Urlaub bei den Mägden Mariens

Wilhelmshorst ist ein kleines Nest südlich von Potsdam; das älteste Haus wurde 1905 gebaut, und der Bahnhof Michendorf (immerhin zwei Gleise) passt ganz dazu. Wenn man von dort durch die Ortschaft mit viel Grün und wenigen Häusern einen knappen Kilometer geht, ist die Ortschaft schon zu Ende. Nahe einem Wald steht ein gründerzeitliches Haus – es wirkt auf den ersten Blick wie eine großbürgerliche Villa, aber während solche Villen meist prachtvolle Treppenaufgänge haben, gibt es hier nur einige bescheidene Seitentüren. Dies ist das Kloster Immaculata der Mägde Mariens von der unbefleckten Empfängnis – einer 1850 in Polen gegründeten Kongregation, die nach der franziskanischen Regel ihres Gründers, dem sel. Edmund Bojanowski, lebt und sich ganz dem Dienst an Waisen, Armen und Kranken verschrieben hat.

Der Garten ist eindrucksvoll groß und gut gepflegt. Ein kleiner See gehört schon zum Nachbargrundstück; ein fast ebenso großer Bewuchs mit gelb blühenden Schwertlilien steht noch auf Klostergrund. Man hört hier fast immer Stockenten, Teichrallen und Frösche knarren und quaken, außerdem singen Amsel und Buchfink, und der Buntspecht trommelt. Das Gästehaus ist ein etwas modernerer Bau, schlicht und funktional, mit einfachen, aber bequemen Zimmern – und ich war hier völlig allein.

Ich wollte – und mußte – ausspannen, und so nahm ich zwar mein Schreibzeug (Papier, einen Satz Stahlfedern und zwei Farben Tusche) mit, Telephon und Tablet ließ ich aber zu Hause. Ich hatte mir extra einen Reisewecker besorgt, der mich zwar zuverlässig weckte, aber nicht internetfähig ist.

Und es wirkte. Ich war schon auf dem Weg entspannter als sonst und überlege ernsthaft, mindestens einmal wöchentlich alles Internetfähige in Ruhe zu lassen. Empfangen wurde ich mit äußerster Herzlichkeit. Derzeit leben fünf Schwestern auf dem Anwesen in Michendorf. Die älteste ist demenzkrank und wird von ihren Schwestern mit Liebe und Fröhlichkeit mitgetragen.

Liebe und Fröhlichkeit sind überhaupt die Worte, die diese Schwestern beschreiben. Der Tag ist durch Gebet und Messe strukturiert (und ich nahm daran gern teil): 6.15 Laudes, 8.00 Messe, 11.40 Mittagshore, 17.40 Rosenkranz und Vesper. Komplet betet jede Schwester für sich, da die Arbeitszeiten zu unterschiedlich sind. Die Stundengebete werden ergänzt durch Gebete, die für diese Kongregation verpflichtend sind. Die demenzkranke Schwester nimmt an allen Gebeten teil – und sie nimmt wirklich teil, die Gebetstexte sind ihr in den Jahrzehnten ihres Ordenslebens so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie sie automatisch mitspricht. Sie ist auch für das Mittagsgebet zuständig und erfüllt diese Pflicht mit Freude und Genauigkeit. Auch besteht sie auf die Regel, daß zu jeder vollen Stunde das Ave Maria gebetet wird – jede Stunde wird hier unter den Schutz Gottes und Mariens gestellt.

Ich habe hier endlich ein Buch zu Ende gelesen, das schon lange auf meinem Schreibtisch lag: Sr. Pascalina, Ich durfte ihm dienen – eine stilistisch auf mir etwas anstrengende Weise blumige, aber dennoch sachlich sehr genaue und hochinteressante Beschreibung des Hl. Pius XII. Ein weiteres über 380 Seiten starkes Werk las ich hier von vorn bis hinten mit großer Spannung (ich werde darüber berichten). Die Pflege der Buchkultur war schon immer besonders in Klöstern zu Hause!

