Nicht linksextrem? Alles OK?

Hier schrieb ich kürzlich über Jusos und ihren Kampf gegen das Grundrecht auf Leben (und einige andere Grundrechte dazu).

Kristijan Aufiero, Vorstandsvorsitzender von Pro Femina e.V., kritisierte den Antrag der Jusos unter Hinweis auf seine sprachliche und argumentative Nähe zu Linksextremisten. Die Tagespost berichtet nun, daß der Berliner Juso-Landessekretär Arne Zillmer dem widerspricht und sagt, es bestehe eben keine Nähe zu Linksextremen.

Schauen wir mal.

Das Bekennerschreiben vom 7. Oktober 2019 nach dem Überfall auf Pro Femina lautet:

Einbruch bei Pro Femina e.V. – Für den Feminismus!

Seit Juni 2019 befindet sich der Heidelberger „Lebensschutzverein“ Pro Femina e.V.“/1000plus als dritte Niederlassung in Deutschland in der Adenauerstr. 1, 10557 Berlin.

Dieser Verein gibt vor, ergebnisoffene Beratungen für schwangere Frauen* anzubieten, die sich im Schwangerschaftskonflikt befinden. Recherchen zeigten, dass diese Beratungen manipulativ und keinesfalls ergebnisoffen sind. Starke Zweifel der Frauen* wurden ignoriert und medizinisch nicht anerkannte psychische Folgeschäden eines Schwangerschaftsabbruchs aufgeführt. Es wurde sogar Geld dafür angeboten, dass Kinder zur Welt gebracht werden.

Wir haben am Wochenende des 5./6.10 das Büro des Vereins Pro Femina am Adenauerplatz am Ku’damm besucht. Wir brachen in das Gebäude ein, zerschlugen die Scheiben im 3. Stock, hinterließen einen zugeschmierten Flur mit Farbe und Buttersäure und den Spruch „Pro Choice!“ dazu verklebten wir das Schloss.

In dem Antrag der Jusos heißt es:

Am 1. Juli 2019 hat am Kurfürstendamm 69 die Berliner “Beratungsstelle” des Vereins „Pro Femina“ eröffnet.
„Pro Femina“ bietet laut eigener Aussage Beratungen „für Frauen im Schwangerschaftskonflikt” an.
Die Verwechslung mit der staatlich anerkannten Beratungsstelle „pro familia“ ist hier allein durch die Namensgebung durchaus gewollt. „Pro Femina“ stellt dabei jedoch weder einen Beratungsschein aus, noch beraten sie ergebnisoffen oder seriös. Laut einiger Erlebnisberichte von Personen, die in einer durch „Pro Femina“ geleiteten Beratungsstelle waren, setzen diese die Schwangeren* sogar auch nach der Beratung weiter unter Druck, keinen Abbruch vornehmen zu lassen, indem sie diese u.a. mit Anrufen regelrecht terrorisieren.

Die Vorwürfe hier wie dort: „manipulativ“, „setzen unter Druck“, „terrorisieren“; „keinesfalls ergebnisoffen“, „noch beraten sie ergebnisoffen“. Stilistisch sind die Schreiben sehr ähnlich. Zeitlich sind sie nah beieinander; der Antrag wurde zwei Wochen vor dem Überfall auf Pro Femina veröffentlicht.

Zunächst einmal stellt 1000plus / Pro Femina von vornherein klar, daß nicht „ergebnisoffen“ beraten wird, daß es keinen Beratungsschein gibt. Auch, daß keine Anschriften von Beratungsstellen, die diesen Schein liefern, weitergegeben werden, wird im Erstgespräch klar. Es wird immer darauf hingewiesen, daß man diese Stellen im Internet finden kann.

Manipulativ ist es nicht, wenn eine Beratungsstelle sich bei einer Klientin per Mail oder telephonisch (letzteres ist mir nicht bekannt) erkundigt, wie es ihr geht, und ihr sagt, daß sie jederzeit weiter die Hilfe von Pro Femina in Anspruch nehmen darf. Es kann übrigens in keiner Weise illegal sein, für das Leben des Ungeborenen zu plädieren. Im Gegenteil – wer das Gesetz kennt, weiß, daß die Beratung immer das Leben des Kindes besonders im Blick haben soll. (Und wer staatlich geförderte Stellen kennt, weiß, daß es selten so ist.)

Was den Namen angeht, nun ja: Pro Familia heißt „für die Familie“, Pro Femina heißt „Für die Frau“, und klanglich kann man das schon mal verwechseln. Nur sind schwangere Frauen in der Regel nicht dumm, sondern einfach schwanger, und können sehr wohl das Internet benutzen sowie, wenn sie unbedingt einen Beratungsschein wollen, Pro Familia finden. Übrigens kann man es als Etikettenschwindel bezeichnen, wenn eine Beratungsstelle den Beratungsschein sehr leicht und schnell ausgibt und sich als „für die Familie“ bezeichnet.

Nochmals: Frauen sind in aller Regel klug genug, das Internet zu benutzen und das Wort „Beratungsschein“ bei Google einzugeben. (Doch, doch, dafür langts bei uns, liebe Jusos.) Der Antrag ist unfassbar chauvinistisch, denn er beinhaltet überdeutlich den Argwohn, daß schwangere Frauen gar nicht imstande sind, eine vernünftige, ihnen gerecht werdende Entscheidung zu treffen.

Weder Täuschung noch Verzögerung sind auf irgendeine Weise nachweisbar bei der Arbeit von Pro Femina. Aber möglicherweise kommt bei der Arbeit der Jusos zuweilen Verleumdung vor.

Es ist eine extremistische Position, dem Ungeborenen das Lebensrecht abzuerkennen. Ich tue mich selbst schwer mit den politischen Ausdrücken „rechts“ und „links“ – weil sich Rechte und Linke in Gegenrichtung so lange auf einer Kreislinie bewegt haben, bis sie mit den Nasen zusammengestoßen sind. Rechter und linker Chauvinismus mag äußerlich ein bißchen verschieden aussehen, aber elender, menschenverachtender Chauvinismus bleibts bei beiden.

Es war übrigens einer feministischen Journalistin, die sich bei Pro Femina als angeblich Ratsuchende einschlich, bei aller Mühe nicht möglich, eine einzige Frau aufzutreiben, die aus eigener Erfahrung schlecht über Pro Femina reden konnte. Da musste sie es eben selbst tun. Und konnte zwar viel Gehässiges sagen, aber im Grunde nichts anderes als: Ja, die kümmern sich um Schwangere in Not, die beraten, die geben unter Umständen finanzielle Hilfe, und die sind echt besorgt um die ratsuchenden Frauen. Wie entsetzlich – die bringen Frauen am Ende dazu, ihr Kind zu wollen!

Es ist zwar kompletter Irrsinn, Pro Femina zu verbieten, und juristisch keine Sekunde lang haltbar. Ich bin aber bezüglich deutscher Gerichte pessimistisch genug geworden, ein Verbot unabhängiger Beratung dennoch zu befürchten. Deshalb weise ich hier noch einmal auf die Petition zum Erhalt von Pro Femina hin.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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