nicht so besonders viel und bin nicht sehr optimistisch. Aber was immer kommt: Auf irgendwelche Weise wird es auch weiterhin ehrliche und unabhängige Beratung für Schwangere in Not geben. Auch wenn das schwierig wird.

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Nicht linksextrem? Alles OK?

Hier schrieb ich kürzlich über Jusos und ihren Kampf gegen das Grundrecht auf Leben (und einige andere Grundrechte dazu).

Kristijan Aufiero, Vorstandsvorsitzender von Pro Femina e.V., kritisierte den Antrag der Jusos unter Hinweis auf seine sprachliche und argumentative Nähe zu Linksextremisten. Die Tagespost berichtet nun, daß der Berliner Juso-Landessekretär Arne Zillmer dem widerspricht und sagt, es bestehe eben keine Nähe zu Linksextremen.

Schauen wir mal.

Das Bekennerschreiben vom 7. Oktober 2019 nach dem Überfall auf Pro Femina lautet:

Einbruch bei Pro Femina e.V. – Für den Feminismus!

Seit Juni 2019 befindet sich der Heidelberger „Lebensschutzverein“ Pro Femina e.V.“/1000plus als dritte Niederlassung in Deutschland in der Adenauerstr. 1, 10557 Berlin.

Dieser Verein gibt vor, ergebnisoffene Beratungen für schwangere Frauen* anzubieten, die sich im Schwangerschaftskonflikt befinden. Recherchen zeigten, dass diese Beratungen manipulativ und keinesfalls ergebnisoffen sind. Starke Zweifel der Frauen* wurden ignoriert und medizinisch nicht anerkannte psychische Folgeschäden eines Schwangerschaftsabbruchs aufgeführt. Es wurde sogar Geld dafür angeboten, dass Kinder zur Welt gebracht werden.

Wir haben am Wochenende des 5./6.10 das Büro des Vereins Pro Femina am Adenauerplatz am Ku’damm besucht. Wir brachen in das Gebäude ein, zerschlugen die Scheiben im 3. Stock, hinterließen einen zugeschmierten Flur mit Farbe und Buttersäure und den Spruch „Pro Choice!“ dazu verklebten wir das Schloss.

In dem Antrag der Jusos heißt es:

Am 1. Juli 2019 hat am Kurfürstendamm 69 die Berliner “Beratungsstelle” des Vereins „Pro Femina“ eröffnet.
„Pro Femina“ bietet laut eigener Aussage Beratungen „für Frauen im Schwangerschaftskonflikt” an.
Die Verwechslung mit der staatlich anerkannten Beratungsstelle „pro familia“ ist hier allein durch die Namensgebung durchaus gewollt. „Pro Femina“ stellt dabei jedoch weder einen Beratungsschein aus, noch beraten sie ergebnisoffen oder seriös. Laut einiger Erlebnisberichte von Personen, die in einer durch „Pro Femina“ geleiteten Beratungsstelle waren, setzen diese die Schwangeren* sogar auch nach der Beratung weiter unter Druck, keinen Abbruch vornehmen zu lassen, indem sie diese u.a. mit Anrufen regelrecht terrorisieren.

Die Vorwürfe hier wie dort: „manipulativ“, „setzen unter Druck“, „terrorisieren“; „keinesfalls ergebnisoffen“, „noch beraten sie ergebnisoffen“. Stilistisch sind die Schreiben sehr ähnlich. Zeitlich sind sie nah beieinander; der Antrag wurde zwei Wochen vor dem Überfall auf Pro Femina veröffentlicht.

Zunächst einmal stellt 1000plus / Pro Femina von vornherein klar, daß nicht „ergebnisoffen“ beraten wird, daß es keinen Beratungsschein gibt. Auch, daß keine Anschriften von Beratungsstellen, die diesen Schein liefern, weitergegeben werden, wird im Erstgespräch klar. Es wird immer darauf hingewiesen, daß man diese Stellen im Internet finden kann.

Manipulativ ist es nicht, wenn eine Beratungsstelle sich bei einer Klientin per Mail oder telephonisch (letzteres ist mir nicht bekannt) erkundigt, wie es ihr geht, und ihr sagt, daß sie jederzeit weiter die Hilfe von Pro Femina in Anspruch nehmen darf. Es kann übrigens in keiner Weise illegal sein, für das Leben des Ungeborenen zu plädieren. Im Gegenteil – wer das Gesetz kennt, weiß, daß die Beratung immer das Leben des Kindes besonders im Blick haben soll. (Und wer staatlich geförderte Stellen kennt, weiß, daß es selten so ist.)