Außerdem versuchte ich mich wieder einmal ein bißchen in der Kalligraphie, mit leidlichem Erfolg – ein mittelalterliches Skriptorium hätte mich zwar hinausgeworfen, aber als neuzeitliche Freizeitbeschäftigung ist es in Ordnung.

Eine Woche lang beten, Messe feiern, lesen, mit Stahlfedern schreiben, den Garten genießen, mit den Schwestern plaudern, wieder beten – nicht mehr und nicht weniger! Und vom ersten Moment an war das so vollkommen schön, friedvoll, erholsam. Mit den Schwestern hatte ich wunderbare Gespräche, und es wird auch in Zukunft eine freundschaftliche Verbindung zu diesem Orden geben. Davon später mehr.

Ganz ohne Arbeit kann ein Dichter nicht leben, und es entstand auch dort wieder etwas. (Anmerkung: „Sonst keine Pflichten“ beziehe man bitte nur auf mich. Die Schwestern sind sehr tätig.)

Den Mägden Mariens in Michendorf

In frommer Schwestern stillem Haus
Ruh ich von Stadt und Arbeit aus,
Die Seele aufzurichten:
Kein Telephon! Kein Internet!
Früh auf die Beine, früh zu Bett!
Gebet – sonst keine Pflichten!

Die Tage sind so wundersam!
Viel Segen Gottes auf mich kam
In diesen heil’gen Hallen.
Ein jeder Tag hat Maß und Ziel
(Nur Schwester Köchin kocht zu viel,
Zu gut will’s mir gefallen)!

Wo jeder Tag voll Gotteslob
Mein Herz zu dem Dreieinen hob,
Muß ich nun fort mich heben!
Bleibt übers Jahr das Haus bestehn,
Will ich Euch gerne wiedersehn,
So Gott will und wir leben.

Der heilig-ruhigen Tage Glanz
Vermehrt ein blauer Rosenkranz,
Von guter Hand gespendet.
So fleh ich gerne im Gebet
Zu der, die überm Monde steht,
Auch wenn der Urlaub endet:

Maria, hilf der Schwesternschar,
Die mir so gut, so freundlich war,
Und bitt, daß dies Gebäude
Auf Gottes Ruf sich füllen mag
Mit Schwestern, die hier Tag für Tag
Ihm dienen voller Freude!

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Gesegnete Pfingsten!

Du Geist, der über Urflut schwebt,
der taubengleich vom Himmel steigt,
Du reine Liebe, die belebt,
die Sprache gibt und Wege zeigt!

Ein Flammenmeer im Jüngerkreis!
Aus jedem Mund ein Loblied klingt,
ein Glaubensfeuer, Gott zum Preis,
das Angst und Zweifel niedersingt.

Und keiner schweigt, und keiner bleibt,
der in dies Lied hat eingestimmt.
Auch uns der Geist zum Zeugnis treibt,
der unser Herz im Sturme nimmt.

© Claudia Sperlich

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Beistehen, lieben, danken, ertragen

Zu meinem Tagespost-Artikel über den Umgang mit Leidenden geht es hier.

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Was am Katholizismus so Klasse ist: Das Stundengebet!

In der Mitte der Nacht stehe ich auf, dir zu danken wegen der Entscheide deiner Gerechtigkeit… Siebenmal am Tag singe ich dein Lob wegen der Entscheide deiner Gerechtigkeit. (Ps. 119,62.164)
Betet ohne Unterlass. (1 Thess. 5,17)

Im Stundengebet strukturiert die Kirche den Tag zu einer Abfolge von Zeiteinheiten, die alle unter Gottes Segen und zu Gottes Ehre gelebt werden. Die tägliche Routine wird ebenso unterbrochen wie die außergewöhnliche Belastung, die feiertägliche Behaglichkeit ebenso wie die aufmerksame Tätigkeit, und selbst die Nachtruhe wird unterbrochen, um Gott zu preisen. Jede einzelne Hore ist wie ein großes Atemholen.

