Also dagegen, daß Protestanten in einer katholischen Messe auch die Eucharistie empfangen können?
Vorab: Protestanten (und Muslime, Jesiden, Atheisten etc.) sind in der katholischen Kirche herzlich willkommen, solange sie sich an die Hausregeln halten (wovon man bei den meisten ausgehen kann). Also: wer – aus purer Neugier oder mit echtem Interesse am katholischen Glauben und Ritus oder weil er gerade irgendeinen Ort des Trostes und der Ruhe sucht – eine katholische Messe oder einen Wortgottesdienst mit Kommunionausteilung besucht, ist grundsätzlich willkommen!
Aber der Empfang der Eucharistie ist an bestimmte Regeln gebunden. Katholiken glauben, daß hier wirklich Jesus Christus leiblich anwesend ist, in der Gestalt von Wein und Brot, aber ganz Er. Darauf geht der ganze Ritus der Messe hin. Wenn der Priester oder Kommunionhelfer die Kommunion spendet, spricht er: „Der Leib Christi.” Darauf antwortet der Empfänger: „Amen.” (Das läßt sich übertragen mit „So ist es, so soll es sein”.)
Das heißt: Wenn jemand die Eucharistie empfängt, ohne den zentralen Glauben der katholischen Kirche zu bejahen, dann schwindelt er. Er macht sich selbst und anderen etwas vor. (Das gilt übrigens auch für Katholiken, die diese Glaubensinhalte nicht teilen wollen!)
Ich habe großen Respekt vor den meisten Menschen, gleich was sie glauben (und wo ich ihn nicht habe, ist das eher mein Mangel als der eines anderen). Ich kann keinem Menschen, ob ich ihn respektiere oder nicht, anraten oder zumuten wollen, sich und anderen etwas vorzumachen. Ich kann nicht wollen, daß jemand lügt, noch dazu in einer so großen Sache. Deshalb halte ich es für richtig, daß die katholische Kirche keine Interkommunion vorsieht.
Kürzlich wurde mir mit vielen Bibelzitaten und großer Gesprächigkeit erklärt, daß Jesus ja niemanden ausgeschlossen hat. Ich möchte nun nicht geradezu Ausdrücke wie Schlangenbrut, Heuchler, übertünchte Gräber u.ä. benutzen, geschweige denn von Mühlsteinen reden. Aber wer die Evangelien kennt, muss auch wissen, daß der Herr hin und wieder recht exklusive Dinge gesagt hat. Ich gehe davon aus, daß Er damit genau so recht hatte wie mit allem anderen auch.
Meist kommt übrigens die Forderung nach „Interkommunion jetzt” von Seiten, die die katholische Kirche gar nicht mögen. Und da frage ich irritiert: Würden Sie sich bei einem Ihrer Ansicht nach absolut gräßlichen, chauvinistischen Nachbarn mit Gewalt zum Essen einladen, wenn der ausdrücklich sagt, Sie dürfen den Garten angucken, aber von Buffet und Grill lassen Sie bitte die Finger?
Es gibt Fälle, in denen ich Interkommunion in Ordnung finde. Die SELK (Selbständig evangelisch-luterische Kirche) hat ein so ähnliches Eucharistieverständnis wie die katholische Kirche, daß ich da keinen Grund gegen die Interkommunion sehe. Auch wenn jemand auf dem Weg zur Konversion zum katholischen Glauben ist, ein ganz katholisches Eucharistieverständnis hat und sich sehr nach der Eucharistie sehnt, könnte man das vielleicht gewähren. Aber das ist meine persönliche Meinung – und die ist im Zweifelsfall immer erheblich unter der katholischen Lehre angesiedelt.
„Darf ich?” ist übrigens immer der bessere Anfang als „Ich will aber!”
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