Namenstag für alle!

Heute ist Allerheiligen, das heißt, die katholische Kirche gedenkt aller bekannten und unbekannten Heiligen. In den letzten 2000 Jahren wurde vermutlich auch jemand mit Ihrem Namen in Gottes Himmel aufgenommen – also können Sie aus statistischen Gründen mit Fug und Recht Ihren Namenstag feiern.

Ich jedenfalls freue mich, daß nicht nur Claudia und Johanna (meine Vornamen) gleich mehrere himmlische Namensträger haben, sondern auch Martin, Julius, Otto, Cornelia, Marcus, Wolfgang, Pauline, Bela, Gregor, Mireille, Peter, Thomas, Tobias, Susanne, Bernadette, Gideon, Maria und andere. 2004 verzeichnete das Martyrologium Romanum 6650 Heilige und Selige sowie 7400 Märtyrer, die namentlich nicht bekannt sind, deren Martyrium aber verbürgt ist (z.B. aus Berichten über Christenverfolgungen, bei denen es nur heißt „XY und Gefährten“ mit einer ungefähren Angabe, wie viele Menschen damals um Christi willen getötet wurden). Die Kirche erhebt aber damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Liste. Einerseits sind seither noch zahlreiche Heilige hinzugekommen. Andererseits dürfen wir selbstverständlich davon ausgehen, daß es viel, viel mehr Heilige als Heiligsprechungen gibt.

Einer, von dem ich ganz sicher bin, daß er als Heiliger im Himmel ist, starb vor einigen Jahren als treues Mitglied der Gemeinde Maria unter dem Kreuz in Berlin. Er hatte seine demente Frau hingebungsvoll gepflegt und zog die Kraft dazu aus seinem Glauben und der Stärkung durch die Sakramente. Außerdem war er ehrenamtlicher Küster, solange sein zuletzt sehr kranker Körper das noch zuließ. Er erlaubte sich selbst erst zu sterben, als seine Frau in einem sehr sorgfältig ausgesuchten Pflegeheim war, sie sich ein wenig eingelebt hatte und die Kinder der beiden versprochen hatten, sie regelmäßig zu besuchen. Ich habe wenige Menschen kennengelernt, die zugleich so liebevoll, so sozial und so fromm waren wie er und eine so bodenständige Vernunft hatten. Ein Seligsprechungsverfahren wurde nicht eingeleitet – auch weil es, so weit ich weiß, kein durch seine Fürsprache bewirktes Wunder gibt. Aber das ändert nichts daran, daß ich ihn in Gottes Herrlichkeit vermute und mich keine Sekunde wundern würde, wenn er für andere Menschen immer wieder bittet.

Alle Menschen sind zu Heiligkeit berufen. Was wir aus diesem Ruf machen, liegt bei uns und an unseren Anlagen. Es gibt so verschiedene Heilige wie den schroffen Athanasius und den Spaßvogel Philipp Neri, die intellektuelle Teresia Benedicta a Cruce und die schlichte (keineswegs dumme!) Bernadette Soubirous. Und es gibt die Unzähligen, die keiner mehr kennt und von denen keiner annimmt, daß sie in dieser leuchtenden Schar sind.

Jeder Heilige ist ein Grund zur Freude.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Namenstag für alle!

  1. Herr S. schreibt:

    Ein sehr schönes und würdiges virtuelles Epitaph, das Sie Ihrem Glaubensbruder aus der Berliner Kirchengemeinde da gewidmet haben. Sie dürfen sich sicher auch mit Anliegen an ihn wenden, so wie ich es gelegentlich schon mal mit meiner sehr früh verstorbenen schwerbehinderten Schwester tat, die im Stand der Gnade 1963 verstarb. Meine Frau hat mich übrigens darauf gebracht.

    Mit großem Gewinn habe ich übrigens die 8bändige von Ferdinand Holböck begründete und von Stefan Wirth fortgeführt Buchreihe „Die neuen Heiligen der katholischen Kirche“ gelesen. Die Bücher gibt es noch in der kath. Versandbuchhandlung Media Maria zu beziehen.

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