Priester, Diakone, die geweihten Jungfrauen, die Eremiten und die Ordensleute sind zum Stundengebet verpflichtet; sie stützen und tragen damit die Gemeinschaft der Gläubigen und dienen der ganzen Welt mit ihren Fürbitten. Eingeladen (nicht verpflichtet) sind alle Gläubigen zum Stundengebet, soweit ihre Lebensumstände das erlauben.

Mein Tag beginnt mit den Laudes, dem Morgenlob. Das heißt, ich danke zunächst einmal Gott für den neuen Tag, bitte Ihn um Seinen Segen, bitte auch für andere, stelle mich neu in Seinen Dienst.
Die mittägliche Sext und die Vesper am frühen Abend sind mir wichtig geworden und passen meistens in meinen Tageslauf.
Die Komplet bildet den Abschluss des Tages. Hier folge ich der ignatianischen Spiritualität und beginne mit einem dankenden Rückblick auf den Tag – und, vor dem Schuldbekenntnis, einem Vorsatz für den morgigen Tag. (Kein großer Vorsatz, nur einer, den ich mit sehr wenig Gnade ausführen könnte.)

Die Erfahrung zeigt mir, daß ein Tag, der von Laudes und Vesper umarmt wird, bessere Chancen hat zu gelingen. Die Kirche weiß das schon längst und nimmt gerade diese beiden Horen besonders wichtig. Es ist zwar keine Tragödie, wenn ich es mal nicht schaffe – denn die Priester und Ordensgemeinschaften tragen mich mit durch ihr Gebet. Andererseits glaube ich, je mehr das Stundengebet gepflegt wird, desto besser.

Die Komplet erfahre ich immer wieder als besonders tröstlich; ich kann mir auch keine schöneren Verse denken. Der abschließende Segenswunsch „Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende gewähre uns der allmächtige Herr“ legt in Gottes Hand, was der Beter selbst nicht in der Hand haben kann.

Das Stundengebet ist eine ganz sanfte Erziehung zu Frieden und Ordnung.

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Hörnchen, der Kletterkünstler

Immer wieder staune ich darüber. Es hält sich an dem rauhen Fassadenputz und an den Ranken der Jungfernrebe fest und bewegt sich kopfüber, kopfunter vollkommen sicher, ohne groß nachzudenken (kann es auch nicht mit seinem kleinen Kopf).

Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen

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Ein Lied zu Christi Himmelfahrt

ChristiHimmelfahrt

Entzogen unserm Sehen, erhoben in das Licht,
Will Er nicht von uns gehen, der Herr verlässt uns nicht.
Wir sollen Seine Zeugen und Seine Freunde sein,
Und will die Welt uns beugen, wird Christus uns befrein.

Er kommt an Seinem Tage zur vorbestimmten Zeit,
Und Satans Zwang und Plage weicht Seiner Herrlichkeit.
Doch eh die Völker beben vor Christi Endgericht,
Sagt allen: Er ist Leben, Er ist der Liebe Licht!

Wir dürfen heut Ihn schauen verhüllt auf dem Altar,
Wir wagen zu vertrauen: Sein Wort ist ewig wahr.
Was unsre Sinne merken, erscheint wie Brot und Wein.
Mit Sich will Er uns stärken, Er lädt zum Glauben ein.

Nun richtet eure Augen nicht in den Himmel nur.
Zum Leben will uns taugen, der vor uns zieht die Spur.
Bringt Liebe und seid Segen, wo immer Er euch weist,
In Worten, Taten, Wegen beschwingt vom Heilgen Geist.

© Claudia Sperlich

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Jetzt ohne Werbung. Und mit Datenschutz.

Die Daten meiner Leser habe ich natürlich auch früher nicht verhökert oder von den Dächern gerufen. Die neue Datenschutzverordnung unterstellt das aber pauschal jedem, der sich im Internet tummelt, und trotz meiner kürzlichen sorglosen Ansage habe ich mir auf Anraten eines Freundes heute doch die Mühe gemacht, meine Accounts, vor allem den bei Google, der alten Krake, zu überprüfen.

