Mariusz

Er wohnte auf einer Matratze, an einer Berliner Hauswand. In dem nahen Gemeindehaus der evangelischen Kirche konnte er sich und seine Kleidung waschen. Viele Friedenauer versorgten ihn mit Essen und Trinken, mit Schutz gegen den Regen – unmöglich ausreichend in den regnerischen Oktobertagen, viele plauderten auch mal mit ihm, und manch einer betete für ihn.

Mariusz war immer freundlich. Winkte mir zu, wenn ich vorbeifuhr, ließ sich gern auf einen kleinen Schwatz ein. Einmal war die Polizei bei ihm, ich guckte etwas argwöhnisch, aber sie waren sehr freundlich und nahmen seine Aussage auf. Er war von irgendwelchen Tunichtguten verprügelt worden. Das blieb, soweit ich weiß, glücklicherweise ein einmaliger Vorfall, schlimm genug. Mariusz behielt seinen Humor in all seiner Not. Sagte bei starkem Regen: „Krieg ich Dusche.“ Er lachte oft, auch wenn es für ihn so wenig zu lachen gab.

Dann war er plötzlich nicht mehr da. Auch die Matratze samt Regenschutz und Decken fort. Natürlich machte ich mir Sorgen. Bis ich endlich mal genau hinguckte – sollte man eben gleich machen – und drei in Klarsichtfolie geschützte an die Hauswand geklebte Zettel fand, die eine große Erleichterung sind. Eines mit einem Photo von ihm auf seiner Matratze, fröhlich in die Kamera blickend.

Das Photo zeige ich nicht, weil ich nicht weiß, ob es ihm recht wäre. Die beiden gedruckten Zettel lauten:

24. Oktober 21 Mariusz ist jetzt zu Hause in Stettin

Liebe Nachbarn, liebe Freunde,

heute ist Mariusz von seiner Tochter und ihrem Mann und von seiner Frau Eva zurück nach Polen geholt worden, zurück nach Hause. Sein geliebter 14 Jahre alter Hund war mit dabei. Ein ersters Wiedersehen nach 8 Jahren.

In Polen geht er sofort in ein Krankenhaus zur Entgiftung und in die ReHa.

Bitte hofft und betet für ihn, dass er gesund wird und ihn die Kraft nicht verlässt.

Ich habe Mariusz in seinem Leid begleitet, geholfen, wie es mir möglich war. Seinen Satz „Bitte Hilfe for mich“ habe ich gehört und seit ca. 3 Wochen diesen Moment des Wiedersehens intensiv vorbereitet. Unser erstes Aufeinandertreffen hat uns alle sehr bewegt und vermutlich alle tief berührt.

Ich danke allen netten FriedenauerInnen für die vielseitigen und reichlichen täglich vorbeigebrachten Leckereien! Oftmals mit einem freundlichen persönlichen Gruß. Das waren Highlight Momente, die ihm vermutlich geholfen haben, durchzuhalten.

B. Patzelt

Mariusz geht es gut.

Er ist in Polen bei seiner Familie und im Krankenhaus

Hoffentlich findet er die Kraft für diese Chance auf Leben!

DANK an so viele nette FriedenauerInnen, die ihm beigestanden haben!!!!!!!!!

DANK an so viele nette Kinder, die mit ihm gelacht haben!

B. Patzelt, 31.10.2021

Gott schütze Mariusz und seine Familie und schenke ihnen allen Kraft.

Großen Dank an B. Patzelt und die evangelische Gemeinde für die liebevolle und wirksame Hilfe.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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