Was den Namen angeht, nun ja: Pro Familia heißt „für die Familie“, Pro Femina heißt „Für die Frau“, und klanglich kann man das schon mal verwechseln. Nur sind schwangere Frauen in der Regel nicht dumm, sondern einfach schwanger, und können sehr wohl das Internet benutzen sowie, wenn sie unbedingt einen Beratungsschein wollen, Pro Familia finden. Übrigens kann man es als Etikettenschwindel bezeichnen, wenn eine Beratungsstelle den Beratungsschein sehr leicht und schnell ausgibt und sich als „für die Familie“ bezeichnet.

Nochmals: Frauen sind in aller Regel klug genug, das Internet zu benutzen und das Wort „Beratungsschein“ bei Google einzugeben. (Doch, doch, dafür langts bei uns, liebe Jusos.) Der Antrag ist unfassbar chauvinistisch, denn er beinhaltet überdeutlich den Argwohn, daß schwangere Frauen gar nicht imstande sind, eine vernünftige, ihnen gerecht werdende Entscheidung zu treffen.

Weder Täuschung noch Verzögerung sind auf irgendeine Weise nachweisbar bei der Arbeit von Pro Femina. Aber möglicherweise kommt bei der Arbeit der Jusos zuweilen Verleumdung vor.

Es ist eine extremistische Position, dem Ungeborenen das Lebensrecht abzuerkennen. Ich tue mich selbst schwer mit den politischen Ausdrücken „rechts“ und „links“ – weil sich Rechte und Linke in Gegenrichtung so lange auf einer Kreislinie bewegt haben, bis sie mit den Nasen zusammengestoßen sind. Rechter und linker Chauvinismus mag äußerlich ein bißchen verschieden aussehen, aber elender, menschenverachtender Chauvinismus bleibts bei beiden.

Es war übrigens einer feministischen Journalistin, die sich bei Pro Femina als angeblich Ratsuchende einschlich, bei aller Mühe nicht möglich, eine einzige Frau aufzutreiben, die aus eigener Erfahrung schlecht über Pro Femina reden konnte. Da musste sie es eben selbst tun. Und konnte zwar viel Gehässiges sagen, aber im Grunde nichts anderes als: Ja, die kümmern sich um Schwangere in Not, die beraten, die geben unter Umständen finanzielle Hilfe, und die sind echt besorgt um die ratsuchenden Frauen. Wie entsetzlich – die bringen Frauen am Ende dazu, ihr Kind zu wollen!

Es ist zwar kompletter Irrsinn, Pro Femina zu verbieten, und juristisch keine Sekunde lang haltbar. Ich bin aber bezüglich deutscher Gerichte pessimistisch genug geworden, ein Verbot unabhängiger Beratung dennoch zu befürchten. Deshalb weise ich hier noch einmal auf die Petition zum Erhalt von Pro Femina hin.

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Rosenkranz-Workshop – dritter Tag

Gestern abend haben wir den Rosenkranz-Workshop abgeschlossen. Wieder gab es ein kleines Impulsreferat zum Thema „Wie schön darf ein Rosenkranz sein?“ – ein Plädoyer für schöne Dinge aus edlen Materialien (zu denen ich Holz zähle) im ganzen sakralen Bereich. Denn wir sind so gestrickt, daß wir schöne Rosenkränze lieber beten als solche aus unschönem Plastik, ebenso wie wir lieber in Kirchen gehen, die unserem künstlerischen Geschmack entsprechen, als in solche, die das nicht tun, obwohl ein Plastikrosenkranz und eine ungefällige Kirche ja nicht weniger Rosenkranz oder Kirche sind.

Schöne Holzperlen, schöne Kreuze und Medaillons!
Wieder wurde fleißig geknüpft und geredet. Eine Teilnehmerin hatte eine Photoreproduktion der Madonna vom Isenheimer Altar mitgebracht, und wir kamen überein, daß es eigentlich nicht verstehbar ist, wie man Kunst lieben und gleichzeitig nicht glauben kann. Ob Kunst der Bekehrung dienen kann? Gut möglich. Vielleicht auch die „Kleinkunst“ eines hübschen Rosenkranzes.

Zum Abschluss beteten wir wieder ein Gesätz.

Ich wurde in der Gemeinde bereits angesprochen, ob ich diesen Workshop noch einmal anbiete. Ja, gerne, und nicht nur einmal! Berliner Gemeinden, die diesen Workshop wollen, brauchen mich nur anzusprechen. In meiner Gemeinde werde ich ihn auf jeden Fall noch öfter anbieten.