Auf WordPress hat sich für meine Leser Folgendes geändert:

1. Mein Hauptblog – also dieses hier – heißt von nun an katholischlogisch.blog; wer den alten Namen eingibt, wird sofort auf den neuen umgeleitet.
2. Da hierdurch Google bestimmte Aktionen auf diesem Blog nicht mehr merkt, habe ich die Like- und Teilen-Buttons wieder eingerichtet. PARDON, DAS WAR EINE FEHLINFORMATION. NEIN, MAN KANN HIER WEDER TEILEN NOCH LIKEN – AUS GRÜNDEN DES DATENSCHUTZES.
3. Meine anderen Blogs, auch mein Autorenblog, bleiben ohne Like- und Teilen-Möglichkeiten und haben durchweg keine Kommentarfunktion mehr – sie sind ohnehin rein informativ.
4. Auf diesem Blog kann man wie vorher kommentieren, wenn man eine Mailadresse hinterlässt.
5. Meine Leser werden nicht mehr mit Werbung angeödet – es sei denn, ich werbe für etwas, z.B. Bücher. Aber das ist ja nicht öde.

Vielleicht werde ich mit dem Aussehen des Blogs noch ein wenig experimentieren – vielleicht auch nicht. Was die Inhalte angeht, bleibe ich katholisch, logisch, dichterisch, spiritotroph, häreticophob, ecclesiophil, hostiophag.

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Der Krimi und die Religion

Eine alte Katholikin wird ermordet. Es stellt sich heraus, daß die als wohltätig bekannte Frau um den langjährigen Mißbrauch von Jungs durch einen Pfarrer gewusst und geschwiegen hat. (Warum ihr, der höchst bigotten Katholikin, das Schicksal eines evangelischen Pfarrers so sehr am Herzen lag, verschweigt der Film.)

Grenzpolizisten erreichen auf Verbrecherjagd nur noch das kürzlich verlassene Auto eines Schmugglerduos – mit Rosenkranz am Innenspiegel.

Ein mit einer spannenden Rahmenhandlung um den blinden Ermittler beginnender Krimi geht weiter mit dem Streit zweier Ganoven in einem Lieferwagen, in dem sie junge Frauen transportieren (und schon sehr bald auf sie schießen). Auf dem Armaturenbrett klebt eine Madonnenstatue, am Innenspiegel baumelt (schon wieder) ein Rosenkranz.

Der anfangs nur leise Verdacht gegen einen Familienvater erhärtet sich, als deutlich wird, daß er seine Kinder ausdrücklich nach biblischen Maßstäben erzieht. Natürlich auch gewalttätig, Bibel ist so, meint der Drehbuchautor.

Ein frommer junger Mann mit amerikanischem Akzent entpuppt sich als ein jugendlicher Rabauke, der betrunken Auto fährt und andere Autos beschädigt, wobei die Zugehörigkeit zu einer christlichen Gemeinschaft ausschlaggebend ist. Fazit: Wenn die ihr geschütztes Umfeld verlassen, sind sie so.

Ein Kleinganove trägt einen auffälligen Kreuzanhänger.

Ein liebenswürdiger Polizist spricht nach einer für ihn sehr peinlichen Situation ein unbeholfenes Gebet. Ein Kollege kommt dazu und wundert sich.

Polizisten sprechen nach einem dramatischen Einsatz über ihr Verhältnis zur Religion. (Sie haben keines.) „Irgendwas wird es da oben schon geben“ ist das „Religiöseste“, was gesagt wird. Sonst geht es nur darum, warum sie nicht religiös sind. Und daß es doch genügt, ein guter Mensch zu sein und seine Arbeit anständig zu machen.

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Die Rede ist von acht Fernsehfilmen aus verschiedenen Serien. Sie stehen hier exemplarisch für unzählige andere. Wenn man von verschiedenen Pater-Brown-Adaptionen absieht, ist Christentum (besonders das katholische, aber auch das anderer Denominationen) ein Hort der Kriminalität, zumindest des Rabaukentums, und die Guten haben religiöse Anflüge nur gelegentlich als liebenswerte Schrulle.

Gerade Serien stellen oft den Anspruch, auch aufklärerisch zu wirken. Was Religion angeht, so sind sie verleumderisch. Denn natürlich gibt es Mißbrauch, Mord und Totschlag und Rabaukentum leider auch bei Christen, nicht weil, sondern obwohl sie Christen sind. Aber Fernsehkrimis erwecken den Eindruck, als müsse man bei Christen im Gegensatz zu anderen Menschen schon gleich damit rechnen, daß sie gefährlich Böses tun. Es wird so getan, als neigen Christen in besonderer Weise zu Schandtaten.

Selbstverständlich bin ich als Christin meiner atheistischen Umwelt insofern gefährlich, als ich meinen Glauben nicht verhehle. Das birgt die Gefahr, daß ein Atheist sich dafür interessiert, und tut er das erst einmal, kann ihm geschehen, daß er irgendwann kein Atheist mehr sein will. In diesem Sinne könnte man behaupten, daß ich Atheisten kille. Aber physisch will ich niemandem etwas zuleide tun – was übrigens mit meiner Religion zu tun hat.

An dieser Stelle sage ich ausdrücklich: Auch wenn ich es in einer Aufwallung der Gefühle für angemessen hielte, einem Drehbuchautor eins hinter die Löffel zu geben, wäre das keineswegs mit dem Dekalog, der Goldenen Regel und den Geboten der Kirche vereinbar. Aber daß es bei ARD und ZDF atheistische Rotzlöffel gibt, die ihr Honorar damit verdienen, Lügen über die Christenheit und das Christentum in die Welt zu setzen, das darf ich sagen.

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Erwachsen sein, katholisch werden

Im echter Verlag, in der Reihe Ignatianische Impulse, ist ein Büchlein mit Aussagen katholischer Neugetaufter und Konvertierter erschienen. Was das Eintreten (so der nüchterne Titel) veranlasst hat, welche Schwierigkeiten geblieben sind und welche Schätze gehoben wurden, beschreiben 31 Menschen, von denen der älteste mit 77 Jahren konvertierte, der jüngste mit dreißig Jahren getauft wurde, alle in St. Canisius in Berlin.

Das Buch ist in fünf Abschnitte aufgeteilt: Staunen, Sehen, Seufzen, Sprechen, Üben. Das Staunen der Neuankömmlinge im Katholizismus über die Schönheit und Tiefe dieser Konfession, über die sich in so vielen Facetten und auf so vielfältige Arten erschließende Wahrheit. Das Sehen als Wahrnehmen der eigenen Bedürftigkeit und der katholischen Kirche, als Offenbarung. Das Seufzen über die tatsächlichen und vermeintlichen Unzulänglichkeiten der eigenen Person und der Kirche. Das Sprechen als Apologie, als Zuspruch, als Weg zur Selbsterkenntnis. Das Üben als Einüben des Glaubens in Kirche und Alltag.

Die Lebensläufe und Beweggründe sind ganz verschieden. Da ist der in der DDR aufgewachsene und atheistisch erzogene Mann, der nicht versteht, wie gescheite und freundliche Menschen so etwas glauben können – und dem die Erkenntnis dann unvermittelt an einem nächtlich stillen See geschenkt wird. Da ist der Freimaurer, der auf der Suche nach dem Wahren, Schönen und Guten bis in den höchsten Rang seiner Loge gelangt – und in der Kirche ohne die Theatralik der freimaurerischen Riten das findet, was er so lange suchte. Da ist die fromme Protestantin, die über zehn Jahre lang mit den Heiligen und Märtyrern liebäugelt, ehe sie den Schritt zur Konversion wagt.

Einige Aussagen lassen mich zunächst genervt einatmen. Neukatholiken, die ihre Homosexualität völlig in Ordnung finden (und, wie ich finde, in diesem Buch mit 3 von 31 überrepräsentiert sind). Oder an der Kirche bemängeln, daß sie Frauen nicht alle Ämter offenhält. Oder Yogaübungen und Buddhismus teilweise anerkennen (immerhin nicht als religiöse Übung und Religion). Beim Ausatmen denke ich dann: Wie war ich denn als Neugetaufte und noch eine ganze Weile danach? Und werde sanftmütig. Zumal ich weiß, daß ich meine Genervtheit über diese Passagen mit mindestens einer der Autorinnen teile.