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Von Figurinen, Dieben und Federn

Die Vorschriften des Dekalogs beinhalten die Absicht des Gesetzgebers selbst, nämlich Gottes. Daher lassen die Vorschriften des Dekalogs keine Dispens zu.
Thomas von Aquin, Summa theologiae, 1-2, q. 100, a. 8c

Es gibt verschiedene Motive zum Diebstahl. Die schiere Not kann zum Stehlen bewegen (und macht den Diebstahl zwar nicht in sich gut, ist aber ein stark mildernder Umstand). Habgier, Neurose und Prahlerei können zum Stehlen bringen – und, was mir neu war: irregeleitete Frömmigkeit kann das auch.

In der Kirche Santa Maria in Traspontina, nahe dem Vatikan, waren einige hölzerne Figurinen nackter Schwangerer vor einem Seitenaltar aufgestellt. Kurz vorher war bei einer Zeremonie in den Vatikanischen Gärten ein Gottesdienst gefeiert worden, bei denen zwei dieser Figurinen in einer Art „gestalteter Mitte“ eine Rolle spielten. Flugs hatten übereifrige Fromme die Holzfigürchen als Götzenbilder identifiziert und „Pachamama“ genannt. Pachamama, die südamerikanische Gottheit der Fruchtbarkeit, ist zwar traditionell nicht darstellbar – aber was kümmert das einen Zeloten! Den Hinweis des Vatikansprechers Pater Giacomo Costa, die Figur sei „weder heidnisch noch heilig“, muss man ja auch nicht lesen, oder? Mittlerweile steht hundertfach im Internet, daß es sich um „Pachamama“ handelt, um „Götzen“ – und wenn es im Internet steht, muss es ja stimmen, was? Oh halt – Pater Giacomo Costas Aussage steht auch im Internet. Aber nicht so oft. Und die Mehrheit muss ja Recht haben, weil, äh, also die Mehrheit der Guten, wobei, was gut ist, entscheiden eben die Guten, und die sind in der Mehrheit, also jedenfalls hier… alles klar?

Persönlich finde ich die Figurinen künstlerisch nicht besonders gelungen, aber das ist unwichtig. Ob man sie mag, ist nicht zuletzt Geschmackssache. Meiner Ansicht nach sollte ein katholischer Gottesdienst allerdings niemals so aufgebaut sein, daß er innerhalb der katholischen Kirche zu groben Missverständnissen führt, und Missverständnisse waren bei diesem Gottesdienst mit zwei weiblichen Aktfiguren in der gestalteten Mitte absehbar.
Auch ist die Ehrfurcht vor Müttern, vor Mütterlichkeit und Fruchtbarkeit, vor der Schöpfung zwar sehr berechtigt, darf aber nicht das Zentrum eines Gottesdienstes bilden – denn das Zentrum jedes Gottesdienstes ist Gott, und wir dürfen nicht Geber und Gabe, nicht Schöpfer und Schöpfung verwechseln.
Ich habe also an dem letzthin so hochgejazzten Gottesdienst in den Vatikanischen Gärten einiges zu bemängeln, aber nicht aus der Annahme, er sei als heidnischer Kult gemeint, sondern weil er teilweise so aussah. Das ist weit weniger schlimm als ersteres (wenn auch schlimm genug).

Die von vielen Frommen so ungnädig aufgenommenen Figurinen hatten in einer Kirche vorläufige Aufnahme gefunden, allerdings keinesfalls als Kultgegenstände. Ein Katholik hat sie vor laufender Kamera gestohlen und in den Tiber geworfen. Das war ein Verstoß gegen das 7. Gebot, außerdem durch die absehbare Bejubelung im Internet ein Akt des Hochmutes. Mit den Makkabäern wird der junge Spund verglichen, mit Bonifatius und anderen Großen. Also mit Menschen, die als analoge Bekenner einen ausgesprochen unangenehmen Tod auf sich nahmen, um Gott die Treue zu halten. Nicht mit Menschen, von denen ich im Video nicht einmal das Gesicht sehe und die im schlimmsten Fall eine Geldstrafe riskieren, wahrscheinlich nicht mal das.

Im nahen Zusammenhang mit dieser saudämlichen Aktion steht ein immer wiederkehrendes Genörgel darüber, daß bei der Amazonassynode auch Indigene in ihrem traditionellen Federschmuck erschienen. Da frage ich mich: Welchen Nörgler stört es in seinem religiösen Empfinden, wenn Frauen im Dirndl, Männer in ledernen Kniebundhosen zur Messe kommen? Und warum soll das eine berechtigt sein, das andere nicht?

Katholiken – seid keine Spießer! Seid keine Diebe! Seid einfach katholisch.
dixi.*

*für Karl-May-Fans: Hugh, ich habe gesprochen.

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