Sehr verschiedene Zugänge zum katholischen Glauben werden vorgestellt, einige eher emotional, andere ganz verstandesgemäß. Jedoch sehen die emotionalen Typen die Religion nicht als Gefühl, die Verstandestypen Ihn nicht als dem Verstand vollkommen fassbar an, sondern beiden Grundtypen ist klar, daß beide, Gefühl und Verstand, im Katholizismus zu ihrem Recht kommen, daß der Glaube andererseits kein Gefühl ist und Gott dem Verstand nicht fassbar ist.

Ein Konvertit schreibt:

Ich hatte selbst als Kind und Jugendlicher meinen Teil an Geringschätzung und Zurücksetzung abbekommen, den die sogenannten gebildeten oder auch nur bessergestellten Klassen für die Unteren übrighatten. Und auch wenn ich nun selbst zu den Akademikern gehöre, möchte ich die Orientierung an denen, die im Wesentlichen die Lebensgrundlagen für die anderen schaffen und gleichzeitig kulturell und spirituell die am meisten Benachteiligten sind, auch heute nicht aus den Augen verlieren. Sie fehlen mir auch in unserem Kirchenleben, das mir zu sehr von der gebildeten Mittelschicht und deren Bedürfnissen dominiert zu sein scheint.

Das passt zu meiner Empfindung bei der Lektüre: Wir sind doch keine Kirche der gebildeten Mittfünfziger! (Zu denen ich zähle, schon gut…) – Ich weiß nicht, ob der Herausgeber des Büchleins, Pater Christoph Soyer, Leiter der „Katholischen Glaubensinformation Berlin“, nur die gebildete Mittelschicht auf dem Weg zu Taufe oder Konversion begleitet, aber dies Buch erweckt den Anschein. Das ist schade. Denn auch wenn die katholische Kirche nicht ohne Bildung bestehen kann (Theologie, Kunst und Literatur gehören ja dazu, wie übrigens aus den Aussagen hervorgeht), ist sie für alle Menschen da und darf nicht zu einem elitären Zirkel verkommen.

Dennoch – und trotz einiger bedenklicher Sätze über das Wesen der Kirche und das Kirchenrecht in Einführung und Schlußwort des Herausgebers – empfehle ich das Buch. Denn es stellt uns den Reichtum, die Größe und Schönheit der Kirche vor durch Menschen, die sich bewußt für sie entschieden haben.

Christoph Soyer (Hg.): Eintreten. Wege in die Kirche. 104 S. Reihe: Ignatianische Impulse, echter Verlag Würzburg, 2018
ISBN 978-3-429-04461-9
8,90 € (D); 9,20 € (A)

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Freunde

Jesus sagt lt. Joh. 15,9-17:

Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.

Gott liebt die Menschen so sehr, wie Er sich selbst liebt – unendlich und vollkommen. Er selbst will, daß wir uns in dieser Liebe geborgen wissen und danach handeln. Jesus will unser Freund sein – Gott trägt uns die Freundschaft an!

„Tu, was ich sage, dann bist du mein Freund“ – wenn mir irgenein anderer als Jesus so käme, würde ich ihm vermutlich einen Vogel zeigen, und das mit vollem Recht. Wenn er dann auch noch impliziert, er könne mich ja auch zu seiner Magd machen, aber das will er gerade nicht – dann würde ich andere vor ihm warnen.

Nun sagt das aber nicht irgendeiner, sondern Gott selbst, der irrtumsfreie Gott, der die reine Liebe ist. Und Er präzisiert: „Der Auftrag lautet: Liebe!“

Lieben soll ich also. Dann ergibt sich das mit der Gottesfreundschaft von selbst. Ich denke, darauf kann man sich einlassen.

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